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	<title>rezensionen:kommunikation:medien &#187; Rezeption</title>
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	<description>Rezensionen aus den Bereichen Kommunikation und Medien</description>
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		<title>Sandra Ziegenhagen: Zuschauer-Engagement</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/6107</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/6107#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 08 Sep 2011 08:30:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einzelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Fernsehen]]></category>
		<category><![CDATA[Rezeption]]></category>
		<category><![CDATA[Rezeptionsforschung]]></category>
		<category><![CDATA[Zuschauer]]></category>

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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Andreas Fahr</em>

<img class="size-full wp-image-6115 alignleft" title="ziegenhagen" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/06/ziegenhagen.jpg" alt="" width="160" height="228" />Die Unzufriedenheit mit der Validität von quantitativen Reichweitenmessungen zur Erhebung von Relevanz, Zuwendung und innerer Beteiligung der Rezipienten an den präsentierten Medienbotschaften wird sowohl in der angewandten als auch in der akademischen Forschung immer wieder betont. Nach der anfänglichen Begeisterung für das Involvement-Konzept kehrte auch hier - zumindest was einen breiten Einsatz in kommerzieller und wissenschaftlicher Forschung angeht - Ernüchterung ein: Die individuelle innere Beteiligung ließ sich - in erster Linie auf Grund von Messproblemen und fehlender Einigung über valide Indikatoren - nicht als "Währung" implementieren. In das Konzept "Engagement" wird - wie schon der Titel der hier besprochenen Diplomarbeit impliziert - erneut große Hoffnung gesetzt. Um es gleich vorwegzunehmen: Als (Haupt-)"Währung" der Fernsehindustrie wird sich Engagement ebenso wenig etablieren können wie das Involvement-Konzept. Gleichwohl sind beide theoretischen Konstrukte deswegen nicht irrelevant – sie können durchaus dazu beitragen, die Beziehung zwischen Rezipienten und Medienbotschaften inhaltlich präziser zu beschreiben und zu erklären als dies reine Reichweitendaten jemals könnten. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/6107">[Mehr]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Andreas Fahr</em></p>
<p><img class="size-full wp-image-6115 alignleft" title="ziegenhagen" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/06/ziegenhagen.jpg" alt="" width="160" height="228" />Die Unzufriedenheit mit der Validität von quantitativen Reichweitenmessungen zur Erhebung von Relevanz, Zuwendung und innerer Beteiligung der Rezipienten an den präsentierten Medienbotschaften wird sowohl in der angewandten als auch in der akademischen Forschung immer wieder betont. Nach der anfänglichen Begeisterung für das Involvement-Konzept kehrte auch hier &#8211; zumindest was einen breiten Einsatz in kommerzieller und wissenschaftlicher Forschung angeht &#8211; Ernüchterung ein: Die individuelle innere Beteiligung ließ sich &#8211; in erster Linie auf Grund von Messproblemen und fehlender Einigung über valide Indikatoren &#8211; nicht als &#8220;Währung&#8221; implementieren. In das Konzept &#8220;Engagement&#8221; wird &#8211; wie schon der Titel der hier besprochenen Diplomarbeit impliziert &#8211; erneut große Hoffnung gesetzt. Um es gleich vorwegzunehmen: Als (Haupt-)&#8221;Währung&#8221; der Fernsehindustrie wird sich Engagement ebenso wenig etablieren können wie das Involvement-Konzept. Gleichwohl sind beide theoretischen Konstrukte deswegen nicht irrelevant – sie können durchaus dazu beitragen, die Beziehung zwischen Rezipienten und Medienbotschaften inhaltlich präziser zu beschreiben und zu erklären als dies reine Reichweitendaten jemals könnten.</p>
<p>Inhaltlicher Kern des Bandes ist &#8211; weniger vom Umfang als vom theoretischen Gehalt her gesehen &#8211; die auf rund 30 Seiten ausgeführte Auseinandersetzung mit dem Konzept &#8220;Engagement&#8221; als &#8220;neues Erfolgskriterium&#8221; für TV-Inhalte. Das Konzept wird von Involvement abgegrenzt und in Anlehnung an einschlägige Literatur erläutert. Kern dieses Teils ist die Erörterung so genannter &#8220;Touchpoints&#8221; – Dimensionen des Engagements wie &#8220;Formal Program Quantities&#8221;, &#8220;Expanded Access&#8221;, &#8220;Repackaged Content&#8221;, &#8220;Ancillary Content&#8221;, &#8220;Branded Products&#8221;, &#8220;Related Activities&#8221;, &#8220;Social Interaction&#8221; sowie &#8220;Interactivity&#8221;. Engagement spielt also seine Stärken insbesondere in der zusätzlichen Bezugnahme auf Online- und Offline-Aktivitäten der Rezipientinnen und Rezipienten aus. Ergänzt werden diese Touchpoints von Seiten der Autorin durch &#8220;Motive und Wünsche&#8221; der Zuschauer mit den Subdimensionen &#8220;Entertainment&#8221;, &#8220;Social Connection&#8221;, &#8220;Mastery&#8221;, &#8220;Immersion&#8221; und &#8220;Identification&#8221;. Zwar fehlen hier mitunter Abgrenzungen und Überschneidungen zwischen Motiven und Wünschen und dem Engagement. Wer sich jedoch einen Überblick über den neuen Währungskandidaten verschaffen möchte, dem sei die Lektüre dieses Kapitels empfohlen.</p>
<p>Gut gefällt auch, dass die Verfasserin über rein rezeptionsbasierte Prozesse hinausgeht und Engagement zusätzlich im Kontext der kommunikativen Phase nachgelagerter Handlungen &#8211; hier liegt wohl auch der Hauptunterschied zum Involvement &#8211; eingehend und ansprechend thematisiert. Die Komponenten des Engagement sollen dann in einem abschließenden empirischen Teil am Beispiel der Serie <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Lost_%28Fernsehserie%29" target="_blank">Lost</a> herausgearbeitet werden. Grundlage dieser Analyse sind Antworten von Forumsmitgliedern auf Leitfragen, die die Verfasserin in verschiedenen Fanforen zur Serie platziert hat. Im Wesentlichen zeigt sich, dass die Rezeption der Serie die genannten Touchpoints berühren kann.</p>
<p>Neben der theoretischen Aufarbeitung und dem reizvollen empirischen Ansatz haben mich ein paar Punkte allerdings nicht vollständig überzeugt: Im ersten Teil des Bandes werden über mehr als ein Drittel des Buches (50 von 140 Seiten) die Serie Lost, ihr Reichweitenerfolg und ihre dramaturgischen Besonderheiten beschrieben. Für Lost-Fans mag dies durchaus sehr interessant sein, für Nicht-Kenner der Serie ist das Kapitel schwer nachvollziehbar – auch wenn im Anhang die Staffeln und Hauptcharaktere sehr ausführlich portraitiert werden. Auch die eher filmwissenschaftliche Detailanalyse von Figuren und Handlungssträngen ist durchaus spannend, lesbar und &#8211; soweit man das als Nicht-Filmwissenschaftler erkennen kann &#8211; zweifellos gelungen. Der Bezug zum Engagement hätte hier allerdings klarer herausgearbeitet werden können. So stehen diese Genre- bzw. Serienanalyse (Lost als Formalobjekt), theoretische Fundierung (Engagement) und empirische Umsetzung (Forendiskussion) schließlich doch etwas unverbunden nebeneinander. Strukturell wäre es vermutlich sogar zweckmäßiger gewesen, eingangs das theoretische Konzept darzustellen und im Anschluss am Beispiel der Serie Lost die Indikatoren von Engagement herauszuarbeiten. In der vorliegenden Form wirkt es so, als sei die Auswahl der Serie vor der Auswahl der theoretischen Analysefolie erfolgt &#8211; wie es auch die etwas eigentümliche Gliederung der Arbeit vermuten lässt. So ist es dann auch kaum verwunderlich, dass um die Serie herum zahlreiche Merkmale von Engagement tatsächlich entdeckt werden.</p>
<p>Die Diplomarbeit gerät somit in den Verdacht, einer Self-Fulfilling-Prophecy erlegen zu sein: Die Autorin wählt eine Serie, die ihrer Meinung nach Kriterien des Engagement besonders gut erfüllt, um später empirisch zu zeigen, dass diese Serie die Kriterien des Engagement besonders gut repräsentiert. Dennoch mag man dieses Vorgehen noch akzeptieren, da das Konzept exemplarisch an diesem Beispiel recht gut herausgearbeitet und pointiert wird – eine weitere Serie zum Vergleich hätte die Analyse allerdings über die reine Deskription hinaus plastischer werden lassen.</p>
<p>Inhaltlich schwerer wiegt unterdessen, dass sich die im zweiten Teil vorgestellten Kriterien, die zu Engagement führen bzw. Indikatoren von Engagement sind &#8211; die so genannten &#8220;Touchpoints&#8221; &#8211; im Analyseinstrument (explizit) kaum wiederfinden. Die Verfasserin stellt in verschiedenen Foren zur Serie verschiedene Leitfragen, die von ihr zwar anschließend inhaltsanalytisch erforscht werden. Diese in den Fanforen gestellten Fragen gehen jedoch in weiten Teilen nicht klar genug aus dem theoretischen Ansatz hervor. Somit wird im Grunde die selbst aufgestellte Vermutung empirisch nicht konsequent genug geprüft. Die Analyse der Forenbeiträge und ihre Ergebnisdarstellung erfolgt dann auch entlang der in den Foren gestellten Leitfragen und nicht anhand der ihnen (vermutlich implizit) zu Grunde liegenden Kategorien der Touchpoints. Fast wird hier empiriegeleitet ein neues Kategoriensystem erstellt, das zu wenig Beziehungen zum theoretischen Konzept des Engagement hält. Der Bezug zu den Touchpoints wird aber immerhin im Schlussteil der Arbeit auf  sechs Seiten wieder hergestellt.</p>
<p>Der Verdienst der Arbeit ist in zwei Punkten zu formulieren: Erstens ist die Idee, das Konzept der Touchpoints zur Indizierung von Engagement heranzuziehen, durchaus innovativ und Ziel führend—und damit verdienstvoll. Zweitens ist der empirische Ansatz, einige dieser Touchpoints mittels Analyse stimulierter Forenbeiträge zu erheben, methodisch originell und wissenschaftlich angemessen. Das (so im Buch nicht explizierte aber vermutlich verfolgte) Auswahlverfahren nach dem Konzentrationsprinzip bzw. der Auswahl von Extremfällen ist für diese Analyse durchaus angemessen &#8211; etwa um Merkmale eines Objektbereichs pointiert herauszuarbeiten.</p>
<p>Das empirische Vorgehen wird insgesamt transparent erläutert, die Leserinnen und Leser erhalten gute Einblicke in das Vorgehen der Analyse durch zahlreiche Zitate aus den Forenbeiträgen. Für Fans der Serie Lost mag auch die filmwissenschaftliche Analyse viele interessante Einsichten liefern. Gleichzeitig bleibt der Ertrag für Nicht-Kenner der Serie auf den theoretischen Teil und das empirische Konzept begrenzt, da die Interpretation in weiten Teilen sehr stark am Formalobjekt haften bleibt. Diese ausgeprägte Nähe der Befunde zum speziellen Untersuchungsgegenstand nährt die These, dass Engagement noch einen langen Weg bis zu einer &#8220;Währung der Fernsehindustrie&#8221; vor sich hat.</p>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.uvk.de/buch.asp?ISBN=9783867641999&amp;WKorbUID=5797613&amp;TITZIF=2338&amp;be=&amp;uBe=" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.andreas-fahr.de/" target="_blank">Private Homepage von Andreas Fahr</a></li>
</ul>
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		<item>
		<title>Sabine Trepte; Uwe Hasebrink; Holger Schramm (Hrsg.): Strategische Kommunikation und Mediengestaltung</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/472</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/472#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 20 Jan 2010 09:00:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einzelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikationswissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Marken]]></category>
		<category><![CDATA[Product Placement]]></category>
		<category><![CDATA[Rezeption]]></category>
		<category><![CDATA[Rezeptionsforschung]]></category>
		<category><![CDATA[Werbung]]></category>
		<category><![CDATA[Wirkungsforschung]]></category>

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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Michael Schenk</em>

