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	<title>rezensionen:kommunikation:medien &#187; Sprache</title>
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	<description>Rezensionen aus den Bereich Kommunikation und Medien</description>
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		<title>Christian Wirrwitz: Kernbedeutung und Verstehen</title>
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		<pubDate>Tue, 22 Jun 2010 08:53:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Tim Loppe</em>

<em><span style="font-style: normal;"><a href="http://www.rkm-journal.de/archives/3198"><img class="alignleft size-full wp-image-3198" title="Wirrwitz2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2010/06/Wirrwitz2009.jpg" alt="" width="160" height="241" /></a>Die menschliche Kommunikation ist für die Philosophie seit jeher ein Faszinosum: Worin liegt die Bedeutung eines Ausdrucks? Was heißt es, eine Äußerung zu verstehen? Und unter welchen Bedingungen kommt dieses Verstehen zustande? Mit seiner Dissertation <em>Kernbedeutung und Verstehen</em> setzt Christian Wirrwitz die schier endlose Reihe an Auseinandersetzungen mit den Kernbegriffen der Sprachphilosophie fort. Dass seine Arbeit einige der stark verzweigten Diskussionen auf diesem Gebiet bereichern kann, hat mehrere Gründe: Erstens ist sie sehr gut durchdacht, zweitens klar strukturiert und drittens – dies ist ebenfalls keine geringe Leistung – verständlich geschrieben.</span></em> <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/3196">[Mehr]</a>


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</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Tim Loppe</em></p>
<p><em><span style="font-style: normal;"><a href="http://www.rkm-journal.de/archives/3198"><img class="alignleft size-full wp-image-3198" title="Wirrwitz2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2010/06/Wirrwitz2009.jpg" alt="" width="160" height="241" /></a>Die menschliche Kommunikation ist für die Philosophie seit jeher ein Faszinosum: Worin liegt die Bedeutung eines Ausdrucks? Was heißt es, eine Äußerung zu verstehen? Und unter welchen Bedingungen kommt dieses Verstehen zustande? Mit seiner Dissertation <em>Kernbedeutung und Verstehen</em> setzt Christian Wirrwitz die schier endlose Reihe an Auseinandersetzungen mit den Kernbegriffen der Sprachphilosophie fort. Dass seine Arbeit einige der stark verzweigten Diskussionen auf diesem Gebiet bereichern kann, hat mehrere Gründe: Erstens ist sie sehr gut durchdacht, zweitens klar strukturiert und drittens – dies ist ebenfalls keine geringe Leistung – verständlich geschrieben.</span></em></p>
<p>Den Ausgangspunkt seiner Überlegungen bezeichnet der Autor als das &#8220;Verstehensproblem&#8221;. Beobachtungen alltäglicher Kommunikation zeigten demnach, dass wir die Bedeutung vieler Ausdrücke, die in normalen, flüssigen Gesprächen verwendet werden, nicht genau kennen. Diese Intuition ist allerdings inkompatibel mit den Annahmen, dass eine flüssige Kommunikation ohne Verstehen sowie ein Verstehen von Ausdrücken ohne die Kenntnis von deren Bedeutung nicht möglich sind. Da Wirrwitz diese beiden Annahmen akzeptiert, bleibt ihm zur Auflösung des Widerspruchs nur ein Ausweg: Er muss zeigen, dass wir entgegen der genannten Intuition die Bedeutung von Ausdrücken in der alltäglichen Kommunikation kennen.</p>
<p>Um dies zu leisten, führt Wirrwitz die Unterscheidung von <em>vollständiger Bedeutung</em> und <em>Kernbedeutung</em> ein. Vollständige Bedeutung definiert er wie folgt: &#8220;Die Bedeutung eines Ausdrucks ist von allen Meinungen des Sprechers abhängig, die zusammen die notwendigen und hinreichenden Bedingungen für die Anwendung des Ausdrucks erfassen.&#8221; (85) Die These lautet nun: Wird der Begriff der vollständigen Bedeutung zugrundegelegt, ist an der Intuition nicht zu rütteln. Der Widerspruch wird also nicht aufgelöst. In diesem Sinne scheitern laut Wirrwitz die geläufigen Sprachtheorien, die allesamt der vollständigen Bedeutung verhaftet seien, am Verstehensproblem.</p>
<p>Die Lösung des Verstehensproblems verspricht der Begriff der Kernbedeutung. Mit Leben füllt Wirrwitz diesen Begriff durch die Prototypentheorie in ihrer klassischen Version sowie durch den von Hilary Putnam in <em>The meaning of &#8220;meaning&#8221;</em> geprägten Stereotypenbegriff (vgl. Putnam 1975). In den meisten Fällen besteht die Kernbedeutung eines Ausdrucks aus dem Prototyp sowie einer Reihe von Stereotypen, die auf diesen Prototyp Bezug nehmen. Je nach Funktionsweise eines Ausdrucks kann dessen Kernbedeutung aber auch auf einige Stereotypen reduziert sein. Während Wirrwitz den Prototypen auf der Ebene der Extension ansiedelt, rückt er Stereotypen in die Nähe der Intension. Unter Stereotypen versteht er &#8220;diejenigen Aussagen einer Menge von Aussagen über einen Gegenstand, die für typisch oder charakteristisch gehalten werden.&#8221; (135) Im Extremfall kann also ein Stereotyp mit der Definition des Ausdrucks zusammenfallen.</p>
<p>In der Hinführung geht Wirrwitz außerordentlich akribisch vor. Breiten Raum nimmt die Entwicklung einer Typologie der unterschiedlichen Funktionen von Ausdrücken ein. Und auch der Frage, ob die vollständige Bedeutung in der Kommunikation zugänglich ist, wird ausführlich nachgegangen. Beiden Themenbereichen ist jeweils ein Kapitel gewidmet. Auch wenn dies absolut angemessen ist: Verglichen mit diesen detaillierten und sehr sorgfältigen Vorarbeiten fällt die Auseinandersetzung mit der Prototypentheorie im dritten Kapitel relativ knapp aus. Das ist schade, schließlich sieht Wirrwitz im Rückgriff auf die Prototypentheorie, die &#8220;innerhalb der Sprachphilosophie vernachlässigt&#8221; (11) werde, das kreative Moment seiner Arbeit.</p>
<p>Besonders deutlich wird dieses Versäumnis, wenn es um die Definition des Prototypen geht. Denn laut Wirrwitz sind Prototypen &#8220;als typische Exemplare notwendigerweise Bestandteile der Extension.&#8221; (137) In dieser Ansicht offenbart sich ein Verständnis der Prototypentheorie, das geprägt ist von den ersten Thesen Eleanor Roschs zum zentralen Status des Prototypen Mitte der 1970er Jahre. Mittlerweile wurden diese Thesen jedoch einer grundlegenden Revision unterzogen, weder in der linguistischen Semantik noch in der kognitiven Psychologie werden sie heutzutage in vollem Umfang vertreten. Zentrale Arbeiten zur revidierten Fassung der Prototypentheorie – beispielsweise von George Lakoff – erwähnt Wirrwitz zwar vereinzelt. Eine Erklärung dazu, warum er deren Argumente und Einsichten unberücksichtigt lässt, fehlt jedoch.</p>
<p>Dieser Schwäche zum Trotz kann <em>Kernbedeutung und Verstehen</em> als gelungener Beitrag zur semantischen Grundlagendiskussion betrachtet werden. Von einer klaren Problemstellung ausgehend, entwickelt Wirrwitz sein Konzept der Kernbedeutung in kleinen und klar definierten Schritten. Im direkten Anschluss an die Vorstellung seiner zentralen Gedanken zeigt er im dritten Kapitel auf, dass sich mithilfe des Begriffs der Kernbedeutung der im Verstehensproblem formulierte Widerspruch auflösen lässt: Zwar kennen wir nicht die vollständige Bedeutung der in der alltäglichen Kommunikation verwendeten Ausdrücke, ihre Kernbedeutung ist uns jedoch zugänglich. Das vierte Kapitel richtet noch einmal den Blick nach hinten: Die Erkenntnis des zweiten Kapitels, dass alle dem Begriff der vollständigen Bedeutung verbundenen Theorien am Verstehensproblem scheitern, wird hier am Beispiel wahrheitsfunktionaler Semantiken sowie kontextualistischer Sprachkonzeptionen überprüft. Im fünften und letzten Kapitel reißt Wirrwitz die Konsequenzen seiner Gedanken für die Sprachphilosophie sowie offene Fragen an. Diesbezüglich hält er fest, dass die Kenntnis der Kernbedeutung zum Verstehen einer Äußerung zwar notwenig, in manchen Fällen aber nicht hinreichend ist.</p>
<p>Welche Impulse von <em>Kernbedeutung und Verstehen</em> ausgehen werden, bleibt abzuwarten. Es ist zu hoffen, dass entgegen der Einschätzung von Wirrwitz die Mehrheit der Sprachphilosophen die Prototypentheorie bereits vor Erscheinen dieses Buchs zur Kenntnis genommen hat. In jedem Fall jedoch stellt <em>Kernbedeutung und Verstehen</em> neue Bezugspunkte zwischen kognitivistischen und wahrheitsfunktionalen Sprach- und Bedeutungstheorien her.</p>
<p><em>Literatur</em>:</p>
<ul>
<li>Putnam, H.: &#8220;The Meaning of &#8216;Meaning&#8217;&#8221;. In: Ders.: <em>Mind, Language, and Reality.</em> <em>Philosophical Papers, Vol. 2.</em> Cambridge [Cambridge University Press] 1975, S. 215-271.</li>
</ul>
<p><em>Links</em>:</p>
<ul>
<li><a href="http://www.mentis.de/index.php?id=00000034&amp;article_id=00000028&amp;category=&amp;author_id=00000441&amp;key=wirrwitz" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
</ul>


