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Søren Kjørup: Semiotik

Rezensiert von Guido Ipsen

Einzelrezension
Die Semiotik als Wissenschaft, Institution und philosophische Tradition verfügt über eine nicht unerhebliche Einführungs- und Übersichtsliteratur. Einige hervorstechende (im Sinne der Bedeutung) wie auch – seltener – hervorragende (im Sinne der Qualität) Werke gehören dazu. Im deutschsprachigen Raum dürfte das Handbuch der Semiotik von Winfried Nöth heute die wichtigste und qualitativ beste Einführung präsentieren. Vor dem Hintergrund der langen Entwicklungs-geschichte der Semiotik erscheint Semiotik von Søren Kjørup. 66 Textseiten, gefolgt von einem Glossar von 60 Begriffen und 30 Titeln Bibliografie sowie einem dreiseitigen Index, machen das Buch aus. Was kann man davon erwarten? Mehr

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Christoph Moss (Hrsg.): Die Sprache der Wirtschaft

Rezensiert von Klaus Spachmann

Einzelrezension
Welche Sprache spricht die Wirtschaft? Diese Frage ist nicht nur angesichts der aktuellen Diskussion um die Finanz- und Wirtschaftskrise interessant, sondern auch grundsätzlich bedeutsam. Spannende Ansatzpunkte für die Analyse gibt es viele, etwa Wirtschaftssprache als Ausdruck einer bestimmten Denkhaltung, als Mittel der Unternehmens- kommunikation oder als Vehikel beziehungsweise Hindernis gesellschaft- licher Verständigung. Der von Christoph Moss herausgegebene Band greift viele dieser Aspekte auf. Kommunikations-praktiker und Wissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen werfen in elf kurzen Beiträgen Schlaglichter auf das Thema. Dabei sind die Perspektiven der Beiträge so vielfältig wie die biografischen Hintergründe der Autoren. How-to-do-Anweisungen, z. B. zur Sprache der Werbung, finden sich ebenso wie Sprachführer, etwa zur Börsensprache, und theoriegeleitete Erklärungsansätze, beispielweise zur Rolle von Glaubwürdigkeit für die Sprache in Geschäftsberichten. Mehr

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Veronika Vieler: Filmregie als Verstehensprozess

Rezensiert von Peter Ellenbruch

Einzelrezension
Wenn man Filme von Wim Wenders mag und nach einem Buch zum Verhältnis von Werk und Regisseur sucht, kann man mit der Schrift von Veronika Vieler einen quellenreichen Einstieg finden. Anhand zahlreicher autobiografischer und selbstreflexiver Äußerungen von sowie einiger Sekundärliteratur zu Wenders (bzw. zum Neuen Deutschen Film) und vieler Filmbetrachtungen skizziert die Autorin den Werdegang des Regisseurs. Hierbei analysiert sie etliche historische und filmhistorische Bezüge, die Wenders in seine Filme eingewoben hat – besonders in der detaillierten Betrachtung des Films "Der Stand der Dinge". In diesem Prozess wird – ganz im Sinne des Autorenkinos, zu dem Wenders gemeinhin gezählt wird – der Filmemacher direkt an sein Werk gekoppelt, sodass eine autorenzentrierte Interpretation der Darstellungs- und Erzählweisen entsteht. Vielers Ziel ist es dabei, hermeneutische Analysemethoden nach Hans-Georg Gadamer und Werner Ingendahl anzuwenden, um zu einer auf Wenders bezogenen Charakterisierung der "Filmregie als Verstehensprozess" - wie es im Titel heißt - zu gelangen. Mehr

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Peter Brummund: Die Entwicklung des Funktionsrabatts im Presse-Grosso

Rezensiert von Bernd Klammer

Einzelrezension
Brummunds Fazit ist ebenso klar wie ernüchternd, zumindest aus Sicht kleiner und mittelständischer Verlage, die Auftraggeber der von ihm vorgelegten Studie sind: Das bestehende Vertriebssystem von Zeitungen und Zeitschriften über das Presse-Grosso wäre ohne die großen Verlage nicht zu finanzieren. Änderungen bei den Kriterien für die Festlegung des Funktionsrabatts sind entweder nicht praxistauglich oder gegen den Widerstand der anderen Handelspartner nicht durchzusetzen. Deshalb müssen die mittelständischen Verlage weiterhin wirtschaftliche Nachteile in Kauf nehmen, um aus eigenem Interesse das Fortbestehen des letztlich allseits akzeptierten Vertriebssystems über den Absatzweg Groß- und Einzelhandel zu sichern. Mehr

