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	<title>rezensionen:kommunikation:medien &#187; Presse</title>
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	<description>Rezensionen aus den Bereichen Kommunikation und Medien</description>
	<lastBuildDate>Fri, 03 Feb 2012 21:39:14 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Daniel Chmielewski: Lokale Leser. Lokale Nutzer</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/6515</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/6515#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 26 Nov 2011 08:40:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einzelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Lokaljournalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Lokalzeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Onlinezeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Presse]]></category>
		<category><![CDATA[Rezeptionsforschung]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitung]]></category>

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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Wiebke Möhring</em>

<img class="alignnone size-full wp-image-6517" title="Chmielewski" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/08/Chmielewski.jpg" alt="" width="160" height="240" />Sie werden immer weniger, die Menschen, die täglich eine Zeitung lesen. Die Abonnentenzahlen nehmen ab, die Verlage stehen unter Kostendruck, die Redaktionen müssen sich vermehrt Fragen stellen: Mit welchen Inhalten können wir Leser an uns binden, welches Medium soll die Inhalte transportieren? Seit Jahrzehnten gilt: Setzt auf das Lokale. Das ist es, was die Leser wollen, das ist es, was die Abonnementzeitung (abgesehen von überregionalen Titeln) ausmacht. Die Stärke und damit das (bisherige) Alleinstellungsmerkmal ist lokale Kompetenz, und das weiß der Leser zu schätzen. Das ist also nicht neu – und gilt trotzdem immer noch, wie auch diese Studie zeigt. Und es lässt sich von der Printausgabe auf die Online-Auftritte von Verlagen übertragen. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/6515">[Mehr]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Wiebke Möhring</em></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-6517" title="Chmielewski" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/08/Chmielewski.jpg" alt="" width="160" height="240" />Sie werden immer weniger, die Menschen, die täglich eine Zeitung lesen. Die Abonnentenzahlen nehmen ab, die Verlage stehen unter Kostendruck, die Redaktionen müssen sich vermehrt Fragen stellen: Mit welchen Inhalten können wir Leser an uns binden, welches Medium soll die Inhalte transportieren? Seit Jahrzehnten gilt: Setzt auf das Lokale. Das ist es, was die Leser wollen, das ist es, was die Abonnementzeitung (abgesehen von überregionalen Titeln) ausmacht. Die Stärke und damit das (bisherige) Alleinstellungsmerkmal ist lokale Kompetenz, und das weiß der Leser zu schätzen. Das ist also nicht neu – und gilt trotzdem immer noch, wie auch diese Studie zeigt. Und es lässt sich von der Printausgabe auf die Online-Auftritte von Verlagen übertragen.</p>
<p>Gerade weil das Lokale als Hoffnungsträger einer ganzen Branche gilt, ist es erstaunlich, dass Lokalkommunikation in der Kommunikationswissenschaft nicht mehr Beachtung findet. Umso erfreulicher, dass mit der ursprünglich als Dissertation vorgelegten Arbeit die Diskussion wieder angeregt werden kann.</p>
<p>Die Lektüre der Studie kann denjenigen empfohlen werden, die sich fragen, wie und ob sich die Publika von Print- und Online-Ausgaben in der Nutzung lokaler Inhalte unterscheiden. Denn Daniel Chmielewski nimmt mit seiner Arbeit das vernachlässigte Publikum des Lokalen in den Fokus. Er vergleicht zwei Rezipientengruppen von lokalen Informationen, den Leser der Printausgabe lokaler Zeitungen auf der einen und den Nutzer von redaktionellen lokalen Nachrichtensites auf der anderen Seite. Drei Kernfragen liegen zugrunde: Wie wichtig ist das Lokale für Zeitungsleser und Nutzer von Nachrichtensites, wie ausgeprägt ist die Ortsbindung und in welchem Zusammenhang stehen lokales Interesse und Ortsbindung?  Das Lokale wird verstanden als die alltägliche Lebenswelt im geografischen Nahbereich. Beide Konstrukte, sowohl das lokale Interesse als auch die Ortsbindung, gelten seit langem als zentrale Zuwendungsmotive, die vorliegende Fallstudie setzt sich zum Ziel, zum besseren Verständnis des Verhältnisses von beiden beizutragen.</p>
<p>Die theoretischen Kapitel der Arbeit sind pragmatisch knapp gehalten. Das muss kein Nachteil sein, im Gegenteil, setzt aber eine gewisse Kenntnis des Diskussionstandes beim Leser voraus – zumindest, wenn man die Ausführungen im wissenschaftlichen Kontext verorten will. Für die Bestimmung der Faktoren und Dimensionen von Ortsbindung bezieht er sich auf die Arbeiten von Reuber (1993), die Frage nach dem Raum an sich wird im Spannungsfeld der Glokalisierung beantwortet, hier hätten Rückbezüge auf raumsoziologische Arbeiten den Horizont bereichern können. Als zugrundeliegendes Rezeptionsmodell wählt er das dynamisch-transaktionale Modell von Schönbach und Früh und begründet diese Auswahl mit dem heuristischen Potenzial des Ansatzes – einem hier unkundigen Leser sind diese Ausführungen wohl etwas knapp.</p>
<p>Empirisch liegt der Untersuchung ein quantitativer Ansatz zugrunde, deskriptiv und hypothesenprüfend. Er untersucht die Leser der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ruhr_Nachrichten" target="_blank">Ruhr-Nachrichten</a> in drei Orten (Dortmund, Schwerte und Nordkirchen) und die Nutzer der dazugehörigen Nachrichtensite <a href="http://www.ruhrnachrichten.de/" target="_blank">RuhrNachrichten.de</a>. Die Anlage der Arbeit ist nachvollziehbar dargestellt, die Ergebnisdarstellung hätte zugunsten analytischer Tiefe an einigen Stellen verdichtet werden können.</p>
<p>Chmielewski kann mit den Ergebnissen zeigen, dass das Lokale an erster Stelle steht, sowohl bei Lesern als auch bei Webnutzern – die sich erstaunlich einig sind in ihren Präferenzen. Lokales Interesse und Ortsbindung sind wichtige Nutzungsfaktoren und zudem weder eine Frage des Alters, des Geschlechts und der Ortsgröße; Ortsbindung steigert das lokale Interesse und erhöht das Themeninteresse. Interessant ist, dass gerade die Jüngeren der Stichprobe eine hohe Ortsbindung aufweisen, er nennt dies einen Jugendeffekt. Eingeschränkt wird die Tragweite seiner empirischen Ergebnisse durch den Fakt, dass Abonnementbesitz und regelmäßige Sitenutzung umgekehrt auch von lokalem Interesse und Ortsbindung abhängen, also bereits Ausdruck starken Interesses und Bindung sind.</p>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://halemverlag.lookingintomedia.com/shop/product_info.php/products_id/225?XTCsid=1a678ba90d4de4070e04c50b46cded1b" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.fakultaet3.fh-hannover.de/?id=13243" target="_blank">Webpräsenz von Wiebke Möhring an der FH Hannover</a></li>
</ul>
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		<title>Edgar S. Hasse: Weihnachten in der Presse</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/6170</link>
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		<pubDate>Mon, 12 Sep 2011 08:45:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einzelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Berichterstattung]]></category>
		<category><![CDATA[Presse]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<category><![CDATA[Theologie]]></category>
		<category><![CDATA[Weihnachten]]></category>

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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Detlev Dormeyer</em>

