Volker Boehme-Neßler (Hrsg.): Die Öffentlichkeit als Richter?
Volker Boehme-Neßler (Hrsg.): Die Öffentlichkeit als Richter? – Litigation-PR als neue Methode der Rechtsfindung. Baden-Baden [Nomos] 2010, 184 Seiten, 52,- Euro.
Rezensiert von Per Christiansen
“Litigation-PR” ist ein markiges Schlagwort, mit dem Anwälte und PR-Strategen ein neues Beratungsprodukt bezeichnen, das sie aus den USA importiert haben: die strategische kommunikative Begleitung von Gerichtsverfahren. PR-Arbeit durch Rechtsanwälte kennen wir seit je her aus prominenten Strafverfahren, in denen Verteidiger um die Reputation ihrer durch die Verdachtsberichterstattung der Medien bereits vorverurteilten Mandanten ringen. “Litigation-PR” verspricht jedoch weit mehr als bloß ein Reputationsmanagement für Verfahrensbeteiligte. Es sei möglich, mittelbar über die Medien Einfluss auf den Ausgang des juristischen Verfahrens zu nehmen, durch mediale Maßnahmen also letztlich juristisch zu gewinnen. Sei die gewünschte eigene Position im “Gerichtshof der Meinungen” in der Öffentlichkeit erst einmal akzeptiert und etabliert, würden sich auch Richter dieser Position viel leichter anschließen. PR-Arbeit wird damit zu einem (kostspieligen) Bestandteil der Prozessführung, der von hochspezialisierten Agenturen ausgeführt wird. Die Branche in den USA feierte sich jüngst im Zusammenhang mit dem Amanda-Knox-Fall, der jedem Interessierten als prägnantes Beispiel für die Arbeitsweise von Litigation-PR empfohlen ist. [Mehr]
Tabea Böcking: Strategisches Framing
Tabea Böcking: Strategisches Framing: Gesellschaftliche Akteure und ihre Einflussnahmeversuche auf die mediale Debatte über die embryonale Stammzellenforschung in Deutschland. Köln [Herbert von Halem] 2009, 416 Seiten, 31,- Euro.
Rezensiert von Christian Baden
Es mag erstaunen, dass es eine Arbeit zur strategischen Gestaltung und Beeinflussung medialer Frames nicht schon lange gibt. Angesichts der unstrittig großen Bedeutung von Frames im massenmedialen Diskurs liegt die Frage nach der Beteiligung gesellschaftlicher Akteure an Frame-Building-Prozessen mehr als nahe. Auch aus Sicht der strategischen Kommunikation schließt sich nach der Platzierung von Themen auf der Medienagenda das Beeinflussen der Rahmung dieser Themen als Forschungsfeld unmittelbar an. Dennoch liegen bisher kaum Studien vor, die mediales Framing, gesellschaftliches Frame-Building und strategische Kommunikation miteinander verbinden. Eine systematische Aufarbeitung der relevanten Theorie und insbesondere der Erfolgsbedingungen für die strategische Vermittlung von Frames, wie Tabea Böcking sie vornimmt, ist überfällig. [Mehr]
Ralf Spiller; Hans Scheurer (Hrsg.): Public Relations Case Studies
Ralf Spiller; Hans Scheurer (Hrsg.): Public Relations Case Studies. Reihe: PR Praxis, Band 22. Konstanz [UVK] 2010, 280 Seiten, 29,90 Euro.
