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	<title>rezensionen:kommunikation:medien &#187; Politik</title>
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	<description>Rezensionen aus den Bereich Kommunikation und Medien</description>
	<lastBuildDate>Tue, 07 Sep 2010 10:30:04 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Susanne Fengler; Bettina Vestring: Politikjournalismus</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/3654</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/3654#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 30 Aug 2010 07:26:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einzelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Lehrbuch]]></category>
		<category><![CDATA[Mediendemokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Mathias Rentsch</em>

<a href="http://www.rkm-journal.de/archives/3654"><img class="alignleft size-full wp-image-3811" title="BoD_B4-FenglerVestring_15403-9-12" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2010/08/fenglervestring-20092.jpg" alt="" width="160" height="227" /></a>Es ist kein leichtes Vorhaben, in einem Lehrbuch die Sichtweisen von Praktikern und Wissenschaftlern auf einen bestimmten Gegenstand stimmig zusammenzuführen und damit gegenüber den vielen Praktiker- ratschlägen auf der einen und der Fülle wissenschaftlicher Betrachtungen auf der anderen Seite einen Mehrwert zu schaffen. Susanne Fengler und Bettina Vestring haben dies nun für den Politikjournalismus versucht – und es ist ihnen im Großen und Ganzen auch geglückt. Die beiden Autorinnen wissen, wovon sie schreiben, denn sie kennen das Berufsfeld der Politikjournalisten genau: Die Kommunikations- wissenschaftlerin Susanne Fengler hat viele Jahre in der politischen Kommunikation und als reie Journalistin gearbeitet. Bettina Vestring ist Redakteurin bei der <a href="http://www.bz-berlin.de/" target="_blank">Berliner Zeitung</a> und dort als Volontärsausbilderin für den journalistischen Nachwuchs verantwortlich. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/3654">[Mehr]</a>


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</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Mathias Rentsch</em></p>
<p><a href="http://www.rkm-journal.de/archives/3654"><img class="alignleft size-full wp-image-3811" title="BoD_B4-FenglerVestring_15403-9-12" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2010/08/fenglervestring-20092.jpg" alt="" width="160" height="227" /></a>Es ist kein leichtes Vorhaben, in einem Lehrbuch die Sichtweisen von Praktikern und Wissenschaftlern auf einen bestimmten Gegenstand stimmig zusammenzuführen und damit gegenüber den vielen Praktiker- ratschlägen auf der einen und der Fülle wissenschaftlicher Betrachtungen auf der anderen Seite einen Mehrwert zu schaffen. Susanne Fengler und Bettina Vestring haben dies nun für den Politikjournalismus versucht – und es ist ihnen im Großen und Ganzen auch geglückt. Die beiden Autorinnen wissen, wovon sie schreiben, denn sie kennen das Berufsfeld der Politikjournalisten genau: Die Kommunikations- wissenschaftlerin Susanne Fengler hat viele Jahre in der politischen Kommunikation und als reie Journalistin gearbeitet. Bettina Vestring ist Redakteurin bei der <a href="http://www.bz-berlin.de/" target="_blank">Berliner Zeitung</a> und dort als Volontärsausbilderin für den journalistischen Nachwuchs verantwortlich.</p>
<p>Die Sichtweisen von Praxis und Forschung werden miteinander verknüpft, indem in den einzelnen Kapiteln zunächst die praktische, dann die kommunikationswissenschaftliche Seite zu Wort kommt. Es geht um das Verhältnis zwischen Journalisten und Politikern, um die Medien des Politikjournalismus, seine Themen und Quellen, um die Recherche und Darstellungsformen, aber auch um die Beziehung zwischen Politikjournalisten und ihrem Publikum und die Frage der journalistischen Verantwortung. So erfährt der Leser auf der einen Seite zum Beispiel etwas darüber, wie Politikjournalisten ein Kontaktnetzwerk aus Politikern aufbauen und pflegen können, oder darüber, was es heißt, wenn Gespräche &#8216;unter drei&#8217; geführt werden. Auf der anderen Seite liest er von der Diskussion um die normativen Aufgaben des Politikjournalismus in einer demokratischen Gesellschaft, von der &#8220;Mediendemokratie&#8221; und der &#8220;Medialisierung der Politik&#8221;.</p>
<p>In die einzelnen Kapitel steigen die Autorinnen stets mit griffigen Anekdoten aus dem Alltag von Politikjournalisten ein. Lernziele und knackige Zusammenfassungen unterstreichen den Lehrbuchcharakter, jedes Kapitel schließt mit Literatur- empfehlungen. Wenngleich didaktisch sinnvoll, wirken die knappen Zusammenfassungen bei den kürzeren Kapiteln hier und da ein wenig überbemüht. Die Literaturhinweise sind insbesondere in den Buchteilen zur kommunikationswissenschaflichen Forschung sorgfältig ausgewählt. Darunter lassen sich viele Veröffentlichungen finden, die im Fach zum Standard zählen und dem Leser bei Bedarf tiefere Erkenntnis eröffnen. Indem es einschlägige Theorien, Diskurse und Befunde aufgreift, gibt das Buch einen guten Einblick in die Breite der Forschung zum Politikjournalismus. Gerade den kommunikationswissenschaftlich unbefleckten Leser dürfte es zum weiteren Nachdenken über zentrale Fragen des Fachs anregen – Fragen, die Praktiker und Wissenschaftler in Zeiten des Medienwandels gleichermaßen umtreiben: Welche Auswirkungen hat der immer größere Wettbewerbsdruck im Journalismus auf die Qualität der Politikberichterstattung? Tragen Politikjournalisten zur Politikverdrossenheit der Bürger bei? Welche Bedeutung haben Polit-Blogger und ist &#8220;Bürgerjournalismus&#8221; eine Gefahr für den traditionellen Journalismus und die Qualität der öffentlichen Kommunikation?</p>
<p>Dass sich die referierte Forschung dabei überwiegend auf den deutschen Sprachraum beschränkt, kann aus wissenschaftlicher Sicht nicht befriedigen, ist aber verschmerzbar. Denn es handelt sich zuallererst um eine Einführung für Praktiker, Studenten jüngeren Semesters und interessierte Laien – und für dieses Publikum wird das Buch ein Gewinn sein. Erhellend ist es gerade für angehende Politikjournalisten, weil es den Autorinnen gelungen ist, die Relevanz der Kommunikationswissenschaft und ihrer Befunde für die journalistische Praxis in einer verständlichen und plastischen Sprache herauszuarbeiten – und zwar nicht vom &#8216;Elfenbeinturm&#8217; herunter, sondern aus der Praxis heraus. Von einem solchen Wissenstransfer kann es gar nicht genug geben.</p>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.vs-verlag.de/Buch/978-3-531-15403-9/Politikjournalismus.html" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.susanne-fengler.de/" target="_blank">Private Homepage von Susanne Fengler</a></li>
<li><a href="http://tu-dresden.de/die_tu_dresden/fakultaeten/philosophische_fakultaet/ikw/inst/lehrk/mrentschvita" target="_blank">Webpräsenz von Mathias Rentsch an der TU Dresden</a></li>
</ul>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Nina Trentmann: Barack Obama gegen John McCain</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/2314</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/2314#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 19 May 2010 11:54:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einzelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Obama]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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		<category><![CDATA[politische Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampfkommunikation]]></category>

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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Yvonne Kuhn</em>

<a href="http://www.rkm-journal.de/archives/2314"><img class="alignleft size-full wp-image-2975" title="Trentmann2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2010/02/Trentmann20091.jpg" alt="" width="160" height="223" /></a>Der Blick auf amerikanische Wahlkämpfe scheint für deutsche Politik- und Medienwissenschaftler von besonderem Reiz zu sein – wird doch immer wieder eine Adaption amerikanischer Strategien durch deutsche Parteien unterstellt. Eine Analyse der Strategien im Wahlkampf Barack Obama versus John McCain als "nie da gewesenes Ereignis" hat nun Nina Trentmann vorgelegt und verspricht, die "wichtigsten strategischen Neuerungen" vorzustellen. Ihre Ergebnisse stützen sich neben einer umfangreichen Beachtung des Forschungsstands auf eigens durchgeführten Interviews mit Wahlkampfmitarbeitern und -experten. Die Informations- und Materialfülle ist beachtlich, wenngleich die Beschäftigung mit der Kampagne Barack Obamas deutlich intensiver ausfällt als die mit seinem Konkurrenten John McCain. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/2314">[Mehr]</a>


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</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Yvonne Kuhn</em></p>
<p><a href="http://www.rkm-journal.de/archives/2314"><img class="alignleft size-full wp-image-2975" title="Trentmann2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2010/02/Trentmann20091.jpg" alt="" width="160" height="223" /></a>Der Blick auf amerikanische Wahlkämpfe scheint für deutsche Politik- und Medienwissenschaftler von besonderem Reiz zu sein – wird doch immer wieder eine Adaption amerikanischer Strategien durch deutsche Parteien unterstellt. Eine Analyse der Strategien im Wahlkampf Barack Obama versus John McCain als &#8220;nie da gewesenes Ereignis&#8221; (7) hat nun Nina Trentmann vorgelegt und verspricht, die &#8220;wichtigsten strategischen Neuerungen&#8221; (8) vorzustellen. Ihre Ergebnisse stützen sich neben einer umfangreichen Beachtung des Forschungsstands auf eigens durchgeführten Interviews mit Wahlkampfmitarbeitern und -experten. Die Informations- und Materialfülle ist beachtlich, wenngleich die Beschäftigung mit der Kampagne Barack Obamas deutlich intensiver ausfällt als die mit seinem Konkurrenten John McCain.</p>
<p>Obamas Sieg gründete sich vor allem auf der &#8220;Change&#8221;-Strategie und der intensiven Nutzung des Internets, das nicht nur als Werbemedium, sondern im hohem Maße als Mobilisierungs- und Fundraising-Instrument eingesetzt wurde. Einen Hauptteil der Magisterarbeit nimmt die detaillierte Darlegung des Internet-Einsatzes und der diesbezüglichen Unterschiede zwischen Obama und McCain ein. Trentmann belegt die enorme, sich erst in den letzten Jahren dynamisierende Entwicklung des Internets zum essenziellen Wahlkampfmedium: &#8220;Die Webseite ist nicht nur eine Informationsquelle – sie ist gleichzeitig das Informationsmittel der Kampagne, das Vehikel zum Mitmachen, ein Souvenirladen im World Wide Web und der Ort, wo Barack Obama einen Großteil seiner Spenden akquiriert.&#8221; (39)</p>
<p>Der Obama-Wahlkampf war in besonderer Weise von einer durch die Kampagnenleitung initiierten, sich dann jedoch verselbständigenden Unterstützung freiwilliger Wahlkampfhelfer gekennzeichnet. Entscheidend war jedoch nicht die Freiwilligen-Unterstützung selbst, sondern der &#8220;Versuch, die Kampagne als Grassroots-Bewegung zu porträtieren&#8221; (46), also das Grassroots-<em>Image</em>, vor allem für die Ansprache junger Wähler zwischen 18 und 24 (85f.). Die Kampagnen beider Kandidaten waren aber durchaus auch von herkömmlichen Wahlkampfinstrumenten wie die persönliche Wähleransprache an Haustür, via Post und Telefon geprägt.</p>
<p>Abgesehen von der erhöhten Internetpräsenz und -nutzung, die der technischen Entwicklung dieses Mediums, seiner Verbreitung und Eignung für den Einsatz wahlkampfrelevanter Methoden entspricht, ist, wie Trentmann überzeugend darlegt, nichts wirklich Neues im amerikanischen Wahlkampf zu entdecken. Insbesondere die Taktik der Demokraten, den Wechsel zu thematisieren und mit ihrem Kandidaten zu verbinden und dem Gegner politischen Stillstand zuzuschreiben, ist eine altbekannte und beliebte Wahlwerbung (18f.).</p>
<p>Trentmann stellt fest: Das Neue besteht lediglich in neuen Instrumenten und Technologien, es gibt keine grundsätzlich neuen Strategien. Damit bleibt der Erkenntnisgewinn begrenzt und die Relevanz der Untersuchung beeinträchtigt, denn Trentmann lässt unklar, wer denn eigentlich von einer Neuartigkeit des Wahlkampfes ausgeht. Die Politikwissenschaft zumindest nicht. Vielmehr schient es sich hier um ein Journalistenurteil zu handeln, das allerdings durchaus revisionsbedürftig ist.</p>
<p>Interessanter wäre es gewesen, zu zeigen, warum der Obama-Wahlkampf und sein Kandidat auch hierzulande ein ungewöhnlich hohes öffentliches Interesse erregte: Deutet es vielleicht trotz der unterschiedlichen politischen Kultur auf ein hier wie dort vorhandenes Sehnen nach charismatischen, scheinbar eindeutig einzuordnenden Politikerpersönlichkeiten hin?</p>
<p>Die Darstellung der Rahmenbedingungen und Wirkung von Wahlkämpfen sowie der Erreichbarkeit der Wähler nimmt die Autorin schulbuchmäßig vor, es fehlen jedoch eine theoretische Grundlegung der Bedeutung und Funktionen von Wahlkampf im politischen System sowie Aussagen über Politikvermittlung, die Rolle und das Verhalten der Medien. Der Arbeit mangelt es schließlich an einer kritischen Perspektive &#8211; auch im Fazit, in dem Trentmann lediglich auf die mögliche Übernahme amerikanischer Methoden für deutsche Parteien eingeht. Die Untersuchung ist außerdem streckenweise überfrachtet mit Zitaten, deren Einsatz nicht immer ersichtlich ist.</p>
<p><em>Literatur</em>:</p>
<ul>
<li>Jung, M.: &#8220;Vom Obama lernen heißt siegen lernen? Rahmenbedingungen für Wahlkämpfe in Deutschland&#8221;, in: Picot, A.; Freyberg, A. (Hrsg.): <em>Media Reloaded. Mediennutzung im globalen Zeitalter</em>, Heidelberg 2010, S. 95-102.</li>
</ul>
<p><em>Links</em>:</p>
<ul>
<li><a href="http://www.tectum-verlag.de/9978_Nina_Trentmann_Barack_Obama_gegen_John_McCain_Neue_Strategien_im_amerikanischen_Pr&amp;%2365533;sidentschaftswahlkampf_2008_USA_Wahlkampf_Experteninterviews.html" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.hsu-hh.de/hartmann/index_0SZHbncSJsgnn95c.html" target="_blank">Webpräsenz von Yvonne Kuhn an der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg </a></li>
</ul>


