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Christoph Bertling: Die Abwärtsspirale

Rezensiert von Marcus Bölz

Einzelrezension

Mit Christoph Bertlings Buch Die Abwärtsspirale. Formen, Paradoxien, Störungen des Sportjournalismus und Wege aus seinem Krisenmodus legt die deutschsprachige Sportjournalismusforschung eine der umfassendsten Analysen ihres Gegenstands der vergangenen Jahre vor. Das Werk basiert auf einer Habilitationsschrift und verbindet historische Rekonstruktion, medienökonomische Theorie, institutionenökonomische Analyse sowie die Auswertung von 53 Expert:inneninterviews zu einer großen Diagnose des gegenwärtigen Sportjournalismus aus einer ökonomischen Perspektive. Bertling beschreibt den Sportjournalismus als ein Berufsfeld, das sich in einer tiefen strukturellen Krise befindet. Ausgangspunkt seiner Argumentation sind steigende Lizenzkosten, die wachsende Macht von Verbänden, Ligen und Vereinen als eigene Medienakteure, die Digitalisierung, die zunehmende Dominanz von PR-Strukturen sowie der Verlust journalistischer Kontrolle über Produktionsprozesse. Er zeichnet nach, wie Sportorganisationen heute selbst Medienhäuser geworden sind, wie journalistische Zugänge eingeschränkt werden und wie ökonomischer Druck zu Remote-Berichterstattung, Personalabbau und Qualitätsverlusten führt. Die zentrale These lautet: Der Sportjournalismus gerät in eine “Abwärtsspirale” aus ökonomischer Schwächung, Kontrollverlust, Innovationshemmnissen und schwindender Unabhängigkeit. Mehr

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Maike Suhr: Zwischen Repair und Care

Rezensiert von Phoebe Maares

Einzelrezension

Journalismus in Deutschland wird hauptsächlich von weißen, gut ausgebildeten Menschen produziert, die wenig bis keine Marginalisierungserfahrungen haben. Der Zugang zum Berufsfeld über schlecht bezahlte Praktika, freiberufliche Arbeit und unbefristete Anstellungen bedeutet, dass man sich diese Berufswahl leisten können muss. Wie kann Journalismus unter solchen Umständen diverse Perspektiven in Redaktionen und Berichterstattung ermöglichen? In ihrer Dissertation untersucht Maike Suhr journalistische Neugründungen als Chance, Diversität in Redaktionen und im journalistischen Feld zu fördern. Damit betrachtet sie ein hochaktuelles Problem und liefert erste Erkenntnisse darüber, welche Rolle journalistische Neugründungen für Diversität und die Überwindung von Ungleichheit im Journalismus spielen. Mit ihrer Arbeit erweitert sie die Forschung zu Entrepreneurial Journalism, prekärer Arbeit und intersektionaler Ungleichheitsforschung. Theoretisch bezieht sich Suhr auf feministische und intersektionale Zugänge sowie die Konzepte des Diversity Management und der Ungleichheit und fasst den Forschungsstand zu Diversität in etablierten Redaktionen, Alternativmedien und journalistischen Neugründungen zusammen. Mehr

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Julia Faltermeier: Konstruktiver Journalismus

Rezensiert von Beatrice Dernbach

Einzelrezension

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Journalisten (gleichgültig welchen Geschlechts) sind es auch. Mit dieser psychologischen Grundannahme macht sich Julia Faltermeier auf Spurensuche, wie dennoch journalistische Routinen verändert werden können. Nicht um der Abwechslung willen, sondern um mehr Konstruktiven Journalismus (KJ) umzusetzen. Die Autorin analysiert aus einer psychologischen Perspektive intrinsische und extrinsische Motivationen für einen Wandel – aber auch die Barrieren und Hindernisse. Sie hat ein nur 170 Seiten dickes Buch (15 Seiten davon umfasst das Literaturverzeichnis) vorgelegt, in dem sie die wissenschaftliche Analyse sehr gewinnbringend mit der Alltagsbeobachtung verknüpft. Mehr