<img class="alignnone size-full wp-image-6238" title="Hasse" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/07/Hasse.jpg" alt="" width="160" height="253" />Bei dem Werk handelt es sich um eine Dissertation eines Journalisten mit langer Berufserfahrung an der Theologischen Fakultät der Universität Greifswald. Das Werk enthält sieben Hauptteile: A. Einleitung; B. Forschungsstand; C. Forschungsgeschichte; D. Thematische Grundlagen für die empirischen Analysen; E. Methode; F. Empirie; G. Gesamtergebnisse, Interpretation und Diskussion. Als Anhang folgen: H. Konsequenzen; I. Grafiken; J. Literaturverzeichnis, Quellen, Hilfsmittel; Codebuch. Der Ansatz dieser Arbeit ist umfassend. In der Einleitung werden das Ziel und die Hypothesen kurz vorgestellt. Es geht darum, die gängige These vom Säkularisierungsschub, mit dem als Gegenbewegung eine Zunahme der religiösen Individualisierung und Privatisierung negativ korreliert, empirisch zu überprüfen. An solchen empirischen Untersuchungen mangelt es bisher. Insbesondere ist "ein neues mediales Interesse an Religion und Religiosität zu berücksichtigen" und entsprechend eine ab 1980 ansteigende journalistische Wahrnehmung von christlichen und religiösen Themen. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/6170">[mehr]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Detlev Dormeyer</em></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-6238" title="Hasse" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/07/Hasse.jpg" alt="" width="160" height="253" />Bei dem Werk handelt es sich um eine Dissertation eines Journalisten mit langer Berufserfahrung an der Theologischen Fakultät der Universität Greifswald. Das Werk enthält sieben Hauptteile: A. Einleitung; B. Forschungsstand; C. Forschungsgeschichte; D. Thematische Grundlagen für die empirischen Analysen; E. Methode; F. Empirie; G. Gesamtergebnisse, Interpretation und Diskussion. Als Anhang folgen: H. Konsequenzen; I. Grafiken; J. Literaturverzeichnis, Quellen, Hilfsmittel; Codebuch. Der Ansatz dieser Arbeit ist umfassend. In der Einleitung werden das Ziel und die Hypothesen kurz vorgestellt. Es geht darum, die gängige These vom Säkularisierungsschub, mit dem als Gegenbewegung eine Zunahme der religiösen Individualisierung und Privatisierung negativ korreliert, empirisch zu überprüfen. An solchen empirischen Untersuchungen mangelt es bisher. Insbesondere ist &#8220;ein neues mediales Interesse an Religion und Religiosität zu berücksichtigen&#8221; (20) und entsprechend eine ab 1980 ansteigende journalistische Wahrnehmung von christlichen und religiösen Themen.</p>
<p>Hasse wählt 3622 Artikel aus elf publizistischen Einheiten aus. Zeitungen werden von Zeitschriften unterschieden und repräsentativ ausgewählt<em>: </em><a href="http://www.faz.net/s/homepage.html" target="_blank">Frankfurter Allgemeine Zeitung</a>; <a href="http://www.sueddeutsche.de/" target="_blank">Süddeutsche Zeitung</a>; <a href="http://www.bild.de/" target="_blank">Bild-Zeitung</a>; <a href="http://www.taz.de/" target="_blank">Tageszeitung</a>; <a href="http://www.lvz-online.de/" target="_blank">Leipziger Volkszeitung</a>; <a href="http://www.spiegel.de/" target="_blank">Spiegel</a>; <a href="http://www.focus.de/" target="_blank">Fokus</a>; <a href="http://www.stern.de/" target="_blank">Stern</a>; <a href="http://www.bildderfrau.de/" target="_blank">Bild der Frau</a>; <a href="http://www.bravo.de/" target="_blank">Bravo</a>; <a href="http://www.playboy.de/" target="_blank">Playboy</a>. Kapitel B. analysiert &#8220;Weihnachten als gegenwärtiges Thema der Theologie&#8221;. Phänomenologisch wird die gegenwärtige Entdeckung des &#8220;Weihnachts-Christentum&#8221; durch die Theologie dargestellt. Weiterhin werden die &#8220;Impulse aus Liturgie und Homiletik&#8221; und anderen Gebieten der Theologie kurz vorgestellt. Es schließt sich in C. die theologische Forschungsgeschichte an. Sie beginnt mit Schleiermachers kleiner Schrift „Weihnachtsfeier“ von 1806. Bereits Schleiermacher stellte die familiare Bedeutung des Weihnachtsfestes heraus. Es geht u. a. um Geschenke-Austausch und Gefühls-Betroffenheit. Diese Interpretation nimmt im 19. Jahrhundert zu und beherrscht im 20./21. Jahrhundert die Interpretation von Weihnachten.</p>
<p>Kapitel D. widmet sich dann dem gegenwärtigen theologischen Diskurs zu Weihnachten. Es geht um Deutungspluralismus, Festtheorien, Weihnachtskritik, biblische und kirchliche Dimensionen, um Familienfest-Zentrierung, um religiöse, nicht mehr spezifisch christliche Gestaltung, um Ereignis-Bildung. E. erklärt die sozialwissenschaftliche Methode. Die Inhaltsanalyse beruht auf Frequenz und qualitativer Analyse. Das &#8220;Codebuch&#8221; am Schluss &#8220;bezieht sich ausschließlich auf die Inhaltsanalyse&#8221; (480).  Die Grafiken in I. bieten die Statistik der Inhaltsanalyse.</p>
<p>Kapitel F. (Empirie) bildet das Zentrum (201-401). Eindrucksvoll werden die 11 Zeitungen/Zeitschriften in ihrem Profil vorgestellt und anschließend mit ihren Weihnachtsbeiträgen in den Weihnachtsausgaben analysiert. G. fasst dann die Tendenzen im Zeitraum von 1955-2005 zusammen. Die in D. entwickelten Hypothesen (167-173) werden weitgehend verifiziert, aber auch zum kleineren Teil falsifiziert oder modifiziert (401-407). Es gibt &#8220;Kontinuität und Wandel&#8221; (408). Konstant sind die &#8220;Assemblage von Genuss und Geschenken&#8221;, die &#8220;Sinn-Synthesen aus Familialisierung, Sakralisierung der Familie, tradiertem Brauchtum sowie Fragmenten jüdisch-christlicher Traditionen&#8221; (lukanische Friedensbotschaft, Nächstenliebe) und die radikal säkularisierte Festdeutung als Erholung von der Arbeitswelt u. a. (408f.). Dagegen hat das Weihnachtsfest als Gegenstand journalistischer Berichterstattung erheblich an medialem Gewicht verloren, denn Frequenz und Umfang der Beiträge sind- bis auf die Ausnahme von zwei publizistischen Einheiten (taz, erst ab 1978 erschienen, und Bravo) &#8211; &#8220;in den Leitmedien deutlich gesunken&#8221; (411). Zwar ist seit den 80er – und 90er- Jahren eine neues Interesse an Religion zu beobachten, aber dieses ersetzt nicht den gravierenden Rückgang der Berichterstattung über Weihnachten.</p>
<p>Spannend, zumindest für einen Theologen, sind noch die kurzen Auswertungen &#8220;Typologie der Zeitungen und Zeitschriften&#8221; und &#8220;Interferenz der Ergebnisse auf soziale Milieus&#8221; (419-423): &#8220;Kirchlich-traditionelles Wahrnehmungsschema, repräsentiert durch &#8216;FAZ&#8217; und &#8216;SZ&#8217;&#8221; (419), &#8220;Familiales Wahrnehmungsschema, repräsentiert durch &#8216;Stern&#8217;, &#8216;Focus&#8217;, &#8216;taz&#8217;, &#8216;Bild der Frau&#8217;&#8221;; &#8220;Konsum-Schema&#8221;, differenziert in ein &#8220;konsumaffines-Schema&#8221; mit &#8216;Spiegel&#8217;, &#8216;Bravo&#8217;, &#8216;Bild&#8217;, &#8216;Bild der Frau&#8217;, &#8216;Playboy&#8217; und ein &#8220;konsumkritisches Schema&#8221; mit &#8216;taz&#8217; und &#8216;SZ&#8217; (420). Die &#8220;Hochkulturellen&#8221;, d.h. Benutzer von FAZ und SZ, sind daher &#8220;traditionell-kirchlich, biblisch und familial orientiert, konsumistische Aspekte treten zurück&#8221; (422). Das &#8220;Harmoniemilieu&#8221; ist bei Bild und Bild der Frau anzutreffen (422). Die &#8220;Bürgerliche Mitte&#8221; prägt die anderen. Als &#8220;kritisch&#8221; bleibt die taz übrig, die sich aber ab der Gründung verändert hat und nun &#8220;trotz Distanz zur Institution Kirche offen für religiöse Erfahrungen und Fragestellungen&#8221; ist (423).</p>
<p>Zur Auswertung des Befundes, dass &#8220;das Interesse an der Menschwerdung Gottes erheblich gesunken&#8221; ist, habe ich allerdings eine Anfrage. Nach Hasse sind Kirche und Theologie dafür mit verantwortlich, da für sie das Thema der Inkarnation &#8220;fast zur Randerscheinung&#8221; geworden ist (418), während die Kreuzestheologie vorherrscht (431). Dieser Befund trifft aber nur für die evangelische Kirche zu; die katholische Kirche, Theologie und Frömmigkeit haben immer die Inkarnation in den Mittelpunkt gestellt (94-96 mit Rahners Fest-These). Predigten und Printmediendarstellungen mit der Kreuzigung als Mittelpunkt wirkten deplatziert. Aber auch hier findet ein Wandel statt, so dass der Schlussabsatz von Hasse für beide Kirchen zutrifft: Kein Wechsel von Kreuz zu Krippe (oder von Krippe zu Kreuz), vielmehr &#8220;Zusammengehörigkeit von Krippe und Kreuz&#8221; (431f.).</p>
<p>Insgesamt liegt ein gelungener Versuch einer &#8220;Methodenkombination aus Inhaltsanalyse und einer theologisch-hermeneutischen Argumentationsanalyse der Meinungsbeiträge&#8221; vor (480). Jeder Schritt ist sorgfältig begründet. Die Hypothesen sind signifikant und erhellen die Kontinuität und den Wandel in der medialen Wahrnehmung zentraler christlicher Gehalte. Der Untergang der Religion, den einige Medien in den 70ern noch düster prophezeiten (u. a. taz), wird so schnell nicht eintreten. Im Gegenteil, die Familialisierung und die neue Aufmerksamkeit für Religion stellen neue Anforderungen an Kirche, Theologie und Frömmigkeit. So frage ich mich, ob die vielen theologischen Positionen in D. eher mehr dem Selbsterhalt der Lehrstühle als der Vermittlung des Weihnachtsfestes dienten. Hasse hat zu Recht herausgestellt, dass die Entstehung des Weihnachtsfestes im 4. Jh. stark von heidnischer Frömmigkeit bestimmt war und diese (aus späterer christlicher Gewinner-Sicht) <em>säkulare</em> Interpretation von Schleiermacher wiederentdeckt wurde und bis heute anhält. Doch nicht nur das Weihnachtsfest, die gesamte Bibel ist doch von nichtbiblischen Religionen und Kulturen entscheidend mitgeprägt worden (siehe der zutreffende Verweis am Schluss (430) auf Gerd Theißen, <em>Die Religion der ersten Christen</em>,2001).</p>
<p>So gilt es, das neue Interesse an Religion theologisch-kognitiv und emotional-liturgisch ohne Vorbedingung einer Rückkehr zur alten Kirchlichkeit zu unterstützen. Die hier vorgelegte Analyse der Medien erweist sich als vorzügliche Hilfe und als uneingeschränkt empfehlenswerter Wegweiser.</p>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.theologie.uni-erlangen.de/fileadmin/upload/CPV-Flyer2010pdf.pdf" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.meer-glauben.de/dr-edgar-hasse/" target="_blank">Private Homepage von Edgar S. Hasse</a></li>
<li><a href="http://katheo.fk14.tu-dortmund.de/cms/katheo/de/Forschung/Dormeyer_Detlev/index.html" target="_blank">Webpräsenz von Detlev Dormeyer an der TU Dortmund</a></li>
</ul>
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		</item>
		<item>
		<title>Michael Haller; Lutz Mükke (Hrsg.): Wie die Medien zur Freiheit kamen</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/5920</link>
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		<pubDate>Tue, 12 Jul 2011 08:00:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einzelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[DDR]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismusforschung]]></category>
		<category><![CDATA[Medienforschung]]></category>
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		<category><![CDATA[Zeitungsgeschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Christoph Links</em>

<img class="alignleft size-full wp-image-5859" title="Haller/Mükke: Wie die Medien zur Freiheit kamen" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/06/9783869620343.jpg" alt="Haller/Mükke: Wie die Medien zur Freiheit kamen" width="160" height="240" />

Der langjährige Direktor des Instituts für praktische Journalismusforschung und 2010 emeritierte Lehrstuhlinhaber für Journalistik an der Universität Leipzig, Professor Michael Haller, legt zusammen mit seinem jüngeren Kollegen Dr. Lutz Mükke eine Art Bilanzband vor, in dem 18 Jahre Begleitforschung zu den radikalen Veränderungen in der ostdeutschen Medienlandschaft dokumentiert werden. Dazu wurden elf wissenschaftliche Aufsätze als sogenannte Fallstudien zusammengestellt, die auf Absolventenarbeiten der Journalistikstu­diengänge zurückgehen, eingerahmt von zwei Interviews. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/5920">[mehr]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Christoph Links</em></p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-5859" title="Haller/Mükke: Wie die Medien zur Freiheit kamen" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/06/9783869620343.jpg" alt="Haller/Mükke: Wie die Medien zur Freiheit kamen" width="160" height="240" /></p>
<p>Der langjährige Direktor des Instituts für praktische Journalismusforschung und 2010 emeritierte Lehrstuhlinhaber für Journalistik an der Universität Leipzig, Professor Michael Haller, legt zusammen mit seinem jüngeren Kollegen Dr. Lutz Mükke eine Art Bilanzband vor, in dem 18 Jahre Begleitforschung zu den radikalen Veränderungen in der ostdeutschen Medienlandschaft dokumentiert werden. Dazu wurden elf wissenschaftliche Aufsätze als sogenannte Fallstudien zusammengestellt, die auf Absolventenarbeiten der Journalistikstu­diengänge zurückgehen, eingerahmt von zwei Interviews.</p>
<p>Gegliedert ist das Ganze nach vier Schwerpunkten, in denen es 1. um den Systemwechsel, 2. den Wandel des journalistischen Rollenbildes, 3. das Bild Ostdeutschlands in den westdeutschen Medien und 4. um Anpassung und Widerstand im heutigen Journalismus geht. Dabei sollen bewusst auch &#8220;Fehlleistungen und Unzulänglichkeiten&#8221; (20) sichtbar gemacht werden &#8211; so die Herausgeber in ihrer Einleitung. Bewusst wählte man einen akteurs­orientierten Schwerpunkt (100), da es zu den Veränderungen der Rahmenbedingungen bereits genügend Arbeiten gibt.</p>
<p>Trotzdem ist es methodisch durchaus schlüssig, eingangs zunächst die Dimension der Transformationsprozesse noch einmal an Einzelfällen darzustellen. So berichtet der langjährige Chefredakteur der <a href="http://www.thueringer-allgemeine.de/" target="_blank">Thüringer Allgemeinen</a>, Sergej Lochthofen, von seinen &#8211; am Ende auch bitteren &#8211; Erfahrungen mit westdeutschen Zeitungsverlegern. Im Gegenzug schildern westdeutsche Chefredakteure ihre Erlebnisse beim Einsatz in ostdeutschen Regionalzeitungen. Ergänzt wird dieser Abschnitt durch den Blick auf die gemischte Redaktion der <a href="http://www.superillu.de/" target="_blank">SUPERillu</a>.</p>
<p>Beim Rollenwandel der Journalisten im zweiten Teil geht es dann um das veränderte Selbstverständnis vor allem der Lokalredakteure. Hier hätte es richtig spannend werden können, erinnert man sich doch an den Streik der Journalisten in Südthüringen, an die Klagen von Kollegen aus den Kreisredaktionen, dass wichtige Anzeigenkunden nicht angegriffen werden dürfen und das Gespött aus den Großredaktionen über den Schmusekurs so manchen Regionalblattes zu seinen lokalen Politikern. Doch der Fokus dieses Abschnittes liegt weniger auf der kritischen Ausleuchtung des heutigen Zustandes als auf der historischen Würdigung der neu gewonnenen Freiheiten und auf dem Übergang von politisch-missionarischen zu pragmatisch-publikumszentrierten Berufsvorstellungen. Der Austausch der einen, eher rigiden weisungsgebenden Instanz gegen eine andere, eher moderate, wird dabei nur am Rande thematisiert, wenn es um die Anpassung an gesetzte Normen geht (137). Lediglich im Beitrag von Frauke Abesiyan, in dem eine Befragung von Lokalredaktionsleitern ausgewertet wird, kommt die Sprache darauf, dass vielerorts nicht hart recherchiert wird und ein sehr kommoder Umgang mit Informanten vorherrscht (158). Als Gründe werden hier Zeitmangel und fehlende Eigeninitiative angeführt, wobei die Autorin auch alte Obrigkeitshörigkeit ausmacht. Dass vielerorts einfach von den Eigentümerverlagen die wirtschaftlichen und somit personellen Rahmenbedingungen für einen kontrollierenden Journalismus nicht gewährleistet werden, ist keiner weitergehenden Erörterung wert.</p>
<p>Dabei zeigt gerade die Fallstudie von Gerit Schulze aus dem dritten Teil des Buches, dass die kritischen Berichte über Missstände in Mecklenburg-Vorpommern eher vom <a href="http://www.spiegel.de/" target="_blank">Spiegel</a> angestoßen wurden als von den Medien vor Ort, auch wenn das Hamburger Nachrichtenmagazin die Realität in manchen Punkten verzerrt darstellt (192), genau wie der   <a href="http://www.zeit.de/" target="_blank">Zeit</a> Einseitigkeiten bei ihrer Berichterstattung über Ostdeutschland in einem weiteren Aufsatz (Claudia Lasslop: &#8220;Das Bild Ostdeutschlands in westdeutschen Leitmedien&#8221;) bescheinigt werden.</p>
<p>Im letzten Teil des Sammelbandes geht es in zwei Beiträgen (Daniela Kahls: &#8220;Der Fall Sebnitz&#8221; und Erik Nebel: &#8220;Panische Aufregung und professioneller Spürsinn&#8221;) um die Behandlung des Rechtsextremismus in Sachsen, speziell im Fall Sebnitz, als im November 2000 nahezu alle Medien auf die Falschberichterstattung der <a href="http://www.bild.de/" target="_blank">Bild</a>-Zeitung hereinfielen. Dass hier Vorurteilsberichterstattung an die Stelle von Recherche getreten ist (209), liegt auf der Hand, wie auch die gesamte Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus unter mangelnden &#8220;zeitlichen, personellen und finanziellen Ressourcen&#8221; (246) zu leiden hat. Die daraus erforderlichen Schlussfolgerungen werden in diesem Abschnitt unter dem großen Titel &#8220;Anpassung und Widerstand&#8221; allerdings nicht gezogen.</p>
<p>Eine Art Bilanz bleibt dem abschließenden Interview mit Hans-Jörg Stiehler, Professor für Empirische Kommunikations- und Medienforschung an der Universität Leipzig, vorbehalten. Er erklärt, warum es den auf Eliten ausgerichteten überregionalen westdeutschen Blättern nicht gelungen ist, im Ostdeutschland der kleinen Leute Fuß zu fassen und konstatiert fehlende &#8220;Übersetzungs- und Verständigungsleistungen&#8221; (255) der Medien. Er benennt auch das Versagen der Politik bei der Neuordnung der ostdeutschen Medienlandschaft, die heute vor allem durch Monopolstrukturen geprägt ist, in denen die immer weniger werdenden Journalisten vor Ort kaum noch die Rolle einer vierten Gewalt erfüllen können.</p>
<p>Von wenigen Redundanzen abgesehen liefert der Sammelband einen facettenreichen Überblick zum Wandel der ostdeutschen Medienlandschaft <em>nach</em> dem Untergang der DDR. Für die Zeit <em>seit</em> dem Untergang der DDR, wie es im Untertitel heißt, hätte man sich mehr kritische Reflexionen zum heutigen Zustand gewünscht.</p>
<p><em>Links</em></p>
<ul>
<li><a href="http://halemverlag.lookingintomedia.com/shop/product_info.php/products_id/226" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.uni-leipzig.de/journalistik/haller.htm" target="_blank">Webpräsenz von Prof. Dr. Michael Haller an der Universität Leipzig</a></li>
<li><a href="http://www.uni-leipzig.de/journalistik2/index.php?id=293" target="_blank">Webpräsenz von Dr. Lutz Mükke an der Universität Leipzig</a></li>
<li><a href="http://www.christoph-links.de/" target="_blank">Persönliche Homepage von Dr. Christoph Links</a></li>
</ul>
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		</item>
		<item>
		<title>Sprachverlust mit System: Die Presse in der Krise</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/3098</link>
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		<pubDate>Sat, 09 Jul 2011 09:00:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sammelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Presse]]></category>
		<category><![CDATA[Printmedien]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitungen]]></category>