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<li><a href='http://www.rkm-journal.de/archives/1075' rel='bookmark' title='Permanent Link: Markus Rhomberg: Politische Kommunikation'>Markus Rhomberg: Politische Kommunikation</a></li>
<li><a href='http://www.rkm-journal.de/archives/1932' rel='bookmark' title='Permanent Link: Ralf Hering; Bernd Schuppener; Nina Schuppener: Kommunikation in der Krise'>Ralf Hering; Bernd Schuppener; Nina Schuppener: Kommunikation in der Krise</a></li>
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		<title>Streifzüge durch das Kulturgedächtnis. Ein Essay zu Gerhard Pauls Das Jahrhundert der Bilder</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/1645</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/1645#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 18 Dec 2009 00:53:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Essay]]></category>
		<category><![CDATA[20. Jahrhundert]]></category>
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		<description><![CDATA[<i>Rezensiert von Daniel Hornuff</i>

<img class="alignleft size-full wp-image-1829" title="Sarrotti2" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/12/Sarrotti2.JPG" alt="Sarrotti2" width="450" height="316" />

Wer heute die Lage der Bildwissenschaft betrachtet, wird Eigentümliches feststellen: Obwohl sie ihren Gegenstand im Titel trägt, beschäftigt sie sich nur am Rande und vereinzelt, geradezu in Ausnahmefällen mit Bildern. Ungleich intensiver bespiegelt sie sich dagegen selbst. Sie lotet ihre Diskurse bis zur Verselbständigung der Diskurse aus; sie wendet ihre Methoden wieder und wieder, bis vor lauter Methodenvorschlägen mehr Verwirrung als Klärung erreicht wurde; sie hält nach allgemeinen und übergeordneten Kategorien Ausschau und sieht sich folglich gezwungen, Jeweiliges und Spezifisches zu vernachlässigen; sie will einen umklammernden Rahmen für möglichst alle Wissenschaften ziehen, die sich mit Bildern in jeder nur denkbaren Weise befassen und muss erkennen, dass dieses Vorhaben in keinen auch nur halbwegs vernünftigen Rahmen einzugrenzen ist. Wer bildwissenschaftlich arbeitet und dabei solch einen Allgemeinheitsanspruch vertritt, läuft akut Gefahr, bloß metadiskursiv, abstrakt und damit eher beliebig als konkret zu arbeiten. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/1645">[Mehr]</a>