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Marco Iacoboni: Woher wir wissen, was andere denken und fühlen

Rezensiert von Nadia Zaboura

Einzelrezension
Eine der letzten ungestürmten Bastionen der conditio humana ist der Andere: Was in unseren Freunden oder Feinden – also außerhalb unserer eigenen Gedanken- und Gefühlswelt – passiert, kann nur angenommen und mal mehr, mal weniger treffsicher antizipiert werden. Trotzdem sind unsere Annahmen über das Innenleben des Gegenübers nicht rein spekulativ: Mit oft erstaunlicher Präzision erkennen wir intuitiv und unmittelbar, aus welchen Motiven heraus der Andere handelt und welche Aktion er als nächstes ausführen wird. Zur Deutung dieser Präzision wurden in den 1990er Jahren mit der Entdeckung besonderer Nervenzellen – der so genannten Spiegelneurone – erstmals auch biologische Mechanismen herangezogen. Seitdem bringen diese speziellen Nervenzellen eine neue Dynamik in die Diskussion um zwischenmenschliche Einfühlung, Perspektivübernahme und Handlungsantizipation. Und damit befeuern sie zeitgleich die Debatte, ob und wie mentale Phänomene auf biologische Gehirnvorgänge rückführbar oder sogar: reduzierbar sind. Mehr

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Saskia Ziegelmaier: Visuelles Framing von Alter

Rezensiert von York Kautt

Einzelrezension
Die Arbeit von Saskia Ziegelmaier fokussiert die Inszenierungen des Alters und der Alten im Kontext eines bestimmten Bereichs der Massenmedien, nämlich der journalistischen Berichterstattung – mithin ein spezifisches Segment des weiten Themenhorizonts, den der Titel der Monographie aufspannt. Die Studie ist zweigeteilt: Während in einem ersten Abschnitt die benötigten Begriffe und Konzepte erläutert werden (Kap. 2-4), präsentiert die Autorin im zweiten Teil eine empirische Studie, die sich mit den Altersdarstellungen in aktuellen journalistischen Formaten und deren Rezeption beschäftigt (Kap. 5 und 6). Das in der Einleitung formulierte Ziel des theoretischen Abschnitts, nämlich "den Framing-Ansatz aus Perspektive der visuellen Kommunikationsforschung zu beleuchten" und dabei einen "Entwurf für ein 'visuelles Framing-Konzept'" vorzustellen, "der das grundsätzliche Defizit der Bildbetrachtung im kommunikationswissenschaftlichen Framing-Ansatz aufgreift" (12) bleibt wie die entsprechenden Ausführungen hierzu etwas unklar. Mehr

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Gottfried Boehm; Horst Bredekamp (Hrsg.): Ikonologie der Gegenwart

Rezensiert von Silvia Seja

Einzelrezension
Der von Gottfried Boehm und Horst Bredekamp herausgegebene Band Ikonologie der Gegenwart basiert auf einer Vorlesungsreihe, die zwischen 2002 und 2007 an der Humboldt-Universität zu Berlin abgehalten wurde. Die Umschlagseite des Buches zeigt ein verlassenes Freilichtkino, dessen leere Kinoleinwand darauf zu warten scheint, durch ein Kaleidoskop von bunten Bildern belebt zu werden – etwa durch die einzelnen Beiträge des Buches. Die acht Aufsätze verfolgen das Ziel, aus jeweils unterschiedlicher Perspektive den Gedanken zu beleuchten, dass der bereits vor einigen Jahren ausgerufene iconic turn dazu geführt hat, dass Bilder nicht mehr nur als Abbildungsinstrumente fungieren, sondern 'aktiv' in vielfältigen Zusammenhängen verwendet werden. Im Geiste der auf Panofsky zurückgehenden Methode der Ikonologie werden Alltagsbilder, Kinobilder, Videobilder, Kunstbilder, Sprachbilder oder Gedankenbilder hinsichtlich ihrer kulturellen Bedeutung diskutiert. Die Beiträge befinden sich somit "auf der Grenze zwischen Gegenwartsbezug und Archiv", also auf der Schwelle zwischen aktueller Lebenspraxis und Vergangenheit. Mehr

