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	<title>rezensionen:kommunikation:medien</title>
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	<description>Rezensionen aus den Bereichen Kommunikation und Medien</description>
	<lastBuildDate>Fri, 18 May 2012 11:19:30 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Angela de Benedictis; Gustavo Corni; Brigitte Mazohl; Luise Schorn-Schütte (Hrsg.): Die Sprache des Politischen in actu</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/8967</link>
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		<pubDate>Fri, 18 May 2012 11:19:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einzelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichtswissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[politische Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[politisches Handeln]]></category>

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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Joachim Knape</em>

<img class="alignnone size-full wp-image-8968" title="Sprache des Politischen" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2012/03/Sprache-des-Politischen.jpg" alt="" width="160" height="245" />Der Sammelband begründet eine neue Schriftenreihe zum Thema <a href="http://www.geschichte.uni-frankfurt.de/igk/Publikationen/index.html" target="_blank">Geschichte der politischen Kommunikation</a> und ist zugleich die erste Buchpublikation des internationalen Graduiertenkollegs <a href="http://www.geschichte.uni-frankfurt.de/igk/index.html" target="_blank">Politische Kommunikation von der Antike bis in das 20. Jahrhundert</a>, an dem deutsche, italienische und österreichische Wissenschaftler beteiligt sind. Die sechs Beiträge des Bandes - alle zweisprachig in deutsch und italienisch abgedruckt - sind "Ergebnis der ersten methodischen und epochenbezogenen Diskussionen, die im internationalen Kolleg geführt wurden. Entsprechend unterschiedlich sind die Aufsätze angelegt". Man kann sie in zwei Gruppen einteilen: in eine Themen- und Forschungsstand diskutierende Gruppe und in eine Fallstudiengruppe. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/8967">[Mehr]</a> ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Joachim Knape</em></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-8968" title="Sprache des Politischen" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2012/03/Sprache-des-Politischen.jpg" alt="" width="160" height="245" />Der Sammelband begründet eine neue Schriftenreihe zum Thema <a href="http://www.geschichte.uni-frankfurt.de/igk/Publikationen/index.html" target="_blank">Geschichte der politischen Kommunikation</a> und ist zugleich die erste Buchpublikation des internationalen Graduiertenkollegs <a href="http://www.geschichte.uni-frankfurt.de/igk/index.html" target="_blank">Politische Kommunikation von der Antike bis in das 20. Jahrhundert</a>, an dem deutsche, italienische und österreichische Wissenschaftler beteiligt sind. Die sechs Beiträge des Bandes &#8211; alle zweisprachig in deutsch und italienisch abgedruckt &#8211; sind &#8220;Ergebnis der ersten methodischen und epochenbezogenen Diskussionen, die im internationalen Kolleg geführt wurden. Entsprechend unterschiedlich sind die Aufsätze angelegt&#8221; (16). Man kann sie in zwei Gruppen einteilen: in eine Themen- und Forschungsstand diskutierende Gruppe und in eine Fallstudiengruppe.</p>
<p>Die beiden Fallstudienbeiträge sind zeitlich weit gefächert. Es beginnt mit einem althistorischen Beitrag von Christian Mann (Konstanz) über die Funktion des athenischen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Scherbengericht" target="_blank">Ostrakismus</a>. Er stellt die These infrage, das Scherbengericht sei eine inneraristokratisch motivierte Methode der politischen Richtungsentscheidung gewesen, und neigt eher zu einer sozialpsychologischen Deutung (Neid des Volkes auf die Mächtigen oder Warnung an sie). Die zweite Fallstudie stammt aus der Feder von Angela De Benedictis (Bologna) und befasst sich mit dem spätmittelalterlichen Widerstandsrecht. Ausgangspunkt ist der Konflikt des deutschen Königs Heinrich VII. mit den oberitalienischen Städten im 14. Jahrhundert. Die sich in Folge dieser Ereignisse entwickelnde Rechtsdiskussion kreist zunächst um das Verständnis der Begriffe &#8220;rebellare&#8221; und &#8220;resistere&#8221; (120) und wird in dem Beitrag bis hin zu den Reformationsstreitigkeiten des 16. Jahrhunderts erörtert.</p>
<p>Seinen über die engere Fachwissenschat hinausgehenden Wert bekommt der Band von jenen Beiträgen, die sich diskutierend und reflektierend mit der Forschung und dem systematischen Problem der politischen Kommunikation in der Geschichte auseinander- setzen. Luise Schorn-Schütte (Frankfurt/M) eröffnet den Reigen mit ihrer Einleitung, die aus einem Aufriss des Programms des Graduiertenkollegs besteht. Mutig wird hier das Politische als zentraler, wenn auch nicht mehr alleiniger Gegenstand der historischen Forschung verteidigt, ja erfreulich rehabilitiert.</p>
<p>Weniger mutig steht die Definition des Untersuchungsgegenstands <em>Politik</em> da, weil man sie – der Anschein entsteht – eigentlich umgehen will. Das zeigt sich an der salvatorischen Klausel, mit der Schorn-Schütte meint, sich eifernd-sophistische Kritiker vom Halse halten zu sollen: &#8220;die Definition des Politischen&#8221; müsse &#8220;offen bleiben&#8221;, zumindest dürfe man nicht von einem &#8220;wesensmäßig gleich bleibenden Begriff des Poltischen&#8221; ausgehen, weil das &#8220;zutiefst unhistorisch&#8221; sei (11). Da atmet der Leser tief durch und fürchtet schon, dass die Beteiligten nicht wissen, was ihr Untersuchungs- gegenstand ist. Selbstverständlich kann es nicht &#8216;wesensmäßig&#8217; zugehen, aber erwartbar ist doch eine &#8216;verständigungsmäßige&#8217; Arbeitshypothese. Der Leser wird sogleich beruhigt, weil als (natürlich unvermeidliche!) arbeitsstrukturierende Definition ein Vorschlag von Gerhard Göhler angeboten wird (11).</p>
<p>Auch was unter &#8220;Kommunikation&#8221; zu verstehen ist, wird deutlich, weil eine ganze Reihe von methodischen Anschlussforschungs- feldern genannt wird, die das Konzept plausibilisieren. Es leuchtet völlig ein, dass die europäische &#8220;Tradition einer Ideengeschichte des Politischen&#8221; aufgerufen wird sowie die Schule der historischen Semantik oder die Ansätze der historischen &#8220;symbolischen Kommunikations&#8221;-Forschung; der Rhetoriker liest ebenfalls mit Interesse, dass ebenfalls  Anschluss an die Arbeiten zu &#8220;Rechtfertigungsnarrativen&#8221; oder &#8220;Sprachstrategien&#8221; gesucht wird. Das ist alles sehr anregend auch für andere historisch arbeitende Disziplinen.</p>
<p>Dieser Eindruck setzt sich fort bei den Beiträgen des Sammelbandes mit Forschungsberichtcharakter. So diskutiert Frank Rexroth (Göttingen) die methodischen Ansätze, Probleme und Ergebnisse der mediävistischen Ritualforschung und jener Forschung, die sich mit &#8220;Sprache und Sinngebung&#8221;, mit Begriffen, Diskursen und Sprechakten auseinandersetzt. Rexroth kommt zu dem Ergebnis, &#8220;dass sich die Mittelalterhistoriker – nicht nur in Deutschland – mit den Theorieangeboten um Rituale und Ritualismus leichter getan haben als mit den Reflexionen über die sprachliche Verfasstheit der Wirklichkeit&#8221; (90). Diese Überlegungen setzt Volker Seresse (Kiel) in seinem Beitrag zur &#8220;Praxis der Erforschung politischer Sprachen&#8221; im Bereich der Frühen Neuzeit fort. Die Ausführungen gehen in eine Fallstudie über, wenn Seresse sich dem Thema &#8220;Schlüsselbegriffe&#8221; am Beispiel fürstlich-ständischer Kommunikation in Kleve-Mark und Bayern im 16./17. Jahrhundert zuwendet. Bemerkenswert ist der Befund, dass man offensichtlich mit der Ambiguität solcher Schlüsselbegriffe wie &#8216;Gemeinwohl&#8217; oder &#8216;Treue&#8217; in den verschiedenen politischen Lagern gut umgehen konnte.</p>
<p>Edgar Wolfrum (Heidelberg) widmet sich im Schlussbeitrag der Frage nach der Funktionalisierung von Geschichtsdeutungen im politischen Diskurs. Unter dem Stichwort &#8220;Geschichtspolitik&#8221; formuliert Wolfrum acht Perspektiven, unter denen die entsprechenden &#8220;dominierenden Deutungsachsen&#8221; herausgearbeitet werden können (funktionale, politisch-pädagogische, öffentlichkeitstheoretische, konflikttheoretische und andere Perspektiven).</p>
<p>Wer sich informieren will, wie unter Historikern der Diskussionsstand zum Thema Kommunikation und Politik, einschließlich Begriffs-, Sprach-, Text- und Widerspiegelungsproblematik in all ihren Dimensionen, ist, für den wird dieses Buch zu einer anregenden Lektüre. In jedem Fall lässt es auch erwarten, dass das eingangs genannte Graduiertenkolleg zu diesem Problembereich wichtige theoretische und methodische Ergebnisse auf hohem Reflexionsniveau zeitigt.</p>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.v-r.de/de/title-0-0/die_sprache_des_politischen_in_actu-1004167/" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.geschichte.uni-frankfurt.de/igk/index.html" target="_blank">Webpräsenz des internationalen Graduiertenkollegs &#8220;Politische Kommunikation von der Antike bis ins 20. Jahrhundert&#8221; an der Geothe Universität Frankfurt a.M. </a></li>
<li><a href="http://www.uni-tuebingen.de/uni/nas/dozenten/knape.htm" target="_blank">Webpräsenz von Prof. Dr. Joachim Knape am Seminar für Allgemeine Rhetorik der Universität Tübingen</a></li>
</ul>
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		<title>Jutta von Campenhausen: Wissenschafts- journalismus</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/8945</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/8945#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 14 May 2012 09:10:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einzelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Handbuch]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Lehrbuch]]></category>
		<category><![CDATA[Wissenschaftsjournalismus]]></category>

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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Wiebke Rögener</em>

<img class="alignnone size-full wp-image-8949" title="" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2012/03/Campenhausen-2011.jpg" alt="" width="160" height="230" />"Warum ein Buch zum Wissenschafts- journalismus?" fragt Jutta von Campenhausen im ersten Kapitel und nennt auf wenigen Seiten die wichtigsten Antworten: Wissenschaft beeinflusst unser Leben und unser Weltbild. Und während die Wissenschaft die Welt erklärt und verändert, sollen Wissenschaftsjournalisten der Welt die Wissenschaft erklären. Dabei betont Campenhausen: "Wissenschafts- journalisten sind keine Sprachrohre der Wissenschaft". Gefordert ist ein kritischer Blick auf Wissenschaftsbetrieb und Forschungsergebnisse. Fragwürdige Publikationen etwa in der Pharmaforschung aufzudecken, Schwächen in Studien zu erkennen oder gar Fälschungen in der Forschung auf die Spur zu kommen hebt die Autorin als wichtige Aufgaben der Wissenschafts- journalisten hervor. Zugleich aber seien Wissenschaftsthemen spannend und populär. Darüber zu berichten sei, so zitiert sie zustimmend Reiner Korbmann, den Chefredakteur der  Zeitschrift "Medizin- und Wissenschaftsjournalist", der "schönste Beruf der Welt". <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/8945">[Mehr]</a> ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Wiebke Rögener</em></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-8949" title="" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2012/03/Campenhausen-2011.jpg" alt="" width="160" height="230" />&#8220;Warum ein Buch zum Wissenschafts- journalismus?&#8221; fragt Jutta von Campenhausen im ersten Kapitel und nennt auf wenigen Seiten die wichtigsten Antworten: Wissenschaft beeinflusst unser Leben und unser Weltbild. Und während die Wissenschaft die Welt erklärt und verändert, sollen Wissenschaftsjournalisten der Welt die Wissenschaft erklären. Dabei betont Campenhausen: &#8220;Wissenschafts- journalisten sind keine Sprachrohre der Wissenschaft&#8221; (17). Gefordert ist ein kritischer Blick auf Wissenschaftsbetrieb und Forschungsergebnisse. Fragwürdige Publikationen etwa in der Pharmaforschung aufzudecken, Schwächen in Studien zu erkennen oder gar Fälschungen in der Forschung auf die Spur zu kommen hebt die Autorin als wichtige Aufgaben der Wissenschafts- journalisten hervor. Zugleich aber seien Wissenschaftsthemen spannend und populär. Darüber zu berichten sei, so zitiert sie zustimmend Reiner Korbmann, den Chefredakteur der  Zeitschrift &#8220;Medizin- und Wissenschaftsjournalist&#8221;, der &#8220;schönste Beruf der Welt&#8221; (20).</p>
