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	<title>rezensionen:kommunikation:medien &#187; Qualität</title>
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	<description>Rezensionen aus den Bereich Kommunikation und Medien</description>
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		<title>Stephan Ruß-Mohl: Kreative Zerstörung</title>
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		<pubDate>Sun, 06 Dec 2009 22:46:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Stephan Weichert</em>

<img class="alignleft size-full wp-image-1770" title="ruß-mohl2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/09/ruß-mohl2009.jpg" alt="ruß-mohl2009" width="160" height="258" />Der quälende Erosionsprozess der US-amerikanischen Zeitungsindustrie – und mit ihm die Aushöhlung des hergebrachten Qualitätsjournalismus – ist längst ein offenes Geheimnis: Kaum eine Woche vergeht, an dem keine Hiobsbotschaft von Verlagsinsolvenzen, Redaktions- zusammenlegungen oder Massen- entlassungen durch die angefressene Medienbranche wabert. Der Zustand der Presse ist in den USA, anders als in Europa, schon derart verhängnisvoll, dass dort Kampfbegriffe wie "Newspaper Endgame", "The Vanishing Newspaper" und "The End of Journalism" zu geflügelten Worten wurden. Ein Blog mit dem zynisch klingenden Namen "Newspaper Death Watch" ("Totenwache Zeitung") listete Anfang Dezember 2009 elf Tageszeitungen in amerikanischen Ballungsgebieten, die binnen zweieinhalb Jahren verschwunden sind. Betreiber des Blogs ist der Ex-Journalist Paul Gillian, der sich – wie viele andere Millionen Amerikaner – darum sorgt, wie sich das Siechtum der Zeitungen langfristig auf das Journalistenhandwerk und somit auf die amerikanische Gesellschaftsordnung auswirkt. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/1416">[Mehr]</a>


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			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Stephan Weichert</em></p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-1770" title="ruß-mohl2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/09/ruß-mohl2009.jpg" alt="ruß-mohl2009" width="160" height="258" />Der quälende Erosionsprozess der US-amerikanischen Zeitungsindustrie – und mit ihm die Aushöhlung des hergebrachten Qualitätsjournalismus – ist längst ein offenes Geheimnis: Kaum eine Woche vergeht, an dem keine Hiobsbotschaft von Verlagsinsolvenzen, Redaktions- zusammenlegungen oder Massen- entlassungen durch die angefressene Medienbranche wabert. Der Zustand der Presse ist in den USA, anders als in Europa, schon derart verhängnisvoll, dass dort Kampfbegriffe wie &#8220;Newspaper Endgame&#8221;, &#8220;The Vanishing Newspaper&#8221; und &#8220;The End of Journalism&#8221; zu geflügelten Worten wurden. Ein Blog mit dem zynisch klingenden Namen &#8220;<a href="http://www.newspaperdeathwatch.com/" target="_blank">Newspaper Death Watch</a>&#8221; (&#8220;Totenwache Zeitung&#8221;) listete Anfang Dezember 2009 elf Tageszeitungen in amerikanischen Ballungsgebieten, die binnen zweieinhalb Jahren verschwunden sind. Betreiber des Blogs ist der Ex-Journalist Paul Gillian, der sich – wie viele andere Millionen Amerikaner – darum sorgt, wie sich das Siechtum der Zeitungen langfristig auf das Journalistenhandwerk und somit auf die amerikanische Gesellschaftsordnung auswirkt.</p>
<p>Die wachsende Unsicherheit ob des zerstörerischen Potenzials der Struktur- und Medienkrise in den USA und der möglichen Rückkoppelungseffekte auf die europäischen Zeitungsmärkte, deren untrügerische Vorboten hier schon seit einiger Zeit zu spüren sind, lässt inzwischen auch deutsche Journalisten, Verlagsmanager und Medienexperten aufmerken. Anlass genug für den in der Schweiz lehrenden Kommunikationswissenschaftler Stephan Ruß-Mohl, jetzt ein Buch zu veröffentlichen, das bei keinem Zeitungsliebhaber unter dem Kopfkissen fehlen darf – an dieser Stelle allerdings, das sei vorweggenommen, für Alpträume sorgen kann. Denn der Beipackzettel, den Ruß-Mohl hier implizit mitliefert, hat sich gewaschen: Obwohl er den amerikanischen Zeitungsmarkt unter die Lupe nimmt, hat er nach eigener Aussage das Buch geschrieben, &#8220;um besser einschätzen zu können, was auf uns in Deutschland, in der Schweiz, in Europa zukommt – und wie wir trotz alledem vielleicht den Qualitätsjournalismus retten können.&#8221;</p>
<p>So ist der beinahe romantisch anmutende Buchtitel &#8220;Kreative Zerstörung&#8221; dem Ökonomen Joseph Schumpeter entlehnt, der Ruß-Mohls jahrelange Forschungen im Grenzbereich zwischen Journalistik und Ökonomie inspiriert hat. Schumpeter habe, sagt Ruß-Mohl, &#8220;wohl als Erster begriffen, dass die Umwälzungen des Kapitalismus sowohl destruktiv als auch schöpferisch sind&#8221;, sprich: Zerstörung ist notwendig, damit eine Neuordnung überhaupt stattfinden kann. Um dieser (R)evolution im Journalismus nachzuspüren, ist der Professor an der Università della Svizzera italiana eigens von Lugano mitten in das Silicon Valley gereist, um sich höchstselbst von der Ausgeburt jener Zerstörung zu überzeugen, die im Schumpeter&#8217;schen Sinne zugleich Funke schöpferischer Wiedergeburt sein soll. Die unheilvollen Umbrüche während eines mehrwöchigen Forschungsaufenthalts an der renommierten Stanford University im Sommer 2008 und zuvor an der University of Oregon sozusagen am lebenden Objekt zu untersuchen (der Autor besuchte auf seinen Reisen neben einer Reihe von Zeitungsexperten auch die Redaktionen namhafter Prestige-Blätter, darunter &#8220;<a href="http://www.latimes.com/" target="_blank">Los Angeles Times</a>&#8220;, &#8220;<a href="http://www.nytimes.com/" target="_blank">New York Times</a>&#8220;, &#8220;<a href="http://www.paloaltoonline.com/" target="_blank">Palo Alto Weekly</a>&#8220;, &#8220;<a href="http://www.washingtonpost.com/" target="_blank">Washington Post</a>&#8221; und &#8220;<a href="http://www.sfgate.com/" target="_blank">San Francisco Chronicle</a>&#8220;) und der Gedanke, wie es weiter gehen könnte, hätten ihn regelrecht &#8220;fasziniert&#8221;.</p>