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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Harald Rau</em>

<a href="http://www.rkm-journal.de/archives/3098"><img class="alignleft size-full wp-image-5348" title="Weichert, Kramp, Jakobs" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2010/05/Weichert-Kramp-Jakobs.jpg" alt="" width="160" height="267" /></a>Nach den Diskussionen um den <a href="http://www.boston.com/bostonglobe/" target="_blank">Boston Globe</a>, den wiederholten Anläufe der <a href="http://www.nytimes.com/" target="_blank">New York Times</a>, nun endlich doch "paid content" durchzusetzen, nach dem Niedergang honoriger Westküstenzeitungen in den Staaten, geraten – so scheint es – zunehmend auch die deutschen Zeitungsmacher in Aufruhr. Sich mit der "Presse in der Krise" zu beschäftigen – das liegt offensichtlich auch hierzulande im Trend. Vermutlich auch deshalb, weil die Einschläge näherkommen, das intellektuelle Frankreich ist längst bedient. Den letzten Ausschlag geben vermutlich die (euphemistisch formuliert) "Schwierigkeiten" der <a href="http://www.sueddeutsche.de/" target="_blank">Süddeutschen</a> und die händeringenden Versuche, die <a href="http://www.fr-online.de/home/-/1472778/1472778/-/index.html" target="_blank">Frankfurter Rundschau</a> nur irgendwie über die Tabloid-Runden zu retten. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/3098">[Mehr]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Harald Rau</em></p>
<p><a href="http://www.rkm-journal.de/archives/3098"><img class="alignleft size-full wp-image-5348" title="Weichert, Kramp, Jakobs" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2010/05/Weichert-Kramp-Jakobs.jpg" alt="" width="160" height="267" /></a>Nach den Diskussionen um den <a href="http://www.boston.com/bostonglobe/" target="_blank">Boston Globe</a>, den wiederholten Anläufe der <a href="http://www.nytimes.com/" target="_blank">New York Times</a>, nun endlich doch &#8220;paid content&#8221; durchzusetzen, nach dem Niedergang honoriger Westküstenzeitungen in den Staaten, geraten – so scheint es – zunehmend auch die deutschen Zeitungsmacher in Aufruhr. Sich mit der &#8220;Presse in der Krise&#8221; zu beschäftigen – das liegt offensichtlich auch hierzulande im Trend. Vermutlich auch deshalb, weil die Einschläge näherkommen, das intellektuelle Frankreich ist längst bedient. Den letzten Ausschlag geben vermutlich die (euphemistisch formuliert) &#8220;Schwierigkeiten&#8221; der <a href="http://www.sueddeutsche.de/" target="_blank">Süddeutschen</a> und die händeringenden Versuche, die <a href="http://www.fr-online.de/home/-/1472778/1472778/-/index.html" target="_blank">Frankfurter Rundschau</a> nur irgendwie über die Tabloid-Runden zu retten.</p>
<p>In der Tat: Die Zeiten sind vorbei, als die Rundschau ein in den Süden strahlendes Flaggschiff modern gelebter linksliberaler Berichterstattung war, als Nachmittagsausgaben an roten Ampeln verkauft wurden, viele von ihnen mit legendären Schlagzeilen. Die Rundschau war für weite intellektuelle Kreise ein Muss – auch weil der Stil souverän und unverwechselbar für die Zeit stand. Unter uns: Ins Siechtum beförderte das Blatt der Tabloid. Das ist eine Meinung, die man nicht teilen muss. Eine eigene Stimme jedenfalls hat die Rundschau nicht mehr – und für den Rezensenten hier steht sie nachgerade als Blaupause einer neuen Zeitungswelt, die sich selbst überlebt hat.</p>
<p>Aber – auch auch das sei gleich vorausgeschickt: Das Prinzip Tageszeitung ist nicht tot, beileibe nicht. Das Prinzip wird sogar einen Schub erfahren, wird nicht nur überleben sondern uns in die kommenden Jahrzehnte begleiten. Anders – aber in seinen Grundzügen unverändert. Im Rahmen dieser Mehrfachrezension ist weder Raum noch Zeit, dies tiefer zu diskutieren, geht es doch vielmehr darum, vier Bücher zu betrachten, die die Zeitung, ihre Zukunft, ihre Krise in den Mittelpunkt stellen.</p>
<p><a href="http://www.rkm-journal.de/archives/3098"><img class="alignleft size-full wp-image-5359" title="Weichert, Kramp" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2010/05/Weichert-Kramp1.png" alt="" width="162" height="229" /></a>Beginnen wir mit der Studie, die <a href="http://www.macromedia-fachhochschule.de/hochschule/menschen/professoren/personendetails/detail/weichert.html" target="_blank">Stephan Weichert</a> und <a href="http://www.macromedia-fachhochschule.de/studiengaenge/journalistik/professoren-lehrende/person/detail/kramp.html" target="_blank">Leif Kramp</a> unter dem Titel <em>Das Verschwinden der Zeitung?</em> im Auftrag der<a href="http://www.fes.de/" target="_blank"> Friedrich-Ebert-Stiftung</a> erstellt haben. Um es gleich vorweg zu nehmen: Eine Studie, die aus Sicht des Rezensenten dem Namen des Auftraggebers nicht würdig ist. Das Gutachten kommt unter anderem zum Ergebnis, dass unabhängige Förderung von Qualitätsjournalismus besonders geeignet ist um Qualitätsmedien wie Zeitungen zu finanzieren. Nun ja, das erscheint angesichts mediensoziologischer Erwägungen ein Allgemeinplatz – und reichlich unscharf, wenn die Autoren keine tragfähige Definition bereitstellen, was denn nun tatsächlich Qualitätsjournalismus ist. Eine Trennung zwischen Qualitätsjournalismus und Zeitungen wird nicht klar vollzogen, ebenso wenig werden Diskussion und Studie historisch verortet. Vielleicht – und dies sei nur am Rande bemerkt – sollten sich die Autoren auch noch einmal über ihren Medienbegriff verständigen. Nun denn – es gibt dennoch Wertvolles: Die Liste ausgewählter Institutionen in den USA und in Europa. Wenngleich zwei Stunden Internetrecherche zum gleichen Ergebnis führen könnten. Auch die Liste der Pressesubventionen ist vergleichsweise leicht zu recherchieren. Vielleicht wäre es ja auch angezeigt gewesen, sich kritisch mit den ineffizienten Subventionen auseinanderzusetzen. Werden Zeitungen eher abonniert, wenn sie statt 1,10 Euro nur noch einen Euro kosten? Das Problem der Tageszeitung liegt in der Attraktivität ihrer Leistung. Der Preis dürfte eher zweitrangig sein. Kurzum: Zu viel Status quo, zu wenig Einordnung und eine – auch dies ist anzusprechen – vergleichsweise wenig zielführende Untersuchung mit zum Teil suggestiv gestellten Fragen, die dann, wie auch der Rezensent erwartet, zu stark einseitigen Antworttendenzen führen.</p>
<p>Lassen Sie uns noch für einen Moment beim Autorenteam Weichert/Kramp bleiben und den Band <em>Wozu noch Zeitungen?</em> betrachten, den die beiden gemeinsam mit<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hans-J%C3%BCrgen_Jakobs" target="_blank"> Hans-Jürgen Jakobs</a> herausgegeben haben. Hierin ist eine Fülle von Interviews versammelt. Einige dieser Gespräche waren im Vorfeld der Veröffentlichung bereits in der Süddeutschen Zeitung erschienen, andere bei <a href="http://www.nzz.ch/" target="_blank">NZZ Online</a>, <a href="http://www.spiegel.de/" target="_blank">Spiegel Online</a> und im <a href="http://www.epd.de/" target="_blank">Evangelischen Pressedienst (epd)</a>. Kurzum – und zur Ehrenrettung: Das ist ein interessantes Lesebuch mit vielen hundert Anregungen und Aussagen, die Verleger und Herausgeber inspirieren dürften, vielleicht darf man hinzufügen: müssen.</p>
<p>Vieles darin ist polemisch, man lese nur das hier erstmals abgedruckte Interview mit Ariana Huffington, vieles muss man zwischen den Zeilen deuten. Das ist nicht negativ zu verstehen, denn überraschenderweise gerade dann, wenn die Befragten im Vagen bleiben, sich der Interpretation hingeben, entwickeln die Interviews ihre wahre Stärke. Bill Kovach sei jedem selbstverliebten Herausgeber empfohlen und Philip Meyer versöhnt die zeitunglesenden Dinosaurier (zu denen sich auch der Rezensent weiterhin zählt). Manche Fragen hätte man gerne anders gestellt, manche andere scheint die Interviewten auf dem &#8220;falschen Fuß&#8221; zu erwischen (vgl. zum Beispiel im Gespräch mit David M. Rubin, der sonst zu den eher &#8220;aufgeräumten&#8221; Wissenschaftlern zählt), manchmal hätte man gerne mehr gelesen und intensiver nachgehakt. Insgesamt aber ist dieser Band eine gute Lektüre für alle jene, die die Tageszeitung noch ernst nehmen wollen. Auch der eine oder andere Lernhinweis für frustrierte Zeitungsmacher lässt sich dem Interviewband entnehmen. Insofern gilt hier das Prädikat: lesenswert!</p>
<p><a href="http://www.rkm-journal.de/archives/3098"><img class="alignleft size-full wp-image-5349" title="Kirchhoff, Kramer" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2010/05/Kirchhoff-Kramer.jpg" alt="" width="160" height="227" /></a>Apropos Lernhinweise: Wer sich an vergnüglicher und insbesondere auf den Wirtschaftsjournalismus abzielender Polemik ergötzen möchte, darf mit Freude zum ebenfalls schnell zu lesenden Band <em>Presse in der Krise</em> von <a href="http://www.kug.hs-osnabrueck.de/prof-sabine-kirchhoff.html" target="_blank">Sabine Kirchhoff</a> und <a href="http://www.statistik.uni-dortmund.de/kraemer.html" target="_blank">Walter Krämer</a> greifen. Bei diesem handelt es sich um Journalismuskritik vom Feinsten. Aufgehängt am wirtschaftlichen Krisengeschehen des Jahres 2009 analysieren die Autoren journalistische Auswahlhandlungen und Verarbeitungsroutinen. Was sie an schlechtem Wirtschaftsjounalismus zutage fördern ist beeindruckend. Vielleicht sollte man besser sagen: erschreckend.</p>
<p>Insbesondere der unverbesserliche Zeitungsleser, der immer wieder frustriert von der regionalen Abozeitungslektüre aufblickt, wird jede Seite dieses Buchs mit heftigem Nicken quittieren. So viel Wortgeklimper, so viele hohle Phrasenblasen, so grandios verfehlte Thementiefe ist uns selten so unterhaltsam vor Augen geführt worden. Man mag den Autoren unwissenschaftliche Vorgehensweise und an manchen Stellen essayistische Grobheiten vorwerfen können – aber unterhaltsam und aufklärend ist die Lektüre allemal. Und selten langweilig! Vorausgesetzt, man überfliegt die zahlreichen in das Buch aufgenommenen Zitate der phrasendreschenden Journalisten.</p>
<p>Zugegeben, dem Rezensenten werden die beiden Autoren nicht zuletzt auch deshalb sympathisch, weil es ihnen gelingt, statt ständig auf Oberlehrer Sick (gut, auch er darf ein paar Anregungen beisteuern, vgl. 103) zu verweisen, immer wieder Ludwig Reiner zitieren (besonders schön: 27) und uns damit die Freude machen, dass guter Stil und passender Ausdruck auch durchaus altmodisch sein dürfen. Nun denn, das wirtschaftliche Krisengeschehen wird konsequent mit dem Tunnelblick des journalistischen Systems verknüpft und wir erkennen, dass Luhmann auch bezogen auf einzelne Themen- und Fragestellungen Anwendung finden kann: Die nachgerade überflüssige und unsinnige Dauerthematisierung als Autopoiesis, in der das Gerücht mehr zählt als harte Fakten anderer Themen. Kurz gesagt: Rund 120 unterhaltsame Seiten, die sich auch leicht auf einer Zugfahrt &#8220;konsumieren&#8221; lassen. Und, ja, stimmt schon, liebe Frau Kirchhoff, lieber Herr Krämer, ich habe gelernt, dass nicht nur Journalisten, sondern auch wir Medienwissenschaftler dieses Wort durchaus unreflektiert und ungenau verwenden, ohne &#8220;die Krankheiten&#8221; zu benennen, spezifizieren zu können – und werde in Zukunft sehr viel sorgfältiger mit diesem Begriff operieren. Eines aber will ich dann doch gesagt haben: Immer dann, wenn wir dieses Wort in den Mund nehmen und die Brücke zum Medienbetrieb schlagen, sollten wir daran denken, dass die Krise der Medien insbesondere eine Krise des Journalismus ist. Punkt.</p>
<p><a href="http://www.rkm-journal.de/archives/3098"><img class="alignleft size-full wp-image-5351" title="Bohrmann, Toepser" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2010/05/Bohrmann-Toepser1.gif" alt="" width="160" height="238" /></a>Das deckt sich übrigens auch mit den Erkenntnissen von<a href="http://www.uni-hamburg.de/ljuk/Team/Weischenberg.html" target="_blank"> Siegfried Weischenberg</a>, der im Band <em>Krise der Printmedien: Eine Krise des Journalismus?</em> des Instituts für Zeitungsforschung der Stadt Dortmund das Zeitalter des Journalismus zu Ende gehen lässt – freilich nicht ohne historische Bezüge herzustellen und Entwicklungen aufzuzeigen. Eine gute Zusammenfassung mit vielen Erklärungsansätzen. Wie überhaupt der kleine Band viele Anregungen gibt und Thesen formuliert, die eine ganze Zunft ins Grübeln bringen dürften. Ein Beispiel sei herausgegriffen. Im Rahmen einer Studie ließ <a href="http://www.journalistik-dortmund.de/poettker.html" target="_blank">Horst Pöttker</a> (101) die folgende Aussage überprüfen: &#8220;Manche Chefredakteure lassen sich zu leicht zum Werkzeug von Verlegerinteressen machen. Sie sollten mehr Mut haben, sich für einen unerschrockenen Journalismus einzusetzen.&#8221; Nun, was kommt heraus? Wir können es uns fast denken. Und dennoch ist es wichtig, die Einschätzung zu lesen: 55,7 Prozent der befragten Journalisten stimmen der Aussage &#8220;voll und ganz&#8221;, 33 Prozent &#8220;teilweise“ zu. 10,4 Prozent wissen nicht, wie sie sich entscheiden sollen. Mitgerechnet? Was bleibt unter dem Strich für diejenigen, die die Aussage ablehnen? Richtig: 0,9 Prozent. Aha.</p>
<p>Okay – Pöttkers Studie ist nicht besonders umfangreich und methodisch wäre, eng genommen, vielleicht auch das eine oder andere zu kritteln. Aber die Aussage bleibt und sie ist wertvoll – ebenso wertvoll wie die weiteren Erkenntnisse der Befragung. Wir lernen: hier wird berechtigterweise gefragt, und wir erkennen: Die Probleme des Journalismus sind auch hausgemacht. Wir könnten es auch mit Ottfried Jarren formulieren, der im gleichen Band über &#8220;Die Presse in der Wohlfahrtsfalle&#8221; nachdenkt (19): &#8220;Eine Branche, die vormals zur Herstellung von Öffentlichkeit angetreten war, hat sich selbst – um des kurzfristigen ökonomischen Vorteils und vielleicht sogar nur um des eigenen Profites willen kollektiv – kollektiv! – um die öffentliche Debatte gebracht, weil gedrückt.&#8221;</p>
<p>Dem bliebe nichts hinzuzufügen – vielleicht eines: Möglicherweise liegt es ja tatsächlich nahe, dass sich eine renommierte Veranstaltung wie der der Dreiländer-Soziologentag des Jahres 2011 dem neuen Strukturwandel der Öffentlichkeit widmen will. Es scheint an der Zeit den alten Habermas neu zu lesen!</p>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://library.fes.de/pdf-files/stabsabteilung/06156.pdf" target="_blank">Zum freien Download: &#8220;Das Verschwinden der Zeitung?&#8221;</a></li>
<li><a href="http://www.degruyter.de/cont/fb/bb/detail.cfm?id=IS-9783110231076-1" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch &#8220;Die Krise der Zeitung&#8221;</a></li>
<li><a href="http://www.v-r.de/de/redirect/t/1001004581/" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch &#8220;Wozu noch Zeitungen?&#8221;</a></li>
<li><a href="http://www.vs-verlag.de/Buch/978-3-531-17193-7/Presse-in-der-Krise.html" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch &#8220;Presse in der Krise&#8221;</a></li>
<li><a href="http://www.uni-koblenz-landau.de/koblenz/fb1/sempaed/erwachsenenbildung/mitarbeiter-erwachsenenbildung/ordner-professur" target="_blank">Webpräsenz von Harald Rau an der Universität Koblenz-Landau</a></li>
</ul>
<div id="_mcePaste" class="mcePaste" style="position: absolute; left: -10000px; top: 441px; width: 1px; height: 1px; overflow: hidden;">http://www.macromedia-fachhochschule.de/studiengaenge/journalistik/professoren-lehrende/person/detail/kramp.html</div>
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		</item>
		<item>
		<title>Die Zukunft der Zeitungen</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/5221</link>
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		<pubDate>Fri, 03 Jun 2011 09:30:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sammelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Online-Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Presse]]></category>
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		<category><![CDATA[Zeitungen]]></category>