<p>Was dazu gehört, um ihn auszuüben, fasst die Autorin auf knappen 200 Seiten zusammen. So erläutert sie, wie die Kommunikationsprozesse in der Wissenschaft beschaffen sind, was von Begutachtungsverfahren wissenschaftlicher Zeitschriften zu erwarten ist und was nicht, wie man Zahlen aus Studien kritisch prüft und wie der Journalist mit Wissenschaftlern ins Gespräch kommt. Vieles davon verdeutlicht sie mit Beispielen aus der täglichen Arbeit des Wissenschaftsjournalisten: wie sich berechnen lässt, was ein Krebstest wirklich aussagt (47), wie ein aus  Campenhausens Sicht weniger gelungenes Interview mit einem Wissenschaftler aussieht (115ff.), oder wie Margarine-Anzeigen die Berichterstattung über Cholesterin beeinflussen (166).</p>
<p>Ergänzt werden diese Einblicke durch mehrere Abschnitte, die – außer den jeweils gewählten Beispieltexten  – nur wenig Spezifisches zum  Wissenschaftsjournalismus bieten, sondern eher allgemeinjournalistische Tipps für Einsteiger geben. Dazu gehört ein 20-seitiges Kapitel über Sprache  mit so elementaren Hinweisen wie: &#8220;Meiden Sie den Nominalstil&#8221; und &#8220;Verwenden Sie Aktiv statt Passiv&#8221; (93). Es folgt ein Parforceritt durch die journalistischen Genres und Darstellungsformen (133ff.). Im letzten Kapitel schließlich bekommen auch Wissenschaftler noch ein paar Tipps für den richtigen Umgang mit Journalisten.</p>
<p>Spätestens hier stellt sich die Frage nach der Zielgruppe, für die das schmale Bändchen verfasst ist. &#8220;Von Profis für Profis&#8221; verspricht der Verlag. Sollte damit gemeint sein &#8220;von Wissenschaftsjournalisten für Wissenschaftsjournalisten&#8221;, so verspricht er zu viel. Wer in diesem Beruf bereits tätig ist, wird vor allem Bekanntes wiederfinden: In weiten Teilen referiert Campenhausen in stark gekürzter Form die vorliegende Literatur, so etwa bei der Typisierung von Wissenschaftlern im Interview, die sie einer Darstellung von Holger Wormer entlehnt <a title="" href="#_ftn1">[1]</a>.</p>
<p>Journalisten die – beispielsweise als Lokalredakteure – nur gelegentlich über Wissenschaftsthemen schreiben und das Lesen dicker Lehrbücher scheuen, mögen dem Band die eine oder andere Information entnehmen können, etwa zu Fragen der innerwissenschaftlichen Kommunikation wie Peer Review, Impact-Faktoren und Open Access-Debatte, zu verschiedenen Typen und Aussagekraft medizinischer Studien, oder zu Fälschungen in der Wissenschaft. Vergeblich wird diese Zielgruppe jedoch nach womöglich noch dringlicher benötigten Hinweisen zu Recherchestrategien suchen: Wie finde ich unter Zeitdruck geeignete Experten, welche Datenbanken helfen bei der Recherche weiter, wie beurteile ich die Seriosität von Quellen? Solche Fragen spart das Büchlein weitgehend aus.</p>
<p>Ärgerlich sind diverse Ungenauigkeiten: Die Fraunhofer Gesellschaft lebt nicht zu &#8220;zu 90 Prozent&#8221; vom Geld des Bundes (24), sondern finanziert sich zu Zweidritteln aus der Auftragsforschung. Der &#8220;Non-Proliferation Treaty&#8221; wird im Deutschen gemeinhin als Atomwaffensperrvertrag (nicht &#8220;Atomsperrvertrag&#8221;) bezeichnet (85). Eine Metaanalyse wertet nicht &#8220;sämtliche Studien zu einem Thema&#8221; aus (57), sondern wählt diese nach genau festgelegten Kriterien aus. Andernfalls hat sie kaum einen Wert. <a title="" href="#_ftn2">[2]</a> <strong></strong>Dass das Klonschaf Dolly im Personenindex auftaucht, mag dagegen als Gag durchgehen.</p>
<p>Trotz kleiner Mängel scheint das Buch vor allem für jene Leser geeignet, die wenig journalistisches Vorwissen mitbringen und einen Einstieg in den Wissenschaftsjournalismus erwägen. Die Abiturientin, die nicht &#8216;irgendwas&#8217;, sondern &#8216;Wissenschaft mit Medien&#8217; machen möchte, der Biologiestudent, der darüber nachdenkt in den Journalismus zu wechseln, finden hier einen gut lesbaren, schnellen Überblick über das Fach und einige wichtige Diskussionen im Wissenschaftsjournalismus. Und eine erste Zusammenstellung von Literatur, die sie lesen sollten, wenn sie tatsächlich diesen Weg wählen.</p>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.uvk.de/buecher/db/titel/details/wissenschaftsjournalismus-1////ch/50a5d9673c881d6064f8a81f8e272313/" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.uvk.de/autoren/biografie/autoren/details/jutta-von-campenhausen///ch/30fc42dddfdef580d5c179684be6e95f/" target="_blank">Webpräsenz von Jutta von Campenhausen bei UVK</a></li>
<li><a href="http://www.wissenschaftsjournalismus.org/roegener.html" target="_blank">Webpräsenz von Wiebke Rögener am Lehrstuhl Wissenschaftsjournalismus der TU Dortmund</a></li>
</ul>
<div><br clear="all" /></p>
<hr align="left" size="1" width="33%" />
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> Wormer, H.: &#8220;Google ist Silber, Zuhören  ist Gold&#8221;, in: Holger Hettwer, Markus Lehmkuhl, Holger Wormer, Franco Zotta: <em>Wissenswelten, Wissenschaftsjournalismus in Theorie und Praxis</em>. Bertelsmann Stiftung 2008, S. 363</p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref2">[2]</a> Timmer, A., Richter, B.:<strong> </strong>&#8220;Systematische Übersichtsarbeiten zu Fragen der Therapie und Prävention&#8221;. In: <em>Arzneimitteltherapie, </em>26. Jahrgang Heft 4, 2008, S. 137 – 139.</p>
</div>
</div>
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		<item>
		<title>David Graeber: Debt</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/9143</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/9143#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 11 May 2012 09:30:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einzelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Ökonomie]]></category>
		<category><![CDATA[Geld]]></category>
		<category><![CDATA[Kulturgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Schulden]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Ingo Reuter</em>

<img class="alignnone size-full wp-image-9202" title="Graeber 2011" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2012/04/Graeber-2011.jpg" alt="" width="160" height="241" />Mit seinem Werk <em>Debt: The First 5000 Years</em> legt Graeber eine umfangreiche dekonstruktivistische Kulturgeschichte der Schulden vor. Seine Untersuchungen beginnt er ausgehend von der verwunderten Erkenntnis, dass die moralische Forderung, man müsse seine Schulden bezahlen, durch Jahrtausende eine so hohe Bindungskraft entfalten konnte. Schuldknechtschaft, Sklaverei, der Verkauf von Töchtern wurden der moralischen Forderung, die eigenen Schulden zu bezahlen, untergeordnet. Graeber zeichnet nun die Geschichte der Schulden und des Umgangs mit Schulden durch die Jahrhunderte in den unterschiedlichsten Gesellschaften nach. Hieraus ergibt sich Schritt für Schritt implizit und am Ende des Buches dann auch explizit die Forderung, endlich, nach so vielen Jahrhunderten geistiger Knechtschaft unter dem moralischen Schuldenimperativ, zu einem neuen veränderten Denken vorzudringen, bzw. zumindest nachzudenken zu beginnen, dass der Imperativ, Schulden seien unter allen Umständen zu begleichen, keine absolute Geltung beanspruchen darf - insbesondere da einige ihre Schulden ohnehin nicht bezahlen, wie man anhand der jüngsten Bankenkrise sehen konnte. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/9143">[Mehr]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Ingo Reuter</em></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-9202" title="Graeber 2011" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2012/04/Graeber-2011.jpg" alt="" width="160" height="241" />Mit seinem Werk <em>Debt: The First 5000 Years</em> legt Graeber eine umfangreiche dekonstruktivistische Kulturgeschichte der Schulden vor. Seine Untersuchungen beginnt er ausgehend von der verwunderten Erkenntnis, dass die moralische Forderung, man müsse seine Schulden bezahlen, durch Jahrtausende eine so hohe Bindungskraft entfalten konnte. Schuldknechtschaft, Sklaverei, der Verkauf von Töchtern wurden der moralischen Forderung, die eigenen Schulden zu bezahlen, untergeordnet. Graeber zeichnet nun die Geschichte der Schulden und des Umgangs mit Schulden durch die Jahrhunderte in den unterschiedlichsten Gesellschaften nach. Hieraus ergibt sich Schritt für Schritt implizit und am Ende des Buches dann auch explizit die Forderung, endlich, nach so vielen Jahrhunderten geistiger Knechtschaft unter dem moralischen Schuldenimperativ, zu einem neuen veränderten Denken vorzudringen, bzw. zumindest nachzudenken zu beginnen, dass der Imperativ, Schulden seien unter allen Umständen zu begleichen, keine absolute Geltung beanspruchen darf &#8211; insbesondere da einige ihre Schulden ohnehin nicht bezahlen, wie man anhand der jüngsten Bankenkrise sehen konnte.</p>
<p>Dabei widerspricht der Grundsatz der totalen Schuldenbegleichung auf basaler Ebene schon dem Prinzip des Lebens selbst: Leben ist in erster Linie verdankte Existenz, und die Schuld gegenüber dem Universum, Gott, den Eltern, d. h. letztlich dem, was man als grundlegend lebensspendend ansieht, ist nicht abzahlbar (67-69). Wo aber die Ideologie der totalen Begleichung Einzug hält, erliegt das Leben einer vollkommenen Quantifizierung und alles basiert schließlich nur noch auf dem Prinzip des Austauschs unter Gleichen (127). Die Gleichheit besteht freilich nur als Grundlage der Forderung. Sie ermöglicht erst die Durchsetzung des Gläubigeranspruchs bis hin zum Verkauf des Schuldners und seiner Familie in die Sklaverei. Der Begriff der Freiheit, so Graeber, taucht also wohl nicht zufällig in einem politischen Dokument aus <a href="http://www.earlyworld.de/sumer.htm" target="_blank">Sumer</a>, 2350 v. Chr., zum ersten Mal im Zusammenhang eines Schuldenerlasses auf (216).</p>
<p>Im Zweistromland, in Sumer, Babylonien und Assyrien gab es immer wieder solche Schuldenerlasse, die das Fortbestehen der Gesellschaft sicherten, denn wie Graeber an anderer Stelle schreibt: Gesellschaftliche Revolutionen gehen immer mit Schuldenkrisen einher. In <a href="http://www.bibelwissenschaft.de/nc/wibilex/das-bibellexikon/details/quelle/WIBI/referenz/14369/cache/813eee8cb689f5289a45db250f6436a9/" target="_blank">Babylonien</a> wurde der Schuldenerlass zum im Frühling stattfindenden Neujahrsfest gewährt als &#8220;recreation of the social universe&#8221; (217) in Parallele zur Feier von Marduks Schöpfung des physischen Universums, so dass die Schuldenbefreiung symbolisch im kosmologischen Horizont ihre grundlegende und existentielle anthropologische Bedeutung erhält.</p>
<p>Welt und Wirtschaft basieren auf &#8220;credit&#8221;. Es wird interessant sein, zu verfolgen, wie der mehrdeutige englische Begriff in der bald erscheinenden deutschen Ausgabe des Buches übersetzt werden wird. &#8220;Credit&#8221; bedeutet nämlich ebenso Kredit, wie Guthaben aber auch Vertrauen, Ansehen, Ehre. Graeber wendet sich gegen den Tauschmythos der Ökonomie seit Adam Smith, nachdem das Geld als Reaktion auf die Grenzen der Tauschwirtschaft entstanden sei. Wirtschaftliche Kooperation habe immer schon auf &#8220;credit&#8221; beruht, darauf, dass ich eine Sache oder einen Dienst in Anspruch nehme, den ich dann &#8220;zurückzahle&#8221;, wenn ich in der Lage bin, dem anderen etwas für ihn entsprechend Nützliches zu geben.</p>
<p>Damit aber basiert jeder Handel zuerst einmal auf einem Grundmaß von Vertrauen, auf &#8220;Kredit&#8221;. Und man kann darin ein anthropologisches Grundmerkmal sehen: Jedem Interagieren liegt zuerst einmal ein basaler &#8220;Kommunismus&#8221; zugrunde, der erst da verlorengeht, wo das Gegenüber als fremd, flüchtig oder nicht vertrauenswürdig angesehen wird.</p>
<p>Eine Münzprägung kommt nach Graeber erst im sog. <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Axial_Age" target="_blank">Axial Age</a>, der von <a href="http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/JaspersKarl/" target="_blank">Karl Jaspers</a> so benannten &#8220;Achsenzeit&#8221; (800 bis 200 v. Chr.) auf. Die ersten Münzen der Welt scheinen um das Jahr 600 v. Chr. in <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Lydien" target="_blank">Lydien</a> geprägt worden zu sein (224). Dieses neue und flexible Zahlungsmittel ermöglicht in größerem Maßstab Armeen zu unterhalten und Soldaten zu bezahlen. Physische Zahlungsmittel und kriegerische Aggression entwickeln sich als Zwillinge. Soldaten bezahlt man nicht auf &#8220;credit&#8221;.</p>
<p>Graeber zeichnet die Entwicklung der Schuldenfrage durch die Jahrhunderte nach: Über das Marktverständnis des frühen Islam als &#8220;network of trust&#8221; (277), das Verschwinden der Geldwirtschaft im Mittelalter und die Wiederkehr des &#8220;credit&#8221; im umfassenden Sinn des Wortes bis zum &#8220;Age of the Great Capitalist Empires&#8221;, in dem <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Josiah_Stamp,_1st_Baron_Stamp" target="_blank">Lord Josiah Charles Stamp</a> (1880-1941), Direktor der Bank of England, die Äußerung zugeschrieben wird, dass das Bankwesen deshalb böse sei, weil es eine Schöpfung aus dem Nichts betreibe. Die Banken spielten Gott. Und gab es im Mittelalter noch eine metaphysische Abneigung gegen die Todsünde der Gier, so entfallen in der Moderne alle ethischen Grenzen (344). Im Putumayo-Skandal (1909-1911) versklavten die britischen Gummi-Importeure in Peru schlicht die dort lebenden Indianer zur Ausbeutung des Gummis, um schließlich in einem Akt der Barbarei die Huitoto-Indianer abzuschlachten. Den Mördern saßen ihre eigenen Schulden im Nacken (349).</p>