<p>Vielleicht ist es genau diese Faszination, die das Buch in all seinen Facetten, Argumentationsketten und Katastrophenschauplätzen so lesenswert macht: eine Art Medienwissenschafts-Thriller für starke Nerven und mit ungewissem Ausgang. Auch wenn Ruß-Mohl natürlich nicht <em>das</em> heiß ersehnte Business-Modell für die Verlagsbranche liefern kann, ist das Buch mehr als eine aufmerksame Zustandsbeschreibung: Wer die aufschlussreichen Case-Studies und Analysen darin sorgsam durcharbeitet oder sagen wir passender: den Cliffhangern zum Ende der jeweiligen Kapitel entgegenfiebert, dessen Neugierde wird auf das, was da im Auge des Taifuns womöglich noch entstehen wird, nicht enttäuscht. Ruß-Mohl streut allenthalben Worst- und Best-Practice-Modelle ein, 37 Abbildungen und zahlreiche Erklärkästen illustrieren wichtige ökonomische Trends und journalistische Fallbeispiele. Vor allem aber lebt das Werk von den Statements der für das Buch befragten Experten, unter anderem Tom Rosenstiel (<a href="http://www.journalism.org/" target="_blank">Project for Excellence in Journalism</a>), Geneva Overholser und Phil Seib (<a href="http://annenberg.usc.edu/" target="_blank">Annenberg School for Communication, University of Southern California</a>), Jonathan Landman (&#8220;<a href="http://www.nytimes.com/" target="_blank">New York Times</a>&#8220;) und Michael Getler (<a href="http://www.pbs.org/" target="_blank">PBS</a>, ehem. &#8220;<a href="http://www.washingtonpost.com/" target="_blank">Washington Post</a>&#8220;).</p>
<p>Fürderhin ist die Publikation – nach amerikanischem Vorbild – ein Zwitter zwischen Wissenschaft und populärem Sachbuch, wie man sie im deutschsprachigen Raum glücklicherweise immer häufiger findet, auch wenn die beinharte Kommunikationswissenschaft solcherlei &#8220;Grenzwissenschaft&#8221; argwöhnisch betrachtet – teils aus mangelnder Leidenschaft für den Beruf, teils aus Standesdünkel. Dennoch ist die Methodik des Autors lupenrein, wenngleich er die fehlende &#8220;Angemessenheit bestimmter Forschungstechniken&#8221; innerhalb der Kommunikationsforschung gleich zu Anfang moniert (36) – und bitter konstatiert: &#8220;Dieses Manko lässt sich nicht beseitigen.&#8221; Gleichwohl betrachtet er genau dies als Herausforderung, &#8220;verschiedene methodische Ansätze in kreativer Weise zu verbinden und weiterzuentwickeln&#8221;. Und das versucht Ruß-Mohl, indem er interdisziplinäre Brücken zur Ökonomie baut, empirisch-analytische Herangehensweisen und journalistische Recherchetechniken mit einem Crowdsourcing unter Medienexperten kombiniert und alles in allem – wie er schreibt – der &#8220;Journalistik neue Ziele&#8221; setzen will: Diese solle sich &#8220;zur Speerspitze einer Bewegung machen, die den Status quo einer kommunikationsunfähigen und damit auch in ihrer Wirkungsmacht beeinträchtigten Disziplin überwindet, indem sie mit journalistischen Mitteln Erkenntnisstand, -prozesse und -probleme vermittelt&#8221; (36f.).</p>
<p>Es sind zweifellos zu viele, um sie an dieser Stelle alle wiederzugeben, aber zu den gravierenden Neuerungen der Internet-Revolution, die Ruß-Mohl zufolge den Niedergang der Zeitungen nachhaltig beeinflusst und letztlich deren Neuerfindung bedeutet, gehören vor allem das Web 2.0 und seine neuen Akteure, also Blogger, Mitglieder in Social Networks und Bürgerjournalisten. Sie verändern das bisherige Medienangebot von Grund auf: durch Nischenangebote, alternative Geschäftsmodelle und neue Nutzungs-Cluster, aber auch die Vermischung von PR-Interessen und journalistischen Inhalten. Seiner Argumentationslinie folgend plädiert Ruß-Mohl am Ende des Buches konsequent für Bezahlinhalte im Internet: einerseits um die hemmungslose Selbstbedienungs-Mentalität einzudämmen, andererseits um die massenhafte Meinungsfreude der Laien im Netz noch von jener der professionellen Medienarbeiter unterscheidbar zu halten – und den Fortbestand Letzterer zu sichern. Diese muss der Leser sich aber künftig nicht unbedingt in übermäßigen Dimensionierungen vorstellen. Der &#8220;dynamische Unternehmer&#8221; (256f.), ebenfalls ein Wort aus der Theorieapotheke Schumpeters, beschreibt vielmehr einen Typus Journalist, der nicht nur thematisch flexibel denkt und vielseitig ist, sondern auch bereit ist, seine ökonomische Existenz in die eigene Hand zu nehmen. Und wahrscheinlich ist ebendies die wichtigste Botschaft, die uns ein Buch über den drohenden Kollaps des amerikanischen Qualitätsjournalismus mit auf den Weg geben will: Unser Schicksal ist heute gar nicht mehr von traditionellen Großverlagen und Medienunternehmen abhängig, sondern vom Erfindergeist und dem Experimentierwillen einzelner Journalisten.</p>
<p>Links:</p>
<ul>
<li><a href="http://www.uvk.de/buch.asp?ISBN=9783867640770" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.com.usi.ch/en/personal-info.htm?id=331" target="_blank">Webpräsenz von Stephan Ruß-Mohl an der Università della Svizzera italiana in Lugano</a></li>
<li><a href="http://www.macromedia-fachhochschule.de/hochschule/menschen/professoren/personendetails/detail/weichert.html" target="_blank">Webpräsenz von Stephan Weichert an der Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation in Hamburg</a></li>
</ul>


