In der anhaltenden 'postfaktischen' Ära, wo Fake News Tatsachen, 'alternative Fakten' Realitäten, gezielte Echokammern und Desinformationen seriöse Nachrichten übertönen und die Grenzen zwischen Sein und Schein, zwischen Wirklichkeit und Fiktion immer stärker verwischen, da könnte man versucht sein, neben vielen anderen Diskussionsbeiträgen auch bei der Philosophie nach Orientierungen zu suchen, zumal bei einem über 600-seitigen Opus, das mit "Fiktionen" überschrieben ist. Außerdem hat der Autor, der Bonner Philosoph und vom Feuilleton schon als "neuer Shooting Star" gefeiert, sein umfängliches Werk im Fernsehen als kategorialen Leitfaden für oder besser gegen Digitalisierung, soziale Netzwerke und Künstliche Intelligenz gepriesen. Doch wer den Wälzer zu lesen beginnt, wird auf eine harte Probe gestellt. Mehr
2019 kann für die Geschichte der Presseillustrationen, vor dem Fernsehzeitalter das wichtigste allgemein zugängliche Bildmedium, als ein Bestjahr angesehen werden. In diesem Jahr erschien sowohl das faktenreiche "Künstlerlexikon" Bilder in der Presse des Kunst- und Kulturhistorikers Detlef Lorenz als auch die vorliegende Publikation des auf Mediengeschichte spezialisierten Mannheimer Historikers Konrad Dussel. Der Titel seines Werkes, eine Pionierarbeit, bezieht sich auf die vor mehr als 50 Jahren von dem kanadischen Philosophen und Kommunikationstheoretiker Marschall McLuhan aufgestellte These "Das Medium ist die Botschaft". Untersuchungsgegenstand sind die "Bildstrukturen" (also nicht einzelne Schlüsselbilder oder Ikone), die in drei ideologisch unterschiedlichen "Illustrierten", einer bislang in der Forschung vernachlässigten Pressegattung, als "eigentliche Botschaft" veröffentlicht worden sind. Mehr
Das Internet ist in den letzten fünfzehn Jahren zum zentralen Rechercheinstrument von Journalistinnen und Journalisten geworden. Während ursprünglich noch die Frage gestellt wurde, wie im Journalismus mit diesem neuen Informationsmedium umgegangen werden soll, interessiert das angesichts der Ubiquität der Online-Recherche und der Institutionalisierung der Online-Kommunikation bei öffentlichkeitsrelevanten Organisationen und Akteuren heute kaum mehr.
Eine Ausnahme bildet dabei die sehr viel chaotischere und schnelllebige Welt der Social Media, in der Informationen mit geringem zeitlichem und organisatorischem Aufwand von nahezu jedermann publiziert werden kann. Diese Welt der schnellen und unzuverlässigen Informationsvermittlung bietet Journalistinnen und Journalisten eine schier unendliche Fülle an Informationen und Geschichten. Gleichzeitig besteht hinsichtlich der Vertrauenswürdigkeit dieser Informationen eine beträchtliche Unsicherheit. Mehr
Über digitales Storytelling wurde bereits viel geschrieben, in wissenschaftlichen Artikeln wie in Praxishandbüchern; und im Journalismus haben sich Multimedia-Geschichten längst etabliert. Als Best-Practice-Beispiel und Prototyp fürs multimediale Erzählen wird immer wieder die Multimedia-Reportage Snow Fall (New York Times 2012) zitiert. Warum also noch ein Buch zu diesem Thema? Weil bis jetzt nur wenige empirisch-fundierte Studien zur Qualität von Multimedia-Geschichten vorliegen und eine wichtige, vor allem praxisrelevante Frage noch unbeantwortet ist: Was macht eine gute Multimedia-Geschichte aus? Mehr
Nicht wenigen Studierenden wird flau in der Magengegend, wenn Sie an eine Klausur oder Projektarbeit mit Statistik und der Software SPSS denken. Doch das muss nicht sein. Denn Claus Braunecker hat ein Werk vorgelegt, das so verständlich und angenehm zu lesen ist, dass nach der Lektüre wirklich jeder und jede eine fundierte empirische Studie erstellen und mit SPSS auswerten kann. Die Besonderheit des Buches: Fast alle Erklärungen finden anhand eines empirischen Forschungsprojekts statt, das am Anfang einmal vorgestellt und dann immer wieder aufgegriffen wird. Zahlreiche Screenshots der SPSS-Ein- und Ausgabefenster erleichtern das Verständnis. Das Buch ist im besten Sinne eine Gebrauchsanleitung, die wirklich hilft und gleichzeitig die Frage nach dem "Warum" nicht ausklammert. Mehr