<p>Graeber zeigt in seinem Werk noch eine Vielzahl weiterer Zusammenhänge auf, die erstaunen: Die Ausbeutung der neuen Welt durch Menschen wie <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hern%C3%A1n_Cort%C3%A9s" target="_blank">Cortez</a> hat eine Wurzel im Verlangen Chinas nach immer mehr Silber und Gold als Zahlungsmitteln (308ff.); die Bank of England schafft Papiergeld, um die königlichen Kriegsschulden zu bezahlen (339); der Zusammenbruch der Geldwirtschaft am Anfang des Mittelalters führt zum Niedergang der Städte aber auch zu weniger Ausbeutung der Ärmsten im Vergleich zum Axial Age, da ländliche Herrschaftsstrukturen weniger aufwendig zu unterhalten und weniger gierig sind als prosperierende große Städte.</p>
<p>Das Buch ist kaum zu bändigen in seinem Kenntnisreichtum und den vielfältigen Einsichten in wirtschaftliche Zusammenhänge unterschiedlicher Zeiten und Orte, die es eröffnet. Alle diese Einsichten kulminieren in der Perspektive eines erneuerten metaphysischen und ethischen Denkens: Alles Leben ist verdankt und diese Schuld ist nicht abzahlbar. Deswegen gibt es wichtigere ethische Forderungen als die, dass man stets seine Schulden zu bezahlen habe. Ein neuer Anfang ist nur durch einen Erlass der Schulden möglich. Zu plausibilisieren, dass dies nicht nur für Sumer und Babylonien gilt und galt, sondern auch heute die einzige Rettung vor heftigsten, heute welt-gesellschaftlichen Verwerfungen ist, ist Graeber mit einer so akribischen wie entmythologisierenden und erhellenden Studie angetreten.</p>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://mhpbooks.com/books/debt/" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch (englische Ausgabe)</a></li>
<li><a href="http://www.klett-cotta.de/buch/Gesellschaft_/_Politik/Schulden/22512" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch (deutsche Ausgabe)</a></li>
<li><a href="http://en.wikipedia.org/wiki/David_Graeber" target="_blank">Wikipedia-Eintrag über David Graeber</a></li>
<li><a href="http://www.ingo-reuter.de/page/index.php?page=home" target="_blank">Homepage von Ingo Reuter</a></li>
</ul>
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		<title>Eva Baumann: Die Symptomatik des Medienhandelns</title>
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		<pubDate>Tue, 08 May 2012 13:48:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einzelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[mediale Einflussnahme]]></category>
		<category><![CDATA[Mediennutzung]]></category>
		<category><![CDATA[Medienwirkungsforschung]]></category>

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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Nicole Zillien</em>

<img class="alignnone size-full wp-image-8902" title="Baumann" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2012/03/Baumann.jpg" alt="" width="160" height="240" />Die Krankheitsbilder Anorexie, Bulimie und psychogene Adipositas werden üblicherweise unter dem Begriff der Essstörungen subsumiert, welche insbesondere unter jüngeren Frauen eine verbreitete chronische Erkrankung darstellen. Dabei wird – bei Magersucht und Ess-Brech-Sucht ebenso wie bei anfallartigem Überessen – sowohl in Alltagsgesprächen als auch im wissenschaftlichen Diskurs von einer medialen Einflussnahme ausgegangen. Die Annahme ist, dass die überschlanken Medienvorbilder als Körperideal dienen und auf Rezipientenseite zu Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper und im Extremfall zu krankhaften Essstörungen führen. In ihrer empirischen Arbeit <em>Die Symptomatik des Medienhandelns</em> führt Eva Baumann aus, dass diese Vorstellung eines linearen Zusammen- hangs von Ursache und Wirkung dem komplexen Wechselverhältnis von Mediennutzung und Essverhalten nicht gerecht wird. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/8899">[Mehr]</a> ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Nicole Zillien</em></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-8902" title="Baumann" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2012/03/Baumann.jpg" alt="" width="160" height="240" />Die Krankheitsbilder Anorexie, Bulimie und psychogene Adipositas werden üblicherweise unter dem Begriff der Essstörungen subsumiert, welche insbesondere unter jüngeren Frauen eine verbreitete chronische Erkrankung darstellen. Dabei wird – bei Magersucht und Ess-Brech-Sucht ebenso wie bei anfallartigem Überessen – sowohl in Alltagsgesprächen als auch im wissenschaftlichen Diskurs von einer medialen Einflussnahme ausgegangen. Die Annahme ist, dass die überschlanken Medienvorbilder als Körperideal dienen und auf Rezipientenseite zu Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper und im Extremfall zu krankhaften Essstörungen führen. In ihrer empirischen Arbeit <em>Die Symptomatik des Medienhandelns</em> führt Eva Baumann aus, dass diese Vorstellung eines linearen Zusammen- hangs von Ursache und Wirkung dem komplexen Wechselverhältnis von Mediennutzung und Essverhalten nicht gerecht wird.</p>
<p>Die Arbeit vermittelt im Zuge eines Literaturüberblicks anschaulich, auf welch unterschiedliche Art und Weise ein Zusammenhang zwischen Medien und Essstörungen vorliegen kann: So lassen sich beispielsweise im Zusammenhang mit Magersucht-Erkrankungen positive Auswirkungen der Nutzung von Betroffenen-Netzwerken im Internet nachweisen. Gleichzeitig wird ausgeführt, dass tatsächlich ein stabiler Zusammenhang zwischen Mediennutzung, medialem Körperideal und negativer Selbstwahrnehmung existiert, der jedoch in starker Abhängigkeit von Rezipientenmerkmalen (Geschlecht, Alter, vorliegende Körperzufriedenheit etc.) auftritt, weshalb moderierende Faktoren in ein Wirkungsmodell zu Mediennutzung und Essstörungen einzubeziehen seien.</p>
<p>Dabei fragt die Autorin weniger aus kommunikatorzentrierter Perspektive nach dem Wirkungspotenzial der Medien, sondern interessiert sich vielmehr für das Bedeutungspotenzial derselben: &#8220;Es geht also um die Frage, warum und wozu essgestörte Menschen sich in bestimmten Situationen bestimmte Medienangebote so aneignen, dass diese für die Krankheit bedeutsam sind&#8221; (136). Konkret wird danach gefragt, welches Medienhandeln sich im Zusammenhang mit Essstörungen ausmachen lässt und welchen Einfluss situationsspezifische, personenspezifische und symptom- bezogene Kontextmerkmale darauf nehmen, &#8220;[o]b und in welchem Ausmaß Medieninhalte im Hinblick auf die Essstörung letztlich in einer die Persönlichkeit fördernden oder schädigenden Art selektiert und verarbeitet werden und so zur Entstehung und Aufrecht- erhaltung der Krankheit beitragen oder aber als Ressource der Bewältigung derselben genutzt werden&#8221; (221).</p>
<p>Als Basis der empirischen Analyse dienen Leitfadeninterviews mit insgesamt 45 betroffenen Mädchen und Frauen, die sich aufgrund der Behandlung ihrer Essstörung in einer entsprechenden Klinik aufhielten. Im Rahmen einer aufwändigen und sorgfältig dokumentierten Inhaltsanalyse, die sowohl qualitative als auch quantitative Elemente umfasst, wird anschaulich herausgearbeitet, dass die Befragten im Rückblick einen reflektierten Umgang mit Medien und deren Inhalten berichten, der jedoch keinesfalls potenziell schädigende Nutzungsweisen ausschließt: &#8220;Medien werden sowohl zur Flucht vor der Krankheit genutzt als auch als Mittel zur Bewältigung sowie zur Aufrechterhaltung der Symptomatik gebraucht&#8221; (278).</p>
<p>Eine Clusteranalyse verdichtet die über 800 im Material genannten Medienhandlungen statistisch auf 17 Typen, die sich wiederum quantifizieren lassen: Zu den meistgenannten Medienhandlungs- typen gehören dann einerseits jene Handlungen, die die Patientinnen als &#8220;Opfer der Medienvorbilder&#8221; (14%) beschreiben, andererseits jedoch auch Medieninhalte, die im weitesten Sinne der (Selbst-)&#8221;Therapie&#8221; (12%) dienen und auch solche, die sich unter dem Label &#8220;Flucht&#8221; (11%) als eskapistische Nutzungsweisen charakterisieren lassen.</p>
<p>Weiterhin zeigt die Arbeit, dass in verschiedenen Phasen der Erkrankung oder auch je nach vorliegender Essstörung unter- schiedliche Formen der Medienverwendung dominieren und sich gleichzeitig auf einen ähnlichen Medieninhalt ganz unterschiedliche Handlungstypen beziehen können: &#8220;Es wird deutlich, dass je nach persönlich-situativer Konstellation zum einen verschiedene Medien und Medieninhalte fokussiert und selektiert werden und zum anderen ähnliche Inhalte auf unterschiedliche Weise gedeutet werden&#8221; (390).</p>
<p>Kritisch ist an dieser Stelle anzumerken, dass das mit einem individualisierten (&#8220;Sense-Making&#8221;-)Ansatz verbundene Beliebigkeitspotenzial nur wenig diskutiert wird. Zudem wird einleitend mit dem einfachen Ursache-Wirkungsmodell ein zu leichter Gegner aufgebaut, und teilweise treten längliche einführende Passagen und auch Redundanzen auf. Alles in allem wird hier jedoch mit viel Fingerspitzengefühl eine Form der Medienwirkungsforschung betrieben, die der Komplexität mediatisierter Alltagshandlungen Rechnung trägt. Die Arbeit weist dabei über den konkreten Fall der Essstörungen hinaus und bietet vielfach verallgemeinerbare theoretische und methodische Erkenntnisse.</p>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.halem-verlag.de/2011/die-symptomatik-des-medienhandelns/" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch </a></li>
<li><a href="http://www.ijk.hmtm-hannover.de/de/institut/personen/dr-eva-baumann/" target="_blank">Webpräsenz von Dr. Eva Baumann am Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover </a></li>
<li><a href="http://www.uni-trier.de/index.php?id=6212" target="_blank">Webpräsenz von Dr. Nicole Zillien an der Universität Trier</a></li>
</ul>
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		<title>Stephan Eisel: Internet und Demokratie</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/8840</link>
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		<pubDate>Fri, 04 May 2012 10:43:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einzelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Digitalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Internetnutzung]]></category>

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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Martin Emmer</em>

<img class="alignnone size-full wp-image-8842" title="Stephan Eisel" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2012/03/Stephan-Eisel.jpg" alt="" width="160" height="262" />Potenzielle Leser dieses Buchs sollten sich von Anfang an im Klaren darüber sein, dass das zu Beginn formulierte Ziel dieses Buchs, einen "nüchterne(n) Blick auf die Chancen und Gefahren" des Internets zu werfen, nicht einmal ansatzweise eingelöst wird. Das Buch sollte eher gelesen werden als ein exemplarisches Panorama der Ratlosigkeit und der Ängste großer Teile der etablierten politischen Klasse im Umgang mit der Digitalisierung unserer Gesell- schaft, insbesondere des konservativen Lagers – und als solches hat es durchaus Informationswert. Der Leser wird Zeuge wie der Autor – langjähriges Mitglied und Mitarbeiter von CDU, Konrad-Adenauer-Stiftung und Deutschem Bundestag – über dreihundert Seiten versucht, seine kognitive Dissonanz im Umgang mit digitalen Medien zu bewältigen. Dabei nimmt er wenig Rücksicht auf die breite Faktenlage, eine widerspruchsfreie Argumentation oder ordentliche Quellenarbeit, wenn er sich und die Leser ständig entweder der Irrelevanz und Wirkungslosigkeit oder der dramatischen Gefährlichkeit 'des Internets' für den politischen Prozess versichern muss.  <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/8840">[Mehr]</a> ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Martin Emmer</em></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-8842" title="Stephan Eisel" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2012/03/Stephan-Eisel.jpg" alt="" width="160" height="262" />Potenzielle Leser dieses Buchs sollten sich von Anfang an im Klaren darüber sein, dass das zu Beginn formulierte Ziel dieses Buchs, einen &#8220;nüchterne(n) Blick auf die Chancen und Gefahren&#8221; (26) des Internets zu werfen, nicht einmal ansatzweise eingelöst wird. Das Buch sollte eher gelesen werden als ein exemplarisches Panorama der Ratlosigkeit und der Ängste großer Teile der etablierten politischen Klasse im Umgang mit der Digitalisierung unserer Gesell- schaft, insbesondere des konservativen Lagers – und als solches hat es durchaus Informationswert. Der Leser wird Zeuge wie der Autor – langjähriges Mitglied und Mitarbeiter von CDU, Konrad-Adenauer-Stiftung und Deutschem Bundestag – über dreihundert Seiten versucht, seine kognitive Dissonanz im Umgang mit digitalen Medien zu bewältigen. Dabei nimmt er wenig Rücksicht auf die breite Faktenlage, eine widerspruchsfreie Argumentation oder ordentliche Quellenarbeit, wenn er sich und die Leser ständig entweder der Irrelevanz und Wirkungslosigkeit oder der dramatischen Gefährlichkeit &#8216;des Internets&#8217; für den politischen Prozess versichern muss.</p>
