Patrick Voßkamp: Sprechen, um zu schreiben
Patrick Voßkamp: Sprechen, um zu schreiben. Mündliche Kommunikation im Lokaljournalismus. Reihe: Essener Schriften zur Sprach-, Kultur- und Literaturwissenschaft (ESS-Kultur), Band 3. Duisburg [Universitätsverlag Rhein-Ruhr (UVRR)] 2010, 265 Seiten, 39,90 Euro.
Rezensiert von Heiner Apel
Sprechen, um zu schreiben klingt zunächst wie eine fehlerhafte Inversion, wie eine unkonventionelle Umkehrung des Vertrauten, denn für gewöhnlich funktionieren die genannten Tätigkeiten in anderer Richtung: zunächst wird etwas geschrieben (z. B. ein Beitrag für eine Radiosendung) und dies dann gesprochen, damit es auf Sendung gehen kann. Was heißt nun “Sprechen, um zu schreiben”? Das Feld des Journalismus wird tatsächlich berührt, aber eben nicht der Hörfunk oder das Fernsehen, sondern das klassische, alte Zeitungsgeschäft, genauer der Lokaljournalismus. Patrick Voßkamp, selbst in einer Redaktion als freier Mitarbeiter im Lokalen tätig sowie wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Duisburg-Essen, untersucht, inwieweit mündliche kommunikative Fähigkeiten für den Lokaljournalismus notwendig sind, z. B. um gewünschte Informationen, die veröffentlicht werden sollen, zu erhalten – im Fokus steht hier also das Recherchegespräch. Warum gerade Lokaljournalismus? Lokaljournalismus wird oft unterschätzt in seiner Komplexität. Der Lokaljournalist agiert häufig als ‘Generalist’, der vielfältige Themen mit unterschiedlichsten Informanten recherchieren muss. Demzufolge besitzt das Gespräch im Alltag von Lokaljournalisten einen hohen Stellenwert, wurde aber bislang weniger intensiv erforscht. [Mehr]
Stephan Braese: Eine europäische Sprache
Stephan Braese: Eine europäische Sprache. Deutsche Sprachkultur von Juden 1760-1930. Göttingen [Wallstein Verlag] 2010, 346 Seiten, 29,90 Euro.
Rezensiert von Ulrike Haß
Spätestens am Ende des 18. Jahrhunderts begannen die in den deutschen Kleinstaaten lebenden Juden sich außer einer regionalen Spielart des Jiddischen, neben dem Hebräischen und weiteren Sprachen wie Polnisch, Französisch usw. der sich soeben entwickelnden überregionalen deutschen Standardsprache zu bedienen und sie auf diese Weise allererst mit zu konstituieren. Thema des zwischen Sprach- und Literaturwissenschaft angesiedelten Buches ist die Art und Weise sowie die Reflexion und Haltung, mit der einige bedeutende Repräsentanten der ‘deutschen’ Juden diesen Sprachwechsel bzw. diese Mehrsprachigkeit kulturell umsetzten. Umsetzung und Performanz nennt der Autor zu Recht “deutsche Sprachkultur von Juden”. Deutsche Sprachkultur, weil es um die deutsche Sprache geht, die erst im langen 19. Jahrhundert ihre Entwicklung aus einer Vielzahl lokaler und regionaler Dialekte zu einer letztere überdachenden, überregionalen und (ansatzweise) normierten Sprache vollzog. An dieser Entwicklung mit ihrem spezifischen Resultat, der deutschen National-, Literatur- oder Kultursprache (die Bezeichnungen sind keineswegs fest und drücken komplexe Ideologien aus), haben viele Faktoren Anteil. [Mehr]
Jule Philippi; Michael Tewes: Basiswissen Generative Grammatik
Jule Philippi; Michael Tewes: Basiswissen Generative Grammatik. Reihe: UTB, Band 3317. Göttingen [Vandenhoeck & Ruprecht] 2010, 319 Seiten, 19,90 Euro.