<p style="text-align: justify;"><a href="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/06/treptehasenbrinkschramm2009.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-2027" title="trepte&#38;hasenbrink&#38;schramm2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/06/treptehasenbrinkschramm2009.jpg" alt="" width="160" height="219" /></a>Die Rezeptions-  und Wirkungsforschung hat traditionell viele Bezüge zur Medien- und Kommunikationspraxis. Viele klassisch gewordene Studien aus der Rezeptions-  und Wirkungsforschung, etwa von Paul Lazarsfeld oder Carl Iver Hovland, verdanken nicht nur ihre Finanzierung, sondern auch ihre Entstehung praxisrelevanten Problemstellungen. Umgekehrt fließen Erkenntnisse aus der Rezeptions- und Wirkungsforschung in die Behandlung von Fragestellungen aus der Praxis ein. Die in dem von Sabine Trepte, Uwe Hasebrink und Holger Schramm zusammen gestellten Beiträge gehen auf eine Jahrestagung der Fachgruppe Rezeptions- und Wirkungsforschung der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft (2008) zurück. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/472">[Mehr]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Michael Schenk</em></p>
<p><a href="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/06/treptehasenbrinkschramm2009.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-2027" title="trepte&amp;hasenbrink&amp;schramm2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/06/treptehasenbrinkschramm2009.jpg" alt="" width="160" height="219" /></a>Die Rezeptions-  und Wirkungsforschung hat traditionell viele Bezüge zur Medien- und Kommunikationspraxis. Viele klassische Studien aus der Rezeptions-  und Wirkungsforschung, etwa von Paul Lazarsfeld oder Carl Iver Hovland, verdanken nicht nur ihre Finanzierung, sondern auch ihre Entstehung praxisrelevanten Problemstellungen. Umgekehrt fließen Erkenntnisse aus der Rezeptions- und Wirkungsforschung in die Behandlung von Fragestellungen aus der Praxis ein. Die in dem Band von Sabine Trepte, Uwe Hasebrink und Holger Schramm zusammengestellten Beiträge gehen auf eine Jahrestagung der Fachgruppe Rezeptions- und Wirkungsforschung der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft (2008) zurück.</p>
<p>An der Tagung nahmen auch Praktiker teil, die die &#8220;Praxistauglichkeit&#8221; der Beiträge überprüften. Die Autoren hatten die Möglichkeit, die Diskussion bei der Ausarbeitung der dann publizierten Beiträge aufzunehmen.</p>
<p>Der Band umfasst insgesamt elf Beiträge. Nach einer Einführung der Herausgeber zum Thema grundsätzlicher Ansatzpunkte für eine Kooperation zwischen Rezeptions-  und Wirkungsforschung und Medienpraxis und der Behandlung gängiger Kooperationsformen werden durchgängig Ansätze und empirische Erkenntnisse aus Studien im Schwerpunktbereich des Bandes vorgestellt und im Hinblick auf praxisrelevante Fragestellungen ausgewertet. Das Spektrum der Beiträge ist breit. Die Beiträge werden in zwei Teilen des Bandes komprimiert: 1. Anwendung der Rezeptions- und Wirkungsforschung auf strategische und persuasive Kommunikation sowie 2. Rezeptions- und Wirkungsforschung für die Mediengestaltung.</p>
<p>Im ersten Teil berichten Schulz/Walter aus einer Befragung von Entscheidern über den Nutzwert der wissenschaftlichen Erkenntnisse für die Praxis; allerdings wird hierbei auch deutlich, dass die Erkenntnisse häufig benutzt werden, bereits gefallene Entscheidungen in der Praxis zu legitimieren.</p>
<p>Die anderen Beiträge sind verschiedenen Themen gewidmet:</p>
<ul>
<li> Analyse der Loyalität in kritischen Kundenbeziehungen (van Treeck/Zervos),</li>
<li>Wahrnehmung und Wirkung einer Schweizer Anti-Rassismus-Kampagne bei Jugendlichen (Stämpfli),</li>
<li>Experimente zur Wirkung von Mere-Exposure-Effekten der Product Placements auf die Markenbewertung (Wirth/Matthes/Schemer/Husmann),</li>
<li>Experimente zur differentiellen Wirkung von rhetorischen Stimuli (Mimik, Gestik, betontes Sprechen), die auch Real-Time-Messungen inkludieren (Jackob/Roessing/Petersen),</li>
<li>bis hinzu einer Verbindung der dramaturgisch-ästhetischen Analyse mit dem Rezeptionshandeln u.a. anhand einer Untersuchung der Rezeption der TV-Show: Ich bin ein Star – Holt mich hier raus! (Mikos/ Pommer/Töpper).</li>
</ul>
<p>Unterschiedlich sind auch die Beiträge im zweiten Teil ausgerichtet:</p>
<ul>
<li> Rössler, Germanus, Gruschwitz und Kalch stellen eine auf Basis des Transaktionsmodells entwickelte empirische Studie zum Rezipienverhalten bei Call-In-Shows im Fernsehen vor, in der unter anderem auf aggregierter Ebene Daten aus einer Inhaltsanalyse mit minutengenauen Abrufdaten des Anbieters verknüpft werden. Allerdings können wegen mangelnder Zustimmung des Anbieters (aus Wettbewerbsgründen) die Ergebnisse nicht in dem Beitrag ausgewiesen werden.</li>
<li>In einem Beitrag von Böcking, Huwiler und Wirth geht es um die experimentelle Untersuchung der Akzeptanz von unrealistischen Szenen in Action-Filmen.</li>
<li>Schramm gibt Einblicke in Erfolgsfaktoren für die Gestaltung von Mainstream-Musikprogrammen im Radio.</li>
<li>Behr und Trepte berichten aus einer Bloganalyse zur medienethischen Diskussion über die Kennzeichnung von Werbung und PR in Weblogs und ziehen daraus Schlüsse für die Unternehmenskommunikation.</li>
</ul>
<p>Zusammenfassend gibt der Band nicht nur Einblicke in eine praxisrelevante Rezeptions-  und Wirkungsforschung, sondern macht auch deutlich, dass die Kooperation von Wissenschaft und Praxis bestimmte Eigenheiten und Grenzen aufweist, wie sie etwa bei der wissenschaftlichen Grundlagenforschung (z. B. DFG-Forschung) nicht auftreten (hier gibt es natürlich wieder andere Probleme).</p>
<p>Verdienstvoll ist der Band allemal, da die Umsetzung kommunikationswissenschaftlicher Erkenntnisse in die Medienpraxis dringlich erscheint. Allerdings mangelt es vielen der Beiträge an einer klaren strategisch inhaltlichen Umsetzung. So sind etwa die von Hertha Sturm in den 70er und 80er Jahren vorgelegten medienpsychologischen Arbeiten hinsichtlich praxisrelevanter Fragestellungen deutlich klarer zu lesen (Sturm 2000). Auch ist bei einer Reihe der Beiträge die Datenbasis oft sehr eingeschränkt (kleine Fallzahlen, Experimente im studentischen Bereich), die gewonnenen Erkenntnisse sind daher nicht immer auf ein breites Publikum übertragbar.</p>
<p>Gleichwohl  möchte ich den Band empfehlen, weil er eine notwendige Diskussion (erneut) anstößt.</p>
<p><em>Literatur:</em></p>
<ul>
<li>Sturm, H.: <em>Der gestresste Zuschauer</em>. Stuttgart [Verlag C.H. Beck] 2000.</li>
</ul>
<p style="text-align: justify;"><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.verlag-reinhard-fischer.de/ProduktDetail.aspx?ID_Artikel=289" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.hamburgmediaschool.com/medienmanagement/lehreundforschung/akademischerstab/biografien/sabinetrepte.php" target="_blank">Webpräsenz von Sabine Trepte an der Hamburg Media School</a></li>
<li><a href="http://www.hans-bredow-institut.de/de/mitarbeiter/prof-dr-uwe-hasebrink" target="_blank">Webpräsenz von Uwe Hasebrink an der Universität Hamburg</a></li>
<li><a href="http://www.ipmz.uzh.ch/de/abteilungen/medienpsychologie/team/holger-schramm.html" target="_blank">Webpräsenz von Holger Schramm an der Universität Zürich</a></li>
<li><a href="https://www.uni-hohenheim.de/1597.html?typo3state=persons&amp;lsfid=562" target="_blank">Webpräsenz von Michael Schenk an der Universität Hohenheim</a></li>
</ul>
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		</item>
		<item>
		<title>Axel Kuhn: Vernetzte Medien</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/813</link>
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		<pubDate>Sun, 17 Jan 2010 22:34:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einzelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Computerspiele]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikationswissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Online-Community]]></category>
		<category><![CDATA[Online-Rollenspiele]]></category>
		<category><![CDATA[Raumwahrnehmung]]></category>
		<category><![CDATA[Rezeption]]></category>
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		<category><![CDATA[Virtuelle Gemeinschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Virtuelle Welt]]></category>

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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Gerit Götzenbrucker</em>

<img class="alignleft size-full wp-image-1917" title="kuhn2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2010/01/kuhn2009.jpg" alt="kuhn2009" width="160" height="245" />Das 367 Seiten umfassende Werk wurde als Dissertation an der Universität Erlangen-Nürnberg angenommen, wobei der Autor dem Fachbereich Buchwissenschaft am Institut für Theater- und Medienwissenschaft angehört. Der Fokus liegt auf einer – stark kulturwissenschaftlich geprägten – Definition von Räumlichkeit und Raumwahrnehmung in digitalen, vernetzten Medienwelten und deren Einfluss auf Rezeptionssituationen. „Die grundlegende These ist, dass die Erweiterung der Rezeption durch die funktionalen Prinzipien vernetzter Medien und der damit verbundenen Erzeugung einer virtuellen Wirklichkeit starken Einfluss auf deren Nutzung nimmt, kognitive und emotionale Prozesse während der Nutzung intensiviert und spezifische langfristige Wirkungen begünstigt.“ Dafür wurde im empirischen Teil der Arbeit eine strukturierte Inhaltsanalyse der „funktional medialen Räume“ des Massively Multiplayer Online Role Playing Game <em>World of Warcraft</em> sowie eine quantitative Online-Befragung (n=277) von Spielern durchgeführt. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/813">[Mehr]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Gerit Götzenbrucker</em></p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-1917" title="kuhn2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2010/01/kuhn2009.jpg" alt="kuhn2009" width="160" height="245" />Das 367 Seiten umfassende Werk wurde als Dissertation an der Universität Erlangen-Nürnberg angenommen, wobei der Autor dem Fachbereich Buchwissenschaft am Institut für Theater- und Medienwissenschaft angehört. Der Fokus liegt auf einer – stark kulturwissenschaftlich geprägten – Definition von Räumlichkeit und Raumwahrnehmung in digitalen, vernetzten Medienwelten und deren Einfluss auf Rezeptionssituationen. &#8220;Die grundlegende These ist, dass die Erweiterung der Rezeption durch die funktionalen Prinzipien vernetzter Medien und der damit verbundenen Erzeugung einer virtuellen Wirklichkeit starken Einfluss auf deren Nutzung nimmt, kognitive und emotionale Prozesse während der Nutzung intensiviert und spezifische langfristige Wirkungen begünstigt.&#8221; (22) Dafür wurde im empirischen Teil der Arbeit eine strukturierte Inhaltsanalyse der &#8220;funktional medialen Räume&#8221; des Massively Multiplayer Online Role Playing Game <em>World of Warcraft</em> sowie eine quantitative Online-Befragung (n=277) von Spielern durchgeführt.</p>
<p>Bevor es jedoch zu einer Beschreibung der empirischen Studien und der Forschungsergebnisse kommt (erst auf Seite 213), bereitet der Autor sein Forschungsfeld theoretisch sehr ausführlich und penibel auf, was sich insbesondere an einer Vielzahl von Definitionen und Begriffsklärungen am Anfang des Werkes zeigt: Die Bestimmung der funktionalen Potenziale vernetzter Medien (anhand der Dimensionen Multimedialität, Interaktivität und Virtualität) mündet in einem Schaubild zur Verortung virtueller Welten in Abgrenzung zu anderen Varianten der computervermittelten Kommunikation (98). Interessanterweise wird der titelgebende Netzwerkbegriff jedoch nicht definiert, was irreführend für die Leser ist.</p>
<p>Des weiteren arbeitet der Autor daran, virtuelle Welten als Verbindung komplexer Sozialräume und Wirkungsräume zu positionieren, was insgesamt mehr als die Hälfte des vorliegendes Werkes einnimmt und sich als eine ausführliche Dokumentation unterschiedlicher Blickwinkel auf Räumlichkeit (bisweilen mit etwas zu vielen und zu langen Originalzitaten) und einer jeweils anschließenden Konklusion bezüglich deren Bedeutung für die Nutzung unterschiedlicher Medientypen darstellt. In Kapitel 4 bis 6 werden dann die eigentlich wichtigen Grundlagen für die Bestimmung der Rezeption vernetzter Medien behandelt – Wahrnehmungsraum (ästhetische Multimedialität und technische Interaktion) und Sozialraum (Interpersonale Interaktion, Identität, vernetzte mediale Gemeinschaften) – und in eine schematische Darstellung (212) gegossen. Bis es soweit kommt, braucht der Leser allerdings viel Durchhaltevermögen, da die direkte Verbindung der einzelnen an Theorien angelehnten Passagen relativ unverbunden nebeneinander stehen.  Das soll jedoch nicht die Tatsache herabsetzten, dass der Autor sich sehr intensiv mit den relevanten Theorien und Studien zur Beschreibung virtueller Räume, Kommunikation und Gemeinschaften auseinandergesetzt hat, was schon durch das ausführliche Literaturverzeichnis belegt ist.</p>
<p>Die unterschiedlichen, aus dem Schema ersichtlichen Aspekte und Beschaffenheiten, die virtuelle Welten ausmachen, bilden sowohl die Grundlage für die qualitative, strukturierte Inhaltsanalyse des Online-Rollenspiels <em>World of Warcraft</em>, als auch den Ankerpunkt für die Fragedimensionen der Online-Befragung.</p>
<p>In der strukturierten Inhaltsanalyse, die einerseits auf vorausgehenden Beobachtungen im Spiel als auch auf die Analyse von vorliegenden Informationen über das Spiel aufbaut, werden im Zeitraum von Februar 2005 bis Anfang 2008 insbesondere die Struktur des Wahrnehmungsraumes (der audiovisuellen, narrativen sowie interaktiven Struktur) und des Sozialraumes (interpersonale Kommunikation, Gemeinschaftsstrukturen, intermediale Elemente) mit dem Ergebnis untersucht, dass es sich bei <em>WoW</em> um eine vielschichtige virtuelle Wirklichkeit handelt. Allerdings wurde(n) keine weitere(n) virtuelle(n) Welt(en) inhaltsanalytisch untersucht, um hier einen Vergleich zu ziehen und beispielsweise die Grade der Abweichung hinsichtlich der Komplexität der einzelnen virtuellen Welten feststellen zu können. Das Resümee der Inhaltsanalyse fällt mit eineinhalb Textseiten etwas zu knapp aus, das können auch die Bildtexte zu bunten Screenshots aus dem Spiel nicht ausreichend kompensieren (256-270). Hier soll ein visueller Eindruck vermittelt werden, wie sich Landschaften und Regionen, Jahreszeiten, Karten, tektonische Unterscheide gestalten, wie sich Charaktere ausgestalten lassen und wie die unterschiedlichen Kommunikationsmodi visuell in das Spiel eingebunden sind.</p>
<p>Die Online-Befragung von 277 deutschen <em>WoW</em>-Spielern, die in den <em>WoW</em>-Foren mittels Link erreicht wurden, bietet interessante Einblicke u.a. in die emotionalen Befindlichkeiten der Spieler; beispielsweise, dass die Frustration durch technische Ausfälle (68%) um ein vielfaches höher bewertet wird als die Frustration durch den Tod einer Spielfigur (8%) (301ff.). Oder Ergebnisse zu sozialen Komponenten der Gildenmitgliedschaft, die belegen, dass es vorrangig um spielerische Möglichkeiten geht und erst nachrangig um das Kennenlernen neuer Leute oder das Zusammensein mit Freunden in der Community. Leider werden diese Ergebnisse nicht anhand des aktuellen, internationalen Forschungsstandes diskutiert und herausgearbeitet, was deren besondere Qualität darstellt. Die Zusammenfassungen der empirischen Teile referenzieren insgesamt ausschließlich auf die vom Autor gewonnenen Ergebnisse. Nach Ansicht der Rezensentin hätte hier noch Arbeit in ein ausführliches Resümee und einen Forschungsausblick investiert werden müssen, der alle Komponenten der Konstruktion von Qualität in vernetzen (Spiel-)Welten nochmals im Hinblick auf die gewonnenen Erkenntnisse bewertet und internationalen Forschungsergebnissen gegenüberstellt.</p>
<p>Insgesamt könnte das Werk gekürzt werden, beispielsweise um die im empirischen Teil nicht unbedingt notwendigen Diagramme und Tabellen der quantitativen Auswertung.</p>
<p>Summa summarum ein durchaus interessantes Werk, das sich aber ob seines Umfangs und seiner etwas schwerfälligen Strukturierung dem Leser nicht sofort klar erschließt, und dem ein starkes, diskursives Resümee fehlt.</p>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.uvk.de/buch.asp?ISBN=9783867642019&amp;WKorbUID=27523077&amp;TITZIF=2343&amp;be=wi&amp;uBe=ko" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.buchwiss.uni-erlangen.de/institut/mitarbeiter/dr.-axel-kuhn.shtml" target="_blank">Webpräsenz von Axel Kuhn an der Universität Erlangen-Nürnberg</a></li>
<li> <a href="http://www.univie.ac.at/publizistik/Goetzenbrucker.htm" target="_blank">Webpräsenz von Gerit Götzenbrucker an der Universität Wien</a></li>
</ul>
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		</item>
		<item>
		<title>Peter J. Schulz; Uwe Hartung; Simone Keller (Hrsg.): Identität und Vielfalt der Kommunikationswissenschaft</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/459</link>
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		<pubDate>Wed, 11 Nov 2009 14:36:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Philomen Schönhagen</em>