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		<title>Marcel Danesi; Andrea Rocci: Global Linguistics</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/2521</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/2521#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 14 May 2010 11:48:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Anna Osterhus</em>

<a href="http://www.rkm-journal.de/archives/2521"><img class="alignleft size-full wp-image-2521" title="Danesi&#38;Rocci" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2010/03/DanesiRocci2.jpg" alt="" width="160" height="236" /></a>"Global Village", "Global Language", "Global Koiné","Global Linguistics" – Der kürzlich bei Mouton de Gruyter in der Reihe "Approaches to Applied Semiotics" erschienene Band geizt nicht mit weitreichenden Begriffen. So beginnt auch der im Vorwort als Einführungslektüre vor allem für Studierende und den universitären Basisunterricht vorgestellte Band mit keinem geringeren Thema als der Entstehung und Entwicklung des <em>homo sapiens</em>. Kommunikation und Sprache werden beinahe überdeutlich als wesentliche Entwicklungsmerkmale des Menschen "as a species dependent on culture (and not just nature)" eingeführt und sogleich mit der für das Buch zentralen Vorstellung eines durch Massentechnologien ermöglichten <em>Global Village</em> – sprachlich geprägt durch die <em>Global Koiné</em> Englisch – verbunden. Die Etablierung des neuen Forschungsbereichs <em>Global Linguistics</em> als das erklärte Ziel der Autoren droht vor allem anfänglich zu einem Mammutprojekt anzuwachsen, dem ein knapp 270 Seiten umfassender Band nicht gerecht zu werden scheint. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/2521">[Mehr]</a>


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			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Anna Osterhus</em></p>
<p><a href="http://www.rkm-journal.de/archives/2521"><img class="alignleft size-full wp-image-2521" title="Danesi&amp;Rocci" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2010/03/DanesiRocci2.jpg" alt="" width="160" height="236" /></a>&#8220;Global Village&#8221;, &#8220;Global Language&#8221;, &#8220;Global Koiné&#8221;,&#8221;Global Linguistics&#8221; – Der kürzlich bei Mouton de Gruyter in der Reihe &#8220;Approaches to Applied Semiotics&#8221; erschienene Band geizt nicht mit weitreichenden Begriffen. So beginnt auch der im Vorwort als Einführungslektüre vor allem für Studierende und den universitären Basisunterricht vorgestellte Band mit keinem geringeren Thema als der Entstehung und Entwicklung des <em>homo sapiens</em> (1). Kommunikation und Sprache werden beinahe überdeutlich als wesentliche Entwicklungsmerkmale des Menschen &#8220;as a species dependent on culture (and not just nature)&#8221; (ebd.) eingeführt und sogleich mit der für das Buch zentralen Vorstellung eines durch Massentechnologien ermöglichten <em>Global Village</em> – sprachlich geprägt durch die <em>Global Koiné</em> Englisch – verbunden. Die Etablierung des neuen Forschungsbereichs <em>Global Linguistics</em> als das erklärte Ziel der Autoren droht vor allem anfänglich zu einem Mammutprojekt anzuwachsen, dem ein knapp 270 Seiten umfassender Band nicht gerecht zu werden scheint.</p>
<p>Dieser erste Eindruck wird jedoch mit weitergehender Lektüre relativiert. In präziser Strukturierung bearbeiten die Autoren die anfangs aufgetürmten Begriffsbereiche, wobei sie – einem Lehrbuch durchaus gemäß – die Kapitel jeweils in eine allgemeine Einführung sowie in darauf folgende Unterpunkte gliedern. Der neu zu etablierende Forschungsbereich <em>Global Linguistics</em> wird dabei unter dem Hauptbezugs- und Interessensschwerpunkt der interkulturellen Kommunikation in eine pragmatische und eine logisch-semantische Dimension differenziert (8), die sich wiederum in verschiedene linguistische Analysebereiche aufgliedert. Zentral ist für die Autoren die Analyse von Interferenzschemata, deren Phänomene interkulturelle Kommunikationssituationen wesentlich prägen (41).</p>
<p>Theoretische Grundverankerung findet der gesamte Band vor allem in den Studien Benjamin L. Whorfs und Edward Sapirs zum Sprachrelativismus sowie in Hans Boas&#8217; Studien zur Relativität der Kulturen, vor deren Hintergrund die anderen Ansätze diskutiert werden. Als Analyseobjekte wählen die Autoren Situationen des Sprachgebrauchs zwischen Sprechern verschiedener Sprachen im internationalen Kontakt, die sich der so genannten <em>Global Koiné</em> (hauptsächlich Englisch) bedienen. Dabei gehen sie mit Bezug auf Wittgenstein (&#8220;Die Welt ist alles, was der Fall ist&#8221;, Wittgenstein 1963: 9) von der Existenz eines so genannten <em>Common</em> <em>Ground</em> (vgl. Stalnacker 1973/2001 u. a.) sowohl in kommunikativer als auch in kultureller Hinsicht aus (Kapitel 2 und 3).</p>
<p>Kapitel 2 (&#8220;Speech&#8221;) befasst sich hauptsächlich unter semantischen Gesichtspunkten mit der Frage nach der Funktionsweise von Dialogen und den so genannten kognitiven Grundstrukturen wie beispielsweise &#8220;knowledge of grammar, of discourse strategies [...], of word meanings and connotation [...], [...] cultural shaped metaphors&#8221; (124) usw. Unter den Gesichtspunkten &#8220;Human communication&#8221;, &#8220;Action and its representation in language&#8221;, &#8220;Interaction and verbal communication&#8221; in Kapitel 3 (&#8220;Communication&#8221;) wird dann der pragmatische Aspekt unter Einbeziehung verschiedener kommunikationswissenschaftlicher Interaktionstheorien weiter beleuchtet.</p>
<p>Kapitel 4 (&#8220;Culture&#8221;) und Kapitel 5 (&#8220;Argumentation&#8221;) skizzieren mit starkem Bezug auf die vorhergehenden Kapitel sowohl Kulturkonzepte als auch Argumentationsschemata, die in der interkulturellen Kommunikation eine wesentliche Rolle spielen. Das Abschlusskapitel &#8220;Global Linguistics&#8221; schließt dann überzeugend die Erläuterungen ab, wobei noch einmal eingehend die zentralen Konzepte Boas&#8217;, Whorfs und Sapirs im Zusammenhang erläutert werden. Nicht zuletzt wird hier auch noch einmal der Fokus auf die Rolle des Forschungsbereichs gelegt: <em>Global Linguistics</em> &#8220;shows that diversity is the norm, but that diversity only reflects differentiated attempts to solve similar problems across the world.&#8221; (249)</p>
<p>Trotz der anfänglich aufscheinenden Startschwierigkeiten ist es den Autoren gelungen, ihr Ziel – nämlich den Anstoß zur Etablierung eines Forschungsbereichs <em>Global Linguistics </em>– mehr als zu erreichen. Die Autoren beschreiben nicht nur grundlegende Phänomene im Bereich der interkulturellen Kommunikation, sondern bieten eine gute Einführung in wichtige linguistische Theorien, die sowohl für Linguisten als auch für Kommunikationswissenschaftler eine wesentliche Grundlage ihres Studiums darstellen sollten. Dabei eignet sich der Band insbesondere durch die gute Strukturierung der Kapitel nicht nur hervorragend für den universitären Unterricht, sondern auch für das Selbststudium.</p>
<p><em>Literatur</em>:</p>
<ul>
<li>Stalnaker, R.: &#8220;Presuppositions.&#8221; In: <em>Journal of Philosophical Logic</em>, 2 (1973), S. 447-457.</li>
<li>Stalnaker, R.: &#8220;Common Ground.&#8221; In: <em>Linguistic and Philosophy</em>, 25 (2001), S. 701-721.</li>
<li>Wittgenstein, L.: <em>Tractatus logico-philosophicus</em>. Frankfurt am Main [Suhrkamp Verlag] 1963.</li>
</ul>
<p><em>Links</em>:</p>
<ul>
<li><a href="http://www.degruyter.de/cont/fb/sk/detail.cfm?id=IS-9783110214055-1" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.utoronto.ca/semiotics/html/danesi.html" target="_blank">Webpräsenz von Marcel Danesi an der Universität Toronto</a></li>
<li><a href="http://www.usi.ch/en/personal-info.htm?id=341" target="_blank">Webpräsenz von Andrea Rozzi an der Universität Lugano</a></li>
</ul>


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		<title>Søren Kjørup: Semiotik</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/1532</link>
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		<pubDate>Fri, 09 Apr 2010 08:34:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Guido Ipsen</em>

<a href="http://www.rkm-journal.de/archives/1532"><img class="alignleft size-full wp-image-2566" title="Kjörup2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/10/Kjörup2009.jpg" alt="" width="160" height="247" /></a>Die Semiotik als Wissenschaft, Institution und philosophische Tradition verfügt über eine nicht unerhebliche Einführungs- und Übersichtsliteratur. Einige hervorstechende (im Sinne der Bedeutung) wie auch – seltener – hervorragende (im Sinne der Qualität) Werke gehören dazu. Im deutschsprachigen Raum dürfte das <em>Handbuch der Semiotik</em> von Winfried Nöth heute die wichtigste und qualitativ beste Einführung präsentieren. Vor dem Hintergrund der langen Entwicklungs-geschichte der Semiotik erscheint <em>Semiotik</em> von Søren Kjørup. 66 Textseiten, gefolgt von einem Glossar von 60 Begriffen und 30 Titeln Bibliografie sowie einem dreiseitigen Index, machen das Buch aus. Was kann man davon erwarten? <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/1532">[Mehr]</a>