<p>So diskutiert der Autor in fünf Teilen und zwanzig Kapiteln die politisch relevanten Problemfelder, die das Internet berührt: Menschenwürde, Persönlichkeitsschutz, politischer Diskurs, Meinungsbildung, politische Entscheidungsfindung, Internet- kriminalität und Extremismus. Dass das Buch dabei keinen relevanten Beitrag zu einer sachlichen und wissenschaftlich fundierten Debatte um die politische Rolle von Digitalisierung und Online-Kommunikation leisten kann, sondern als klare politische Positionierung verstanden werden sollte, hat eine Reihe von Gründen:</p>
<p>1. Der Autor definiert die für eine sachliche Abwägung nötigen zentralen <em>Begriffe</em> nicht eindeutig, wie es dem formulierten Anspruchs eines Überblicks bzw. einer systematischen Analyse angemessen wäre. Dadurch sind die zentralen Gegenstände im weiteren Verlauf des Buches sehr flexibel für alles Mögliche einsetzbar: Das &#8220;Internet&#8221; beispielsweise ist einmal ein Netzwerk, das sich erst durch die Nutzung durch die Menschen konstituiert (23), mal ein dem Telefon ähnliches &#8220;Medium&#8221; (41), ein technisches Hilfsmittel (280), ein öffentlicher Raum (165),  an anderen Stellen wiederum tritt es als Akteur auf, der z.B. als kulturelles Gedächtnis &#8220;doppelgesichtig&#8221; (149) und dabei auf &#8220;immer größere Informationsauswahl fixiert&#8221; ist und dadurch unkontrollierbare Wirkungen auslösen kann. Gleiches gilt für ebenfalls zentrale und häufig verwendete Konzepte wie &#8220;die Netzcommunity&#8221; oder &#8220;Öffentlichkeit&#8221;. Subjektive Abqualifizierungen, z.B. von Kommunikationsinhalten in Onlinemedien als &#8220;unwichtig&#8221; oder &#8220;unsinnig&#8221; (59), widersprechen dem Anspruch einer neutralen Analyse ebenfalls deutlich.</p>
<p>2. Das Buch hat einen umfangreichen Quellenanhang, der auf 60 Seiten 727 Verweise versammelt. Das erweckt den Eindruck besonderer Sorgfalt, der Umgang mit diesen Quellen ist aber in vielerlei Hinsicht genau das Gegenteil. So bestehen weite Teile des Textes aus einem Patchwork aus wörtlichen Zitaten, was die Zuordnung von Aussagen, die Unterscheidung von Fakten, Wertungen und Einordnungen stark erschwert. Dramatischer ist noch, dass der empirische Forschungsstand in wesentlichen Abschnitten völlig ignoriert wird. Kapitel 12 etwa versucht nachzuweisen, dass das Internet zu Fragmentierung und Rückzug in sogenannte &#8220;Echokammern&#8221; führt, in denen Gleichgesinnte nur noch die eigenen Interessen und Meinungen hören und verstärken. Belegt werden diese Behauptungen im Wesentlichen mit frühen Quellen aus den späten 90er Jahren; die Tatsache, dass die empirische Forschung der letzten zehn Jahre all diese Befürchtungen kaum belegen konnte (Emmer/Wolling 2010), wird völlig ignoriert. Dem Leser wird hier eine fiktionale Welt präsentiert, wie sie sich die Theoretiker des frühen Internets erdacht haben, die aber an den heutigen tatsächlichen Zuständen – und an den durchaus vorhandenen und diskussionswürdigen Problemen – leider vollkommen vorbeigeht.</p>
<p>Dramatisch ist die selektive Wahrnehmung des Autors dort, wo Quellen inhaltlich verstümmelt oder falsch wiedergegeben werden. So ließen sich unzählige Beispiele etwa für eine äußerst willkürliche Auswahl von Quellen finden. Ein besonders dramatischer Fall unsachlichen Umgangs mit Quellen ist aber die Zusammenfassung der eigenen Forschungsergebnisse des Rezensenten, die er um einen wesentlichen Detailbefund gekürzt fand: Während unsere vielfach publizierten Ergebnisse (zusammengfasst in: Emmer/Vowe/Wolling 2011) gezeigt haben, dass die Nutzung politischer Informationsnutzung durch den Internetzugang <em>zunimmt</em> und als positiver Effekt des Internets (&#8220;selektive Mobilisierung&#8221;) im Zeitverlauf stabil bleibt, das Internet daneben aber auf andere Formen politischer Kommunikation keinen Einfluss hat, liest sich dies bei Eisel so: &#8220;Bei Interneteinsteigern bleibt das Interesse an politischer Online-Information stabil, es kommt aber im Lauf der Zeit eben &#8216;nicht zu einer Mobilisierung in der interpersonalen oder gar der Partizipationskommunikation.&#8217;&#8221; (53). Der Befund eines partiellen, aber durchaus robusten Mobilisierungseffekts wird hier durch eine kleine Kürzung unterschlagen und so praktisch ins Gegenteil verwandelt.</p>
<p>3. Unklare Begrifflichkeiten und selektiver Umgang mit Quellen verbinden sich schließlich mit einer in Teilen <em>eristischen Dialektik</em> (Schopenhauer 1983). Wie aus dem Lehrbuch (Schopenhauers &#8220;Kunstgriff 3&#8243;) werden vermeintliche Gegenpositionen häufig bis in Extreme ausgeweitet, die sich dann mit Leichtigkeit widerlegen lassen. Hier einige Beispiele von vielen: &#8220;Es wäre ein großer Fehler, von einer Welt auszugehen, &#8216;in der nicht existiert, was nicht digital existiert&#8217;&#8221; (48); &#8220;das Internet (kann) nicht ausschließlich den &#8230; öffentlichen Raum in unserer Gesellschaft herstellen&#8221; (165); &#8220;&#8230; das Recht auf Repräsentation durch Fokussierung auf die plebiszitären Versuchungen des Internets leugne(n)&#8221; (206); all diese Dinge sind ohne Zweifel abzulehnen, Stephan Eisel bleibt jedoch alle Belege dafür schuldig, dass solche Positionen ernsthaft in der heutigen Debatte um die Rolle des Internets in der Politik vertreten würden. In diesen Abschnitten zeigt sich besonders deutlich, dass das Buch vor allem die Grundangst konservativer Politiker verhandelt: die Angst vor der vollständige Auflösung aller über Jahrzehnte hinweg gepflegten, vertrauten Werte, Prozesse und Akteure.</p>
<p>Das Buch ist angesichts der oben diskutierten Schwächen nicht als Einstiegsliteratur zu empfehlen. Es könnte aber trotz aller sachlicher Unsauberkeiten einen wertvollen Beitrag zur politischen Debatte um die Nutzung des Netzes für politische Kommunikation und dessen kommunikationspolitische Regulierung liefern, wenn es nicht versuchen würde, sich als neutraler analytischer Beitrag zu maskieren, sondern offen als parteiische, konservative Positionsbestimmung in der netzpolitischen Debatte auftreten würde. Gerade hier besteht ja ein erheblicher Nachholbedarf.</p>
<p>Online-affine Leser sollten der Versuchung widerstehen, das Buch als weiteren Beleg für eine lächerliche Weltsicht eines weiteren &#8216;Internetausdruckers&#8217; abzutun, sondern es als Chance betrachten, einen Einblick in die Gedanken- und Gefühlswelt eines digitalen Einwanderers und Skeptikers zu gewinnen, der – das dokumentiert er in einem durchaus interessanten, aber etwas knappen Kapitel – durchaus Bereitschaft zu und auch langjährige Erfahrung mit dem politischen Einsatz von Online-Medien mitbringt. Die Möglichkeit, Ansatzpunkte für den Abbau von Ängsten und der Entwicklung eines Dialogs zu ermitteln, bietet das Buch immerhin.</p>
<p><em>Literatur:</em></p>
<ul>
<li>Emmer, M.; G. Vowe; J. Wolling: <em>Bürger online. Die Entwicklung der politischen Online-Kommunikation in Deutschland</em>. Konstanz [UVK] 2011. (<a href="http://www.buerger-online.net" target="_blank">http://www.buerger-online.net</a>)</li>
<li>Emmer, M.; J. Wolling: Online-Kommunikation und politische Öffentlichkeit. In Beck, K.; Wolfgang Schweiger (Hrsg.): <em>Handbuch Online-Kommunikation.</em> Wiesbaden [VS Verlag] 2010, S. 37-59.</li>
<li>Schopenhauer, A.: <em>Eristische Dialektik. Die Kunst, Recht zu behalten</em>. Zürich [Haffmans] 1983.</li>
</ul>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.herder.de/buecher/gesellschaft_politik/detailseiten/Internet-und-Demokratie.30351.html?sort=8&amp;query_start=13&amp;tb=0" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch </a></li>
<li><a href="http://www.stephaneisel.de/start/index.html" target="_blank">Homepage von Stephan Eisel</a></li>
<li><a href="http://www.polsoz.fu-berlin.de/kommwiss/institut/mediennutzung/mitarbeiterinnen/martin_emmer/index.html" target="_blank">Webpräsenz von Martin Emmer am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der FU Berlin</a></li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Susanna Hübner: Wettbewerbsanalyse des Fernsehsektors</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/8661</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/8661#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 01 May 2012 12:35:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einzelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Medienkonzentration]]></category>
		<category><![CDATA[Meinungsmacht]]></category>
		<category><![CDATA[Meinungsvielfalt]]></category>
		<category><![CDATA[Wettbewerbsrecht]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.rkm-journal.de/?p=8661</guid>
		<description><![CDATA[<p align="left"><em><em>Rezensiert von Dieter Dörr</em></em></p>
<p align="left"><em><img class="alignnone size-full wp-image-9460" title="" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2012/05/Hübner.jpg" alt="" width="180" height="253" /></em>Susanna Hübner gliedert ihre <em>Wettbe- werbsanalyse des Fernsehsektors</em> in fünf Kapitel. Zunächst veranschaulicht sie den aus ihrer Sicht bestehenden wirtschaftspolitischen Handlungsbedarf beim Fernsehen. Im zweiten Kapitel wendet sie sich der ökonomischen und medienwissenschaftlichen Einordnung des Fernsehens zu, um sich dann im dritten und umfangreichsten Kapitel der eigentlichen Wettbewerbsanalyse des Fernsehsektors zu widmen. Im vierten Kapitel erfolgen eine Bestandsaufnahme der Regulierung sowie die Darstellung neuer Lösungsansätze. Im abschließenden fünften Kapitel formuliert die Autorin schließlich Anforderungen an eine neue Rundfunkord- nung für das Fernsehen.</p> <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/8661">[Mehr]</a> ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p align="left"><em><em>Rezensiert von Dieter Dörr</em></em></p>
<p align="left"><em><img class="alignnone size-full wp-image-9460" title="" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2012/05/Hübner.jpg" alt="" width="180" height="253" /></em>Susanna Hübner gliedert ihre <em>Wettbe- werbsanalyse des Fernsehsektors</em> in fünf Kapitel. Zunächst veranschaulicht sie den aus ihrer Sicht bestehenden wirtschaftspolitischen Handlungsbedarf beim Fernsehen. Im zweiten Kapitel wendet sie sich der ökonomischen und medienwissenschaftlichen Einordnung des Fernsehens zu, um sich dann im dritten und umfangreichsten Kapitel der eigentlichen Wettbewerbsanalyse des Fernsehsektors zu widmen. Im vierten Kapitel erfolgen eine Bestandsaufnahme der Regulierung sowie die Darstellung neuer Lösungsansätze. Im abschließenden fünften Kapitel formuliert die Autorin schließlich Anforderungen an eine neue Rundfunkordnung für das Fernsehen.</p>
<p align="left">Zu Beginn verschafft sich die Verfasserin zunächst Klarheit über die für ihre Arbeit bedeutsamen zentralen Begrifflichkeiten. Sie geht dabei auf den Fernseh-&#8217;markt&#8217; ein und grenzt diesen zu den Print- medien ab. Weiterhin macht sie deutlich, dass sie sich dem Rundfunksektor als ganzem, hierbei aber schwerpunktmäßig dem Fernsehen zuwenden wird. Innerhalb des Fernsehmarktes selbst unterscheidet Hübner zwischen drei Teilmärkten, nämlich denen der Produktionsebene (Produktion und Rechtehandel), der Programm- stufe (Programm) und der Übertragung zum Fernsehzuschauer (Distribution und Konsum). Den Schwerpunkt ihrer Arbeit legt die Verfasserin dabei auf die Programmstufe.</p>
<p align="left">Im Rahmen der medienwissenschaftlichen Einordnung des Fernsehens erarbeitet Hübner zunächst jene Aspekte, die dem Fernsehen zu Alleinstellungsmerkmalen gereichen. Sie stellt dabei unter anderem auf die Suggestivkraft der bewegten Bilder sowie deren Reichweite und Breitenwirkung ab. Bei der ökonomischen Einordnung des Fernsehens mit Hilfe der <a href="http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/gueterklassifikation.html" target="_blank">Güterklassifikation</a> arbeitet die Verfasserin schön heraus, dass das Ziel der Gewährleistung der Meinungsvielfalt, welches das Bundesverfassungsgericht aus dem Grundrecht der Rundfunkfreiheit ableitet und das Ausgangspunkt einer umfangreichen, ebenfalls durch die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts geforderten ordnungspolitischen Ausgestaltung des Rundfunksektors ist, eine ökonomische Einordnung erschwert.</p>