Rezensiert von Olaf Hoffjann
Es verwundert, dass es trotz der wachsenden Zahl an Büchern zur PR-Forschung und zur PR-Lehre immer noch so wenige Fallstudienbücher gibt. Noch verwunderlicher ist es, dass die bislang vorliegenden Fallstudienbücher nicht restlos überzeugen können. Auf den ersten Blick erscheint es ein leichtes Unterfangen zu sein, die akademisch ausgebildeten PR-Praktiker, die in der nichtakademischen und akademischen Lehre lehrenden Praktiker oder die ganz in die Wissenschaft gewechselten ehemaligen Praktiker dafür zu gewinnen, Fallstudien zu beschreiben und zu erläutern, so dass man die Fallstudien guten Gewissens in der Lehre einsetzen kann. Wenn man sich zurückliegende Versuche näher anschaut, dann leiden sie entweder darunter, dass den Autoren eine kritische Distanz zum Fall fehlt, weil sie selbst daran beteiligt waren. Oder aber die Distanz zum Case ist so groß, dass die Beschreibung der getroffenen Entscheidungen oberflächlich bleibt. Bei näherer Betrachtung überraschen die Defizite vorliegender Versuche dann schon weniger, da dieses Nähe/Distanz-Problem eines der zentralen Hindernisse empirischer PR-Forschung ist: So wird die Methode Beobachtung in der PR-Forschung immer noch sehr selten eingesetzt – und wenn PR-Forscher einmal dabei sein dürfen, müssen sie befürchten, dass sie Beobachter einer inszenierten Strategiesitzung werden. [Mehr]
Cathrin Christoph: Textsorte Pressemitteilung
Cathrin Christoph: Textsorte Pressemitteilung. Zwischen Wirtschaft und Journalismus. Konstanz [UVK] 2009, 253 Seiten, 29,- Euro.
Rezensiert von Barbara Baerns
Hinter dem irreführend harmlosen Titel verbirgt das Buch eine anspruchsvolle, anregende Analyse, die am Thema Öffentlichkeitsarbeit und Journalismus erneut belegt, wie publizistik- und kommunikationswissenschaftliche Probleme mit Denkmitteln und Forschungsinstrumenten der Linguistik sinnvoll bearbeitet werden können. Die ursprünglich als Dissertation eingereichte Untersuchung fokussiert die Schnittstelle zwischen Wirtschafts- und Mediensystem. Sie sucht Antworten auf die Fragen, wie Pressemitteilungen die Verbindung von Wirtschaft und Journalismus herstellen, wie sich die unterschiedlichen Anforderungen und Erwartungen im Text widerspiegeln, welche Texte Medien aufgreifen und wie Medien mit den ausgewählten Texten umgehen. Die Verfasserin folgt dabei der Annahme, dass die “Textsorte Pressemitteilung” als “Programm zur strukturellen Kopplung von Wirtschaft und Journalismus” darstellbar ist und dass sich die Doppelfunktion nicht nur in der sprachlichen Gestaltung niederschlägt, sondern auf allen textlinguistischen Ebenen nachgewiesen werden kann. [Mehr]
Reinhold Fuhrberg: PR-Beratung
Reinhold Fuhrberg: PR-Beratung. Qualitative Analyse der Zusammenarbeit zwischen PR-Agenturen und Kunden. Konstanz [UVK] 2010, 494 Seiten, 49,- Euro.
Rezensiert von Joachim Preusse
Das Thema Beratung spielt in der kommunikationswissenschaftlichen PR-Forschung insgesamt nur eine Nebenrolle. Gleichwohl werden erste Theoriebeiträge entwickelt und empirische Studien zum Thema verfasst (vgl. zuletzt die Beiträge in Röttger/Zielmann 2009). Eine weitere Verkleinerung der Forschungslücke gelingt Reinhold Fuhrberg mit seiner Dissertationsschrift PR-Beratung. Qualitative Analyse der Zusammenarbeit zwischen PR-Agenturen und Kunden. Der Autor war über zehn Jahre selbst als PR-Berater tätig und lehrt seit 2004 an der FH Osnabrück Kommunikationsmanagement. Inspiriert ist die Studie durch Fuhrbergs ambivalente Praxiserfahrungen als PR-Berater, die im partiellen Widerspruch zur normativ-idealtypischen Beratungspraxis standen, wie sie insbesondere von Berufsverbänden propagiert wird. Fuhrberg verfolgt das Ziel, “Einblick in die Bewertungs- und Entscheidungsprozesse innerhalb der Agentur-Kunden-Zusammenarbeit [zu] geben” und die Frage zu beantworten, “wie die PR-Berater sowie die Auftrag gebenden Kunden die Ziele, den Arbeitsprozess (Interaktion) sowie die Ergebnisse von PR-Beratung aus ihren jeweiligen Perspektiven bewerten und welche Konsequenzen dies für ihre Handlungen hat.” [Mehr]
Jörg Pfannenberg; Ansgar Zerfaß (Hrsg.): Wertschöpfung durch Kommunikation
Jörg Pfannenberg; Ansgar Zerfaß (Hrsg.): Wertschöpfung durch Kommunikation. Kommunikations-Controlling in der Unternehmenspraxis. Frankfurt a.M. [Frankfurter Allgemeine Buch] 2009, 240 Seiten, 39,90 Euro.