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</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Daniel Hornuff</em></p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-1829" title="Sarrotti2" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/12/Sarrotti2.JPG" alt="Sarrotti2" width="450" height="316" /></p>
<p>Wer heute die Lage der Bildwissenschaft betrachtet, wird Eigentümliches feststellen: Obwohl sie ihren Gegenstand im Titel trägt, beschäftigt sie sich nur am Rande und vereinzelt, geradezu in Ausnahmefällen mit Bildern. Ungleich intensiver bespiegelt sie sich dagegen selbst. Sie lotet ihre Diskurse bis zur Verselbständigung der Diskurse aus; sie wendet ihre Methoden wieder und wieder, bis vor lauter Methodenvorschlägen mehr Verwirrung als Klärung erreicht wurde; sie hält nach allgemeinen und übergeordneten Kategorien Ausschau und sieht sich folglich gezwungen, Jeweiliges und Spezifisches zu vernachlässigen; sie will einen umklammernden Rahmen für möglichst alle Wissenschaften ziehen, die sich mit Bildern in jeder nur denkbaren Weise befassen und muss erkennen, dass dieses Vorhaben in keinen auch nur halbwegs vernünftigen Rahmen einzugrenzen ist. Wer bildwissenschaftlich arbeitet und dabei solch einen Allgemeinheitsanspruch vertritt, läuft akut Gefahr, bloß metadiskursiv, abstrakt und damit eher beliebig als konkret zu arbeiten.</p>
<p>Das vom Flensburger Historiker Gerhard Paul Anfang 2009 herausgegebene, in zwei Bände aufgeteilte <em>Jahrhundert der Bilder </em>muss vor diesem Hintergrund als ein beeindruckender Sonderfall gewertet werden. Wer die insgesamt rund 1600 Seiten in Händen hält, könnte Bodybuilding mit ihnen treiben. Wer sie aufschlägt und durchstöbert, wird sehen, wie anwendungsaffin eine Bildwissenschaft sein kann. Tatsächlich gibt es im deutschsprachigen Raum keine Publikation, die ähnlich differenziert, analytisch präzise und zudem umfassend die Bildkultur des 20. Jahrhunderts reflektiert. Die beiden Bände stellen nicht zuletzt für die Bildwissenschaft eine Novität dar. Sie müssen als praktische Umsetzungen jener Forderungen eingestuft werden, die durch die Kunsthistoriker Gottfried Boehm und William J.T. Mitchell 1994 vorgetragen wurden. Beide zielten mit einer postulierten Wende zum Bildlichen auf eine eingehendere und gleichsam breiter angelegte Untersuchung visueller Ausprägungen ab. Das <em>Jahrhundert der Bilder</em> ist ein bis auf wenige Einschränkungen konsequenter und folglich wichtiger Beitrag zu einer Wissenschaft des Bildes, die in diesem Sinne ihren Gegenstand ernst nimmt. Im Gesamten gesehen versteht es das Sammelwerk höchst überzeugend, die Einschätzung über eine gestiegene Bedeutung der visuellen Repräsentation in tragfähigen Konturen abzuwägen.</p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-1810" title="Paul1" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/12/Paul1.jpg" alt="Paul1" width="160" height="223" />Die ausnehmende Stärke des &#8220;Streifzugs durch unser kulturelles Gedächtnis&#8221;, wie der Herausgeber seinen &#8220;Bildatlas&#8221; umschreibt (Bd. 1: 9), liegt in seiner Konzentration auf die gesamte Spannweite der Bilderscheinungen. Und das heißt für Paul zweierlei: Einerseits zimmert er bewusst keine hierarchischen Differenzen zwischen verschiedenen Bildkulturen und exkludiert folglich keine ästhetischen Formen – Werbekampagnen, Kunstwerke, Karikaturen, Filme, Fernsehsendungen, die Privat- und Amateurästhetik und nicht zuletzt die Bilderwelten des Internets finden in gleicher Weise Eingang in die Studie. Es überrascht positiv, dass sie dabei keinem amalgamierenden Bildbegriff unterzogen, sondern vielmehr durch ihre jeweiligen Eigenqualitäten miteinander in Beziehung gesetzt werden. So lassen sich Medien- und Kunstikonen methodisch gleichrangig zu vermeintlichen Profanerzeugnissen in historische und ästhetische Zusammenhänge einordnen. Zahlreiche Beispiele bisher weitestgehend unbekannter oder aber in Vergessenheit geratener visueller Phänomene runden den Streifzug ab. Dürfte gerade ihr Aussagegehalt anfangs in Zweifel stehen, können die dazu verfassten Beiträge ihre Bedeutung für die Ausgestaltung der Bildkultur im 20. Jahrhundert nachdrücklich dokumentieren. Wohl eine der originellsten Studien steuert in diesem Zusammenhang der Historiker Michael Wildt bei, der in der Stil- und Motivanalyse der deutschen Versandhauskataloge seit Ende der 1940er Jahre einen Beleg für die Wirkung der aufkommenden Konsumästhetik erkennt (Bd. 2: 314-321).</p>
<p>Damit ist die zweite Stärke des Projekts bereits angesprochen: Beide Bände schrecken trotz ihrer Perspektive auf das &#8216;große Ganze&#8217; vor Detail- und Mikrobeobachtungen nicht zurück. Im Gegenteil: Paul achtete bei der Auswahl der insgesamt 180 Beiträge, geschrieben von 160 Autoren, offenbar penibel darauf, dass die ästhetischen und medialen Spezifika der angeführten Bilder nicht nur thematisiert, sondern auch kulturgeschichtlich verortet werden. Tatsächlich könnte man darin einen zentralen Baustein der Publikation sehen, kommen doch nahezu alle Beiträge überein, sowohl von schwärmerisch als auch kulturpessimistisch eingefärbten Einlassungen abzusehen und stattdessen auf Grundlage jeweils präziser, auf das Einzelobjekt gerichteter Beobachtungen erfreulich nüchterne Deutungen zu entwerfen.</p>
<p>Es mag die Qualität der zwei Bände nur am Rande trüben, dass sich gerade der Herausgeber in seinem Vorwort zu zwei vergleichsweise verschwörerischen Vorstellungen über die Wirkungskräfte verschiedener Bildtypen hinreißen ließ: Dass Michelangelos Pietà-Darstellung als Epochen-, Medien- und Kulturgrenzen überwindender gestischer Archetypus – als &#8220;Gebärdeformel&#8221; – in Fotografien erschossener Flüchtlinge an der Berliner Mauer wiederaufleben soll (Bd. 1: 23), liest sich ähnlich spekulativ wie einst Aby Warburgs Ideen zur Pathosformel. Pauls Diagnose, wonach insbesondere die Massemedien eine &#8220;eigene Realität mit originären Gesetzen und Logiken geschaffen&#8221; und zur &#8220;umfassenden Veränderung&#8221; der – eigentlichen – Realität beigetragen hätten (Bd. 1: 24f.), ist ebenfalls in Frage zu stellen. Zwar haben die Massenmedien zweifellos zu einer Veränderung der Realität geführt – sie haben jedoch keinen eigenen Realitätsbereich eröffnet und diesen, wie es Paul suggeriert, sukzessive der Lebenswirklichkeit übergestülpt. Ironischerweise wird der Herausgeber in diesem Punkt durch seine eigenen Autoren widerlegt: Gerade jene Aufsätze, die sich pop- und massenkulturellen Phänomenen widmen, gestatten die Einsicht, dass der Aufstieg der Medien in den vergangenen sechzig Jahren als Aspekt der Wirklichkeit gedacht und nicht als Bestandteil eines postmodern interpretierten Simulations- oder Hyperrealitätsgebarens mystifiziert werden muss.</p>
<p>Doch abgesehen von vereinzelten Nebengleisen ins kulturkritische Niemandsland besticht die groß angelegte Vermessung des kulturvisuellen Gedächtnisses neben der unvoreingenommenen, gleichsam gelassenen Perspektive durch die kluge Ausgewogenheit der gewählten Beispiele. Zu diesem Zweck bediente sich Paul einem denkbar einfachen, aber wirkungsvollen Ordnungssystem: Er bildete keine Themen-, sondern linearchronologische Zeitblöcke. Jeweils zehn Jahre werden zusammengefasst und aus verschiedenen Blickwinkeln auf besonders charakteristische Bildformen hin untersucht. Nur so konnten die angeführten Bilder an ihren Zeitkontext sinnvoll angebunden und mit politischen, militärischen, konsumästhetischen oder popkulturellen Bedingungen verknüpft werden.</p>
<p>Dieses Verfahren erscheint höchst einleuchtend, hätte doch der umgekehrte Weg – eine themenzentrierte Bündelung – zwar eine verstärkte wirkungsgeschichtliche Verknüpfungsoption bereitgestellt, jedoch keine vergleichbaren Einsichten in die Entwicklungen und Veränderungen der Bildkultur geben können. Besonders deutlich wird der Vorteil punktueller historischer Tiefenbohrungen dort, wo einzelne Bildbeispiele in ihrem Ausgangspunkt vorgestellt und ihre Wanderungen durch verschiedene Medien- und Ausdruckformen nachgezeichnet werden. Erst so wird deutlich, wie sehr ein Politiker wie etwa Joschka Fischer die &#8220;Physiognomie der Macht&#8221; bediente und wie er höchst medienaffine faziale Veränderungen an politische Neuausrichtungen koppelte – ein Beitrag der Kommunikations- und Politikwissenschaftlerinnen Eva-Maria Lessinger und Christina Holtz-Bacha spürt Fischers beeindruckende Gesichtskarriere auf (Bd. 2: 506-515) und beweist damit, dass das <em>Jahrhundert der Bilder </em>zwar aus einem weit gefassten Kultur- und Bildbegriff schöpft und dennoch in vermeintlich entlegenen Erscheinungen implikationsreiche Erkenntnisse freizulegen versteht.</p>
<p>Oder ein anders Beispiel: Die Journalistin Rita Gudermann erzählt die Geschichte des &#8220;Sarotti-Mohrs&#8221; (Bd. 1: 276-283), der im Jahr 1918 nach seiner grafischen Geburt auf die entsprechenden Schokoladenverpackungen sprang, zunächst als &#8220;Diener schöner Frauen&#8221; tätig war, lange erfolgreich gegen das Hakenkreuz ankämpfte, in den 1950er Jahren zum deutschen Symbol für die Sehnsucht nach Ferne aufstieg, von 1970 bis 1990 gänzlich von der Bildfläche verschwand, ab 1991 wie aus dem Nichts im Retro-Look Riesenerfolge feierte, 2004 seine Hautfarbe vergoldete und seither unumwunden als &#8220;Michael Jackson der Schokolade&#8221; (Bd. 1: 283) bezeichnet werden kann.</p>
<p>Solch fein beobachtete und subtil verfolgte Bildprozesse, die in den Nischen der Bildkultur zu erstaunlichen Ausformungen gelangten, sind wohl entscheidend mitverantwortlich für die offensichtliche große Beliebtheit der beiden Bände in breiten Leserschichten. Sie zeigen aber auch: Ein bildwissenschaftliches Arbeiten muss nicht zwangsläufig um die Frage nach den geeigneten, möglichst allen und jeden einfassenden Theorierahmen kreisen. Vielmehr sind durch die Betrachtung konkreter Bilder, ihrer Karrieren, medialen Einflüsse, ästhetischen Programme und historischen Prägungen die Versprechen eines bildwissenschaftlichen Arbeitens beim Wort zu nehmen – und somit ungleich eindrucksvoller, ja ertragreicher einzulösen.</p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-1811" title="Paul2" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/12/Paul2.jpg" alt="Paul2" width="160" height="214" />Problematisch bleibt hingegen die Frage, ob es sich beim 20. Jahrhundert tatsächlich um ein <em>Jahrhundert der Bilder </em>handelte, wie es die beiden Bände nahe legen. Waren die vergangenen rund hundert Jahre wirkliche eine Kulturphase, in dem die Kraft des Visuellen eine neue Qualität erlangte und daher als vorwiegend bildfokussierte und -geprägte Zeit gelten kann? Wer diese Frage aufwirft, wird nicht vergessen, dass etwa der &#8216;pictorial turn&#8217; nur einer von vielen Umbrüchen sein soll, die aus akademischen Kreisen mitunter euphorisch ausgerufen und als wesentliche Charakteristika des 20. Jahrhunderts ausgegeben wurden. Dass der ikonischen Wende knapp dreißig Jahre zuvor die linguistische vorausging, dass man überdies sowohl eine performative als auch eine kulturelle, ja zum Ende der 1980er Jahre selbst eine raumkritische und jüngst gar eine akustische Wende erkannte, deutet an, dass es sich bei der Bilderfrage längst nicht um eine allgemein akzeptierte handelt. Das <em>Jahrhundert der Bilder </em>scheint daher vor allem ein Jahrhundert zu sein, das zur Verkündigung unterschiedlichster Paradigmenwechsel einlädt, und das viele als Phase eines wie auch immer gelagerten Umbruchs markieren.</p>
<p>Gleichsam suggerieren beide Bände, dass das 20. Jahrhundert eine Bildkultur hervorbrachte, die als singuläre Erscheinung in die Bildgeschichte eingehen könnte. Das mag mit einem Blick auf die Quantität einer medialen Vervielfachung visueller Produkte und auf ihre massiv gestiegenen Rezeptionsmöglichkeiten zutreffen. Und doch bleibt zweifelhaft, ob das unstrittige Mehr an Bildern auch ein Mehr an Bedeutungen, ein erhöhtes Einfluss- und Wirkungspotenzial des Visuellen generieren konnte. Der Hinweis etwa auf die Kunst der frühen Moderne im 19. Jahrhundert mag verdeutlichen, inwiefern sich Bilder zur Heilsinstanz überhöhen und sogar zur Anbetung verleiten konnten, ja wie gerade die Bilder der Romantik eine unmittelbare Gotteserfahrung freisetzen wollten und damit einen schier unüberbietbaren Autoritätsanspruch vertraten. Vor diesem Hintergrund kann das 20. Jahrhundert als ein Prozess der Desakralisierung visueller Einheiten verstanden werden – gleichsam keimen Zweifel an jener enormen Deutungsmacht und Einspruchsenergie auf, die Paul vor allem technisch erzeugten Bildern an einigen Stellen zuzusprechen scheint.</p>
<p>Doch der Publikation wird nicht gerecht, wer in ihr eine übersteigerte Ikonophilie identifizieren will. Überhaupt bündeln die gesammelten Beiträge ihre besten Momente dort, wo die Autoren einzelne Bilder als Bestandteile größerer Bildzusammenhänge, übergeordneter ästhetischer Prozesse und politischer Willensbekundungen vorstellen. Abschließend herausgehoben sei in diesem Zusammenhang ein Aufsatz der Journalistin Esther Schapira (Bd. 2: 678-685): Im Jahr 2000 schien der Junge Mohammed Al Durah mit seinem Vater zwischen palästinensische und israelische Militärfronten geraten zu sein – statt die bis heute lebhaften Spekulationen zu den Umständen seines möglichen Todes anzuheizen, erhellt die Autorin minutiös den steilen Bildverlauf des Geschehens, das sowohl als politisches Propagandainstrument als auch als Kleideraufdruck bei der Modenschau eines saudischen Designers weiterverarbeitet wurde.</p>
<p>Gerhard Paul hat mit seinen zwei Bänden einen gewichtigen Beitrag für den &#8220;Bilderkanon des kulturellen Gedächtnisses&#8221; geleistet. Gleichsam zeigt das Jahrhundert der Bilder die Handlungsagilität und Deutungsmöglichkeit einer bildwissenschaftlichen Arbeitsweise, die sich um das visuell Konkrete kümmert und durch eine praktische Anwendung methodische Eigenständigkeit zu erlangen im Stande ist. Pauls Projekt exemplifiziert bis auf geringfügige Schwächen höchst überzeugend, dass die Bildlichkeit als solche und ihre Prozesshaftigkeit die Erinnerung an jüngste historische Verläufe lebendig hält. Gerade im Zeitalter einer vermehrten Digitalisierung der Bilder wird zunehmend erforderlich sein, sich von statisch-festgezurrten Bildkonzepten in der analytischen Praxis zu verabschieden und stattdessen vollzogene Distributionsprozesse ins Zentrum der Betrachtung zu rücken.</p>
<p>Es mag bezeichnend sein, dass ein Historiker die geschichtlichen Vorläufer dieser hochaktuellen Aufgabe als einer der ersten erkannte und ihre Potenzialität für bildwissenschaftliche Zugriffe vorführte. Möge sein <em>Jahrhundert der Bilder </em>kein disziplinärer Sonderfall bleiben, sondern beispielgebend weitere Reflexionen über tatsächliche Bildprozesse anregen. Erst dann wird die Bildwissenschaft aus ihren Methodenkeilereien aussteigen und ihren eigentlichen Kompetenzen gerecht werden können. Auch diese Einsicht ist ein Verdienst von Gerhard Pauls Streifzug durch unser visuelles Kulturgedächtnis.</p>
<p><em>Links</em>:</p>
<ul>
<li><a href="http://www.v-r.de/de/titel/352530011/" target="_blank">Verlagsinformationen zum ersten Band</a></li>
<li><a href="http://www.v-r.de/de/titel/352530012/" target="_blank">Verlagsinformationen zum zweiten Band</a></li>
<li><a href="http://www.uni-flensburg.de/geschichte/institut/mitarbeiter/paul.php" target="_blank">Webpräsenz von Gerhard Paul an der Universität Flensburg</a></li>
<li><a href="http://www.prof-gerhard-paul.de/" target="_blank">persönliche Homepage von Gerhard Paul</a></li>
<li><a href="http://www.bildfaehig.de/danielhornuff/" target="_blank">persönliche Homepage von Daniel Hornuff</a></li>
</ul>
<p>Bild-Quelle: Slg./Paul Flensburg</p>


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<li><a href='http://www.rkm-journal.de/archives/1799' rel='bookmark' title='Permanent Link: Thomas Friedrich; Gerhard Schweppenhäuser: Bildsemiotik'>Thomas Friedrich; Gerhard Schweppenhäuser: Bildsemiotik</a></li>
</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Dieter Rucht; Simon Teune (Hrsg.): Nur Clowns und Chaoten?</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/122</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/122#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 18 Nov 2009 17:16:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einzelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Öffentlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Bildanalyse]]></category>
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		<category><![CDATA[Gegenöffentlichkeit]]></category>
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		<category><![CDATA[Inszenierung]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
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		<description><![CDATA[<i>Rezensiert von Sigrid Baringhorst &#038; Andreas Hetzer</i>

<img src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/11/ruchtteune20081.jpg" alt="rucht&#38;teune2008" title="rucht&#38;teune2008" width="160" height="243" class="alignleft size-full wp-image-1666" /> Der Sammelband von Dieter Rucht und Simon Teune steht in der Tradition der deutschen Protest- und Bewegungsforschung und beschäftigt sich mit der Analyse und Interpretation der Medienresonanz auf die G8-Protestereignisse in Heiligendamm 2007. Der G8-Gipfel kann aufgrund seiner breiten Gegenmobilisierung und der umfangreichen Berichterstattung als singuläres Protest- und Medienereignis für Deutschland bezeichnet werden. Im Mittelpunkt der Studie stehen die Medienprodukte selbst, auf eine Medienwirkungsanalyse wird verzichtet. Die Herausgeber sind ausgewiesene Experten auf dem Gebiet und begründen ihr Forschungsinteresse an der Thematik des Bandes mit ihrer "langjährige[n] Befassung mit politischen Protestbewegungen, ihre[n] öffentlichen Darstellungs- und Vermittlungsformen und die von ihnen gewollt und ungewollt erzielten massenmedialen Resonanzen". <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/122">[Mehr]</a>