<p align="left">Im Abschnitt &#8220;öffentliche Aufgabe des Fernsehens&#8221; nähert Hübner sich dem Grundverständnis der deutschen Rundfunklandschaft als duales System. Die Überschrift &#8220;Die Herleitung der Rundfunkfreiheit aus dem Grundrecht der Meinungsfreiheit&#8221; und die darauf folgenden Ausführungen könnten allerdings dahingehend missverstanden werden, dass das Grundrecht der Rundfunkfreiheit kein selbststän- diges Grundrecht, sondern lediglich eine Ausprägung der Meinungs- freiheit darstellt. Dies ist jedoch im Grundgesetz im Gegensatz zu <a href="http://www.presserecht.de/index.php?option=com_content&amp;task=view&amp;id=703&amp;Itemid=1" target="_blank">Artikel 10 der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK)</a> gerade nicht der Fall. Wird doch die Meinungsfreiheit als klassisches Abwehrrecht begriffen, während aus der Rundfunkfreiheit als<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Rundfunkfreiheit#Dienende_Freiheit" target="_blank"> &#8216;dienender Freiheit&#8217;</a> vom Bundesverfassungsgericht der explizite Auftrag an der Gesetzgeber entnommen wird, eine positive Rundfunkordnung zu schaffen. Insoweit kommt dem Grundrecht der Rundfunkfreiheit durchaus ein von der Meinungsfreiheit zu unterscheidender eigener Gehalt zu.</p>
<p align="left">In der Folge geht die Verfasserin auf die verschiedenen Funktionen ein, die dem Rundfunk im Allgemeinen innerhalb eines demokra- tischen Systems zukommen: namentlich auf die politische Funktion, die Informationsfunktion im Meinungsbildungsprozess, die Kontroll-, Bildungs-, aber auch die Unterhaltungsfunktion sowie die kulturelle Funktion. Anschließend beleuchtet Susanna Hübner anschaulich die spezifischen Funktionen, die der öffentlich-rechtliche Rundfunk im dualen Rundfunksystem der Bundesrepublik erfüllen soll. Zutreffend erkennt sie in dem Ziel der Vielfaltssicherung eines der tragenden Prinzipien der deutschen Medienordnung.</p>
<p align="left">Nachdem sie diese Rahmenbedingungen abgesteckt hat, widmet sich die Verfasserin im Hauptteil der Wettbewerbsanalyse des Fernsehsektors und legt hier gut nachvollziehbar Schwerpunkte auf die Konzentrationserfassung und die Marktabgrenzung. Der Darstellung der theoretischen Grundlagen der Wettbewerbsanalyse beim Fernsehen folgt eine ausführliche und erhellende Analyse zu Umfang und Qualität von Wettbewerb im Fernsehsektor (Fernseh- markt und medienrelevante benachbarte Märkte) unter Einschluss sämtlicher (neuer) Distributionswege für Rundfunksendungen. Auf diese Analyse wird die Verfasserin dann zu einem späteren Zeitpunkt auch die ordnungspolitischen Anforderungen an die Rundfunkordnung stützen.</p>
<p align="left">Im Rahmen der Bestandsaufnahme, wie der Fernsehmarkt reguliert ist, beschäftigt sich Susanna Hübner sowohl mit den allgemeinen nationalen und europäischen Wettbewerbsrechtsvorschriften als auch mit der  sektorspezifischen Medienkonzentrationskontrolle (Verhinderung vorherrschender Meinungsmacht) durch die <a href="http://www.kek-online.de/" target="_blank">Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK)</a> nach dem Rundfunkstaatsvertrag der Länder. Danach setzt sich die Verfasserin das Ziel, einen klaren und eindeutigen Anforderungskatalog herauszuarbeiten, der als Ausgangsbasis für den Gestaltungsprozess einer neuen Ordnung für das Fernsehen dienen soll. Die Frage nach dem Fortbestand der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten bzw. nach ihrer Legitimation spart Hübner dabei ausdrücklich aus unter dem Hinweis, dass es sich dabei um eine politische Entscheidung handele. Dies kann man zwar so vertreten. Über die Frage, ob die Anforderungen, die das Bundesverfassungsgericht aus der Rundfunkfreiheit für die Rundfunkordnung ableitet, überhaupt ohne den öffentlich-rechtlichen Rundfunk auf einem rein privaten Markt erfüllbar wären, werden aber rein politische Erwägungen nicht hinweghelfen können.</p>
<p align="left">Die Verfasserin spricht sich sodann dafür aus, die institutionelle Regulierung besser abzustimmen und zu verschlanken sowie ein Anreizsystem zu entwickeln. Auf die mannigfaltigen juristischen Probleme, die mit einer derartigen Umstellung notwendigerweise einhergehen und die Reformvorschläge (rechtlich) undurchführbar machen können, konnte die Verfasserin naturgemäß im Rahmen einer wirtschaftswissenschaftlichen Arbeit nicht eingehen.</p>
<p align="left">Mit der These, dass die Digitalisierung und die damit einhergehende Ausdehnung des Fernsehangebots im Sinne steigender Wettbe- werbsintensität eine inhaltliche Regulierung des Fernsehens nach Vielfaltsgesichtspunkten gänzlich überflüssig machen würde, kann sich allerdings nur anfreunden, wer der Ausgangsvorstellung anhängt, dass sich durch Wettbewerb und Anbietervielfalt auto- matisch auch eine inhaltliche Vielfalt einstellt. Diese Vorstellung wird nicht nur von Juristen, sondern auch von Medienökonomen mit gut nachvollziehbaren Gründen bestritten.</p>
<p align="left">Aus demselben Grunde stehe ich auch der von der Verfasserin präferierten ordnungspolitischen Zielsetzung &#8220;Mehr Wettbewerb, weniger Konzentration&#8221; durchaus skeptisch gegenüber. Dagegen fordert die Verfasserin mit guten Gründen, dass sich der Gesetz- geber gerade auch im Hinblick auf die Planungssicherheit für Unternehmen Gedanken machen sollte, in welchem Ausmaß benachbarte und medienrelevante verwandte Märkte in die konzentrationsrechtliche Betrachtung einzubeziehen sind. Das Problem, wie hier Meinungsmacht &#8216;gemessen&#8217; werden kann, bleibt freilich schwierig und lässt sich angesichts der Dynamik der Medienmärkte nur lösen, wenn man der zur Entscheidung berufenen KEK einen Beurteilungsspielraum zuerkennt.</p>
<p align="left">Insgesamt handelt es sich bei der Dissertation von Susanna Hübner um eine umfassende und gründliche Wettbewerbsanalyse des Fernsehsektors, die für Leser aller Fachrichtungen stets mit einem Erkenntnisgewinn verbunden sein dürfte.</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Thomas Horky; Thorsten Schauerte; Jürgen Schwier; DFJV (Hrsg.): Sportjournalismus</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/8627</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/8627#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 27 Apr 2012 11:25:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einzelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Einführende Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Sportberichterstattung]]></category>
		<category><![CDATA[Sportjournalismus]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.rkm-journal.de/?p=8627</guid>
		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Daniel Nölleke</em>
<p align="left"><a href="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2012/02/Sportjournalismus.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-8629" title="Sportjournalismus" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2012/02/Sportjournalismus.jpg" alt="" width="160" height="229" /></a>Die Herausgeber des Sammelbandes <em>Sportjournalismus</em> versuchen sich an der eierlegenden Wollmilchsau. Übertragen auf den (Fußball-)Sport heißt das: Das Ziel des Bandes ist in etwa so hehr wie das Bestreben, einen talentierten Fußballer zu einem wuchtigen und kopfballstarken Strafraumstürmer zu trainieren, der das Spiel dribbelstark und kreativ lenkt, dabei zweikampfstark in der Abwehr agiert und stets als Führungs- spieler vorangeht. Für den 326 Seiten starken Band zeigt sich dieses Anliegen in der Heterogenität der Inhalte: Das Verhältnis von Sport und Medien wird theoretisch verortet, empirisch vermessen und praxisorientiert abgesteckt; der Prozess der sportjournalistischen Kommunikation wird von der Recherche bis zur Rezeption modelliert; wissenschaftliche und praktische Perspektiven werden integriert; unterschiedliche Strukturelemente wie Organisationen und Rollen fokussiert. Aber: Ist all dies in einem Band zu leisten? Kurz gesagt: Der Band ist nicht in allen Bereichen Champions-League-tauglich. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/8627">[Mehr]</a> ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Daniel Nölleke</em></p>
<p align="left"><a href="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2012/02/Sportjournalismus.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-8629" title="Sportjournalismus" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2012/02/Sportjournalismus.jpg" alt="" width="160" height="229" /></a>Die Herausgeber des Sammelbandes <em>Sportjournalismus</em> versuchen sich an der eierlegenden Wollmilchsau. Übertragen auf den (Fußball-)Sport heißt das: Das Ziel des Bandes ist in etwa so hehr wie das Bestreben, einen talentierten Fußballer zu einem wuchtigen und kopfballstarken Strafraumstürmer zu trainieren, der das Spiel dribbelstark und kreativ lenkt, dabei zweikampfstark in der Abwehr agiert und stets als Führungs- spieler vorangeht. Für den 326 Seiten starken Band zeigt sich dieses Anliegen in der Heterogenität der Inhalte: Das Verhältnis von Sport und Medien wird theoretisch verortet, empirisch vermessen und praxisorientiert abgesteckt; der Prozess der sportjournalistischen Kommunikation wird von der Recherche bis zur Rezeption modelliert; wissenschaftliche und praktische Perspektiven werden integriert; unterschiedliche Strukturelemente wie Organisationen und Rollen fokussiert. Aber: Ist all dies in einem Band zu leisten? Kurz gesagt: Der Band ist nicht in allen Bereichen Champions-League-tauglich.</p>
<p align="left">Die Prämisse, die dem Band zugrunde liegt, beschreiben die Herausgeber im ersten Satz der Einleitung: &#8220;Der Sportjournalismus ist anders als andere Felder des Journalismus.&#8221; (7) Diese Anders- artigkeit bzw. Spezifik kommt in den 22 Beiträgen zwar immer wieder zum Ausdruck, doch wirken diese Aspekte eher als Schlag- lichter denn als Erkenntnisse einer systematischen Vermessung von Sportjournalismus. Schon bei &#8220;Anpfiff&#8221; – so nennen die Herausgeber ihre Einleitung – wird versäumt, dem Spiel eine entsprechende Struktur zu geben. Für eine Einführung ins Thema ist es zwar durchaus instruktiv, Einzelaspekte zu pointieren (etwa die Attraktivität des Berichterstattungsgegenstands, die Rolle von Seiteneinsteigern unter den Sportjournalisten oder die sport-spezifische Rezeptionsform des Public Viewing), doch zieht sich dieses Prinzip der Deskription von Einzelphänomenen durch den gesamten Band. Die Herausgeber lassen auf diese Weise zwar Raum für eine große Vielfalt an Beobachtungen; für den Spielfluss wäre es aber hilfreich gewesen, vom Anpfiff an einer gemeinsamen Spielidee zu folgen.</p>
<p align="left">Man würde dem Band allerdings Unrecht tun, würfe man ihm vor, er gehe völlig ohne Spielidee ins Rennen. Die Herausgeber formulieren: &#8220;Die ersten Kapitel skizzieren aus verschiedenen theoretischen Perspektiven wesentliche Ergebnisse und Ansätze der wissen- schaftlichen Beschäftigung mit dem Sportjournalismus. […] Im zweiten Hauptteil des Buches kommen dann die Praktiker zu Wort und schildern ihr Tätigkeitsfeld […].&#8221; (9) Dieser Struktur folgt der Band jedoch nicht konsequent: In den ersten Kapiteln zur Geschichte des Sportjournalismus, zu den Sportjournalisten in Deutschland, den Themen für Sportjournalisten, der Vermarktung von Sportereignissen sowie zu Publikum und Nutzung sind theoretische Verweise die Ausnahme. Und im zweiten Teil – dem Teil der Praktiker – findet sich auch eine ausführliche empirische Bestandsaufnahme zum Sport im Fernsehen.</p>
<p align="left">Ohnehin fällt im zweiten Teil des Bandes die große Unterschied- lichkeit der einzelnen Beiträge auf: Neben Marktbeschreibungen gibt es vor allem Einblicke in den konkreten Tätigkeitsbereich eines Sportjournalisten; neben systematisch-differenzierten Beiträgen stehen eher anekdotische Berichte, ein völlig verkürzender Beitrag zum Thema &#8220;Sport-PR&#8221; (ohne dass erläutert würde, wie sich Sport-PR in die &#8220;Praxis des Sportjournalismus&#8221; einfügt) und – unvermittelt – ein Interview zum Thema &#8220;Sportfotografie&#8221;. Dieser zweite Teil, der insbesondere Berufsinteressenten Einblicke in das Berufsfeld geben könnte, kommt daher unaufgeräumt daher. Der Leser findet Interessantes und Relevantes – allen voran im ausgezeichneten Beitrag von Hanns-Christian Kamps –, aber er wird auch mit vielen – teilweise beliebig wirkenden – Einzelaspekten im Stich gelassen.</p>
<p align="left">Während sich 14 Kapitel mit der &#8220;Praxis des Sportjournalismus&#8221; auseinandersetzen – bzw. mit dem, was die Herausgeber darunter verstehen – bieten sie den (wissenschaftlichen) &#8220;Grundlagen des Sportjournalismus&#8221; in sechs Kapiteln Raum. Auch wenn anzuer- kennen ist, dass kaum die Möglichkeit zur intensiven analytischen Betrachtung besteht, ist das, was in einigen der Beiträge geliefert wird, enttäuschend. Zu viel versprechen sie und zu sehr kratzen sie dann lediglich an der Oberfläche: Im Beitrag von Erik Eggers endet die &#8220;Geschichte des Sportjournalismus&#8221; schon 1989 – und das, ohne die Veränderungen durch den Zutritt privater Rundfunk- anbieter entscheidend zu thematisieren.</p>
