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Sylvia Dietl: Transformation und Neustrukturierung des DDR-Rundfunks im Prozess der Wiedervereinigung Deutschlands

Rezensiert von Mandy Tröger

Einzelrezension
Selten gibt es Dissertationen, die einen zentralen Beitrag zum besseren Verständnis historischer Gegenwart leisten. Sylvia Dietls Buch ist solch eine Dissertation; sie schreibt ein ganzes Kapitel deutscher Mediengeschichte neu. Das ist keine kleine Leistung. Ein äußeres Indiz für die Stärke des Buches sind dessen 658 Seiten und über 1700 Fußnoten. Ihre Wirkungsmacht liegt aber im Inhalt: Dietl analysiert die Transformation und Neustrukturierung des Rundfunks in Ostdeutschland vor mehr als 30 Jahren. Das tut die Politikwissenschaftlerin auf breiter Quellenbasis, mit analytischem Scharfsinn und Liebe fürs Detail. In zehn Hauptkapiteln zeigt sie, wie mit der Vereinigung von Bundesrepublik und Deutschen Demokratischen Republik (DDR) "ein vollständiger Institutionentransfer von West- nach Ostdeutschland" einherging. Im Zuge dessen war auch die Neustrukturierung der ostdeutschen Rundfunklandschaft "ein Angleichungsprozess nach bundesrepublikanischem Muster". Das heißt, das DDR-Rundfunksystem wurde zerschlagen und in einem radikalen Transformationsprozess in das Mediensystem der Bundesrepublik integriert. Dieser Prozess – und das zeigt das Buch in seiner ganzen Komplexität – war zutiefst unreglementiert und dadurch hochpolitisch. Mit den Folgen leben wir bis heute. Mehr

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Stine Eckert, Ingrid Bachmann (Hrsg.): Reflections on Feminist Communication and Media Scholarship

Rezensiert von Claudia Wilhelm

Einzelrezension
Der von Stine Eckert und Ingrid Bachmann herausgegebene Band versammelt zehn Essays von bedeutenden Vertreterinnen feministischer Kommunikations- und Medienforschung. Alle zehn Autorinnen wurden mit dem Teresa Award for the Advancement of Feminist Scholarship der Feminist Scholarship Division (FSD) der International Communication Association (ICA) ausgezeichnet. Der Teresa Award würdigt Arbeiten, die einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung, Reichweite und zum Einfluss feministischer Forschung in der Kommunikations- und Medienwissenschaft leisten und so genderbezogener Forschung in der Fachgesellschaft mehr Sichtbarkeit verleihen. Anhand der Beiträge werden die Entwicklungslinien feministischer Forschung innerhalb der Medien- und Kommunikationswissenschaft nachgezeichnet. Mehr

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Tanja Carstensen, Simon Schaupp, Sebastian Sevignani (Hrsg.): Theorien des digitalen Kapitalismus

Rezensiert von Hans-Dieter Kübler

Einzelrezension
"Die Debatte um den digitalen Kapitalismus nimmt weiter Fahrt auf", begründen die Herausgebenden gleich eingangs die Edition dieses wichtigen Readers. Diese Einschätzung mag für einschlägige Kreise kritischer Wissenschaftler*innen gelten, nicht aber für die alltägliche Rede, in der vorrangig von Digitalisierung und Transformation gesprochen wird. Die Spezifizierung auf die potenziell gegenwärtige Formation des Kapitalismus, die ja theoretische wie analytisch-praktische Weiterungen impliziert, fehlt weitgehend. Und wenn man die hier versammelten Beiträge einschlägiger Autor*innen wie C. Fuchs, N. Srnicek, P. Staab, U. Delata und J.-F. Schrape, F. Stalder überfliegt, meiden sie meist die eindeutige politökonomische Zuordnung oder befassen sich mit peripheren Themen. Selbst der Paderborner Medienökonom C. Fuchs, der mehrfach marxistische Adaptionen der aktuellen Medienverhältnisse publiziert hat, kommt nach seiner peniblen Durchsicht einschlägiger Kategorien zu der abschließenden Prämisse: "Man sollte den digitalen Kapitalismus in der Gesellschaftsanalyse nicht verabsolutieren, sondern seine Interaktionen und Verschränkungen mit anderen Aspekten der kapitalistischen Gesellschaftsformation untersuchen". Mehr

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Lina Franken: Digitale Methoden für qualitative Forschung

Rezensiert von Ralf Spiller

Einzelrezension
Erleben wir gerade den "computational turn" in den Sozialwissenschaften? Also eine massive Veränderung ähnlich dem "visual", "spatial" oder "linguistic turn“? Lina Franken hält sich bei der Beantwortung dieser Frage zurück. Sie führt an, dass digitale Arbeitstechniken zumeist nach wie vor hybride Techniken sind, "verbunden mit viel digitaler Handarbeit". Und dies werde ihrer Meinung nach auch noch lange so bleiben. Doch der Reihe nach: Franken möchte qualitative Perspektiven auf digitale Daten und Methoden vorstellen, diese systematisieren und so einen praktischen Einstieg ermöglichen. Das Buch soll zudem Referenzen für die eigenständige Vertiefung anbieten. Der Autorin geht es primär darum, digitale Tools, welche in anderen Bereichen bereits genutzt werden, hinsichtlich der konkreten Bedürfnisse und Ansprüche qualitativer Methoden einzuordnen. Mehr

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Michael Stahl: Der Platz der Freiheit und sein Denkmal

Rezensiert von Horst Pöttker

Einzelrezension
Vermutlich handelt es sich bei diesem durchaus aufschlussreichen Buch um eine akademische Abschlussarbeit, was aber weder dem Vorwort noch den Fußnoten zu entnehmen ist. Unter anderem die methodologischen Turnübungen zur Inhaltsanalyse sowie der manchmal jugendlich-flapsige, manchmal auch akademisch verkrampfte Stil lassen darauf schließen. Zum Beispiel ist in Zitaten aus Texten vor der großen Rechtschreibreform hinter alle Wörter mit einem "ß" ein "[sic]" gestellt. Dem Autor scheint nicht geläufig zu sein, dass in wissenschaftlichen Textwiedergaben die ursprüngliche Orthographie durchaus korrekt und auch sinnvoll ist. Aufschlussreich ist die Arbeit, weil sie in dreifacher Hinsicht Aufmerksamkeitsmängel sichtbar macht. Mehr

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Etrit Asllani: What the Fake!