Rezensiert von Kevin Ch. Masalon
Das Lehrbuch Basiswissen Generative Grammatik scheint auf den ersten Blick mit seinen mehr als 300 Seiten über ein Grundlagenwissen mit prägnantem Einführungscharakter hinauszugehen. Dieser Eindruck täuscht jedoch, denn um das abstrakte Modelldenken Noam Chomskys nachvollziehen zu können, bedarf es neben einer Darstellung seiner Spracherwerbstheorie eben jener logisch aufeinander aufbauenden kleinen Schritte, nach denen das Buch strukturiert ist. Dieser entscheidende Vorteil unterscheidet es von kürzeren Einführungen, wie beispielsweise der Einführung in die Syntax von Karl-Heinz Ramers, in deren Mittelpunkt ebenfalls die Ansätze der Generativen Grammatik stehen, dort jedoch wegen zu knapper Erläuterungen und des bescheidenen Beispielmaterials schwierig nachzuvollziehen sind. [Mehr]
Annely Rothkegel: Technikkommunikation
Annely Rothkegel: Technikkommunikation. Konstanz [UVK] 2010, 288 Seiten, 19,90 Euro.
Rezensiert von Eva-Maria Jakobs
Der UTB-Band ist laut Klappentext als Einführung in das Themenfeld Technikkommunikation konzipiert. Er richtet sich an Zielgruppen mit stark differierenden Vorkenntnissen – Studierende der Sprach- und Ingenieurwissenschaft, der Journalistik und Fachjournalisten. Ziel ist die Einführung in linguistische Grundlagen des professionellen Sprechens und Schreibens über Technik und Technikgebrauch. Im Vordergrund stehen jedoch schriftbasierte Kommunikate, der mündliche Bereich wird nur gestreift. Das Gleiche gilt für Icons und andere Darstellungsmittel (z.B. Animation). Die Sicht auf den Gegenstand basiert auf Grundannahmen der linguistischen Handlungstheorie und der Handlungslogik, ergänzt durch Ansätze der Textlinguistik. Vor allem Kapitel zwei und drei zeigen Bezüge zu den computerlinguistischen Wurzeln der Autorin. [Mehr]
Marcel Danesi; Andrea Rocci: Global Linguistics
Marcel Danesi; Andrea Rocci: Global Linguistics: An Introduction. Berlin, New York [Mouton de Gruyter] 2009, 270 Seiten, gebunden 99,95 Euro, Paperback 34,95 Euro.
Rezensiert von Anna Osterhus
“Global Village”, “Global Language”, “Global Koiné”,”Global Linguistics” – Der kürzlich bei Mouton de Gruyter in der Reihe “Approaches to Applied Semiotics” erschienene Band geizt nicht mit weitreichenden Begriffen. So beginnt auch der im Vorwort als Einführungslektüre vor allem für Studierende und den universitären Basisunterricht vorgestellte Band mit keinem geringeren Thema als der Entstehung und Entwicklung des homo sapiens. Kommunikation und Sprache werden beinahe überdeutlich als wesentliche Entwicklungsmerkmale des Menschen “as a species dependent on culture (and not just nature)” eingeführt und sogleich mit der für das Buch zentralen Vorstellung eines durch Massentechnologien ermöglichten Global Village – sprachlich geprägt durch die Global Koiné Englisch – verbunden. Die Etablierung des neuen Forschungsbereichs Global Linguistics als das erklärte Ziel der Autoren droht vor allem anfänglich zu einem Mammutprojekt anzuwachsen, dem ein knapp 270 Seiten umfassender Band nicht gerecht zu werden scheint. [Mehr]
Anna Hanus: Dialogische Kommunikation in Frage gestellt?
Anna Hanus: Dialogische Kommunikation in Frage gestellt? Zur Gestaltung der Dialogizität in Prosawerken - exemplifiziert an ausgewählten Erzählungen von Arthur Schnitzler und Thomas Bernhard. Marburg [Tectum Verlag] 2009, 205 Seiten, 24,90 Euro.
Rezensiert von Simon Meier
Jede Wissenschaft operiert mit Sprache. Für die Linguistik und die Literaturwissenschaft ist Sprache jedoch nicht nur Mittel, sondern auch Gegenstand der Forschung. Trotz dieser grundlegenden Gemeinsamkeit ist das Verhältnis zwischen beiden Disziplinen längst nicht so eng, wie man erwarten könnte. Wolfgang Klein hat es kürzlich treffend beschrieben als “Ehe, in der beide sich auseinandergelebt haben, die – von wenigen Ausnahmen abgesehen – durch bisweilen wohlwollendes, zumeist aber gleichgültiges Nebeneinanderherleben gekennzeichnet ist”. Eine dieser Ausnahmen ist die linguistische Auseinandersetzung mit literarischen Dialogen, die zumindest der Zielsetzung nach beide Disziplinen bereichern soll. In diese seit über drei Jahrzehnten lebendige Traditionslinie reiht sich auch die vorliegende Untersuchung ein. [Mehr]
RSS-Feed


