Josefine Sporer: Der SMS-Messaging-Crawl

Einzelrezension
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Rezensiert von Sonja Ruda

Einzelrezension
Josefine Sporer behandelt in fünf Kapiteln ihrer wissenschaftlichen Arbeit die Schriftkommunikation über den SMS-Messaging-Crawl: die Kommunikation mittels Kurznachrichten in einem Textfeld, welches während der VIVA-Sendung Get the Clip auf dem Bildschirm unten eingeblendet wird. Zuschauer haben dabei die Möglichkeit, per Mobiltelefon über Musikvideos abzustimmen und mit anderen Zuschauern über ihre eingesendeten, von der Redaktion gefilterten SMS zu kommunizieren. Die Analyse der Gestaltung von Kommunikation mittels SMS-Messaging-Crawl und die Bestimmung der Kommunikation über den SMS-Messaging-Crawl als eigenständige Kommunikationsform führt Josefine Sporer wie folgt durch: Im Grundlagenteil stellt sie zunächst das Fernsehsendungskonzept von “Get the Clip” vor und geht dabei zudem auf technische Voraussetzungen sowie die Zielgruppe ein.

Anschließend befasst sie sich mit dem Begriff ‘Kommunikationsform’ mit Bezug auf Brinker (2001) und zeigt strukturelle Unterschiede zur SMS- und Chat-Kommunikation auf. Danach bestimmt Sporer textexterne Merkmale nach den Kriterien von Dürscheid (2005), zieht daraus Konsequenzen hinsichtlich der kommunikativen Bedingungen sowie der sprachlichen Gestaltung und stellt das textanalytische Verfahren nach Brinker (2001) dar. Dessen Basiskriterium, die Textfunktion, soll zur Bestimmung der Kommunikationsform SMS-Messaging-Crawl dienen.

Im Methodenteil erläutert sie die Auswahl des Textkorpus (zwei Sendeblöcke von “Get the Clip” am 3.6.2008: 18-20 Uhr und 23-24 Uhr) und ihre methodische Vorgehensweise mit der Festlegung von folgenden Analysekategorien: Identifikation von Textfunktionen mit Häufigkeitsverteilungen, qualitatives Belegen sprachlicher Phänomene sowie ihrer Eigenheiten in der Verwendung, Bestimmung der genauen Adressierungsform und ersichtliche Bezüge zwischen den einzelnen Nachrichten. Ihre methodische Vorgehensweise führt sie fort mit der Festlegung für Zuordnungen des Adressaten, der Adressierungsform, des Emittenten sowie der Textfunktionen.
Im Auswertungsteil fasst sie ihre Ergebnisse aus der Korpusanalyse über Textfunktionen und Textsorten sowie sprachliche, kommunikative und soziale Phänomene zusammen.

Im Fazit bestätigt die Autorin, dass es sich beim SMS-Messaging-Crawl um eine eigenständige Kommunikationsform handelt. Zudem weist sie auf zukünftige Analysen hin wie die Herstellung von Kohärenz zwischen sich aufeinander beziehenden Texten und zeigt die Leistungen des interaktiven Mehrwertdienstes für Bereitsteller und Nutzer auf.

Der Anhang umfasst die Auflistung der Nachrichten im SMS-Messaging-Crawl zu den jeweils gesendeten Clips mit der Anzeige über den Emittenten, den vordergründigen Adressaten, die Adressierungsform, die Textfunktion sowie die möglichen Bezüge und die dazugehörigen Erklärungen über z. B. Abkürzungen und Emoticons.

Josefine Sporers Betrachtung und Analyse des relativ neuen Forschungsgegenstands SMS-Messaging-Crawl erfolgt mit wesentlichen wissenschaftlichen Quellen und nachvollziehbaren bekannten Methoden. Ihr Ziel und die begleitenden Fragestellungen stellt sie überzeugend dar und ihre Analyseergebnisse zum höchst spannenden Textkorpus sind überaus aufschlussreich, was zu weiteren Forschungen einlädt.

Allerdings ist Folgendes kritisch anzumerken: Die Einleitung zur Bestimmung des Begriffs ‘Interaktivität’ (9) erscheint recht oberflächlich. Die Textstrukturierung ist an manchen Stellen nicht stringent, so wären die Textfunktionen nach Brinker (2001) von den “reduzierten Allgemeinnachrichten” (47-54) genauer explizit abzuheben. Die Überschrift “4.2 Einsenden einer Textnachricht” (77) könnte hinsichtlich der folgenden Inhalte ausdrucksstärker formuliert werden. Auch in der Form treten ein paar Ungenauigkeiten auf. Schade ist, dass der Verlag über die Autorin und deren Bezug zur vorliegenden wissenschaftlichen Publikation keine näheren Informationen bis auf den Werbetext anzeigt.

Insgesamt ist das Buch Der SMS-Messaging-Crawl von Josefine Sporer äußerst lesenswert und bietet einige Anregungen zu sich anschließenden Arbeiten.

Literatur:

  • Brinker, K.: Linguistische Textanalyse. Eine Einführung in Grundbegriffe und Methoden. 5., durchgesehene und ergänzte Auflage. Reihe: Grundlagen der Germanistik Band 29. Berlin [Erich Schmidt Verlag] 2001.

Links:

Über das BuchJosefine Sporer: Der SMS-Messaging-Crawl. Schriftkommunikation in neuen Formen. Marburg [Tectum Verlag] 2009, 137 Seiten, 24,90 Euro.Empfohlene ZitierweiseJosefine Sporer: Der SMS-Messaging-Crawl. von Ruda, Sonja in rezensionen:kommunikation:medien, 7. August 2012, abrufbar unter http://www.rkm-journal.de/archives/9676
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Rezensent/in
Dr. phil. Sonja Ruda ist an der Professur Angewandte Sprachwissenschaft/Technikkommunikation am Institut für Germanistik und Kommunikation der Technischen Universität Chemnitz tätig.