<img class="alignleft size-full wp-image-1695" title="schulzetal2008" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/11/schulzetal2008.jpg" alt="schulzetal2008" width="161" height="230" />Der Band zur Jahrestagung der DGPuK 2008 in Lugano enthält unterschiedlichste Beiträge aus verschiedenen Forschungsgebieten des Fachs, wie bei solch breit angelegten Konferenzen nicht anders zu erwarten ist. Zudem war in diesem Fall die "Vielfalt" der Kommunikationswissenschaft ausdrücklich Programm. Allerdings muss man feststellen, dass der Tagungsband diese Vielfalt, jedenfalls mit Blick auf theoretische Perspektiven und Fachtraditionen, deutlich weniger widerspiegelt, als dies bei der Tagung der Fall war. Das Gros der Beiträge, ebenso wie der Autorinnen und Autoren, ist der zentralen sozialwissenschaftlichen Fachtradition zuzurechnen. Man erhält jedoch durchaus interessante Einblicke in die Vielfalt der kommunikationswissenschaftlichen Forschung. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/459">[Mehr]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Philomen Schönhagen</em></p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-1695" title="schulzetal2008" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/11/schulzetal2008.jpg" alt="schulzetal2008" width="161" height="230" />Der Band zur Jahrestagung der DGPuK 2008 in Lugano enthält unterschiedlichste Beiträge aus verschiedenen Forschungsgebieten des Fachs, wie bei solch breit angelegten Konferenzen nicht anders zu erwarten ist. Zudem war in diesem Fall die &#8220;Vielfalt&#8221; der Kommunikationswissenschaft ausdrücklich Programm. Allerdings muss man feststellen, dass der Tagungsband diese Vielfalt, jedenfalls mit Blick auf theoretische Perspektiven und Fachtraditionen, deutlich weniger widerspiegelt, als dies bei der Tagung der Fall war. Das Gros der Beiträge, ebenso wie der Autorinnen und Autoren, ist der zentralen sozialwissenschaftlichen Fachtradition zuzurechnen. Man erhält jedoch durchaus interessante Einblicke in die Vielfalt der kommunikationswissenschaftlichen Forschung. Fragen der &#8220;Identität&#8221; des Faches –  ebenso Programm der Tagung und Teil des Titels – sind explizit nur in den vier fachhistorischen Beiträgen des ersten Teils (<em>Fabian Schäfer</em>, <em>Erik Koenen</em>, <em>Maria Löblich/Senta Pfaff-Rüdiger</em>, <em>Stefanie Averbeck-Lietz</em>) sowie in der Bestandsaufnahme kultur- und praxistheoretischer Konzepte von <em>Johannes Raabe</em> Thema.</p>
<p>Die von den Herausgebern angestrebte Gliederung in drei Teile – einen ersten zum Fach und seiner Theorieentwicklung, einen zweiten mit Blick auf (theoretische) Ansätze und Teilgebiete des Fachs und einen dritten zu empirischen Studien – ist nur bedingt nachvollziehbar. So würde der Beitrag von <em>Patrick Donges</em>, der aus einer interdisziplinären Perspektive grundlegende Definitionsprobleme der Politischen Kommunikation diskutiert, besser in den zweiten Teil passen, ebenso wie der bereits erwähnte Aufsatz von Johannes Raabe (theoretische Ansätze). Im zweiten Teil wiederum sind zwei Beiträge enthalten, die Ergebnisse empirischer Studien präsentieren (<em>Olaf Jandura/Constanze Rossmann</em> sowie <em>Sabrina Bresciani/Martin J. Eppler</em>) und somit besser im dritten Teil zu verorten wären.</p>
<p>Da die Rezension eines derart vielfältigen Bandes mit insgesamt 17 Beiträgen (ausgewählt aus 63 Vorträgen, wie der Einleitung zu entnehmen ist) unmöglich ins Detail gehen kann, soll im Folgenden vor allem die oben begonnene Übersicht zu den einzelnen Aufsätzen vervollständigt werden.</p>
<p>Interessante Einblicke in die Ideen- bzw. Theoriegeschichte des Fachs aus einer transnationalen Perspektive bieten drei Beiträge (im ersten Teil): Die Diskussion des Begriffs bzw. Konzepts von öffentlicher Meinung in der japanischen Kommunikations- bzw. Zeitungswissenschaft der 1920er und -30er Jahre, die <em>Fabian Schäfer</em> ebenso beleuchtet wie deren Wechselwirkungen mit dem deutschen Fach bzw. einzelnen Vertretern desselben, ist für viele Leser sicher neu. <em>Erik Koenen</em> gibt einen Überblick über die Fachgeschichte in Skandinavien mit Schwerpunkt auf Finnland, wobei die wechselnden internationalen Einflüsse sowie die enge &#8220;Nordic Co-Operation&#8221; der skandinavischen Länder im Mittelpunkt stehen. <em>Stefanie Averbeck-Lietz</em> veranschaulicht kenntnisreich die unterschiedliche, aber komplementäre Rezeption des Konstruktivismus in der deutsch- und französischsprachigen Kommunikationswissenschaft. Sie führt diese vor allem auf die unterschiedlichen Fachtraditionen mit der in Frankreich stärker sprach- und handlungstheoretischen sowie wissenssoziologischen Orientierung und auf die je eigene Rezeption amerikanischer Literatur zurück. Der vierte fachhistorische Beitrag fokussiert dagegen nur auf Deutschland: Die Inhaltsanalyse der wissenschaftlichen Aufsätze in der &#8220;<a href="http://www.publizistik-digital.de" target="_blank">Publizistik</a>&#8221; der Jahre 1956 bis 1980, deren Ergebnisse <em>Maria Löblich</em> und <em>Senta Pfaff-Rüdiger</em> präsentieren, unterstreicht einmal mehr, dass sich eine verstärkt empirisch-sozialwissenschaftliche Perspektive eher langsam, in einem &#8220;evolutionären Prozess&#8221; durchgesetzt  hat (61).</p>
<p><em>Jörg Matthes</em> gibt einen Überblick über die Framing-Forschung und stellt Ergebnisse einer Meta-Analyse diesbezüglicher Studien vor, welche die Disparität des Ansatzes veranschaulichen. Daraus leitet er Anregungen für ein Forschungsprogramm mit einheitlichen Begrifflichkeiten ab. <em>Inga Huck</em>, <em>Oliver Quiring</em> und <em>Hans-Bernd Brosius </em>widmen sich, auf der Basis eines kurzen Forschungsüberblicks, der Weiterentwicklung des Agenda-Setting-Ansatzes. Sie schlagen ein Modell vor, das Wahrnehmungsphänomene wie insbesondere den Third-Person-Effekt einbezieht. <em>Benjamin Krämer</em>, <em>Thorsten Schroll</em> und <em>Gregor Daschmann</em> legen Möglichkeiten zur Verbesserung multivariater Datenanalysen mittels künstlicher neuronaler Netze dar, die in anderen Fächern bereits ein eingeführtes &#8220;statistisches Werkzeug&#8221; (179) seien. Dabei skizzieren sie kurz Beispiele aus verschiedenen Forschungsfeldern.</p>
<p>Die übrigen Beiträge (im zweiten und dritten Teil des Bandes) stellen Ergebnisse diverser empirischer Studien vor. Vier der Aufsätze weisen eine internationale Perspektive auf: <em>Joachim Trebbe</em> und <em>Jens Woelke</em> identifizieren in den Programmstrukturen der öffentlich-rechtlichen bzw. öffentlich-konzessionierten Fernsehsender Deutschlands, Österreichs und der Schweiz zwei unterschiedliche Strategien (komplementäre Formatierung der Programme eines Veranstalters oder Profilierung &#8220;gegeneinander&#8221;, 209). <em>Kevin Grieves</em> zeigt anhand einer qualitativen Befragung grenzüberschreitend arbeitender Journalisten in der deutsch-französisch-luxemburgischen Region Saar-Lor-Lux, welche Schwierigkeiten die interkulturelle Zusammenarbeit in sich birgt und dass erfolgreiche Kooperation stark auf persönlichen Kontakten basiert. <em>Manuel Puppis</em> untersucht, ausgehend von der neoinstitutionalistischen Organisationstheorie, wie die Presseräte Deutschlands, der Schweiz, Großbritanniens und Irlands auf Anforderungen ihrer Umwelten reagieren (Anpassung von Strukturen und Prozessen). <em>Uwe Hasebrink</em> schließlich legt die Konzeption einer international vergleichenden Meta-Studie zur Onlinenutzung von Kindern und Jugendlichen in 21 Ländern dar.</p>
<p>Weiter präsentieren <em>Olaf Jandura</em> und <em>Constanze Rossmann</em> eine Inhaltsanalyse zum Thema Gesundheit in Boulevardmagazinen des deutschen Fernsehens. Untersucht wurden die Häufigkeit von Gesundheitsthemen (ca. 10% aller Beiträge), die Akteure (mehrheitlich Männer, außer beim Subthema Schönheitsoperationen), das Emotionalisierungspotenzial (&#8220;im Mittelfeld&#8221;, 159) sowie die Publikumsorientierung der Beiträge (hoch). Im einzigen englischsprachigen Beitrag identifizieren <em>Sabrina Bresciani</em> und <em>Martin J. Eppler</em> Grenzen der Visualisierung komplexer Informationen. Auf der Basis einer Literaturübersicht und der Ergebnisse aus Interviews sowie einer Gruppendiskussion mit Experten erarbeiten sie eine Klassifikation der (kognitiven, emotionalen und sozialen) Risiken bzw. Probleme graphischer Darstellungen, die Designer- und Nutzer-induziert sein können. Methodisch besonders interessant ist der Beitrag von <em>Markus Lehmkuhl</em>, der in einem kleinen Dorf des Landkreises Oldenburg die Einflüsse sozialer Netzwerke auf die Adoption neuer Telekommunikationstechniken erforscht und dabei gut zwei Drittel der Einwohner befragt hat. <em>Gerhard Vowe</em> und <em>Marco Dohle</em> schließlich prüfen mit der Mediatisierungsthese eine hoch aktuelle theoretische Perspektive. Dazu führten sie eine Längsschnittanalyse deutscher Parlamentsdebatten durch, wobei sie auf die Entwicklung der (Medien-)Referenzen der Redner fokussieren. Die Mediatisierungsthese können sie mit ihren Ergebnissen nur teilweise bestätigen.</p>
<p>Wie eingangs bereits vorweggenommen, bietet der Tagungsband somit vielfältige Einblicke in die Forschung des Faches – von der Fach- und Theoriegeschichte über Politische Kommunikation, verschiedene theoretische Ansätze und methodische Entwicklungen bis hin zu Visueller und Gesundheitskommunikation, Journalismus-, Fernseh-, Mediennutzungs- und Diffusionsforschung. Sollte man aufgrund des Titels einen Gesamtüberblick über das Fach Medien- und Kommunikationswissenschaft und/oder eine vertiefte Diskussion zur Identität desselben erwarten, würde man jedoch enttäuscht.</p>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.uvk.de/buch.asp?ISBN=9783867641470&amp;WKorbUID=7000006&amp;TITZIF=2266&amp;be=&amp;uBe=" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.usi.ch/personal-info?id=272" target="_blank">Webpräsenz von Peter J. Schulz an der Università della Svizzera italiana</a></li>
<li><a href="http://www.usi.ch/personal-info?id=1043" target="_blank">Webpräsenz von Uwe Hartung an der Università della Svizzera italiana</a></li>
<li><a href="http://www.usi.ch/personal-info?id=1140" target="_blank">Webpräsenz von Simone Keller an der Università della Svizzera italiana</a></li>
<li><a href="http://www.unifr.ch/mukw/mukw07/index.php?page=prof-dr-philomen-schonhagen" target="_blank">Webpräsenz von Philomen Schönhagen an der Universität Fribourg (CH)</a></li>
</ul>
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		<title>Peter Schumacher: Rezeption als Interaktion</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/815</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/815#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 04 Nov 2009 08:21:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Martin Welker</em>