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		<title>Wissenschaftliches Publizieren im Online-Zeitalter</title>
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		<pubDate>Wed, 21 Oct 2009 15:01:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<img class="aligncenter size-full wp-image-1603" title="bücher" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/10/bücher.jpg" alt="bücher" width="450" height="273" />Das Internet übt auf unsere Gesellschaft einen Einfluss aus, der weit über das bequeme Bestellen eines Buches oder das schnelle Sichten der Nachrichtenlage hinausgeht. Sowohl im privaten als auch im beruflichen Feld bestimmen Computer und Internet in einem immer stärkeren Maße, wie wir unseren Alltag organisieren, mit anderen kommunizieren und zusammenarbeiten. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/1595">[Mehr]</a>


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</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="aligncenter size-full wp-image-1603" title="bücher" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/10/bücher.jpg" alt="bücher" width="450" height="273" />Das Internet übt auf unsere Gesellschaft einen Einfluss aus, der weit über das bequeme Bestellen eines Buches oder das schnelle Sichten der Nachrichtenlage hinausgeht. Sowohl im privaten als auch im beruflichen Feld bestimmen Computer und Internet in einem immer stärkeren Maße, wie wir unseren Alltag organisieren, mit anderen kommunizieren und zusammenarbeiten.</p>
<p>Das wissenschaftliche Arbeiten und Publizieren ist von dieser Entwicklung nicht ausgenommen. Nicht nur ist es für viele Wissenschaftler heutzutage selbstverständlich, bei ihren Recherche- und Schreibarbeiten auf einen Computer und das Internet zurückzugreifen; auch ist es inzwischen insbesondere in den Naturwissenschaften immer öfter üblich, neueste Forschungsergebnisse online zu publizieren.</p>
<p>Dieser Umstand bringt auf der einen Seite eine Vielzahl von Möglichkeiten mit sich, die noch vor einer Forschergeneration nahezu undenkbar gewesen sind – man denke etwa an die Chance zu neuartigen Formen des kollaborativen Schreibens und Publizierens. Auf der anderen Seite stellt das Internet sowohl die Verlagsbranche als auch die wissenschaftlichen Akteure vor Herausforderungen, deren Ausmaße Herbert von Halem am vergangenen Montag auf der Premierenfeier von &#8220;r:k:m&#8221; im <a href="http://www.kwi-nrw.de/home/index.html" target="_blank">Essener Kulturwissenschaftlichen Institut (KWI)</a> mit Vertretern aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierte.</p>
<p><em>Dass</em> das Internet einen Bedeutungswandel des wissenschaftlichen Arbeitens und Publizierens impliziert – darüber bestand zwischen den Diskutanten einhelliger Konsens. <em>Wie </em>sich dieser konkret auswirkt, wurde hingegen ebenso unterschiedlich beurteilt wie die Frage, in welcher Weise der Eintritt der digitalen Medien in das Feld der Wissenschaft insgesamt zu bewerten ist.</p>
<p><a href="http://www.uni-due.de/kowi/Eschbach.shtml" target="_blank">Achim Eschbach </a>(Professor für Semiotik an der Universität Duisburg-Essen) hob hervor, dass der Wissensspeicher des Internets besonders in Bezug auf Recherchearbeiten enorme zeitökonomische Vorteile mit sich bringe. Zugleich wies er darauf hin, dass die Wissenschaft auch im Internetzeitalter etablierte Qualitätsansprüche bewahren müsse. So sei es nach wie vor notwendig, klassische Techniken des wissenschaftlichen Arbeitens an die Studierenden zu vermitteln.</p>
<p>Demgegenüber erörterte <a href="http://www.kwi-nrw.de/home/profil-cleggewie.html" target="_blank">Claus Leggewie</a> (Direktor des KWI), inwieweit die im Online-Zeitalter weit verbreitete Erwartung, permanent erreichbar zu sein, die von Achim Eschbach aufgeführten zeitökonomischen Vorteile in vielerlei Hinsicht aufwögen. Gleichwohl äußerte Leggewie den Wunsch, dass das Internet nunmehr auch die geisteswissenschaftlichen Disziplinen dazu animieren würde, in ähnlicher Weise von den interaktiven Möglichkeiten des World Wide Web Gebrauch zu machen, wie es in weiten Teilen der Naturwissenschaften der Fall sei. Die etwa in der Chemie etablierte Gepflogenheit, neuere wissenschaftliche Erkenntnisse in Form eines Autorenkollektivs vorzustellen, sei deshalb auch in den Geisteswissenschaften zu begrüßen, weil sich durch sie zum Ausdruck bringen ließe, was in den Naturwissenschaften durch die Akzeptanz der Co-Autorschaft schon längst einen Gemeinplatz darstelle: dass Wissenschaft stets das Resultat einer Kommunikation zwischen Forschern ist.</p>
<p><a href="http://www.bildfaehig.de/danielhornuff/" target="_blank">Daniel Hornuff </a>(Betreiber des Bildwissenschafts-Blogs <a href="http://www.bildfaehig.de/" target="_blank">www.bildfaehig.de</a>) machte darauf aufmerksam, dass die Vorteile, die das Internet mit sich bringe, in einen Nachteil umschlagen könnten, falls sich den Möglichkeiten der Online-Kommunikation zu unreflektiert hingegeben werde. Zwar sei durch das Internet die Chance gegeben, auf gesellschaftliche, politische oder wissenschaftliche Ereignisse schnell publizistisch zu reagieren. Allerdings berge dieser Vorteil immer auch die Gefahr, das Gebot der sorgfältigen Recherche von journalistischen und wissenschaftlichen Texten zu vernachlässigen.</p>
<p>Wolfram Burckhardt (Leiter des Berliner <a href="http://www.kv-kadmos.com/" target="_blank">Kadmos-Verlags</a>) zeigte sich davon überzeugt, dass das Online-Zeitalter keine Gefahr für das traditionelle Verlagswesen bedeuten müsse, sofern sich die Verlage wieder zunehmend auf diejenigen Kernkompetenzen besännen, die in jüngerer Zeit aufgrund von arbeitsökonomischen Erwägungen und zugunsten des schnellen Profits zu kurz gekommen seien. Nur wenn die Verlage ihren Autorinnen und Autoren, wie einst üblich, durch ein professionelles Lektorat und die Herstellung eines ansprechenden Satzes behilflich seien, lasse sich das physische Buch weiterhin als ein Publikationsmedium von besonderer Qualität begreifen. In diesem Zusammenhang wies Burckhardt darauf hin, dass einer seiner erfolgreichsten Titel, ein Interview-Band mit Niklas Luhmann, vor der Buchpublikation lange Zeit online frei zur Verfügung gestanden habe – dies allerdings in einer unlektorierten und unkommentierten Fassung, die sich für eine seriöse wissenschaftliche Auseinandersetzung nur bedingt geeignet habe.</p>
<p>Burckhardt wertete diesen Fall als Beleg dafür, dass der Aspekt der freien Verfügbarkeit nicht zwangsläufig eine Verdrängung der klassischen Buchpublikation nach sich ziehen müsse. In Übereinstimmung mit Daniel Hornuff merkte er zudem an, dass das Internet und das physische Buch zwei unterschiedlichen Rezeptionshaltungen entgegenkämen: Während sich das Internet dadurch auszeichne, einen schnellen Überblick über eine Vielzahl von Themen bereitstellen zu können, lade das Buch dazu ein, sich über einen längeren Zeitraum intensiv mit einem konkreten Thema auseinanderzusetzen.</p>
<p><em>Foto: berwis/pixelio.de</em></p>


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		<title>Dorothea Marx: Landtagsabgeordnete im Fokus der Medien</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/557</link>
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		<pubDate>Sun, 04 Oct 2009 22:48:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Werner J. Patzelt</em>

<img class="alignleft size-full wp-image-1542" title="marx2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/10/marx2009.jpg" alt="marx2009" width="160" height="233" />Mit Fug und Recht hat Dorothea Marx ihre Magisterarbeit veröffentlicht. Deren Kern ist eine Online-Befragung aller deutschen Landtagsabgeordneten entlang der Fragestellung, wie vertraut, wie verständnisvoll und wie unabhängig ihr Verhältnis zu Journalisten sei. Es geht auch in Ordnung, dass dieses Verhältnis nur aus der Warte der Abgeordneten, nicht aber spiegelbildlich auch aus jener der Journalisten untersucht wird. Letzteres ist Sache einer Dissertation oder eines eigenen Forschungsprojekts. 568 von 1841 deutschen Landtagsabgeordneten beteiligten sich an der hier publizierten Umfrage, also knapp ein Drittel, was tatsächlich als ein guter Schnitt gelten kann. Methodisch wird diese Umfrage im vorliegenden Band vorzüglich dokumentiert – und zwar bis hin zur Wiedergabe des Fragebogens samt Grundauszählung. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/557">[Mehr]</a>


