Martina K. Schneiders: Die Pressekonferenz

Einzelrezension
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Rezensiert von Dagmar Schütte

Einzelrezension
Auch in Zeiten von Twitter, Blogs & Co. sind klassische Pressekonferenzen noch immer eines der zentralen Elemente der Presse- und Medienarbeit, ob von Unternehmen, öffentlichen Einrichtungen oder sonstigen Organisationen. Umso mehr erstaunt es daher, dass die Zahl der Publikationen, die sich mit dem Thema befassen, höchst überschaubar ist – sieht man einmal von den “How-to-do”-Broschüren ab, die auf einschlägigen Fortbildungsveranstaltungen ausgehändigt werden oder online verfügbar sind.

Das Buch ist daher nicht nur höchst sinnvoll und einem tatsächlichen Bedarf entsprechend; in der Reihe PR Praxis des UVK-Verlages ist es auch genau richtig verortet. Der Band hat sich ein ebenso schlichtes wie schwer zu erreichendes Ziel gesetzt: Er soll “Kriterien für Planung und Durchführung an die Hand [geben], so dass Pressekonferenzen für beide Seiten, Veranstalter wie Journalisten, zu einem Erfolg werden” (8).

In vier Hauptkapiteln werden alle relevanten Fragen rund um das Thema Pressekonferenz systematisch, anschaulich und präzise abgehandelt. Im ersten Kapitel geht es um die Themen für eine Pressekonferenz, im zweiten Kapitel um die Planung, in Kapitel 3 um die Durchführung und – besonders positiv – im vierten Kapitel schließlich auch um die Evaluation, einen Aspekt, der in der Praxis aus Zeitgründen sowie mangels vorab definierter Evaluationskriterien zumeist vernachlässigt wird.

Der Band richtet sich sehr deutlich in erster Linie an Praktiker, die nicht unbedingt bereits PR-Experten sein müssen. Zu denken ist hier beispielsweise an Geschäftsführer oder andere Kommunikationsverantwortliche in kleinen und mittelständischen Betrieben, aber auch Beschäftigte in Kommunen, Verbänden und Vereinen, die Kommunikationsarbeit häufig nur als einen Arbeitsbereich unter vielen betreiben. Auch öffentliche Einrichtungen wie etwa Hochschulen, die sich oft noch durch eine recht unsystematische und unprofessionelle Pressearbeit auszeichnen, werden von dem Buch ganz sicher profitieren.

Für PR-Experten mag so manche Information mehr als selbstverständlich, vielleicht sogar trivial wirken, etwa, wenn der Begriff der Meinungsfreiheit erläutert wird (14) oder wenn erklärt wird, warum eine Pressekonferenz zur Einführung einer “Universal-Dachsteinfräse” (25) nicht unbedingt von Erfolg gekrönt sein dürfte. Es ist jedoch eine empirische Tatsache, dass viele Pressekonferenzen schlecht vorbereitet sind, dass die zur Verfügung gestellten Informationsmaterialien wenig aussagekräftig sind, dass mangels eines geeigneten Verteilers Medienvertreter eingeladen werden, die das Thema nicht betrifft oder nicht interessiert (und die dann folglich auch nicht teilnehmen), oder dass sich auf einer Pressekonferenz ein Geschäftsführer oder sonstiger Verantwortlicher wortreich über Dinge auslässt, die aus journalistischer Perspektive nahezu keinen Nachrichtenwert aufweisen.

Angesichts der Tatsache, dass Pressekonferenzen ein so universelles Kommunikationsinstrument darstellen, sind diese Defizite durchaus erstaunlich. Sie mögen damit zusammenhängen, dass Kommunikationsarbeit, insbesondere in kleinen und mittelständischen Unternehmen, aber auch in kleinen Kommunen, noch immer weitgehend “nebenbei”, also neben anderen Aufgaben, betrieben wird (vgl. dazu die Studie von Schütte 2011 sowie die Arbeit von Keiten-Möhlmann). Ein weiterer Grund für dieses Defizit kann aber auch sein, dass in der PR-Ausbildung, nicht zuletzt der hochschulgebundenen, vielfach noch zu wenig Wert auf die Vermittlung elementarer Tools gelegt wird. Es ist vielleicht nicht sehr ‘sexy’, genau zu erklären, wie man einen Verteiler aufbaut, und es ist ganz sicher nicht akademisch – aber es ist wichtig, und jemand muss es erklären. Der Band von Schneiders leistet diese Vermittlung elementarer Kenntnisse von Grund auf. Er ist daher nicht nur verdienstvoll, sondern überfällig und kann sowohl Studierenden mit dem Berufsziel “Öffentlichkeitsarbeit” als auch allen, die in ihrer täglichen Arbeit, ob “nebenbei” oder professionell, Pressekonferenzen durchführen, nur empfohlen werden.

Literatur:

  • Keiten-Möhlmann, Gaby: Öffentlichkeitsarbeit in kleinen Kommunen. Lingen [Institut für Kommunikationsmanagement] unveröff. Manuskript
  • Schütte, Dagmar: Mittelstands-PR in Deutschland. Konstanz [UVK] 2011

Links:

 

Über das BuchMartina K. Schneiders: Die Pressekonferenz. Reihe: PR Praxis, Band 20. Konstanz [UVK] 2012, 176 Seiten, 24,99 Euro.Empfohlene ZitierweiseMartina K. Schneiders: Die Pressekonferenz. von Schütte, Dagmar in rezensionen:kommunikation:medien, 24. März 2013, abrufbar unter http://www.rkm-journal.de/archives/11947
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Rezensent/in
Dr. Dagmar Schütte ist Professorin am Institut für Kommunikationsmanagement der Hochschule Osnabrück. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören Kommunikationspsychologie, Kommunikationssoziologie, Methoden der Kommunikationsforschung, Medienpolitik sowie das Berufsfeld Public Relations.