Eva Züchner: Der verschwundene Journalist
Eva Züchner: Der verschwundene Journalist. Eine deutsche Geschichte. Berlin [Berlin Verlag] 2010, 288 Seiten, 24,&ndash Euro.
Rezensiert von Horst Pöttker
Wie es im NS-Regime war, ist nach der für den Wiederaufbau nützlichen Verdrängung der Verbrechen in den 1950er Jahren mittlerweile gut erforscht und einigermaßen bekannt. Die peinliche Frage, wie es überhaupt möglich war, dass die Kulturnation der Deutschen den Barbaren Hitler, Goebbels und Himmler ins eigene Verderben gefolgt ist, gerät erst heute, ein Menschenleben danach, mehr und mehr in den öffentlichen Diskurs. Philipp Jenninger musste noch 1988 als Bundestagspräsident zurücktreten, weil er es gewagt hatte, bei einer hochoffiziellen Gedenkveranstaltung zur Reichskristallnacht 1938 den Motiven für das Schweigen der großen Mehrheit zum Judenpogrom nachzuspüren. [Mehr]
Stefan Rieger; Jens Schröter (Hrsg.): Das holographische Wissen
Stefan Rieger; Jens Schröter (Hrsg.): Das holographische Wissen. Zürich, Berlin [diaphanes] 2009, 208 Seiten, 26,90 Euro.
Rezensiert von Yvonne Schweizer
Jonathan Crarys Buch Techniques of the Observer lieferte 1990 den programmatischen Auftakt: Der Methode Foucault’scher Diskursanalyse verpflichtet, entstand ein dichter Abriss über vereinzelte optische Apparate des 19. Jahrhunderts, gespickt mit wissenschaftshistorischen Exkursen zur Genese des modernen Subjekts. Seit Crarys Buch sind weitere optische Geschichten geschrieben worden. Die meisten gehen allerdings in Hinblick auf bestimmte Bilder exkludierend vor: Selten werden Bilder in den Blick genommen, die nicht der geometrischen Optik und deren Darstellungskonvention und Bildherstellung folgen. Bei diesen Bildern, die ein “erhebliches Irritationspotential für die Bildgeschichte bzw. -theorie” bieten, setzt der Sammelband Das holographische Wissen von Stefan Rieger und Jens Schröter an. [Mehr]
Michael Grisko (Hrsg.): Texte zur Theorie und Geschichte des Fernsehens
Michael Grisko (Hrsg.): Texte zur Theorie und Geschichte des Fernsehens. Reihe: Universal Bibliothek, Band 18674. Stuttgart [Philipp Reclam jun.] 2009, 343 Seiten, 9,80 Euro.
Rezensiert von Herbert Schwaab
Angesichts der gerade zu beobachtenden Veränderungen des Fernsehens durch das Internet und der Neukonfiguration seines Publikums ist die von Michael Grisko angebotene Sammlung von Texten, die sich mit der Theorie und Geschichte des Fernsehens beschäftigen, besonders hilfreich. Der Band konzentriert sich vorwiegend auf die Wiedergabe einer in Deutschland geführten ästhetischen und gesellschaftlichen Diskussion des Fernsehens. Aus diesem Grund erklärt sich die Abwesenheit wichtiger fernsehwissenschaftlicher Beiträge, die aus dem Umfeld der Cultural Studies stammen. Diese Konzentration lässt zwar befürchten, dass die in diesem Band dokumentierte Kritik von Theodor W. Adorno oder Günther Anders am Fernsehen keine Kontrastierung findet. Aber in der Lektüre zeigt sich, dass diese Konzentration auch die Möglichkeit bietet, der Genese bestimmter fernsehwissenschaftlicher und -kritischer Positionen beizuwohnen. Vor allem die Texte aus den Jahren, in denen sich das Medium zu formieren beginnt, liefern interessante Erkenntnisse über das ‘Wesen’ des Fernsehens. [Mehr]
Christian Kiening; Martina Stercken (Hrsg.): SchriftRäume
Christian Kiening; Martina Stercken (Hrsg.): SchriftRäume. Dimensionen von Schrift zwischen Mittelalter und Moderne. Veröffentlichungen des Nationalen Forschungsschwerpunkts "Medienwandel - Medienwechsel - Medienwissen. Historische Perspektiven", hrsg. von Christian Kiening und Martina Stercken, Band 4. Zürich [Chronos Verlag], 454 Seiten, 35,&ndash Euro.