Rezensiert von Ralf Spiller
Die Themen Wertschöpfung durch Kommunikation und Kommunikations- controlling haben in den letzten Jahren innerhalb der Kommunikations- wissenschaft und der PR-Forschung an Bedeutung gewonnen. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass in der Praxis in verstärktem Maße Rufe danach laut werden, den Wertbeitrag von Kommunikationsabteilungen konkret zu bemessen. Gerade größere Unternehmen und Industriekonzerne arbeiten mit konkreten Zielvorgaben für jeden Geschäftsbereich und jede Abteilung – warum sollte dann die Kommunikationsabteilung davon ausgenommen sein? Doch die PR-Forschung beschäftigte sich erst spät mit Ansätzen zur Messung der Wertbeiträge von Kommunikation für Organisationen. Der erste deutschsprachige Sammelband zum Thema stammt von Barbara Baerns aus dem Jahr 1995 und trägt den Titel PR-Erfolgskontrolle. Darin wird jedoch im Wesentlichen beschrieben, wie einzelne PR-Maßnahmen evaluiert werden können. [Mehr]
Jens Woelke; Marcus Maurer; Olaf Jandura (Hrsg.): Forschungsmethoden für die Markt- und Organisationskommunikation
Jens Woelke; Marcus Maurer; Olaf Jandura (Hrsg.): Forschungsmethoden für die Markt- und Organisationskommunikation. Reihe: Methoden und Forschungslogik der Kommunikationswissenschaft, Band 5. Köln [Herbert von Halem Verlag] 2010, 296 Seiten, 28,- Euro.
Rezensiert von Wolfgang Fuchs
Publikationen, die sich aus einer akademischen Perspektive mit der Erforschung vor allem der Marktkommunikation beschäftigen, sind relativ selten. Zurstiege (2007) hat hier eines der wenigen Bücher der letzten Jahre publiziert. Im Wesentlichen sind viele Forschungsvorhaben und -studien in einen konkreten Verwertungs- zusammenhang eingebettet und kommerziell geprägt. Insofern ist es grundsätzlich zu begrüßen, dass die Herausgeber dieses Buches einen weiteren Beitrag zu einer wissenschaftlichen Beschäftigung mit diesem weiten und dynamischen Themenfeld leisten wollen. Die einzelnen Artikel dieses Buches decken dabei sehr divergente – allerdings auch nur punktuelle Bereiche ab: Von Methoden für die Markt- und Werbeforschung, Ansätzen zur Werbe- und Kommunikationsplanung über Ansätze der PR-Evaluation bis hin zu Methoden zur Erforschung der Organisationskommunikation. Diese Zusammenstellung erscheint ein wenig willkürlich. Auch die Zuordnung zu den einzelnen thematischen Schwerpunkten ist manchmal schwer nach zu vollziehen, z. B. die Einordnung des Beitrages von Jandura und Donsbach in den Schwerpunkt Kommunikationsplanung und nicht unter dem Fokus Werbeforschung. [Mehr]
Peter Szyszka; Dagmar Schütte; Katharina Urbahn: Public Relations in Deutschland
Peter Szyszka; Dagmar Schütte; Katharina Urbahn: Public Relations in Deutschland. Eine empirische Studie zum Berufsfeld Öffentlichkeitsarbeit. Forschungsfeld Kommunikation, Band 23. Konstanz [UVK] 2009, 358 Seiten, 34,- Euro.