<p align="left">Auch Steffen Kolbs Beitrag zu den Sportjournalisten, eine Sekundäranalyse der Studien &#8220;Journalismus in Deutschland&#8221;, verspricht mehr, als er letztlich zu leisten imstande ist: Ein expliziterer Hinweis auf die geringen Fallzahlen der befragten Sportjournalisten würde bei der Einordnung der Ergebnisse helfen. Auch das Vorhaben, sich auf nicht einmal 20 Textseiten zum Publikum und zur Nutzung von Sportjournalismus auszulassen, ist ambitioniert. Thorsten Schauerte und Thomas Horky gehen mit diesem engen Raum effizient um und schaffen es, das Feld zu strukturieren und relevantes Wissen schlaglichtartig zu präsentieren. Doch auch hier vermisst der Leser einen Hinweis darauf, dass der Beitrag (notwendigerweise) nur sehr limitierte Aussagekraft hat.</p>
<p align="left">So ist grundsätzlich zu konstatieren, dass die Leistung des Bandes darin besteht, das Feld Sportjournalismus aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten und dabei zahlreiche spezifische Einzelaspekte zu identifizieren. Unter der Breite der Inhalte leidet (notwendigerweise) die Tiefe. Es wäre jedoch hilfreich gewesen, wenn diese eingeschränkte Aussagekraft auch thematisiert würde. In dieser Form wirken zahlreiche Beiträge unvollständig und in der Auswahl der Inhalte beliebig. Beliebig – das als Fußnote – wirkt auch das Register: Folgt man dem, dann geht es in dem Band nur in vier Abschnitten um Sportjournalismus. Absurd wird es, wenn Stichworte wie &#8220;Hobbyraum&#8221; verzeichnet und der Aspekt der &#8220;Berichterstattung&#8221; in &#8220;1:0-, Hof-, Kurz-, Sport- und Vor-&#8221; gegliedert werden.</p>
<p align="left">Der Sammelband eignet sich als erste Einführung sowohl für diejenigen, die sich für das Berufsfeld interessieren, als auch für Studierende, die sich im Rahmen von Seminararbeiten oder Lehrveranstaltungen mit dem Themenfeld Sportjournalismus beschäftigen. Für Studierende haben aber insbesondere die Sammelbände der im <a href="http://www.halem-verlag.de/2011/sportkommunikation/" target="_blank">Herbert von Halem Verlag erscheinenden Reihe &#8220;Sportkommunikation&#8221;</a> mehr zu bieten.</p>
<p align="left"><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.uvk.de/buecher/db/titel/details/sportjournalismus////ch/9d1cd6736b9fde547433cf5837a9c278/" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch </a></li>
<li>Webpräsenz von <a href="http://www.macromedia-fachhochschule.de/hochschule/menschen/professoren/personendetails/vita/horky.html" target="_blank">Thomas Horky</a> und<a href="http://www.macromedia-fachhochschule.de/hochschule/menschen/professoren/personendetails/vita/schauerte.html" target="_blank"> Thorsten Schauerte </a>an der Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation</li>
<li><a href="http://www.uni-flensburg.de/ibus/mitarbeiter/prof-dr-phil-juergen-schwier/" target="_blank">Webpräsenz von Jürgen Schwier an der Universität Flensburg</a></li>
<li><a href="http://egora.uni-muenster.de/ifk/personen/danielnoelleke.shtml" target="_blank">Webpräsenz von Daniel Nölleke an der Universität Münster</a></li>
</ul>
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		</item>
		<item>
		<title>Josef Kurz, Daniel Müller, Joachim Pötschke, Horst Pöttker, Martin Gehr: Stilistik für Journalisten</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/8471</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/8471#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 23 Apr 2012 11:06:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einzelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[DDR]]></category>
		<category><![CDATA[Handbuch]]></category>
		<category><![CDATA[Journalistenausbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>
		<category><![CDATA[Stilistik]]></category>

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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Jürg Häusermann</em>

<img class="alignnone size-full wp-image-8472" title="Stilistik für Journalisten" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2012/02/Stilistik-für-Journalisten.jpg" alt="" width="160" height="228" />"Der sozialistische Journalist, der sich täglich an Millionen von Menschen wendet, kann seine politische Aufgabe nur dann richtig erfüllen, wenn er neben Sachkenntnis und parteilicher Leidenschaft auch über die Fähigkeit verfügt, seinen Gedanken und Gefühlen den vollkommenen sprachlichen Ausdruck zu geben, die Sprache als Waffe im ideologischen Kampf wirksam zu gebrauchen." Dies war noch 1988 die Überzeugung der Autoren der Leipziger <em>Stilistik für Journalisten</em>. Als zwei von ihnen, Josef Kurz und Joachim Pötschke, zwölf Jahre später mit Dortmunder Mitautoren eine gesamtdeutsche Version des Handbuchs schrieben, waren vom <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Sektion_Journalistik" target="_blank">Roten Kloster</a> nur noch Überreste vorhanden, und im Text fehlte die "streitbare Auseinandersetzung mit dem Klassenfeind". Jetzt liegt es in einer nochmals überarbeiteten und erweiterten Fassung vor. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/8471">[Mehr]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Jürg Häusermann</em></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-8472" title="Stilistik für Journalisten" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2012/02/Stilistik-für-Journalisten.jpg" alt="" width="160" height="228" />&#8220;Der sozialistische Journalist, der sich täglich an Millionen von Menschen wendet, kann seine politische Aufgabe nur dann richtig erfüllen, wenn er neben Sachkenntnis und parteilicher Leidenschaft auch über die Fähigkeit verfügt, seinen Gedanken und Gefühlen den vollkommenen sprachlichen Ausdruck zu geben, die Sprache als Waffe im ideologischen Kampf wirksam zu gebrauchen.&#8221; (Pötschke et al 1981, 1988: 42). Dies war noch 1988 die Überzeugung der Autoren der Leipziger <em>Stilistik für Journalisten</em>. Als zwei von ihnen, Josef Kurz und Joachim Pötschke, zwölf Jahre später mit Dortmunder Mitautoren eine gesamtdeutsche Version des Handbuchs schrieben, waren vom <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Sektion_Journalistik" target="_blank">Roten Kloster</a> nur noch Überreste vorhanden, und im Text fehlte die &#8220;streitbare Auseinandersetzung mit dem Klassenfeind&#8221; (ebd.: 9). Jetzt liegt es in einer nochmals überarbeiteten und erweiterten Fassung vor.</p>
<p>Diese ist immer noch nach den Ebenen der Sprachstruktur gegliedert: Die ersten Kapitel behandeln der Reihe nach Wort, Wortverbindung, Satz und Text. Darauf folgen selbständige Kapitel zu Redewiedergabe, Genre und Überschrift. Die Auseinandersetzung mit der Ideologie ist auf drei umrahmende Kapitel reduziert (1. Zur Bedeutung des Sprachgebrauchs im Journalistenberuf; 9. Sprach- pflege; 10. Ethische und politische Aspekte des journalistischen Sprachgebrauchs), für die in erster Linie Horst Pöttker verant- wortlich zeichnet. Darin wird jetzt die Annahme, dass Journalisten in erster Linie eine politische Aufgabe hätten, explizit verneint.</p>
<p>Damit macht das Buch zwei grundverschiedene Angebote: Es bietet eine ausführliche, an strukturalistischer Linguistik orientierte Stil- und Textsortenkunde. Und es regt zur Diskussion über die politische Fundierung der Journalistenausbildung an.</p>
<p><em>Stilistik für Journalisten</em> ist vor allem ein Stil-Handbuch mit vielen Beispielen aus Presse und Hörfunk. Die Autoren gehen sehr systematisch vor und mit einer Vollständigkeit, die das Buch zu einem nützlichen Nachschlagewerk macht. So präsentiert Josef Kurz auf 30 Seiten ein differenziertes Spektrum der Möglichkeiten der Redewiedergabe. Im ganzen Buch illustrieren sorgfältig kommentierte Beispiele (bei denen leider nur selten die Quelle offen gelegt wird) die Definitionen und Regeln. (Anlässlich der ersten Neuauflage erschien von Harald Burger eine ausführliche Würdigung aus linguistischer Sicht in <a href="http://app.gwv-fachverlage.de/sci_w/index.php?do=show_article&amp;sid=15011391244f390075bb781783821772&amp;site=pub&amp;area=kom&amp;id=6156" target="_blank">&#8220;Publizistik&#8221; 46/2001, S. 219-220</a>.) Die Systematik orientiert sich strikt an den stilistischen Kategorien. Dies macht den Zugang manchmal sperrig. Aus journalistischer Sicht wäre es zu begrüßen, wenn nicht grundsätzlich von der sprachlichen Kategorie (Wort, Satz usw.), sondern von den Sprachproblemen im Beruf ausgegangen würde.</p>
<p>In der Einleitung bekennt sich Horst Pöttker im Namen der Autoren ausdrücklich zu einem normativen Vorgehen. Im Hauptteil wird damit eher zurückhaltend umgegangen. Ein Beispiel: Der Beitrag zum Thema &#8220;Interview&#8221; (200-241) bietet eine differenzierte Einführung zur Gesprächstechnik und befasst sich mit sprachlichen Gestaltungsfragen, die weit darüber hinausgehen, was in anderen Lehrbüchern behandelt werden. Dennoch erfährt man sehr wenig darüber, wozu Interviews eingesetzt werden sollen. Zwar wird betont, dass das Interview für &#8220;fast alle traditionelle Darstellungs- arten&#8221; (Mitteilung, Urteil, Erörterung usw.) offen ist. Aber wer soll da mitteilen, urteilen oder erörtern? Welcher Bezug besteht zu den Kriterien der Unabhängigkeit und Wahrhaftigkeit, die in der Einleitung (14) vorausgesetzt werden?</p>
<p>Diese Zurückhaltung mag mit der apolitischen Haltung zusammen- hängen, die das Werk in seiner heutigen Form kennzeichnet. Zwar wird dem Journalismus noch immer eine &#8216;Aufgabe&#8217; zugestanden – nämlich, Öffentlichkeit herzustellen. Wer aber meine, diese sei vornehmlich politisch, übernehme einen &#8220;Fehler der irregeführten und irreführenden Aufgabenbestimmung für den Journalismus in Systemen, in denen eine staatliche Obrigkeit die Medien lenkt&#8221; (11). Die Aufgabe des Journalismus sei immer die gleiche, unabhängig von den &#8220;gesellschaftspolitischen, wirtschaftlichen, kulturellen oder technologischen Rahmenbedingungen&#8221; (12). Doch wer den Journalisten diese Aufgabe stellt, wird nicht erklärt. Es wird auch nicht auf die Tatsache zurückgegriffen, dass die journalistischen Arbeitsbedingungen und die journalistischen Produkte in verschiedenen politischen Systemen grundverschieden ausfallen. Die Autoren sehen in ihrer Zielsetzung sogar &#8220;keinen Unterschied zwischen &#8216;kapitalistischem&#8217; und &#8216;sozialistischem&#8217; Journalismus&#8221; mehr (12).</p>
<p>Dem vermag ich nicht zu folgen. Und es ist mir trotz einer knappen systemtheoretischen Begründung mit Kritik an Habermas und <a href="http://www.polsoz.fu-berlin.de/soziologie/arbeitsbereiche/makrosoziologie/mitarbeiter/lehrstuhlinhaber/dateien/GerhardsNeidhardt-1990.pdf" target="_blank">Gerhards/Neidhardt</a> nicht klar, warum die Autoren zu keinem anderen Schluss kommen können als zu der &#8220;durch Erfahrung genährten Befürchtung, dass ein Journalismus, der sich primär als politische Instanz, gar als &#8216;vierte Gewalt&#8217;, versteht, allzu leicht die für die Vermittlerrolle notwendige Offenheit gegenüber anderen Teilsystemen und deren Problemen verliert&#8221; (11).</p>
<p>Es tut dem linguistischen Gehalt des Werks keinen Abbruch, dass die alten Phrasen von der &#8220;Erhöhung des Wirkungsgrades der politischen Massenarbeit in unserer Republik&#8221; (Pötschke et al 1981, 1988: 9) fehlen. Aber es wäre auch zu wünschen, dass dieses Lehrbuch – wenn es das Thema schon einmal aufgreift – die politische Verantwortung der Journalistinnen und Journalisten konsequent im Blick behielte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Literatur:</em></p>
<p>Autorenkollektiv unter der Leitung von Joachim Pötschke: <em>Stilistik für Journalisten. Lehrbuch.</em> Leipzig [Karl-Marx-Universität, Sektion Journalistik] 1981:1988.</p>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.springer-vs.de/Buch/978-3-531-33434-9/Stilistik-fuer-Journalisten.html" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.uni-tuebingen.de/fakultaeten/philosophische-fakultaet/fachbereiche/philosophie-rhetorik-medien/institut-fuer-medienwissenschaft/personen/prof-dr-j-haeusermann.html" target="_blank">Webpräsenz von Jürg Häusermann an der Universität Tübingen</a></li>
</ul>
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		</item>
		<item>
		<title>Achim Eschbach; Nora-Sophia Eschbach (Hrsg.): Bausteine der Kommunikationswissenschaft</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/8615</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/8615#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 18 Apr 2012 09:59:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einzelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikationswissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Lehrbuch]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.rkm-journal.de/?p=8615</guid>
		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Rubén Leites García</em>

