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Horst Pöttker: Beruf zur Öffentlichkeit

Rezensiert von Beatrice Dernbach

Einzelrezension

Carsten Brosda und Daniel Müller haben ihrem Mentor Horst Pöttker ein außergewöhnliches Geschenk gemacht: Ihr Band vereint nicht Reminiszenzen von zwei Dutzend Weggefährten, sondern 18 Beiträge, die der Wissenschaftler selbst verfasst hat. Ein Format, das seiner beruflichen Ernsthaftigkeit und seinem Ethos bemerkenswert gerecht wird; es ermöglicht den tieferen Blick in die Jahrzehnte seines wissenschaftlichen Denkens. Die Auswahl ist den beiden Herausgebern sicher nicht leicht gefallen. Sie haben die 18 Publikationen in vier Kapitel unterteilt: 1. Theorie des Journalismus, 2. Journalistische Berufsethik, 3. Geschichte des Journalistenberufs und 4. Zukunft des Journalistenberufs. Eine kleine kritische Anmerkung vorab, um einmal erwähnt und damit abgehakt zu sein: Dass die bibliografischen Erstverweise gesammelt am Ende stehen statt direkt bei den Beiträgen, erschwert die Orientierung. Auch verzichten Brosda und Müller darauf, die Texte in ihren historischen oder wissenschaftstheoretischen Kontext einzuordnen. Ihre Einleitung dient daher als zentrale Orientierungshilfe – und erfüllt diese Aufgabe solide. Mehr

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Christina Elmer, Lorenz Matzat: Handbuch Daten und KI im Journalismus

Rezensiert von Tanjev Schultz

Einzelrezension

Die Entwicklung des Datenjournalismus zu einem eigenen Berufsfeld in den Medien ist so weit vorangeschritten, dass nicht mehr von einem “Hype” gesprochen werden kann. Bei “Künstlicher Intelligenz” (KI) mag das momentan noch anders sein, aber auch dort ist absehbar, dass sie schon bald ein selbstverständliches Instrument in den meisten Redaktionen sein wird. So füllt das Handbuch, das Christina Elmer und Lorenz Matzat herausgegeben haben, mit seinen zwanzig Einzelbeiträgen zu vielen Facetten des Themas eine Lücke auf dem Markt der Praxisliteratur, die bisher nur wenige zu schließen versucht haben. Der Band kann nicht zuletzt im Studium und in der journalistischen Ausbildung ein nützlicher Begleiter sein. Mehr

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Lutz Hachmeister: Hitlers Interviews

Rezensiert von Martina Thiele

Einzelrezension

Der plötzliche und viel zu frühe Tod des Kommunikationsforschers, Publizisten, Dokumentarfilmers und Medienkritikers Lutz Hachmeister hat 2024 nicht nur diejenigen erschüttert, die ihn persönlich kannten. In vielen Nachrufen hieß es, dass “wir”, die bundesdeutsche Gesellschaft, kritische Wissenschaftler wie ihn “gerade in diesen Zeiten” dringend bräuchten. Zumal, so möchte ich ergänzen, seine Gegenwarts-Analysen immer von profundem Geschichtswissen getragen waren. Davon zeugt auch das letzte Buch, das kurz nach seinem Tod im Herbst 2024 erschienen ist. Hitlers Interviews: Der Diktator und die Journalisten bietet eine umfassende Analyse der über 100 Interviews, die Adolf Hitler zwischen 1922 und 1944 ausländischen Journalisten und einigen wenigen Journalistinnen gewährte. Lutz Hachmeister untersucht, wie Hitler und seine Helfer im Außen- und im Propagandaministerium diese Gespräche strategisch nutzten für die Verbreitung der nationalsozialistischen Ideologie, aber auch zu tagespolitischen Zwecken. Mehr

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Andreas A. Riedl: Nachrichtenqualität als journalistischer Prozess

