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Martín Oller Alonso: Decolonizing Journalistic Knowledge

Rezensiert von Tanjev Schultz

Einzelrezension
Was erfährt das Publikum in Deutschland aus den Medien über politische und kulturelle Vorgänge in Rumänien oder Bulgarien? Beschämend wenig. Es muss schon russische Einflussnahme, annullierte und neu angesetzte Präsidentschaftswahlen wie zuletzt in Rumänien geben, große Krisen also, damit es diese Länder in die Nachrichten schaffen. Den wenigen deutschen Medien, die überhaupt aus Ost- und Südosteuropa berichten, fehlen dort feste Korrespondentenbüros. Was in Bukarest geschieht, wird von Wien aus beobachtet. So herrscht mediale Ignoranz gegenüber manchen Ländern sogar dann, wenn es zu ihnen eine ziemlich große historische, geographische und kulturelle Nähe gibt. Bulgarien und Rumänien sind Mitgliedsländer der Europäischen Union, aber noch immer verlaufen innerhalb der Union unsichtbare Grenzen. Dazu passt der Begriff "Subalternität", den Martín Oller Alonso in seinem Buch verwendet. Bestimmte Regionen gelten als randständig, als weniger wichtig, weniger selbständig. Das spiegelt sich in medialen Mustern und Organisationen wider, zum Beispiel in den Eigentumsverhältnissen und der Expansion westlicher Medienunternehmen, die nach 1989 ihre Geschäfte nach Osten ausdehnten. Mehr

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Maike Suhr: Zwischen Repair und Care

Rezensiert von Phoebe Maares

Einzelrezension
Journalismus in Deutschland wird hauptsächlich von weißen, gut ausgebildeten Menschen produziert, die wenig bis keine Marginalisierungserfahrungen haben. Der Zugang zum Berufsfeld über schlecht bezahlte Praktika, freiberufliche Arbeit und unbefristete Anstellungen bedeutet, dass man sich diese Berufswahl leisten können muss. Wie kann Journalismus unter solchen Umständen diverse Perspektiven in Redaktionen und Berichterstattung ermöglichen? In ihrer Dissertation untersucht Maike Suhr journalistische Neugründungen als Chance, Diversität in Redaktionen und im journalistischen Feld zu fördern. Damit betrachtet sie ein hochaktuelles Problem und liefert erste Erkenntnisse darüber, welche Rolle journalistische Neugründungen für Diversität und die Überwindung von Ungleichheit im Journalismus spielen. Mit ihrer Arbeit erweitert sie die Forschung zu Entrepreneurial Journalism, prekärer Arbeit und intersektionaler Ungleichheitsforschung. Theoretisch bezieht sich Suhr auf feministische und intersektionale Zugänge sowie die Konzepte des Diversity Management und der Ungleichheit und fasst den Forschungsstand zu Diversität in etablierten Redaktionen, Alternativmedien und journalistischen Neugründungen zusammen. Mehr

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Johanna Dorer, Brigitte Geiger, Brigitte Hipfl, Viktorija Ratković (Hrsg.): Handbuch Medien und Geschlecht

Rezensiert von Stine Eckert

Einzelrezension
Mit dem Handbuch für Medien und Geschlecht. Perspektiven und Befunde der feministischen Kommunikations- und Medienforschung legen die vier Herausgeberinnen Johanna Dorer, Brigitte Geiger, Brigitte Hipfl und Viktorija Ratković ein beeindruckendes Werk vor. Es führt Leser:innen in die deutsch- und englischsprachige Forschung zu Kommunikation, Journalismus, Medien und Gender in sehr zugänglicher Sprache und gut strukturiert ein. Das Buch ist in zehn Teilabschnitte mit je mehreren Kapiteln gegliedert, die sinnvoll mit zwei grundlegenden Theorie- und Methodenübersichten beginnen. Auf diese folgen zwei Teile zu Medienproduktion, -inhalten und -rezeption und historischer Medienforschung. In weiteren fünf tieferführenden Abschnitten werden hochrelevante Themen in der feministisch-kritischen Forschung zusammengefasst und eingeordnet: Politik und Ökonomie, Frauenbewegungen und feministische Medien, Gewalt und Dominanzverhältnisse, Differenzen sowie Medienkultur. Im letzten, kürzesten Teil werden in zwei Kapiteln zukünftige Forschungsfragen aufgeworfen. Ein Vorwort von Irene Neverla ordnet das Handbuch als wichtigen Beitrag zur Etablierung der feministischen Kommunikations- und Medienforschung im deutschsprachigen Raum ein. Mehr