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</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Werner J. Patzelt</em></p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-1542" title="marx2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/10/marx2009.jpg" alt="marx2009" width="160" height="233" />Mit Fug und Recht hat Dorothea Marx ihre Magisterarbeit veröffentlicht. Deren Kern ist eine Online-Befragung aller deutschen Landtagsabgeordneten entlang der Fragestellung, wie vertraut, wie verständnisvoll und wie unabhängig ihr Verhältnis zu Journalisten sei. Es geht auch in Ordnung, dass dieses Verhältnis nur aus der Warte der Abgeordneten, nicht aber spiegelbildlich auch aus jener der Journalisten untersucht wird. Letzteres ist Sache einer Dissertation oder eines eigenen Forschungsprojekts. 568 von 1841 deutschen Landtagsabgeordneten beteiligten sich an der hier publizierten Umfrage, also knapp ein Drittel, was tatsächlich als ein guter Schnitt gelten kann. Methodisch wird diese Umfrage im vorliegenden Band vorzüglich dokumentiert (63-79) – und zwar bis hin zur Wiedergabe des Fragebogens samt Grundauszählung (169-206). Nebenbei (vor allem auf Seite 67) erfährt man auch einiges über reale Probleme der inzwischen doch recht intensiven Forschungsarbeit über Abgeordnete: Es handelt sich um eine offenbar &#8216;überforschte&#8217; Population, zu der der systematische Zugang mit offiziell unterstützten Forschungsvorhaben seitens der Direktoren der Landtage, doch auch der Landtagspräsidien und Fraktionsführungen, inzwischen weniger gefördert denn entmutigt wird.</p>
<p>Methodisch ist an dieser Arbeit kaum etwas auszusetzen. Schön wäre eine ausdrückliche Reflexion zur Validität der erhobenen Daten gewesen (zum Beispiel anhand der Frage: Wer füllt Online-Fragebögen wirklich aus?), desgleichen eine Erläuterung, warum – wie bei Tabelle 18 – Zusammenhänge zwischen ordinalskalierten Daten durch chi²-basierte Maßzahlen ausgedrückt werden oder warum – wie in Tabelle 19 – ein- und zweiseitige Signifikanzniveaus ganz ohne Aussagen darüber angegeben werden, was die Vermutung wohl inhaltlich bedeuten mag, eine Abweichung vom Kennwert der Nullhypothese sei nur in eine Richtung oder gleich in zwei Richtungen unwahrscheinlich. Auch fragt man sich, ob es denn keinerlei – und sei es explorativen – Anlass für multivariate Analysen gegeben habe. Doch das alles fällt nicht wirklich ins Gewicht.</p>
<p>Ausschlaggebend für das Urteil über diesen Band ist vielmehr der Reichtum und Nutzen des in ihm präsentierten Materials. Es wird in drei Kapiteln aufbereitet. &#8220;Formen und Eigenschaften der Interaktion mit Journalisten&#8221; (80-97) berichtet von der Häufigkeit von Kontakten zwischen Landtagsabgeordneten und Journalisten, von ihrer Intensität und Vertrautheit sowie von ihrer Zielorientierung und ihrem Nutzen. &#8220;Die Wirkung der Medien aus Sicht der MdL&#8221; (98-115) informiert über die Wirkung der Medienberichterstattung auf die Abgeordneten selbst sowie über deren Einschätzung von entsprechenden Wirkungen auf andere. &#8220;Die Bewertung der Medien durch die Abgeordneten&#8221; (116-131) bringt schließlich Urteile der Abgeordneten einesteils zur Medienberichterstattung selbst, andernteils zur Stellung der Medien im politischen Prozess. Die präsentierten Befunde – übersichtlich noch einmal auf den Seiten 132 bis 148 zusammengefasst – schreiben weitgehend schon Bekanntes fort oder differenzieren es aus, vermehren also unseren vor 20 Jahren noch recht dürftigen systematischen Wissensstand über diese wichtige Schnittstelle unseres politischen Systems. Doch insgesamt entsteht ein durchaus neu akzentuiertes Gesamtbild: &#8220;Vertrautheit ohne Vertrauen, kritische Distanz statt symbiotischer Nähe, Instrumentalisierung trotz gefühlter Abhängigkeit&#8221; (148) – so lässt sich das Ergebnis einleuchtend zusammenfassen.</p>
<p>Im Übrigen ist dieser Band eine typische Qualifikationsarbeit. Dies zeigt sich daran, dass mit einiger Liebe zum Detail auch noch die größeren systematischen Zusammenhänge des eigentlichen Themas ausgeleuchtet werden. Da findet sich ein instruktives, das Wesentliche auch für Lehrzwecke schön zusammenfassendes Kapitel über &#8220;Die Systeme Politik und Medien und ihre Akteure&#8221; (13-39), wo zum einen die unterschiedlichen Ausdeutungsmöglichkeiten des Verhältnisses zwischen Politikern und Journalisten, zum anderen die Interaktionsmodi und Konfliktpotenziale im &#8216;Handlungssystem aus Politikern und Journalisten&#8217; abgehandelt werden. Da findet sich ein nicht minder nützliches Kapitel über die &#8220;Bedingungen der Interaktion [zwischen Abgeordneten und Journalisten] auf Landesebene&#8221; (40-62), wo die Medienlandschaft der Bundesländer, die für parlamentarische Öffentlichkeitsarbeit wichtigen Merkmale ihrer politischen Systeme sowie ganz allgemein die Züge (landes-)politischer Medienberichterstattung erörtert werden.</p>
<p>Für Letzteres hätte es zwar den vorliegenden Band nicht gebraucht. Doch dieses Material ergänzt aufs Beste seinen wertvollen empirischen Ertrag. Wir hätten gerne mehr Magisterarbeiten dieser Art.</p>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.nomos-shop.de/productview.aspx?product=11135" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://tu-dresden.de/die_tu_dresden/fakultaeten/philosophische_fakultaet/ifpw/polsys/mitarbeiter/lehrstuhlinhaber" target="_blank">Webpräsenz von Werner J. Patzelt an der TU Dresden</a></li>
</ul>


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<li><a href='http://www.rkm-journal.de/archives/813' rel='bookmark' title='Permanent Link: Axel Kuhn: Vernetzte Medien'>Axel Kuhn: Vernetzte Medien</a></li>
<li><a href='http://www.rkm-journal.de/archives/134' rel='bookmark' title='Permanent Link: Michael Meyen; Nina Springer: Freie Journalisten in Deutschland'>Michael Meyen; Nina Springer: Freie Journalisten in Deutschland</a></li>
</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Marina Deiß: Gnade für Gnadenlose?</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/1062</link>
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		<pubDate>Fri, 14 Aug 2009 10:49:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einzelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Berichterstattung]]></category>
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		<category><![CDATA[Terrorismus]]></category>

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		<description><![CDATA[<i>Rezensiert von Svea Bräunert</i>