Rezensiert von Hans-Dieter Kübler

Einzelrezension

“Was ist ‘guter’ Journalismus?” und “Was soll Journalismus in einer demokratischen Gesellschaft leisten?”. So formuliert der Autor, etwas salopp, die abstrakte, umfassende “Kernfrage“ seiner Dissertation, die nun in Buchfassung vorliegt und bereits zweifach prämiert wurde. Auch wenn diese Fragen sicherlich zu groß sind und daher letztlich nur unzureichend beantwortet werden können, müssen sie – so der Autor – gestellt werden. Denn für die Demokratie wie für den Journalismus sei ihre Beantwortung ebenso existentiell wichtig wie notwendig: Beide unterliegen einem “starken Wandel“. Dieser wird verursacht durch vielerlei externe wie interne Faktoren, vor allem durch die omnipräsente Digitalisierung, für die die (Kommunikations-)Wissenschaft theoretische Erklärungen und empirische Befunde bereitstellen muss. Disziplinär ordnet Riedl seine Studie der journalistischen Qualitätsforschung zu, die in der Kommunikationswissenschaft bekanntlich schon etliche Konjunkturen und Kontroversen gesehen hat. Ihre Aufarbeitung – wie die der Demokratieforschung einerseits und der Handlungsforschung andererseits – bedarf profunder Gründlichkeit, weshalb das Literaturverzeichnis allein schon fast 70 Druckseiten umfasst und die gründliche Belesenheit das Autors indiziert. Mehr

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Felix Koltermann: Fotografie im Journalismus

Rezensiert von Kristina Wied

Einzelrezension

Kein Text ohne Bild – dieser Devise folgt der Print- und Onlinejournalismus. Doch obgleich das Visuelle eine hohe Relevanz in der journalistischen Berichterstattung hat, erscheint dessen Stellenwert der tatsächlichen redaktionellen Praxis nicht zu entsprechen. Felix Koltermann wirft mit seinem Buch ein Schlaglicht auf den Umgang mit Fotografie in deutschen Print- und Onlineredaktionen. Er versucht, “einen allgemein verständlichen Zugang zu Fragen der journalistischen Bildkommunikation” (16) zu bieten. Dies gelingt ihm nicht immer gleich gut. Mehr

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Vera Katzenberger: Zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Rezensiert von Gabriele Hooffacker

Einzelrezension

Womit sehen sich angehende Journalistinnen und Journalisten konfrontiert? Hat die akademische Journalismus-Ausbildung sie angemessen auf die berufliche Realität vorbereitet? “Zwar hat die Digitalisierung die journalistische Ausbildung, Karrieren und Abläufe in regionalen Medienunternehmen verändert. Doch es bestehen Defizite”, konstatiert Oliver Haustein-Teßmer. Was liegt näher, als Berufsanfängerinnen und -anfänger im Journalismus nach ihren Erfahrungen zu befragen? Und ergeben sich womöglich Perspektiven auf die beunruhigende Beobachtung, dass immer weniger Hochschulabsolventinnen und -absolventen einen journalistischen Beruf anstreben? Mehr

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Florian Wintterlin: Quelle: Internet

Rezensiert von Guido Keel

Einzelrezension

Das Internet ist in den letzten fünfzehn Jahren zum zentralen Rechercheinstrument von Journalistinnen und Journalisten geworden. Während ursprünglich noch die Frage gestellt wurde, wie im Journalismus mit diesem neuen Informationsmedium umgegangen werden soll, interessiert das angesichts der Ubiquität der Online-Recherche und der Institutionalisierung der Online-Kommunikation bei öffentlichkeitsrelevanten Organisationen und Akteuren heute kaum mehr.
Eine Ausnahme bildet dabei die sehr viel chaotischere und schnelllebige Welt der Social Media, in der Informationen mit geringem zeitlichem und organisatorischem Aufwand von nahezu jedermann publiziert werden kann. Diese Welt der schnellen und unzuverlässigen Informationsvermittlung bietet Journalistinnen und Journalisten eine schier unendliche Fülle an Informationen und Geschichten. Gleichzeitig besteht hinsichtlich der Vertrauenswürdigkeit dieser Informationen eine beträchtliche Unsicherheit. Mehr