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Tim Berners-Lee: This is for everyone

Von Hans-Dieter Kübler

Essay
Wenn man in jungen Jahren eine bahnbrechende Erfindung macht und ihr sein ganzes Leben widmet, und wenn diese Erfindung inzwischen 70 Prozent der Weltbevölkerung (359) nutzen, dann dürfen sich die Entwicklungsgeschichte dieser Technologie und die eigene Biografie eng ineinander verweben. Dementsprechend neigt sich in dieser Autobiographie des Web-Erfinders Tim Berners-Lee der Blick mal zur einen, mal zur anderen Seite. Der Titel, This is for everyone, zielt auf das Web ab: Anfangs – bis zu seiner Erfindung von 1990/92 – wird eher autobiografisch erzählt, in den letzten Kapiteln (bis 2024/25) geht es dagegen um die (Fehl-)Entwicklungen und kommerziellen Ausbeutungen des Web durch die Plattformkonzerne und um Social Media. Am Ende setzt sich Berners-Lee mit den Chancen und Risiken von KI auseinander. "Unvollendet“ ist die Geschichte des Web wohl kaum – es sei denn, man hält immer noch an der ursprünglichen Idee des Webs als globale kommunikative Teilhabe aller fest, entwickelt stets neue alternative Tools, die sich gegen die Macht der Tech-Konzerne richten, ermutigt und organisiert unverdrossen kritische Initiativen und Mitstreiter*innen gegen sie, wie es Berners-Lee offenbar bis heute tut. "Noch ist es Zeit für uns alle […], uns zu verbünden und Technologien zu schaffen, die der Würde unserer verletzlichen Gattung auf diesem einsamen Planeten dienen“ (369), so der nunmehr 70jährige etwas pathetisch-optimistisch am Ende seines Buches. Mehr

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Stefan Stumpp, Daniel Michelis, Thomas Schildhauer: Social Media

Rezensiert von Hans-Dieter Kübler

Einzelrezension
Mittlerweile schon in der 5. Auflage erscheint das vorliegende Handbuch Social Media, das vorwiegend von Lehrenden und Mitarbeiter*innen der Hochschule Anhalt bestritten wird. Die Herausgeber annoncieren eine vollständig aktualisierte und erweiterte Auflage, die in einem neuen Teil IV um die Themen Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Klimabewusstsein ergänzt wird. Auch aktuelle Themen wie digitale Verantwortung von Unternehmen, Generative Künstliche Intelligenz, Cancel Culture, Zukunftsforschung, Chancen und Risiken für Kinder und Jugendliche, Authentizität, New Work und Influencer Marketing werden berücksichtigt. Sie hoffen damit "den Zeitgeist zu treffen und einen bewussten Umgang mit Sozialen Medien zu fördern". Doch den anerkannten Kriterien eines Handbuchs, nämlich möglichst sachlich, aktuell und systematisch zu informieren, genügt auch diese Ausgabe allenfalls partiell. Denn es überwiegt ein betriebswirtschaftlich-kommerzieller Bias mit praxeologischen Intentionen. Bevorzugte Adressaten sind Unternehmen, die soziale Medien für ihre Marketingstrategien optimieren (sollen), statt der Milliarden privater User*innen weltweit, deren ausufernde Nutzung inzwischen zahlreiche gesellschaftliche Probleme verursacht und allenthalben auf politische Restriktionen drängt. Mehr

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Alfred Ludovic Fellner: Lösungsorientierter Fotojournalismus

Rezensiert von Beatrice Dernbach

Einzelrezension
In vielen aktuellen medienwissenschaftlichen Publikationen wird die Welt auffällig ähnlich dargestellt: Sie ist düster, von Krisen bestimmt, der Klimawandel liegt über allem und Lösungen sind nicht in Sicht. Medien und Journalismus verstärken die Stimmung eher noch. Auch die veröffentlichte Dissertationsschrift von Alfred Ludovic Fellner setzt mit diesem Szenario ein. Es dient ihm als Folie, um die Potenziale eines lösungsorientierten Fotojournalismus empirisch zu untersuchen. Bevor der Blick in das etwa 170 Seiten umfassende Buch geworfen wird, sind ein paar Anmerkungen zum Autor wichtig. Mehr

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Susanne Vollstädt: Online-Schülerzeitungen