<img class="alignleft size-full wp-image-1063" title="deiß2008" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/08/deiß2008.jpg" alt="deiß2008" width="160" height="230" />2007 jährten sich zum dreißigsten Mal die Ereignisse dessen, was als <i>Deutscher Herbst</i> in die Geschichte der Bundesrepublik eingegangen ist. Brigitte Mohnhaupt und Christian Klar waren als Angehörige der zweiten Generation der Roten Armee Fraktion (RAF) maßgeblich an der Entführung und späteren Ermordung Hanns Martin Schleyers sowie an weiteren terroristischen Taten beteiligt. Seit Ende 1982 sitzen sie in Haft. Rund 24 Jahre später wird in Deutschland kontrovers über ihre Entlassung diskutiert – eine Debatte, die den Eindruck macht, als würden hier alte Grabenkämpfe der siebziger Jahre noch einmal ausgefochten und im Zuge von <i>9/11</i> neue Stellvertreterkriege aufgeführt. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/1062">[Mehr]</a>


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			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Svea Bräunert</em></p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-1063" title="deiß2008" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/08/deiß2008.jpg" alt="deiß2008" width="160" height="230" />2007 jährten sich zum dreißigsten Mal die Ereignisse dessen, was als <em>Deutscher Herbst </em>in die Geschichte der Bundesrepublik eingegangen ist. Brigitte Mohnhaupt und Christian Klar waren als Angehörige der zweiten Generation der Roten Armee Fraktion (RAF) maßgeblich an der Entführung und späteren Ermordung Hanns Martin Schleyers sowie an weiteren terroristischen Taten beteiligt. Seit Ende 1982 sitzen sie in Haft. Rund 24 Jahre später wird in Deutschland kontrovers über ihre Entlassung diskutiert – eine Debatte, die den Eindruck macht, als würden hier alte Grabenkämpfe der siebziger Jahre noch einmal ausgefochten und im Zuge von <em>9/11 </em>neue Stellvertreterkriege aufgeführt.</p>
<p>Die Kommunikationswissenschaftlerin Marina Deiß hat in ihrer knapp 100-seitigen Untersuchung <em>Gnade für Gnadenlose? 30 Jahre Deutscher Herbst und die &#8220;Begnadigungsdebatte&#8221; in den Medien </em>diese Diskussion daraufhin befragt, inwiefern die Massenmedien ihrer Aufgabe nachgekommen sind, sachlich und umfassend über die möglichen Haftentlassungen zu berichten. In Anlehnung an Heribert Schatz und Winfried Schulz entwirft Deiß Untersuchungsparameter journalistischer Qualität, die sich an den Momenten <em>Vielfalt</em>, <em>Ausgewogenheit</em> sowie <em>Neutralität</em> und <em>Sachlichkeit</em> ausrichten (vgl. Schatz/Schulz 1992). Diese bilden die Grundlage für die Codierung und quantitative Inhaltsanalyse jener relevanten Artikel, die zwischen dem 1. Januar und dem 30. Juni 2007 in der &#8220;<a href="http://www.faz.net/" target="_blank">Frankfurter Allgemeinen Zeitung</a>&#8221; (FAZ) und der &#8220;<a href="http://www.sueddeutsche.de/" target="_blank">Süddeutschen Zeitung</a>&#8221; (SZ) erschienen sind. Die Ergebnisse der quantitativen Untersuchung werden durch Leitfadeninterviews mit dem Juristen Kurt Breucker, dem Journalisten Kurt Oesterle und dem jüngsten Sohn von Hanns Martin Schleyer, Jörg Schleyer, ergänzt. Mohnhaupt und Klar reagierten negativ auf eine Anfrage der Autorin und sind somit nicht mit eigenen Stellungnahmen vertreten.</p>
<p>Der &#8220;Methodenmix von quantitativer Inhaltsanalyse und qualitativer Leitfadengespräche&#8221; (50) eröffnet einen umfassenden Blick auf die Debatte. Kritisch ist hierbei jedoch anzumerken, dass der größte Teil der westdeutschen Bevölkerung die RAF in den siebziger Jahren über die Massenmedien wahrnahm. Daher wäre es interessant gewesen, auch eine solche Zeitzeugenperspektive einzubeziehen &#8211; nicht zuletzt weil sich auf diese Weise Anschlüsse an die Mediensituation der siebziger Jahre hätten herstellen lassen, die mit Heinrich Bölls umstrittenem &#8220;<a href="http://www.spiegel.de/" target="_blank">Spiegel</a>&#8220;-Artikel &#8220;Will Ulrike Gnade oder freies Geleit?&#8221; bereits eine frühe &#8216;Gnadendebatte&#8217; zu verzeichnen und mit Hans Magnus Enzensbergers medienkritischen Essays eine subjektive Überprüfung journalistischer Qualität hervorgebracht hatte (vgl. Balz 2008; Böll 1972; Enzensberger 1997). Ebenso hätte man sich eine größere Bandbreite an untersuchten Zeitungen gewünscht, etwa aus dem für die Diskussionen der sechziger und siebziger Jahre so wichtigen Verlagshaus <em>Springer</em> und der infolge der linken Medienkritik gegründeten &#8220;<a href="http://www.taz.de/" target="_blank">taz</a>&#8221; – ganz abgesehen davon, dass die Untersuchung mit Bezeichnungen wie &#8220;Baader-Meinhof-Bande&#8221; (35) oder &#8220;Rädelsführer&#8221; (37) immer mal wieder in den antagonistischen Sprachduktus der siebziger Jahre zurückfällt.</p>
<p>Erinnert man sich an die Sendung &#8220;Gnade für Gnadenlose?&#8221; von Sabine Christiansen am 28. Januar 2007, die der Studie von Deiß ihren Titel gibt und in der 91 Prozent der Zuschauer/innen dagegen votierten, dass Mohnhaupt und Klar &#8220;vorzeitig [sic!] freikommen können&#8221;, wird deutlich, warum eine Untersuchung der journalistischen Qualität im Hinblick auf die Berichterstattung über den RAF-Terrorismus unbedingt wichtig und zeitgemäß ist. Vor diesem Hintergrund mutet es geradezu beruhigend an, dass Deiß die journalistische Qualität beider Zeitungen insgesamt als &#8220;befriedigend&#8221; (92) beurteilt, wenngleich auch FAZ und SZ eine stark emotionale Besetzung des Themas verzeichnen und nicht immer eindeutig zwischen dem juristischen Vorgang der Haftentlassung von Mohnhaupt und dem politischen Akt des Gnadengesuchs von Klar unterscheiden. Obwohl die Untersuchung von Deiß also noch einige Fragen offen lässt – so etwa die nach einer Verortung der RAF-Debatte in den Mediendiskussionen der siebziger Jahre oder einer Analyse der latenten Affektbindungen an aktuelle Terrorismusdiskurse –, leistet sie doch einen lesenswerten Beitrag zur Beurteilung journalistischer Qualität und Beschreibung gegenwärtiger medialer Reaktionsmuster auf den westdeutschen Terrorismus der RAF.</p>
<p><em>Literatur</em>:</p>
<ul>
<li>Balz, H.: <em>Von Terroristen, Sympathisanten und dem starken Staat. Die öffentliche Debatte über die RAF in den 70er Jahren. </em>Frankfurt am Main [Campus Verlag] 2008.</li>
</ul>
<ul>
<li>Böll, H.: &#8220;Will Ulrike Gnade oder freies Geleit?&#8221; In: <em>Spiegel</em>, 3, 1972, S. 54-57.</li>
</ul>
<ul>
<li>Enzensberger, H.M.: <em>Baukasten zu einer Theorie der Medien. Kritische Diskurse zur Pressefreiheit. </em>Herausgegeben von Peter Glotz. München [Verlag Reinhard Fischer] 1997.</li>
</ul>
<ul>
<li>Schatz, H.; Schulz, W.: &#8220;Qualität von Fernsehprogrammen. Kriterien und Methoden zur Beurteilung von Programmqualität im dualen Fernsehsystem.&#8221; In: <em>Media Perspektiven</em>, 11, 1992, S. 690-711.</li>
</ul>
<p><em>Links</em>:</p>
<ul>
<li><a href="http://www.tectum-verlag.de/9807_Marina_Deiss_Gnade_f%FCr_Gnadenlose%3F_30_Jahre_Deutscher_Herbst_und_die_%84Begnadigungsdebatte%93_in_den_Medien.html" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.netzwerk-terrorismusforschung.de/pages/kurzprofile/svea-braeunert.php" target="_blank">Webpräsenz von Svea Bräunert beim <em>Netzwerk Terrorismusforschung</em></a></li>
</ul>