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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Christoph Neuberger</em>

<a href="http://www.rkm-journal.de/archives/5221"><img class="alignleft size-full wp-image-5242" title="friedrichsen" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/04/friedrichsen.gif" alt="" width="160" height="226" /></a>Die Tageszeitungen sind bekanntlich in eine prekäre Lage geraten: Einerseits verlieren sie Leser und Inserenten im Printbereich, wobei die Hauptursache deren Abwanderung ins Internet ist. Andererseits gelingt es ihnen nicht, diese Verluste in der Online-Welt zu kompensieren. Die Frage, was die Bevorzugung des Internets erklärt und wie journalistische Websites zu gestalten wären, damit sie als Werbeumfeld attraktiv sind und die Zahlungs- bereitschaft der Nutzer wecken, bewegt derzeit die ganze Branche. Zwei Bücher wollen bei der Suche nach einer Antwort behilflich sein – das Vorgehen der Autoren ist jedoch grundverschieden. Typisch für die Art, wie in der Zeitungsbranche selbst nachgedacht wird, ist der Band <em>Medienzukunft und regionale Zeitungen.</em> <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/5221">[Mehr]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Christoph Neuberger</em></p>
<p><a href="http://www.rkm-journal.de/archives/5221"><img class="alignleft size-full wp-image-5242" title="friedrichsen" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/04/friedrichsen.gif" alt="" width="160" height="226" /></a>Die Tageszeitungen sind bekanntlich in eine prekäre Lage geraten: Einerseits verlieren sie Leser und Inserenten im Printbereich, wobei die Hauptursache deren Abwanderung ins Internet ist. Andererseits gelingt es ihnen nicht, diese Verluste in der Online-Welt zu kompensieren. Die Frage, was die Bevorzugung des Internets erklärt und wie journalistische Websites zu gestalten wären, damit sie als Werbeumfeld attraktiv sind und die Zahlungs- bereitschaft der Nutzer wecken, bewegt derzeit die ganze Branche. Zwei Bücher wollen bei der Suche nach einer Antwort behilflich sein – das Vorgehen der Autoren ist jedoch grundverschieden. Typisch für die Art, wie in der Zeitungsbranche selbst nachgedacht wird, ist der Band <em>Medienzukunft und regionale Zeitungen.</em></p>
<p>In 14 Beiträgen beschäftigen sich Verleger, Journalisten, Berater, Politiker und Wissenschaftler mit der Zukunft der Tagespresse. Neuigkeitswert und Erkenntnisgewinn halten sich in Grenzen. Fast alle Beiträge sind eine Mixtur aus Marktdaten, Zitaten prominenter Verleger und Journalisten sowie vagen Vermutungen über Auswege aus der Krise, die – mal mehr, mal weniger sortiert – dargeboten werden. Der Journalismus muss besser werden und sich stärker am Publikum orientieren. Das ist die sattsam bekannte Botschaft. Wie dies konkret geschehen sollte, wird kaum einmal näher erläutert. Die behaupteten Publikumserwartungen und empfohlenen Strategien werden wissenschaftlich nicht unterfüttert. Nur in einem Beitrag wird eine empirische Studie vorgestellt: Der Autor, der zehn (!) regelmäßige Leser des <a href="http://www.abendblatt.de/" target="_blank">Hamburger Abendblatts</a> qualitativ befragt hat, schließt von deren Aussagen recht unbekümmert auf die Gesamtbevölkerung. Ansonsten scheint nur das <a href="http://www.journalexikon.de/wiki/doku.php?id=rieplsches_gesetz" target="_blank">Rieplsche Gesetz</a> bekannt zu sein, das im Jahr 1913 formuliert wurde und in der Wissenschaft längst als überholt gilt. Dennoch wird es in vier Beiträgen zitiert.</p>
<p>Der Band spiegelt die in der Zeitungsbranche herrschende Ratlosigkeit und den Mangel an Mitteln, die Krise zu bewältigen. Deshalb gleich weiter zum zweiten Buch. Ursina Mögerle geht in ihrer Züricher Dissertation die Sache ganz anders an. Ihre Kernfragen lauten: Werden Print-Zeitungen zunehmend durch ihre Online-Ausgaben substituiert? Und wie lässt sich die Wahl von Print- und Online-Zeitung erklären? Vorhersehbar ist der Einwand von Praktikerseite, dass die Arbeit schwer zu lesen ist, mit über 400 Textseiten zu dick ist und am Ende keine einfachen Regeln bereit hält. Der Vorwurf der mangelnden Eingängigkeit wird gerne gegenüber kommunikationswissenschaftlichen Arbeiten erhoben. Wenn es um den eigenen Beruf geht, müssen Analysen vor allem leicht verständlich und unterhaltsam präsentiert werden – gerade so, als ob über den Journalismus nur journalistisch geschrieben und gesprochen werden darf.</p>
<p>Mögerle gibt zunächst einen umfassenden Überblick über Ansätze zur Verdrängung und Ergänzung alter durch neue Medien. Dabei zeigt sie, dass das Fach längst weit über das – immer noch gerne zitierte – &#8220;Rieplsche Gesetz&#8221; hinausgelangt ist, das völlig zu Recht als Marginalie auf knapp zwei Seiten abgehandelt wird. Mögerle greift sodann den <a href="http://luhmann.uni-trier.de/index.php?title=Uses-and-Gratifications-Ansatz" target="_blank">Uses-and-Gratification</a><a href="http://luhmann.uni-trier.de/index.php?title=Uses-and-Gratifications-Ansatz" target="_blank">s-Ansatz</a> auf, den sie grundlegend diskutiert. Erhaltene Gratifikationen sollen – neben den Kosten – ausschlaggebend für die Mediennutzung sein, wobei angenommen wird, dass sich die Nutzung in einem Lernprozess an die wahrgenommenen Gratifikationen eines bestimmten Angebots anpasst. Entsprechend der mikroökonomischen Nachfragetheorie geht Mögerle von einer Kosten-Nutzen-Maximierung aus. Dabei werden erhaltene Gratifikationen sowie monetäre und andere Kosten als Nutzen berücksichtigt. Auch das handlungstheoretische <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/RREEMM" target="_blank">RREEMM-Modell</a> nach Lindenberg und Esser lenkt den Blick auf die Kostenseite von Print- und Online-Zeitungen, die in der bisherigen Gratifikationsforschung zumeist ausgeblendet wurde.</p>
<p>Im &#8220;erweiterten funktionalen Modell der Substitution und Komplementarität&#8221; werden die diversen Ansätze schließlich zusammengeführt: Substitution und Komplementarität zwischen Print- und Online-Zeitung sollen durch &#8220;Ressourcen&#8221; erklärt werden. Zu diesen wurden inhaltliche Gratifikationen, strukturelle, d. h. medienspezifische Gratifikationen, strukturelle Restriktionen (Kosten) sowie längerfristige Themeninteressen gezählt, die gemäß der &#8220;The-more-the-more&#8221;-Regel zu einer vermehrten Nutzung beider Medien führen sollen, was sich allerdings nicht bestätigte. Die Kosten-Nutzen-Bilanzierung wurde einerseits durch die &#8220;totale Online-Print-Differenz&#8221; ermittelt, zum anderen über den Grad der Ähnlichkeit der einzelnen Gratifikationen und Restriktionen (&#8220;funktionale Heterogenität&#8221; und &#8220;Homogenität&#8221;).</p>
<p>Gegenüber früheren Studien, deren Schwächen Mögerle systematisch herausarbeitet, hat ihre eigene empirische Untersuchung mehrere Stärken: Statt sich mit Aggregatdaten und einer Querschnittserhebung zu begnügen, hat sie die Nutzungs-Veränderungen im Rahmen einer Panelstudie auf individueller Ebene im Längsschnitt (innerhalb eines Jahres) erhoben. Außerdem sollte durch Nutzen- und Kostenerwägungen der Leser erklärt werden, weshalb Leser die Print- oder die Online-Variante ihrer Tageszeitung bevorzugen. Bisher wurden die Nutzung (&#8220;zeitliche Substitution&#8221;) oder die Wahrnehmung (&#8220;funktionale Substitution&#8221;) zumeist getrennt erfasst; nur in wenigen Fällen wurde versucht, die substitutive oder komplementäre Nutzung durch die Wahrnehmung des Nutzens und der Kosten zu erklären (&#8220;Prognose-Substitution&#8221;).</p>
<p><a href="http://www.rkm-journal.de/archives/5221"><img class="alignleft size-full wp-image-5243" title="Mögerle" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/04/Mögerle.jpg" alt="" width="160" height="242" /></a>Mögerle hat in den Jahren 2006 und 2007 die Nutzer von neun Online-Zeitungen in der Deutschschweiz nicht-repräsentativ befragt; 1831 Personen nahmen an beiden Wellen teil. Wo liegen die besonderen Vorteile der beiden Zeitungs-Varianten? Sowohl bei der allgemeinen Informationsorientierung (Surveillance), d. h. beim Nachrichten-&#8221;Up-date&#8221; im Tagesablauf, als auch bei der gezielten Informationssuche (Guidance) schnitt die Online-Zeitung besser ab als die Print-Zeitung. Dagegen ergab sich weder bei der Unterhaltung noch bei der Sozialfunktion ein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Zeitungs-Varianten. Während also die Online-Zeitung bei den inhaltlichen Gratifikationen überlegen war, so war dies die Print-Zeitung bei den strukturellen Gratifikationen, und zwar wegen ihrer Flexibilität, besonderen Haptik sowie der besseren Möglichkeit, sich vertieft zu informieren oder zufällig etwas zu finden (Serendipity). Nur in puncto Bequemlichkeit schnitt die Online-Zeitung besser ab. Die Restriktionen wurden bei der Online-Zeitung als signifikant höher eingeschätzt, vor allem wegen des höheren kognitiven Aufwands.</p>
<p>Entscheidend für den Wert der Arbeit sind nicht solche konkreten Befunde, die Praktiker sicher nicht in jedem Punkt überraschen werden, sondern vielmehr der Nachweis, dass ihr Denkansatz fruchtbar ist. Die theoretische Vorannahme, dass die Print-Online-Bilanz aus Gratifikationen und Restriktionen die Nutzung erklären kann, bestätigte sich an mehreren Stellen: Jene Befragten, die seit Beginn der Online-Nutzung die Printlektüre reduziert hatten, erhielten in allen Kategorien mehr Gratifikationen durch die Online-Zeitung und nahmen hier auch weniger Restriktionen wahr. Das gleiche Resultat zeigte sich auch innerhalb des Untersuchungszeitraums: Gratifikations- und Restriktionswahrnehmungen veränderten sich parallel zur Nutzungsveränderung. Die totale Online-Print-Differenz fiel bei den Doppel-Nutzern zwar leicht zu Gunsten der Print-Version aus; sie verschob sich allerdings zwischen den beiden Befragungswellen signifikant zu Gunsten der Online-Zeitung, ebenso ihre Nutzung und die Bereitschaft, auf die Print-Zeitung zu verzichten.</p>
<p>Die vollständige Print-Online-Bilanz besaß einen signifikanten Einfluss auf Veränderungen des Print-Online-Nutzungsverhältnisses. Das heißt: Je mehr Gratifikationen und je weniger Restriktionen die Online-Zeitung ei¬nem Nutzer bot, desto mehr nahm seine Online-Nutzung relativ zur Print-Nutzung zu. Dieser Zusammenhang ließ sich jedoch nicht für die einzelnen Gratifikationen und Restriktionen nachweisen. Auch für die selbsteinge¬schätzte Substitution (Bereitschaft zum Verzicht) konnte dieser Zusam¬menhang zwar allgemein festgestellt werden, aber ebenfalls nicht für die speziellen Kategorien – mit einer Ausnahme: Falls der haptische Aspekt und die Unabhängigkeit der Print-Zeitung von einem technischen Gerät eine geringe Rolle spielten, wurde zunehmend auf die Print-Version zu Gunsten der Online-Version verzichtet.</p>
<p>Mögerle zeigt einen Weg auf, wie die Angebotswahl durch Kosten-Nutzen-Erwägungen erklärt und prognostiziert werden kann. Dieses Vorgehen ließe sich weiter verfeinern: Eine Erweiterung des Untersuchungsdesigns könnte darin bestehen, den Einfluss konkreter Angebote und nicht nur von Zeitungstypen zu berücksichtigen. Dabei wäre inhaltsanalytisch zu erfassen, wie Print- und Online-Angebot eines Zeitungstitels zueinander positioniert sind, d. h., welche crossmediale Strategie verfolgt wird. Es dürfte z. B. einen Unterschied machen, ob auf einer Zeitungs-Website im Wesentlichen Printinhalte zweitverwertet werden oder ob neue Online-Inhalte geschaffen werden, die den Präsentations- und Rezeptionsbedingungen des Mediums angepasst sind. Auch der Grad der Exklusivität im Verhältnis zu anderen Zeitungsangeboten wäre zu berücksichtigen. Schließlich wäre auch zu beachten, dass nicht nur Zeitungen aktuelle Informationen im Internet offerieren, sondern auch andere professionelle Anbieter (Websites von Zeitschriften und des Rundfunks, Nur-Internetanbieter wie Portale). Ob auch Laienangebote aus Sicht der Nutzer journalistisch relevant sind (&#8220;Bürgerjournalismus&#8221;), wäre ebenfalls zu prüfen.</p>
