Franzisca Weder: Organisationskommunikation und PR

Einzelrezension
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Rezensiert von Pascal Christoph Tanner

Einzelrezension
Mit dem Band Organisationskommu- nikation und PR legt Franzisca Weder eine Einführung in das Wissensgebiet der Organisationskommunikation vor. Ihr erklärtes Ziel ist es, dem Leser in acht Kapiteln ein “umfassendes Verständnis eines zunehmend wichtigen sozialwissenschaftlichen Forschungs- bereichs” (6) zu vermitteln. Die Autorin definiert den Begriff Organisations- kommunikation umfassend, wie es im deutschen Sprachraum inzwischen auch üblich geworden ist. Sie zählt die klassischen Tätigkeitsfelder (Pressearbeit, Marketing und Werbung) dazu, aber auch die interne Kommunikation und alle Formen der Kommunikation über Organisationen. Definiert wird Organisationskommunikation von Weder in diesem umfassenden Sinne als soziales Handeln im Bezug auf einen strukturellen Kontext (17). Um dieses spezifische soziale Handeln besser verstehen und erklären zu können, greift die Klagenfurter Hochschuldozentin auf Erkenntnisse der Kommunikations- und der Wirtschaftswissenschaften zurück; diese werden in eine übergreifende sozialwissenschaftlichen Perspektive gerückt.

Die bekannte Unterscheidung der drei Ebenen des Sozialen (Mikro-, Meso- und Makroebene) dient der Autorin als Leitmotiv ihrer Einführung. Auf der Meso-Ebene entdeckt sie einen weißen Fleck auf der wissenschaftlichen Landkarte: Sie beklagt in der Organisationskommunikations-Forschung nämlich einen Mangel an organisationstheoretischer Reflexion (91). Beheben will sie dieses Defizit mit Hilfe strukturationstheoretischer Überlegungen, die sie insbesondere auf Giddens’ bekannte Theorie abstützt (vgl. Giddens, 1995). Das Potential dieses theoretischen Zugriffs: Die Erfassung und Beschreibung der zentralen Dynamik, die zwischen Kommunikationshandlungen und -strukturen spielt. Genau diesbezüglich greife eine rein system- oder handlungstheoretische Perspektive nämlich zu kurz, meint Weder (35).

Das zweite Drittel des Buches behandelt drei bekannte Teilbereiche der Organisationskommunikation in vertiefender Weise, also die Organisationskommunikation ‘in’, ‘aus’ und ‘um’ Organisationen. Um diese Bereiche theoretisch zu modellieren, spricht Weder von der Organisation als Kommunikationsraum (107), von der Organisation als Kommunikator (132) und vom Wechselverhältnis zwischen der Organisation und der Öffentlichkeit (154). Neben handlungs- und systemtheoretischen Ansätzen finden dabei auch der Ansatz der Organisationskultur sowie die Begriffe der strategischen Kommunikation und der Kommunikationsarena eine Berücksichtigung.

Weder gelingt es, die vorgestellten Theoriebausteine konzis darzustellen und zwar selektiv, aber in sinnvoller und nachvollziehbarer Weise in ihre Einführung einzuflechten. Im letzten Teil ihres Buches ist eine Sammlung von Forschungsvorschlägen zu finden – dazu gehören beispielsweise Fragen nach dem interaktiven Kommunikationsmanagement dank neuen Medien oder nach der Corporate Social Responsibility (CSR) aus Sicht von Mitarbeitenden. Diese Sammlung von Fragestellungen vermittelt einen hilfreichen Ausblick auf ein sehr heterogenes Forschungsfeld. Von praktischem Nutzen ist auch der Serviceteil mit Repetitionsfragen zu allen vermittelten Inhalten und die Übersicht über Ausbildungsmöglichkeiten an Hochschulen im deutschsprachigen Raum.

Das Buch ist in zugänglicher Sprache verfasst und für eine Einführung weder zu umfangreich noch zu knapp gehalten. Es richtet sich an jeden, der sich für das Forschungsfeld Organisationskommunikation interessiert. Als Praktikerbuch ist es weder gedacht noch geeignet, enthält es doch keine der üblich gewordenen Fallbeispiele oder Checklisten. Gestalterische und didaktische Elemente erleichtern das Lesen und Lernen: Regelmässig formuliert die Autorin Etappenziele, gefolgt von den erwähnten Repetitionsfragen. Randnotizen und Infokästen tragen ihren Teil zur Übersichtlichkeit bei. Hilfreich sind die von Weder selbst erstellten Visualisierungen im ersten Drittel, beispielsweise jener grobe Überblick, der verschiedene Theoriebausteine auf einer Skala zwischen Struktur- und Handlungstheorien verortet (25). Eher unglücklich umgesetzt ist die inhaltliche Gliederung des Buches: Teilweise bis zu vier Subebenen werden noch in weitere Aufzählungen unterteilt, so dass man leicht den Überblick verliert. Für eine nächste Auflage, die man dem Buch wünscht, ist zudem auf die Bereinigung etlicher orthographischer Fehler zu hoffen.

Literatur:

  • Giddens, Anthony (1995): Die Konstruktion der Gesellschaft. Grundzüge einer Theorie der Strukturierung. Frankfurt a.M./New York.

Links:

Über das BuchFranzisca Weder: Organisationskommunikation und PR. Reihe: UTB, Band 3308. Wien [facultas.wuv] 2009, 224 Seiten, 18,90 Euro.Empfohlene ZitierweiseFranzisca Weder: Organisationskommunikation und PR. von Tanner, Pascal Christoph in rezensionen:kommunikation:medien, 30. September 2010, abrufbar unter http://www.rkm-journal.de/archives/2596
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Rezensent/in
Pascal Christoph Tanner ist Assistent am Lehrstuhl für Organisationskommunikation am IAM Institut für Angewandte Medienwissenschaft der ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Winterthur (Schweiz).