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<li><a href='http://www.rkm-journal.de/archives/459' rel='bookmark' title='Permanent Link: Peter J. Schulz; Uwe Hartung; Simone Keller (Hrsg.): Identität und Vielfalt der Kommunikationswissenschaft'>Peter J. Schulz; Uwe Hartung; Simone Keller (Hrsg.): Identität und Vielfalt der Kommunikationswissenschaft</a></li>
<li><a href='http://www.rkm-journal.de/archives/553' rel='bookmark' title='Permanent Link: Frank Bösch; Constantin Goschler (Hrsg.): Public History'>Frank Bösch; Constantin Goschler (Hrsg.): Public History</a></li>
</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Sigrid Baringhorst &amp; Andreas Hetzer</em></p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-1666" title="rucht&amp;teune2008" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/11/ruchtteune20081.jpg" alt="rucht&amp;teune2008" width="160" height="243" /> Der Sammelband von Dieter Rucht und Simon Teune steht in der Tradition der deutschen Protest- und Bewegungsforschung und beschäftigt sich mit der Analyse und Interpretation der Medienresonanz auf die G8-Protestereignisse in Heiligendamm 2007. Der G8-Gipfel kann aufgrund seiner breiten Gegenmobilisierung und der umfangreichen Berichterstattung als singuläres Protest- und Medienereignis für Deutschland bezeichnet werden. Im Mittelpunkt der Studie stehen die Medienprodukte selbst, auf eine Medienwirkungsanalyse wird verzichtet. Die Herausgeber sind ausgewiesene Experten auf dem Gebiet und begründen ihr Forschungsinteresse an der Thematik des Bandes mit ihrer &#8220;langjährige[n] Befassung mit politischen Protestbewegungen, ihre[n] öffentlichen Darstellungs- und Vermittlungsformen und die von ihnen gewollt und ungewollt erzielten massenmedialen Resonanzen&#8221; (11). Dementsprechend betritt das empirische Untersuchungsdesign kein methodologisches Neuland, sondern kann an zahlreiche Vorarbeiten der Herausgeber anknüpfen. Entgegen üblicher Publikationsformen hat sich das Autorenteam bewusst für eine innovative Zusammenstellung entschieden, indem wissenschaftliche, politisch engagierte und journalistische Sichtweisen kontrastiert werden.</p>
<p>Im ersten Teil bemühen sich zwei Beiträge um die Rekonstruktion der Ereignisse. Simon Teune bietet eine neutrale Chronik des Protestverlaufs, wohingegen Elke Steven als Mitglied der Beobachtergruppe des <a href="http://www.grundrechtekomitee.de/" target="_blank"><em>Komitees für Grundrechte und Demokratie</em></a> diesen aus einer politisch-kritischen Beobachterperspektive kommentiert.</p>
<p>Danach stellen Rucht und Teune die Befunde einer quantitativen Printmedienanalyse vor. Der Vergleich der Presseerzeugnisse konzentriert sich auf den Umfang, die Themen und die inhaltliche Tendenz der Berichterstattung. Fördern die Ergebnisse insgesamt wenig Neues zu Tage, so fällt im Vergleich zu ähnlichen Protestgroßereignissen der vergangenen Jahre auf, &#8220;dass die Berichterstattung über den offiziellen Gipfel schrumpft, während den Protesten immer mehr Raum gewidmet wird&#8221; (72). Die darauf folgende qualitative Analyse von Pressekommentaren von Rucht zeigt, dass die Kommentarspalten der verschiedenen Zeitungen &#8220;ein breites und durchaus kontroverses Meinungsspektrum&#8221; abbilden. Ergänzend zur textbasierten Auswertung untersucht der Beitrag von Sabrina Herrmann die visuelle Repräsentation der Proteste während der Gipfelwoche in vier verschiedenen Hauptnachrichtensendungen von <a href="http://www.ard.de/" target="_blank">ARD</a>, <a href="http://www.zdf.de/" target="_blank">ZDF</a>, <a href="http://www.rtl.de/" target="_blank">RTL </a>und <a href="http://www.sat1.de/" target="_blank">Sat.1 </a>anhand von Schlüsselbildern.</p>
<p>Im dritten Teil kommen mit der Pressesprecherin von <a href="http://www.attac.de/" target="_blank"><em>attac </em></a>(Frauke Distelrath) und einem Aktivisten des alternativen Medienzentrums (Stefan Zimmer) Protestakteure selbst zu Wort. Die subjektiv gefärbten Perspektiven bieten einen Einblick in die Gegenöffentlichkeitsstrategien der Gipfelkritiker. Die anderen beiden Beiträge sind mit Daniel Schulz und Stefan Raue von Medienschaffenden verfasst, die die Inszenierung der Ereignisse und die Rolle der Medien problematisieren.</p>
<p>Der Schlussteil schließt mit zwei wissenschaftlichen Reflexionen. Mundo Yang präsentiert ein Konzept diskursiver Protestdramaturgien zur Mobilisierung kollektiver Akteure und schärft mit seiner Unterscheidung in partnerschaftliche, antagonistische und kritische Dramaturgien den Blick für die Heterogenität der globalisierungskritischen Bewegung bezüglich ihrer Präsentation in der Öffentlichkeit. Im abschließenden Fazit fassen Rucht und Teune die Lehren zusammen, die alle beteiligten Akteure aus dem Medienereignis &#8220;G8-Gipfel&#8221; ziehen können.</p>
<p>Der Versuch, die Multiperspektivität mit den verschiedenen Beiträgen abzubilden, ist ein lohnenswertes Unterfangen. Der Leser muss allerdings in Kauf nehmen, dass sich der Stil und die Qualität der Beiträge erheblich unterscheiden. Die Beiträge zeichnen sich durch eine klare und verständliche Sprache aus. Damit ist der Band nicht nur einer wissenschaftlichen Community zugänglich, sondern darüber hinaus eine wertvolle Lektüre für Bewegungsakteure und Medienmacher. Der nationale Fokus aller Autoren dürfte die Rezeption der Veröffentlichung eher auf ein deutsches Publikum beschränken. Die internationale Leserschaft sei eher auf vorangegangene Arbeiten besonders von Dieter Rucht verwiesen, die mit ihrer stärkeren theoretischen Ausrichtung das Fundament für die hier vorliegende Fallstudie legen.</p>
<p><em>Links</em>:</p>
<ul>
<li><a href="http://www.campus.de/wissenschaft/soziologie/Nur+Clowns+und+Chaoten%3F.85767.html" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.wzb.eu/zkd/zcm/leute/rucht.de.htm" target="_blank">Webpräsenz von Dieter Rucht am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung</a></li>
<li><a href="http://www.wzb.eu/zkd/zcm/leute/teune.de.htm" target="_blank">Webpräsenz von Simon Teune am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung</a></li>
<li><a href="http://www.fb1.uni-siegen.de/politik/mitarbeiter/baringhorst/" target="_blank">Webpräsenz von Sigrid Baringhorst an der Universität Siegen</a></li>
<li><a href="http://www.fb1.uni-siegen.de/politik/mitarbeiter/hetzer/?lang=de" target="_blank">Webpräsenz von Andreas Hetzer an der Universität Siegen</a></li>
</ul>


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<li><a href='http://www.rkm-journal.de/archives/459' rel='bookmark' title='Permanent Link: Peter J. Schulz; Uwe Hartung; Simone Keller (Hrsg.): Identität und Vielfalt der Kommunikationswissenschaft'>Peter J. Schulz; Uwe Hartung; Simone Keller (Hrsg.): Identität und Vielfalt der Kommunikationswissenschaft</a></li>
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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Moritz Ballensiefen: Bilder machen Sieger – Sieger machen Bilder</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/461</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/461#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 13 Oct 2009 08:05:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einzelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Bildanalyse]]></category>
		<category><![CDATA[Bildmedien]]></category>
		<category><![CDATA[Bildpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Bildwissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Visualisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampfkommunikation]]></category>

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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Benjamin Drechsel</em>

<img class="alignleft size-full wp-image-1497" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/10/ballensiefen2009.jpg" alt="" width="160" height="227" />Der <em>pictorial turn </em>zieht immer weitere Kreise. Unterdessen häufen sich die systematischen Bemühungen um die Erforschung visueller politischer Kommunikation. Politikwissenschaftliche Arbeiten in diesem Bereich waren bislang oft an der Schnittfläche zur Kunstgeschichte angesiedelt und argumentierten insofern aus einer Außenseiterposition heraus. Ganz anders die hier zu besprechende Dissertation von Moritz Ballensiefen, dem es auf etwa 400 Seiten gelungen ist, visuelle Politik ganz und gar aus sozialwissenschaftlicher Perspektive zu erfassen. Ballensiefens Arbeit beruht auf zwei Grundannahmen: Einerseits hält er Bilder für zentrale Instrumente politischer Kommunikation in der Mediengesellschaft; andererseits macht er zu Recht geltend, dass die Politikwissenschaft viele Bereiche dieses Themenfeldes bislang weitgehend vernachlässigt hat. Dazu zählt er auch die von den Parteien unabhängige Medienkommunikation zu Wahlkampfzeiten. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/461">[Mehr]</a>


