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Julia Jochem: Performance 2.0

Rezensiert von Michael Roslon

Einzelrezension
"Die ganze Welt ist eine Bühne" – gegenwärtig nimmt wohl keiner dieses Shakespeare-Zitat wörtlicher als die Flashmobber rund um den Planeten: sie nehmen den Raum der New Yorker Grand Central Station ein und halten die Zeit für 5 Minuten an, indem sie auf ein Signal hin in der körperlichen Pose einfrieren, in der sie sich gerade befinden. Julia Jochem widmet sich dem im deutschsprachigen Raum bisher wenig untersuchten Medien- und Kulturphänomen der 'Flashmobs'. Die Verfasserin untersucht das Phänomen Flashmob von dessen medienbasierter Organisation über den konkreten Verlauf bis hin zur digitalen Speicherung bzw. Dokumentation im Internet. Die Autorin bringt dieses Wechselspiel zwischen gelebter kultureller Praxis (Performance) und webbasierter Mediennutzung (Web 2.0) auf die Formel: "Performance + 2.0 = Performance 2.0" (12). Der Begriff soll das Verhältnis von On- und Offline-Kommunikation sowie die Veränderung von Raumbeziehungen erfassen. Mehr

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Ute Daniel, Axel Schildt: Massenmedien im Europa des 20. Jahrhunderts

Rezensiert von Rudolf Stöber

Einzelrezension
Das 20. Jahrhundert konstituiert keine Epoche der Mediengeschichte. Dieser naheliegende Eindruck drängt sich den Lesern des von Ute Daniel und Axel Schildt herausgegebenen Bandes auf. Auch stellte, zumindest nach Ansicht der Herausgeber, 1945 keine medienhisto- rische Zäsur dar. Während der Rezensent der ersten Einschätzung zustimmt, scheinen ihm an der zweiten Zweifel angebracht. Denn der Hiat des 20. Weltkriegs veränderte zwar weder die Mediengattungen noch die Rezipienten- bedürfnisse, doch medienökonomisch und ‑rechtlich-politisch wurde in allen europäischen Ländern, mit Ausnahme von den neutralen Staaten und Großbritannien, das Unterste zu oberst gekehrt. Auch der Aufstieg des Fernsehens vollzog sich nach 1945. Mehr

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Rolf Nohr; Herbert Schwaab (Hrsg.): Metal Matters

Rezensiert von Daniel Hornuff

Einzelrezension
Man könnte sich die Sache einfach machen: Darauf verweisen, dass Heavy Metal und Wissenschaft einander ausschließen; dass Headbangen letzte Hirnzellen vernichtet, Bücherstudium hingegen ständig neue bildet; oder dass die einen laut, langhaarig und ungehobelt schreien, die anderen verhalten, wohlfrisiert und kultiviert dozieren. Ja, es dürfte keine Mühe bereiten, eine solche Reihung endlos fortzuschreiben. Doch wer sich diese Sache einfach macht, verpasst, sie zu deuten. Die beiden Medienwissenschaftler Rolf F. Nohr und Herbert Schwaab haben nun einen Sammelband zum Thema Metal Matters. Heavy Metal als Kultur und Welt vorgelegt und darin die erweiterten Beiträge einer Fachkonferenz vereint.Glücklicherweise haben sich die Herausgeber die Sache alles andere als einfach gemacht, geht es ihnen doch um die "Ergründung der Komplexität von Metal". Mehr

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Fabian Wahl: Der Islam in den Medien