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Michael Grisko (Hrsg.): Texte zur Theorie und Geschichte des Fernsehens

Rezensiert von Herbert Schwaab

Einzelrezension
Angesichts der gerade zu beobachtenden Veränderungen des Fernsehens durch das Internet und der Neukonfiguration seines Publikums ist die von Michael Grisko angebotene Sammlung von Texten, die sich mit der Theorie und Geschichte des Fernsehens beschäftigen, besonders hilfreich. Der Band konzentriert sich vorwiegend auf die Wiedergabe einer in Deutschland geführten ästhetischen und gesellschaftlichen Diskussion des Fernsehens. Aus diesem Grund erklärt sich die Abwesenheit wichtiger fernsehwissenschaftlicher Beiträge, die aus dem Umfeld der Cultural Studies stammen. Diese Konzentration lässt zwar befürchten, dass die in diesem Band dokumentierte Kritik von Theodor W. Adorno oder Günther Anders am Fernsehen keine Kontrastierung findet. Aber in der Lektüre zeigt sich, dass diese Konzentration auch die Möglichkeit bietet, der Genese bestimmter fernsehwissenschaftlicher und -kritischer Positionen beizuwohnen. Vor allem die Texte aus den Jahren, in denen sich das Medium zu formieren beginnt, liefern interessante Erkenntnisse über das 'Wesen' des Fernsehens. Mehr

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Petra Grimm; Rafael Capurro (Hrsg.): Informations- und Kommunikationsutopien

Rezensiert von Barbara Thomaß

Einzelrezension
Utopien können eine träumerisch-eskapistische Tendenz haben – dann stellen sie entrückte Gegenentwürfe zu zeitgenössischen Lebenserfahrungen dar; oder eine vorwärtsstrebende – dann suchen sie nach Möglichkeiten, Unbilden des Gegenwärtigen durch Alternativen zu überwinden, die erst unter zu erwartenden oder zu erhoffenden zukünftigen Bedingungen zu verwirklichen sind. Ebenso verhält es sich mit Kommunikationsutopien, die an den jeweils gegenwärtigen kommunikativen Bedingungen und Erfahrungen anknüpfen und dann über sie hinaus reichen. Insofern sind Kommunikationsutopien zeitabhängig. Sie verweisen auf Defizite, die Menschen in ihrer aktuellen kommunikativen Vernetzung erfahren. So können Kommunikationsutopien ein Schlüssel zum Verständnis von empfundenen Mängeln aktueller Verständigungsprozesse sein. Mehr

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Ursula Amrein (Hrsg.): Das Authentische

Rezensiert von Susanne Knaller

Einzelrezension
Der von der Zürcher Germanistin Ursula Amrein herausgegebene Sammelband Das Authentische. Referenzen und Repräsentationen geht zurück auf eine im April 2006 im Centro Stefano Franscini auf dem Monte Verità bei Ascona veranstaltete Tagung unter dem Titel "Das Authentische. Zur Konstruktion von Wahrheit in der säkularen Welt". Der Tagungsband bietet einen neuen Untertitel. Mit den Begriffen "Referenz" und "Repräsentation" ist dem ontologisch aufgeladenen Haupttitel ein semiotisches Moment an die Seite gestellt, das die dem Problemfeld "authentisch/Authentizität" inhärente Ambivalenz zwischen Konstruktivität und Transzendenz betont. Die einzelnen Artikel aus den Bereichen Philosophie, Kunst, Literaturwissenschaft, Medienwissenschaft, Soziologie, Theologie, Psychoanalyse, Neurologie, Übersetzungs- und Editionswissenschaft sind unterschiedlich positioniert. Dabei fällt auf, dass der titelgebende Begriff "das Authentische" in der Regel durch "Authentizität" ersetzt wird. Mehr

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