<img class="alignleft size-full wp-image-1643" title="schumacher2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/11/schumacher20091.jpg" alt="schumacher2009" width="161" height="234" />Die Dissertation von Peter Schumacher wurde am Fachbereich II der Universität Trier 2008 angenommen und ist als Band 36 der Reihe "Internet Research" in der Edition Reinhard Fischer erschienen, die jetzt im Nomos Verlag verlegt wird. Der 300 Seiten starke Band ist in acht Kapitel unterteilt und abgesehen von einem Anhang, einem Literaturverzeichnis, einer Einleitung und einem Fazit findet sich der inhaltliche Kern des Buches in vier Kapiteln. Das Literaturverzeichnis umfasst 15 Seiten und der Anhang die Dokumentation der in der empirischen Studie genutzten Testleitfäden. Die Auswertung der empirischen Rezeptionsstudie nimmt etwa 150 Seiten ein. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/815">[Mehr]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Martin Welker</em></p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-1643" title="schumacher2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/11/schumacher20091.jpg" alt="schumacher2009" width="161" height="234" />Die Dissertation von Peter Schumacher wurde am Fachbereich II der Universität Trier 2008 angenommen und ist als Band 36 der Reihe &#8220;Internet Research&#8221; in der Edition Reinhard Fischer erschienen, die jetzt im Nomos Verlag verlegt wird. Der 300 Seiten starke Band ist in acht Kapitel unterteilt und abgesehen von einem Anhang, einem Literaturverzeichnis, einer Einleitung und einem Fazit findet sich der inhaltliche Kern des Buches in vier Kapiteln. Das Literaturverzeichnis umfasst 15 Seiten und der Anhang die Dokumentation der in der empirischen Studie genutzten Testleitfäden. Die Auswertung der empirischen Rezeptionsstudie nimmt etwa 150 Seiten ein.</p>
<p>Die Motivation der Arbeit bestand darin, die Rezeption von Inhalten zu untersuchen, deren Form multimedial, hypertext-basiert und formal interaktiv gestaltet ist. Laut Untertitel des Buches sollen &#8220;multimodale Darstellungsformen im Online-Journalismus&#8221; untersucht werden. Das ist eine verdienstvolle Aufgabe, werden doch Online-Inhalte zunehmend in einer Form angeboten, die in nicht-onlinebasierten Medien bislang nicht zu verwirklichen war. Multimedia, Hypertext und Interaktivität seien bisher uneingelöste Versprechen des Online-Journalismus gewesen (9). Da diese nun aber immer häufiger umgesetzt würden, sei es an der Zeit zu untersuchen, welche Faktoren deren Rezeption bestimmen.</p>
<p>Der Autor nutzt als Sammelbezeichnung für journalistische Online-Inhalte wie Slideshows, interaktive Karten, Animationen und auch Bewegtbildinhalte (unter anderem Videokurznachrichten) den Ausdruck &#8220;IMD&#8221;, was für &#8220;interaktive, multimodale Darstellungsformen&#8221; steht. Dunkel bleibt zunächst der Absatz, der die theoretische Fundierung der Arbeit zusammenfasst (11): Der Studie liege ein funktionales, handlungstheoretisches Verständnis von journalistischer Kommunikation zugrunde, so der Autor, und &#8220;wie diese Kommunikation verläuft, entscheidet sich im Umgang des Rezipienten mit dem Medienangebot&#8221;. Journalistische Kommunikation ist hier also nicht mehr ein zweiseitiger, auf Verstehen ausgerichteter Prozess, sondern wird als einseitig auf den Nutzer bezogene Rezeption aufgefasst. &#8220;Die Funktion eines journalistischen Beitrags ergibt sich ebenfalls […] in diesem Prozess&#8221;, schreibt Schumacher. Das macht stutzig. Pointiert gesprochen wird hier dem Nutzer die entscheidende Rolle für das Gelingen von Kommunikation zugewiesen und mittels dieses Rezeptionskonzepts wird der journalistische und gesellschaftliche Funktionszusammenhang komplett ausgeblendet. So ist dann auch der folgende Satz nicht mehr verwunderlich: &#8220;Die Prinzipien der Multimodalität und Hypertextualität sind auch außerhalb der Domäne Online-Journalismus zunehmend in der Medienkommunikation umgesetzt, sei es […] in der Öffentlichkeitsarbeit oder dem E-Learning&#8221; (12). Somit ist hier offenbar völlig egal, in welchem funktionalen und gesellschaftlichen Entstehungszusammenhang Inhalte rezipiert werden, alles ist quasi &#8220;Content&#8221;. Das aber ist eine Auffassung, die beim journalistik-interessierten Leser mehr als ein Stirnrunzeln verursacht. Außerdem bleibt zunächst unklar, <em>welche</em> handlungstheoretische Perspektive eigentlich eingenommen wird (zum Potenzial handlungstheoretischer Erklärungen für die Journalismusforschung vgl. Reinemann 2007; Schimank 2007). Es dauert bis Kapitel 4 (68ff.), bis der Leser versteht, dass die &#8220;handlungsorientierte Textlinguistik&#8221; (ebd.) und &#8220;kognitionstheoretische Ansätze&#8221; (ebd.) fruchtbar gemacht werden sollen.</p>
<p>Zur Auffassung &#8220;Alles ist Content&#8221; passend, orientiert sich der Abschnitt, in dem die &#8220;IMD&#8221; in Bezug auf journalistische Darstellungsformen diskutiert werden, überhaupt nicht an den akzeptierten Taxonomien für Darstellungsformen (&#8220;Schulen&#8221;), sondern listet lediglich einige Bezeichnungen für grafik- und bildbasierte Inhalte auf. In welchen journalistischen Bezügen diese neuen Formen möglicherweise genutzt werden, beispielsweise für eine Webreportage, für eine Doku, für einen Nachrichtenblock, eine Berichtsform oder für ein Feature, wird ausgeblendet. Stattdessen wird von einem &#8220;neuartige[n] Journalismus&#8221; (19) fabuliert, der sich aufgrund von &#8220;Konvergenzprozessen&#8221; gebildet hätte. Was aber neu an einem Journalismus sein soll, der Text, Bild und Grafik neu kombiniert, bleibt dunkel. Leider werden dann noch weitere Begriffsfässer aufgemacht: &#8220;Darstellungsweisen&#8221;, &#8220;Codierung&#8221;, &#8220;thematisches Cluster&#8221;, &#8220;Modi&#8221; und &#8220;Erscheinungsformen&#8221; führen hier eine muntere – aber leider unklare – taxonomische Koexistenz. Es zeigt sich, dass das Akronym &#8220;IMD&#8221; a) kaum an die gebräuchlichen journalistischen Darstellungsformen angebunden wird und dass b) aus journalistischer Sicht nicht zu erkennen ist, welchen Sinn es machen könnte, eine solche Bezeichnung überhaupt zu verwenden. Immerhin wird in Kapitel 3 eine Einordnung der Begriffe &#8220;Multimodalität&#8221;, &#8220;Hypertextualität&#8221; und &#8220;Interaktivität&#8221; angeboten. Bei der anschließenden Diskussion vermeintlicher journalistischer Grundfunktionen (&#8220;Veranschaulichen, Erklären, Erzählen&#8221;) vermisst der geneigte Leser dann zwei ganz entscheidende weitere Funktionen des Journalismus: das Informieren und das Unterhalten.</p>
<p>Konkreter wird die Arbeit ab Kapitel 5: Untersucht wurden insgesamt fünf Inhaltspakete aus dem Angebot von &#8220;<a href="http://www.zdf.de/" target="_blank">ZDF-Online</a>&#8221; und aus dem Online-Angebot der &#8220;<a href="http://www.washingtonpost.com/" target="_blank">Washington Post</a>&#8220;. Es handelt sich dabei um eher featurehafte, dokumentationsähnliche Geschichten (118), die überwiegend auf der Rekombination von bereits vorhandenen Inhalten beruhen. Problematisch ist es, dass das englischsprachige Angebot der &#8220;Washington Post&#8221; von deutschen Probanden getestet wurde, obwohl dieses für sie schwieriger zu verstehen war als deutsche Angebote. Der eingesetzte Methodenmix enthielt die Methode des Lauten Denkens, die Blickaufzeichnung und die Befragung. 21 Probanden standen zur Verfügung, was das Etikett &#8220;qualitativ-explorativ&#8221; (275) rechtfertigt.</p>
<p>Aus den Transkripten und den Erkenntnissen der Blickaufzeichnungen wurden neun Rezeptionsprinzipien extrahiert: Segmentierung, gelernte Nutzungsmuster, explorierende Nutzung, Funktionalitätserwartung (in technischer Hinsicht), kontrollierte Rezeption, lineare Nutzung, konkurrierende Modi, komplementäre Modi und Modalitätsdifferenz (150). Aufgrund der gefundenen Rezeptionsprinzipien leitet der Autor Konsequenzen für die Gestaltung multimedialer/multimodaler Inhalte ab. Denn: &#8220;Die Interaktion mit multimodalen Angeboten hängt in hohem Maße von gestalterischen Merkmalen ab&#8221; (259). Die technische Rezeption bestimme dann das Verstehen der Inhalte. Das sollten Online-Redakteure beachten: Wer multimodale Inhalte produziere, müsse über die Rezeptionsprinzipien Bescheid wissen. Präsentation aber sei eine journalistische Aufgabe (277).</p>
<p>Das ist sicher richtig in dem Sinne, dass Mediengestalter oder Techniker eine journalistische Geschichte kaputt machen können, indem sie diese so verpacken, dass der Rezeptionsprozess gestört wird. Übrigens gilt das nicht nur für Online, sondern beispielsweise auch für Printangebote. Online lässt sich aber offenbar mehr falsch machen. &#8220;Weniger ist bei der Verpackung mehr&#8221;, dieses Fazit liest der Rezensent deshalb aus der vorliegenden Studie heraus. Hier bringt die Arbeit wichtige und kleinteilige Einsichten. Insgesamt aber geht der Autor nach dem Geschmack des Rezensenten zu wenig auf journalismusspezifische Funktionalitäten ein, auch im Hinblick auf den Untertitel der Arbeit. Journalistische Inhalte sollten eben nicht mit Lernsoftware oder multimodalen PR-Angeboten in einen Topf geworfen werden, weil sie funktionstheoretisch anders zu verorten sind, was sich auch auf die Rezeptionssituation auswirkt. Sowieso liegt im Online-Journalismus das innovativste Potenzial in den Grundfunktionen journalistischen Arbeitens wie dem Recherchieren (und nicht in der Gestaltung). Das zeigt aktuell unter anderem die Diskussion um das so genannte Crowdsourcing.</p>
<p>P.S.: Die Ergebnisse von Schumacher erinnern auch an solche zur Online-Forschung, welche unter anderem die Usability von Elementen in der Online-Befragung in den Blick nehmen. Farbe, Form und hypertextuelle Elemente sollten eher reduziert und in jedem Fall funktionsbezogen eingesetzt werden. Spielereien lohnen sich nicht.</p>
<p><em>Literatur: </em></p>
<ul>
<li>Schimank, U.: &#8220;Handeln in Konstellationen: Die reflexive Konstitution von handelndem Zusammenwirken und sozialen Strukturen&#8221;. In: Altmeppen, K.-D.; Hanitzsch, T.; Schlüter, C. (Hrsg.): <em>Journalismustheorie: Next Generation. Soziologische Grundlegung und theoretische Innovation</em>. Wiesbaden [VS Verlag für Sozialwissenschaften] 2007, S. 121-138.</li>
<li>Reinemann, C.: &#8220;Subjektiv rationale Akteure: Das Potenzial handlungstheoretischer Erklärungen für die Journalismusforschung&#8221;. In: Altmeppen, K.-D.; Hanitzsch, T.; Schlüter, C. (Hrsg.): <em>Journalismustheorie: Next Generation. Soziologische Grundlegung und theoretische Innovation</em>. Wiesbaden [VS Verlag für Sozialwissenschaften] 2007, S. 47-70.</li>
</ul>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.nomos-shop.de/productview.aspx?isbn=9783832945367" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.peter-schumacher.net/blog/" target="_blank">Weblog von Peter Schumacher</a></li>
<li><a href="http://www.martin-welker.de/" target="_blank">Weblog von Martin Welker</a></li>
</ul>
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		</item>
		<item>
		<title>Johannes Ludwig (Hrsg.): Sind ARD und ZDF noch zu retten?</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/482</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/482#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 01 Sep 2009 18:51:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<category><![CDATA[ZDF]]></category>

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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Manfred Mai</em>