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		<title>Guido Schröder: Positive Medienökonomik</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/96</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/96#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 24 May 2009 17:00:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<i>Rezensiert von Marie Luise Kiefer</i>

<img class="alignleft size-full wp-image-152" title="schroder2008" src="http://rkm.lookingintomedia.com/wp-content/uploads/2009/05/schroder2008.jpg" alt="schroder2008" width="160" />Der Autor will mit diesem Buch, dem seine Dissertation zugrunde liegt, das Defizit medienökonomischer Theoriebildung abbauen – und das unter Rückgriff ausschließlich auf das Instrumentarium der (neo)klassischen Ökonomik. Interdisziplinär geprägten Versuchen, eine Medienökonomik zu entwickeln, erteilt er eine Absage: Das Einfügen ökonomikfremder Modellelemente aus der Publizistikwissenschaft, der Soziologie oder Politologie bedeute weniger eine „Ergänzung des ökonomischen Ansatzes, sondern vor allem dessen Relativierung“, was die Gefahr berge, dass eine so entwickelte Medienökonomik an wissenschaftlichem Gehalt verlöre und für konkrete Probleme nur beliebige Erklärungen anzubieten hätte. <a href="http://rkm.lookingintomedia.com/archives/96">[Mehr]</a>


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			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Marie Luise Kiefer</em></p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-152" style="float: left;" title="schroder2008" src="http://rkm.lookingintomedia.com/wp-content/uploads/2009/05/schroder2008.jpg" alt="schroder2008" width="160" />Der Autor will mit diesem Buch, dem seine Dissertation zugrunde liegt, das Defizit medienökonomischer Theoriebildung abbauen – und das unter Rückgriff ausschließlich auf das Instrumentarium der (neo)klassischen Ökonomik. Interdisziplinär geprägten Versuchen, eine Medienökonomik zu entwickeln, erteilt er eine Absage: Das Einfügen ökonomikfremder Modellelemente aus der Publizistikwissenschaft, der Soziologie oder Politologie bedeute weniger eine „Ergänzung des ökonomischen Ansatzes, sondern vor allem dessen Relativierung“ (373), was die Gefahr berge, dass eine so entwickelte Medienökonomik an wissenschaftlichem Gehalt verlöre und für konkrete Probleme nur beliebige Erklärungen anzubieten hätte.</p>
<p>Der Autor entwickelt dann sein theoretisches Programm. Basisannahmen sind: Konsumentensouveränität, Nicht-Paternalistik, also keine Meritorik-Annahmen, Rationalität. Die mit Hilfe der mikroökonomischen Theorie zu prüfenden Aspekte von Medien sind Qualität, Finanzierung und Wirkung. Die Analyse wird auf das Fernsehen und hier auf Fernsehinhalte beschränkt. Theoretischer Ausgangspunkt zur Prüfung der drei gewählten Aspekte ist die Theorie des Marktversagens, die in der medienökonomischen und medienpolitischen Diskussion über Qualität, Finanzierung und Wirkung von Fernsehprogrammen ja eine prominente Rolle spielt.</p>
<p>Die Frage, ob der Markt hinsichtlich dieser Aspekte medialer Güter versagt, mit welchen (ökonomischen) Argumenten dies behauptet werden kann, ob die Argumente stichhaltig sind oder ob sich im Rahmen des vom Autor angewandten ökonomischen Forschungsprogramms, vor allem unter Berücksichtigung institutioneller Faktoren und institutionenökonomischer Ansätze, andere Erklärungsmöglichkeiten für beobachtbare Ineffizienzen anbieten oder aufdrängen, wird auf rund 400 Seiten durchgespielt. Referenzpunkt der Analysen sind dabei nicht die wohlfahrtsökonomischen Optimalitätsannahmen, denn gemessen an diesen „idealisierten Standards“ wäre das Problem des Marktversagens ubiquitär (377). Das Interesse des Autors gilt vielmehr der (institutionellen) Rahmenordnung von Medienmärkten, inwieweit diese deren Funktionsfähigkeit ermöglicht. Der zentrale Befund seiner theoretischen Arbeit lautet denn auch, dass gesellschaftliche Ineffizienzen des Fernsehens mit Blick auf die gewählten Topoi Qualität, Finanzierung und Wirkung nicht einem Markt- oder Wettbewerbs-, sondern einem Versagen der Institutionen geschuldet sind, Institutionenversagen also der zentrale Erklärungsfaktor sei (383). Die Verschiebung des theoretischen Interesses auf die Rahmenordnung von Medienmärkten soll, so ein Ziel des Autors, neue Möglichkeiten wissenschaftlicher Politikberatung eröffnen.</p>
<p>Auch wenn man als Leser dem Autor keineswegs in allen Punkten, wie etwa der Zurückweisung von Interdisziplinarität oder dem Ausschluss von „Meritorik“ aus dem ökonomischen Forschungsprogramm, folgt, wird man seine Arbeit mit Interesse lesen. Die konsequente Anwendung nur des neoklassischen Theoriearsenals in der Erweiterung um institutionenökonomische Ansätze auf die drei Problemfelder bietet manchmal eine neue oder auch nur bedenkenswerte Sicht, die Forschungsbedarf signalisiert. Ein Beispiel ist die institutionenökonomisch fundierte Analyse der Finanzierung des Fernsehens, die sich vom Pay-TV-Modell als ultimativer ökonomischer Lösung aller Markt- und Finanzierungsprobleme verabschiedet und auf die Effekte indirekter Finanzierungsregimes konzentriert, hier im Vergleich der Werbe- und – leider – Steuer- statt Gebührenfinanzierung. Unterschiede zwischen Steuer- und Gebührenfinanzierung sieht der Autor zwar, sie detailliert auszuarbeiten, auch und gerade im Vergleich zur Werbefinanzierung, verbleibt jedoch als Aufgabe.</p>
<p>Man wird dem Autor sicher auch nicht in allen Annahmen und Schlussfolgerungen folgen. Das gilt vor allem für das Kapitel zur Medienwirkung, die als Externalität nur der Rezeption und daraus folgender „Anspruchskonkurrenz“ (351) zum Beispiel bezüglich des sozialen Klimas mit Blick auf Tolerierungsgrenzen von Gewalt rekonstruiert wird, das gilt auch für die damit zusammenhängende Frage der Qualität, wenn man Qualität nicht nur als Nutzen aus Sicht rationaler Rezipienten begreift. Aber das Anliegen des Autors, den Blick auf institutionelle Rahmenbedingungen im Bereich der Medien zu lenken, um dort verstärkt nach politischen Gestaltungsmöglichkeiten zu suchen, ist ein weiter zu erprobender Ansatz.</p>
<p>Die Analyse signalisiert ein wachsendes Interesse auch von Ökonomen an Medien als Objekt ihrer theoretischen Arbeit. Obwohl auf einer Promotion in Volkswirtschaftslehre basierend, baut das Buch keine Rezeptionshürden durch übermäßige Formalisierung auf. Dass der Autor seine Analyse auf Fernsehen beschränkt, ist hier kein Nachteil, hätte aber vielleicht im Titel signalisiert werden müssen. Für den medienökonomisch Interessierten wird vieles in dem Buch nicht neu sein, dennoch lohnt die Lektüre, ungeachtet oder gerade wegen der angedeuteten Einwände.</p>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.nomos-shop.de/productview.aspx?product=9764" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.guido-schroeder.de/" target="_blank">Private Homepage von Guido Schröder</a></li>
</ul>