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<li><a href='http://www.rkm-journal.de/archives/1645' rel='bookmark' title='Permanent Link: Streifzüge durch das Kulturgedächtnis. Ein Essay zu Gerhard Pauls <i>Das Jahrhundert der Bilder</i>'>Streifzüge durch das Kulturgedächtnis. Ein Essay zu Gerhard Pauls <i>Das Jahrhundert der Bilder</i></a></li>
<li><a href='http://www.rkm-journal.de/archives/1075' rel='bookmark' title='Permanent Link: Markus Rhomberg: Politische Kommunikation'>Markus Rhomberg: Politische Kommunikation</a></li>
</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Benjamin Drechsel</em></p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-1497" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/10/ballensiefen2009.jpg" alt="" width="160" height="227" />Der <em>pictorial turn </em>zieht immer weitere Kreise. Unterdessen häufen sich die systematischen Bemühungen um die Erforschung visueller politischer Kommunikation. Politikwissenschaftliche Arbeiten in diesem Bereich waren bislang oft an der Schnittfläche zur Kunstgeschichte angesiedelt und argumentierten insofern aus einer Außenseiterposition heraus. Ganz anders die hier zu besprechende Dissertation von Moritz Ballensiefen, dem es auf etwa 400 Seiten gelungen ist, visuelle Politik ganz und gar aus sozialwissenschaftlicher Perspektive zu erfassen. Ballensiefens Arbeit beruht auf zwei Grundannahmen: Einerseits hält er Bilder für zentrale Instrumente politischer Kommunikation in der Mediengesellschaft; andererseits macht er zu Recht geltend, dass die Politikwissenschaft viele Bereiche dieses Themenfeldes bislang weitgehend vernachlässigt hat. Dazu zählt er auch die von den Parteien unabhängige Medienkommunikation zu Wahlkampfzeiten.</p>
<p>Von diesen Beobachtungen ausgehend, zeigt Ballensiefen am Beispiel des Bundestagswahlkampfs 2005 auf, welche Anleihen die politikwissenschaftliche Kommunikationsforschung wo nehmen müsste, um Bilder in den Blick zu nehmen, ohne dabei ihren eigenen methodologischen Ansprüchen untreu zu werden. Den konkreten Anlass gab dabei ein Fernsehereignis (273-281): In der &#8220;Elefantenrunde&#8221; am Wahlabend des 18. September 2005 äußerte Bundeskanzler Gerhard Schröder eine heftige Medienschelte und behauptete, er sei zum Opfer einer Kampagne geworden. Diesen Vorwurf entkräftet Ballensiefen – zumindest bezüglich der Bildstrategien in den von ihm untersuchten deutschen Printmedien. Ausgewählt hat er für seine Inhaltsanalyse die &#8220;<a href="http://www.bild.de/" target="_blank">Bild</a>&#8220;-Zeitung als wichtigstes nationales Boulevardblatt, die &#8220;<a href="http://www.ftd.de/" target="_blank">Financial Times Deutschland</a>&#8221; als Wirtschaftszeitung, die &#8220;<a href="http://www.sueddeutsche.de/" target="_blank">Süddeutsche Zeitung</a>&#8221; als führende überregionale Qualitätszeitung, die &#8220;<a href="http://www.welt.de/" target="_blank">Welt</a>&#8221; als deren politisches Gegenstück sowie die &#8220;<a href="http://www.derwesten.de/" target="_blank">Westdeutsche Allgemeine Zeitung</a>&#8221; als größte Regionalzeitung.</p>
<p>Zu den typisch sozialwissenschaftlichen Stärken der Arbeit zählt ihre klare Struktur mit vier forschungsleitenden Fragen (57f.):</p>
<ol>
<li><em>Welche visuellen Beeinflussungsformen lassen sich in der untersuchten Berichterstattung nachweisen?</em></li>
<li><em>Wie wurden Gerhard Schröder und seine CDU-Konkurrentin Angela Merkel abgebildet?</em></li>
<li><em>Gab es dabei einen Veränderungsprozess?</em></li>
<li><em>Unterscheidet sich die Bildersprache der untersuchten Printmedien untereinander?</em></li>
</ol>
<p>Bevor diese Fragen explizit beantwortet werden, erfolgen ausführliche Forschungsüberblicke und theoretische Vorarbeiten. Zunächst legt Ballensiefen den Untersuchungsrahmen dar (26-78) und führt in Grundprobleme der visuellen Kommunikationsforschung ein (79-159), dann folgen systematische Überlegungen zur Wahlkampfkommunikation in der Mediendemokratie (160-242) und schließlich eine allgemeine Einordnung der Bundestagswahl 2005 mitsamt der dazugehörigen Berichterstattung (243-283). Dabei wird eine Fülle unterschiedlicher Forschungskonzepte aufgearbeitet. Mehrfach wiederholt der Autor sein Anliegen einer politikwissenschaftlichen Fundierung seines Forschungsansatzes zur visuellen politischen Kommunikation. Insofern dient der bewusst unvollständige (80) Abriss zu Bildanalysemethoden lediglich dazu, die Genese der im letzten Kapitel an die Tageszeitungen angelegten inhaltsanalytischen Kategorien zu erklären. Wichtige Konzepte sind in diesem Zusammenhang etwa Siegfried Freys körpersprachlich orientiertes &#8220;Berner System&#8221; oder das Modell der &#8220;Schlüsselbilder&#8221; des Kommunikationswissenschaftlers Peter Ludes. Einzelne Ansätze werden allerdings sehr verkürzt dargestellt; im Zusammenhang mit der Semiotik (114-117) etwa fehlen eine klare Gegenstandsdefinition sowie Hinweise zum aktuellen bildwissenschaftlichen Streit um den Zeichencharakter der Bilder oder auch zu einem zentralen Referenzautor wie Roland Barthes. Anregender sind die skizzenhaften Überlegungen zum Zusammenhang von Bildern mit Evidenz, Lüge, Macht und Skandalisierung (135-156). Hier wie in den weiteren Teilen des Buchs erweist sich der Autor tendenziell als Bildskeptiker. Auch diese Haltung hat eine gewisse sozialwissenschaftliche Tradition, wird jedoch sehr selten so differenziert ausgeführt.</p>
<p>Das Kapitel zur Wahlkampfkommunikation arbeitet den einschlägigen Forschungsstand in Verbindung mit der Verwendung von Bildmedien auf und zeigt, dass Visualisierung neben Boulevardisierung, Personalisierung oder Skandalisierung ein aktueller Trend ist. Ihr Potenzial zur Erzeugung von Aufmerksamkeit und Glaubwürdigkeit macht Bilder für politische Kommunikatoren reizvoll. Ballensiefen positioniert sich nachvollziehbar kritisch zur angesprochenen Entwicklung, zeigt aber beispielsweise auch, dass die Personalisierung eine wichtige Orientierungsfunktion bieten kann (173).</p>
<p>Die abschließende Auswertung der Inhaltsanalyse (284-388) belegt nachdrücklich die Tendenz zur visualisierenden Personalisierung von Wahlkämpfen. Viele der aufschlussreichen Beobachtungen können nachdenklich stimmen: so etwa indirekte Formen der visuellen Wahlempfehlung, die Marginalisierung anderer Politiker gegenüber Gerhard Schröder und Angela Merkel oder der Negativ-Bias, der beiden politischen Persönlichkeiten in diesem Zusammenhang anhaftet. Viele Ergebnisse wären näher zu diskutieren, beispielsweise die Ausprägung verschiedener Phasen der Bildberichterstattung oder die Manipulationsfrage (294-297). Der Autor konnte hier nur solche Motive in seine Analyse aufnehmen, die offensichtlich bearbeitet waren, und findet etwa in der &#8220;Bild&#8221;-Zeitung viele nicht gekennzeichnete Fälle dieser Art. Veränderungen, die mit bloßem Auge sofort erkennbar sind, dürften allerdings die weniger problematischen Manipulationsformen sein.</p>
<p>Das Buch schließt mit dem Fazit, dass neben den politischen Akteuren auch die Politikwissenschaft gut beraten wäre, sich um mehr &#8220;Macht <em>über </em>die Bilder&#8221; (402) zu bemühen. Der Autor hat eine der bislang stringentesten Bemühungen vorgelegt, genau dies zu erreichen.</p>
<p><em>Links</em>:</p>
<ul>
<li><a href="http://www.vs-verlag.de/index.php;do=show/sid=8912847354ac31d182b434106394496/site=w/book_id=17285" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.nrwschool.de/xd/public/content/index.html?pid=192" target="_blank">Webpräsenz von Moritz Ballensiefen an der NRW School of Governance</a></li>
<li><a href="http://www.kwi-nrw.de/home/profil-bdrechsel.html" target="_blank">Webpräsenz von Benjamin Drechsel am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen</a></li>
</ul>


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<li><a href='http://www.rkm-journal.de/archives/1645' rel='bookmark' title='Permanent Link: Streifzüge durch das Kulturgedächtnis. Ein Essay zu Gerhard Pauls <i>Das Jahrhundert der Bilder</i>'>Streifzüge durch das Kulturgedächtnis. Ein Essay zu Gerhard Pauls <i>Das Jahrhundert der Bilder</i></a></li>
<li><a href='http://www.rkm-journal.de/archives/1075' rel='bookmark' title='Permanent Link: Markus Rhomberg: Politische Kommunikation'>Markus Rhomberg: Politische Kommunikation</a></li>
</ol></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Dorothea Marx: Landtagsabgeordnete im Fokus der Medien</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/557</link>
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		<pubDate>Sun, 04 Oct 2009 22:48:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Abgeordnete]]></category>
		<category><![CDATA[Öffentlichkeitsarbeit]]></category>
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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Werner J. Patzelt</em>

<img class="alignleft size-full wp-image-1542" title="marx2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/10/marx2009.jpg" alt="marx2009" width="160" height="233" />Mit Fug und Recht hat Dorothea Marx ihre Magisterarbeit veröffentlicht. Deren Kern ist eine Online-Befragung aller deutschen Landtagsabgeordneten entlang der Fragestellung, wie vertraut, wie verständnisvoll und wie unabhängig ihr Verhältnis zu Journalisten sei. Es geht auch in Ordnung, dass dieses Verhältnis nur aus der Warte der Abgeordneten, nicht aber spiegelbildlich auch aus jener der Journalisten untersucht wird. Letzteres ist Sache einer Dissertation oder eines eigenen Forschungsprojekts. 568 von 1841 deutschen Landtagsabgeordneten beteiligten sich an der hier publizierten Umfrage, also knapp ein Drittel, was tatsächlich als ein guter Schnitt gelten kann. Methodisch wird diese Umfrage im vorliegenden Band vorzüglich dokumentiert – und zwar bis hin zur Wiedergabe des Fragebogens samt Grundauszählung. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/557">[Mehr]</a>


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<li><a href='http://www.rkm-journal.de/archives/813' rel='bookmark' title='Permanent Link: Axel Kuhn: Vernetzte Medien'>Axel Kuhn: Vernetzte Medien</a></li>
<li><a href='http://www.rkm-journal.de/archives/134' rel='bookmark' title='Permanent Link: Michael Meyen; Nina Springer: Freie Journalisten in Deutschland'>Michael Meyen; Nina Springer: Freie Journalisten in Deutschland</a></li>
</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Werner J. Patzelt</em></p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-1542" title="marx2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/10/marx2009.jpg" alt="marx2009" width="160" height="233" />Mit Fug und Recht hat Dorothea Marx ihre Magisterarbeit veröffentlicht. Deren Kern ist eine Online-Befragung aller deutschen Landtagsabgeordneten entlang der Fragestellung, wie vertraut, wie verständnisvoll und wie unabhängig ihr Verhältnis zu Journalisten sei. Es geht auch in Ordnung, dass dieses Verhältnis nur aus der Warte der Abgeordneten, nicht aber spiegelbildlich auch aus jener der Journalisten untersucht wird. Letzteres ist Sache einer Dissertation oder eines eigenen Forschungsprojekts. 568 von 1841 deutschen Landtagsabgeordneten beteiligten sich an der hier publizierten Umfrage, also knapp ein Drittel, was tatsächlich als ein guter Schnitt gelten kann. Methodisch wird diese Umfrage im vorliegenden Band vorzüglich dokumentiert (63-79) – und zwar bis hin zur Wiedergabe des Fragebogens samt Grundauszählung (169-206). Nebenbei (vor allem auf Seite 67) erfährt man auch einiges über reale Probleme der inzwischen doch recht intensiven Forschungsarbeit über Abgeordnete: Es handelt sich um eine offenbar &#8216;überforschte&#8217; Population, zu der der systematische Zugang mit offiziell unterstützten Forschungsvorhaben seitens der Direktoren der Landtage, doch auch der Landtagspräsidien und Fraktionsführungen, inzwischen weniger gefördert denn entmutigt wird.</p>
<p>Methodisch ist an dieser Arbeit kaum etwas auszusetzen. Schön wäre eine ausdrückliche Reflexion zur Validität der erhobenen Daten gewesen (zum Beispiel anhand der Frage: Wer füllt Online-Fragebögen wirklich aus?), desgleichen eine Erläuterung, warum – wie bei Tabelle 18 – Zusammenhänge zwischen ordinalskalierten Daten durch chi²-basierte Maßzahlen ausgedrückt werden oder warum – wie in Tabelle 19 – ein- und zweiseitige Signifikanzniveaus ganz ohne Aussagen darüber angegeben werden, was die Vermutung wohl inhaltlich bedeuten mag, eine Abweichung vom Kennwert der Nullhypothese sei nur in eine Richtung oder gleich in zwei Richtungen unwahrscheinlich. Auch fragt man sich, ob es denn keinerlei – und sei es explorativen – Anlass für multivariate Analysen gegeben habe. Doch das alles fällt nicht wirklich ins Gewicht.</p>
<p>Ausschlaggebend für das Urteil über diesen Band ist vielmehr der Reichtum und Nutzen des in ihm präsentierten Materials. Es wird in drei Kapiteln aufbereitet. &#8220;Formen und Eigenschaften der Interaktion mit Journalisten&#8221; (80-97) berichtet von der Häufigkeit von Kontakten zwischen Landtagsabgeordneten und Journalisten, von ihrer Intensität und Vertrautheit sowie von ihrer Zielorientierung und ihrem Nutzen. &#8220;Die Wirkung der Medien aus Sicht der MdL&#8221; (98-115) informiert über die Wirkung der Medienberichterstattung auf die Abgeordneten selbst sowie über deren Einschätzung von entsprechenden Wirkungen auf andere. &#8220;Die Bewertung der Medien durch die Abgeordneten&#8221; (116-131) bringt schließlich Urteile der Abgeordneten einesteils zur Medienberichterstattung selbst, andernteils zur Stellung der Medien im politischen Prozess. Die präsentierten Befunde – übersichtlich noch einmal auf den Seiten 132 bis 148 zusammengefasst – schreiben weitgehend schon Bekanntes fort oder differenzieren es aus, vermehren also unseren vor 20 Jahren noch recht dürftigen systematischen Wissensstand über diese wichtige Schnittstelle unseres politischen Systems. Doch insgesamt entsteht ein durchaus neu akzentuiertes Gesamtbild: &#8220;Vertrautheit ohne Vertrauen, kritische Distanz statt symbiotischer Nähe, Instrumentalisierung trotz gefühlter Abhängigkeit&#8221; (148) – so lässt sich das Ergebnis einleuchtend zusammenfassen.</p>
<p>Im Übrigen ist dieser Band eine typische Qualifikationsarbeit. Dies zeigt sich daran, dass mit einiger Liebe zum Detail auch noch die größeren systematischen Zusammenhänge des eigentlichen Themas ausgeleuchtet werden. Da findet sich ein instruktives, das Wesentliche auch für Lehrzwecke schön zusammenfassendes Kapitel über &#8220;Die Systeme Politik und Medien und ihre Akteure&#8221; (13-39), wo zum einen die unterschiedlichen Ausdeutungsmöglichkeiten des Verhältnisses zwischen Politikern und Journalisten, zum anderen die Interaktionsmodi und Konfliktpotenziale im &#8216;Handlungssystem aus Politikern und Journalisten&#8217; abgehandelt werden. Da findet sich ein nicht minder nützliches Kapitel über die &#8220;Bedingungen der Interaktion [zwischen Abgeordneten und Journalisten] auf Landesebene&#8221; (40-62), wo die Medienlandschaft der Bundesländer, die für parlamentarische Öffentlichkeitsarbeit wichtigen Merkmale ihrer politischen Systeme sowie ganz allgemein die Züge (landes-)politischer Medienberichterstattung erörtert werden.</p>
<p>Für Letzteres hätte es zwar den vorliegenden Band nicht gebraucht. Doch dieses Material ergänzt aufs Beste seinen wertvollen empirischen Ertrag. Wir hätten gerne mehr Magisterarbeiten dieser Art.</p>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.nomos-shop.de/productview.aspx?product=11135" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://tu-dresden.de/die_tu_dresden/fakultaeten/philosophische_fakultaet/ifpw/polsys/mitarbeiter/lehrstuhlinhaber" target="_blank">Webpräsenz von Werner J. Patzelt an der TU Dresden</a></li>
</ul>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Matthias Künzler: Die Liberalisierung von Radio und Fernsehen</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/497</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/497#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 28 Sep 2009 22:18:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Fernsehen]]></category>
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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Hans J. Kleinsteuber</em>