<img class="alignleft size-full wp-image-868" title="ludwig2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/05/ludwig2009.jpg" alt="ludwig2009" width="160" height="229" />Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist immer wieder ein dankbares Objekt für das Studium von Fehlentwicklungen. Schon in den Zeiten des Monopols von ARD und ZDF wurde nicht an Kritik gegenüber den öffentlich-rechtlichen Anstalten gespart. Seit dem Aufbau des privaten Rundfunks sind weitere Kritikpunkte hinzugekommen. Zu den nach wie vor bestehenden Problemen der politischen Unausgewogenheit, der Verfilzung und der Ämterpatronage kommen nun vermehrt Fragen nach seiner Effizienz und seiner Legitimation. Mit der Ausdifferenzierung der digitalen Medienlandschaft und dem Siegeszug des Internets kommen weitere Argumente hinzu, die das öffentlich-rechtliche System in Frage stellen. Wenn sich die nachwachsende Generation vom Fernsehen abwendet, muss man sich fragen, welchen Stellenwert öffentlich-rechtlicher Rundfunk in Zukunft überhaupt noch hat. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/482">[Mehr]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Manfred Mai</em></p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-868" title="ludwig2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/05/ludwig2009.jpg" alt="ludwig2009" width="160" height="229" />Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist immer wieder ein dankbares Objekt für das Studium von Fehlentwicklungen. Schon in den Zeiten des Monopols von <a href="http://www.ard.de/" target="_blank">ARD </a>und <a href="http://www.zdf.de/" target="_blank">ZDF</a> wurde nicht an Kritik gegenüber den öffentlich-rechtlichen Anstalten gespart. Seit dem Aufbau des privaten Rundfunks sind weitere Kritikpunkte hinzugekommen. Zu den nach wie vor bestehenden Problemen der politischen Unausgewogenheit, der Verfilzung und der Ämterpatronage kommen nun vermehrt Fragen nach seiner Effizienz und seiner Legitimation. Mit der Ausdifferenzierung der digitalen Medienlandschaft und dem Siegeszug des Internets kommen weitere Argumente hinzu, die das öffentlich-rechtliche System in Frage stellen. Wenn sich die nachwachsende Generation vom Fernsehen abwendet, muss man sich fragen, welchen Stellenwert öffentlich-rechtlicher Rundfunk in Zukunft überhaupt noch hat.</p>
<p>Die Autoren des vorliegenden Bandes haben sich aus der Vielzahl der Kritikpunkte einige herausgesucht, um an ihnen die Legitimität des öffentlich-rechtlichen Rundfunks darzustellen. Es sind dies unter anderem Fragen nach der journalistischen Unabhängigkeit, der Transparenz, der Gebührenfinanzierung und der Fähigkeit zur Selbstreflexion. Immer wieder gelingt es den Autoren des Bandes mit Fallstudien zu zeigen, dass die Forderung nach Transparenz &#8211; etwa über die Sitzungen der Rundfunkgremien &#8211; nicht erfüllt wird. Spätestens seit der Finanzkrise wissen wir, dass Transparenz und Vertrauen in anderen &#8211; privatwirtschaftlichen &#8211; Bereichen viel systemrelevanter sind als im öffentlich-rechtlichen Rundfunk.</p>
<p>Nun mag es Gründe geben, warum ARD und ZDF nicht völlig transparent sind. Wie sollen sie zum Beispiel eine neue Strategie beraten, wenn diese Überlegungen vorher bekannt werden, zumal die privaten Wettbewerber gar nicht daran denken, sich in die Karten schauen zu lassen? Auch Fragen der Programmakquisition und ähnliches sind Geschäftsgeheimnisse. Dennoch gelangen immer wieder Details über solche Vorhaben in die Hände konkurrierender Medien. Selbst Inhalte von angeblichen Vier-Augen-Gesprächen finden ihren Weg in die Öffentlichkeit und man fragt sich, was denn wirklich noch geheim ist. Dennoch: Die Beiträge von Johannes Ludwig und Marvin Oppong zeigen, dass es mit der Kommunikationskultur von ARD und ZDF nicht zum Besten steht. Berechtigte Auskunftsbegehren wurden verweigert und so nähren die Anstalten den Verdacht, dass es etwas zu verbergen gibt.</p>
<p>Kein gutes Haar lässt der Herausgeber auch an der Arbeit der Rundfunkräte. Sie identifizierten sich zu stark mit &#8216;ihrer&#8217; Anstalt, statt sie zu kontrollieren. Was einst als Instrument des Binnenpluralismus institutionalisiert wurde, verkrustete immer mehr zu einem Kartell von Funktionären, die nur noch die Interessen ihrer jeweiligen Klientel im Blick haben, nicht aber das Gesamtinteresse der Zuschauer. Dies ist aber keine Besonderheit von Rundfunkräten, sondern ein Grundproblem repräsentativer Strukturen in einer pluralistischen Demokratie. Auch im Staat ist die Exekutive der Legislative immer überlegen. Dieses demokratietheoretische Problem kann man nicht den ARD-Anstalten anlasten.</p>
<p>In dem Sammelband finden sich kondensiert und aktualisiert fast alle Kritikpunkte gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk wieder, die seit Jahrzehnten regelmäßig vorgebracht werden. Und wie Sisyphus versuchen auch die Autoren dieses Bandes immer wieder, mit weiteren Beiträgen &#8211; teilweise mit persönlich erlebten Beispielen und nicht ohne ein Quäntchen Selbstgerechtigkeit &#8211; das öffentlich-rechtliche System zu diskreditieren. Das haben schon ganz andere versucht: Bundeskanzler, die sich über das öffentlich-rechtliche Meinungsdiktat ärgerten, Kanzlerkandidaten, die sich wegen der &#8220;Schweigespirale&#8221; um ihre Wahlchancen betrogen fühlten, und Ministerpräsidenten, die die Unterschrift unter den Gebührenstaatsvertrag von Strukturreformen der ARD abhängig machten &#8211; von den von der EU vorgebrachten beihilferechtlichen Einwänden ganz zu schweigen.</p>
<p>Es ist daher anzunehmen, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk auch die geballte Kritik dieses Bandes unbeschadet überstehen wird. Bislang ist die Strategie des steten Tropfens nicht aufgegangen. Aber es gibt Anzeichen dafür, dass die Politik zumindest der Eigendynamik der Gebührenerhöhung Grenzen setzen will &#8211; notfalls gegen geltendes Verfassungsrecht, denn eigentlich darf die Politik den Vorschlag der Gebührenkommission (<a href="http://www.kef-online.de/" target="_blank">KEF</a>) nicht einfach ablehnen. Andererseits ist der Ärger vieler Politiker über die Sendungen des Privatfernsehens unübersehbar, obwohl es ihre eigenen Parteien waren, die in den 1980er Jahren die Privatisierung forderten.</p>
<p>An konkreten Vorschlägen zur Strukturreform hat es bisher nicht gerade gemangelt: vom Verfahren der Bestimmung der Rundfunkgebühren über die Fusion von ARD-Anstalten bis zur Auflösung des ZDF. Dagegen lesen sich die Vorschläge der Autoren des vorliegenden Sammelbandes geradezu kleinkariert, wenn sie etwa am Beispiel eines Auskunftsbegehrens, das ein Seminar einer Fachhochschule formuliert hat, zeigen wollen, wie ignorant die Antworten der ARD sein können. Die ARD wäre gut beraten gewesen, die Studierenden einzuladen und &#8211; etwa bei einem Bier, wie es Obama unlängst praktizierte &#8211; auf alle ihre Fragen einzugehen. So hätte dieser eigentlich überflüssige Beitrag vermieden und das Vertrauen einer relevanten Zielgruppe wiederhergestellt werden können. Allerdings scheinen sich die Studenten in ihrer Rolle als Beleidigte zu gefallen.</p>
<p>Dennoch zeigen viele Beiträge des Bandes, dass die traditionellen Kritikpunkte an ARD und ZDF aktualisiert werden müssen &#8211; wie zum Beispiel die überproportionale Gebührensteigerung, der Umgang mit Skandalen im eigenen Haus und die Fragen der Rundfunkaufsicht. Sehr aufschlussreich ist etwa der Beitrag von Jörg-Uwe Nieland über das Beschwerdemanagement beim <a href="http://www.wdr.de/themen/homepages/homepage.jhtml" target="_blank">WDR</a>. Hier wird nicht nur deutlich, wie schwer sich öffentlich-rechtliche Anstalten mit Kritik an ihren Sendungen tun, sondern auch, wie unsouverän der Zuschauer ist. So wird nebenbei auch der medienkompetente Zuschauer als eine Fiktion der Medienwissenschaft dekonstruiert.</p>
<p>Es ist müßig, Organisationen an ihren selbstgestellten Ansprüchen zu messen. Wer Wasser predigt, darf sich nicht beim Wein erwischen lassen. Wer zum Beispiel wie die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten für Transparenz sorgen soll und sie von anderen einfordert, muss sich auch besonderen Anforderungen der Transparenz bezüglich des eigenen Verhaltens stellen. Als Fazit bleibt festzuhalten, dass der vorliegende Sammelband der Diskussion über die Legitimität und die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Systems weitere interessante und empirisch fundierte Argumente hinzufügt. Es bleibt zu hoffen, dass diese Argumente von den Akteuren aufgegriffen werden, die wirklich etwas verändern können. Die Beiträge sind fast durchweg lesenswert und geben bemerkenswerte Einblicke in das Innenleben von ARD und ZDF, die man in anderen medienwissenschaftlichen Beiträgen kaum findet.</p>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.nomos-shop.de/productview.aspx?product=11223" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.johannesludwig.de/" target="_blank">Persönliche Homepage von Johannes Ludwig</a></li>
<li><a href="http://www.uni-due.de/politik/mai.php" target="_blank">Webpräsenz von Manfred Mai an der Universität Duisburg-Essen</a></li>
</ul>
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		</item>
		<item>
		<title>Johanna Dorer; Brigitte Geiger; Regina Köpl (Hrsg.): Medien – Politik – Geschlecht</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/487</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/487#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 29 Aug 2009 17:00:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einzelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Öffentlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Ulla Wischermann</em>

<img class="size-full wp-image-970 alignleft" title="doreretal2008" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/05/doreretal2008.jpg" alt="doreretal2008" width="160" height="226" />Ausgangspunkt dieses von österreichischen Kommunikations- wissenschaftlerinnen herausgegebenen Sammelbandes ist die Feststellung, dass die klassische politische Kommunikationsforschung im deutschsprachigen Raum, insbesondere die einschlägigen Handbücher, einem geschlechtsblinden Diskurs folgen. Nach wie vor sei generalisierend die Rede "von Politikern, von Journalisten, von Spindoktoren und nicht zuletzt von Bürgern und Rezipienten" und die Thematik werde allgemein verortet im Spektrum von Öffentlichkeits- und Demokratietheorien, in denen die Kategorie Geschlecht nur unzulänglich berücksichtigt sei. Dieses Forschungsdesiderat zu kritisieren und die Strukturkategorie Geschlecht in die Analyse politischer Kommunikation zu integrieren, ist das Ziel der hier versammelten Beiträge. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/487">[Mehr]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Ulla Wischermann</em></p>
<p><img class="size-full wp-image-970 alignleft" title="doreretal2008" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/05/doreretal2008.jpg" alt="doreretal2008" width="160" height="226" />Ausgangspunkt dieses von österreichischen Kommunikations- wissenschaftlerinnen herausgegebenen Sammelbandes ist die Feststellung, dass die klassische politische Kommunikationsforschung im deutschsprachigen Raum, insbesondere die einschlägigen Handbücher, einem geschlechtsblinden Diskurs folgen. Nach wie vor sei generalisierend die Rede &#8220;von Politikern, von Journalisten, von Spindoktoren und nicht zuletzt von Bürgern und Rezipienten&#8221; &#8211; und die Thematik werde allgemein verortet im Spektrum von Öffentlichkeits- und Demokratietheorien, in denen die Kategorie Geschlecht nur unzulänglich berücksichtigt werde (7). Dieses Forschungsdesiderat zu kritisieren und die Strukturkategorie Geschlecht in die Analyse politischer Kommunikation zu integrieren, ist das Ziel der hier versammelten Beiträge.</p>
<p>Der Band ist in drei Teile gegliedert. Im ersten Teil geht es um &#8220;Grundlagen und feministische Zugänge&#8221;. Den Beginn macht hier die renommierte US-amerikanische Expertin für politische Philosophie Nancy Fraser, die bereits seit Jahren mit ihren differenzierten Kritiken und Reflexionen die Theorien zu Öffentlichkeit und Demokratie erweitert, nachhaltig beeinflusst und bereichert hat. Der hier aufgenommene Aufsatz konzentriert sich auf die Frage, wie angesichts transnationaler Phänomene Grundbausteine der Öffentlichkeitstheorie neu zu denken und welche demokratiepolitischen Prämissen dabei weiterhin grundlegend und unverzichtbar sind (18ff.). Gemäß der Erkenntnis, dass Öffentlichkeit als gesellschaftlicher Verständigungsprozess zu sehen ist, dessen Eckpunkte vom Privaten und vom Öffentlichen gebildet werden, setzt sich dann Regina Köpl versiert und kenntnisreich mit der Öffentlichkeitskritik aus feministischer Sicht auseinander und hinterfragt vor allem die übliche Dichotomisierung &#8216;privat/öffentlich&#8217;. Sie betont, dass Konzepte von Öffentlichkeit stets auch das Nicht-Öffentliche, das Private mitdenken müssen und dass Wandlungsprozesse in politischer Kommunikation auf den feministischen Diskurs zurückwirken müssen und vice versa (35ff.). Mit dem dritten Beitrag im Grundlagenteil wird ein schon fast klassisch gewordener und viel zitierter Aufsatz von Elisabeth Klaus aus dem Jahr 1996 wieder zugänglich gemacht. Unter dem vielsagenden Titel &#8220;Der Gegensatz von Information ist Desinformation, der Gegensatz von Unterhaltung ist Langeweile&#8221; wird hier eine weitere grundlegende Dichotomie, nämlich die von Information und Unterhaltung sowie ihre geschlechtsspezifische Zuordnung und Hierarchisierung, hinterfragt und kritisiert (51ff.).</p>
<p>Nachdem durch diese Beiträge Grundpfeiler für eine differenziertere Analyse von politischen Kommunikationsprozessen gesetzt sind, behandelt der zweite Teil des Buches &#8220;Akteure und Akteurinnen&#8221; politischer Kommunikation. Der Bogen wird hier weit gespannt. Er reicht von der Geschlechterdarstellung in den Nachrichten (Birgit Wolf) und die Darstellung von Politikerinnen in den deutschen (Christina Holtz-Bacha) sowie in den österreichischen Medien (Günther Pallaver/Günther Lengauer; Sieglinde Katharina Rosenberger) über eine Analyse von Diskursen über die Frauenbewegung in den Medien (Eva Flicker) bis hin zur Frage nach politischer Frauenorganisation im Cyberspace (Wendy Harcourt).</p>
<p>Besonders positiv ins Auge fallen hier die Beiträge von Margreth Lünenborg und Johanna Dorer. Lünenborg zeichnet den Prozess des Gendering im Politikressort nach und unterscheidet dabei die Ebene der journalistischen Akteurinnen und Akteure und die der Repräsentation, also der Darstellung von Politik in den Medien (155ff.). Auch wenn inzwischen ein relativ ausgeglichenes Verhältnis von Journalisten und Journalistinnen im Politikressort (außer in Führungspositionen) bestehe, heiße das nicht automatisch, dass sich ein &#8216;weiblicher Blick&#8217; in der Politikberichterstattung profiliere. Das sei übrigens auch nicht das Hauptaugenmerk neuerer Frauen- und Geschlechterforschung, die Wert darauf legt, verschiedene Achsen und Aspekte des journalistischen Handelns in ihrer Interaktion zu rekonstruieren und nicht Geschlecht als einzig determinierenden Faktor zu sehen. Das &#8220;doing gender while doing journalism&#8221; im Politikressort – so Lünenborg – muss als &#8220;prozessuale und kontextgebundene Redaktionsforschung&#8221; noch viel systematischer erforscht werden (168).</p>
<p>Dorer wendet sich der anderen Seite der Medienforschung zu &#8211; und zwar der Rezeptionsseite (172ff.). Auf Basis einer qualitativen Analyse (mit der Methode der Erinnerungsarbeit) zeigt sie die komplizierte Verschränkung von gesellschaftlichem Geschlechterdiskurs, medialer Geschlechterpositionierung und der Selbstpositionierung der Rezipientinnen und Rezipienten. Sie stellt heraus, dass Begriffe wie Information, Unterhaltung oder politische Berichterstattung bereits so stark geschlechtlich kodiert sind, dass &#8220;dieser Umstand auf die Selbstkonstruktion im Rezeptionsprozess Auswirkungen hat&#8221; (185).</p>
<p>Im dritten Teil des Buches geht es um unterschiedliche &#8220;Politikfelder&#8221;. Angesichts der Fülle möglicher Thematiken verwundert es nicht, dass die Beiträge in diesem Teil relativ heterogen sind und kein zusammengenommenes Ganzes bilden (können). Es geht um: die Herstellung von Öffentlichkeit für Gewalt an Frauen (Brigitte Geiger), Altersbilder in den Medien (Ingrid Voglmayr), eine Analyse von antirassistischen Kampagnen (Johanna Schaffer) und Überlegungen zu internationaler Entwicklungspolitik im Kontext neuer Informations- und Kommunikationstechnologien (Hanna Hacker). Die Politikwissenschaftlerinnen Sabine Lang und Birgit Sauer legen eine Studie vor, die deutlich macht, wie sehr im bundesdeutschen Wahlkampf 2002 Frauenpolitik auf Familienpolitik reduziert wurde (190ff.). Diese &#8220;Refamiliarisierung der geschlechterpolitischen Debatte&#8221;, in der Frauen fast nur als Mütter adressiert wurden und Väter unsichtbar blieben, kam einer De-Thematisierung von Frauenpolitik gleich (201). Sie wurde von allen beteiligten Akteuren, auch den Medien, mitgetragen &#8211; und dies über die Parteigrenzen hinweg. Aus kommunikationswissenschaftlicher Perspektive beleuchten dann Elisabeth Klaus und Susanne Kassel im letzten Beitrag des Bandes, wie in der Kriegsberichterstattung Frauenrechte für die Legitimation von Krieg instrumentalisiert werden können (266ff.). Die Logik des Krieges, die Logik der Medienberichterstattung und die Logik der Geschlechterdichotomie – so die Autorinnen – führen in ihrem Zusammenspiel letztlich dazu, eine umfassende Behandlung der Ursachen der Frauenunterdrückung zu verhindern (266).</p>
<p>Generell kann gesagt werden, dass der Band wichtige Ergebnisse zur politischen Kommunikationsforschung präsentiert. Er bündelt Ansätze und Analysen aus der Frauen- und Geschlechterforschung, die das Feld bereichern (müssten) und ist zudem sehr gut als einführendes Lehrbuch geeignet. Dieser intendierte Überblickscharakter des Buches macht es auch erklärlich, dass fünf der 17 Beiträge bereits früher publiziert waren, aber doch großteils für diesen Sammelband aktualisiert oder bearbeitet wurden.</p>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.vs-verlag.de/index.php;do=show/site=w/book_id=10567/sid=0d376633d28a90551775e4365956b4b6" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://homepage.univie.ac.at/johanna.dorer/" target="_blank">Webpräsenz von Johanna Dorer am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien</a></li>
<li><a href="http://politikwissenschaft.univie.ac.at/institut/personen/wissenschaftliches-personal/koepl/" target="_blank">Webpräsenz von Regina Köpl am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien</a></li>
<li><a href="http://www.cgc.uni-frankfurt.de/cgc-m-wischermann.shtml" target="_blank">Webpräsenz von Ulla Wischermann am Cornelia Goethe Centrum</a></li>
</ul>
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		<title>Urs Dahinden; Daniel Süss (Hrsg.): Medienrealitäten</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/622</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/622#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 22 Jul 2009 14:48:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Festschrift]]></category>
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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Michael Jäckel</em>