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		<item>
		<title>Andres Hutter: Watchblogs: Medienkritik 2.0?</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/522</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/522#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 16 May 2009 18:56:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einzelrezension]]></category>
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		<category><![CDATA[Weblogs]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.rkm-journal.de/?p=522</guid>
		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Tobias Eberwein</em>

<img class="alignleft size-full wp-image-770" title="hutter2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/05/hutter2009.jpg" alt="hutter2009" width="160" height="233" />Der Medienjournalismus steckt in einer Dauerkrise. Auch unabhängig von der aktuellen Wirtschaftslage hat die journalistische Berichterstattung über Journalismus und Medien mit Problemen zu kämpfen, die eine Erfüllung ihrer Informations-, Orientierungs-, Kritik- und Kontrollfunktion scheinbar zu einem Ding der Unmöglichkeit machen. Besonders heikel sind dabei die Fallstricke, die sich aus der unumgehbaren Selbstbezüglichkeit medienjournalistischer Thematisierungsstrategien ergeben: Wird über Vorgänge im eigenen Medienbetrieb berichtet, besteht die Gefahr einer PR-gerechten Beschönigung; steht ein Konkurrent im Fokus der Berichterstattung, ist es besonders verlockend, positive Inhalte herunterzuspielen, Negatives hingegen aufzubauschen. Angesichts dieses Dilemmas verwundert es kaum, dass viele Tageszeitungen sich auf ihren Medienseiten (sofern es diese überhaupt gibt) auf unverfängliche Fernseh-Vorschauen zurückziehen. Unbefangene Medienkritik sieht anders aus. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/522">[Mehr]</a>