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Horst Pöttker: Beruf zur Öffentlichkeit

Rezensiert von Beatrice Dernbach

Einzelrezension

Carsten Brosda und Daniel Müller haben ihrem Mentor Horst Pöttker ein außergewöhnliches Geschenk gemacht: Ihr Band vereint nicht Reminiszenzen von zwei Dutzend Weggefährten, sondern 18 Beiträge, die der Wissenschaftler selbst verfasst hat. Ein Format, das seiner beruflichen Ernsthaftigkeit und seinem Ethos bemerkenswert gerecht wird; es ermöglicht den tieferen Blick in die Jahrzehnte seines wissenschaftlichen Denkens. Die Auswahl ist den beiden Herausgebern sicher nicht leicht gefallen. Sie haben die 18 Publikationen in vier Kapitel unterteilt: 1. Theorie des Journalismus, 2. Journalistische Berufsethik, 3. Geschichte des Journalistenberufs und 4. Zukunft des Journalistenberufs. Eine kleine kritische Anmerkung vorab, um einmal erwähnt und damit abgehakt zu sein: Dass die bibliografischen Erstverweise gesammelt am Ende stehen statt direkt bei den Beiträgen, erschwert die Orientierung. Auch verzichten Brosda und Müller darauf, die Texte in ihren historischen oder wissenschaftstheoretischen Kontext einzuordnen. Ihre Einleitung dient daher als zentrale Orientierungshilfe – und erfüllt diese Aufgabe solide. Mehr

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Christina Elmer, Lorenz Matzat: Handbuch Daten und KI im Journalismus

Rezensiert von Tanjev Schultz

Einzelrezension

Die Entwicklung des Datenjournalismus zu einem eigenen Berufsfeld in den Medien ist so weit vorangeschritten, dass nicht mehr von einem “Hype” gesprochen werden kann. Bei “Künstlicher Intelligenz” (KI) mag das momentan noch anders sein, aber auch dort ist absehbar, dass sie schon bald ein selbstverständliches Instrument in den meisten Redaktionen sein wird. So füllt das Handbuch, das Christina Elmer und Lorenz Matzat herausgegeben haben, mit seinen zwanzig Einzelbeiträgen zu vielen Facetten des Themas eine Lücke auf dem Markt der Praxisliteratur, die bisher nur wenige zu schließen versucht haben. Der Band kann nicht zuletzt im Studium und in der journalistischen Ausbildung ein nützlicher Begleiter sein. Mehr

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Lutz Hachmeister: Hitlers Interviews

Rezensiert von Martina Thiele

Einzelrezension

Der plötzliche und viel zu frühe Tod des Kommunikationsforschers, Publizisten, Dokumentarfilmers und Medienkritikers Lutz Hachmeister hat 2024 nicht nur diejenigen erschüttert, die ihn persönlich kannten. In vielen Nachrufen hieß es, dass “wir”, die bundesdeutsche Gesellschaft, kritische Wissenschaftler wie ihn “gerade in diesen Zeiten” dringend bräuchten. Zumal, so möchte ich ergänzen, seine Gegenwarts-Analysen immer von profundem Geschichtswissen getragen waren. Davon zeugt auch das letzte Buch, das kurz nach seinem Tod im Herbst 2024 erschienen ist. Hitlers Interviews: Der Diktator und die Journalisten bietet eine umfassende Analyse der über 100 Interviews, die Adolf Hitler zwischen 1922 und 1944 ausländischen Journalisten und einigen wenigen Journalistinnen gewährte. Lutz Hachmeister untersucht, wie Hitler und seine Helfer im Außen- und im Propagandaministerium diese Gespräche strategisch nutzten für die Verbreitung der nationalsozialistischen Ideologie, aber auch zu tagespolitischen Zwecken. Mehr

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Andreas A. Riedl: Nachrichtenqualität als journalistischer Prozess