<img class="alignleft size-full wp-image-807" title="dahinden&#38;süss2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/06/dahindensüss2009.jpg" alt="dahinden&#38;süss2009" width="160" height="245" />Als Winfried Schulz Anfang der 1980er Jahre neben anderen Autoren eines Schwerpunktheftes der Fachzeitschrift "Publizistik" vom "Ausblick am Ende des Holzweges" sprach, meinte er unter anderem die Emanzipation von einer theoretischen Sichtweise, die empirisch nie gut belegt war, geschweige denn die wirklich dominante Perspektive auf die Wirkungen von Medien auf Gesellschaft darstellte: das Stimulus-Response-Modell. Zu diesem Zeitpunkt war Heinz Bonfadelli, dem der Sammelband <em>Medienrealitäten</em> anlässlich seines 60. Geburtstags gewidmet ist, gerade mit einer Arbeit zur "Sozialisationsperspektive in der Massenkommunikationswissenschaft" promoviert worden (1980) und hatte Erfahrungen während eines Forschungsaufenthalts an der Stanford University in Kalifornien sammeln können. In der Schweiz war er seit 1975 Mitglied der Schweizerischen Gesellschaft für Kommunikations- und Medienwissenschaft (SGKM), die sich 1974 konstituierte und Ulrich Saxer zu ihrem ersten Präsidenten wählte. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/622">[Mehr]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Michael Jäckel</em></p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-807" title="dahinden&amp;süss2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/06/dahindensüss2009.jpg" alt="dahinden&amp;süss2009" width="160" height="245" />Als Winfried Schulz Anfang der 1980er Jahre neben anderen Autoren eines Schwerpunktheftes der Fachzeitschrift &#8220;Publizistik&#8221; vom &#8220;Ausblick am Ende des Holzweges&#8221; sprach, meinte er unter anderem die Emanzipation von einer theoretischen Sichtweise, die empirisch nie gut belegt war, geschweige denn die wirklich dominante Perspektive auf die Wirkungen von Medien auf Gesellschaft darstellte: das Stimulus-Response-Modell. Zu diesem Zeitpunkt war Heinz Bonfadelli, dem der Sammelband <em>Medienrealitäten </em>anlässlich seines 60. Geburtstags gewidmet ist, gerade mit einer Arbeit zur &#8220;Sozialisationsperspektive in der Massenkommunikationswissenschaft&#8221; promoviert worden (1980) und hatte Erfahrungen während eines Forschungsaufenthalts an der <a href="http://www.stanford.edu/" target="_blank">Stanford University</a> in Kalifornien sammeln können. In der Schweiz war er seit 1975 Mitglied der <a href="http://www.sgkm.ch/" target="_blank">Schweizerischen Gesellschaft für Kommunikations- und Medienwissenschaft (SGKM)</a>, die sich 1974 konstituierte und Ulrich Saxer zu ihrem ersten Präsidenten wählte.</p>
<p>Beim Aufbau einer Medien- und Kommunikationswissenschaft mit Thesen zu hausieren, die nach Bauernfängerart dem populären Urteil zusätzliche Unterstützung verleihen, galt ihm nicht nur als ungeeigneter, sondern vor allem als falscher und unbegründeter Weg. An die Stelle der &#8220;einen&#8221; Medienrealität setzte er, bestärkt durch die Erfahrungen mit dem Thema der Mediensozialisation, den Plural, weil Publika nicht schematisch reagieren, sondern Gesehenes, Gelesenes und Gehörtes vor ihrem Erfahrungshintergrund verarbeiten und den Inhalten Sinn zuschreiben. Kurzum: Es besteht kein Anlass, ausgerechnet Mediennutzung nicht als soziales Handeln zu betrachten. Für die Etablierung der Publizistikwissenschaft in der Schweiz war diese Aufforderung zur Differenzierung von großer Bedeutung, wie Urs Dahinden und Daniel Süss in ihrer Einleitung betonen. Noch bis Ende der 1990er Jahre konnte die Disziplin nur als Nebenfach gewählt werden. Heute sind die Rahmenbedingungen andere, stellt Gabriele Siegert in ihrer Würdigung fest (der Beitrag hätte an den Anfang des Bandes gehört, weil im Text selbst auch von einem Vorwort die Rede ist) und hebt Bonfadellis Beitrag zur Etablierung des Fachs nachdrücklich hervor. Dass man dicke Bretter langsam bohren muss, gilt nicht nur für &#8220;Politik als Beruf&#8221; (Max Weber), sondern auch für den Versuch, Kommunikationswissenschaft praxisfähig zu machen. Das Jonglieren zwischen Nähe und Distanz prägte verschiedene medienbezogene Begleitforschungen in der Schweiz, es spielte eine vermittelnde Rolle im Konflikt zwischen politischer und technologischer Rationalität. So führte die &#8220;Begleitforschung zu den lokalen Rundfunkversuchen in der Schweiz […] immerhin zur Aufhebung der sachwidrigen technischen Beschränkung der lokalen Sendegebiete auf einen maximalen Durchmesser von 20 km&#8221; (169), erinnert sich Ulrich Saxer.</p>
<p>Heinz Bonfadelli hat an diesen &#8220;kleinen Erfolgen&#8221; behutsam und sachlich mitgewirkt, wohl auch aus der Einsicht heraus, dass die &#8220;großen Erfolge&#8221; häufig nicht-intendierte Nachwirkungen mit sich bringen, die den Sachwaltern der vermeintlich besten Lösung als Bumerang um die Ohren fliegen können. Er legt, so Gabriele Siegert, eben &#8220;Wert auf konsensorientierte Entscheidungen, wann immer sie möglich sind&#8221; (203), und agiert dabei auf der &#8220;Basis profunder Kenntnisse&#8221; (ebd.). Das schlägt sich in seinen Arbeiten zum Umgang der jungen Generationen mit Medienangeboten und den Implikationen für den Jugendmedienschutz ebenso nieder (vgl. den Beitrag von Süss/Wieler) wie in der Analyse des großen Themas &#8220;Medien und Integration&#8221;, was sich im weiteren Sinne an der Wissenskluft-Forschung (vgl. den Beitrag von Wirth/Kühne), im engeren Sinne an der Rolle der Medienberichterstattung für gelingende Inklusion von Migranten zeigen lässt (vgl. die Beiträge von Bucher/Piga sowie Moser/Hermann/Hanetseder). Bonfadelli hat sich des Weiteren mit dem schwierigen Verhältnis von Wissenschaft und Medien befasst: Themen, die angesichts ihrer Brisanz eigentlich eine Dauerbeobachtung erforderlich machen, können dabei Opfer verschiedener Aufmerksamkeitszyklen werden. Das gilt für die Wissenschafts- und Risikokommunikation und die Gesundheitskommunikation im Besonderen (vgl. den Beitrag von Dahinden/Schanne), aber auch für Politikrealitäten bzw. für all das, was dazugehören soll (vgl. den Beitrag von Donges/Jarren). Umso wichtiger erscheint die Auseinandersetzung mit den Idealvorstellungen und den Realitäten des Publikums, das als sozialer Akteur viele Gesichter hat (vgl. die Beiträge von Wyss sowie &#8211; eher aus dem Blickfeld der praktischen Medienforschung &#8211; von Amschler/Dähler) und seine mehr oder weniger begründeten Urteile über Fragen von gesellschaftlicher Relevanz aus unterschiedlichsten Quellen fundiert. Nicht nur das Medienangebot lässt sich nach qualitativen Maßstäben differenzieren, auch Personen, die zwecks Einschätzung der Inhalte konsultiert werden, was Schenk, Jers und Tschörtner in ihrem Beitrag zur Entwicklung des Meinungsführer-Konzepts zeigen. Wissensklüfte ergeben sich eben nicht nur aus unterschiedlichen Nutzungen der Medienangebote, auch jene, die eigentlich die Voraussetzungen für profunde Ratschläge nicht erfüllen, versuchen offensichtlich ihren Einfluss geltend zu machen. Das bessere Argument hat es unter solchen Bedingungen zweifelsohne nicht leicht.</p>
<p>Der Sammelband anlässlich des Jubiläums von Heinz Bonfadelli spiegelt sein Engagement für die Etablierung des Fachs in der Schweiz und international wider. Den Hut wird er noch lange nicht nehmen, auch, weil er meines Wissens keinen trägt. Wie sich &#8220;hölzerne Argumente&#8221; spalten lassen, wird er auch weiterhin vorleben. Mit Friedrich Schiller könnte man auch sagen: &#8220;Die Axt im Haus erspart den Zimmermann.&#8221;</p>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.uvk.de/buch.asp?ISBN=9783867641685&amp;WKorbUID=199761236&amp;TITZIF=2296&amp;be=&amp;uBe=" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.ipmz.uzh.ch/de/abteilungen/medienrealitaet/home.html" target="_blank">Webpräsenz der Abteilung &#8220;Medienrealität &amp; Medienwirkung&#8221; am Zürcher IPMZ</a></li>
<li><a href="http://www.uni-trier.de/index.php?id=9421" target="_blank">Webpräsenz von Michael Jäckel an der Universität Trier</a></li>
</ul>
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		</item>
		<item>
		<title>Holger Schramm; Mirko Marr (Hrsg.): Die Sozialpsychologie des Sports in den Medien</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/720</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/720#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 02 Jul 2009 15:37:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einzelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Psychologie]]></category>
		<category><![CDATA[Rezeption]]></category>
		<category><![CDATA[Soziologie]]></category>
		<category><![CDATA[Sport]]></category>

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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Antje Dresen</em>