Rezensiert von Gabriele Hooffacker

Einzelrezension
Welche journalistische Qualität haben Schülerzeitungen? Gibt es überhaupt ein Qualitätsbewusstsein in den Redaktionen? Als ich etwa 1976 begann, Seminare für die "Junge Presse Bayern e. V.", den Verband der bayerischen Schüler- und Jugendpresse, zu halten, stand ich genau vor diesem Dilemma. Sollten, müssten sich die Schülerinnen und Schüler an den Regeln für den Zeitungsjournalismus orientieren, oder war das zu viel verlangt? Und wie zum Teufel sollte man herausfinden, welche Regeln das überhaupt waren? Schließlich stieß ich auf ein Buch, das nicht nur zur Grundlage für unsere Schülerpresse-Seminare wurde, sondern später auch für meine eigenen Lehrbücher. Es stammte von Walther von La Roche, vormals Leiter des Jugendfunks beim Bayerischen Rundfunk, und hieß Einführung in den praktischen Journalismus. Bis in die Nullerjahre hinein war es in seinen weiteren Auflagen Grundlage bei meinen Seminaren auch für die Jugendpresse Sachsen zur "Schülerzeitung im Internet". 2026 ist nun bei Springer VS eine Dissertation erschienen, die Antworten auf meine damaligen Fragen gibt. Und diese Dissertation macht das nicht nur methodisch ganz ausgezeichnet, sondern lenkt den Blick auch auf ein lange vernachlässigtes Forschungsfeld der Geschichte von Journalismus und Journalistik. Mehr

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Julia Faltermeier: Konstruktiver Journalismus

Rezensiert von Beatrice Dernbach

Einzelrezension
Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Journalisten (gleichgültig welchen Geschlechts) sind es auch. Mit dieser psychologischen Grundannahme macht sich Julia Faltermeier auf Spurensuche, wie dennoch journalistische Routinen verändert werden können. Nicht um der Abwechslung willen, sondern um mehr Konstruktiven Journalismus (KJ) umzusetzen. Die Autorin analysiert aus einer psychologischen Perspektive intrinsische und extrinsische Motivationen für einen Wandel – aber auch die Barrieren und Hindernisse. Sie hat ein nur 170 Seiten dickes Buch (15 Seiten davon umfasst das Literaturverzeichnis) vorgelegt, in dem sie die wissenschaftliche Analyse sehr gewinnbringend mit der Alltagsbeobachtung verknüpft. Mehr

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Fabian Goldmann: Staatsräsonfunk

Rezensiert von Sabine Schiffer

Einzelrezension
Fabian Goldmann legt mit seinem Buch Staatsräsonfunk eine hervorragende Auswertung der deutschen Nahostberichterstattung vor. Seine Datensammlung und quantitativ-empirische Analyse decken schonungslos Einseitigkeiten, Auslassungen und Verfälschungen im deutschen Nachrichtenjournalismus zu Israel-Palästina auf. Dabei stellt Goldmann diese Befunde jenen Ansprüchen gegenüber, die eine demokratische Gesellschaft gegenüber ihren Informationsmedien erhebt: dem Pressekodex, den Medienstaatsverträgen sowie den selbst formulierten Maßstäben einiger Medienhäuser. Goldmann untersucht akribisch Fragen des Wordings, das Ausblenden wichtiger Fakten und Kontexte sowie die unhinterfragte Übernahme israelischer Pressestatements an prominent-aufmerksamkeitsrelevanten Stellen wie in Titeln. In den Mittelpunkt stellt er dabei die dpa sowie den öffentlich-rechtlichen Rundfunk – respektive die tagesschau. Mehr

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Georg Fülberth : »…dem liberalen Schwindel ein Ende zu machen«

Rezensiert von Horst Pöttker

Einzelrezension
Georg Fülberth, einer der ewigen Linken in der deutschen Sozial- und Politikwissenschaft, Schüler und Nachfolger von Wolfgang Abendroth in Marburg, anfangs SPD- und danach DKP-Mitglied, publiziert ungeachtet seiner 86 Jahre immer noch beachtliche Schriften zur »Kapitalistik«, wie er sein interdisziplinäres Forschungsgebiet nennt. Sein jüngstes Buch widmet sich der ein Jahr währenden publizistischen Zusammenarbeit zwischen Wilhelm Liebknecht, dem im August 1900 im Alter von 74 Jahren unerwartet gestorbenen Chefredakteur des SPD-Zentralorgans Vorwärts in seinem letzten Lebensjahr, und dem zu der Zeit 25-jährigen Wiener Journalisten Karl Kraus, der gerade seine Zeitschrift Die Fackel gegründet hatte, in der er dann weitere 36 Jahre fast als Alleinautor die liberale Presse sprachkritisch und politisch aufs Korn nehmen sollte. Mehr

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