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Kontroverse Auffassungen vom Journalismus

Rezensiert von Horst Pöttker

Einzelrezension

“Das vorliegende Buch beschäftigt sich mit Bedürfnissen und dem Verhalten des Publikums auf der einen und den Zwängen und Möglichkeiten des Journalismus auf der anderen Seite. Sein wichtigstes Anliegen ist: Beide Seiten sollten sich nicht als Gegner verstehen, sondern als Partner, die ein gemeinsames Ziel verfolgen. Idealerweise jenes, das Leben für den Einzelnen und das Zusammenleben in der Gesellschaft ein kleines bisschen besser zu machen.” So steht es in Alexandra Borchardts Einleitung unter der Überschrift “Ein tiefer Graben. Der Journalismus und sein Publikum”. Das klingt wohltuend. Wer wollte nicht Gräben zwischen Menschen überbrücken und die Welt besser machen. Dennoch ist es nicht selbstverständlich, zumal, was den Journalistenberuf betrifft. Mehr

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Tanja Köhler (Hrsg.): Fake News, Framing, Fact-Checking

Rezensiert von Stephan Mündges

Einzelrezension

Die Nachricht kann mit Fug und Recht als Kernelement des Journalismus bezeichnet werden. Das, was neu, relevant, aktuell ist, wird von Journalist*innen als Nachricht in die Welt getragen. Die Nachricht und mit ihr der Nachrichtenjournalismus sehen sich aber, wie der Journalismus insgesamt, massiven Veränderungen und existenziellen Bedrohungen ausgesetzt: Disintermediation, der Aufstieg digitaler Plattformen und mit ihm verbunden die Revolution von Kommunikationsprozessen, die ökonomische Krise journalistischer Medienunternehmen – um nur einige wenige zu nennen. Ein Handbuch, das den Nachrichtenjournalismus umreißt, seine aktuellen Probleme analysiert und mögliche Lösungen diskutiert, ist daher ein relevantes Unterfangen. Tanja Köhler, promovierte Kommunikationswissenschaftlerin und Redaktionsleiterin Nachrichten Digital beim Deutschlandfunk, hat mit dem von ihr zusammengestellten Sammelband einen umfangreichen Beitrag dazu geleistet. Auch wenn das Werk kleinere Schwachstellen aufweist. Mehr

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Thomas Hanitzsch, Josef Seethaler, Vinzenz Wyss (Hrsg.): Journalismus in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Rezensiert von Roger Blum

Einzelrezension
Das Buch ist eine Premiere: Schon mehrmals wurde der Journalismus in Deutschland, Österreich und der Schweiz untersucht, aber noch nie gemeinsam und mit identischen Fragen. Allerdings überfällt einen bei der Lektüre zunächst gähnende Langeweile, weil die Ergebnisse der Studie nichts Neues über die 41.000 deutschen, 4.000 österreichischen und 10.000 schweizerischen Journalistinnen und Journalisten vermitteln. Doch dann kommt es faustdick und brisant: Die befragten Medienleute schreiben sich zu über 90 Prozent die Rolle der neutralen Informationsvermittlung zu, stufen aber die Rolle der Kritik und Kontrolle als nahezu vernachlässigbar ein. Nur 20 Prozent in Deutschland und in Österreich, nur 22 Prozent in der Schweiz sehen sich als Gegengewicht zur Regierung, während es in den USA 86 Prozent sind. Zwar haben bloß 29 Prozent der deutschen, 13 Prozent der österreichischen und 47 Prozent der schweizerischen Journalisten Vertrauen in die Regierung, und deutliche Mehrheiten finden, dass man gelegentlich vertrauliche Regierungsdokumente ohne Erlaubnis verwenden darf, aber kontrollieren wollen sie die Regierungen dennoch nicht. Hier zeigt die Studie, dass Handlungsbedarf besteht und dass die journalistische Community in den drei Ländern eine Selbstverständnisdebatte führen muss! Mehr

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