Rezensiert von Marina Liakova

Einzelrezension
In seinem Buch befasst sich Fabian Wahl mit der Darstellung des Islam in den Medien. Ein Thema, das zwar nicht neu, aber weiterhin aktuell ist. Dennoch ist der Vorgang von Wahl explorativ, denn im Zentrum seiner Arbeit steht nicht der Islam und die Komplexität des Bildes der Muslime in den Medien, sondern die Problematik der journalistischen Qualität. Der Autor stellt sich die anspruchsvolle Aufgabe, durch die Art der Präsentation des Islam in bestimmten Medien, Schlüsse über ihre Qualität zu ziehen: Die Darstellung des Islam soll die Qualität der Medien indizieren. So werden zwei Themen, die in den Sozialwissenschaften zum größten Teil bisher abgekoppelt voneinander analysiert wurden – die journalistische Qualität wird vor allem in der Medienforschung und das Islambild eher in der Islamwissenschaft oder aber in der Migrations- und Integrationsforschung problematisiert – in der Arbeit von Wahl synthetisch behandelt. Mehr

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Angela de Benedictis, Gustavo Corni Brigitte Mazohl, Luise Schorn-Schütte (Hrsg.): Die Sprache des Politischen in actu

Rezensiert von Joachim Knape

Einzelrezension
Der Sammelband begründet eine neue Schriftenreihe zum Thema Geschichte der politischen Kommunikation und ist zugleich die erste Buchpublikation des internationalen Graduiertenkollegs Politische Kommunikation von der Antike bis in das 20. Jahrhundert, an dem deutsche, italienische und österreichische Wissenschaftler beteiligt sind. Die sechs Beiträge des Bandes - alle zweisprachig in deutsch und italienisch abgedruckt - sind "Ergebnis der ersten methodischen und epochenbezogenen Diskussionen, die im internationalen Kolleg geführt wurden. Entsprechend unterschiedlich sind die Aufsätze angelegt". Man kann sie in zwei Gruppen einteilen: in eine Themen- und Forschungsstand diskutierende Gruppe und in eine Fallstudiengruppe. Mehr

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Jutta von Campenhausen: Wissenschafts- journalismus

Rezensiert von Wiebke Rögener

Einzelrezension
"Warum ein Buch zum Wissenschafts- journalismus?" fragt Jutta von Campenhausen im ersten Kapitel und nennt auf wenigen Seiten die wichtigsten Antworten: Wissenschaft beeinflusst unser Leben und unser Weltbild. Und während die Wissenschaft die Welt erklärt und verändert, sollen Wissenschaftsjournalisten der Welt die Wissenschaft erklären. Dabei betont Campenhausen: "Wissenschafts- journalisten sind keine Sprachrohre der Wissenschaft". Gefordert ist ein kritischer Blick auf Wissenschaftsbetrieb und Forschungsergebnisse. Fragwürdige Publikationen etwa in der Pharmaforschung aufzudecken, Schwächen in Studien zu erkennen oder gar Fälschungen in der Forschung auf die Spur zu kommen hebt die Autorin als wichtige Aufgaben der Wissenschafts- journalisten hervor. Zugleich aber seien Wissenschaftsthemen spannend und populär. Darüber zu berichten sei, so zitiert sie zustimmend Reiner Korbmann, den Chefredakteur der Zeitschrift "Medizin- und Wissenschaftsjournalist", der "schönste Beruf der Welt". Mehr

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David Graeber: Debt

Rezensiert von Ingo Reuter

Einzelrezension
Mit seinem Werk Debt: The First 5000 Years legt Graeber eine umfangreiche dekonstruktivistische Kulturgeschichte der Schulden vor. Seine Untersuchungen beginnt er ausgehend von der verwunderten Erkenntnis, dass die moralische Forderung, man müsse seine Schulden bezahlen, durch Jahrtausende eine so hohe Bindungskraft entfalten konnte. Schuldknechtschaft, Sklaverei, der Verkauf von Töchtern wurden der moralischen Forderung, die eigenen Schulden zu bezahlen, untergeordnet. Graeber zeichnet nun die Geschichte der Schulden und des Umgangs mit Schulden durch die Jahrhunderte in den unterschiedlichsten Gesellschaften nach. Hieraus ergibt sich Schritt für Schritt implizit und am Ende des Buches dann auch explizit die Forderung, endlich, nach so vielen Jahrhunderten geistiger Knechtschaft unter dem moralischen Schuldenimperativ, zu einem neuen veränderten Denken vorzudringen, bzw. zumindest nachzudenken zu beginnen, dass der Imperativ, Schulden seien unter allen Umständen zu begleichen, keine absolute Geltung beanspruchen darf - insbesondere da einige ihre Schulden ohnehin nicht bezahlen, wie man anhand der jüngsten Bankenkrise sehen konnte. Mehr