Rezensiert von Reinhild Rumphorst
PR-Arbeit kann vieles sein: Sinnfreies Schönschreiben irrelevanter Ereignisse ebenso wie das Entwickeln und Kommunizieren einer gemeinwohl- verträglichen Unternehmenspolitik. Niemand kann zudem mit Sicherheit sagen, wie viele Menschen mit solchen Tätigkeiten in Deutschland Einkommen erzielen: sind es 20.000 oder 50.000? Die einen nennen sich Öffentlichkeits- arbeiter, betreiben jedoch Marketing, die anderen machen Public Relations, firmieren aber als Journalisten oder Geschäftsführer. Das Berufsfeld Public Relations ist statistisch und wissenschaftlich bestenfalls an den Rändern beackert. Im Frühjahr 2002 begann daher an der Fachhochschule Osnabrück ein ambitioniertes Projekt: Public Relations in Deutschland sollte in ihren organisationsfunktionalen Zusammenhängen empirisch erfasst werden. Aus nachvollzieh- baren Gründen beschränkten die Forscher ihre Studie schließlich auf den Bereich der Wirtschaftskommunikation; auch dies war noch eine Herkulesaufgabe. Seit 2009 liegen nun die Ergebnisse als Buchveröffentlichung vor. [Mehr]
Franzisca Weder: Organisationskommunikation und PR
Franzisca Weder: Organisationskommunikation und PR. Reihe: UTB, Band 3308. Wien [facultas.wuv] 2009, 224 Seiten, 18,90 Euro.
Rezensiert von Pascal Christoph Tanner
Mit dem Band Organisationskommu- nikation und PR legt Franzisca Weder eine Einführung in das Wissensgebiet der Organisationskommunikation vor. Ihr erklärtes Ziel ist es, dem Leser in acht Kapiteln ein “umfassendes Verständnis eines zunehmend wichtigen sozialwissenschaftlichen Forschungs- bereichs” zu vermitteln. Die Autorin definiert den Begriff Organisations- kommunikation umfassend, wie es im deutschen Sprachraum inzwischen auch üblich geworden ist. Sie zählt die klassischen Tätigkeitsfelder (Pressearbeit, Marketing und Werbung) dazu, aber auch die interne Kommunikation und alle Formen der Kommunikation über Organisationen. Definiert wird Organisationskommunikation von Weder in diesem umfassenden Sinne als soziales Handeln im Bezug auf einen strukturellen Kontext. Um dieses spezifische soziale Handeln besser verstehen und erklären zu können, greift die Klagenfurter Hochschuldozentin auf Erkenntnisse der Kommunikations- und der Wirtschaftswissenschaften zurück; diese werden in eine übergreifende sozialwissenschaftlichen Perspektive gerückt. [Mehr]
Stefan Weinacht: Medienmarketing im Redaktionellen
Stefan Weinacht: Medienmarketing im Redaktionellen. Medienthemati-sierungen als Instrument der Unternehmenskommunikation von Medien-organisationen. Baden-Baden [Nomos] 2009, 376 Seiten, 44,- Euro.
Rezensiert von Stephan Ruß-Mohl
Wer den Titel von Stefan Weinacht nur flüchtig liest, dem wird es vielleicht ähnlich ergehen wie dem Rezensenten: Als er das Buch orderte, tat er das in der Erwartung, sich endlich einmal wieder mit “redaktio-nellem Marketing” auseinandersetzen zu können – ein Thema, das im Überlebenskampf der “Dinosauriermedien” Print und Fernsehen an Bedeutung gewonnen hat, während es merkwürdigerweise von der Kommunikationswissenschaft eher vernachlässigt wird. Mit dem Medienjournalismus, um den es bei gründlicher Lektüre von Titel und Untertitel tatsächlich geht, verhält es sich dagegen genau anders herum: Ihm zollen seit ein paar Jahren Medien- und Kommunikationsforscher sehr viel Aufmerksamkeit, während die großen Verlage und noch mehr die TV-Sender im deutschen Sprachraum ihn nahezu stranguliert, jedenfalls auf das unvermeidliche Minimum reduziert haben. [Mehr]
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