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<li><a href='http://www.rkm-journal.de/archives/1799' rel='bookmark' title='Permanent Link: Thomas Friedrich; Gerhard Schweppenhäuser: Bildsemiotik'>Thomas Friedrich; Gerhard Schweppenhäuser: Bildsemiotik</a></li>
<li><a href='http://www.rkm-journal.de/archives/1835' rel='bookmark' title='Permanent Link: Silvia Seja: Handlungstheorien des Bildes'>Silvia Seja: Handlungstheorien des Bildes</a></li>
</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Guido Ipsen</em></p>
<p><a href="http://www.rkm-journal.de/archives/1532"><img class="alignleft size-full wp-image-2566" title="Kjörup2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/10/Kjörup2009.jpg" alt="" width="160" height="247" /></a>Die Semiotik als Wissenschaft, Institution und philosophische Tradition verfügt über eine nicht unerhebliche Einführungs- und Übersichtsliteratur. Einige hervorstechende (im Sinne der Bedeutung) wie auch – seltener – hervorragende (im Sinne der Qualität) Werke gehören dazu (vgl. Eco 1972). Im deutschsprachigen Raum dürfte das <em>Handbuch der Semiotik</em> von Winfried Nöth (2000) heute die wichtigste und qualitativ beste Einführung präsentieren. Vor dem Hintergrund der langen Entwicklungs-geschichte der Semiotik erscheint <em>Semiotik</em> von Søren Kjørup. 66 Textseiten, gefolgt von einem Glossar von 60 Begriffen und 30 Titeln Bibliografie sowie einem dreiseitigen Index, machen das Buch aus. Was kann man davon erwarten?</p>
<p>Nicht viel. Der Verlag hätte das Buch anders benennen oder aber mehrere Bände konzipieren sollen. Außerdem hätte das Buch in der gegebenen Kürze inhaltlich vollständig anders aufgebaut werden müssen. Die Tatsache, dass es sich um eine Übersetzung aus dem Dänischen handelt (das Original erschien 2002), bietet dafür keine Entschuldigung. Generalisierungen, Verkürzungen, ein Verbiegen von Theorien und nicht zuletzt die fast ausschließliche Orientierung am strukturalistischen Paradigma sorgen für eine Serie von Schwächen, die für das Semiotikverständnis des mit der Thematik unvertrauten Lesers erhebliche Konsequenzen haben dürften.</p>
<p>Das Buch gliedert sich in ein einleitendes Kapitel (7-10), danach kommt der Hauptteil (11-66), der sich nicht etwa in Betrachtungen der Zeichentheorie und der Protagonisten der Semiotik gliedert, sondern in die Unterkapitel &#8220;Sprache&#8221;, &#8220;Sprachliche Systeme&#8221;, &#8220;Spuren und Dinge&#8221; sowie &#8220;Bilder&#8221;. Ein kurzer vergleichender Blick in das <em>Handbuch der Semiotik</em> reicht, um darüber aufzuklären, dass es sich bei <em>Semiotik</em> nicht um einen adäquaten Überblick handelt. Im Hinblick auf die Tatsache, dass sich der eine Einführung wünschende Leser natürlicherweise durch Inhaltsverzeichnis und Gliederung bereits thematisch orientiert, ist es grob fahrlässig, lediglich &#8220;Sprache&#8221; und &#8220;Bilder&#8221; als aussagekräftige Topoi in den Vordergrund zu stellen. Selbstverständlich kann von einer Miniübersicht nicht erwartet werden, dass sie einen so profunden Einblick gewährt wie das Handbuch von Nöth. Allerdings sollte sich auch eine kurze Einführung am Wesentlichen orientieren und nicht bereits beim Einstieg Teilbereiche als Fundamente darstellen. Das grenzt an Irreführung des Lesers – Semiotik ist mehr und kann mehr, als Kjørups Buch zu zeigen verspricht.</p>
<p>Bei inhaltlichen Aussagen verwundert Kjørup fortwährend. Um einige Beispiele zu nennen: Nein, der Begriff &#8220;Semiotik&#8221; wurde nicht &#8220;von […] John Locke […] eingeführt&#8221; (7; vgl. dazu Deely 2004), die Semiotik teilt Zeichen nicht in &#8220;zwei Arten&#8221; ein, nämlich &#8220;indexikalische&#8221; und &#8220;kommunikative&#8221; (8). Nicht &#8220;alle kommunikativen Zeichen beruhen auf Konvention&#8221; (14), und Peirces Definition des Zeichens &#8220;in Richtung der strukturalistischen oder sprechhandlungsorientierten Auffassungen&#8221; (19) zu deuten, stellt eine grobe Verzerrung dar – abgesehen davon, dass die Sprechakttheorie nicht strukturalistischen Ursprungs ist. Wir haben es also mit doppelter Verkürzung zu tun. Warum sich ein Band mit dem Titel <em>Semiotik</em> sodann exklusiv der Sprache und dem Bild widmen kann, bleibt schleierhaft. Gelegentliche Einsprengsel Peircescher Philosophie (z. B. Abduktion) machen das thematische Manko des Buches nicht wett. Wie im Inhalt, so überzeugt das Buch auch im Anhang nicht. Wesentliche Semiotiker wie Greimas fehlen; hinzu kommt, dass die Literatur vor allem andere einführende Werke umfassen könnte.</p>
<p>Gerade für Studierende ist dieses Buch als Einführung nicht empfehlenswert. Es ist tendenziell, vermittelt nur Ausschnitte und keinen echten Überblick. Obendrein verführt es zur Vervielfältigung verkürzter Aussagen. Von UTB hätte man mehr erwarten können. Es ist dem Verlag zu wünschen, dass er bei einer Neuauflage ein vollständig überarbeitetes Konzept mit einem anderen Autor präsentieren kann.</p>
<p><em>Literatur</em>:</p>
<ul>
<li>Deely, J.: <em>Why Semiotics</em>. Ottawa [Legas] 2004.</li>
<li> Eco, U.: <em>Einführung in die Semiotik</em>. München [Wilhelm Fink Verlag] 1972.</li>
<li> Nöth, W.: <em>Handbuch der Semiotik</em>. Stuttgart [Metzler] 2000.</li>
</ul>
<p><em>Links</em>:</p>
<ul>
<li><a href="http://www.utb-shop.de/details.php?catp=&amp;p_id=97511" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://magenta.ruc.dk/komm/Ansatte/vip/sk/" target="_blank">Webpräsenz von Søren Kjørup an der Universität Roskilde</a></li>
</ul>


<p>Related posts:<ol><li><a href='http://www.rkm-journal.de/archives/3625' rel='bookmark' title='Permanent Link: Winfried Nöth; Peter Seibert: Bilder beSchreiben'>Winfried Nöth; Peter Seibert: Bilder beSchreiben</a></li>
<li><a href='http://www.rkm-journal.de/archives/1799' rel='bookmark' title='Permanent Link: Thomas Friedrich; Gerhard Schweppenhäuser: Bildsemiotik'>Thomas Friedrich; Gerhard Schweppenhäuser: Bildsemiotik</a></li>
<li><a href='http://www.rkm-journal.de/archives/1835' rel='bookmark' title='Permanent Link: Silvia Seja: Handlungstheorien des Bildes'>Silvia Seja: Handlungstheorien des Bildes</a></li>
</ol></p>]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Christoph Moss (Hrsg.): Die Sprache der Wirtschaft</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/1588</link>
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		<pubDate>Wed, 07 Apr 2010 11:30:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einzelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Börsensprache]]></category>
		<category><![CDATA[Corporate Speech]]></category>
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		<category><![CDATA[Unternehmenskommunikation]]></category>
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		<category><![CDATA[Wirtschaftssprache]]></category>

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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Klaus Spachmann</em>

<a href="http://www.rkm-journal.de/archives/1588"><img class="alignleft size-full wp-image-2634" title="JJB1Adloff.u.a._14635-114" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/10/moss2009.jpg" alt="" width="167" height="237" /></a>Welche Sprache spricht die Wirtschaft? Diese Frage ist nicht nur angesichts der aktuellen Diskussion um die Finanz- und Wirtschaftskrise interessant, sondern auch grundsätzlich bedeutsam. Spannende Ansatzpunkte für die Analyse gibt es viele, etwa Wirtschaftssprache als Ausdruck einer bestimmten Denkhaltung, als Mittel der Unternehmens- kommunikation oder als Vehikel beziehungsweise Hindernis gesellschaft- licher Verständigung. Der von Christoph Moss herausgegebene Band greift viele dieser Aspekte auf. Kommunikations-praktiker und Wissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen werfen in elf kurzen Beiträgen Schlaglichter auf das Thema. Dabei sind die Perspektiven der Beiträge so vielfältig wie die biografischen Hintergründe der Autoren. How-to-do-Anweisungen, z. B. zur Sprache der Werbung, finden sich ebenso wie Sprachführer, etwa zur Börsensprache, und theoriegeleitete Erklärungsansätze, beispielweise zur Rolle von Glaubwürdigkeit für die Sprache in Geschäftsberichten. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/1588">[Mehr]</a>


