Annely Rothkegel: Technikkommunikation

Einzelrezension
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Rezensiert von Eva-Maria Jakobs

Einzelrezension
Der UTB-Band ist laut Klappentext als Einführung in das Themenfeld Technikkommunikation konzipiert. Er richtet sich an Zielgruppen mit stark differierenden Vorkenntnissen – Studierende der Sprach- und Ingenieurwissenschaft, der Journalistik und Fachjournalisten. Ziel ist die Einführung in linguistische Grundlagen des professionellen Sprechens und Schreibens über Technik und Technikgebrauch. Im Vordergrund stehen jedoch schriftbasierte Kommunikate, der mündliche Bereich wird nur gestreift. Das Gleiche gilt für Icons und andere Darstellungsmittel (z.B. Animation). Die Sicht auf den Gegenstand basiert auf Grundannahmen der linguistischen Handlungstheorie und der Handlungslogik, ergänzt durch Ansätze der Textlinguistik. Vor allem Kapitel zwei und drei zeigen Bezüge zu den computerlinguistischen Wurzeln der Autorin.

In fünf Kapiteln wird ein weiter Betrachtungsbogen zu Kommunikation über Technik gespannt, der sich auf einen reichen Erfahrungsschatz der Autorin stützt. Nach einer kurzen Einführung werden in Kapitel zwei und drei semantische und pragmatische Aspekte des Kommunizierens über Technik (wie Begriff, Wortfeld, Ontologie, Proposition, Sprechakt, Sprachhandlungsmuster) behandelt. Kapitel vier und fünf sind prozessorientiert ausgewählten Aspekten der Textanalyse und -produktion gewidmet. Der Textbereich wird durch Ausführungen zu Hypertext und Mensch-Maschine-Interaktion ergänzt, die vergleichsweise knapp ausfallen.

Das Buch ist solide gemacht. Es vermittelt auf einem Basislevel wichtige Begriffe für das Themenfeld Technikkommunikation. Zu den Nachteilen des Bandes gehört, dass er der Komplexität des vielgestaltigen, medial ausdifferenzierten Bereichs nur in Ansätzen gerecht wird. Bezogen auf aktuelle und zukünftige Berufsfelder wäre ein einführendes oder abschließendes Kapitel wünschenswert gewesen, das die Vielfalt und die Attraktivität dieses schnell wachsenden Forschungs- und Tätigkeitsbereichs skizziert. Dazu gehören Themen wie kommunikative Usability elektronisch gestützter Kommunikations-, Interaktions- und Informationsmittel, das Zusammenspiel semiotischer Codes (etwa in Augmented-Reality-Anwendungen für den technischen Wartungsbereich), Mensch-Maschine-Kommunikation in der Robotik oder Mensch-Computer-Mensch-Kommunikation in AAL-Umgebungen (Stichwort: eHealth), Trends wie Medienkonvergenz und Multi-Channeling oder Fragen der journalistischen Darstellung von Technik.

Die Lektüre ist nicht immer einfach. Dies mag an dem Versuch liegen, eine beeindruckende Fülle linguistischen Wissens in knappster Form bezogen auf den Gegenstand zu vermitteln. Hier zeigt sich der Ertrag einer langen Periode der fachwissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Gegenstand. Bezogen auf sprachferne Zielgruppen wie die Ingenieurwissenschaften stellt sich allerdings die Frage, ob die Abhandlung von Phänomenen wie Synonymie und Meronymie in zwei, drei Sätzen für ein grundlegendes Verständnis reicht. Bezogen auf technikferne Zielgruppen wie Linguisten und Fachjournalisten stellt sich die gleiche Frage bei Phänomenen wie affizierten und effizierten Objekten oder technikbezogenen Taxonomien. Die Darstellung wechselt zwischen hoch abstrakt und sehr anschaulich, mitunter von Satz zu Satz. Die meisten Kapitel enthalten Beispiele und Musteranalysen. Das – wahrscheinlich drucktechnisch bedingte – partielle Auseinanderreißen von besprechendem Text und Beispiel oder Abbildung erschwert den Lese- und Verarbeitungsprozess. Für den Einsatz in der Lehre wären Aufgaben sowie weiterführende Literaturangaben zu den oben genannten Feldern wünschenswert gewesen.

Fazit: Der Band bietet viel Wissen auf wenig Raum, ist aber nicht immer leicht konsumierbar. Er ist eher ein Kompendium als eine Einführung, zweifellos aber ein Buch, das eine wichtige Lücke am Markt füllt.

Links:

Über das BuchAnnely Rothkegel: Technikkommunikation. Konstanz [UVK] 2010, 288 Seiten, 19,90 Euro.Empfohlene ZitierweiseAnnely Rothkegel: Technikkommunikation. von Jakobs, Eva-Maria in rezensionen:kommunikation:medien, 6. Juli 2010, abrufbar unter http://www.rkm-journal.de/archives/2276
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Rezensent/in
Dr. Eva-Maria Jakobs ist Professorin für Textlinguistik und Technikkommunikation am Institut für Sprach- und Kommunikationswissenschaft der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen.