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David Graeber: Debt

Einzelrezension | 11. Mai 2012 | Redaktion | 1 Kommentar »
David Graeber: Debt: The First 5000 Years. New York [Melville House] 2011, 544 Seiten, $ 24,- (Hardcover).
Deutsche Ausgabe: Schulden. Die ersten 5000 Jahre. Stuttgart [Klett-Cotta Verlag] 2012, 536 Seiten, 26,95 Euro.

Rezensiert von Ingo Reuter

Mit seinem Werk Debt: The First 5000 Years legt Graeber eine umfangreiche dekonstruktivistische Kulturgeschichte der Schulden vor. Seine Untersuchungen beginnt er ausgehend von der verwunderten Erkenntnis, dass die moralische Forderung, man müsse seine Schulden bezahlen, durch Jahrtausende eine so hohe Bindungskraft entfalten konnte. Schuldknechtschaft, Sklaverei, der Verkauf von Töchtern wurden der moralischen Forderung, die eigenen Schulden zu bezahlen, untergeordnet. Graeber zeichnet nun die Geschichte der Schulden und des Umgangs mit Schulden durch die Jahrhunderte in den unterschiedlichsten Gesellschaften nach. Hieraus ergibt sich Schritt für Schritt implizit und am Ende des Buches dann auch explizit die Forderung, endlich, nach so vielen Jahrhunderten geistiger Knechtschaft unter dem moralischen Schuldenimperativ, zu einem neuen veränderten Denken vorzudringen, bzw. zumindest nachzudenken zu beginnen, dass der Imperativ, Schulden seien unter allen Umständen zu begleichen, keine absolute Geltung beanspruchen darf – insbesondere da einige ihre Schulden ohnehin nicht bezahlen, wie man anhand der jüngsten Bankenkrise sehen konnte. [Mehr]

Cathrin Christoph: Textsorte Pressemitteilung

Einzelrezension | 11. März 2011 | Redaktion | Keine Kommentare »
Cathrin Christoph: Textsorte Pressemitteilung. Zwischen Wirtschaft und Journalismus. Konstanz [UVK] 2009, 253 Seiten, 29,- Euro.

Rezensiert von Barbara Baerns

Hinter dem irreführend harmlosen Titel verbirgt das Buch eine anspruchsvolle, anregende Analyse, die am Thema Öffentlichkeitsarbeit und Journalismus erneut belegt, wie publizistik- und kommunikationswissenschaftliche Probleme mit Denkmitteln und Forschungsinstrumenten der Linguistik sinnvoll bearbeitet werden können. Die ursprünglich als Dissertation eingereichte Untersuchung fokussiert die Schnittstelle zwischen Wirtschafts- und Mediensystem. Sie sucht Antworten auf die Fragen, wie Pressemitteilungen die Verbindung von Wirtschaft und Journalismus herstellen, wie sich die unterschiedlichen Anforderungen und Erwartungen im Text widerspiegeln, welche Texte Medien aufgreifen und wie Medien mit den ausgewählten Texten umgehen. Die Verfasserin folgt dabei der Annahme, dass die “Textsorte Pressemitteilung” als “Programm zur strukturellen Kopplung von Wirtschaft und Journalismus” darstellbar ist und dass sich die Doppelfunktion nicht nur in der sprachlichen Gestaltung niederschlägt, sondern auf allen textlinguistischen Ebenen nachgewiesen werden kann. [Mehr]

Finanzwirtschaft im Spiegel der Medien

Sammelrezension | 25. Dezember 2010 | Redaktion | Keine Kommentare »
Bertram Scheufele; Alexander Haas: Medien und Aktien. Theoretische und empirische Modellierung der Rolle der Berichterstattung für das Börsengeschehen. Wiesbaden [VS Verlag] 2008, 327 Seiten, 44,90 Euro.

Pia Krisch: Alltag, Geld und Medien. Die kommunikative Konstruktion monetärer Identität. Wiesbaden [VS Verlag] 2010, 367 Seiten, 39,95 Euro.

Rezensiert von Christoph Moss

Es ist ein typisches Phänomen von Wirtschaftskrisen, dass auch das Handeln von Journalisten und Medien diskutiert wird. Das war 2001 so, als die Internetblase platzte und alle Welt den Finanzjournalisten mangelnde Distanz zu Analysten und Investoren vorwarf. Und das war und ist aktuell so, da eine weltweite Finanzkrise immer wieder tiefe Verwerfungen verursacht. Wirtschaftsmedien spielen eine wichtige Vermittlerrolle zwischen Märkten und Publikum. Aber können Journalisten auch Aktienkurse bewegen? Wie groß ist der tatsächliche Einfluss der Medien auf die Finanzmärkte? Und woher beziehen Anleger ihr Wissen über Geldanlage und ökonomische Zusammenhänge? Die Wissenschaft tut sich traditionell schwer damit, dies aufzuklären. Zwei Bücher versuchen nun, diese Fragen zu beantworten: Bertram Scheufele und Alexander Haas gehen in Medien und Aktien gezielt auf das Verhältnis von Berichterstattung und Börsenentwicklung ein. Pia Krisch untersucht in Alltag, Geld und Medien, ob und wie sich eine monetäre Identität kommunikativ konstruieren lässt. [Mehr]

Christoph Moss (Hrsg.): Die Sprache der Wirtschaft

Einzelrezension | 7. April 2010 | Redaktion | 1 Kommentar »
Christoph Moss (Hrsg.): Die Sprache der Wirtschaft. Wiesbaden [VS Verlag für Sozialwissenschaften] 2009, 202 Seiten, 24,90 Euro.