In der Kommunikationswissenschaft stehen bei den Methoden traditionell klassische Befragungen und Inhaltsanalysen hoch im Kurs. Doch das Experiment gewinnt an Boden. Ein Grund dafür dürfte darin liegen, dass Online-Experimente relativ schnell und unkompliziert durchgeführt werden können. Doch bei experimentellen Studiendesigns sind zahlreiche Aspekte zu beachten, die die Qualität der Ergebnisse beeinflussen. Viele Psychologiebücher, die sich mit Experimenten beschäftigen, setzen bereits einiges an Vorwissen voraus. Insofern ist der Einstieg in die experimentelle Forschung für Kommunikationswissenschaftler nicht immer einfach. Das hat sich durch das Werk von Koch, Peter und Müller geändert: Sie haben ein Lehrbuch geschrieben, das speziell Experimente in der Kommunikations- und Medienwissenschaft in den Fokus nimmt. Mehr
Seit den Maßstab setzenden Forschungen von Rudolf Herz zu "Hoffmann & Hitler" und dem dazu 1994 veröffentlichten umfangreichen Ausstellungskatalog hat sich niemand mehr nennenswert mit "Hitlers Fotograf" beschäftigt. Nun wurde dazu an der Karlsruher Hochschule für Gestaltung eine Dissertation vorgelegt, betreut von Wolfgang Ullrich, dort bis 2015 Professor für Kunstwissenschaft und Medienphilosophie, sowie Bernhard Stiegler, Professor für Neuere Deutsche Literatur im medialen Kontext an der Universität Konstanz. Was sie an wissenschaftlicher Erkenntnis Neues bringt, hätte an keiner Universität mit einem historischen Fachbereich eine Promotion gerechtfertigt. Mehr
"Das vorliegende Buch beschäftigt sich mit Bedürfnissen und dem Verhalten des Publikums auf der einen und den Zwängen und Möglichkeiten des Journalismus auf der anderen Seite. Sein wichtigstes Anliegen ist: Beide Seiten sollten sich nicht als Gegner verstehen, sondern als Partner, die ein gemeinsames Ziel verfolgen. Idealerweise jenes, das Leben für den Einzelnen und das Zusammenleben in der Gesellschaft ein kleines bisschen besser zu machen." So steht es in Alexandra Borchardts Einleitung unter der Überschrift "Ein tiefer Graben. Der Journalismus und sein Publikum". Das klingt wohltuend. Wer wollte nicht Gräben zwischen Menschen überbrücken und die Welt besser machen. Dennoch ist es nicht selbstverständlich, zumal, was den Journalistenberuf betrifft. Mehr
Als Jahrhundert der Massenmedien gilt das 20. Jahrhundert; entsprechend kursieren die einschlägigen Etiketten wie "Mediengesellschaft", "Mediendemokratie" oder "Mediokratie" wohlfeil. Für Historiker*innen besonders misslich ist, dass sie zumal für die erste Hälfte nur über wenige Quellen, Daten und Studien verfügen, um diese Entwicklungen empirisch-analytisch zu unterfüttern. Deshalb veranstalteten die Herausgebenden in der DGPuK-Fachgruppe Kommunikationsgeschichte im Januar 2017 in Leipzig eine einschlägige Tagung, deren Beiträge in diesem Sammelband nunmehr veröffentlicht werden. Mehr
Die Nachricht kann mit Fug und Recht als Kernelement des Journalismus bezeichnet werden. Das, was neu, relevant, aktuell ist, wird von Journalist*innen als Nachricht in die Welt getragen. Die Nachricht und mit ihr der Nachrichtenjournalismus sehen sich aber, wie der Journalismus insgesamt, massiven Veränderungen und existenziellen Bedrohungen ausgesetzt: Disintermediation, der Aufstieg digitaler Plattformen und mit ihm verbunden die Revolution von Kommunikationsprozessen, die ökonomische Krise journalistischer Medienunternehmen – um nur einige wenige zu nennen. Ein Handbuch, das den Nachrichtenjournalismus umreißt, seine aktuellen Probleme analysiert und mögliche Lösungen diskutiert, ist daher ein relevantes Unterfangen. Tanja Köhler, promovierte Kommunikationswissenschaftlerin und Redaktionsleiterin Nachrichten Digital beim Deutschlandfunk, hat mit dem von ihr zusammengestellten Sammelband einen umfangreichen Beitrag dazu geleistet. Auch wenn das Werk kleinere Schwachstellen aufweist. Mehr
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