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</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Klaus Spachmann</em></p>
<p><a href="http://www.rkm-journal.de/archives/1588"><img class="alignleft size-full wp-image-2634" title="JJB1Adloff.u.a._14635-114" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/10/moss2009.jpg" alt="" width="167" height="237" /></a>Welche Sprache spricht die Wirtschaft? Diese Frage ist nicht nur angesichts der aktuellen Diskussion um die Finanz- und Wirtschaftskrise interessant, sondern auch grundsätzlich bedeutsam. Spannende Ansatzpunkte für die Analyse gibt es viele, etwa Wirtschaftssprache als Ausdruck einer bestimmten Denkhaltung, als Mittel der Unternehmens- kommunikation oder als Vehikel beziehungsweise Hindernis gesellschaft- licher Verständigung. Der von Christoph Moss herausgegebene Band greift viele dieser Aspekte auf. Kommunikations-praktiker und Wissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen werfen in elf kurzen Beiträgen Schlaglichter auf das Thema. Dabei sind die Perspektiven der Beiträge so vielfältig wie die biografischen Hintergründe der Autoren. How-to-do-Anweisungen, z.B. zur Sprache der Werbung, finden sich ebenso wie Sprachführer, etwa zur Börsensprache, und theoriegeleitete Erklärungsansätze, beispielsweise zur Rolle von Glaubwürdigkeit für die Sprache in Geschäftsberichten.</p>
<p>Dementsprechend breit und allgemein ist das herausgeberische Konzept: Ziel des Sammelbands ist es, Wirtschaftssprache aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und die Vermittlung zwischen &#8220;den manchmal weit entfernten Sphären Ökonomie und Linguistik&#8221; anzustoßen. Auf welche Art und Weise und mit welchen übergeordneten Analysezugängen diese Vermittlung gelingen kann, bleibt dabei weitgehend im Unklaren.</p>
<p>Die Gliederung des Buchs folgt der Unternehmensperspektive, indem der &#8220;Sprache der Unternehmen&#8221; die &#8220;Sprache der Interessengruppen&#8221; gegenübergestellt wird (ein dritter Teil behandelt &#8220;Rahmenbedingungen der Wirtschaftssprache&#8221;). Wirtschaftssprache wird also primär als Herausforderung der Unternehmenskommunikation begriffen, die auf Verständnis und Akzeptanz bei verschiedenen Anspruchsgruppen abzielt. Die sehr heterogenen Perspektiven der Beiträge insbesondere im zweiten Teil – zu den Interessengruppen werden Journalisten, Börsianer und Politiker gezählt – legen noch eine andere Unterscheidung nahe, die im Sammelband nur implizit auftaucht, sich bei der Lektüre aber als fruchtbar erweist: Neben der Sprache <em>der</em> Wirtschaft ist die Sprache <em>über</em> die Wirtschaft entscheidend. Fachsprache und öffentliche Sprache sind sehr verschieden und erfüllen ganz unterschiedliche Funktionen. Was im einen Fall Verständlichkeit und Verständigung innerhalb der Wirtschaft fördert, kann im anderen Fall zu Unverständlichkeit und Missverständnissen führen. Dies zeigt nicht zuletzt die anhaltende öffentliche Diskussion über die gesellschaftliche Rolle der Wirtschaft.</p>
<p>Die spannendsten Beiträge im Sammelband sind dann auch diejenigen, die die öffentliche Sprache über Wirtschaft behandeln. Das gilt etwa für den Meinungsbeitrag des Handelsblatt-Chefredakteurs Bernd Ziesemer, der die tiefe Kluft zwischen Wirtschaftspolitik und Wirtschaftssprache beklagt. Seine mitgelieferte Begründung – Politiker wollten mit der reinen Logik des Marktes nichts zu tun haben – zeigt, dass öffentliche Sprache über Wirtschaft immer auch ein Kampf um Interessendurchsetzung und Deutungshoheit ist. Ein Beispiel für einen in diesem Sinne &#8220;umkämpften&#8221; Begriff liefert Gregor Halff, einer der wenigen Kommunikationswissenschaftler unter den Autoren, in seinem Beitrag zum Umgang mit dem Globalisierungsbegriff. Er analysiert die überwiegend globalisierungskritisch eingestellte und von nicht-ökonomischen Perspektiven durchsetzte öffentliche Meinung. Zudem präsentiert er Ergebnisse einer internationalen Studie, wie Unternehmen über Globalisierung kommunizieren. Auf die an die Öffentlichkeit gerichtete Kommunikation von Unternehmen geht der Beitrag des Kommunikationsberaters Matthias Dezes über die Sprache der PR ein. Er enthält ein Plädoyer für eine klare und authentische Sprache der Unternehmen, die sich von einer weichgespülten und austauschbaren &#8220;Corporate Speech&#8221; abhebt.</p>
<p>Kein Zweifel: Das Buch zeigt, wie fruchtbar es ist, sich mit verschiedenen Aspekten der Sprache der Wirtschaft zu beschäftigen. Die Frage, welche Zielgruppen der Sammelband anspricht, ist angesichts der vielfältigen Perspektiven allerdings nicht einfach zu beantworten. Da die forschungs- und theoriegeleiteten Beiträge auch in Grundlagen einführen, richtet sich der Sammelband wohl vor allem an Kommunikationspraktiker und Fachfremde.</p>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.vs-verlag.de/Buch/978-3-531-16004-7/Die-Sprache-der-Wirtschaft.html" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.christoph-moss.de/" target="_blank">Persönliche Homepage von Christoph Moss</a></li>
<li><a href="https://media.uni-hohenheim.de/69022.html?typo3state=persons&amp;lsfid=519" target="_blank">Webpräsenz von Klaus Spachmann an der Universität Hohenheim</a></li>
</ul>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Anna Hanus: Dialogische Kommunikation in Frage gestellt?</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/1724</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/1724#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 26 Nov 2009 08:50:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einzelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Arthur Schnitzler]]></category>
		<category><![CDATA[Dialogizität]]></category>
		<category><![CDATA[Dialoglinguistik]]></category>
		<category><![CDATA[Germanistik]]></category>
		<category><![CDATA[Linguistik]]></category>
		<category><![CDATA[literarische Dialoge]]></category>
		<category><![CDATA[Literaturwissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>
		<category><![CDATA[Textlinguistik]]></category>
		<category><![CDATA[Thomas Bernhard]]></category>

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		<description><![CDATA[<i>Rezensiert von Simon Meier</i>

<img src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/11/hanus2009-1.JPG" alt="hanus2009-1" title="hanus2009-1" width="162" height="215" class="alignleft size-full wp-image-1738" />Jede Wissenschaft operiert mit Sprache. Für die Linguistik und die Literaturwissenschaft ist Sprache jedoch nicht nur Mittel, sondern auch Gegenstand der Forschung. Trotz dieser grundlegenden Gemeinsamkeit ist das Verhältnis zwischen beiden Disziplinen längst nicht so eng, wie man erwarten könnte. Wolfgang Klein hat es kürzlich treffend beschrieben als "Ehe, in der beide sich auseinandergelebt haben, die – von wenigen Ausnahmen abgesehen – durch bisweilen wohlwollendes, zumeist aber gleichgültiges Nebeneinanderherleben gekennzeichnet ist". Eine dieser Ausnahmen ist die linguistische Auseinandersetzung mit literarischen Dialogen, die zumindest der Zielsetzung nach beide Disziplinen bereichern soll. In diese seit über drei Jahrzehnten lebendige Traditionslinie reiht sich auch die vorliegende Untersuchung ein. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/1724">[Mehr]</a>