Rezensiert von Rainer Totzke
Das Buch SchriftRäume. Dimensionen von Schrift zwischen Mittelalter und Moderne ist beim Züricher Chronos-Verlag als Band 4 der Reihe “Medienwandel – Medienwechsel – Medienwissen” erschienen. In dieser Reihe werden seit einigen Jahren Forschungsarbeiten aus dem gleich-namigen Nationalen Forschungs-schwerpunkt der Schweiz publiziert. Herausgeber dieses vierten Bandes sind die Historikerin Martina Stercken und der Literaturwissenschaftler Christian Kiening von der Universität Zürich. Letzterer ist zugleich auch Direktor des genannten Forschungsschwerpunktes, der sich der Problematik “Medienwandel und Medienwechsel” in ausdrücklich historischer Perspektive zuwendet. [Mehr]
Streifzüge durch das Kulturgedächtnis. Ein Essay zu Gerhard Pauls Das Jahrhundert der Bilder
Gerhard Paul (Hrsg.): Das Jahrhundert der Bilder, Band 1: 1900-1949. Göttingen [Vandenhoeck & Ruprecht] 2009, 822 Seiten, 39,90 Euro.
Gerhard Paul (Hrsg.): Das Jahrhundert der Bilder, Band 2: 1949 bis heute. Göttingen [Vandenhoeck & Ruprecht] 2009, 798 Seiten, 39,90 Euro.
Rezensiert von Daniel Hornuff
Wer heute die Lage der Bildwissenschaft betrachtet, wird Eigentümliches feststellen: Obwohl sie ihren Gegenstand im Titel trägt, beschäftigt sie sich nur am Rande und vereinzelt, geradezu in Ausnahmefällen mit Bildern. Ungleich intensiver bespiegelt sie sich dagegen selbst. Sie lotet ihre Diskurse bis zur Verselbständigung der Diskurse aus; sie wendet ihre Methoden wieder und wieder, bis vor lauter Methodenvorschlägen mehr Verwirrung als Klärung erreicht wurde; sie hält nach allgemeinen und übergeordneten Kategorien Ausschau und sieht sich folglich gezwungen, Jeweiliges und Spezifisches zu vernachlässigen; sie will einen umklammernden Rahmen für möglichst alle Wissenschaften ziehen, die sich mit Bildern in jeder nur denkbaren Weise befassen und muss erkennen, dass dieses Vorhaben in keinen auch nur halbwegs vernünftigen Rahmen einzugrenzen ist. Wer bildwissenschaftlich arbeitet und dabei solch einen Allgemeinheitsanspruch vertritt, läuft akut Gefahr, bloß metadiskursiv, abstrakt und damit eher beliebig als konkret zu arbeiten. [Mehr]
Sven Grampp: Ins Universum technischer Reproduzierbarkeit
Sven Grampp: Ins Universum technischer Reproduzierbarkeit. Der Buchdruck als historiographische Referenzfigur in der Medientheorie. Konstanz [UVK] 2009, 558 Seiten, 49,– Euro.
Rezensiert von Thomas Keiderling
Seit McLuhans Schlagwort vom “Untergang der Gutenberg-Galaxis” ist es in der Medientheorie en vogue geworden, der Erfindung des Buchdrucks einen besonderen Stellenwert in der Mediengeschichte zuzuschreiben. Der Autor des vorliegenden Buches hat es sich zum Ziel gesetzt, die Bedeutungszuschreibung des Buchdrucks in kanonischen Texten der Medientheorie zu untersuchen. Die mit 558 Seiten sehr umfangreiche Dissertation ist theoretisch-methodisch anspruchsvoll und – wie auch die zu untersuchenden Texte – keine leichte Lesekost. Sie thematisiert auf tiefgründige Weise eine zentrale Fragestellung der Disziplin. [Mehr]
Saskia Frank: Zeppelin-Ereignisse
Saskia Frank: Zeppelin-Ereignisse. Technikkatastrophen im medialen Prozess. Marburg [Tectum Verlag] 2008, 220 Seiten, 24,90 Euro.
Rezensiert von Christian Kassung
Als am 6. Mai 1937 das Luftschiff “LZ 129″ – besser bekannt unter dem Namen “Hindenburg” – unmittelbar bei ihrem Landeanflug in Lakehurst nahe New York explodierte, fand die Katastrophe unter der direkten Beobachtung gleich dreier technischer Medien statt: Erstmals in der Geschichte des motorisierten Verkehrs wurde ein Unfall zugleich fotografiert, gefilmt und live im Radio kommentiert. So vielfältig diese historische mediale Zeugenschaft ist, so erstaunlich zentriert und kondensiert stellt sich die heutige Erinnerungskultur dar. Reduziert auf das ikonische Bild des sich brennend gegen den eigenen Fall aufbäumenden Zeppelin-Körpers, überwiegt eine Ereignisästhetik, in welcher die spektakuläre Schönheit des gigantischen Luftschiffes noch eben überwiegt, noch gerade nicht ihrer Zerstörung und ihrem Zerfall erlegen ist. [Mehr]
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