<img class="alignleft size-full wp-image-1449" title="künzler2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/06/künzler2009.jpg" alt="künzler2009" width="160" height="243" />Diese voluminöse Dissertation (375 Seiten) ist in der Züricher Kommunikationswissenschaft entstanden. Der Autor ist Oberassistent am <a href="http://www.ipmz.uzh.ch/de/index.html" target="_blank">Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung</a> (IPMZ) und legte diese Arbeit 2008 vor. Unter seinem Leitbegriff Liberalisierung geht es dem Autor um die – wie er sagt – folgenschweren medienpolitischen Entscheidungen seit den 1980er Jahren, die zu den heutigen dualen Rundfunksystemen führten. Dieses Konzept von Liberalisierung hat wenig mit dem politischen Liberalismus zu tun, vielmehr bezeichnet es "die Öffnung des Marktzutritts für private Unternehmen zu einem Bereich[,] zu dem […] der Markteintritt bislang verwehrt geblieben war, und wo eine Leistungserbringung durch ein zumeist öffentliches Monopolunternehmen erfolgt ist", oder aber "die Einführung von Wettbewerb oder die Erhöhung der Wettbewerbsintensität". Damit wird der Sachverhalt klar – ich würde ihn nicht unter Liberalisierung fassen. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/497">[Mehr]</a>


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</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Hans J. Kleinsteuber</em></p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-1449" title="künzler2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/06/künzler2009.jpg" alt="künzler2009" width="160" height="243" />Diese voluminöse Dissertation (375 Seiten) ist in der Züricher Kommunikationswissenschaft entstanden. Der Autor ist Oberassistent am <a href="http://www.ipmz.uzh.ch/de/index.html" target="_blank">Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung</a> (IPMZ) und legte diese Arbeit 2008 vor. Unter seinem Leitbegriff Liberalisierung geht es dem Autor um die – wie er sagt – folgenschweren medienpolitischen Entscheidungen seit den 1980er Jahren, die zu den heutigen dualen Rundfunksystemen führten. Dieses Konzept von Liberalisierung hat wenig mit dem politischen Liberalismus zu tun, vielmehr bezeichnet es &#8220;die Öffnung des Marktzutritts für private Unternehmen zu einem Bereich[,] zu dem […] der Markteintritt bislang verwehrt geblieben war, und wo eine Leistungserbringung durch ein zumeist öffentliches Monopolunternehmen erfolgt ist&#8221;, oder aber &#8220;die Einführung von Wettbewerb oder die Erhöhung der Wettbewerbsintensität&#8221; (332). Damit wird der Sachverhalt klar – ich würde ihn nicht unter Liberalisierung fassen.</p>
<p>Was ist damals und seitdem passiert? Dem Phänomen nähert sich der Autor über mehrere Etappen. Zuerst einmal beschäftigt er sich mit Grundlagen der Medienpolitik und Medienregulierung, wobei er – in bester Züricher Tradition – diese Begriffe sehr ähnlich einsetzt. In einem zweiten Schritt wird der Ansatz komparativ angelegt, verglichen werden die Entwicklungen in den drei Staaten Schweiz, Österreich und Irland. Diese Auswahl wird – wie es sich für eine komparative Arbeit gehört – begründet: Es handelt sich um europäische Kleinstaaten mit vergleichbarer Ausgangssituation. In einer dritten Etappe stellt der Autor – ausgehend von Keynes (&#8220;ideas […] are more powerful than is commonly understood&#8221;) – Ideen in den Mittelpunkt. Das eher allgemeine Konzept der Idee operationalisiert er, indem er an Ansätze der sozialkonstruktivistischen Wissenssoziologie (Berger/Luckmann) anschließt und die unterschiedlichen Deutungsmuster und Leitbilder in den Vergleichsstaaten in den Mittelpunkt stellt. Sie differieren deutlich, wobei sie an unterschiedliche Erfahrungen und Herausforderungen anknüpfen. Schließlich erreicht die Darstellung die Etappe der Falluntersuchung, wobei – durchaus originell – nicht nur die üblichen Dokumente untersucht werden (Gesetze, nationale Studien), sondern auch Parlamentsdebatten zum Politikfeld Medien.</p>
<p>Die Erträge dieser Studie sind beachtlich und durchaus als originärer Beitrag zur vergleichenden Analyse von medienpolitischen Prozessen zu sehen. So wird ein Zusammenhang zwischen medienpolitischen Detailentscheidungen und Ideen hergestellt (Pfetsch würde wahrscheinlich &#8220;Kommunikationsmilieus&#8221; dazu sagen). Damit kann Künzler erklären, warum in Europa trotz ähnlicher Ausgangsbedingungen die politischen Prozesse bei der Kommerzialisierung des Rundfunksystems recht unterschiedlich abliefen. Irland ging in seiner Gesetzesarbeit von liberalen Traditionen aus (was Hallin/Mancini und ihre Thesen in &#8220;Comparing Media Systems&#8221; bestätigt) und öffnete eher forsch seine Märkte. Österreich ging zögerlicher vor und legte, beruhend auf schlechten eigenen Erfahrungen, erheblichen Wert auf die Regulierung crossmedialer Konzentration. Ähnlich vorsichtig bewegte sich die Schweiz, die auf ihre Sprachregionen Rücksicht nehmen und Lösungen für starke wie schwache Landesteile finden musste.</p>
<p>Künzlers Arbeit leistet damit auch einen Beitrag zum besseren Verständnis der besonderen Herausforderungen, denen sich Kleinstaaten in der Rundfunkpolitik gegenüber sehen. Bei den bearbeiteten Staaten stellen sich diese Strukturbedingungen ähnlich dar, dazu zählen unter anderem kleine Heimmärkte, eher geringe Ressourcen für den Aufbau einer eigenen Rundfunkindustrie, starke Overspill-Effekte durch Einstrahlung aus großen, gleichsprachigen Nachbarstaaten (25). Das stimmt für diese Auswahl, ist aber bei anderen Kleinstaaten weniger gegeben – etwa in Dänemark, gleichfalls neben Deutschland gelegen, aber mit eigener Sprache.</p>
<p>Die Studie kommt zu interessanten Ergebnissen, was die Veränderung von Regulierung anbetrifft. So wird betont, dass es sich um einen Prozess handelt, bei dem keineswegs Deregulierung im Vordergrund stand, sondern ganz im Gegenteil neue Regulierungsinstrumente und -instanzen geschaffen wurden. Deutlich wird auch die politische Grundierung des Prozesses, bei dem es um &#8220;Limitierung des öffentlichen Interesses&#8221; (334) geht. Leitbilder können nur dann politisch wirksam werden, wenn sie mit politischer (hier vor allem: parlamentarischer) Macht versehen und damit umgesetzt werden können. Dies geschieht in wechselnden politischen Koalitionen einschließlich damit verbundenen Brüchen, wobei die Akteure sich auch intern wandeln können. Signalisieren Leitbilder so etwas wie Konstanten im politischen Prozess, so ergeben sich angesichts der konkreten politischen Verhältnisse auch wieder spezifische Entwicklungen. In Irland zum Beispiel wurde das öffentliche System nach schlechten Erfahrungen teilweise von denselben Kräften, die überstürzt liberalisierten, wieder gestärkt.</p>
<p>Schließlich beschäftigt sich Autor Künzler auch mit dem (ökonomischen) Konzept des Regulierungsversagens. Dazu resümiert er: &#8220;Der Verzicht auf die Einführung bestimmter Regulierungsmassnahmen ist kein Regulierungsversagen, sondern kann auf einer bewussten medienpolitischen Entscheidung beruhen.&#8221; (340) Oder deutlicher: Man wollte der Presse eine Diversifizierung in den Privatrundfunk ermöglichen und gab politische Flankenhilfe. Künzler sagt: um ihr neue Einnahmemöglichkeiten zu eröffnen; ich würde hinzufügen: auch um sich günstige Berichterstattung für die nächste Wahl zu erkaufen. Ähnlich würde ich argumentieren, dass die hier sorgsam entwickelten Leitbilder mitunter weniger in der Gesellschaftsstruktur wurzeln als in PR-Agenturen, die sich Begründungen für handfeste Forderungen an Politik und Öffentlichkeit ausdenken.</p>
<p>In der Summe handelt es sich hier um eine begrüßenswerte Studie, die auf mehreren Ebenen wissenschaftlichen Zugewinn bringt. Das Konzept der Idee als starker Einflussfaktor in der Medienpolitik wird elaboriert, was richtig ist, auch wenn ich die Begrifflichkeit anders wählen würde. Der Vergleich wird methodisch sauber eingesetzt und führt zu beachtlichen Ergebnissen. Innovativ ist dabei vor allem die qualitative Analyse von Parlamentsverhandlungen. Für den Rezensenten aus einem Mediengroßstaat ist die Kleinstaatenperspektive auf Medienpolitik besonders erhellend. Dass die Marktöffnung für kommerzielle Rundfunkakteure begrifflich als Liberalisierung geführt wird, halte ich nicht für optimal. Freilich gelingt es dem Autor, die spezifische Dynamik medienpolitischer Prozesse darzustellen – mit ihrer allgemeinen Zielrichtung, aber auch den vielen Besonderheiten und Zufälligkeiten, in denen diese Prozesse unter den unterschiedlichen regionalen Bedingungen durchgesetzt wurden. Das Buch ist lesenswert, doch hätten einige Kürzungen seiner Substanz nicht geschadet.</p>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.uvk.de/buch.asp?ISBN=9783867641548&amp;WKorbUID=6914557&amp;TITZIF=2276&amp;be=&amp;uBe=" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.ipmz.uzh.ch/de/abteilungen/medienpolitik/team/matthias-kuenzler.html" target="_blank">Webpräsenz von Matthias Künzler an der Universität Zürich</a></li>
<li><a href="http://www.wiso.uni-hamburg.de/index.php?id=6520" target="_blank">Webpräsenz von Hans J. Kleinsteuber an der Universität Hamburg</a></li>
</ul>


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<li><a href='http://www.rkm-journal.de/archives/1058' rel='bookmark' title='Permanent Link: Birgit Stark; Melanie Magin (Hrsg.): Die österreichische Medienlandschaft im Umbruch'>Birgit Stark; Melanie Magin (Hrsg.): Die österreichische Medienlandschaft im Umbruch</a></li>
</ol></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Johanna Dorer; Brigitte Geiger; Regina Köpl (Hrsg.): Medien – Politik – Geschlecht</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/487</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/487#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 29 Aug 2009 17:00:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<guid isPermaLink="false">http://www.rkm-journal.de/?p=487</guid>
		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Ulla Wischermann</em>

<img class="size-full wp-image-970 alignleft" title="doreretal2008" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/05/doreretal2008.jpg" alt="doreretal2008" width="160" height="226" />Ausgangspunkt dieses von österreichischen Kommunikations- wissenschaftlerinnen herausgegebenen Sammelbandes ist die Feststellung, dass die klassische politische Kommunikationsforschung im deutschsprachigen Raum, insbesondere die einschlägigen Handbücher, einem geschlechtsblinden Diskurs folgen. Nach wie vor sei generalisierend die Rede "von Politikern, von Journalisten, von Spindoktoren und nicht zuletzt von Bürgern und Rezipienten" und die Thematik werde allgemein verortet im Spektrum von Öffentlichkeits- und Demokratietheorien, in denen die Kategorie Geschlecht nur unzulänglich berücksichtigt sei. Dieses Forschungsdesiderat zu kritisieren und die Strukturkategorie Geschlecht in die Analyse politischer Kommunikation zu integrieren, ist das Ziel der hier versammelten Beiträge. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/487">[Mehr]</a>