Rezensiert von Hans-Dieter Kübler

Einzelrezension

“Was ist ‘guter’ Journalismus?” und “Was soll Journalismus in einer demokratischen Gesellschaft leisten?”. So formuliert der Autor, etwas salopp, die abstrakte, umfassende “Kernfrage“ seiner Dissertation, die nun in Buchfassung vorliegt und bereits zweifach prämiert wurde. Auch wenn diese Fragen sicherlich zu groß sind und daher letztlich nur unzureichend beantwortet werden können, müssen sie – so der Autor – gestellt werden. Denn für die Demokratie wie für den Journalismus sei ihre Beantwortung ebenso existentiell wichtig wie notwendig: Beide unterliegen einem “starken Wandel“. Dieser wird verursacht durch vielerlei externe wie interne Faktoren, vor allem durch die omnipräsente Digitalisierung, für die die (Kommunikations-)Wissenschaft theoretische Erklärungen und empirische Befunde bereitstellen muss. Disziplinär ordnet Riedl seine Studie der journalistischen Qualitätsforschung zu, die in der Kommunikationswissenschaft bekanntlich schon etliche Konjunkturen und Kontroversen gesehen hat. Ihre Aufarbeitung – wie die der Demokratieforschung einerseits und der Handlungsforschung andererseits – bedarf profunder Gründlichkeit, weshalb das Literaturverzeichnis allein schon fast 70 Druckseiten umfasst und die gründliche Belesenheit das Autors indiziert. Mehr

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Felix Koltermann: Fotografie im Journalismus

Rezensiert von Kristina Wied

Einzelrezension

Kein Text ohne Bild – dieser Devise folgt der Print- und Onlinejournalismus. Doch obgleich das Visuelle eine hohe Relevanz in der journalistischen Berichterstattung hat, erscheint dessen Stellenwert der tatsächlichen redaktionellen Praxis nicht zu entsprechen. Felix Koltermann wirft mit seinem Buch ein Schlaglicht auf den Umgang mit Fotografie in deutschen Print- und Onlineredaktionen. Er versucht, “einen allgemein verständlichen Zugang zu Fragen der journalistischen Bildkommunikation” (16) zu bieten. Dies gelingt ihm nicht immer gleich gut. Mehr

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Vera Katzenberger: Zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Rezensiert von Gabriele Hooffacker

Einzelrezension

Womit sehen sich angehende Journalistinnen und Journalisten konfrontiert? Hat die akademische Journalismus-Ausbildung sie angemessen auf die berufliche Realität vorbereitet? “Zwar hat die Digitalisierung die journalistische Ausbildung, Karrieren und Abläufe in regionalen Medienunternehmen verändert. Doch es bestehen Defizite”, konstatiert Oliver Haustein-Teßmer. Was liegt näher, als Berufsanfängerinnen und -anfänger im Journalismus nach ihren Erfahrungen zu befragen? Und ergeben sich womöglich Perspektiven auf die beunruhigende Beobachtung, dass immer weniger Hochschulabsolventinnen und -absolventen einen journalistischen Beruf anstreben? Mehr

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Florian Wintterlin: Quelle: Internet

Rezensiert von Guido Keel

Einzelrezension

Das Internet ist in den letzten fünfzehn Jahren zum zentralen Rechercheinstrument von Journalistinnen und Journalisten geworden. Während ursprünglich noch die Frage gestellt wurde, wie im Journalismus mit diesem neuen Informationsmedium umgegangen werden soll, interessiert das angesichts der Ubiquität der Online-Recherche und der Institutionalisierung der Online-Kommunikation bei öffentlichkeitsrelevanten Organisationen und Akteuren heute kaum mehr.
Eine Ausnahme bildet dabei die sehr viel chaotischere und schnelllebige Welt der Social Media, in der Informationen mit geringem zeitlichem und organisatorischem Aufwand von nahezu jedermann publiziert werden kann. Diese Welt der schnellen und unzuverlässigen Informationsvermittlung bietet Journalistinnen und Journalisten eine schier unendliche Fülle an Informationen und Geschichten. Gleichzeitig besteht hinsichtlich der Vertrauenswürdigkeit dieser Informationen eine beträchtliche Unsicherheit. Mehr

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