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</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Simon Meier</em></p>
<p><img src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/11/hanus2009-1.JPG" alt="hanus2009-1" title="hanus2009-1" width="162" height="215" class="alignleft size-full wp-image-1738" />Jede Wissenschaft operiert mit Sprache. Für die Linguistik und die Literaturwissenschaft ist Sprache jedoch nicht nur Mittel, sondern auch Gegenstand der Forschung. Trotz dieser grundlegenden Gemeinsamkeit ist das Verhältnis zwischen beiden Disziplinen längst nicht so eng, wie man erwarten könnte. Wolfgang Klein hat es kürzlich treffend beschrieben als &#8220;Ehe, in der beide sich auseinandergelebt haben, die – von wenigen Ausnahmen abgesehen – durch bisweilen wohlwollendes, zumeist aber gleichgültiges Nebeneinanderherleben gekennzeichnet ist&#8221; (Klein 2008: 9). Eine dieser Ausnahmen ist die linguistische Auseinandersetzung mit literarischen Dialogen (vgl. Hess-Lüttich 2005), die zumindest der Zielsetzung nach beide Disziplinen bereichern soll. In diese seit über drei Jahrzehnten lebendige Traditionslinie reiht sich auch die vorliegende Untersuchung ein.</p>
<p>Die Autorin unternimmt in der auf ihre Dissertation zurückgehenden Untersuchung den doppelten Versuch, &#8220;das Begriffsinstrumentarium und bestimmte theoretische Erkenntnisse der Textlinguistik und der Dialoglinguistik auf die Analyse von literarischen Dialogen von Schnitzler und Bernhard zu übertragen&#8221; (7), wobei gerade die Beschäftigung mit dem Sonderfall, den literarische Dialoge darstellen, dabei helfen soll, &#8220;Dialogizität zu definieren&#8221; (8). Gegen diese Ankündigung einer doppelten Zielsetzung stellt jedoch die zuerst Genannte die wichtigere dar. Die Ausführungen erschöpfen sich über weite Strecken des Buches darin, übliche text- und dialoglinguistische Begriffe und Unterscheidungen zu referieren und deren Brauchbarkeit anhand ihrer Anwendung auf literarische Dialoge zu prüfen.</p>
<p>Eine engere Fragestellung, welche etwa die Auswahl gerade dieser beiden Schriftsteller rechtfertigt, ist nicht erkennbar. Der Titel des Buches, der eine linguistische Untersuchung des in moderner Literatur häufig thematisierten Fragwürdigwerdens gesprächsförmiger Verständigung andeutet, spiegelt sich kaum in der Untersuchung selbst wider.</p>
<p>Das Buch gliedert sich wie folgt: Gemäß der im theoretischen Teil ausführlich hergeleiteten Unterscheidung zwischen Form und Funktion werden im empirischen Teil zunächst dialogformale Einteilungskriterien wie &#8220;Anzahl der Dialogpartizipanten&#8221; (107) sowie formale Gestaltungsmerkmale literarischer Dialoge wie etwa deren &#8220;sprachliche Markiertheit&#8221; (121) im Vergleich zu narrativen Passagen beschrieben. Anschließend werden in sprechakttheoretischer Manier die kommunikativen Funktionen einzelner Dialoge und Dialogschritte zu bestimmen versucht. Hier stellen die &#8220;doppelte Adressatenorientierung&#8221; (66) von Dialogschritten und die sich in das Sprachmaterial einprägende Gestaltungsabsicht des Autors besondere Herausforderungen dar. Diese werden von der Autorin zwar reflektiert, bei der praktischen Durchführung ihrer Analyse bleiben sie jedoch weitgehend unberücksichtigt.</p>
<p>Somit beraubt sich die Autorin bedauerlicherweise selbst der Möglichkeiten, die eine linguistische Analyse von literarischen Dialogen bieten könnte. Die verstreuten Bemerkungen etwa zur &#8220;Kommunikationsdekonstruktion&#8221; (181) oder im Bernhard&#8217;schen &#8220;Erzähldiskurs angelegten Möglichkeit der Distanzierung&#8221; (ebd.) von Leser und Sprachwirklichkeit, deretwegen die Dialogizität &#8220;erst von jedem Rezipienten selbst zu erschließen ist&#8221; (25), bleiben Randerscheinungen und sind zumeist nur oberflächlich am Quellenmaterial belegt. Eine linguistisch begründete, d.h. auf einer Beschreibung der sprachlichen Form beruhende Interpretation der Quellen <em>als Kunstwerke </em>kommt so durchgehend zu kurz. Dies liegt wohl auch daran, dass die Autorin literaturwissenschaftliche Forschungen zu den beiden untersuchten Autoren gänzlich unberücksichtigt gelassen hat. Auch die noch heute grundlegende und auch für ihre Zwecke höchst einschlägige <em>Poetik des Dialogs</em> (Bauer 1969) hat die Autorin offenbar nicht zur Kenntnis genommen.</p>
<p>Nun soll nicht unerwähnt bleiben, dass Anna Hanus ihre Dissertation an einer polnischen Universität und noch dazu in einer für sie fremden Sprache verfasst hat, was vermuten lässt, dass sie bei ihrer Recherche mit erheblichen Beschaffungsschwierigkeiten konfrontiert war. Dies sollte jedoch die Ausarbeitung einer prägnanteren und mithin fruchtbareren Fragestellung nicht behindern.</p>
<p><em>Literatur</em>:</p>
<ul>
<li>Bauer, G.: <em>Zur Poetik des Dialogs. Leistung und Form der Gesprächsführung in der neueren deutschen Literatur. </em>Darmstadt [Wissenschaftliche Buchgesellschaft] 1969.</li>
</ul>
<ul>
<li>Hess-Lüttich, E.W.B.: &#8220;Literarische Gesprächsformen als Thema der Dialogforschung.&#8221; In: Betten, A.; Dannerer, M. (Hrsg.):<em> Dialogue Analysis IX: Dialogue in Literature and the Media. </em>Tübingen [Niemeyer] 2005, S. 85-98.</li>
</ul>
<ul>
<li>Klein, W.: &#8220;Die Werke der Sprache. Für ein neues Verständnis zwischen Literaturwissenschaft und Linguistik.&#8221; In: <em>Zeitschrift für Literaturwissenschaft und Linguistik</em>, 150, 2008, S. 8-32.</li>
</ul>
<p><em>Links</em>:</p>
<ul>
<li><a href="http://www.tectum-verlag.de/9919_Anna_Hanus_Dialogische_Kommunikation_in_Frage_gestellt%3F_Zur_Gestaltung_der_Dialogizit%E4t_in_Prosawerken_%96_exemplifiziert_an_ausgew%E4hlten_Erz%E4hlungen_von_Arthur_Schnitzler_und_Thomas_Bernhard.html" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.univ.rzeszow.pl/wfil/ifg/index.php?id=hanus_anna" target="_blank">Webpräsenz von Anna Hanus am Institut für Germanistik der Universität Rzeszow</a></li>
<li><a href="http://www.germanistik.unibe.ch/personen/simon_meier/" target="_blank">Webpräsenz von Simon Meier am Institut für Germanistik der Universität Bern</a></li>
</ul>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Metasprache oder Metabilder? W. J. T. Mitchell zu den Medien der Bildtheorie</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/128</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/128#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 07 Aug 2009 12:42:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sammelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Bildtheorie]]></category>
		<category><![CDATA[Bildwissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Kunstwissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Mitchell]]></category>
		<category><![CDATA[Semiotik]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>
		<category><![CDATA[Theorie]]></category>
		<category><![CDATA[Visual Culture]]></category>

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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Arno Schubbach</em>

<img class="size-full wp-image-993 aligncenter" title="mitchell" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/08/mitchell.jpg" alt="mitchell" width="450" height="226" />

Die Frage nach dem Bild hat seit der Proklamation des "pictorial" oder "iconic turn" durch W. J. T. Mitchell und Gottfried Boehm einiges Aufsehen erregt. Trotz der Prominenz von Mitchells Formulierung waren im Deutschen bislang nur einige wenige Aufsätze und keines der einflussreichen Bücher des in Chicago lehrenden Literatur- und Kunstwissenschaftlers verfügbar. Zwei Bände aus dem Jahre 2008 schaffen nun Abhilfe: die von Gustav Frank bei Suhrkamp herausgegebene <em>Bildtheorie </em>sowie der von C. H. Beck verlegte Band <em>Das Leben der Bilder. Eine Theorie der visuellen Kultur</em>. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/128">[Mehr]</a>


