Von Hans-Dieter Kübler


Wenn man in jungen Jahren eine bahnbrechende Erfindung macht und ihr sein ganzes Leben widmet, und wenn diese Erfindung inzwischen 70 Prozent der Weltbevölkerung (359) nutzen, dann dürfen sich die Entwicklungsgeschichte dieser Technologie und die eigene Biografie eng ineinander verweben. Dementsprechend neigt sich in dieser Autobiographie des Web-Erfinders Tim Berners-Lee der Blick mal zur einen, mal zur anderen Seite. Der Titel, This is for everyone, zielt auf das Web ab: Anfangs – bis zu seiner Erfindung von 1990/92 – wird eher autobiografisch erzählt, in den letzten Kapiteln (bis 2024/25) geht es dagegen um die (Fehl-)Entwicklungen und kommerziellen Ausbeutungen des Web durch die Plattformkonzerne und um Social Media. Am Ende setzt sich Berners-Lee mit den Chancen und Risiken von KI auseinander. “Unvollendet“ ist die Geschichte des Web wohl kaum – es sei denn, man hält immer noch an der ursprünglichen Idee des Webs als globale kommunikative Teilhabe aller fest, entwickelt stets neue alternative Tools, die sich gegen die Macht der Tech-Konzerne richten, ermutigt und organisiert unverdrossen kritische Initiativen und Mitstreiter*innen gegen sie, wie es Berners-Lee offenbar bis heute tut. “Noch ist es Zeit für uns alle […], uns zu verbünden und Technologien zu schaffen, die der Würde unserer verletzlichen Gattung auf diesem einsamen Planeten dienen“ (369), so der nunmehr 70jährige etwas pathetisch-optimistisch am Ende seines Buches. Mehr










