Blog-Archive

Alexis von Mirbach, Michael Meyen: Das Elend der Medien

Rezensiert von Siegfried Weischenberg

Das Buch, welches die beiden Münchner Kommunikationswissenschaftler Alexis von Mirbach und Michael Meyen in der Dreifach-Rolle als Interviewer, Autoren und Herausgeber vorlegen, kommt nicht nur mit einem Titel und Untertitel daher, der an Klarheit (scheinbar) nichts zu wünschen übrig lässt, sondern auch mit einem Anspruch, der auf eine fundamentale Gesellschaftsanalyse hinausläuft. Die orientiert sich theoretisch und im empirischen Zugriff an Pierre Bourdieu – was nicht weiter überrascht, denn bekanntlich ist die ‘Neue Münchner Schule’ dem französischen Soziologen in besonderem Maße verpflichtet. Hier gilt dies auch terminologisch, denn man sieht sich in der Tradition von Bourdieus berühmter Studie “Das Elend der Welt” (La misère du monde). Mehr

Veröffentlicht unter Einzelrezension, Rezensionen

Jan Distelmeyer: Kritik der Digitalität

Rezensiert von Hans-Dieter Kübler

Digitalität definiert der Potsdamer Medienwissenschaftler in diesem knappen Kompendium zunächst nicht mit einer konzisen, umfassenden Begriffserklärung, sondern (gleich im ersten Satz) als “Zumutung”, und zwar sogar in vierfacher Hinsicht: erstens weil “der Begriff und die Gleichzeitigkeit der Präsenz und Verborgenheit von Bedingungen, Apparaten und Prozessen […] programmatische Wechselwirkungen” markieren; zweitens “mythische und materielle Faktoren” zusammenwirken; drittens weil “unterschiedliche theoretische Ansätze zur Digitalität” beschritten werden und viertens weil inzwischen “digital” und “vernetzt” gleichgesetzt werden. Damit begründet er implizit den Titel des Buches, wenngleich er dann doch eine Definition nachschiebt, die er aus diversen Begriffsklärungen filtert: Der Begriff ziele “auf Grundsätzliches” insoweit ab, als er “die Gesamtheit und Eigenart der Bedingungen und Folgen elektronischer Digitalcomputer in all ihren Formen” bezeichnet. Mehr

Veröffentlicht unter Rezensionen

Beatrice Dernbach, Beate Illg (Hrsg.): Journalism and Journalism Education in Developing Countries

Rezensiert von Guido Keel


Der Journalismus spielt eine Schlüsselrolle in der politischen, ökonomischen und sozialen Entwicklung von Ländern. Dabei sieht er sich gleich mit zwei Herausforderungen konfrontiert: Erstens muss er seine Rolle in der gesellschaftlichen Transformation finden. Er muss abwägen, inwiefern er als regierungstreuer Akteur zur Stärkung politischer und ökonomischer Strukturen beitragen oder aber als kritischer Beobachter die Veränderungen hinterfragen soll. Zweitens muss er – zumindest teilweise – die nötigen (Infra-)Strukturen erst aufbauen oder diese mit Blick auf ein neues Selbstverständnis reformieren. Dazu gehört auch die Ausbildung des journalistischen Personals. Mehr

Veröffentlicht unter Rezensionen

Hedwig Wagner (Hrsg.): Europäische Medienwissenschaft

Rezensiert von Hans-Dieter Kübler

Dies sei für den deutschsprachigen Raum die erste Publikation, die der “Verschränkung von Europa und Medien” “grundlegend” nachgeht, verkündet in ihrer umfänglichen Einleitung die Herausgeberin selbstbewusst, die an der Universität Flensburg seit 2016 Europäische Medienwissenschaft vertritt – um am Ende kleinlaut einräumen zu müssen, dass eine “Europäische Medienwissenschaft […] noch aus[steht]”. In dieser wenig strukturierten, unübersichtlichen Einleitung führt sie etliche Kategorien und mögliche Zugänge auf, die die Programmatik und Praxis dieses Faches begründen und leiten sollen. So eröffnen sich vier “grundsätzliche mögliche Bezugsrahmen”, nämlich 1) Europa in den Medien; 2) Medien für Europa; 3) Medien(gebrauch) in Europa; 4) Europa durch Medien. Mehr