<p>Natürlich hat der Versuch, das Nutzerhandeln rational zu erklären, Grenzen. Die Kritik am &#8220;homo oeconomicus&#8221; trifft auch auf den Mediennutzer zu. Dass der Zeitungswahl kein reines Kosten-Nutzen-Kalkül zugrunde liegt, zeigt sich daran, dass auch der Zeitfaktor selbst, also ein Gewöhnungseffekt die Nutzung der Online-Zeitung verstärkte. Vermutlich ist dann, wenn sich eine neue Alternative zu einem alten Medium bietet, der Reflexionsgrad höher als in Normalphasen, in denen dies nicht der Fall ist. Die habitualisierte Medienrezeption schließt jedoch nicht aus, dass auch die Meta-Entscheidung, regelmäßig ein bestimmtes Angebot zu nutzen (z. B. eine Zeitung zu abonnieren), auf rationaler Basis erfolgt. Die Studie liefert jedenfalls genügend Anhaltspunkte dafür, dass der Leser kein irrationales Wesen ist, dessen Wünsche und Wahlen außerhalb der Reichweite wissenschaftlicher Analyse liegen und allenfalls von erfahrenen Redakteuren &#8220;erspürt&#8221; werden können.</p>
<p>Trotz ihres Umfangs ist die Arbeit weder weitschweifig, noch gerät sie auf Nebengleise. Sprache und Aufbau sind präzise; Mögerle greift auf, was über das Thema geforscht worden ist, und führt es, stringent argumentierend, weiter. Wer ihr Buch gelesen hat, kann sich die Lektüre vieler anderer Werke ersparen, in denen lediglich Mutmaßungen darüber angestellt werden, was die Leser bewegt und wie die Zeitung ihre Zukunft sichern kann.</p>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.nomos-shop.de/Friedrichsen-Medienzukunft-regionale-Zeitungen/productview.aspx?product=12499&amp;rtoc=211" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch <em>Medienzukunft und regionale Zeitungen</em></a></li>
<li><a href="http://www.uvk.de/buch.asp?ISBN=9783867641746" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a><em><a href="http://www.uvk.de/buch.asp?ISBN=9783867641746" target="_blank"> Substituion oder Komplementarität?</a></em></li>
<li><a href="http://www.friedrichsen-online.net/1.html">Private Homepage von Mike Friedrichsen</a></li>
<li><a href="http://www.publitest.ch/about_03_team.html">Webpräsenz von Ursina Mögerle bei publitest.ch</a></li>
<li><a href="http://www.ifkw.uni-muenchen.de/personen/professoren/neuberger_christoph/index.html" target="_blank">Webpräsenz von Christoph Neuberger an der Ludwig-Maximilians-Universität München</a></li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Mike Farrell; Mary Carmen Cupito: Newspapers</title>
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		<pubDate>Sun, 15 May 2011 09:00:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Kenneth Starck</em>

<a href="http://www.rkm-journal.de/archives/5007"><img class="alignleft size-full wp-image-5009" title="farrell et al." src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/03/farrell-et-al..jpg" alt="" width="160" height="259" /></a>This is a compact review of the legacy of newspapers in the United States culminating in an attempt to bridge the fading presence of print with the explosive nature of the Internet. The book is intended as a textbook for an introductory news or journalism course. The book achieves this goal admirably.  Another goal is to argue for the enduring presence of newspapers but to point to a news environment that is increasingly mediated electronically.  In this regard, the authors are less successful. First, the broad contours of the book. There are 11 chapters. The first nine concentrate on newspapers with occasional references to the Internet. The tenth chapter (<em>The Newspaper Meets the Internet</em>) unveils the power and impact of the new technology and, as noted in the text, is written by a colleague of the authors, Deborah S. Chung. She does a good job. Mainly she focuses on the three facets of media convergence — technology, economics and regulation. Chung notes how the new technology makes it easier for citizens to participate in civic discourse and points out challenges facing journalism educators in devising a curriculum appropriate to the rapidly changing media environment. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/5007">[Mehr]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Kenneth Starck</em></p>
<p><a href="http://www.rkm-journal.de/archives/5007"><img class="alignleft size-full wp-image-5009" title="farrell et al." src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/03/farrell-et-al..jpg" alt="" width="160" height="259" /></a>This is a compact review of the legacy of newspapers in the United States culminating in an attempt to bridge the fading presence of print with the explosive nature of the Internet. The book is intended as a textbook for an introductory news or journalism course. The book achieves this goal admirably.  Another goal is to argue for the enduring presence of newspapers but to point to a news environment that is increasingly mediated electronically.  In this regard, the authors are less successful. First, the broad contours of the book. There are 11 chapters. The first nine concentrate on newspapers with occasional references to the Internet. The tenth chapter (<em>The Newspaper Meets the Internet</em>) unveils the power and impact of the new technology and, as noted in the text, is written by a colleague of the authors, Deborah S. Chung. She does a good job. Mainly she focuses on the three facets of media convergence — technology, economics and regulation. Chung notes how the new technology makes it easier for citizens to participate in civic discourse and points out challenges facing journalism educators in devising a curriculum appropriate to the rapidly changing media environment.</p>
<p>But it is the first nine chapters that make up the bulk of the book. These are well written, extensively researched (837 total citations) and supported by the authors&#8217; strong professional and academic credentials. After a 20-year career as a newspaper reporter and editor, Farrell teaches journalism at the University of Kentucky. Cupito teaches at Northern Kentucky University, having worked in public relations and as a freelance writer.</p>
<p>In their panoramic view of the world of newspapers, they present a succinct and reasonably complete overview of newspapers and, along the way, news in general. The work is highly readable, even absorbing (a compliment for any textbook!). They draw on many real-world examples to illustrate or reinforce important points. The authors begin their treatise at the beginning, that is, news &#8211; what is it? Lots of different things, it turns out. Take as an example the news of John F. Kennedy&#8217;s assassination in 1961. And the news of the moon landing a few years later. Then they tell of a news tip to a reporter that a so-called &#8220;century plant&#8221; that blooms as rarely as once every 100 years was — maybe — about to bloom. It&#8217;s all news, of one sort or another. The point is made: &#8220;Deciding what is news is the most important element of the journalistic process&#8221; (4). And that plant, after attracting wide local attention, sadly, did not even bloom.</p>
<p>From news, the authors, chapter by chapter, traverse a vast plain: newspaper history, press freedom, roles of a free press (including rural press), readership, ownership, ethics and law. It&#8217;s a fast-paced journey but well worth the effort of anyone trying to understand the part played by newspapers in establishing a foundation for a society carrying on a vigorous conversation with itself.</p>
<p>The book contains many keen insights. Two examples: comparing the shrill tone of early American journalism with the stridency of bloggers today and exploring the apparent contradiction that while journalists today seem to place more emphasis on ethics, public distrust of the news media seems to increase.</p>
<p>Other than the danger of such a book quickly becoming dated (even as I write this comes a report that <a href="http://www.facebook.com/" target="_blank">Facebook</a> could replace <a href="http://twitter.com/" target="_blank">Twitter</a> as a journalistic platform), there are few quibbles. But here&#8217;s one: Chapter five is titled <em>The Role of the Rural Press</em>. This seems entirely appropriate for an often neglected aspect of journalism. Prominently mentioned is the work of the <a href="http://www.ruraljournalism.org/" target="_blank">Institute for Rural Journalism and Community Issues</a>, established in 2004 and based at the University of Kentucky. Worthy of mention would have been the work of the <a href="http://www.iswne.org/index.html" target="_blank">International Society of Weekly Newspaper Editors</a>, which has promoted and recognized community-oriented newspapering since 1955.</p>
<p>The eleventh and final chapter tries to identify possible emerging journalistic scenarios. Optimism for newspapers prevails, albeit parenthetically. The title of the last chapter: <em>The Future (Because There Will Be One)</em>. Arguably, the most important observation in the book comes near the end. Eloquently and tersely, the authors state their main thesis for the endurance of journalism: &#8220;A free press cannot exist without a democracy, and a democracy cannot exist without a free press&#8221; (216).</p>
<p>As a former newspaper reporter and long-time journalism educator myself, I think <em>Newspapers</em> would be a useful text in an introductory journalism course. But today, when young people are  inclined to carry their media in pockets or purses, the classroom will require ever-current resources and methods to cope with a turbulent media environment.</p>
<p>Newspapers is the sixth volume in the publisher&#8217;s series on media industries. Previous volumes have dealt with broadcast, magazines and radio.</p>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.peterlang.com/index.cfm?event=cmp.ccc.seitenstruktur.detailseiten&amp;seitentyp=produkt&amp;pk=52208&amp;cid=5&amp;concordeid=69509" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://jat.uky.edu/about/faculty-information/journalism/item/160-mike-farrell.html" target="_blank">Webpräsenz von Mike Farrell an der University of Kentucky</a></li>
<li><a href="http://informatics.nku.edu/com/display_bio.php?record=cupito@nku.edu" target="_blank">Webpräsenz von Mary Carmen Cupito an der Northern Kentucky University</a></li>
<li><a href="http://www.uiowa.edu/jmc/faculty/starck.html" target="_blank">Webpräsenz von Kenneth Starck an der University of Iowa</a></li>
</ul>
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		<title>Peter Brummund: Die Entwicklung des Funktionsrabatts im Presse-Grosso</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/491</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/491#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 19 Mar 2010 09:00:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Bernd Klammer</em>