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</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Arno Schubbach</em></p>
<p><img class="size-full wp-image-993 aligncenter" title="mitchell" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/08/mitchell.jpg" alt="mitchell" width="450" height="226" /></p>
<p>Die Frage nach dem Bild hat seit der Proklamation des &#8220;pictorial&#8221; oder &#8220;iconic turn&#8221; durch W. J. T. Mitchell und Gottfried Boehm einiges Aufsehen erregt (Bildtheorie: 101ff.; Boehm 1994: 13f.). Trotz der Prominenz von Mitchells Formulierung waren im Deutschen bislang nur einige wenige Aufsätze und keines der einflussreichen Bücher des in Chicago lehrenden Literatur- und Kunstwissenschaftlers verfügbar. Zwei Bände aus dem Jahre 2008 schaffen nun Abhilfe: die von Gustav Frank bei Suhrkamp herausgegebene <em>Bildtheorie </em>sowie der von C. H. Beck verlegte Band <em>Das Leben der Bilder. Eine Theorie der visuellen Kultur</em>.</p>
<p>Dem deutschsprachigen Publikum liegen damit Texte zur eingehenderen Kenntnisnahme vor, in denen die Frage des Bildes – trotz zahlreicher Theoriereferenzen auf die deutsche und französische Diskussion – auf amerikanische Weise artikuliert wird (vgl. Mitchell 2007; Boehm 2007). Die Präsentation der beiden Bände ist allerdings unverkennbar geprägt von der deutschen Diskurslage, denn sie lässt einen Theorieanspruch erkennen, den die Texte Mitchells kaum zu befriedigen gewillt sind. Statt – wie gelegentlich Mitchell – am &#8220;Vorteil, pittoresker zu sein&#8221; (Leben: 174), Geschmack zu finden und den Titel der Textsammlung <em>What Do Pictures Want? The Lives and Loves of Images</em> von 2005 direkt zu übertragen, haben der Verlag und die Übersetzer Achim Eschbach, Anna-Victoria Eschbach und Mark Halawa ein unverbindlicheres <em>Das Leben der Bilder</em> gewählt und eine <em>Theorie der visuellen Kultur</em> versprochen. Gustav Frank ist nur scheinbar einen direkteren Weg gegangen, erweckt der Titel <em>Bildtheorie</em> doch den Eindruck, es liege die deutsche Übersetzung von Mitchells <em>Picture Theory</em> aus dem Jahre 1994 vor. Jedoch wird diese Erwartung enttäuscht: Es finden sich Texte verschiedensten Typs aus 20 Jahren versammelt, von theoretischen und konzeptionellen Beiträgen, über eher universitätspolitische und zeitdiagnostische Überlegungen bis hin zu einem vertrauten Gespräch mit Edward W. Said. Der Band suggeriert so einen kohärenten bildtheoretischen Entwurf – und unterminiert diesen zugleich, weil die zusammengestellten Texte selbst dann kaum eine &#8220;Bildtheorie&#8221; ergeben hätten, wenn Mitchell nicht der ebenso neugierige wie innovationsfreudige, der produktive und bewegliche Denker wäre, der er tatsächlich ist.</p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-872" title="mitchell2008a" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/05/mitchell2008a.jpg" alt="mitchell2008a" width="160" height="266" />Der erste Text beispielsweise stellt &#8220;dieses Buch&#8221; (Bildtheorie: 9) vor, womit jedoch – wie man der Fußnote entnehmen kann – <em>Iconology. Image, Text, Ideology</em> von 1986 gemeint ist, dem diese Einleitung entnommen wurde und das anders als der vorliegende Band das angekündigte Vorgehen tatsächlich verfolgt. Der Titel bürdet den Texten so die uneinlösbare Bringschuld auf, eine Theorie zu liefern, von der wohl angenommen wird, dass die deutschsprachigen Leser sie sehnlichst erwarten und die bildwissenschaftliche Diskussion sie dringend nötig hat (vgl. zum Beispiel Stock 2008: 24f., 41). Statt einer Bildtheorie erwartet den Leser aber ein anregender, facettenreicher und lesenswerter Überblick über Mitchells Denken, der gut und gerne, ja, besser &#8220;W. J. T. Mitchell Reader&#8221; hätte heißen können.</p>
<p>Den Verheißungen einer Bildtheorie begegnen die vorliegenden Texte mit Skepsis. Statt voreilig auf die Versprechungen von &#8220;totalisierenden Theorie-Ambitionen&#8221; (Bildtheorie: 279; vgl. ebd.: 117) zu vertrauen, befragt Mitchell das Verhältnis zwischen Bild und Theorie. Denn Bilder können nach Mitchell keineswegs schlicht Gegenstände einer Theorie sein, da eine solche Theorie einer &#8220;Metasprache&#8221; bedürfte, die gegenüber ihren Gegenständen neutral wäre. Diese Prämisse bestreitet Mitchell aufgrund der &#8220;Heterogenität repräsentierender Strukturen innerhalb des Felds des Sichtbaren und des Lesbaren&#8221; (Bildtheorie: 144), um insbesondere die Tauglichkeit der Semiotik in Frage zu stellen, die Mieke Bal und Norman Bryson der Kunstgeschichte angetragen haben (Bildtheorie: 142; Bal/Bryson 1991; dagegen Elkins 1995). Dieses Beharren auf der Eigenständigkeit bildlicher Darstellung verbindet Mitchell jedoch mit seiner entschlossenen Ablehnung jeder vermeintlichen Reinheit von Bildern. Er argumentiert, Bilder seien nicht getrennt von Sprache zu fassen, aber ebenso wenig Sprache – und insbesondere die Sprache der Theorie – unabhängig von ihrer Bildlichkeit (Bildtheorie: 136f., 142-146), wobei er stets einen weiten Bildbegriff voraussetzt, der von materiellen Artefakten über sprachliche Bilder bis hin zu mentalen Vorstellungen alles umfassen kann, was wir alltäglich als Bild bezeichnen (Bildtheorie: 20ff.). Mitchell polemisiert deshalb gegen kunsttheoretische Positionen wie die von Clement Greenberg, um die unentwirrbaren Bezüge von Bild und Wort ins Zentrum seines Denkens zu stellen (Bildtheorie: 154-158), und wendet sich ebenso gegen die Rede von &#8220;visuellen Medien&#8221; in den Medienwissenschaften, um die &#8220;mixed media&#8221; zum Paradigma für alle Medien zu erklären (Bildtheorie: 152, 327f.; vgl. Leben: 181). Die Verknüpfung zwischen bildlichen und sprachlichen Darstellungsformen ist ein Leitmotiv von Mitchells Denken seit seinem ersten Aufsatz zum Verhältnis poetischer und bildlicher Imagination bei William Blake (Mitchell 1969) und motiviert bis heute seine kritische Nachfrage nach dem konkreten, niemals neutralen oder gar unabhängigen &#8220;Medium der Theorie selbst&#8221; (Leben: 174).</p>
<p>Bilder können somit nicht einfach Gegenstand einer Theorie sein – sie sollen jedoch selbst &#8220;zeigen, was ein Bild ist&#8221; (Bildtheorie: 172). Mitchell will &#8220;prüfen, ob Bilder ihre eigene Metasprache mit sich führen&#8221; (Bildtheorie: 176), und gelangt zu einem positiven Befund. Solche &#8220;Metabilder&#8221; wären somit nur insofern Gegenstände einer Bildtheorie, als sie zur Theorie ihrer selbst beitragen und aktiv Anteil nehmen an der Theoriebildung: &#8220;Sie zeigen uns, was Sehen ist, und bilden selbst Theorie&#8221; (Bildtheorie: 200). Sie &#8220;inszenieren die &#8216;Selbsterkenntnis&#8217; der Bilder&#8221; (Bildtheorie: 187), die allerdings den Bezug zum Beobachter nicht aus-, sondern einschließt, der unter diesen Vorzeichen aber gut daran zu tun scheint, sich in einer gewissen &#8220;Rezeptivität&#8221; oder &#8220;Passivität&#8221; zu üben (Bildtheorie: 204). Mitchell geht damit von der bildlichen &#8220;Reflexion auf sich selbst&#8221; (Bildtheorie: 176) aus, die in der Bildtheorie unter Stichworten wie &#8220;visueller Reflexion des Bildnerischen&#8221; (Boehm 1994: 326), &#8220;Selbstreflexion&#8221; (Lüdeking 2006: 19), &#8220;reflexives Bild&#8221; (Böhme 2007: 331) oder &#8220;Bewußtwerdung des Bildes als Bild&#8221; (Stoichita 1998: 110) verhandelt wird. Er spitzt diesen Ansatz aber zu, indem er Bilder nicht nur als &#8220;theoretische Objekte&#8221; (Marin 2004: 19-24; Stoichita 1998: 15; vgl. auch Konersmann 1997: 32f.; Rosen/Krüger/Preimesberger 2003: 7, 10) begreift, sondern gleichsam als &#8220;Subjekte&#8221; der Theoriebildung – was ein willkommener Anlass zur Diskussion auch des bislang Selbstverständlichen sein sollte.</p>
<p>Eine solche &#8220;Bildtheorie&#8221; mit und in Bildern muss aber stets als &#8220;eine immanente lokale, keine transdisziplinäre Theorie&#8221; (Bildtheorie: 161) verstanden werden. Mitchell hält daher nicht nur zur Semiotik, sondern ebenso zur Psychoanalyse (Leben: 91-96) und jüngst zu Luhmanns Systemtheorie (vgl. Leben: 171-175) wie auch allen anderen Großtheorien kritische Distanz – worin nicht zuletzt eine Herausforderung des Programms einer &#8220;allgemeinen Bildwissenschaft&#8221; (Sachs-Hombach/Rehkämper 1998: 9) zu sehen ist. Die &#8220;Bildtheorie&#8221; Mitchells verweigert sich der Flughöhe einer solchen &#8220;Wissenschaft&#8221;, die ihre Gegenstände aus sicherem Abstand in den Blick nimmt, und orientiert sich dagegen an einer &#8220;Ideologiekritik&#8221;, die &#8220;interveniert und [...] selbst der Intervention durch ihren Gegenstand unterworfen&#8221; (Bildtheorie: 130) ist. Es ist daher von einer gewissen Konsequenz, wenn Mitchell – der selbst eine der zentralen Figuren in der intellektuellen wie institutionellen Etablierung der <em>visual studies </em>in den USA ist – die besten Momente der Untersuchungen der visuellen Kultur nicht in ihrer methodischen Strenge, sondern in ihrer &#8220;Undisziplin&#8221; sieht (Bildtheorie: 270), die er auch in seinen eigenen Untersuchungen des Öfteren selbst unter Beweis stellt. Zugleich will er nicht vorrangig auf eine formale Theorie des Bildes hinaus, sondern auf deren Öffnung auf konkrete historische Orte und Funktionen von Bildern, weshalb er sich gerade auch für die Rolle von Bildern in sozialen Konflikten interessiert (vgl. z. B. Leben: 27-37).</p>