Rezensiert von Klaus Spachmann

Welche Sprache spricht die Wirtschaft? Diese Frage ist nicht nur angesichts der aktuellen Diskussion um die Finanz- und Wirtschaftskrise interessant, sondern auch grundsätzlich bedeutsam. Spannende Ansatzpunkte für die Analyse gibt es viele, etwa Wirtschaftssprache als Ausdruck einer bestimmten Denkhaltung, als Mittel der Unternehmens- kommunikation oder als Vehikel beziehungsweise Hindernis gesellschaft- licher Verständigung. Der von Christoph Moss herausgegebene Band greift viele dieser Aspekte auf. Kommunikations-praktiker und Wissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen werfen in elf kurzen Beiträgen Schlaglichter auf das Thema. Dabei sind die Perspektiven der Beiträge so vielfältig wie die biografischen Hintergründe der Autoren. How-to-do-Anweisungen, z. B. zur Sprache der Werbung, finden sich ebenso wie Sprachführer, etwa zur Börsensprache, und theoriegeleitete Erklärungsansätze, beispielweise zur Rolle von Glaubwürdigkeit für die Sprache in Geschäftsberichten. [Mehr]

Peter Brummund: Die Entwicklung des Funktionsrabatts im Presse-Grosso

Einzelrezension | 19. März 2010 | Redaktion | Keine Kommentare »
Peter Brummund: Die Entwicklung des Funktionsrabatts im Presse-Grosso. Reihe: Schriften zur Medienwirtschaft und zum Medienmanagement, Band 22. Baden-Baden [Nomos] 2009, 133 Seiten, 24,– Euro.

Rezensiert von Bernd Klammer

Brummunds Fazit ist ebenso klar wie ernüchternd, zumindest aus Sicht kleiner und mittelständischer Verlage, die Auftraggeber der von ihm vorgelegten Studie sind: Das bestehende Vertriebssystem von Zeitungen und Zeitschriften über das Presse-Grosso wäre ohne die großen Verlage nicht zu finanzieren. Änderungen bei den Kriterien für die Festlegung des Funktionsrabatts sind entweder nicht praxistauglich oder gegen den Widerstand der anderen Handelspartner nicht durchzusetzen. Deshalb müssen die mittelständischen Verlage weiterhin wirtschaftliche Nachteile in Kauf nehmen, um aus eigenem Interesse das Fortbestehen des letztlich allseits akzeptierten Vertriebssystems über den Absatzweg Groß- und Einzelhandel zu sichern. [Mehr]

Jan Lies (Hrsg.): Public Relations

Einzelrezension | 8. Juni 2009 | Redaktion | Keine Kommentare »
Jan Lies (Hrsg.): Public Relations. Ein Handbuch. Reihe: UTB, Band 8408. Konstanz [UVK] 2008, 634 Seiten, 39,90 Euro.

Rezensiert von Peter Szyszka

lies2008Das Lehr- und Forschungsfeld der Public Relations ist breit und vielschichtig, die Zahl von Überblickspublikationen bislang noch klein. Hier den Versuch zu unternehmen, eine ‘Schneise’ in das ‘Dickicht’ von Begriffen, Modellen und Theorieansätzen ‘zu schlagen’, um Praktikern und Studierenden Public Relations und Kommunikationsmanagement näher zu bringen, so der Anspruch des Bandes, ist deshalb schon vom Grundsatz her verdienstvoll. Der Ende 2008 von Jan Lies vorgelegte Herausgeberband, der sich in weiten Teilen als Monographie des Herausgebers erweist, unternimmt diesen Versuch. Ob dabei allerdings von einem “Handbuch” gesprochen werden kann, ist schon deshalb kritisch zu hinterfragen, weil der Band alphabetisch angelegt ist wie ein Wörterbuch, das in 110 Begriffen – tatsächlich sind es 47, weil die Mehrzahl der Begriffe in abgeleiteten Begriffen variiert wird – ausgewählte Themen und Probleme der Public Relations aufgreift. [Mehr]

Guido Schröder: Positive Medienökonomik

Einzelrezension | 24. Mai 2009 | Redaktion | Keine Kommentare »
Guido Schröder: Positive Medienökonomik. Institutionenökonomischer Ansatz für eine rationale Medienpolitik. Reihe: Schriften zur Medienwirtschaft und zum Medienmanagement, Band 19. Baden-Baden [Nomos] 2008, 404 Seiten, 44,– Euro.

Rezensiert von Marie Luise Kiefer

schroder2008Der Autor will mit diesem Buch, dem seine Dissertation zugrunde liegt, das Defizit medienökonomischer Theoriebildung abbauen – und das unter Rückgriff ausschließlich auf das Instrumentarium der (neo)klassischen Ökonomik. Interdisziplinär geprägten Versuchen, eine Medienökonomik zu entwickeln, erteilt er eine Absage: Das Einfügen ökonomikfremder Modellelemente aus der Publizistikwissenschaft, der Soziologie oder Politologie bedeute weniger eine „Ergänzung des ökonomischen Ansatzes, sondern vor allem dessen Relativierung“, was die Gefahr berge, dass eine so entwickelte Medienökonomik an wissenschaftlichem Gehalt verlöre und für konkrete Probleme nur beliebige Erklärungen anzubieten hätte. [Mehr]