<a href="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2010/01/brummund2009.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1967" title="brummund2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2010/01/brummund2009.jpg" alt="" width="160" height="237" /></a>Brummunds Fazit ist ebenso klar wie ernüchternd, zumindest aus Sicht kleiner und mittelständischer Verlage, die Auftraggeber der von ihm vorgelegten Studie sind: Das bestehende Vertriebssystem von Zeitungen und Zeitschriften über das Presse-Grosso wäre ohne die großen Verlage nicht zu finanzieren. Änderungen bei den Kriterien für die Festlegung des Funktionsrabatts sind entweder nicht praxistauglich oder gegen den Widerstand der anderen Handelspartner nicht durchzusetzen. Deshalb müssen die mittelständischen Verlage weiterhin wirtschaftliche Nachteile in Kauf nehmen, um aus eigenem Interesse das Fortbestehen des letztlich allseits akzeptierten Vertriebssystems über den Absatzweg Groß- und Einzelhandel zu sichern. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/491">[Mehr]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Bernd Klammer</em></p>
<p><a href="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2010/01/brummund2009.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1967" title="brummund2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2010/01/brummund2009.jpg" alt="" width="160" height="237" /></a>Brummunds Fazit ist ebenso klar wie ernüchternd, zumindest aus Sicht kleiner und mittelständischer Verlage, die Auftraggeber der von ihm vorgelegten Studie sind: Das bestehende Vertriebssystem von Zeitungen und Zeitschriften über das Presse-Grosso wäre ohne die großen Verlage nicht zu finanzieren. Änderungen bei den Kriterien für die Festlegung des Funktionsrabatts sind entweder nicht praxistauglich oder gegen den Widerstand der anderen Handelspartner nicht durchzusetzen. Deshalb müssen die mittelständischen Verlage weiterhin wirtschaftliche Nachteile in Kauf nehmen, um aus eigenem Interesse das Fortbestehen des letztlich allseits akzeptierten Vertriebssystems über den Absatzweg Groß- und Einzelhandel zu sichern.</p>
<p>Welche Nachteile das sind, dies arbeitet Brummund in seiner Analyse zur Entwicklung des Funktionsrabatts im Presse-Grosso im Auftrag des Arbeitskreises Mittelständischer Verlage (AMV), einem Zusammenschluss von Verlagen und Nationalvertrieben mittelauflagiger Zeitschriften, heraus. Anlass der Untersuchung waren die mit dem Auslaufen der bislang gültigen Rabattkonditionen zu Ende Februar 2009 anstehenden neuen Verhandlungsrunden zwischen Verlagen und Grosso als Handelspartnern. Die Studie sollte Antworten auf die Frage geben, welche Argumente die kleinen und mittelständischen Verlage in die Verhandlungen einbringen können, um sich zwischen den marktmächtigen Großverlagen auf der einen Seite und den nachfragestarken Großhändlern mit ihren Gebietsmonopolen auf der anderen Seite zu positionieren.</p>
<p>Brummund, ausgewiesener Vertriebsexperte mit langjähriger Berufserfahrung in diesem Feld, baut seine Untersuchung so auf, dass er sich zunächst theoretisch mit den Grundlagen des Funktionsrabatts und dessen Bedeutung speziell im Pressevertrieb beschäftigt. Anschließend stellt er detailliert dar, wie sich der Funktionsrabatt im Pressegroßhandel historisch entwickelt hat, von objektgruppenbezogenen und zum Teil auch je Grossisten individuell ausgehandelten Rabattkonditionen hin zu einer an der Verkaufsauflage und den Umsätzen der Einzelobjekte bemessenen Rabattierung einheitlich für alle Grossisten. Ausführlich werden die vielfältigen Anpassungen der Rabattkonditionen beschrieben, die zwischen den Handelspartnern u. a. auch durch geänderte Rahmenbedingungen wie die Einführung der Mehrwertsteuer 1968 verhandelt werden mussten. In einem weiteren Kapitel analysiert und bewertet der Autor die verschiedenen Regelungen und Gepflogenheiten in den Konditionenverhandlungen, die Einfluss auf das Ergebnis des Funktionsrabatts haben, insbesondere im Hinblick auf ihre Wirkungen für die kleinen und mittelständischen Verlage. Daraus leitet er schließlich alternative Rabattmodelle ab, deren Für und Wider er jeweils erörtert. Die Studie endet mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse, bei der er seine analyseleitenden Fragen nochmals explizit darstellt und sie auf die wesentlichen Erkenntnisse fokussiert beantwortet.</p>
<p>Neben der überschaubaren Zahl veröffentlichter Bücher und Rechtsgutachten zum Pressevertrieb greift Brummund bei seiner Analyse auch auf nicht veröffentlichte Quellen zurück, die ihm als Nicht-Insider sicherlich verschlossen geblieben wären. Es wäre allerdings wünschenswert gewesen, einige der zitierten zentralen Quellen, z. B. die Vereinbarung zum Koordinierten Vertriebs-Marketing, in einen Anhang mit aufzunehmen.</p>
<p>Aber auch so erlaubt Brummund selbst dem nicht sachkundigen Leser einen sehr guten Einblick sowohl in die Struktur des Vertriebssystems mit ihren Akteuren und gegenseitigen Abhängigkeiten als auch in die Gepflogenheiten der Branche. Da sind zum einen die Großverlage, allen voran Bauer und Springer, die sich immer wieder unzufrieden mit den Leistungen des Presse-Grossos zeigen. Vor dem Hintergrund, dass sie die umsatzstärksten Titel im Programm haben und mit diesen indirekt kleinere Objekte subventionieren, fordern sie vom Grosso, ihre Titel im Einzelhandel stärker zu berücksichtigen. Sie plädieren abgestimmt für Fusionen im Presse-Großhandel und drohen latent mit einem stärkeren Einstieg in den Zwischenhandel oder gar dem Aufbau einer eigenen Vertriebsorganisation. Dies fürchtet das verlagsunabhängige Presse-Grosso, das auf die umsatzstarken Titel angewiesen ist. Sein z. T. erzwungenes Entgegenkommen gegenüber den Forderungen der Großverlage nach einem größeren Anteil an der Wertschöpfung kompensiert es durch das Festhalten an den Rabattkonditionen für die kleineren Objekte und dem Hinweis auf mögliche Leistungskürzungen und Zusatzentgelte, von denen ebenfalls klein- und mittelauflagige Titel besonders betroffen wären. Die kleinen und mittelständischen Verlage schließlich, die auf einen diskriminierungsfreien Großhandel angewiesen sind, wünschen sich Kriterien für die Berechnung des Funktionsrabatts, die ihre Titel angemessen berücksichtigen.</p>
<p>Dieses Konfliktfeld bildet für Brummund den Rahmen bei den Verhandlungen über den Funktionsrabatt. Es ist daher nur stringent, dass er sie in seiner Analyse als einen horizontalen und vertikalen Verteilungskonflikt um die Anteile an der Wertschöpfungskette charakterisiert. Brummund schreibt seinen Auftraggebern durchaus kritisch ins Stammbuch, dass sie in der Vergangenheit keine eigene Position in die Verhandlungen eingebracht, sondern sich stattdessen darauf beschränkt hätten, die Ergebnisse der Großverlage zu übernehmen, in dem Glauben, deren Interessen deckten sich mit den eigenen bei den Objekten mit kleinen und mittleren Auflagen. Aus seiner Analyse, die nur einen geringen Verhandlungsspielraum für die kleinen und mittelständischen Verlage ergibt, leitet Brummund den Vorschlag ab, die Zahl der eingeschalteten Presseeinzelhändler als weiteres Kriterium für die Bemessung des Funktionsrabatts mit aufzunehmen. Damit würde ein die verlagsindividuellen Vertriebsziele betreffender Faktor berücksichtigt, der die Kosten unmittelbar beeinflusst.</p>
<p><em>Link:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.nomos-shop.de/productview.aspx?product=10968" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
</ul>
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		<title>Stephan Ruß-Mohl: Kreative Zerstörung</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/1416</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/1416#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 06 Dec 2009 22:46:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Stephan Weichert</em>

