Gisela Brünner: Gesundheit durchs Fernsehen

Einzelrezension
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Rezensiert von Shirley Beul

Einzelrezension
Das Buch befasst sich mit der massenmedialen Vermittlung von Gesundheitsinformation. Speziell werden im Fernsehen ausgestrahlte Gesundheitssendungen fokussiert; das Spektrum reicht von Gesundheitsmagazinen bis hin zu Medizintalks. Es adressiert nach eigener Aussage eine heterogene Leserschaft mit differierenden Vorkenntnissen: Neben Linguisten werden Journalisten, Medienfachleute und -interessierte, Angehörige von Gesundheitsberufen sowie all diejenigen angesprochen, die sich mit der Vermittlung von Fachwissen an Laien auseinandersetzen. Zielsetzung ist es, Gesundheitssendungen zu präsentieren und zu analysieren, um zu ermitteln, wie sie der Aufgabe gerecht werden, einem breiten Laienpublikum Medizin- und Gesundheitswissen näher zu bringen, Rat zu geben, zu aktivem Gesundheitshandeln anzuregen und gleichzeitig zu unterhalten.

Ferner ist von Interesse, welche Mittel in Gesundheitssendungen verwendet werden, um diese Ziele zu erreichen. Bedingt durch die eingenommene sprachwissenschaftliche Perspektive findet eine Konzentration auf kommunikative Verfahren und sprachliche Mittel der Interaktionsbeteiligten statt, die sowohl der Verständigung untereinander als auch der Wissensvermittlung für fachfremde Zuschauer dienen.

Im Kontext der Experten-Laien-Kommunikation werden insbesondere Gelingens- und Misslingensbedingungen einer Gesundheitssendung herausgearbeitet und an Beispielen illustriert. Zur Analyse des Korpus, das aus mehr als 700 aufgezeichneten Sendungen besteht, wurden qualitative Methoden der Gesprächs- und Diskursanalyse herangezogen. Der Bezug zu bisherigen Arbeiten der Autorin wird deutlich (u. a. zur Vermittlung berufsbezogener Kommunikationskompetenz im Gesundheitssektor).

Das Buch gliedert sich in drei Teile: In Teil A wird in die öffentliche Gesundheitsinformation und Gesundheitssendungen im Fernsehen eingeführt. Es findet eine Verortung der Gesundheitssendungen innerhalb der öffentlichen Gesundheitsinformation als auch innerhalb der Sendungsformate im Fernsehen statt (Kapitel 2). In Kapitel 3 werden das Korpus sowie der theoretisch-methodische Zugang vorgestellt. Kapitel 4 widmet sich der Untersuchung zweier Beispielsendungen, woraufhin eine Beschreibung der typischen Personen in einer Gesundheitssendung sowie deren Aufgaben und Funktionen folgt (Kapitel 5). Der Teil schließt mit der Betrachtung kommunikativer Handlungseinheiten, die für Gesundheitssendungen besonders charakteristisch sind (Kapitel 6).

Im zweiten Abschnitt des Buchs (Teil B) werden Vermittlungsstrategien medizinischen Wissens beleuchtet. Der Umgang mit Fachterminologie wird in Kapitel 7 besprochen, während Kapitel 8 sich mit Verfahren der Veranschaulichung wie Metaphern, Analogien etc. befasst. Kapitel 9 und 10 konzentrieren sich verstärkt auf die Laienrolle: Zunächst werden Erklärungsstrategien erörtert (Kapitel 9), die sich als dienlich erweisen, Laien Fachwissen zu vermitteln. Darauffolgend wird das Vorwissen Fachfremder selbst thematisiert und der Frage nachgegangen, wie das Fachwissen erfolgreich integriert werden kann (Kapitel 10).

In Teil C wird die Wirkung von Gesundheitssendungen anhand von zwei Beispielen illustriert. Kapitel 11 setzt sich mit der Inszenierung von Vorbildern und ihrer Wirkung auf das Publikum auseinander (verschiedene Diabetikertypen im Umgang mit ihrer Erkrankung). Das Buch schließt mit der Behandlung einer speziellen Variante von Gesundheitssendungen, den Call-in-Sendungen (Kapitel 12).

Gisela Brünner beschreibt Gesundheitssendungen und deren stetes Bemühen, das Publikum zu informieren und gleichzeitig zu unterhalten. Ihr Buch wirkt äußert gelungen und durchdacht, was nicht zuletzt ihrer großen Expertise in diesem Bereich geschuldet ist. Beeindruckend ist speziell das umfangreiche Korpus, das über eine Dekade hinweg gesammelt wurde. Die Ausführungen sind leicht verständlich für Laien, weshalb die adressierten Zielgruppen guten Zugang zur Thematik finden können. Ferner ist die Analyse von Beispielsendungen anschaulich aufbereitet, um angehenden Experten den Einstieg in die Medizinkommunikation wie auch die Gesprächsanalytik zu erleichtern.

Ein Einsatz des Buchs in der universitären Lehre bietet sich geradezu an, um grundlegende Prinzipien der Experten-Laien-Kommunikation zu vermitteln. Zu den Vorteilen des Werkes gehört, dass die Kapitel unabhängig voneinander rezipiert werden können. Daraus entsteht leider der einzige Nachteil: Bei konsequenter Lektüre aller Kapitel kann beim Leser ein Gefühl stellenweiser Redundanz entstehen.

Bei Gesundheit durchs Fernsehen handelt es sich um eine systematische Aufarbeitung der Historie der Gesundheitssendungen. Es berichtet insbesondere von ihrer Glanzzeit und deutet zudem ihren Niedergang an, indem rückläufige Marktanteile und abgesetzte Formate besprochen werden. Begründet werden kann dies mit der zunehmenden Verbreitung wie auch Popularität des Internets: Es ermöglicht Nutzern gezielten Zugriff auf spezifische, für den eigenen Fall relevante Gesundheitsinformation.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es ein gelungenes (Lehr-)Buch ist, um dem interessierten Leser einen Überblick über öffentliche Gesundheitsinformation im Fernsehen zu verschaffen. Es ist zu hoffen, dass es zu einer Fortsetzung kommt, in der Gesundheit im Internet eine ebenso systematische Aufarbeitung erfährt.

Links:

Über das BuchGisela Brünner: Gesundheit durchs Fernsehen. Linguistische Untersuchungen zur Vermittlung medizinischen Wissens und Aufklärung in Gesundheitssendungen. Duisburg [Universitätsverlag Rhein-Ruhr] 2011, 530 Seiten, 59,- Euro.Empfohlene ZitierweiseGisela Brünner: Gesundheit durchs Fernsehen. von Beul, Shirley in rezensionen:kommunikation:medien, 28. Oktober 2012, abrufbar unter http://www.rkm-journal.de/archives/10356
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Rezensent/in
Shirley Beul, M.A., ist wissenschaftliche Mitarbeiterin des Human-Computer Interaction Centers und des Instituts für Sprach- und Kommunikationswissenschaft der RWTH Aachen (Communication Science, Textlinguistik und Technikkommunikation). Forschungsschwerpunkte: eHealth/Telemedizin, Usability, Technikakzeptanz, elektronisch gestützte Kommunikation.