Ulrike Bartholomäus: Die Kunst, gute Gespräche zu führen

Einzelrezension
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Rezensiert von Helmut Ebert

Einzelrezension
Das vorliegende Buch will die Kunst des guten Gesprächs vermitteln. Um dieses Ziel zu erreichen, werden in Kapitel 1 die Grundlagen vermittelt: “Was wir für ein gutes Gespräch brauchen“ (23-96). Wir erfahren, dass wir dafür “Vertrauen“, “Empathie“, “Aufmerksamkeit“ und “Wertschätzung“ benötigen. Eine “Checkliste Gesprächsvorbereitung“ rundet die Einführung ab.

Kapitel 2 lehrt uns auf 129 Seiten, wie wir “unser Gegenüber richtig einschätzen“. Dargeboten werden Informationen über die Psychologie des ersten Eindrucks, über “Typologie, Persönlichkeit und Motivation“. Ferner gibt es eine “Kleine Typenkunde für Job und Party“ nebst Informationen über “Unsere Mimik und Körpersprache“. Das Kapitel endet mit Ausführungen darüber, “wie unser Denken, Fühlen und Körperempfinden  zusammenhängen“. Kapitel 3 behandelt “Erfolgs- und Störfaktoren – Was wir im Gespräch beachten sollten“ (229-294). Die Ausführungen richten sich auf die Themen “Die Macht unserer Worte“, “Warum wir lügen“, “Der innere Dialog“ und “Gesprächskiller“.

Das Buch ist eine Ansammlung von mehr oder weniger bekannten Versatzstücken ohne einen durchgehenden roten Faden und ohne eine überraschende Perspektive. Den ganzen Reichtum an Wissen, den linguistische Gesprächsforschung, funktionale Pragmatik oder ethnomethodologische Konversationsanalyse zu Tage gefördert haben, lässt die Autorin links liegen – oder es ist ihr nicht bekannt. Entsprechend dominiert eine küchenpsychologische Sichtweise auf Gespräche. Der Leser erfährt beispielsweise nichts über Aushandlungsprozesse im Gespräch, nichts über Interaktionsmodalitäten und auch nichts über Imagearbeit in Gesprächen.

Im dritten Kapitel geben die Ausführungen zum Thema “Der innere Dialog“ Rätsel auf. Auf den  Seiten 271-283 wird, wenn ich mich nicht täusche, das Modell des inneren Teams von Friedemann Schulz von Thun vorgetragen – aber so grob entstellend, dass jegliche Erklärungskraft und Nachvollziehbarkeit verloren gehen und der Autor Schulz von Thun nicht zitiert werden muss. Nur das Literaturverzeichnis nennt die offensichtliche Quelle: Friedemann Schulz von Thun: Miteinander reden 3. Das ‘innere Team’ und situationsgerechte Kommunikation. Rororo 2014.

Vom Reichtum, von der Vielfalt und vom Wesen des Gesprächs und seinen Sinn aufschließenden Potentialen vermittelt das Buch wenig bis nichts.

Links:

Über das BuchUlrike Bartholomäus: Die Kunst, gute Gespräche zu führen. Kommunikation ist mehr als Sprache. München [Moasik] 2016, 304 Seiten, 19,99 Euro.Empfohlene ZitierweiseUlrike Bartholomäus: Die Kunst, gute Gespräche zu führen. von Ebert, Helmut in rezensionen:kommunikation:medien, 27. Juli 2017, abrufbar unter http://www.rkm-journal.de/archives/20393
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Rezensent/in
Helmut Ebert ist Professor der Universität Bonn und Geschäftsführer der „Prof. Ebert – Kommunikationsstrategie und Coaching GmbH (Bochum). Schwerpunkte: Unternehmens-, Führungskräfte-, Innovations- und Change-Kommunikation; Persönlichkeits-/Teamentwicklung; qualitative Text-/Wissensanalysen für Entscheiden und Problemlösen in Wirtschaft, Verwaltung und Politik.

Publikationen:
Helmut Ebert: Die Rolle der Sprache in der Innovations- und Change-Kommunikation. In: Handbuch Sprache in den Public Relations. Hrsg. v. Cathrin Christoph und Annika Schach. Wiesbaden 2017 (Springer).
Helmut Ebert/Sven Pastoors: Respekt. Wiesbaden 2017 (Springer). Helmut Ebert/Iryna Fisiak: Bürgerkommunikation auf Augenhöhe. 3. Aufl. Wiesbaden 2017 (Springer).
Joachim Becker/Helmut Ebert/Sven Pastoors: Praxishandbuch berufliche Schlüsselkompetenzen. Wiesbaden 2017 (Springer).
Helmut Ebert/Edith Münch: Sprache als Instrument der Change- und Innovationskommunikation. Reihe Essentials. Wiesbaden 2018 (Springer).