<img class="alignnone size-full wp-image-8633" title="" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2012/02/Eschbach-20112.jpg" alt="" width="160" height="243" />Das 300-seitige kommunikations- wissenschaftliche Grundlagenbuch gibt einen ausführlichen Überblick über die Bausteine der Kommunikations- wissenschaft, d. h. über Disziplinen und deren Vertreter, die zumindest als Ausgangspunkt für die Erschließung der facettenreichen Gestalt der Kommunikationswissenschaft dienen. Nach einem kurzen Vorwort und einer "Kleinen Geschichte der Kommunikationswissenschaft", wie die Herausgeber sie nennen, folgt das Sammelwerk den Quellströmen der Kommunikationswissenschaft, indem zunächst der Autor samt Kurzbiographie vorgestellt wird. Dabei gehen die Herausgeber auf die markantesten Lebensabschnitte des Autors ein und markieren schon hier die Beziehung zur heutigen Kommunikationswissenschaft, um anschließend einen ausgewählten Text des jeweiligen Autors zu präsentieren. Dies wird ohne Kommentar oder fachspezifische Einordnung getan, da eine kritische und vor allem selbstständige Auseinandersetzung des Lesers mit der Textauswahl gewünscht wird. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/8615">[Mehr]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Rubén Leites García</em></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-8633" title="" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2012/02/Eschbach-20112.jpg" alt="" width="160" height="243" />Das 300-seitige kommunikations- wissenschaftliche Grundlagenbuch gibt einen ausführlichen Überblick über die Bausteine der Kommunikations- wissenschaft, d. h. über Disziplinen und deren Vertreter, die zumindest als Ausgangspunkt für die Erschließung der facettenreichen Gestalt der Kommunikationswissenschaft dienen. Nach einem kurzen Vorwort und einer &#8220;Kleinen Geschichte der Kommunikationswissenschaft&#8221;, wie die Herausgeber sie nennen, folgt das Sammelwerk den Quellströmen der Kommunikationswissenschaft, indem zunächst der Autor samt Kurzbiographie vorgestellt wird. Dabei gehen die Herausgeber auf die markantesten Lebensabschnitte des Autors ein und markieren schon hier die Beziehung zur heutigen Kommunikationswissenschaft, um anschließend einen ausgewählten Text des jeweiligen Autors zu präsentieren. Dies wird ohne Kommentar oder fachspezifische Einordnung getan, da eine kritische und vor allem selbstständige Auseinandersetzung des Lesers mit der Textauswahl gewünscht wird.</p>
<p>Die Bausteine der Kommunikationswissenschaft setzen sich aus den Disziplinen Soziologie, Semiotik, nonverbale Kommunikation, Sprachwissenschaft, Philosophie, (Entwicklungs-)Psychologie, Medizin, Biologie, Anthropologie, Ethnologie, Hermeneutik, Literatur, Politologie, Psychoanalyse, Geschichte und Ökonomie zusammen. Diese Bausteine sind als Hilfe gedacht, um eine kennzeichnend kommunikationswissenschaftliche Betrachtungsweise zu entwickeln. Im Text heißt es hierzu, dass die Auswahl das Ziel verfolgt, klar und prägnant die spezifische Fragestellung der jeweiligen Disziplinen im Hinblick auf die Kommunikationswissenschaft zum Ausdruck zu bringen und der Besonderheit des Autors gerecht zu werden.</p>
<p>Die markante Charakteristik der Kommunikationswissenschaft macht eine interessenbedingte Gestaltungsvielfalt aus, d. h. dass keine monoperspektivische Auseinandersetzung, sondern ein interdisziplinäres Zusammenspiel intendiert wird. In dieser entscheidenden Eigenschaft liegt auch ihre starke Erklärungskraft begründet. Der Kommunikationswissenschaftler verfolgt damit das Ziel, seinen spezifischen kommunikationswissenschaftlichen Gegenstand einer verstehenden Erklärung zuzuführen. Somit nehmen Verstehen und Verstehenshandlungen den Mittelpunkt einer kommunikationswissenschaftlichen Untersuchung ein, die den Prozess zeichenvermittelter Interaktion zwischen mindestens zwei Individuen analysiert und beschreibt und diese kommunikative Sozialhandlung als Verstehenshandlung auffasst. Dies schafft gleichzeitig die Voraussetzung einer notwendigen Vertrautheit mit den verschiedenen Quellströmen und deren Vertretern, will man eine kommunikationswissenschaftlich einwandfreie Fragestellung und Methode garantieren.</p>
<p>Beide Schlüsselmomente der Kommunikationswissenschaft, also die in Zeichen begründete Vermittlung und die Verstehenshandlung, werden im Sammelwerk durch die Beiträge von Richard Gätschenberger zur Semiotik und von Olga Marum zur Hermeneutik behandelt. Richard Gätschenbergers &#8216;Sematologie&#8217; zeugt von der Wichtigkeit einer zeichentheoretischen Grundlegung der Kommunikationswissenschaft. Das Zeichen als Basiskonzept einer kommunikationswissenschaftlichen Untersuchung ist unabdingbar, da alles menschliche Denken, Empfinden, Wahrnehmen und auch Handeln mit Hilfe von Zeichen verläuft. Diesen Sachverhalt verdeutlicht Achim Eschbach, bei dem es in dem Aufsatz Semiotik der Schrift (1993) heißt, dass der Mensch seine Umwelt &#8216;verzeichnet&#8217;: Die gesamte menschliche Konstitution sei darauf angelegt, einen jeden Vorgang zumindest potentiell verstehen und damit sinnvoll interpretieren und intentional ausrichten zu können. Folglich ist laut Gätschenberger die Sematologie als Lehre vom unentbehrlichsten Handwerkszeug der Wissenschaft zu betrachten, da diese sich auf das Grundelement allen menschlichen Tuns konzentriert – das Zeichen.</p>
<p>Gätschenberger, übrigens genau wie Karl Bühler ein Schüler Oswald Külpes, verdeutlicht, dass im Umgang mit dem Wort Zeichen zwei Bedeutungen möglich sind, die oft für Missverständnisse sorgen, denn einerseits kann das Zeichen als Anzeichen, z. B. Rauch für Feuer, und andererseits als Darstellungsmittel bzw. als Vertreter eines Etwas verstanden werden. Gätschenberger versteht das Zeichen als Vertreter, da das Zeichen zwar für Etwas steht, dieses Etwas aber nicht für das Zeichen stehen kann. Beispielsweise fungiert ein Botschafter als Repräsentant eines Landes, jedoch kann umgekehrt kein Land als Repräsentant einer einzigen Person dienen.</p>
<p>Bei der sprachlichen Kommunikationshandlung spielt somit das Basiskonzept der Verstehenshandlung eine ganz entscheidende Rolle. Um sich der Sprache nähern zu können, muss dieses erläutert werden, um damit jegliche menschliche Denk- und Bewusstseinsvorgänge aufzuzeigen. Der kommunikations- wissenschaftliche bzw. semiotische Fokus muss dabei auf dasjenige gelegt werden, auf das ein Medium hinweist, und darf nicht auf das Medium selbst gelegt werden. Der materielle Laut kann nämlich erst dadurch zum &#8216;Ausdruckszeichen&#8217; werden, dass er als solches auch wahrgenommen wird. Er wird also erst im Interpretationsprozess der konkreten Erfahrung jeweils neu konstituiert, ihm wird durch diesen Prozess Bedeutung zugeschrieben und er ist nicht durch Konvention vorab vollends determiniert. Der menschliche Interpretationsprozess ist also unabdingbar für den Gebrauch und das Verständnis von Bedeutung.</p>
<p>In Olga Marums Beitrag zur Hermeneutik, in dem es um die Analyse des Verstehens und seiner Bedingungen geht, untersucht sie Art, Aufbau und Bedingungen sowie die Grenzen des Verstehensprozesses. Dabei fasst sie Verstehen als Erfassen des Einzelnen in seinem Zusammenhang mit dem Ganzen auf. Die Grundlage des Verstehens besteht in dem Moment und der Möglichkeit des Hineinversetzens in den Anderen, dabei ist das Resultat des Verstehens das Wiederfinden des Ichs im Du, wie Dilthey dies formuliert, da jedes psychologische Erleben auch etwas Standpunkthaftes in sich trägt. Will man sein Gegenüber verstehen,  ist es notwendig, die eigene Perspektive temporär aufzugeben, um den Sachverhalt vom oppositionellen Standpunkt aus zu betrachten. Menschen treten nur innerhalb derselben Einstellung in Kommunikation zu gegenseitigem Verstehen. Verstehen ist also ein sozialer Prozess und charakterisiert einen spezifischen zwischenmenschlichen Vorgang, der die Grundlage für wirksames Handeln schafft.</p>
<p>Die Kommunikationswissenschaft, hier vor allem die Essener Ausrichtung, hebt sich von den übrigen ab, indem diese die Prozesse kommunikativer, d. h. zeichenvermittelter Interaktionen so zu analysieren und beschreiben versucht, dass sowohl materielle als auch immaterielle Vorgänge und Leistungen menschlicher zeichenvermittelter Interaktion in die Deutung und Erklärung mit einfließen. Dabei geht die Essener Kommunikationswissenschaft der spezifischen Frage nach der Binnenstruktur kommunikativer Prozesse, dem spezifischen Aufbau des Mitteilungsgeschehens, dem Einsatz kommunikativer Mittel im Verhältnis zu jeweiligen Zwecken und Zielen sowie deren jeweiligem Verhältnis zu Kultur und Gesellschaft nach. Diese Charakteristik setzt sie von simplen Informations- und Medientheorien bzw. Medienwissenschaften und der damit einhergehenden monoperspektivischen Untersuchung materieller, analoger Schlüsse ab und leistet den semiotischen Mehrwert, der bei einer kurzsichtigeren Betrachtungsweise verwehrt bliebe.</p>
<p>In dem Werk kritisieren die Herausgeber den unüberlegten Umgang mit dem Begriff der Kommunikation bzw. Kommunikations- wissenschaft und warnen gleichzeitig davor, aufgrund der Schwierigkeiten einer klaren Begriffsdefinition und –abgrenzung fälschlicherweise die Kommunikationswissenschaft mit informations- und medientheoretischen Untersuchungen gleichzusetzen. Ein fataler Fehler, da diese material-orientierten Disziplinen monokausale Schlüsse ziehen, also von der bloßen Verfügung über materielle Medien auf die inhaltliche immaterielle Ebene schließen.</p>
<p>Die Problematik monokausaler Deutungen und Erklärungen machen die Herausgeber anhand des analogen Schlusses deutlich, in dem von gewaltverherrlichenden Videospielen auf einen zu erwartenden und automatisch darauffolgenden Amoklauf geschlossen wird. Gerade dieser fatale, aber weit verbreitete Umstand zeugt von der enormen Wichtigkeit der kommunikationswissenschaftlichen Interdisziplinarität und ihrer Distanzierung gegenüber fehlgeleiteten monokausalen Deutungen einer reinen Informations- oder Medientheorie. Um gerade solche verengten Blickwinkel um eine perspektivische Analyse zu erweitern, ist eine kommunikationswissenschaftliche  Betrachtungsweise grundlegend, die in der Erkenntnisfindung einen Schritt weiter führt.</p>
<p>Eine der Hauptaufgaben der Kommunikationswissenschaft sehen die beiden Herausgeber darin, Ursachen, die zu einem Wandel von Gewohnheiten führen, zu ermitteln und zu analysieren. In diesem Vorhaben können einfache und fehlgeleitete monokausale Analysen und Deutungen solcher Ereignisse durchaus gefährlich sein.</p>
<p>Der Mensch und die Gesellschaft, in der er lebt, bilden Gewohnheiten aus, die durch einen permanenten Interpretationsprozess charakterisiert sind. Am Beispiel der Dreifach-Katastrophe in und um <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Nuklearkatastrophe_von_Fukushima" target="_blank">Fukushima</a> (Erdbeben, Tsunami und &#8216;Atom Super GAU&#8217;) erläutern sie, wie die Interpretationen eines solchen Ereignisses Gesellschaften bestimmen und verändern. Durch Neu-Interpretationen der aktuellen und akut gewordenen Atomkraftwerksdebatte in Deutschland brachte dieses Ereignis in Fukushima, aber vor allem die anschließende Diskussion und Interpretation der Sachlage das Kartenhaus der Atomenergie in Deutschland zu Fall. Dieses Sammelwerk der Quellströme der Kommunikationswissenschaft zeigt auf, wo die eigentliche Essenz und der hauptsächliche Mehrwert der Kommunikationswissenschaft zu finden sind: in dem interdisziplinären Faktor der verstehenden Erklärung.</p>
<p>Erstmalig wird klar, präzise und prägnant aufgezeigt, wie breit die Teildisziplinen der Kommunikationswissenschaft wirklich gefächert sind. Von der Soziologie und der Sprachwissenschaft über die Medizin und Psychologie bis hin zur Politologie, Geschichte und sogar Ökonomie. Die grundlegendste Eigenschaft eines Kommunikationswissenschaftlers besteht darin, von dem Materiellen zu abstrahieren, im breiten Spektrum den Kommunikationsprozess zu konstituieren, um diesen so umfassend wie möglich zu analysieren und zu deuten, um somit dem Gegenstand eine verstehende Erklärung zuzuführen. Es handelt sich um eine intelligente Auswahl an Texten verschiedener Denker, die die theoretischen Maximen und die fachspezifischen Belange einer kommunikationswissenschaftlich orientierten Forschung verdeutlichen, um die Grundprinzipien der Kommunikationswissenschaft aufzuzeigen und eine fachspezifische Charakteristik zu etablieren.</p>
<p>Die Herausgeber zeigen nicht nur auf, wie facettenreich die Kommunikationswissenschaft in ihrer interdisziplinären Konstitution vorgeht, sondern tragen erheblich zu einem besseren Verständnis, einer gesunden Aufklärung und abgrenzenden Konstatierung der Kommunikationswissenschaft bei, die leider allzu oft missbraucht oder wissenschaftlich in ein informations- und medientheoretisches Korsett geschnürt wird, das einer kommunikationswissenschaftlichen Forschungsmethodik zu eng ist.</p>
