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Diana Marossek: Kommst du Bahnhof oder hast du Auto?

Rezensiert von Jana Häussler

Einzelrezension
Sprachpflegern und selbst ernannten Hütern unserer Kulturnation sind Sätze wie Kommst du Bahnhof oder hast du Auto? ein Gräuel. Die Soziolinguistin Diana Marossek räumt in ihrem gleichnamigen Buch, das auf ihrer Dissertation beruht, mit dem verbreiteten Missverständnis auf, solche Sätze seien Ausdruck mangelnder Sprachkompetenz. Kiezdeutsch oder, wie Marossek es nennt, Kurzdeutsch ist eine Variante des Deutschen, die längst nicht mehr nur von Jugendlichen mit Migrationshintergrund und Deutsch als Zweitsprache gesprochen wird und auch als rituelle Beschimpfung Anwendung findet. Diese Phänomene und ihre weite Verbreitung belegt Marossek in einer umfangreichen Feldstudie, bei der sie als Referendarin getarnt Jugendliche an 30 Berliner Schulen in ihrem alltäglichen Sprachverhalten beobachtet hat. Mehr

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Martina Thiele: Medien und Stereotype

Rezensiert von Wolfgang R. Langenbucher

Einzelrezension
Zu Stereotypen allgemein und ihren Funktionen in den Medien liegen Forschungsergebnisse aus einer langen wissenschaftlichen Kontinuität vor, die nach Synthesen, Metaanalysen und systematischer Identifikation verbleibender Forschungslücken rufen. Diesen Anspruch realisiert Martina Thiele in ihrer umfangreichen Monographie Medien und Stereotype. Sie klärt Begriffe und Theorien, arbeitet die Geschichte des Forschungsfeldes auf und liefert Analysen zu Stereotypen aus den Bereichen Nationen und Ethnien, Religionen, Geschlechter, Alter und Berufe. Dabei widmet sich die Autorin, die im Fachbereich Kommunikationswissenschaft der Universität Salzburg tätig ist, auch der Frage, ob Stereotype nicht doch ein ,Körnchen Wahrheit’ enthalten und was dies für eine journalistische Berichterstattung bedeutet, die ohne Stereotype kaum auskommt. Mehr

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Stephan Braese: Eine europäische Sprache

Rezensiert von Ulrike Haß

Einzelrezension
Spätestens am Ende des 18. Jahrhunderts begannen die in den deutschen Kleinstaaten lebenden Juden sich außer einer regionalen Spielart des Jiddischen, neben dem Hebräischen und weiteren Sprachen wie Polnisch, Französisch usw. der sich soeben entwickelnden überregionalen deutschen Standardsprache zu bedienen und sie auf diese Weise allererst mit zu konstituieren. Thema des zwischen Sprach- und Literaturwissenschaft angesiedelten Buches ist die Art und Weise sowie die Reflexion und Haltung, mit der einige bedeutende Repräsentanten der ‘deutschen’ Juden diesen Sprachwechsel bzw. diese Mehrsprachigkeit kulturell umsetzten. Umsetzung und Performanz nennt der Autor zu Recht “deutsche Sprachkultur von Juden”. Deutsche Sprachkultur, weil es um die deutsche Sprache geht, die erst im langen 19. Jahrhundert ihre Entwicklung aus einer Vielzahl lokaler und regionaler Dialekte zu einer letztere überdachenden, überregionalen und (ansatzweise) normierten Sprache vollzog. An dieser Entwicklung mit ihrem spezifischen Resultat, der deutschen National-, Literatur- oder Kultursprache (die Bezeichnungen sind keineswegs fest und drücken komplexe Ideologien aus), haben viele Faktoren Anteil. Mehr

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