Rezensiert von Guido Keel

Einzelrezension
Das Anliegen des Autors ist ein äußerst löbliches: Etrit Asllani will jungen Menschen helfen, mit Informationen auf sozialen Medien verantwortungsvoll umzugehen, indem er ihnen erklärt, was Falschmeldungen sind, wie man sie erkennt und weshalb es wichtig ist, dass man sie nicht einfach weiterverbreitet. Wenn sich junge Menschen auf das Buch von Asllani einlassen, finden sie darin vielfältige Informationen zum Thema Fake News. Das beginnt mit der Geschichte von Fake News, die es schon bei den alten Griechen und Römern gab, wie der Autor an Beispielen zeigt. Und es gibt sie in vielfältigen Formen, von kruder Propaganda über Hoaxes bis zur Satire. Mehr

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Sascha Friesike, Johanna Sprondel: Träge Transformation

Rezensiert von Hans-Dieter Kübler

Einzelrezension
Woran liegt es, dass Deutschland laut dem "Digital Riser Report" 2021 in Bezug auf seine digitale Wettbewerbsfähigkeit in Europa fast Schlusslicht ist, nur noch unterboten von Albanien? Das fragen sich die beiden Autor*innen, der eine Professor für Design digitaler Innovationen an der Universität der Künste Berlin und Direktor des Weizenbaums-Instituts für die vernetzte Gesellschaft und Professorin für Medien, Kommunikation und Marketing in Stuttgart die andere. Es scheint daran zu liegen, explizieren die Autor*innen, dass hierzulande digitale Transformation nicht in ihren basalen Dimensionen erfasst wird. Mehr

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Mark Carrigan: Social Media for Academics

Rezensiert von Ralf Spiller

Einzelrezension
Die Nutzung von Social Media ist für die meisten Menschen in wohlhabenden Gesellschaften mittlerweile selbstverständlich. Doch gilt das auch für Wissenschaftler, die Social Media beruflich nutzen? Früher mussten sich Wissenschaftler noch rechtfertigen, wenn sie auf Social Media über ihre Forschung berichteten, glaubt Mark Carrigan. Mittlerweile sei es jedoch eher so, dass Forscher sich rechtfertigen müssen, wenn sie nicht auf sozialen Netzwerken unterwegs seien (vgl. 240). Sein Buch, so der Autor, solle ein Praxisleitfaden für Wissenschaftler sein. Es soll ihnen dabei helfen abzuwägen, was gut und was schlecht für sie ist hinsichtlich der Nutzung von Social Media. Mehr

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David Waldecker: Mit Adorno im Tonstudio

Rezensiert vom Carsten Heinze

Einzelrezension
Die Herstellung von Musik in einem Tonstudio übt in mindestens zwei Hinsichten eine besondere Faszination aus. Einerseits kommen Musiker*innen, Bands oder Ensembles an einem technisch speziell hierfür konzipierten Ort zusammen, um in einem komplizierten, mal kürzer, mal länger währenden Prozess des "gemeinsamen Musizierens" (Alfred Schütz) zusammen mit Toningenieur*innen ein klingendes Produkt herzustellen. Andererseits sind es die historischen Spuren dieser mystischen Orte und der dort produzierten Alben und Künstler*innen, die faszinieren und über eine räumliche, technische und auch ästhetische Aura verfügen. Das Tonstudio verkörpert den modernen, auf Rationalisierungen beruhenden Prozess der Musikproduktion und ist damit Teil der musikindustriellen Professionalisierung. Diesem Ort ist die vorliegende Untersuchung gewidmet. Mehr

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Ingo von Münch: Gendersprache

Rezensiert von Gunter Reus

Einzelrezension
In der Leserbriefspalte der ZEIT schrieb Herr E.-B. (85) aus B. im April dieses Jahres zu einem Bericht über alte Menschen: "Ich habe mich nie jünger gefühlt … Und der Political Correctness, dieser verdrießlichen Gouvernante mit der hochgeschlossenen Bluse (sie ist echt alt!), zeige ich die Zunge wie Albert Einstein." Da möchte ich (na ja, auch schon 72) den alten weißen Mann sanft in den Arm nehmen und ihm sagen: "Zunge rausstrecken gehört sich nicht, Alter, aber das mit der Gouvernante und der Bluse ist echt gut!" Nehmen wir die neuen Sprachvorschriften der alten Dame. Auch mich nerven beim Lesen die vor meinen Augen irrlichternden Gendersternchen. Auch mich nervt im Radio der Glottisschlag, jener öffentlich-rechtliche Stimmritzenverschlusslaut, bei dem ich den "Sprechenden" am liebsten besorgt auf den Rücken klopfen würde. Auch mich nervt der dauerhaft erigierte pädagogische Zeigefinger, der mich in einem Satz mitunter mehrfach daran erinnern will, wie viele Geschlechter es gibt. Mehr

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