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<li><a href='http://www.rkm-journal.de/archives/463' rel='bookmark' title='Permanent Link: Stephan Weichert; Christian Zabel (Hrsg.): Die Alpha-Journalisten 2.0'>Stephan Weichert; Christian Zabel (Hrsg.): Die Alpha-Journalisten 2.0</a></li>
</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Tobias Eberwein</em></p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-770" title="hutter2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/05/hutter2009.jpg" alt="hutter2009" width="160" height="233" />Der Medienjournalismus steckt in einer Dauerkrise. Auch unabhängig von der aktuellen Wirtschaftslage hat die journalistische Berichterstattung über Journalismus und Medien mit Problemen zu kämpfen, die eine Erfüllung ihrer Informations-, Orientierungs-, Kritik- und Kontrollfunktion scheinbar zu einem Ding der Unmöglichkeit machen. Besonders heikel sind dabei die Fallstricke, die sich aus der unumgehbaren Selbstbezüglichkeit medienjournalistischer Thematisierungsstrategien ergeben: Wird über Vorgänge im eigenen Medienbetrieb berichtet, besteht die Gefahr einer PR-gerechten Beschönigung; steht ein Konkurrent im Fokus der Berichterstattung, ist es besonders verlockend, positive Inhalte herunterzuspielen, Negatives hingegen aufzubauschen. Angesichts dieses Dilemmas verwundert es kaum, dass viele Tageszeitungen sich auf ihren Medienseiten (sofern es diese überhaupt gibt) auf unverfängliche Fernseh-Vorschauen zurückziehen. Unbefangene Medienkritik sieht anders aus.</p>
<p>In den vergangenen Jahren hat sich eine intensive Forschungstätigkeit zu diesen Problemen entwickelt, ein gangbarer Ausweg aus der &#8220;Selbstbeobachtungsfalle&#8221; (vgl. Beuthner/Weichert 2005) konnte dabei allerdings nicht aufgezeigt werden. Erst zuletzt entstanden einige Studien, die auf die Potenziale eines alternativen Modells der Medienkritik im Internet hinwiesen: das der Medienblogs (vgl. Fengler 2008; Mayer et al. 2008; Schönherr 2008; Wied/Schmidt 2008). In diese noch junge Forschungslinie ist auch die Veröffentlichung von Andres Hutter einzuordnen, die aus einer Lizentiatsarbeit am Züricher <a href="http://www.ipmz.uzh.ch/" target="_blank">Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung</a> hervorgegangen ist. Ähnlich wie die Autoren der Vorgängerstudien geht auch Hutter davon aus, dass Medienblogs im Vergleich zum herkömmlichen Medienjournalismus über gewisse Vorteile verfügen, weil &#8220;sie nicht von gewinnorientierten Medienunternehmen abhängig sind. Medienkritik in Weblogs könnte also die Tugenden des Medienjournalismus vereinen, ohne seine Defizite aufzuweisen: Eine fundierte Medienkritik ohne Konflikte mit Eigeninteressen.&#8221; (13) Um dieses Potenzial zu nutzen, müssten medienkritische Blogs in ihrer Berichterstattung allerdings anerkannte Qualitätsstandards einhalten. Ziel von Hutters Arbeit ist es daher, mit Hilfe einer Inhaltsanalyse die journalistische Qualität von zehn ausgewählten Medienwatchblogs mit der einer herkömmlichen Medienberichterstattung zu vergleichen.</p>
<p>Um den Qualitätsstandards einer wissenschaftlichen Abschlussarbeit zu entsprechen, fundiert Hutter seine Erhebung mit vergleichsweise ausführlichen theoretischen Vorbemerkungen. Nach einer (durchaus kritischen) Diskussion der relevanten Weblogforschung liefert er einige Denkanstöße zur systemtheoretischen Verortung von Medienblogs und Journalismus. Bedenkenswert erscheint dabei Hutters Ansatz, Blogs als möglichen Bestandteil eines sozialen Systems Journalismus zu verstehen &#8211; eine Sichtweise, die bislang nicht unbedingt dem journalismustheoretischen Mainstream entspricht. Leider werden die diesbezüglichen Ausführungen nicht konsequent zu Ende gedacht und bleiben teilweise begrifflich unscharf. Ohnehin verwundert es, dass der Autor nicht mehr Kapital aus Luhmanns Vorarbeiten zu Fragen der Selbstreferenz geschlagen hat, die sicherlich erkenntnisfördernd auf die gewählte Themenstellung hätten übertragen werden können.</p>
<p>Zentralen Raum in der Arbeit nimmt anschließend Hutters Auseinandersetzung mit der Forschung zur journalistischen Qualität ein. Aus seinem kritischen Referat der wichtigsten Studien zu diesem Themenfeld leitet er elf Qualitätsdimensionen ab, die mit Blick auf die eigene Inhaltsanalyse operationalisiert und zu verschiedenen Teilhypothesen ausgearbeitet werden. Dass die Operationalisierung &#8220;nicht völlig zufriedenstellend&#8221; (133) gelingt, gesteht der Autor später selbst ein. Bei der Durchführung der Erhebung bleibt dieses Manko jedoch weitgehend unberücksichtigt.</p>
<p>Nach weiteren Lockerungsübungen in Form einer Methodendiskussion gelangt Hutter schließlich in empirische Gefilde. Leider bleiben für die Vorstellung der Befunde aus seiner Inhaltsanalyse nur noch 28 Buchseiten, was nach der langen Vorrede etwas schade ist, zumal der Autor zu einigen interessanten Erkenntnissen kommt. So zeigt er, dass die Medienberichterstattung der drei untersuchten Zeitungen (ausgewertet wurden die Online-Ausgaben der &#8220;<a href="http://www.faz.net" target="_blank">Frankfurter Allgemeinen Zeitung</a>&#8220;, der &#8220;<a href="http://www.nzz.ch/" target="_blank">Neuen Zürcher Zeitung</a>&#8221; und der &#8220;<a href="http://diepresse.com/" target="_blank">Presse</a>&#8220;) zwar objektiver und transparenter ist als die der ausgewerteten Medienwatchblogs. In allen anderen Dimensionen schneiden die Blogs jedoch besser ab, zum Teil sogar deutlich. So wurde für sie eine markant höhere Themenvielfalt und eine höhere analytische Qualität nachgewiesen. Auch die Verständlichkeit, die Unterhaltsamkeit und das Interaktionsniveau sind der Erhebung zufolge in den Blogs klar erhöht. Der Autor folgert daraus, dass in Medienblogs &#8220;Journalismus und ernstzunehmende Auseinandersetzungen mit den traditionellen Medien statt[finden]. Weblogs sind also durchaus in der Lage, eine verbesserte Medienkritik zu leisten und können keineswegs pauschal als pseudojournalistisch abgetan werden.&#8221; (134)</p>
<p>Dieses Fazit leuchtet angesichts der präsentierten Daten ein. Allerdings wäre eine sorgfältigere methodische Anlage notwendig gewesen, um zu wirklich aussagekräftigen Befunden zu gelangen. So bleibt unklar, nach welchen Kriterien die zehn untersuchten Blogs ausgewählt wurden. Relevanzkriterien können es jedenfalls nicht gewesen sein, denn in den &#8220;<a href="http://medienlese.com/2007/05/01/mbc-1/" target="_blank">Medienblogcharts</a>&#8220;, einem Ranking der am meisten verlinkten Medienblogs von medienlese.com, wurden während des Untersuchungszeitraums fast durchweg andere Sites gelistet: Lediglich das &#8220;<a href="http://www.bildblog.de/" target="_blank">Bildblog</a>&#8221; taucht hier wie dort auf. Und auch die Logik, nach der die drei analysierten Zeitungen als Repräsentanten des traditionellen Medienjournalismus mit je 30 Beiträgen in die Stichprobe aufgenommen wurden, bleibt dem Leser verborgen. Vermutlich hätte eine differenziertere Auswahl mit höheren Fallzahlen hier zu anderen Ergebnissen geführt.</p>
<p>Trotz der genannten Einschränkungen hat Andres Hutter eine lesenswerte Studie vorgelegt, die &#8211; in konsequenter Weiterentwicklung bisheriger Arbeiten &#8211; ein wichtiges Thema aufgreift. Der Autor macht anschaulich, dass sich mit einer kritischen Medienbeobachtung in Weblogs verschiedene Potenziale verbinden, die dem herkömmlichen Medienjournalismus neue Entwicklungslinien aufzeigen können. Dass damit eine neue Form der Laienpublizistik zum Sargnagel des professionellen Journalismus werden könnte, ist sicherlich nicht zu befürchten, zumal die wichtigsten Medienblogs im deutschen Sprachraum selbst von ausgebildeten Journalisten betrieben werden. Ein wichtiger Fingerzeig ist das Schaffen der Medienblogger allemal. Vielleicht auch ein Ausweg aus der &#8220;Selbstbeobachtungsfalle&#8221;?</p>
<p><em>Literatur:</em></p>
<ul>
<li>Beuthner, M.; Weichert, S.A. (Hrsg.): <em>Die Selbstbeobachtungsfalle. Grenzen und Grenzgänge des Medienjournalismus. </em>Wiesbaden [VS Verlag für Sozialwissenschaften] 2005.</li>
<li>Fengler, S.: &#8220;Media WWWatchdogs? Die Rolle von Blogs für die Medienkritik in den USA.&#8221; In: Quandt, T.; Schweiger, W. (Hrsg.): <em>Journalismus online – Partizipation oder Profession? </em>Wiesbaden [VS Verlag für Sozialwissenschaften] 2008, S. 157-171.</li>
<li>Mayer, F. L.; Mehling, G.; Raabe. J.; Schmidt, J.; Wied, K.: &#8220;Watchblogs aus der Sicht der Nutzer. Befunde einer Onlinebefragung zur Nutzung und Bewertung von Bildblog.&#8221; In: <em>Media Perspektiven</em>, Heft 11/2008, S. 589-594. [auch <a href="http://www.media-perspektiven.de/uploads/tx_mppublications/Mayer.pdf" target="_blank">online</a>]</li>
<li>Schönherr, K.: &#8220;Medienwatchblogs als Form journalistischer Qualitätskontrolle.&#8221; In: Zerfaß, A.; Welker, M.; Schmidt, J. (Hrsg.): <em>Kommunikation, Partizipation und Wirkungen im Social Web. Band 2: Strategien und Anwendungen. Perspektiven für Wirtschaft, Politik, Publizistik. </em>Köln [Herbert von Halem Verlag] 2008, S. 116-133.</li>
<li>Wied, K.; Schmidt, J.: &#8220;Weblogs und Qualitätssicherung. Zu Potenzialen weblogbasierter Kritik im Journalismus.&#8221; In: Quandt, T.; Schweiger, W. (Hrsg.): <em>Journalismus online – Partizipation oder Profession? </em>Wiesbaden [VS Verlag für Sozialwissenschaften] 2008, S. 173-192.</li>
</ul>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.vwh-verlag.de/vwh/?p=315" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.coolepark.de/" target="_blank">Weblog von Tobias Eberwein</a></li>
</ul>


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<li><a href='http://www.rkm-journal.de/archives/463' rel='bookmark' title='Permanent Link: Stephan Weichert; Christian Zabel (Hrsg.): Die Alpha-Journalisten 2.0'>Stephan Weichert; Christian Zabel (Hrsg.): Die Alpha-Journalisten 2.0</a></li>
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