<img class="alignleft size-full wp-image-1770" title="ruß-mohl2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/09/ruß-mohl2009.jpg" alt="ruß-mohl2009" width="160" height="258" />Der quälende Erosionsprozess der US-amerikanischen Zeitungsindustrie – und mit ihm die Aushöhlung des hergebrachten Qualitätsjournalismus – ist längst ein offenes Geheimnis: Kaum eine Woche vergeht, an dem keine Hiobsbotschaft von Verlagsinsolvenzen, Redaktions- zusammenlegungen oder Massen- entlassungen durch die angefressene Medienbranche wabert. Der Zustand der Presse ist in den USA, anders als in Europa, schon derart verhängnisvoll, dass dort Kampfbegriffe wie "Newspaper Endgame", "The Vanishing Newspaper" und "The End of Journalism" zu geflügelten Worten wurden. Ein Blog mit dem zynisch klingenden Namen "Newspaper Death Watch" ("Totenwache Zeitung") listete Anfang Dezember 2009 elf Tageszeitungen in amerikanischen Ballungsgebieten, die binnen zweieinhalb Jahren verschwunden sind. Betreiber des Blogs ist der Ex-Journalist Paul Gillian, der sich – wie viele andere Millionen Amerikaner – darum sorgt, wie sich das Siechtum der Zeitungen langfristig auf das Journalistenhandwerk und somit auf die amerikanische Gesellschaftsordnung auswirkt. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/1416">[Mehr]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Stephan Weichert</em></p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-1770" title="ruß-mohl2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/09/ruß-mohl2009.jpg" alt="ruß-mohl2009" width="160" height="258" />Der quälende Erosionsprozess der US-amerikanischen Zeitungsindustrie – und mit ihm die Aushöhlung des hergebrachten Qualitätsjournalismus – ist längst ein offenes Geheimnis: Kaum eine Woche vergeht, an dem keine Hiobsbotschaft von Verlagsinsolvenzen, Redaktions- zusammenlegungen oder Massen- entlassungen durch die angefressene Medienbranche wabert. Der Zustand der Presse ist in den USA, anders als in Europa, schon derart verhängnisvoll, dass dort Kampfbegriffe wie &#8220;Newspaper Endgame&#8221;, &#8220;The Vanishing Newspaper&#8221; und &#8220;The End of Journalism&#8221; zu geflügelten Worten wurden. Ein Blog mit dem zynisch klingenden Namen &#8220;<a href="http://www.newspaperdeathwatch.com/" target="_blank">Newspaper Death Watch</a>&#8221; (&#8220;Totenwache Zeitung&#8221;) listete Anfang Dezember 2009 elf Tageszeitungen in amerikanischen Ballungsgebieten, die binnen zweieinhalb Jahren verschwunden sind. Betreiber des Blogs ist der Ex-Journalist Paul Gillian, der sich – wie viele andere Millionen Amerikaner – darum sorgt, wie sich das Siechtum der Zeitungen langfristig auf das Journalistenhandwerk und somit auf die amerikanische Gesellschaftsordnung auswirkt.</p>
<p>Die wachsende Unsicherheit ob des zerstörerischen Potenzials der Struktur- und Medienkrise in den USA und der möglichen Rückkoppelungseffekte auf die europäischen Zeitungsmärkte, deren untrügerische Vorboten hier schon seit einiger Zeit zu spüren sind, lässt inzwischen auch deutsche Journalisten, Verlagsmanager und Medienexperten aufmerken. Anlass genug für den in der Schweiz lehrenden Kommunikationswissenschaftler Stephan Ruß-Mohl, jetzt ein Buch zu veröffentlichen, das bei keinem Zeitungsliebhaber unter dem Kopfkissen fehlen darf – an dieser Stelle allerdings, das sei vorweggenommen, für Alpträume sorgen kann. Denn der Beipackzettel, den Ruß-Mohl hier implizit mitliefert, hat sich gewaschen: Obwohl er den amerikanischen Zeitungsmarkt unter die Lupe nimmt, hat er nach eigener Aussage das Buch geschrieben, &#8220;um besser einschätzen zu können, was auf uns in Deutschland, in der Schweiz, in Europa zukommt – und wie wir trotz alledem vielleicht den Qualitätsjournalismus retten können.&#8221;</p>
<p>So ist der beinahe romantisch anmutende Buchtitel &#8220;Kreative Zerstörung&#8221; dem Ökonomen Joseph Schumpeter entlehnt, der Ruß-Mohls jahrelange Forschungen im Grenzbereich zwischen Journalistik und Ökonomie inspiriert hat. Schumpeter habe, sagt Ruß-Mohl, &#8220;wohl als Erster begriffen, dass die Umwälzungen des Kapitalismus sowohl destruktiv als auch schöpferisch sind&#8221;, sprich: Zerstörung ist notwendig, damit eine Neuordnung überhaupt stattfinden kann. Um dieser (R)evolution im Journalismus nachzuspüren, ist der Professor an der Università della Svizzera italiana eigens von Lugano mitten in das Silicon Valley gereist, um sich höchstselbst von der Ausgeburt jener Zerstörung zu überzeugen, die im Schumpeter&#8217;schen Sinne zugleich Funke schöpferischer Wiedergeburt sein soll. Die unheilvollen Umbrüche während eines mehrwöchigen Forschungsaufenthalts an der renommierten Stanford University im Sommer 2008 und zuvor an der University of Oregon sozusagen am lebenden Objekt zu untersuchen (der Autor besuchte auf seinen Reisen neben einer Reihe von Zeitungsexperten auch die Redaktionen namhafter Prestige-Blätter, darunter &#8220;<a href="http://www.latimes.com/" target="_blank">Los Angeles Times</a>&#8220;, &#8220;<a href="http://www.nytimes.com/" target="_blank">New York Times</a>&#8220;, &#8220;<a href="http://www.paloaltoonline.com/" target="_blank">Palo Alto Weekly</a>&#8220;, &#8220;<a href="http://www.washingtonpost.com/" target="_blank">Washington Post</a>&#8221; und &#8220;<a href="http://www.sfgate.com/" target="_blank">San Francisco Chronicle</a>&#8220;) und der Gedanke, wie es weiter gehen könnte, hätten ihn regelrecht &#8220;fasziniert&#8221;.</p>
<p>Vielleicht ist es genau diese Faszination, die das Buch in all seinen Facetten, Argumentationsketten und Katastrophenschauplätzen so lesenswert macht: eine Art Medienwissenschafts-Thriller für starke Nerven und mit ungewissem Ausgang. Auch wenn Ruß-Mohl natürlich nicht <em>das</em> heiß ersehnte Business-Modell für die Verlagsbranche liefern kann, ist das Buch mehr als eine aufmerksame Zustandsbeschreibung: Wer die aufschlussreichen Case-Studies und Analysen darin sorgsam durcharbeitet oder sagen wir passender: den Cliffhangern zum Ende der jeweiligen Kapitel entgegenfiebert, dessen Neugierde wird auf das, was da im Auge des Taifuns womöglich noch entstehen wird, nicht enttäuscht. Ruß-Mohl streut allenthalben Worst- und Best-Practice-Modelle ein, 37 Abbildungen und zahlreiche Erklärkästen illustrieren wichtige ökonomische Trends und journalistische Fallbeispiele. Vor allem aber lebt das Werk von den Statements der für das Buch befragten Experten, unter anderem Tom Rosenstiel (<a href="http://www.journalism.org/" target="_blank">Project for Excellence in Journalism</a>), Geneva Overholser und Phil Seib (<a href="http://annenberg.usc.edu/" target="_blank">Annenberg School for Communication, University of Southern California</a>), Jonathan Landman (&#8220;<a href="http://www.nytimes.com/" target="_blank">New York Times</a>&#8220;) und Michael Getler (<a href="http://www.pbs.org/" target="_blank">PBS</a>, ehem. &#8220;<a href="http://www.washingtonpost.com/" target="_blank">Washington Post</a>&#8220;).</p>
<p>Fürderhin ist die Publikation – nach amerikanischem Vorbild – ein Zwitter zwischen Wissenschaft und populärem Sachbuch, wie man sie im deutschsprachigen Raum glücklicherweise immer häufiger findet, auch wenn die beinharte Kommunikationswissenschaft solcherlei &#8220;Grenzwissenschaft&#8221; argwöhnisch betrachtet – teils aus mangelnder Leidenschaft für den Beruf, teils aus Standesdünkel. Dennoch ist die Methodik des Autors lupenrein, wenngleich er die fehlende &#8220;Angemessenheit bestimmter Forschungstechniken&#8221; innerhalb der Kommunikationsforschung gleich zu Anfang moniert (36) – und bitter konstatiert: &#8220;Dieses Manko lässt sich nicht beseitigen.&#8221; Gleichwohl betrachtet er genau dies als Herausforderung, &#8220;verschiedene methodische Ansätze in kreativer Weise zu verbinden und weiterzuentwickeln&#8221;. Und das versucht Ruß-Mohl, indem er interdisziplinäre Brücken zur Ökonomie baut, empirisch-analytische Herangehensweisen und journalistische Recherchetechniken mit einem Crowdsourcing unter Medienexperten kombiniert und alles in allem – wie er schreibt – der &#8220;Journalistik neue Ziele&#8221; setzen will: Diese solle sich &#8220;zur Speerspitze einer Bewegung machen, die den Status quo einer kommunikationsunfähigen und damit auch in ihrer Wirkungsmacht beeinträchtigten Disziplin überwindet, indem sie mit journalistischen Mitteln Erkenntnisstand, -prozesse und -probleme vermittelt&#8221; (36f.).</p>
<p>Es sind zweifellos zu viele, um sie an dieser Stelle alle wiederzugeben, aber zu den gravierenden Neuerungen der Internet-Revolution, die Ruß-Mohl zufolge den Niedergang der Zeitungen nachhaltig beeinflusst und letztlich deren Neuerfindung bedeutet, gehören vor allem das Web 2.0 und seine neuen Akteure, also Blogger, Mitglieder in Social Networks und Bürgerjournalisten. Sie verändern das bisherige Medienangebot von Grund auf: durch Nischenangebote, alternative Geschäftsmodelle und neue Nutzungs-Cluster, aber auch die Vermischung von PR-Interessen und journalistischen Inhalten. Seiner Argumentationslinie folgend plädiert Ruß-Mohl am Ende des Buches konsequent für Bezahlinhalte im Internet: einerseits um die hemmungslose Selbstbedienungs-Mentalität einzudämmen, andererseits um die massenhafte Meinungsfreude der Laien im Netz noch von jener der professionellen Medienarbeiter unterscheidbar zu halten – und den Fortbestand Letzterer zu sichern. Diese muss der Leser sich aber künftig nicht unbedingt in übermäßigen Dimensionierungen vorstellen. Der &#8220;dynamische Unternehmer&#8221; (256f.), ebenfalls ein Wort aus der Theorieapotheke Schumpeters, beschreibt vielmehr einen Typus Journalist, der nicht nur thematisch flexibel denkt und vielseitig ist, sondern auch bereit ist, seine ökonomische Existenz in die eigene Hand zu nehmen. Und wahrscheinlich ist ebendies die wichtigste Botschaft, die uns ein Buch über den drohenden Kollaps des amerikanischen Qualitätsjournalismus mit auf den Weg geben will: Unser Schicksal ist heute gar nicht mehr von traditionellen Großverlagen und Medienunternehmen abhängig, sondern vom Erfindergeist und dem Experimentierwillen einzelner Journalisten.</p>
<p>Links:</p>
<ul>
<li><a href="http://www.uvk.de/buch.asp?ISBN=9783867640770" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.com.usi.ch/en/personal-info.htm?id=331" target="_blank">Webpräsenz von Stephan Ruß-Mohl an der Università della Svizzera italiana in Lugano</a></li>
<li><a href="http://www.macromedia-fachhochschule.de/hochschule/menschen/professoren/personendetails/detail/weichert.html" target="_blank">Webpräsenz von Stephan Weichert an der Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation in Hamburg</a></li>
</ul>
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		</item>
		<item>
		<title>Dieter Rucht; Simon Teune (Hrsg.): Nur Clowns und Chaoten?</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/122</link>
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		<pubDate>Wed, 18 Nov 2009 17:16:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Öffentlichkeit]]></category>
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		<description><![CDATA[<i>Rezensiert von Sigrid Baringhorst &#038; Andreas Hetzer</i>

<img src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/11/ruchtteune20081.jpg" alt="rucht&#38;teune2008" title="rucht&#38;teune2008" width="160" height="243" class="alignleft size-full wp-image-1666" /> Der Sammelband von Dieter Rucht und Simon Teune steht in der Tradition der deutschen Protest- und Bewegungsforschung und beschäftigt sich mit der Analyse und Interpretation der Medienresonanz auf die G8-Protestereignisse in Heiligendamm 2007. Der G8-Gipfel kann aufgrund seiner breiten Gegenmobilisierung und der umfangreichen Berichterstattung als singuläres Protest- und Medienereignis für Deutschland bezeichnet werden. Im Mittelpunkt der Studie stehen die Medienprodukte selbst, auf eine Medienwirkungsanalyse wird verzichtet. Die Herausgeber sind ausgewiesene Experten auf dem Gebiet und begründen ihr Forschungsinteresse an der Thematik des Bandes mit ihrer "langjährige[n] Befassung mit politischen Protestbewegungen, ihre[n] öffentlichen Darstellungs- und Vermittlungsformen und die von ihnen gewollt und ungewollt erzielten massenmedialen Resonanzen". <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/122">[Mehr]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Sigrid Baringhorst &amp; Andreas Hetzer</em></p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-1666" title="rucht&amp;teune2008" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/11/ruchtteune20081.jpg" alt="rucht&amp;teune2008" width="160" height="243" /> Der Sammelband von Dieter Rucht und Simon Teune steht in der Tradition der deutschen Protest- und Bewegungsforschung und beschäftigt sich mit der Analyse und Interpretation der Medienresonanz auf die G8-Protestereignisse in Heiligendamm 2007. Der G8-Gipfel kann aufgrund seiner breiten Gegenmobilisierung und der umfangreichen Berichterstattung als singuläres Protest- und Medienereignis für Deutschland bezeichnet werden. Im Mittelpunkt der Studie stehen die Medienprodukte selbst, auf eine Medienwirkungsanalyse wird verzichtet. Die Herausgeber sind ausgewiesene Experten auf dem Gebiet und begründen ihr Forschungsinteresse an der Thematik des Bandes mit ihrer &#8220;langjährige[n] Befassung mit politischen Protestbewegungen, ihre[n] öffentlichen Darstellungs- und Vermittlungsformen und die von ihnen gewollt und ungewollt erzielten massenmedialen Resonanzen&#8221; (11). Dementsprechend betritt das empirische Untersuchungsdesign kein methodologisches Neuland, sondern kann an zahlreiche Vorarbeiten der Herausgeber anknüpfen. Entgegen üblicher Publikationsformen hat sich das Autorenteam bewusst für eine innovative Zusammenstellung entschieden, indem wissenschaftliche, politisch engagierte und journalistische Sichtweisen kontrastiert werden.</p>
<p>Im ersten Teil bemühen sich zwei Beiträge um die Rekonstruktion der Ereignisse. Simon Teune bietet eine neutrale Chronik des Protestverlaufs, wohingegen Elke Steven als Mitglied der Beobachtergruppe des <a href="http://www.grundrechtekomitee.de/" target="_blank"><em>Komitees für Grundrechte und Demokratie</em></a> diesen aus einer politisch-kritischen Beobachterperspektive kommentiert.</p>
<p>Danach stellen Rucht und Teune die Befunde einer quantitativen Printmedienanalyse vor. Der Vergleich der Presseerzeugnisse konzentriert sich auf den Umfang, die Themen und die inhaltliche Tendenz der Berichterstattung. Fördern die Ergebnisse insgesamt wenig Neues zu Tage, so fällt im Vergleich zu ähnlichen Protestgroßereignissen der vergangenen Jahre auf, &#8220;dass die Berichterstattung über den offiziellen Gipfel schrumpft, während den Protesten immer mehr Raum gewidmet wird&#8221; (72). Die darauf folgende qualitative Analyse von Pressekommentaren von Rucht zeigt, dass die Kommentarspalten der verschiedenen Zeitungen &#8220;ein breites und durchaus kontroverses Meinungsspektrum&#8221; abbilden. Ergänzend zur textbasierten Auswertung untersucht der Beitrag von Sabrina Herrmann die visuelle Repräsentation der Proteste während der Gipfelwoche in vier verschiedenen Hauptnachrichtensendungen von <a href="http://www.ard.de/" target="_blank">ARD</a>, <a href="http://www.zdf.de/" target="_blank">ZDF</a>, <a href="http://www.rtl.de/" target="_blank">RTL </a>und <a href="http://www.sat1.de/" target="_blank">Sat.1 </a>anhand von Schlüsselbildern.</p>
<p>Im dritten Teil kommen mit der Pressesprecherin von <a href="http://www.attac.de/" target="_blank"><em>attac </em></a>(Frauke Distelrath) und einem Aktivisten des alternativen Medienzentrums (Stefan Zimmer) Protestakteure selbst zu Wort. Die subjektiv gefärbten Perspektiven bieten einen Einblick in die Gegenöffentlichkeitsstrategien der Gipfelkritiker. Die anderen beiden Beiträge sind mit Daniel Schulz und Stefan Raue von Medienschaffenden verfasst, die die Inszenierung der Ereignisse und die Rolle der Medien problematisieren.</p>
<p>Der Schlussteil schließt mit zwei wissenschaftlichen Reflexionen. Mundo Yang präsentiert ein Konzept diskursiver Protestdramaturgien zur Mobilisierung kollektiver Akteure und schärft mit seiner Unterscheidung in partnerschaftliche, antagonistische und kritische Dramaturgien den Blick für die Heterogenität der globalisierungskritischen Bewegung bezüglich ihrer Präsentation in der Öffentlichkeit. Im abschließenden Fazit fassen Rucht und Teune die Lehren zusammen, die alle beteiligten Akteure aus dem Medienereignis &#8220;G8-Gipfel&#8221; ziehen können.</p>
<p>Der Versuch, die Multiperspektivität mit den verschiedenen Beiträgen abzubilden, ist ein lohnenswertes Unterfangen. Der Leser muss allerdings in Kauf nehmen, dass sich der Stil und die Qualität der Beiträge erheblich unterscheiden. Die Beiträge zeichnen sich durch eine klare und verständliche Sprache aus. Damit ist der Band nicht nur einer wissenschaftlichen Community zugänglich, sondern darüber hinaus eine wertvolle Lektüre für Bewegungsakteure und Medienmacher. Der nationale Fokus aller Autoren dürfte die Rezeption der Veröffentlichung eher auf ein deutsches Publikum beschränken. Die internationale Leserschaft sei eher auf vorangegangene Arbeiten besonders von Dieter Rucht verwiesen, die mit ihrer stärkeren theoretischen Ausrichtung das Fundament für die hier vorliegende Fallstudie legen.</p>
<p><em>Links</em>:</p>
<ul>
<li><a href="http://www.campus.de/wissenschaft/soziologie/Nur+Clowns+und+Chaoten%3F.85767.html" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.wzb.eu/zkd/zcm/leute/rucht.de.htm" target="_blank">Webpräsenz von Dieter Rucht am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung</a></li>
<li><a href="http://www.wzb.eu/zkd/zcm/leute/teune.de.htm" target="_blank">Webpräsenz von Simon Teune am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung</a></li>
<li><a href="http://www.fb1.uni-siegen.de/politik/mitarbeiter/baringhorst/" target="_blank">Webpräsenz von Sigrid Baringhorst an der Universität Siegen</a></li>
<li><a href="http://www.fb1.uni-siegen.de/politik/mitarbeiter/hetzer/?lang=de" target="_blank">Webpräsenz von Andreas Hetzer an der Universität Siegen</a></li>
</ul>
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		<title>Astrid Blome; Holger Böning (Hrsg.): Presse und Geschichte</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/501</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/501#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 23 Aug 2009 10:29:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einzelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Aufklärung]]></category>
		<category><![CDATA[DDR]]></category>
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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Markus Behmer</em>