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</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Ulla Wischermann</em></p>
<p><img class="size-full wp-image-970 alignleft" title="doreretal2008" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/05/doreretal2008.jpg" alt="doreretal2008" width="160" height="226" />Ausgangspunkt dieses von österreichischen Kommunikations- wissenschaftlerinnen herausgegebenen Sammelbandes ist die Feststellung, dass die klassische politische Kommunikationsforschung im deutschsprachigen Raum, insbesondere die einschlägigen Handbücher, einem geschlechtsblinden Diskurs folgen. Nach wie vor sei generalisierend die Rede &#8220;von Politikern, von Journalisten, von Spindoktoren und nicht zuletzt von Bürgern und Rezipienten&#8221; &#8211; und die Thematik werde allgemein verortet im Spektrum von Öffentlichkeits- und Demokratietheorien, in denen die Kategorie Geschlecht nur unzulänglich berücksichtigt werde (7). Dieses Forschungsdesiderat zu kritisieren und die Strukturkategorie Geschlecht in die Analyse politischer Kommunikation zu integrieren, ist das Ziel der hier versammelten Beiträge.</p>
<p>Der Band ist in drei Teile gegliedert. Im ersten Teil geht es um &#8220;Grundlagen und feministische Zugänge&#8221;. Den Beginn macht hier die renommierte US-amerikanische Expertin für politische Philosophie Nancy Fraser, die bereits seit Jahren mit ihren differenzierten Kritiken und Reflexionen die Theorien zu Öffentlichkeit und Demokratie erweitert, nachhaltig beeinflusst und bereichert hat. Der hier aufgenommene Aufsatz konzentriert sich auf die Frage, wie angesichts transnationaler Phänomene Grundbausteine der Öffentlichkeitstheorie neu zu denken und welche demokratiepolitischen Prämissen dabei weiterhin grundlegend und unverzichtbar sind (18ff.). Gemäß der Erkenntnis, dass Öffentlichkeit als gesellschaftlicher Verständigungsprozess zu sehen ist, dessen Eckpunkte vom Privaten und vom Öffentlichen gebildet werden, setzt sich dann Regina Köpl versiert und kenntnisreich mit der Öffentlichkeitskritik aus feministischer Sicht auseinander und hinterfragt vor allem die übliche Dichotomisierung &#8216;privat/öffentlich&#8217;. Sie betont, dass Konzepte von Öffentlichkeit stets auch das Nicht-Öffentliche, das Private mitdenken müssen und dass Wandlungsprozesse in politischer Kommunikation auf den feministischen Diskurs zurückwirken müssen und vice versa (35ff.). Mit dem dritten Beitrag im Grundlagenteil wird ein schon fast klassisch gewordener und viel zitierter Aufsatz von Elisabeth Klaus aus dem Jahr 1996 wieder zugänglich gemacht. Unter dem vielsagenden Titel &#8220;Der Gegensatz von Information ist Desinformation, der Gegensatz von Unterhaltung ist Langeweile&#8221; wird hier eine weitere grundlegende Dichotomie, nämlich die von Information und Unterhaltung sowie ihre geschlechtsspezifische Zuordnung und Hierarchisierung, hinterfragt und kritisiert (51ff.).</p>
<p>Nachdem durch diese Beiträge Grundpfeiler für eine differenziertere Analyse von politischen Kommunikationsprozessen gesetzt sind, behandelt der zweite Teil des Buches &#8220;Akteure und Akteurinnen&#8221; politischer Kommunikation. Der Bogen wird hier weit gespannt. Er reicht von der Geschlechterdarstellung in den Nachrichten (Birgit Wolf) und die Darstellung von Politikerinnen in den deutschen (Christina Holtz-Bacha) sowie in den österreichischen Medien (Günther Pallaver/Günther Lengauer; Sieglinde Katharina Rosenberger) über eine Analyse von Diskursen über die Frauenbewegung in den Medien (Eva Flicker) bis hin zur Frage nach politischer Frauenorganisation im Cyberspace (Wendy Harcourt).</p>
<p>Besonders positiv ins Auge fallen hier die Beiträge von Margreth Lünenborg und Johanna Dorer. Lünenborg zeichnet den Prozess des Gendering im Politikressort nach und unterscheidet dabei die Ebene der journalistischen Akteurinnen und Akteure und die der Repräsentation, also der Darstellung von Politik in den Medien (155ff.). Auch wenn inzwischen ein relativ ausgeglichenes Verhältnis von Journalisten und Journalistinnen im Politikressort (außer in Führungspositionen) bestehe, heiße das nicht automatisch, dass sich ein &#8216;weiblicher Blick&#8217; in der Politikberichterstattung profiliere. Das sei übrigens auch nicht das Hauptaugenmerk neuerer Frauen- und Geschlechterforschung, die Wert darauf legt, verschiedene Achsen und Aspekte des journalistischen Handelns in ihrer Interaktion zu rekonstruieren und nicht Geschlecht als einzig determinierenden Faktor zu sehen. Das &#8220;doing gender while doing journalism&#8221; im Politikressort – so Lünenborg – muss als &#8220;prozessuale und kontextgebundene Redaktionsforschung&#8221; noch viel systematischer erforscht werden (168).</p>
<p>Dorer wendet sich der anderen Seite der Medienforschung zu &#8211; und zwar der Rezeptionsseite (172ff.). Auf Basis einer qualitativen Analyse (mit der Methode der Erinnerungsarbeit) zeigt sie die komplizierte Verschränkung von gesellschaftlichem Geschlechterdiskurs, medialer Geschlechterpositionierung und der Selbstpositionierung der Rezipientinnen und Rezipienten. Sie stellt heraus, dass Begriffe wie Information, Unterhaltung oder politische Berichterstattung bereits so stark geschlechtlich kodiert sind, dass &#8220;dieser Umstand auf die Selbstkonstruktion im Rezeptionsprozess Auswirkungen hat&#8221; (185).</p>
<p>Im dritten Teil des Buches geht es um unterschiedliche &#8220;Politikfelder&#8221;. Angesichts der Fülle möglicher Thematiken verwundert es nicht, dass die Beiträge in diesem Teil relativ heterogen sind und kein zusammengenommenes Ganzes bilden (können). Es geht um: die Herstellung von Öffentlichkeit für Gewalt an Frauen (Brigitte Geiger), Altersbilder in den Medien (Ingrid Voglmayr), eine Analyse von antirassistischen Kampagnen (Johanna Schaffer) und Überlegungen zu internationaler Entwicklungspolitik im Kontext neuer Informations- und Kommunikationstechnologien (Hanna Hacker). Die Politikwissenschaftlerinnen Sabine Lang und Birgit Sauer legen eine Studie vor, die deutlich macht, wie sehr im bundesdeutschen Wahlkampf 2002 Frauenpolitik auf Familienpolitik reduziert wurde (190ff.). Diese &#8220;Refamiliarisierung der geschlechterpolitischen Debatte&#8221;, in der Frauen fast nur als Mütter adressiert wurden und Väter unsichtbar blieben, kam einer De-Thematisierung von Frauenpolitik gleich (201). Sie wurde von allen beteiligten Akteuren, auch den Medien, mitgetragen &#8211; und dies über die Parteigrenzen hinweg. Aus kommunikationswissenschaftlicher Perspektive beleuchten dann Elisabeth Klaus und Susanne Kassel im letzten Beitrag des Bandes, wie in der Kriegsberichterstattung Frauenrechte für die Legitimation von Krieg instrumentalisiert werden können (266ff.). Die Logik des Krieges, die Logik der Medienberichterstattung und die Logik der Geschlechterdichotomie – so die Autorinnen – führen in ihrem Zusammenspiel letztlich dazu, eine umfassende Behandlung der Ursachen der Frauenunterdrückung zu verhindern (266).</p>
<p>Generell kann gesagt werden, dass der Band wichtige Ergebnisse zur politischen Kommunikationsforschung präsentiert. Er bündelt Ansätze und Analysen aus der Frauen- und Geschlechterforschung, die das Feld bereichern (müssten) und ist zudem sehr gut als einführendes Lehrbuch geeignet. Dieser intendierte Überblickscharakter des Buches macht es auch erklärlich, dass fünf der 17 Beiträge bereits früher publiziert waren, aber doch großteils für diesen Sammelband aktualisiert oder bearbeitet wurden.</p>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.vs-verlag.de/index.php;do=show/site=w/book_id=10567/sid=0d376633d28a90551775e4365956b4b6" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://homepage.univie.ac.at/johanna.dorer/" target="_blank">Webpräsenz von Johanna Dorer am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien</a></li>
<li><a href="http://politikwissenschaft.univie.ac.at/institut/personen/wissenschaftliches-personal/koepl/" target="_blank">Webpräsenz von Regina Köpl am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien</a></li>
<li><a href="http://www.cgc.uni-frankfurt.de/cgc-m-wischermann.shtml" target="_blank">Webpräsenz von Ulla Wischermann am Cornelia Goethe Centrum</a></li>
</ul>


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<li><a href='http://www.rkm-journal.de/archives/813' rel='bookmark' title='Permanent Link: Axel Kuhn: Vernetzte Medien'>Axel Kuhn: Vernetzte Medien</a></li>
<li><a href='http://www.rkm-journal.de/archives/557' rel='bookmark' title='Permanent Link: Dorothea Marx: Landtagsabgeordnete im Fokus der Medien'>Dorothea Marx: Landtagsabgeordnete im Fokus der Medien</a></li>
</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Frank Bösch: Öffentliche Geheimnisse</title>
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		<pubDate>Sat, 25 Jul 2009 15:11:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einzelrezension]]></category>
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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Thomas Birkner</em>

<img class="alignleft size-full wp-image-821" title="bösch2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/05/bösch2009.jpg" alt="bösch2009" width="160" height="243" />Sex sells! Schon vor 1900 druckten die Zeitungen und Illustrierten in Großbritannien und Deutschland gerne Bilder von nackten afrikanischen Brüsten. Als jedoch die sexuelle Ausbeutung von Afrikanerinnen durch Kolonialbeamte über die Medien in der Öffentlichkeit bekannt wurde, kam es zu handfesten Skandalen. Definiert als durch Veröffentlichung entstandene Empörung über einen Normbruch, hat der Historiker Frank Bösch Skandale in den Mittelpunkt seines Buches zum Zusammenhang von Politik und Medien in den Jahren 1880 bis 1914 gestellt. Darin bündelt er auch seine aufwändigen Recherchen zur Medialisierung an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Insgesamt untersucht Bösch sechs Skandalfelder: Homosexualität, Ehebruch, Kolonialismus, Journalismus, Königshäuser und Korruption. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/493">[Mehr]</a>