<img src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/07/schramm_marr2009.jpg" alt="schramm_marr2009" title="schramm_marr2009" width="160" height="240" class="alignleft size-full wp-image-721" />Aus gesellschaftsanalytischer Sicht verfügt der Sport über besondere strukturelle Merkmale, die ihn von anderen sozialen Bereichen wie den Medien, der Wirtschaft oder der Politik unterscheiden. So geht es im Sport neben Spannungselementen, Regeln und einer regelüberhöhenden Sportmoral vor allem um die Kommunikation körperlicher Leistungen, die im Spitzensport besonders siegesorientiert ausgerichtet ist. Mit diesem strukturellen Kern steht der Sport gleichsam in einem Netz teilsystemischer Austauschbeziehungen zu seinen Umwelten. Dabei zeigen sich neben Politik, Wirtschaft und Wissenschaft insbesondere die Medien am Sport interessiert. Auf der Gegenseite erbringt der Sport hauptsächlich über spektakuläre Erfolge kontinuierlich Leistungen, die die Medien nach systemimmanenten Logiken verwerten. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/720">[Mehr]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Antje Dresen</em></p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-721" title="schramm_marr2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/07/schramm_marr2009.jpg" alt="schramm_marr2009" width="160" height="240" />Aus gesellschaftsanalytischer Sicht verfügt der Sport über besondere strukturelle Merkmale, die ihn von anderen sozialen Bereichen wie den Medien, der Wirtschaft oder der Politik unterscheiden. So geht es im Sport neben Spannungselementen, Regeln und einer regelüberhöhenden Sportmoral vor allem um die Kommunikation körperlicher Leistungen, die im Spitzensport besonders siegesorientiert ausgerichtet ist. Mit diesem strukturellen Kern steht der Sport gleichsam in einem Netz teilsystemischer Austauschbeziehungen zu seinen Umwelten. Dabei zeigen sich neben Politik, Wirtschaft und Wissenschaft insbesondere die Medien am Sport interessiert. Auf der Gegenseite erbringt der Sport hauptsächlich über spektakuläre Erfolge kontinuierlich Leistungen, die die Medien nach systemimmanenten Logiken verwerten.</p>
<p>Mit dem vorliegenden Sammelband <em>Die Sozialpsychologie des Sports in den Medien</em> knüpfen die Herausgeber Holger Schramm und Mirko Marr an die Beobachtung an, dass die Medien mit ihrem Interesse am Sport eine eigene Sportrealität erschaffen, die Auswirkungen auf das Rezeptionserleben der Zuschauer hat. Mit Verweis auf eine 25-jährige medienpsychologische und kommunikationswissenschaftliche Debatte über die medialen Durchdringungen des Sports und ihre Effekte konzentrieren sich Schramm und Marr auf die sozialpsychologischen Prozesse des Mediensports. Dazu untergliedern sie das Werk in zwei Teilbereiche. Im ersten Kapitel geht es um die Besonderheiten medialer Transformationen wie Produktion, Aufbereitung und Präsentation von Wettkampferfahrungen. Im zweiten Teilbereich werden die Spezifik der medialen Rezeptionssituation und die mediale Wirkung des Sports thematisiert.</p>
<p>Zu Beginn der jeweiligen Kapitel leisten die Herausgeber einen überblicksartigen theoretischen Input. So verweist Marr angesichts des medial gezeichneten Bildes vom Sport auf die medientypischen Logiken der Beobachtung und Inszenierung. Dazu betont er die Anpassung des Sports an die medialen Verwertungsmechanismen. Im Anschluss an diesen Aufsatz konzentrieren sich Autoren aus den Sport- und Sozialwissenschaften in ihren Beiträgen auf das Phänomen von gestressten Sportjournalisten (Christoph Bertling/Thomas Bruns), auf die wechselseitigen Abhängigkeiten von Sportjournalisten und Sportlern (Jürgen Schwier/Thorsten Schauerte) und auf die Diskurse über Ursachen von Siegen und Niederlagen als Attributionsverzerrungen in Sportkommentaren (Bernd Strauss/Sarah Senske/Maike Tietjens). Nach Thomas Horkys Aufarbeitung visueller Inszenierungen des Sports und den entsprechenden sozialpsychologischen Effekten als Rezeptionsverhalten des Medienpublikums widmet sich Holger Schramm eingangs des zweiten Kapitels dem emotionalen Erleben von Mediensport. Der Analyse von Emotionsgenesen und -regulationen folgen kommunikationspsychologische Ausführungen von Uli Gleich über parasoziale Interaktionen und Beziehungen zwischen Sportlern und Sportpublikum. Horky betrachtet sodann die gruppendynamischen Prozesse bei der kollektiven Nutzung von Mediensport. Nach seinem Aufsatz betrachtet Thomas N. Friemel die Medien als Gesprächsthema. Den Ausklang der Sammelbeiträge leiten Frank Marcinkowski und Volker Gehrau ein, indem sie die Realitätswahrnehmungen des medial vermittelten Sports als Kultivierungseffekt thematisieren. Abschließend setzt sich Thomas Schierl mit der Starkultivierung im Sport unter sozialpsychologischen und ökonomischen Aspekten auseinander.</p>
<p>Schramm und Marr können als Herausgeber über die durchgängig hohe Qualität der Beiträge ihrem Anspruch Folge leisten, Ergänzungen und Differenzierungen zur Analyse der gegenwärtigen medial inszenierten Sportlandschaft zu liefern. Wenngleich sie dies leider nicht explizit herausarbeiten, so knüpfen vor allem Marr, Schwier und Schauerte, Marcinkowski und Gerau sowie Schierl an eine knapp 30-jährige sport- und mediensoziologische Tradition an. Indem sie die Realitätsvorstellungen vom Sport als Produkte medialer Konstruktionsprozesse betrachten und die entsprechenden Wirkungen auf der Akteursebene aufarbeiten, tun sich die Autoren als Beobachter der Beobachtung hervor (vgl. Bauer 2002; Bette 2000; Cashmore 1996; de Moragas Spà 2001; Imhof 2005; Jäckel 2005; Luhmann 2004; Mai 2005). So gelingt ein verständlicher Überblick über den inszenierten und strukturell verfestigten kommerziellen &#8220;Sport-Medien-Komplex&#8221; (23). Die mikrotheoretischen Hinweise auf die sozialpsychologischen Besonderheiten im Zusammenwirken und Erleben der am Sport partizipierenden Akteure fügen sich schließlich nahtlos und überaus eingängig in die makrotheoretischen Überlegungen ein.</p>
<p>Eine kleine Unstimmigkeit betrifft jedoch die Anordnung der Beiträge im ersten Teil. So kann die Argumentation von der Systemebene der Medien über die Akteursebene der Sportjournalisten und Sportler und wieder zurück zur Systemebene mit Analysen medialer Sportkommentare und Bildinszenierungen einen inkonsequenten Eindruck vermitteln. Weiterhin erscheinen vereinzelte Überschriften etwas umständlich. Der Hinweis im Fließtext auf die &#8220;sozialpsychologischen Besonderheiten der medialen Sportrezeption&#8221; (115) wirkt verständlicher als der Titel: &#8220;Sozialpsychologische Implikationen aufgrund der Spezifik der medialen Rezeption und Wirkung von Sport&#8221; (5). Diese minimalen Mängel in der Darstellung wirken sich jedoch nicht auf den inhaltlichen Nutzen des Werkes aus.</p>
<p>Schramm und Marr liefern mit dem vorliegenden Sammelband einen wertvollen Beitrag zu der soziologischen Erkenntnis, dass das heutige Erscheinungsbild des Sports nicht ohne Rekurs auf seine Medien-Umwelt zu verstehen ist. Mit der Zusammenschau differenzierter Darlegungen zu den sozialpsychologischen Effekten der medialen Sportrealität haben sie darüber hinaus erkenntnisreiche neue Einstiege in vorhandene Problemfelder ausgewählt. So reihen sich zum Beispiel die Beiträge von Horky, Friemel oder Schierl über die Gruppendynamiken beim &#8220;Public Viewing&#8221;, die Funktion von Sportkommunikation und die Heldenverehrung zum einen in Themen der sportsoziologischen Literatur ein (vgl. Bette/Schimank 2006: 67ff.; Cachay/Thiel 2000: 146ff.; Gebauer 1987, 1997; Plessner 1997; Lenk 1997: 146ff.; Weiß 1999: 181ff.). Zum anderen werden jene sportspezifischen Phänomene psychologisch erhellend untersucht. Mit diesen analytischen Erweiterungen trägt der Sammelband nicht nur innovativ zur kommunikationswissenschaftlichen und soziologischen Forschung im Sport bei. Er zeigt auch einmal mehr, welchen Nutzen ein interdisziplinäres Zusammenwirken für das deutende Verstehen gesellschaftlicher Konstruktion von Wirklichkeit haben kann.</p>
<p><em>Literatur</em>:</p>
<ul>
<li>Bauer, T.: &#8220;Die Kompetenz ethischen und ästhetischen Handelns: Medienethik aus medienpädagogischer Perspektive.&#8221; In: Karmasin, M. (Hrsg.): <em>Medien und Ethik</em>. Stuttgart [Philip Reclam jun.] 2002, S. 194-219.</li>
</ul>
<ul>
<li>Bette, K.-H.: &#8220;Kollektive Personalisierung: strukturelle Defizite im Dopingdiskurs.&#8221; In: Digel, H. (Hrsg.): <em>Spitzensport. Chancen und Probleme</em>. Jahrestagung der DGS-Sektion &#8216;Sportsoziologie&#8217; vom 29.6.-1.7.2000 in Tübingen. Schorndorf [Hofmann] 2000, S. 26-41.</li>
</ul>
<ul>
<li>Bette, K.-H.; Schimank, U.: <em>Doping im Hochleistungssport. Anpassung durch Abweichung</em>. 2. Auflage. Frankfurt am Main [Suhrkamp Verlag] 2006.</li>
</ul>
<ul>
<li>Cachay, K.; Thiel, A.: <em>Soziologie des Sports. Zur Ausdifferenzierung und Entwicklungsdynamik des Sports der modernen Gesellschaft</em>. Weinheim, München [Juventa] 2000.</li>
</ul>
<ul>
<li>Cashmore, E.: &#8220;A match made in heaven. Why sports and television are inseparable.&#8221; In: Cashmore, E.: <em>Making sense of sports</em>. London, New York [Routledge] 1996, S. 193-211.</li>
</ul>
<ul>
<li>De Moragas Spà, M.: &#8220;Information oder Produktion? Die neuen Synergieeffekte zwischen Massenmedien und Sport.&#8221; In: Heinemann, K.; Schubert, M. (Hrsg.): <em>Sport und Gesellschaften</em>. Schorndorf [Hofmann] 2001, S. 209-226.</li>
</ul>
<ul>
<li>Gebauer, G.: &#8220;Die Masken und das Glück. Über die Idole des Sports.&#8221; In: Becker, P. (Hrsg.): <em>Sport und Höchstleistung</em>. Reinbek bei Hamburg [Rowohlt] 1987, S. 105-122.</li>
</ul>
<ul>
<li>Gebauer, G.: &#8220;Die Mythen-Maschine.&#8221; In: Caysa, V. (Hrsg.): <em>Sportphilosophie</em>. Leipzig [Reclam] 1997, S. 290-317.</li>
</ul>
<ul>
<li>Imhof, K.: &#8220;Medien und Öffentlichkeit.&#8221; In: Jäckel, M. (Hrsg.): <em>Mediensoziologie. Grundlagen und Forschungsfelder</em>. Wiesbaden [VS Verlag] 2005, S. 273-293.</li>
</ul>
<ul>
<li>Jäckel, M.: &#8220;Medien und Macht.&#8221; In: Jäckel, M. (Hrsg.): <em>Mediensoziologie. Grundlagen und Forschungsfelder</em>. Wiesbaden [VS Verlag] 2005, S. 295-317.</li>
</ul>
<ul>
<li>Lenk, H.: &#8220;Eigenleistung sportlich – athletisch.&#8221; In: Caysa, V. (Hrsg.): <em>Sportphilosophie</em>. Leipzig [Reclam] 1997, S. 142-171.</li>
</ul>
<ul>
<li>Luhmann, N.: <em>Die Realität der Massenmedien</em>. 3. Auflage. Wiesbaden [VS Verlag] 2004.</li>
</ul>
<ul>
<li>Mai, M.: &#8220;Medien als soziales System.&#8221; In: Jäckel, M. (Hrsg.): <em>Mediensoziologie. Grundlagen und Forschungsfelder</em>. Wiesbaden [VS Verlag] 2005, S. 255-271.</li>
</ul>
<ul>
<li>Plessner, H.: &#8220;Die Funktion des Sports in der industriellen Gesellschaft.&#8221; In: Caysa, V. (Hrsg.): <em>Sportphilosophie</em>. Leipzig [Reclam] 1997, S. 46-67.</li>
</ul>
<ul>
<li>Weiß, O.: <em>Einführung in die Sportsoziologie</em>. Wien [WUV] 1999.</li>
</ul>
<p><em>Links</em>:</p>
<ul>
<li><a href="http://halemverlag.lookingintomedia.com/shop/product_info.php/products_id/162" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.medienrezeption.ch/schramm" target="_blank">Webpräsenz von Holger Schramm am Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung der Universität Zürich</a></li>
</ul>
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		<title>Peter Stulz; Gaetano Romano (Hrsg.): Medien und Medizin</title>
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		<pubDate>Mon, 29 Jun 2009 20:01:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einzelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Edutainment]]></category>
		<category><![CDATA[Ethik]]></category>
		<category><![CDATA[Gesundheit]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikationswissenschaft]]></category>
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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Sarah Lubjuhn und Oliver Stengel</em>

