Andreas Elter: TV und AV Journalismus

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Rezensiert von Sebastian Köhler

Einzelrezension

Andreas Elter gilt als einer der theoretisch und praktisch versiertesten Bewegtbild-Journalismus-Experten hierzulande. Er arbeitet als Fachgebietsleiter “Bewegtbild” bei der ARD-ZDF-Medienakademie. Zuvor war er viele Jahre als Redakteur und Reporter beim WDR, beim ZDF und bei RTL tätig, bevor er bundesweiter Studiengangsleiter für Journalistik einer privaten Hochschule wurde. Das vorliegende Buch ist laut Elter zwischen Dezember 2019 und Mai 2021 entstanden – also in einer Zeit, die in Deutschland und weiten Teilen der Erde stark von der COVID-19-Pandemie bestimmt war. In dieser Krisenzeit war, ähnlich wie bspw. nach den Anschlägen vom 11. September 2001, ein beträchtlicher Aufschwung der Nutzung auch tradierter Medien zu beobachten.

Das “Praxisbuch für Unterricht und Training” ist der zweite Teil eines Werkes, dessen erster Band – mit klar theoretischem Fokus – hier bei r:km bereits besprochen wurde. Beide Bücher sollen laut Andreas Elter unabhängig voneinander Geltung beanspruchen, zugleich soll innerhalb der Bände modular gelesen werden können. Das darf insgesamt als gelungen betrachtet werden.

Das zweite Buch nun, als ganz besonders praxisorientiertes geschrieben, ist auch insofern originell, als es solche “Renaissancen” von zuvor fast schon abgeschriebenen Medien (wie das lineare Fernsehen), die nicht zuletzt mit einschneidenden Krisen wie der Pandemie verbunden sind, in verschiedener Hinsicht diskutiert. Ebenfalls innovativ erscheint, dass digitaler audiovisueller Journalismus relativ unabhängig vom “Ausspielweg”, also von der Medienform, her untersucht wird. Insgesamt leistet Elters Werk anregende Beiträge zu mehr Medienkompetenz im so wichtigen Bewegtbild-Bereich, für praktisch Medienschaffende, Lehrende und Lernende.

Es darf insofern als vergleichsweise umfassend gelten, weil der Text in beiden Bereichen, sowohl dem eher theoretischen als auch dem mehr praktischen, zweierlei zusammenführt: Elter zeigt, was “sehr grundsätzlich” (5) ist, ohne Wichtiges jüngerer und jüngster Entwicklungen zu vernachlässigen.

Dabei weiß der Autor und macht explizit, dass er folgende Lücke zwar mildern, aber nicht schließen kann: Bislang gibt es kaum ein umfassendes Lehrbuch, dass Bewegtbild-Journalismus in Theorie und Praxis gleichermaßen berücksichtigen oder gar integrieren würde. Sein mehrfacher “Brückenschlag” soll auch akademische Bereiche wie Publizistik/Journalistik (als eher kommunikationswissenschaftlich orientiert) einerseits sowie Film- und Fernsehwissenschaft (als mehr medienwissenschaftlich ausgerichtet) verbinden helfen.

Andreas Elter versucht insgesamt, eine Art “Universalmodell des digitalen, audiovisuellen Journalismus” (6) zu entfalten. Ihm ist dabei, auch in seiner persönlichen Zusammenführung von wissenschaftlicher Reflexion und praktischer Berufserfahrung, ein beachtlich integrativer Ansatz gelungen.

Das Buch des Bewegtbild-Experten weist sprachlich manche (kleineren) Schwächen auf. Dazu gehört exemplarisch der Buchtitel, auf dem “TV und AV Journalismus” (sic!) steht, womit, wie in mancher fernsehjournalistischen “Bauchbinde” (also Rollen-Insertierung), einfach mal die notwendigen Bindestriche fehlen. Diese überschaubaren (man kann sie übersehen) Mängel schmälern aber kaum den insgesamt beträchtlichen Gebrauchswert – wahrscheinlich vor allem für Medienschaffende mit einem gewissen Interesse an theoretischer Fundierung ihrer praktischen Arbeit.  

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Über das BuchAndreas Elter: TV und AV Journalismus. Praxisbuch für Unterricht und Training, Bd. 2. Baden-Baden [Nomos] 2021, 287 Seiten, 26,- EuroEmpfohlene ZitierweiseAndreas Elter: TV und AV Journalismus. von Köhler, Sebastian in rezensionen:kommunikation:medien, 24. April 2023, abrufbar unter https://www.rkm-journal.de/archives/23789
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