<p>Es ist jedoch die Pflicht des Rezensenten anzumerken, dass Mitchells Bildtheorie mitunter auch hinsichtlich theoretischer Präzision an Flughöhe missen lässt. Die Stärke der versammelten Texte ist weder die scharfe Definition von Begriffen noch die fein ziselierte Argumentation. Sie liegt vielmehr in einem risikofreudigen und lustvollen Denken, das sich an aktuellen politischen, gesellschaftlichen oder technologischen Entwicklungen entzündet und zugleich großzügig in Kultur- und Geistesgeschichte zurückgreift, das immer wieder neu ansetzt und bereits verfolgte Fragen nochmals aufgreift. Mitchell inszeniert konzeptionelle Experimente, ohne sich vor abenteuerlich wirkenden Fragen oder vor Widersprüchen zu alten Texten zu scheuen.</p>
<p><img class="size-full wp-image-873 alignright" title="mitchell2008b" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/05/mitchell2008b.jpg" alt="mitchell2008b" width="160" height="245" />Beispielhaft hierfür ist die – im Englischen titelgebende – Frage &#8220;Was Bilder wollen?&#8221;, die im Zentrum des zweiten Bandes steht. Mitchell ist vollkommen &#8220;bewusst, dass es eine bizarre, vielleicht sogar anstößige Frage ist&#8221; (Leben: 47; vgl. ebd.: 21-27; Bildtheorie: 398f.), aber er sieht in ihr die Möglichkeit, &#8220;die Relationalität von Bild und Betrachter&#8221; (Leben: 69) dahingehend zu untersuchen, dass Bilder nicht nur etwas darstellen und bedeuten, sondern uns auch affektiv berühren und Ansprüche zu erheben scheinen. Mitchell unterzieht so die Frage &#8220;Was ist ein Bild?&#8221; – die er in seinen früheren Texten selbst verfolgt hat und die der einschlägige Sammelband von Gottfried Boehm im Titel trägt (Bildtheorie: 9, 15f.; Boehm 1994) – einem Perspektivwechsel, der mit George Didi-Hubermans <em>Was wir sehen blickt uns an</em> von 1999 zu verknüpfen wäre. Wir scheinen Bildern mitunter zu unterstellen, sie seien lebendig und handelnd: &#8220;Wenn wir über Bilder reden, neigen wir unverbesserlich dazu, in vitalistische und animistische Sprechweisen zu verfallen.&#8221; (Leben: 18) Unser Umgang mit Bildern sei daher von &#8220;magischen, vormodernen Haltungen&#8221; (Leben: 49) durchzogen, so dass Mitchell gegen jeden vermeintlichen Bruch der Moderne (Bildtheorie: 371-373, v. a. mit Bezug auf Freedberg 1989 und Belting 1990) zur Beschreibung unserer heutigen Bildpraxis auf Begriffe zurückgreift, die so genannte vormoderne Gesellschaften charakterisieren sollen (v. a. auf den Begriff des Totemismus, vgl. Leben: 150ff. und Bildtheorie: 299ff.). Mitchells Zustimmung zu Bruno Latours These &#8220;Wir sind nie modern gewesen&#8221; (Latour 2008; vgl. Leben: 44; Bildtheorie 310f.) hält ihn aber nicht von konzeptionellen Anleihen bei der Biologie und Naturgeschichte oder auch der Physik ab (vgl. Bildtheorie: 285-293; Mitchell 2009: 98-105), die das &#8220;Leben der Bilder&#8221; zu verstehen helfen sollen.</p>
<p>Mitchells Analysen der &#8220;Idee vom lebendigen Bild&#8221; als &#8220;unverbesserliche, unvermeidbare Metapher&#8221; (Leben: 75) scheinen in den jüngsten Texten in die Konzeption einer historischen Koevolution von Mensch, Bild und Wort hinauszulaufen, die in der &#8220;Konstituiertheit des menschlichen Subjekts durch sowohl Sprache als auch bildliche Darstellung&#8221; (Bildtheorie: 121; vgl. auch ebd.: 373) gründet. Bilder sind demnach ein integrales Element der sozialen und materiellen Praxis, die stets auch den Umgang mit Medien einschließt (vgl. Leben: 167f., 179f.) und sich in &#8220;Medienpraktiken&#8221; (Leben: 175) entfaltet. Bilder finden so im größeren Zusammenhang von Blickbeziehungen, Sichtbarkeiten und im Feld der &#8220;Visualität&#8221; (Bildtheorie: 342) ihren Ort, wo sie zugleich &#8220;als Modelle und konstitutive Schemata für den Prozess des Visuellen&#8221; (Leben: 97) fungieren. An diesem Punkt geht Mitchells &#8220;Bildtheorie&#8221; über in Ansätze zu einer &#8220;Theorie der visuellen Kultur&#8221;, die den Bezug zwischen Mensch und Bild in die enge Verknüpfung von Sozialität und Visualität überführt: &#8220;Nicht nur sehen wir, wie wir sehen, weil wir soziale Tiere sind, sondern unsere sozialen Übereinkünfte nehmen die Form, die sie haben, auch an, weil wir sehende Tiere sind.&#8221; (Bildtheorie: 325f.) Diese wechselseitige Bedingtheit von Sozialität und Visualität ist Mitchell zufolge aber wiederum zu komplex, um eine Metasprache und einen umgreifenden Theorierahmen zu ermöglichen (vgl. Leben: 181). Sie charakterisiert vielmehr den &#8220;Ort, an dem die Theorie als etwas immanent Alltägliches erscheint, als etwas, das eng mit der Praxis verknüpft ist, während es von innen heraus auf diese reflektiert&#8221; (Leben: 189).</p>
<p>Die beiden Bände legen daher weniger eine Theorie vor, als sie eine &#8220;Einladung zur Eröffnung eines Gesprächs oder zu einer Improvisation&#8221; (Leben: 68) aussprechen. Es ist diese Einladung, wegen derer die Texte für Leser aus zahlreichen Disziplinen, aber auch für ein breites Publikum lesenswert sind. Es lohnt sich, die begrifflichen Improvisationen Mitchells aufzunehmen und sie ins Gespräch zu bringen mit den angespielten bildtheoretischen Ansätzen und nicht zuletzt mit dem eigenen Denken.</p>
<p><em>Literatur:</em></p>
<ul>
<li>Bal, M.; N. Bryson: &#8220;Semiotics and Art History&#8221;. In: <em>The Art Bulletin</em>, 73, 1991, S. 174-208.</li>
<li>Belting, H.: <em>Bild und Kult. Eine Geschichte des Bildes vor dem Zeitalter der Kunst</em>. München [C.H. Beck] 1990.</li>
<li>Boehm, G.: &#8220;Die Wiederkehr der Bilder&#8221;. In: ders. (Hrsg.): <em>Was ist ein Bild?</em> München [Wilhelm Fink Verlag] 1994, S. 11-38.</li>
<li>Boehm, G.: &#8220;Die Bilderfrage&#8221;. In: ders. (Hrsg.): <em>Was ist ein Bild?</em> München [Wilhelm Fink Verlag] 1994, S. 325-343.</li>
<li>Boehm, G.: &#8220;Iconic Turn. Ein Brief&#8221;. In: Belting, H. (Hrsg.): <em>Bilderfragen. Die Bildwissenschaften im Aufbruch</em>. München [Wilhelm Fink Verlag] 2007, S. 27-36.</li>
<li>Böhme, H.: &#8220;Das reflexive Bild. Licht, Evidenz und Reflexion in der Bildkunst&#8221;. In: Wimböck, G.; Leonhard, K.; Friedrich, M. (Hrsg.): <em>Evidentia. Reichweiten visueller Wahrnehmung in der Frühen Neuzeit</em>. Münster [Lit-Verlag] 2007, S. 331-365.</li>
<li>Didi-Huberman, G.: <em>Was wir sehen blickt uns an. Zur Metapsychologie des Bildes</em>. München [Wilhelm Fink Verlag] 1999.</li>
<li>Elkins, J.: &#8220;Marks, Traces, Traits, Contours, Orli, and Splendores: Nonsemiotic Elements in Pictures&#8221;. In: <em>Critical Inquiry</em>, 21, 1995, S. 822-860.</li>
<li>Freedberg, D.: <em>The Power of Images. Studies in the History and Theory of Response</em>. Chicago, London [University of Chicago Press] 1989.</li>
<li>Konersmann, R.: &#8220;Die Augen der Philosophen. Zur historischen Semantik und Kritik des Sehens&#8221;. In: ders. (Hrsg.): <em>Kritik des Sehens</em>. Leipzig [Reclam] 1997, S. 9-47.</li>
<li>Latour, B.: <em>Wir sind nie modern gewesen. Versuch einer symmetrischen Anthropologie</em>. Frankfurt am Main [Suhrkamp Verlag] 2008.</li>
<li>Lüdeking, K.: &#8220;Vierzehn Beispiele fotografischer Selbstreflexion&#8221;. In: ders.: <em>Grenzen des Sichtbaren. </em>München [Wilhelm Fink Verlag] 2006, S. 19-38.</li>
<li>Marin, L.: <em>Das Opake in der Malerei. Zur Repräsentation im Quattrocento</em>. Berlin [Diaphanes] 2004.</li>
<li>Mitchell, W. J. T.: &#8220;Poetic and Pictorial Imagination in Blake&#8217;s <em>The Book of Urizen</em>&#8220;. In: <em>Eighteenth-Century Studies</em>, 3, 1969, S. 83-107.</li>
<li>Mitchell, W. J. T.: <em>Iconology. Image, Text, Ideology</em>. Chicago, London [University of Chicago Press] 1986.</li>
<li>Mitchell, W. J. T.: <em>Picture Theory</em>. Chicago, London [University of Chicago Press] 1994.</li>
<li>Mitchell, W. J. T.: <em>What Do Pictures Want? The Lives and Loves of Images</em>. Chicago, London [University of Chicago Press] 2005.</li>
<li>Mitchell, W. J. T.: &#8220;Pictorial Turn. Eine Antwort&#8221;. In: Belting, H. (Hrsg.): <em>Bilderfragen. Die Bildwissenschaften im Aufbruch</em>. München [Wilhelm Fink Verlag] 2007, S. 37-46.</li>
<li>Mitchell, W. J. T.: &#8220;Bildwissenschaft&#8221;. In: Hüppauf, B.; Weingart, P. (Hrsg.): <em>Frosch und Frankenstein. Bilder als Medium der Popularisierung von Wissenschaft</em>. Bielefeld [Transcript Verlag] 2009, S. 91-106.</li>
<li>Rosen, V. von; Krüger, K.; Preimesberger, R. (Hrsg.): <em>Der stumme Diskurs der Bilder. Reflexionsformen des Ästhetischen in der Kunst der Frühen Neuzeit</em>. München, Berlin [Deutscher Kunstverlag] 2003.</li>
<li>Sachs-Hombach, K.; Rehkämper, K. (Hrsg.): <em>Bildgrammatik. Interdisziplinäre Forschungen zur Syntax bildlicher Darstellungsformen</em>. Magdeburg [Scriptum Verlag] 1998.</li>
<li>Stock, Wiebke-Marie: &#8220;Eine fortdauernde Verwirrung. Bildwissenschaftliche Zwischenbilanz&#8221;. In: <em>Philosophische Rundschau</em>, 55, 2008, S. 24-41.</li>
<li>Stoichita, V. I.: <em>Das selbstbewußte Bild. Vom Ursprung der Metamalerei</em>. München [Wilhelm Fink Verlag] 1998.</li>
</ul>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.chbeck.de/productview.aspx?product=24033" target="_blank">Verlagsinformationen zu <em>Das Leben der Bilder</em></a></li>
<li><a href="http://www.suhrkamp.de/buecher/bildtheorie-w_j_t_mitchell_58494.html" target="_blank">Verlagsinformationen zu <em>Bildtheorie</em></a></li>
<li><a href="http://humanities.uchicago.edu/faculty/mitchell/home.htm" target="_blank">Homepage von W. J. T. Mitchell an der University of Chicago</a></li>
<li><a href="http://www.eikones.ch" target="_blank">Homepage des NFS Bildkritik</a></li>
</ul>
<p><em>Foto W. J. T. Mitchell: Domenico Aronica</em></p>