<img class="alignleft size-full wp-image-717" title="stulz&#38;romano2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/06/stulzromano2009.jpg" alt="stulz&#38;romano2009" width="160" height="227" />Vor dem Hintergrund der aktuell kursierenden Schweinegrippe ist das Verhältnis von Medien und Medizin erneut in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gerückt. Aufgeregt berichten Journalisten weltweit über das Virus, seine Symptome, Ausbreitungswege und Todesopfer. Zu Beginn der Pandemie wurde in den Massenmedien die Sorge geschürt, der Menschheit stehe eine neuerliche Spanische Grippe bevor. Die Wahrscheinlichkeit, sich mit dem 'Todesvirus' zu infizieren, sei sehr hoch, ließen populistische Medien verlauten. Tatsächlich starben bislang weniger als ein Prozent der Infizierten am Erreger – nicht mehr als bei 'normalen' Grippewellen. Die aber sind, eben weil sie alljährlich wiederkehren und deswegen banal scheinen, kein publizistischer "Glücksfall" und werden von den Massenmedien folglich kaum registriert. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/681">[Mehr]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Sarah Lubjuhn und Oliver Stengel</em></p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-717" title="stulz&amp;romano2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/06/stulzromano2009.jpg" alt="stulz&amp;romano2009" width="160" height="227" />Vor dem Hintergrund der aktuell kursierenden Schweinegrippe ist das Verhältnis von Medien und Medizin erneut in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gerückt. Aufgeregt berichten Journalisten weltweit über Symptome, Ausbreitungswege und Todesopfer des Virus. Zu Beginn der Pandemie wurde in den Massenmedien die Sorge geschürt, der Menschheit stehe eine neuerliche Spanische Grippe bevor. Die Wahrscheinlichkeit, sich mit dem &#8216;Todesvirus&#8217; zu infizieren, sei sehr hoch, ließen populistische Medien verlauten. Tatsächlich starben bislang weniger als ein Prozent der Infizierten am Erreger – nicht mehr als bei &#8216;normalen&#8217; Grippewellen. Die aber sind &#8211; eben weil sie alljährlich wiederkehren und deswegen banal scheinen &#8211; kein publizistischer &#8220;Glücksfall&#8221; (53) und werden von den Massenmedien folglich kaum registriert.</p>
<p>Der hier exemplarisch angeführte Fall der medial inszenierten Schweinegrippe spiegelt ein Argument wider, welches sich in der Mehrheit der Beiträge des von Peter Stulz und Gaetano Romano herausgegebenen Sammelbandes finden lässt: <em>Das Sensationsstreben der Massenmedien</em> – meist zu Lasten einer kritischen und aufrichtigen Berichterstattung. Es wird beständig das Bild eines Medienschaffenden gezeichnet, welcher Tatsachen übersteigert und fortlaufend auf der Suche nach skurrilen, schockierenden und emotional mitreißenden Geschichten ist, die Privates – wie zum Bespiel den Todeskampf der krebskranken Britin Jade Goody – öffentlich zugänglich machen.</p>
<p>Die überwiegend vortheoretisch diskutierten Beiträge in dem vorliegenden Sammelband <em>Medien und Medizin </em>untersuchen Ursache und Einfluss der massenmedialen Berichterstattung auf die Rezipienten und Patienten. Dabei gelangen die Autorinnen und Autoren im Großen und Ganzen zu der Übereinstimmung, dass 1) der Infotainmentstil und das Interesse am Sensationellen sowie 2) die Fülle erhältlicher medizinischer Informationen im Fernsehen und der leichte Zugang zu diesen Informationen insbesondere über das Internet zweierlei negative Wirkungen haben:</p>
<p>Zum einen führen sie zu <em>überschießenden Reaktionen</em>, ausgelöst durch unseriöse Versprechungen hinsichtlich neuer Therapien oder durch die Verbreitung von Angst. So resümiert etwa Giovanni Maios in seiner Analyse von TV-Sendungen zum Thema Klonen, diese zeigten medizinische Themen &#8220;in der Polarisierung zwischen Horror und Verheißung&#8221; (61). Regula Heusser-Markun macht dagegen die Beobachtung, die in den Massenmedien vielfach unprofessionell diskutierten medizinischen Fragen führten zu hypochondrischem Verhalten (50). Dies stelle ein großes Gefahrenpotenzial dar – insbesondere dann, wenn sich Rezipienten und Patienten massenmediale Antworten auf Präventionsmaßnahmen und Handlungsstrategien erhofften.</p>
<p>Zum anderen generieren die vor allem im Fernsehen und Internet kursierenden medizinischen Datenmassen überinformierte Patienten. Letztere Entwicklung hätte ein neues Arzt-Patienten-Verhältnis hervorgebracht (siehe Peter Stulz [110f.] oder Frank Nager [116f.]): Patienten träten selbstbewusster und kritischer in den Praxen auf, Ärzte müssten viel von ihrem Status als &#8220;Götter in Weiß&#8221; (120) einbüßen. Diese – an sich positive, weil eine Abnahme an Paternalismus suggerierende – Entwicklung werde jedoch oftmals durch die Art verzerrt, in der über Medizin berichtet werde – nämlich als &#8216;Häppchenjournalismus&#8217;, der letztlich unsachgerechte Halbwahrheiten verbreite und die Ärzte deswegen mit zwar selbstbewussten, oft aber fehlinformierten Patienten (121f.) konfrontiere. Die dadurch entstehende Gefahr sei keine geringe. Nicht selten nämlich verschlössen sich Patienten den therapeutischen Vorschlägen ihrer Ärzte, um alternative Praktiken anzuwenden, die sie aus den Massenmedien kennen.</p>
<p>Aus diesen Gründen wiederholt sich in vielen Beiträgen des Buches vor allem ein Motiv: <em>Medienschelte</em>. Im Grunde hätten die Massenmedien durchaus das Potenzial, die Bevölkerung sachgerecht zu informieren, sie aufzuklären und in ihrer Mündigkeit zu unterstützen. Jenseits der den Laien kaum zugänglichen Fachpresse sei dies aber kaum der Fall. Jene <em>Kluft zwischen dem Gegebenen und dem Möglichen</em> gedenken die Beiträge von Peter Studer (32ff.) und Annemarie Pieper (45ff.) dadurch zu überbrücken, indem sie Journalisten an ihre <em>beruflichen Tugenden</em> erinnern.</p>
<p>Die Ursache für die Kluft zwischen dem Gegebenen und dem Möglichen, zwischen Sein und Sollen also, erkennt Gaetano Romano in der Ausdifferenzierung des &#8220;Funktionssystems der massenmedialen Kommunikation&#8221; (18). Dieses soziale Teilsystem sei durch eine spezifische Beobachtungsweise geprägt, die nicht der Wahrheit, der Didaktik oder der Ethik, sondern der Maximierung von Aufmerksamkeit verpflichtet sei. Journalisten wären folglich gezwungen, nüchterne Objektivität emotionalem Entertainment zu opfern, die akribische Recherche der raschen Produktion von Sensationen.</p>
<p>Das Buch macht &#8211; in einer allgemeinverständlichen Sprache &#8211; zweifellos auf eine wichtige gesellschaftliche Entwicklung aufmerksam, die es verdient, aufgegriffen und vertieft zu werden. Allerdings irrt es in der Erklärung dieser Entwicklung, und es ist deshalb fraglich, ob der Appell an die journalistische Tugend das geeignete Gegenmittel ist.</p>
<p>Denn aus der soziologischen Perspektive macht weniger die <em>Aus</em>differenzierung der Massenmedien als vielmehr die <em>Ent</em>differenzierung der Gesellschaft durch die Ökonomie die kritisierten Prozesse erst verständlich (vgl. Richter 2009). Das Vordringen ökonomischer Imperative in das Teilsystem Medien löst den Kampf um Quoten, Ab- und Umsätze aus und nagt am journalistischen Ehrenkodex. Der oberflächliche, sensationsorientierte Häppchenjournalismus ist für Rezipienten leichter verdaulich, spannender zu lesen und verkauft sich letztlich besser als die schwere Kost tiefschürfender Reportagen.</p>
<p>Aus medientheoretischer Perspektive ist auffällig, dass beim Gros der Beiträge des Sammelbandes zwischen den Zeilen zu lesen ist, der Rezipient sei den Massenmedien &#8216;ausgeliefert&#8217; und könne sich deren Einflussnahme nur schwerlich entziehen (vgl. McQuail 2005). Diese senderorientierte Beeinflussung durch die Medien, die den Mediennutzern vielmehr <em>einen passiven als einen aktiven Anteil bei der Rezeption</em> von Informationen zuschreibt, ist ein zentrales Motiv des Buches.</p>
<p>Dem gilt es entgegenzuhalten: Der Zuschauer mag auch als autonomes Wesen in der Aufnahme und Verarbeitung von Medieninformationen gesehen werden (vgl. Hepp 2004). Denn so vielfältig eine Medienberichterstattung ausfallen kann, so vielfältig können die Gründe sein, warum – oder gerade auch: warum nicht – Medienbotschaften beim Rezipienten &#8216;ankommen&#8217;.</p>
<p>Mediennutzer besitzen unterschiedliche Bildungsstandards, sie stammen aus unterschiedlichen sozial-ökonomischen Schichten, sie besitzen vielfältige Interessen, Lebensstile und Routinen. Folglich rezipieren sie medial vermittelte Medizininformationen mannigfach und verhalten sich ebenso vielgestaltig als Patient im Behandlungszimmer. Damit mag der <em>überinformierte Patient</em>, der beispielsweise 25 verschiedene Operationstechniken bereits vor dem ersten Gespräch mit seinem Arzt gegoogelt hat (siehe Romano [14]) ein Charakteristikum für einen besonderen Patiententyp darstellen – jenen zum Beispiel, der aus einem mittleren bzw. höheren sozial-ökonomischen Milieu stammt und ein durchschnittliches bis hohes Bildungsniveau besitzt (vgl. Bouman 1999). Dies mag ebenso für das nachgezeichnete Bild des Patienten mit <em>überschießenden Reaktionen</em> gelten.</p>
<p>Der hier angedeutete und vielfach in der Gesundheitskommunikation aufgegriffene Diskurs zu den Zielgruppen von medialen Medizinbotschaften klingt in einzelnen Beiträgen des Sammelbandes an (siehe Frank Nager und Peter Stulz), wird jedoch im Rahmen eines eintönigen Rezipienten-/Patientenbildes behandelt.</p>
<p>Die Mehrheit der Beiträge argumentiert, dass die meisten Menschen affin für eine unterhaltsame und sensationsorientierte Kommunikation seien und diese von den Medien infolgedessen auch umgesetzt werde, um den Absatz zu erhöhen. In Folge dieser Entwicklung werden von den Autorinnen und Autoren vorwiegend negative Aspekte von Info- bzw. Edutainment-Formaten herausgestellt. Hier gilt es einzuwenden, dass Studien aus der Gesundheitskommunikation (Center for Disease Control and Prevention et al. 2000, 2005; Hether et al. 2008; Kaiser Family Foundation 2008; Lampert 2003 und 2007; Morgan et al. 2009; Valente et al. 2007) ein differenzierteres Bild nachzeichnen, welches nicht nur negative, sondern – eben auch – positive Effekte solcher Medienformate auf den Rezipienten hervorheben. Nach diesen Studien sind es affektiv orientierte Rezipienten, die den kritisierten Sensationsbeiträgen in den Massenmedien etwas abgewinnen können: Ihr Wissen über medizinische und gesundheitliche Zusammenhänge nimmt durch eine unterhaltsame Berichterstattung zu und ihre Einstellungen und Verhaltensweisen verändern sich zugunsten eines gesünderen Lebensstils im Alltag (zum Beispiel in Form einer gesünderen Ernährung oder mehr Bewegung).</p>
<p>Dem Sammelband fehlt es an dieser Stelle folglich an einer differenzierteren Betrachtung, die den Rezipienten bzw. den Patienten im Alltag umfangreicher beleuchtet, verschiedene Bedürfnisse nachzeichnet und Unterscheidungen in der Medienrezeption und den damit verbundenen Informationsbedürfnissen und -verhaltensweisen vornimmt.</p>
<p>Fazit: Die Analyse und Kritik der Autoren ist sehr verdienstvoll, grundlegend neu ist sie aber nicht. Schon Pierre Bourdieu (1998) kritisierte das den ökonomischen Erfolg messende &#8216;göttliche Gericht&#8217; der Einschaltquote, welches die Suche nach dem Sensationellen und Neuen im Fernsehen erzwingt und das Tiefgründige verdrängt. Die anhaltende Diskussion über die massenmediale Berichterstattung aber zeigt, dass hier ein gesellschaftliches Problem seiner Lösung harrt. Dem Buch von Peter Stulz und Gaetano Romano ist zu wünschen, dass es zu einer Lösung beizutragen vermag.</p>
<p><em>Literatur</em>:</p>
<ul>
<li>Bouman, M.P.A.: <em>The turtle and the peacock. Collaboration for prosoial change. </em>Wageningen [Wageningen Agricultural University] 1999.</li>
</ul>
<ul>
<li>Bourdieu, P.: <em>Über das Fernsehen. </em>Frankfurt am Main [Suhrkamp Verlag] 1998.</li>
</ul>
<ul>
<li>Center for Disease Control and Prevention (CDC); Hollywood, Health &amp; Society (Hrsg.): <em>TV Drama/Comedy Viewers and Health Information. </em>Washington [Porter Novelli HealthStyles Survey] 2000 und 2005.</li>
</ul>
<ul>
<li>Hepp, A.: <em>Netzwerke der Medien. Medienkulturen und Globalisierung. </em>Wiesbaden [VS Verlag für Sozialwissenschaften] 2004.</li>
</ul>
<ul>
<li>Hether, H. J.; Huang, G.; Beck, V.; Murphy, S.T.; Valente, T.W.: &#8220;Entertainment-Education in a media-saturated environment. Examining the impacts of single and multiple exposure to breast cancer storylines on two popular medical dramas.&#8221; In: <em>Journal of Health Communication</em>, 13/8, 2008, S. 808-823.</li>
</ul>
<ul>
<li>Kaiser Family Foundation (Hrsg.): <em>Television as a health educator. A case study of Grey&#8217;s Anatomy. </em>Menlo Park [Kaiser Family Foundation] 2008.</li>
</ul>
<ul>
<li>Lampert, C.: &#8220;Gesundheitsförderung durch Unterhaltung? Zum Potenzial des Entertainment-Education-Ansatzes für die Förderung des Gesundheitsbewusstseins.&#8221; In: <em>Medien &amp; Kommunikationswissenschaft</em>, 51, 2003, S. 461-477.</li>
</ul>
<ul>
<li>Lampert, C.: <em>Gesundheitsförderung im Unterhaltungsformat. Wie Jugendliche gesundheitsbezogene Botschaften in fiktionalen Fernsehangeboten wahrnehmen und bewerten. </em>Baden-Baden [Nomos] 2007.</li>
</ul>
<ul>
<li>McQuail, D.: <em>McQuail&#8217;s mass communication theory</em>. London [Sage] 2005.</li>
</ul>
<ul>
<li>Morgan, S. E.; Movius, L.; Cody, M.: &#8220;The power of narratives. The effects of entertainment television organ donation storylines on attitudes, knowledge, and behavior of donors and non-donors.&#8221; In: <em>Journal of Communication</em>, 58, 2009.</li>
</ul>
<ul>
<li>Richter, P.: <em>Ökonomisierung als gesellschaftliche Entdifferenzierung</em>. Konstanz [UVK] 2009.</li>
</ul>
<ul>
<li>Valente, T.W.; Murphy, S.T.; Beck, V.; Greene, J.: &#8220;Evaluating a minor storyline on ER about teen obesity, hypertension and 5 A Day.&#8221; In: <em>Journal of Health Communication</em>, 12/6, 2007, S. 551-566.</li>
</ul>
<p><em>Links</em>:</p>
<ul>
<li><a href="http://www.chronos-verlag.ch/php/book_latest-new.php?book=978-3-0340-0894-5&amp;type=Kurztext&amp;access=Liste" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.uni-due.de/kowi/SLubjuhn.shtml" target="_blank">Webpräsenz von Sarah Lubjuhn an der Universität Duisburg-Essen</a></li>
<li><a href="http://www.wupperinst.org/kontakt/cont/index.html?kontakt_id=562&amp;bid=112" target="_blank">Webpräsenz von Oliver Stengel am Wuppertaler Institut für Klima, Umwelt, Energie</a></li>
</ul>
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