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Eva Baumann: Die Symptomatik des Medienhandelns

Rezensiert von Nicole Zillien

Einzelrezension
Die Krankheitsbilder Anorexie, Bulimie und psychogene Adipositas werden üblicherweise unter dem Begriff der Essstörungen subsumiert, welche insbesondere unter jüngeren Frauen eine verbreitete chronische Erkrankung darstellen. Dabei wird – bei Magersucht und Ess-Brech-Sucht ebenso wie bei anfallartigem Überessen – sowohl in Alltagsgesprächen als auch im wissenschaftlichen Diskurs von einer medialen Einflussnahme ausgegangen. Die Annahme ist, dass die überschlanken Medienvorbilder als Körperideal dienen und auf Rezipientenseite zu Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper und im Extremfall zu krankhaften Essstörungen führen. In ihrer empirischen Arbeit Die Symptomatik des Medienhandelns führt Eva Baumann aus, dass diese Vorstellung eines linearen Zusammen- hangs von Ursache und Wirkung dem komplexen Wechselverhältnis von Mediennutzung und Essverhalten nicht gerecht wird. Mehr

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Stephan Eisel: Internet und Demokratie

Rezensiert von Martin Emmer

Einzelrezension
Potenzielle Leser dieses Buchs sollten sich von Anfang an im Klaren darüber sein, dass das zu Beginn formulierte Ziel dieses Buchs, einen "nüchterne(n) Blick auf die Chancen und Gefahren" des Internets zu werfen, nicht einmal ansatzweise eingelöst wird. Das Buch sollte eher gelesen werden als ein exemplarisches Panorama der Ratlosigkeit und der Ängste großer Teile der etablierten politischen Klasse im Umgang mit der Digitalisierung unserer Gesell- schaft, insbesondere des konservativen Lagers – und als solches hat es durchaus Informationswert. Der Leser wird Zeuge wie der Autor – langjähriges Mitglied und Mitarbeiter von CDU, Konrad-Adenauer-Stiftung und Deutschem Bundestag – über dreihundert Seiten versucht, seine kognitive Dissonanz im Umgang mit digitalen Medien zu bewältigen. Dabei nimmt er wenig Rücksicht auf die breite Faktenlage, eine widerspruchsfreie Argumentation oder ordentliche Quellenarbeit, wenn er sich und die Leser ständig entweder der Irrelevanz und Wirkungslosigkeit oder der dramatischen Gefährlichkeit 'des Internets' für den politischen Prozess versichern muss. Mehr

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Susanna Hübner: Wettbewerbsanalyse des Fernsehsektors

Rezensiert von Dieter Dörr

Einzelrezension
Susanna Hübner gliedert ihre Wettbewerbsanalyse des Fernsehsektors in fünf Kapitel. Zunächst veranschaulicht sie den aus ihrer Sicht bestehenden wirtschaftspolitischen Handlungsbedarf beim Fernsehen. Im zweiten Kapitel wendet sie sich der ökonomischen und medienwissenschaftlichen Einordnung des Fernsehens zu, um sich dann im dritten und umfangreichsten Kapitel der eigentlichen Wettbewerbsanalyse des Fernsehsektors zu widmen. Im vierten Kapitel erfolgen eine Bestandsaufnahme der Regulierung sowie die Darstellung neuer Lösungsansätze. Im abschließenden fünften Kapitel formuliert die Autorin schließlich Anforderungen an eine neue Rundfunkordnung für das Fernsehen.

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