Klaus Dörre, Steffen Liebig, Kim Lucht, Johanna Sittel, Lennart Michaelis (Hrsg.): Umkämpfte Transformation

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Rezensiert von Hans-Dieter Kübler

Einzelrezension

Obwohl Transformation als Vokabel ständig in aller Munde ist, besonders bei Politikern und Wirtschaftslenkern, gibt es zu ihren konkreten Umsetzungen erst wenige Forschungsarbeiten. Die Jenaer Studien, die sich auf den sozial-ökologischen und digitalen Umbau der Arbeitswelt konzentrierten, haben in verschiedenen Teams und Projektzusammenhängen in zehnjähriger Arbeit diverse Konflikte dieses Umbruchs herausgearbeitet. Der vorliegenden Band zieht eine Bilanz dieser Forschungen und bildet mit dem Ausscheiden des Initiators, Klaus Dörre, einen vorläufigen Abschluss dieser erfolgreichen interdisziplinären Kooperation.

Allerdings steht er auch unter dem Menetekel eines drohenden Rollbacks, den das Team einleitend thematisiert: Mit dem Amtsantritt Donald Trumps im Januar 2025 sowie dem umgehenden Austritt der USA aus dem Pariser Klima- und anderen internationalen Abkommen sei der antiökologische und antisoziale Backlash auf der Tagesordnung. Politischer Autoritarismus, grundiert von einem oligarchischen Kapitalismus der HighTech-Konzerne, werfe die Bemühungen um Nachhaltigkeit und Begrenzung des Klimawandels weit zurück. Allerdings träfe dieser Rollback bei vielen (deutschen) Arbeitenden – zumal in kriselnden Schlüsselbranchen wie der Automobil-, Stahl-, Energie- und Chemiewirtschaft – auf wachsende Angst vor Arbeitsplatzverlust und sozialem Abstieg, was sie für rechtspopulistische Versprechen und Tendenzen anfällig macht.

In sieben Fallstudien zu sozial-ökologischen und digitalen Transformationskonflikten werden diese subjektiven Widerstände und Kompensationsstrategien der Beschäftigten erkundet und in strukturelle Konditionen eingebettet. Qualitative Interviews mit Beschäftigten decken persönliche Anforderungen und Belastungen solcher Umbrüche sowie auferlegter Qualifizierungs- und Weiterbildungsmaßnahmen auf. Die Projektverantwortlichen führen zuvor in die theoretischen Grundlagen der Forschungen ein, indem sie auf der Basis eines soziologischen Klassenmodells unterschiedliche Positionen zu den Transformationskonflikten herausarbeiten. Den Abschluss des Readers bilden zwei Beiträge, die Perspektiven für mögliche künftige Transformationen umreißen und sie etwa in der Zusammenarbeit von Klima- und Arbeiterbewegungen sehen.

In einem Nachwort werden drei potenzielle, ganz unterschiedliche Szenarien skizziert, in die die verschiedenen, keineswegs linearen und widerspruchfreien Entwicklungen münden könnten (344ff.): in einen “grünen Kapitalismus”, in dem das Wirtschaftswachstum von seinen ökologisch und sozialschädlichen Folgen relativ reibungs- und konfliktfrei entkoppelt wird; oder in sein genaues Gegenteil, nämlich in einen “autoritär-fossilistischen Backlash”, in dem ein weitgehender deregulierter oligarchischer Kapitalismus mit rücksichtsloser Ausbeute aller Rohstoffe und ein autoritärer Staat, der den Sozialstaat und die Arbeitnehmerrechte kappt, dominieren, der aber auf Dauer infolge seiner internen Konflikte und Widersprüche äußerst instabil ist, und endlich in einen “ökologischen Sozialstaat”, der für die Durchsetzung ökologischer Nachhaltigkeitsziele Erhalt und Ausbau sozialer Sicherheit, von Gerechtigkeit, demokratischer Werte und Institutionen voraussetzt und sich für eine plurale, innovationsbereite Zivilgesellschaft und die demokratische Teilhabe aller als Garanten für öffentliche Daseinsvorsorge und wirtschaftliches Wachstum engagiert.

Vermutlich werde es eine Mischform der beiden erst genannten Szenarien geben, der ökologische Sozialstaat bleibe wohl eine “realitätsferne Konstruktion” (348), beschließen die Autor:innen ihre wenig optimistischen Zukunftsvisionen mit einem letzten Blick auf die gerade anhaltende weltweite Aufrüstung und ihre gesellschaftlichen Folgen. In jedem Fall bedarf es ohne Frage weiter solch gründlicher und konkreter empirischer Studien, die besagten Umbruch der Industriegesellschaften bottom-up und fundiert beleuchten.

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Über das BuchKlaus Dörre, Steffen Liebig, Kim Lucht, Johanna Sittel, Lennart Michaelis (Hrsg.): Umkämpfte Transformation. Konflikte um den digitalen und ökologischen Wandel. Frankfurt/New York [Campus] 2025, 366 Seiten, 30,- EuroEmpfohlene ZitierweiseKlaus Dörre, Steffen Liebig, Kim Lucht, Johanna Sittel, Lennart Michaelis (Hrsg.): Umkämpfte Transformation. von Kübler, Hans-Dieter in rezensionen:kommunikation:medien, 20. April 2026, abrufbar unter https://www.rkm-journal.de/archives/25947
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