<img class="alignleft size-full wp-image-1005" title="blome&#38;böning2008" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/08/blomeböning2008.jpg" alt="blome&#38;böning2008" width="160" height="226" /><i>Presse und Geschichte – Neue Beiträge</i> heißt eine von Mitarbeitern des Instituts für Deutsche Presseforschung an der Universität Bremen herausgegebene Buchreihe, in der bislang in knapp einem Jahrzehnt bereits 43 Titel erschienen sind. Unter dem Titel <em>Presse und Geschichte</em> sind auch schon 1977 und 1987 zwei Bände in der Vorgängerreihe "Studien zur Publizistik" veröffentlicht worden. Beide vereinten "Beiträge zur historischen Kommunikationsforschung" und beide gehören immer noch zur Standardliteratur der Pressegeschichtsschreibung, setzten Maßstäbe insbesondere hinsichtlich der Beschreibung des Forschungsstandes zum frühen Druckwesen. Nun liegt wieder ein Reader zu <em>Presse und Geschichte</em> vor, wieder aus Bremen. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/501">[Mehr]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Markus Behmer</em></p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-1005" title="blome&amp;böning2008" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/08/blomeböning2008.jpg" alt="blome&amp;böning2008" width="160" height="226" /><em>Presse und Geschichte – Neue Beiträge</em> heißt eine von Mitarbeitern des <a href="http://www.presseforschung.uni-bremen.de/" target="_blank">Instituts für Deutsche Presseforschung </a>an der Universität Bremen herausgegebene Buchreihe, in der bislang in knapp einem Jahrzehnt bereits 43 Titel erschienen sind. Unter dem Titel <em>Presse und Geschichte</em> sind auch schon 1977 und 1987 zwei Bände in der Vorgängerreihe &#8220;Studien zur Publizistik&#8221; veröffentlicht worden. Beide vereinten &#8220;Beiträge zur historischen Kommunikationsforschung&#8221; und beide gehören immer noch zur Standardliteratur der Pressegeschichtsschreibung, setzten Maßstäbe insbesondere hinsichtlich der Beschreibung des Forschungsstandes zum frühen Druckwesen.</p>
<p>Nun liegt wieder ein Reader zu <em>Presse und Geschichte</em> vor, wieder aus Bremen. Dokumentiert sind in dem fast 500-seitigen Band 24 (für die Drucklegung teils deutlich erweiterte) Vorträge, die 2007 auf einer Tagung aus Anlass des 50. Geburtstages eben des Instituts für Deutsche Presseforschung gehalten wurden.</p>
<p>Der erste Aufsatz – von Mitherausgeber Holger Böning – bietet dann auch einen prägnanten Abriss der Geschichte des Instituts, das als &#8220;wunderbarer Ort, der Freiräume bietet, ohne die große Projekte grundlegender Forschung nicht gedeihen können&#8221; (18), gefeiert wird. Viele der weiteren Beiträge stammen ebenfalls von ehemaligen oder aktuellen Mitarbeitern des Instituts und bieten Einblicke in manche dieser Projekte. So liefert die zweite Herausgeberin Astrid Blome einen Überblick über die Entwicklung der Intelligenzblätter wie auch ihrer Erforschung und arbeitet luzide deren vielfältige Funktionen und ihre Bedeutung heraus – etwa als &#8220;unentbehrliche Wissensspeicher, […] Orientierungshilfe im Alltag ebenso wie […] historische Chronik der Normanwendung&#8221; (202). Indem die örtlichen Intelligenzblätter unter anderem die &#8220;administrative, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung einer Stadt und einer Region in ihrer historischen Tradition und aktuellen Entfaltung&#8221; (207) dokumentierten, hätten sie ein System &#8220;völlig neuartiger öffentlicher Kommunikationsstrukturen&#8221; (ebd.) begründet und wesentlich dazu beigetragen, erst das &#8220;Bewusstsein einer Region&#8221; zu konstituieren.</p>
<p>Überblicke über &#8220;traditionelle&#8221; Schwerpunkte der Bremer Forschung bieten Johannes Weber, Reinhart Siegert und Michael Nagel. Weber beschreibt knapp Forschungsergebnisse und Desiderate zur Nachrichtenpresse im 17. Jahrhundert, Nagel zeichnet die Entwicklung der deutsch-jüdischen Presse im Zeitraum von 1755 bis 1943 nach und zeigt deren mentalitätsgeschichtliche Bedeutung wie auch deren Wandel auf. Und Siegert arbeitet anschaulich heraus, dass Zeitungslektüre bereits im 18. Jahrhundert auch unter einfachen Leuten recht weit verbreitet war und als &#8220;Motor der Volksaufklärung&#8221; (209) fungierte. &#8220;&#8216;Bad News is good news&#8217; – dieser heutige Satz scheint für viele Blätter der Aufklärung nicht zu gelten&#8221;, so eines seiner Ergebnisse. &#8220;Sie berichten von guten Taten, von fortschrittlichen Gesetzen, von geglückten Neuerungen. Insbesondere regionale Blätter mit starker aufklärerischer Tendenz taten sich darin besonders hervor&#8221; (222).</p>
<p>Einblicke in kleinere aktuelle Projekte am Institut für Presseforschung ermöglichen Esther-Beate Körber und Klaus-Dieter Herbst. &#8220;Zeitungsextrakte&#8221; nennt Körber ihren bislang wenig beachteten Forschungsgegenstand; gemeint sind damit Periodika, die regelmäßig Meldungen aus verschiedenen Zeitungen zusammenstellten und teilweise einordneten. Sie dienten während des gesamten 18. Jahrhunderts vor allem &#8220;als Verständnishilfen und Werbemittel für die Zeitungslektüre&#8221; (138). Herbst beschäftigt sich mit Kalendern als Medien. Im hier vorliegenden Aufsatz beschränkt er sich auf &#8220;große Schreibkalender&#8221; (die die Käufer auch als Lesestoff und für tägliche Eintragungen nutzen konnten), ausführlich beschreibt er deren Entwicklung, Inhalte und Funktion und entwickelt ein Programm zur weiteren Analyse.</p>
<p>Interdisziplinarität betont Hölger Böning als ein besonderes Attribut der Bremer Presseforschung – und aus unterschiedlichen Disziplinen kommen auch die Beiträger des Bandes: Literaturwissenschaftler, Linguisten, Historiker und Kommunikationswissenschaftler. Mit letzterer Disziplin wie auch mit ihrer universitären &#8220;Vorgängerin&#8221;, der Zeitungswissenschaft, geht Martin Welke hart ins Gericht. Kundig beschreibt er (einmal mehr) die Nachrichtenbeschaffung der ersten beiden bekannten Wochenzeitungen, des &#8220;Aviso&#8221; und der &#8220;Relation&#8221;, und moniert dabei die &#8220;fachliche Inkompetenz der Zeitungswissenschaft&#8221; (24) auf dem Felde historischer Presseforschung. Es sei &#8220;schlicht nicht nachzuvollziehen, dass die mit derartigen Fehlleistungen belastete Zeitungswissenschaft bzw. die ihr nachfolgende Publizistikwissenschaft/Kommunikationsforschung in der gesamten akademischen Welt noch immer wie selbstverständlich als &#8216;Heimatdisziplin&#8217; der pressehistorischen Forschung&#8221; (ebd.) gelte.</p>
<p>Im vorliegenden Band liefern aber gerade Kommunikationswissenschaftler einige der fundiertesten Beiträge, in denen sie aufzeigen, wie ausgehend von grundlegendem historischen Wissen und in Verbindung mit sozialwissenschaftlichem Methodenrüstzeug neue Ergebnisse zu Tage gefördert und interessante Zusammenhänge erschlossen werden können. So entwickelt Arnulf Kutsch im längsten Aufsatz des Bandes eine umfängliche Perspektive zur Erforschung des &#8220;journalistischen Professionalisierungsprozesses in Deutschland am Anfang des 20. Jahrhunderts&#8221; (289-325). Und Michael Meyen fasst drei eigene Forschungsprojekte zu Inhalten, Publikum und Lesererwartungen von Zeitungen in der DDR zusammen und liefert damit erste überzeugende Bausteine zu einer Geschichte der DDR-Presse, die bisherige Vorstellungen etwa von der ausschließlichen Uniformität differenzieren können. Im Schnittbereich zwischen Geschichts- und Kommunikationswissenschaft steht Bernd Sösemann. Hier bietet er Grundzüge und vertiefende Thesen zur Medienlenkung im NS-Staat. Ein Konzept zur weiteren Forschung stellt er exemplarisch anhand der – gescheiterten – Bemühungen Goebbels&#8217; um eine Revision des Reichspressegesetzes dar, die er prägnant und solide quellengestützt nachzeichnet. Weiter skizzieren Rudolf Stöber und Jürgen Wilke jeweils Anliegen, Vorgehensweise wie auch Probleme beim Verfassen ihrer pressegeschichtlichen Überblickswerke.</p>
<p>Der Spannungsbogen des gesamten Bandes reicht von der Frühgeschichte des Druckwesens im 17. Jahrhundert bis in die 80er Jahre des 20. Jahrhunderts, von kleinen Schlaglichtern (etwa von Hans Wolf Jäger über Gustav Freytags Beziehung zum Journalismus oder einer Projektvorstellung zur &#8220;digitalen Erfassung der deutschsprachigen Presse im Königreich Ungarn in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts&#8221; [435-446]) zu umfassenden Überblicken (etwa auch von Hélène Roussel zur deutschen Exilpresse).</p>
<p>&#8220;Leistungen und Perspektiven der historischen Presseforschung&#8221;, so lautet der Untertitel des Bandes. Deutlich wird im bunten Strauß der (wie stets nicht immer qualitativ gleichwertigen) Aufsätze, dass in den vergangenen Jahrzehnten viel geleistet wurde und viele der thematisierten Forschungsfelder schon gut beackert sind; aber vielfach werden auch Desiderate aufgezeigt, neue Fragen angestoßen, eben Perspektiven offengelegt. Astrid Blome konstatiert zu Recht, dass eine &#8220;systematische Würdigung der kommunikationshistorischen Leistungen der Intelligenzblätter&#8221; (180) noch ausstehe, Meyen und Kutsch konstatieren ähnliche Defizite für die Erforschung der DDR-Presse respektive der journalistischen Berufsentwicklung, Herbst mahnt weitere Forschung zum Kalender an, Daniel Bellingradt erwartet &#8220;wichtige Impulse&#8221; aus der Erforschung frühneuzeitlicher Flugdrucke für die &#8220;interdisziplinäre Stereotypenforschung&#8221; (92), nach Kurt Nemitz könne man aus historischen Beispielen einen &#8220;genaueren Einblick in die Arbeitsweise der Regierungssprecher&#8221; (281) gewinnen und so fort.</p>
<p>Jeder betont so auch die Bedeutung des eigenen Forschungsgegenstands. Eine breite Palette von Themenfeldern und wissenschaftlichen Zugängen der historischen Presseforschung aufzuzeigen &#8211; darin liegt kein kleiner Verdienst des eindrucksvollen Readers.</p>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.editionlumiere.de/pressegeschichte.html" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.uni-bamberg.de/kowi/personen_einrichtungen/markus_behmer/" target="_blank">Webpräsenz von Markus Behmer an der Universität Bamberg</a></li>
</ul>
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