Veröffentlicht unter Einzelrezension, Rezensionen

Michael Müller: Politisches Storytelling

Rezensiert von Ralf Spiller

Die Begriffe Storytelling und Narrative sind Modebegriffe (Buzzwords) geworden, konstatiert Michael Müller gleich auf der ersten Seite seines Buches. Sie würden sehr unterschiedlich, zum Teil auch negativ bewertet werden. Als “Storytelling Animals” würden wir Menschen in weiten Bereichen aber nun mal in narrativen Strukturen denken. Unsere gesellschaftlichen Diskurse seien stark von Geschichten, Erzählungen und Narrativen geprägt – egal, ob uns das passe oder überhaupt bewusst sei. Der Autor schreibt Narrativen, also Mustern, mit denen wir unsere tatsächlichen oder vermeintlichen Erfahrungen erklären, eine große Bedeutung zu. “Geschichten bauen die Welt aus Sprache”, schreibt Müller in Anlehnung an den russischen Literaturwissenschaftler Jurj Lotman und argumentiert, dass uns diese Modelle der Welt maßgeblich beeinflussen. Die gesamte Welt sei eine “Narratosphäre”, ein Raum aus Geschichten, Erzählungen und Narrativen, der einen wichtigen Teil unseres Weltverständnisses und Weltverstehens ausmache. Mehr

Veröffentlicht unter Rezensionen

Dennis Steffan: Visual Politics

Rezensiert von Ralf Spiller

“Ein Bild sagt mehr als tausend Worte” – ein bekanntes Sprichwort, das auch für die Politik gilt. Visuelle Kommunikation war für Politiker schon immer wichtig. Schon im Altertum inszenierten sich Feldherren vor ihrem eigenen Volk und unterjochten Völkern mit Insignien der Macht, um Stärke zu demonstrieren. Heute sind die Möglichkeiten für derlei deutlich einfacher: Ein paar Mausklicks bei Instagram und Facebook genügen. Wie genau Politiker sich in Wahlkämpfen visuell inszenieren, untersucht Dennis Steffan in drei Aufsätzen, mit denen er an der FU Berlin promoviert wurde. Diese bilden den Kern seiner Dissertationsschrift, der umrahmt ist von einer Einleitung und einer Zusammenfassung. Mehr

Veröffentlicht unter Einzelrezension, Rezensionen

Sabine Trepte, Leonard Reinecke: Medienpsychologie

Rezensiert von Ralf Spiller

Die Medienpsychologie gewinnt an Bedeutung. Zum einen aus gesellschaftlicher Perspektive durch eine immer stärker digitalisierte und mediatisierte Welt, zum anderen durch stark wachsende wirtschaftliche Anwendungsfelder wie E-Commerce, Online-Games und soziale Netzwerke, die einen zunehmenden Bedarf an medienpsychologischen Erkenntnissen erzeugen. Und nicht zuletzt interessieren sich auch Studierende immer mehr für Medienwirkungen von Instagram, Youtube und Co.Das Lehrbuch Medienpsychologie von Sabine Trepte und Leonard Reinecke wendet sich explizit an Bachelor-Studierende. Es stammt aus der Reihe “Grundriss der Psychologie”, von denen sich jeder Band ohne Rückgriff auf Wissen aus anderen Teilgebieten der Psychologie lesen lassen soll. Mehr