<p>Fazit: Ein umfassendes Sammelwerk, das die Quintessenz der Kommunikationswissenschaft vorstellt und die Grundlagen und Besonderheit dieser Wissenschaft klar absteckt. Es ist ein nicht nur für angehende Studenten der Kommunikationswissenschaft lesenswertes Grundlagenbuch. Das Werk ist ein Vorbild für alle wissenschaftlichen Disziplinen, die nicht nur die sichtbar materiellen Artefakte in die Ursachenanalyse und -deutung miteinbeziehen, sondern darüber hinaus das Wesen eines Phänomens oder Gegenstandes in vollem Umfang  untersuchen und erklären wollen, denn die Einsicht und das Verständnis menschlicher Handlungen und Bewusstseinsprozesse ist nicht einfach in Kausalzusammenhänge zu setzen. Das Buch zeigt auf, dass materielle und für dieses Vorhaben obsolet gewordene behavioristische Eins-zu-Eins-Zuschreibungen nicht ausreichen, um menschliches Innenleben und menschliche Wirklichkeitskonstitutionen zu erklären.</p>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.verlag-koenigshausen-neumann.de/product_info.php/info/p7108_Bausteine-der-Kommunikationswissenschaft--Unter-Mitarbeit-von-Jens-Artelt---Inger-Rudolph----38-00.html" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.uni-due.de/kowi/Eschbach.shtml" target="_blank">Webpräsenz von Achim Eschbach an der Universität Duisburg-Essen</a></li>
</ul>
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		<title>Bildtheorien aus Frankreich</title>
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		<pubDate>Fri, 13 Apr 2012 10:17:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sammelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Bildtheorie]]></category>
		<category><![CDATA[Bildwissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Geisteswissenschaften]]></category>
		<category><![CDATA[Iconic Turn]]></category>

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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Jonas Zipf</em>

<img class="alignnone  wp-image-8425" style="border: 1px solid black;" title="Bildtheorien aus Frk_Anthologie" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2012/02/Bildtheorien-aus-Frk_Anthologie.jpg" alt="" width="160" height="225" />Bildwissenschaft oder Visual Studies? Teilbereich der Kunstgeschichte oder Ausweitung des Bildbegriffs? Digitale Revolution und mediale Bilderflut sind die Gegenstände des Basler interdisziplinären Nationalen Forschungsschwerpunkts Bildkritik (NFS) <a href="http://www.eikones.ch/eikones/kurzvorstellung.html" target="_blank">eikones</a>. Wie immer beginnt die Suche mit der Frage nach der zugrunde liegenden Methodik: Was ist, was kann 'Bildkritik' bzw. 'Bildwissen-schaft'? Der im letzten Jahr erschienene Doppelband <em>Bildtheorien aus Frankreich</em> wagt einen unsystematischen Seiten- blick. Die Herausgeber Emmanuel Alloa, Kathrin Busch und Iris Därmann verfolgen eine zentrale These: Mit dem Blick auf französische Theorien und Texte zum Thema Bild- wissenschaft könnte der 'Iconic Turn' auch im deutschsprachigen Raum neu bewertet werden – und somit entweder eine nach- trägliche historische Legitimation erfahren oder als modischer 'Turn'-Ismus entlarvt werden. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/8422">[Mehr]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Jonas Zipf</em></p>
<p><img class="alignnone  wp-image-8425" style="border: 1px solid black;" title="Bildtheorien aus Frk_Anthologie" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2012/02/Bildtheorien-aus-Frk_Anthologie.jpg" alt="" width="160" height="225" />Bildwissenschaft oder Visual Studies? Teilbereich der Kunstgeschichte oder Ausweitung des Bildbegriffs? Digitale Revolution und mediale Bilderflut sind die Gegenstände des Basler interdisziplinären Nationalen Forschungsschwerpunkts Bildkritik (NFS) <a href="http://www.eikones.ch/eikones/kurzvorstellung.html" target="_blank">eikones</a>. Wie immer beginnt die Suche mit der Frage nach der zugrunde liegenden Methodik: Was ist, was kann &#8216;Bildkritik&#8217; bzw. &#8216;Bildwissen-schaft&#8217;? Der im letzten Jahr erschienene Doppelband <em>Bildtheorien aus Frankreich</em> wagt einen unsystematischen Seiten- blick. Die Herausgeber Emmanuel Alloa, Kathrin Busch und Iris Därmann verfolgen eine zentrale These: Mit dem Blick auf französische Theorien und Texte zum Thema Bild- wissenschaft könnte der &#8216;Iconic Turn&#8217; auch im deutschsprachigen Raum neu bewertet werden – und somit entweder eine nach- trägliche historische Legitimation erfahren oder als modischer &#8216;Turn&#8217;-Ismus entlarvt werden.</p>
<p>Entsprechend nimmt Emmanuel Alloa in seinem Vorwort zunächst Bezug auf die deutschsprachige Diskussion des Iconic Turn der 1990er Jahre. Allzu leichtfertig erscheint die junge Disziplin der Bildwissenschaft unter das Dach der Kunstgeschichte gesteckt worden zu sein. Dabei lohne sich der genaue Blick auf die ideengeschichtliche Tradition eines <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Aby_Warburg" target="_blank">Aby Warburg</a> oder <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Erwin_Panofsky" target="_blank">Erwin Panofsky</a>: Hatten nicht auch sie längst erkannt, wie wichtig eine Öffnung des Bildbegriffs weg vom kunsthistorischen Diskurs hin zu einer phänomenologischen und ästhetologischen Praxis ist?</p>
<p>Das Unternehmen des vorliegenden Doppelbandes ist also kein kleineres als der Versuch, den theoretischen Umgang der französischen Geisteswissenschaft mit dem Thema Bild in seiner Entwicklung von Henri Bergson bis zu Jacques Derrida nachzu- zeichnen und somit der deutschsprachigen Tradition gegenüber- zustellen. Dieses große Ganze avisieren die Herausgeber mit einer Teilung in zwei Bände: in eine <em>Anthologie</em> – der assoziativen Versammlung von zwölf bildtheoretischen Texten – und ein <em>Handbuch</em> – der Übersichtsdarstellung und kurzen Darstellung der als relevant empfundenen 33 Autoren.</p>
<p>Fernab der Möglichkeit, sämtliche Texte im Einzelnen besprechen zu können, werden hier zunächst die Grundzüge der beiden Bände und schließlich einzelne Text-Beispiele beschrieben:</p>
<p>Den ersten Band, die Anthologie, will Emmanuel Alloa als &#8220;archäologische Vorarbeit&#8221; zum zweiten, der Übersichtsdarstellung der einzelnen Theoretiker, verstanden wissen. Im Großen und Ganzen gelingt es ihm, das paradoxe Verhältnis verschiedener französischer Theorie-Größen des 20. Jahrhunderts zum Bild-Thema aufzuzeigen: Die meisten der versammelten Autoren stammen aus strukturalistischen und post-strukturalistischen Diskursen. Ihre grundlegende Bewertung von Bildern als sich affirmativ vor die Gegenstände stellende Re-Präsentationen führt zu einer Bildkritik, die paradoxerweise selbst die Bilder am besten beschreibt, und zwar als eine Art eigendynamische Diskursivität. Die Bild-Affinität einzelner französischer Theroretiker wie <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Georges_Didi-Huberman" target="_blank">Georges Didi-Huberman</a>, <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Julia_Kristeva" target="_blank">Julia Kristeva</a> oder <a href="http://www.egs.edu/faculty/paul-virilio/biography/" target="_blank">Paul Virilio</a> ist nicht zuletzt aufgrund ihrer Tätigkeit als Ausstellungskuratoren oder ihrer intensiven Bezug- nahme (Valery/Degas, Merleau-Ponty/Cezanne, Deleuze/ Bacon) hinlänglich bekannt. Besonders beeindruckend und verblüffend wird Emmanuel Alloas Textauswahl bei Theoretikern, denen man bisher eher eine Sprachfixierung zugeschrieben hatte: So wird hier beispielsweise ein so bisher noch nie veröffentlichter Ausschnitt aus Jean-Francois Lyotards <em>Discours, figure</em> vorgestellt, oder eine Mitschrift eines der letzten Vorträge von Jacques Derrida in einen neuen Kontext gerückt.</p>
<p>Gerade am Beispiel Derridas sieht man, wie ungewöhnlich Alloas Zusammenstellung funktioniert: In <em>Denken, nicht zu sehen</em> überträgt er einen seiner zentralen Gedanken – den der Blindheit von Schrift und Laut für das Ausgesagte – mit dem Wahrneh- mungsvorgang beim Betrachten eines Bildes. Wo der der Betrachter nichts sieht, beginnt seine konstruktive Wahrnehmung, die &#8220;transzendentale Blindheit&#8221;. Mit einem Mal wird Derrida zu einem Phänomenologen husserlscher Bedingung: Im Lidschlag des Augenblicks, dem zwischenzeitlichen Schließen der Augen, liegt die eigentliche Sicht des Betrachters. Ein erstaunlicher Text.</p>
<p>Ein weiteres überraschendes Beispiel gibt Gilles Deleuze. Der 1969 zunächst als Appendix zur <em>Logik des Sinns</em> veröffentliche Text &#8220;Platon und das Trugbild&#8221; gewinnt im weiteren Schaffen von Deleuze eine zentrale Bedeutung. Deluze kritisiert Platons onto- logisches Dreistufenmodell, seine Ideenlehre von Ur- und Abbild. Im Verlauf jeder Geschichte mischen sich perfekte simulierte Trugbilder unter die Abbilder, so dass Ur- bzw. Vor-, Ab- und Trugbilder ununterscheidbar werden. Alloas Verdienst besteht darin, diesen Text als biografischen Wendepunkt und grundlegende Prämisse für das weitere Denken von Deleuze zu verdeutlichen: Von diesem Zeitpunkt an wird es Deleuze zunehmend gelingen, seine philosophisch-ästhetischen Standpunkte mit seiner Tätigkeit als Filmkritiker zu vereinen.</p>
<p>Alloas Auswahl verfährt in der Tat &#8216;archäologisch&#8217;: Sie bemüht sich um die Zurschaustellung von Fundstücken, die Ausgrabung unbekannter Texte und Kontexte. So überzeugend die unkon- ventionelle Auswahl Alloas ist, so sehr sie den Leser zu einer Entdeckungsreise durch die französische Bildtheorie anspornt, so sehr zielt sie allerdings an dem selbst gesteckten Anspruch einer Neuverortung der Bildwissenschaften anhand der französischen Tradition vorbei. Die vorliegende Darstellung kann natürlich niemals erschöpfend und umfassend sein, und doch vermisst man in der Zusammenstellung einen roten Faden, die Möglichkeit einer impliziten These zur Frage nach der (geistes-)wissenschaftlichen Bedeutung des Iconic Turn.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-8426" style="border: 1px solid black;" title="Bildtheorien aus Frk_Handbuch" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2012/02/Bildtheorien-aus-Frk_Handbuch.jpg" alt="" width="160" height="222" />Besonders deutlich wird dieses Miss- verhältnis angesichts des Untertitels des zweiten Bands. Von einem &#8220;Handbuch&#8221; kann keine Rede sein. Hierfür fehlen schlechterdings mehrere kontextuali- sierende editorische Mittel: das Vorwort beschränkt sich mehr auf einen An-, als auf einen Abriss; ein Fazit, einen Appendix oder ein Nachwort gibt es ebenso wenig wie ein Register zentraler theoretischer Begriffe. Die pragmati- sierende Handreichung des Bandes besteht vielmehr in seinen knappen und einfachen Darstellungen der wesentlichen bildtheoretischen Autoren. Nicht zuletzt aufgrund der alphabetischen Reihung wirkt er allerdings wie ein Biografien-Sammelwerk, ein &#8216;Who is who&#8217; der französischen Bildtheorie.</p>
<p>An der Auswahl der dargestellten Theoretiker kann es keinen Zweifel geben: Hier ist alles versammelt, was im selbst gesteckten Kontext Rang und Namen hat. Die große Leistung dieses zweiten Bandes besteht in seiner übersichtlichen Darstellung äußerst komplexer Theorien, der zugehörigen Biografien und Literatur in der Knappheit und Kürze von oft nicht mehr als 10 Seiten. Im Kontext der Bildtheorie ist diese Zusammenstellung neu und bisher einmalig: Sie gelingt vor allem aufgrund der spektakulären Auswahl der portraitierenden Autoren: von Michaela Ott bis zu Stephan Günzel. Auch auf dieser Ebene liest sich der Band als &#8216;Who is who&#8217;.</p>
<p>Fazit: Sowohl die überraschende Zusammenstellung der Texte im ersten als auch die Übersicht über bildwissenschaftliche Theorien im zweiten Band gelingen und überzeugen. Insgesamt lässt sich sagen, dass die beiden Bände einige substantielle Impulse in die Debatte um die disziplinatorische Verortung der jungen Bildwissen- schaft im deutschsprachigen Raum, aber auch in Frankreich schicken dürften. Der selbst gesteckte Anspruch einer Richtungs- weisung zur Neubewertung des Iconic Turn geht zwar nicht immer ganz auf. Einen oder mehrere gedankliche Anstöße vor dem Einschlagen dieses Weges liefern Alloa, Busch und Därmann aber allemal.</p>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.fink.de/katalog/titel/978-3-7705-5014-2.html?tx_mbooks[department]=14&amp;cHash=061d8fe4b0" target="_blank">Verlagsinformationen zu <em>Bildtheorien aus Frankreich. Eine Anthologie</em> </a></li>
<li><a href="http://www.fink.de/katalog/titel/978-3-7705-5013-5.html?tx_mbooks[department]=14&amp;cHash=4015101068" target="_blank">Verlagsinformationen zu <em>Bildtheorien aus Frankreich. Ein Handbuch</em></a></li>
<li><a href="http://www.theaterhaus-jena.de/jonas-zipf/" target="_blank">Webpräsenz von Jonas Zipf am Theaterhaus Jena</a></li>
</ul>
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