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<li><a href='http://www.rkm-journal.de/archives/1835' rel='bookmark' title='Permanent Link: Silvia Seja: Handlungstheorien des Bildes'>Silvia Seja: Handlungstheorien des Bildes</a></li>
</ol></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Oliver Hahn; Roland Schröder (Hrsg.): Journalistische Kulturen</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/512</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/512#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 16 Jun 2009 13:30:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einzelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Lehrbuch]]></category>
		<category><![CDATA[Literatur]]></category>
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		<category><![CDATA[Theorie]]></category>

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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Josef Seethaler</em>

<img class="alignleft size-full wp-image-613" title="hahn&#38;schröder2008" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/06/hahnschröder2008.jpg" alt="hahn&#38;schröder2008" width="160" height="243" />Weltweit erlebt die Journalismusforschung derzeit enormen Auftrieb. So wurden etwa in den letzten Jahren mit "Journalism" and "Journalism Studies" gleich zwei einschlägige internationale Fachzeitschriften gegründet. Mit diesem Boom geht eine schon nahezu inflationäre Verwendung des Begriffs "journalistische Kultur" einher, der dadurch Gefahr läuft, vieldeutig und beliebig zu werden. Der von Oliver Hahn und Roland Schröder herausgegebene Sammelband kommt daher nicht nur zur rechten Zeit, sondern leistet mit seinem Ziel einer theoretischen Fundierung und Verortung dieses Konzepts Pionierarbeit. Dies ist auch deshalb verdienstvoll, weil gerade das Konzept der "journalistischen Kultur" sowohl aus der sozial- als auch der kulturwissenschaftlichen Tradition der Kommunikations- und Medienwissenschaften schöpft (um diesen jüngst von Rudolf Stöber als Buchtitel verwendeten Begriff zu verwenden) und damit ganz besonders geeignet scheint, den Mehrwert aus einer fruchtbaren Verbindung beider Traditionen deutlich zu machen. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/512">[Mehr]</a>


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<li><a href='http://www.rkm-journal.de/archives/3126' rel='bookmark' title='Permanent Link: Oliver Fahle; Michael Hanke; Andreas Ziemann (Hrsg.): Technobilder und Kommunikologie'>Oliver Fahle; Michael Hanke; Andreas Ziemann (Hrsg.): Technobilder und Kommunikologie</a></li>
<li><a href='http://www.rkm-journal.de/archives/459' rel='bookmark' title='Permanent Link: Peter J. Schulz; Uwe Hartung; Simone Keller (Hrsg.): Identität und Vielfalt der Kommunikationswissenschaft'>Peter J. Schulz; Uwe Hartung; Simone Keller (Hrsg.): Identität und Vielfalt der Kommunikationswissenschaft</a></li>
</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Josef Seethaler</em></p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-613" title="hahn&amp;schröder2008" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/06/hahnschröder2008.jpg" alt="hahn&amp;schröder2008" width="160" height="243" />Weltweit erlebt die Journalismusforschung derzeit enormen Auftrieb. So wurden etwa in den letzten Jahren mit &#8220;Journalism&#8221; and &#8220;Journalism Studies&#8221; gleich zwei einschlägige internationale Fachzeitschriften gegründet. Mit diesem Boom geht eine schon nahezu inflationäre Verwendung des Begriffs &#8220;journalistische Kultur&#8221; einher, der dadurch Gefahr läuft, vieldeutig und beliebig zu werden. Der von Oliver Hahn und Roland Schröder herausgegebene Sammelband kommt daher nicht nur zur rechten Zeit, sondern leistet mit seinem Ziel einer theoretischen Fundierung und Verortung dieses Konzepts Pionierarbeit. Dies ist auch deshalb verdienstvoll, weil gerade das Konzept der &#8220;journalistischen Kultur&#8221; sowohl aus der sozial- als auch der kulturwissenschaftlichen Tradition der Kommunikations- und Medienwissenschaften schöpft (um diesen jüngst von Rudolf Stöber als Buchtitel verwendeten Begriff zu verwenden) und damit ganz besonders geeignet scheint, den Mehrwert aus einer fruchtbaren Verbindung beider Traditionen deutlich zu machen.</p>
<p>Der bei Halem in gewohnt solider Aufmachung erschienene Band versammelt – neben der Einführung – 13 deutsch- und englischsprachige Beiträge, die sich um mehrere inhaltliche Schwerpunkte gruppieren: die Kultur- und Sprachsensibilität von Journalismus, das Verhältnis von Journalismus und Schriftstellertum und das Spannungsverhältnis von nationalen und transnationalen Elementen von Journalismuskulturen, ehe die letzten Beiträge wiederum an die erste Perspektive anknüpfen und sich mit der Bedeutung von Sprache und Zeichen als Schlüssel für das Verständnis journalistischer Kulturen befassen. Unklar ist, warum gerade dem Verhältnis von Journalismus und Literatur mit rund 100 von 270 Seiten die größte Bedeutung beigemessen wird, obwohl gerade die meisten hier vereinten – wenngleich spannend zu lesenden – Aufsätze den notwendigen Anspruch des Konzepts journalistischer Kulturen, <em>komparative </em>Journalismusforschung zu ermöglichen, kaum einlösen: Es bleibt schon dem Leser überlassen, Vergleiche zwischen den bloß aneinandergereihten Selbstverständnissen deutscher, US-amerikanischer und romanischer Dichter-Journalisten zu ziehen. Nun ist es zweifellos so, dass das Verhältnis zum Schriftstellertum für den historischen Ausdifferenzierungsprozess des journalistischen Berufsstandes von entscheidender Bedeutung ist. Unter dieser Perspektive fragt man sich jedoch, warum die Beiträge in keine <em>zeitliche </em>Vergleichsperspektive gerückt wurden. Daher bleibt auch das Potenzial des Konzepts journalistischer Kulturen für diese Dimension komparativer Forschung, nämlich die Erklärung des Gewordenseins gegenwärtiger Phänomene unterbelichtet: Margreth Lünenborgs methodisch herausragender Beitrag über das Verschwimmen der Grenzen zwischen <em>fact </em>und <em>fiction </em>im Fernsehjournalismus wird brav chronologisch den bei Heinrich Heine beginnenden historischen Beiträgen nachgereiht, die Frage nach Bezügen, Bedingtheiten und kulturellen Mustern nicht thematisiert.</p>
<p>Das wäre in einem Sammelband zweifellos die Aufgabe der Herausgeber gewesen. Ihre gemeinsam mit Stefan Dietrich verfasste Einführung skizziert die einzelnen Beiträge bloß, versucht aber nicht, Querbezüge herzustellen. Stattdessen enthält sie eine &#8220;Typologie komparativer Konzeptansätze journalistischer Kulturen&#8221;, die nicht mehr leistet, als die drei Autoren abschließend selbst feststellen: nämlich aufzuzeigen, dass es sich um ein &#8220;bislang inkohärentes und disparates Forschungsfeld&#8221; (18) handle. Ob diese Einschätzung aber tatsächlich berechtigt ist, kann schon deshalb nicht nachvollzogen werden, weil die Typologie erklärtermaßen lediglich &#8220;selektiv-kursorischen&#8221; (10) Charakter hat. Das heißt: Schon auf den ersten Blick zeigt sich, dass wichtige Arbeiten – wie beispielsweise Barbara Pfetschs &#8220;Politische Kommunikationskultur&#8221; und Paschal Prestons &#8220;Making the News: Contemporary Journalism Practices and News Cultures in Europe&#8221; – unerwähnt bleiben, wodurch Zweifel an der Aussagekraft der Typologie aufkommen.</p>
<p>Schließlich war es auch keine glückliche Idee, den Sammelband als &#8220;Lehrbuch&#8221; zu bezeichnen. Diese Ankündigung erweckt die Erwartung einer spezifischen, für die Lehre tauglichen Aufbereitung der Inhalte, die freilich weder formal (Infoboxes, Zusammenfassungen, Fragenkataloge etc.) noch inhaltlich erfüllt wird. So bieten die wenigsten Beiträge einen lehrbuchgemäß gut strukturierten Überblick über den jeweiligen Themenbereich; jene von Andreas Hepp (über transkulturelle Kommunikation) und Thomas Hanitzsch (über den von ihm formulierten komparativen Ansatz in der Erforschung von Journalismuskulturen) gehören zu den Ausnahmen. Die überwiegende Anzahl der Beiträge lässt sich hingegen nicht in ein Lehrbuch-Konzept pressen, was jedoch in keiner Weise ihre Bedeutung für die theoretische Grundlegung des Forschungsfeldes schmälert. Sie sind fast ausnahmslos essenzielle interdisziplinäre Wortmeldungen zu einer längst fälligen Diskussion, und unter dieser Perspektive sollten sie gelesen werden. Schade, dass der Band nicht sorgfältiger herausgegeben und zutreffender &#8220;geframt&#8221; wurde.</p>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://halemverlag.lookingintomedia.com/shop/product_info.php/products_id/161" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.oeaw.ac.at/cmc/de/seethaler.html" target="_blank">Webpräsenz von Josef Seethaler</a></li>
</ul>


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