Getagged mit: ,
Veröffentlicht unter Einzelrezension, Rezensionen

Sabine Coelsch-Foisner, Christopher Herzog (Hrsg.): Visualisierung

Rezensiert von Hans-Dieter Kübler

Menschheits- und kulturgeschichtlich war das (fixierte) Bild vor dem (geschriebenen) Wort. Seither beschäftigt sich die Menschheit mit jeweils unterschiedlichen Zugängen, Wertungen und Schwerpunkten mit dem “Bildwerden und dem Bildgeben”, verstanden als universelle Visualisierung, so die Herausgeberin, die Salzburger Anglistin S. Coelsch-Foisner in ihrer grundlegenden Einleitung dieses Sammelbandes. Entstanden ist er nach der Jahrestagung des fünften Forschungsclusters der ARGE “Kulturelle Dynamiken” der Österreichischen Forschungsgemeinschaft (ÖFG) 2018 in Wien. Das Hauptaugenmerk der Tagung lag auf den Zusammenhängen von eikon und episteme – von Bild und Erkenntnis – in ganz verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen, für unterschiedliche Erkenntnisobjekte und Themen und auch in künstlerischen Dimensionen. Erkenntnisziel war die interdisziplinäre Reflexion von “Dynamiken des Visualisierens” sowie die Auslotung “konzeptioneller und methodologischer Schnittmengen einzeldisziplinärer Ansätze und visueller Praktiken in Wissenschaft und Kunst”. Mehr

Veröffentlicht unter Einzelrezension, Rezensionen

Christine Trültzsch-Wijnen, Gerhard Brandhofer (Hrsg.): Bildung und Digitalisierung

Rezensiert von Hans-Dieter Kübler

Diskutieren Pädagog*innen hinsichtlich der anhaltenden technischen und medialen Veränderungen gewissermaßen immer wieder dieselben Fragen und Probleme? Das fragen sich mit verblüffender Offenheit und unverstellter Selbstreflexion die beiden Herausgebenden, Lehrende der (Medien-)Pädagogik in Salzburg und Niederösterreich, in der Einleitung ihres Tagungsbandes, der im Kontext der Kongresses “EDU|days 2020” entstanden ist: Seit den 1990er Jahren geht es um “Medienkompetenz” in all ihren Facetten und Ansprüchen, nunmehr Digitalisierung, digitale Kompetenz oder gar digitale Bildung, um womöglich nach 20 Jahren rückblickend festzustellen, dass es ebenso eine modische Welle war. Der Band will und kann darauf keine Antwort geben, ebenso wenig wie er ein Lehrbuch oder Hilfestellung für Praktiker*innen ist. Vielmehr kommen Wissenschaftler*innen aus verschiedenen Disziplinen zu Wort, die “das Thema Bildung und Digitalisierung multiperspektivisch betrachten und wissenschaftliche Auseinandersetzungen mit konkreten Beispiele und Berichten aus der medienpädagogischen Praxis verbinden”. Mehr

Veröffentlicht unter Einzelrezension, Rezensionen

Joseph Vogl, Burkhardt Wolf (Hrsg.): Handbuch Literatur & Ökonomie

Rezensiert von Jonas Nesselhauf

Die verheerende Wirtschaftskrise von 2007/8 (nach dem Zusammenbruch des US-amerikanischen Subprime-Hypothekenmarkts) hatte nicht nur globale Auswirkungen. Sie führte beispielsweise in Europa zu einer dramatischen Staatsschuldenkrise, wovon zunächst besonders die südlichen Länder, schließlich aber die gesamteuropäische Währungsunion betroffen waren. Auch auf einem anderen Feld machte sich der Crash bemerkbar: Denn in den darauf folgenden Jahren erschienen zahlreiche Romane und Erzählungen, Filme und Fernsehserien, die sich mit der ökonomischen Krise und ihren sozialen Folgen beschäftigten – mit der Gier der Spekulanten ebenso wie mit den gesellschaftlichen Auswirkungen von Bankrott und Arbeitslosigkeit, aber auch mit den komplexen Prozessen und Verflechtungen des ökonomischen Systems allgemein (etwa in John Lanchesters Roman Capital oder Adam McKays Film The Big Short). Mehr

Veröffentlicht unter Rezensionen
 1 2 3 4 5 6 7 8 ... 68 69 70