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</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Thomas Birkner</em></p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-821" title="bösch2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/05/bösch2009.jpg" alt="bösch2009" width="160" height="243" />Sex sells! Schon vor 1900 druckten die Zeitungen und Illustrierten in Großbritannien und Deutschland gerne Bilder von nackten afrikanischen Brüsten (230; vgl. Gebhardt 2001). Als jedoch die sexuelle Ausbeutung von Afrikanerinnen durch Kolonialbeamte über die Medien in der Öffentlichkeit bekannt wurde, kam es zu handfesten Skandalen. Definiert als durch Veröffentlichung entstandene Empörung über einen Normbruch (9), hat der Historiker Frank Bösch Skandale in den Mittelpunkt seines Buches zum Zusammenhang von Politik und Medien in den Jahren 1880 bis 1914 gestellt. Darin bündelt er auch seine aufwändigen Recherchen zur Medialisierung (vgl. Meyen 2009) an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert (vgl. Bösch 2004a, 2004b, 2005a, 2005b, 2006; Bösch/Frei 2006).</p>
<p>Insgesamt untersucht Bösch sechs Skandalfelder: Homosexualität, Ehebruch, Kolonialismus, Journalismus, Königshäuser und Korruption. Dabei versteht er Medien als „Beobachtungssystem zweiter Ordnung“ (18), stellt aber dennoch klar, dass man insbesondere im Falle der von ihm untersuchten „Homosexualitätsskandale“ nicht von einem „eigenständigen System“ (158) bzw. in der Terminologie Pierre Bourdieus nicht von klar getrennten, autonomen Feldern (472) sprechen könne. Denn die Medienskandale (vgl. Burkhardt 2007) sind zumeist politisch motiviert.</p>
<p>Mit sorgfältiger Quellenarbeit, der Auswertung zahlreicher Zeitungen und Dokumente aus 23 Archiven zu 30 Skandalen, breitet Bösch detailliert die Vorgeschichte aus, vor deren Hintergrund sich der jeweilige Skandal dann abspielt. Anschaulich beschreibt er das politische Setting, stellt die Verlaufsformen der Skandale dar, sucht nach Mustern und weist nach, wie und von wem die Skandale lanciert wurden.</p>
<p>Dabei erstaunt zum einen, dass es in beiden Ländern nicht die aufkommenden ‚kommerziellen’ Massenblätter sind, die die Skandale anschieben, sondern in einigen Fällen Politiker, zumeist jedoch die parteipolitisch gebundenen Zeitungen. Die Veröffentlichung der Skandale diente laut Bösch vornehmlich politischen Interessen und nicht der Steigerung der Auflage. So ist es der sozialdemokratische „Vorwärts“, der 1902 den Vorwurf, der Großindustrielle Krupp vergnüge sich mit Knaben auf Capri, in die Öffentlichkeit bringt. Dabei hatte Krupp schon vor dem sich dann entfesselnden Skandal seine Frau in ein Sanatorium gesteckt, weil er wohl von ihr Enthüllungen fürchtete. Kurz nach dem Skandal nahm er sich „aller Wahrscheinlichkeit nach“ (104) das Leben.</p>
<p>Vertuschung, so die zweite wichtige Erkenntnis, sieht Bösch als sekundären Skandal (76) bzw. als zweite Phase des Skandals (157). Dies ist auch heute zu beobachten. Meist ist erst die Reaktion eines Unternehmens auf Enthüllungen (wie bei den Bespitzelungsskandalen bei Deutscher Bahn AG oder Deutscher Telekom AG), der Versuch, die Öffentlichkeit zu täuschen, der eigentliche Skandal. Deshalb ist es journalistische Praxis, immer noch Munition für weitere Runden der Eskalation in der Hinterhand zu haben, so wie dies vor hundert Jahren schon der gelernte Journalist und Zentrumsabgeordnete Matthias Erzberger praktizierte (297).</p>
<p>Dies- und jenseits des Ärmelkanals macht Bösch je einen Starjournalisten in Skandalfragen aus: William Thomas Stead und Maximilian Harden. Die beiden hatte er bereits als „Volkstribune und Intellektuelle“ (Bösch 2006) porträtiert, in dem von Clemens Zimmermann herausgegebenen Buch „Politischer Journalismus, Öffentlichkeiten und Medien im 19. und 20. Jahrhundert“. Deshalb verwundert, dass er die im gleichen Band publizierten journalismusrelevanten Erkenntnisse von Barbara Duttenhöfer (2006) zur Zabern-Affäre ungenutzt lässt und vor allem auf Hans-Ulrich Wehler rekurriert, der diesen Skandal schon 1970 thematisierte (vgl. Wehler 1970), ihn aber vor allem politisch deutete (Wehler 1995: 1129).</p>
<p>Davon abgesehen treibt Bösch den Forschungsstand enorm voran (vgl. u. a. Kohlrausch 2005; Geppert 2007) und festigt seine Position als Kapazität auf dem Gebiet. Als Spezialist des transnationalen Vergleichs (Bösch/Geppert 2008; vgl. Chapman 2005) stellt er heraus, dass man die Liberalität Großbritanniens nicht überschätzen, die Medialisierung und Demokratisierung im deutschen Kaiserreich nicht unterschätzen solle. Für Großbritannien offenbart er damit für die Jahre nach 1900 eine bisher so nicht vermutete Nähe von Politik und Journalismus; die von ihm untersuchten Skandale zeigen die Grenzen journalistischer Unabhängigkeit auf.</p>
<p>In Deutschland dagegen lässt sich im Zuge der Skandale eine zunehmende Politisierung der Gesellschaft diagnostizieren. Hier kann Bösch den Nachweis der Agenda-Setting-Funktion der Medien über die Auswertung von Spitzelberichten der Hamburger Politischen Polizei führen, die Gespräche vornehmlich in Arbeiterkneipen belauscht und aufgezeichnet hatte (vgl. Bösch 2004a; Evans 1989).</p>
<p>Diese heute wertvolle Quelle für die Medienrezeption jener Jahre zeigt, dass das Kaiserreich ein autoritärer Staat blieb, der selbstverständlich seine Bürger belauschte, ungeachtet der von Bösch detailreich nachgewiesenen Stärkung von Parlament und Pressefreiheit. Und gehörte Antisemitismus zum Standardrepertoire fast jeder politischen Diskussion in Deutschland, so konnte Bösch ihn zwar auch in England nachweisen, doch einen Blumentopf gab es damit in der politischen Auseinandersetzung kaum zu gewinnen. Wohl auch deshalb führten die Wege der beiden führenden Industrienationen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts trotz vieler Gemeinsamkeiten in ganz unterschiedliche Richtungen.</p>
<p><em>Literatur:</em></p>
<ul>
<li>Bösch, F.: „Zeitungsberichte im Alltagsgespräch. Mediennutzung, Medienwirkung und Kommunikation im Kaiserreich“. In: <em>Publizistik</em>, 49, 2004a, S. 319-336.</li>
<li>Bösch, F.: „Das Private wird politisch: Die Sexualität des Politikers und die Massenmedien des ausgehenden 19. Jahrhunderts“. In: <em>Zeitschrift für Geschichtswissenschaft</em>, 52, 2004b, S. 781-801.</li>
<li>Bösch, F.: „Zwischen Populärkultur und Politik. Britische und deutsche Printmedien im 19. Jahrhundert“. In: <em>Archiv für Sozialgeschichte</em>, 45, 2005a, S. 549-584.</li>
<li>Bösch, F.: „Die Zeitungsredaktion“. In: Gisthövel, A.; H. Knoch (Hrsg.): <em>Orte der Moderne – Erfahrungswelten des 19. und 20. Jahrhunderts</em>. Frankfurt am Main, New York [Campus] 2005b, S. 71-80.</li>
<li>Bösch, F.: „Volkstribune und Intellektuelle: W. T. Stead, Maximilian Harden und die Transformation des politischen Journalismus in Deutschland und Großbritannien“. In: Zimmermann, C. (Hrsg.): <em>Politischer Journalismus, Öffentlichkeiten und Medien im 19. und 20. Jahrhundert</em>. Ostfildern [Thorbecke] 2006, S. 99-120.</li>
<li>Bösch, F.; N. Frei (Hrsg.): <em>Medialisierung und Demokratie im 20. Jahrhundert</em>. Göttingen [Wallstein] 2006.</li>
<li>Bösch, F.; D. Geppert (Hrsg.): <em>Journalists as Political Actors. Transfers and Interactions between Britain and Germany since the late 19th Century</em>. Augsburg [Wißner] 2008.</li>
<li>Burkhardt, S.: <em>Medienskandale – zur moralischen Sprengkraft öffentlicher Diskurse</em>. Köln [Halem] 2007.</li>
<li>Chapman, J.: <em>Comparative Media History</em>. Cambridge [Polity] 2005.</li>
<li>Duttenhöfer, B.: „Innovationen um 1900: Investigativer und lokaler Journalismus – Frauenjournalismus – Visualisierung“. In: Zimmermann, C. (Hrsg.): <em>Politischer Journalismus, Öffentlichkeiten und Medien im 19. und 20. Jahrhundert</em>. Ostfildern [Thorbecke] 2006, S. 139-168.</li>
<li>Evans, R. J. (Hrsg.): <em>Kneipengespräche im Kaiserreich. Stimmungsberichte der Hamburger Politischen Polizei 1892-1914</em>. Reinbek [Rowohlt] 1989.</li>
<li>Gebhardt, H.: „’Halb kriminalistisch, halb erotisch’: Presse für die ’niederen Instinkte’. Annäherungen an ein unbekanntes Kapitel deutscher Mediengeschichte“. In: Maase, M.; W. Kaschuba (Hrsg.): <em>Schund und Schönheit. Populäre Kultur um 1900</em>. Köln, Weimar, Wien [Böhlau] 2001, S. 184-217.</li>
<li>Geppert, D.: <em>Pressekriege – Öffentlichkeit und Diplomatie in den deutsch-britischen Beziehungen 1896-1912</em>. München [Oldenbourg] 2007.</li>
<li>Kohlrausch, M.: <em>Der Monarch im Skandal. Die Logik der Massenmedien und die Transformation der wilhelminischen Diplomatie</em>. Berlin [Akademie] 2005.</li>
<li>Meyen, M.: &#8220;Medialisierung&#8221;. In: <em>Medien und Kommunikationswissenschaft</em>, 57, 2009, S. 23-38.</li>
<li>Wehler, H.-U.: „Symbol des halbabsolutistischen Herrschaftssystems: Der Fall Zabern 1913/14 als Verfassungskrise des Wilhelminischen Kaiserreichs“. In: ders. (Hrsg.): <em>Krisenherde des Kaiserreichs: 1871-1918. Studien zur deutschen Sozial- und Verfassungsgeschichte</em>. Göttingen [Vandenhoeck &amp; Ruprecht] 1970, S. 65-74.</li>
<li>Wehler, H.-U.: <em>Deutsche Gesellschaftsgeschichte. 3. Band: Von der „Deutschen Doppelrevolution“ bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges 1849-1914</em>. München [Beck] 1995.</li>
</ul>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.oldenbourg-wissenschaftsverlag.de/olb/de/1.c.1607767.de" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.uni-giessen.de/cms/fbz/fb04/institute/geschichte/fachjournalistik/personen/-1p-4hi-5fj-8p-p45-" target="_blank">Webpräsenz von Frank Bösch an der Universität Gießen</a></li>
<li><a href="http://www.wiso.uni-hamburg.de/index.php?id=9204" target="_blank">Webpräsenz von Thomas Birkner an der Universität Hamburg</a></li>
</ul>


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<li><a href='http://www.rkm-journal.de/archives/2384' rel='bookmark' title='Permanent Link: Frank Fechner; Axel Wössner: Journalistenrecht'>Frank Fechner; Axel Wössner: Journalistenrecht</a></li>
</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Kathrin Kissau; Uwe Hunger: Politische Sphären von Migranten im Internet</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/499</link>
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		<pubDate>Mon, 13 Jul 2009 11:23:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Anne Weibert</em>

<img class="alignleft size-full wp-image-760" title="kissau&#38;hunger2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/05/kissauhunger2009.jpg" alt="kissau&#38;hunger2009" width="160" height="226" />Welche Möglichkeiten eröffnet das Internet für politische Partizipation und gesellschaftliche Teilhabe von Migranten in Deutschland und in den jeweiligen Herkunftsländern? Was charakterisiert politische Angebote, die von Migranten im Internet genutzt werden; welche Ausprägungen hat politisches Engagement online? Antworten auf diese Fragen ermitteln die Autoren in ihrem Buch über <em>Politische Sphären von Migranten im Internet</em> am Beispiel postsowjetischer, türkischer und kurdischer Migranten in Deutschland – Ergebnis des Forschungsprojekts "Politisches Potential des Internet. Die virtuelle Diaspora der Migranten aus Russland und der Türkei in Deutschland" 2007/2008 am Institut für Politikwissenschaft der Universität Münster. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/499">[Mehr]</a>


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<li><a href='http://www.rkm-journal.de/archives/463' rel='bookmark' title='Permanent Link: Stephan Weichert; Christian Zabel (Hrsg.): Die Alpha-Journalisten 2.0'>Stephan Weichert; Christian Zabel (Hrsg.): Die Alpha-Journalisten 2.0</a></li>
</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Anne Weibert</em></p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-760" title="kissau&amp;hunger2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/05/kissauhunger2009.jpg" alt="kissau&amp;hunger2009" width="160" height="226" />Welche Möglichkeiten eröffnet das Internet für politische Partizipation und gesellschaftliche Teilhabe von Migranten in Deutschland und in den jeweiligen Herkunftsländern? Was charakterisiert politische Angebote, die von Migranten im Internet genutzt werden; welche Ausprägungen hat politisches Engagement online? Antworten auf diese Fragen ermitteln die Autoren in ihrem Buch über <em>Politische Sphären von Migranten im Internet</em> am Beispiel postsowjetischer, türkischer und kurdischer Migranten in Deutschland – Ergebnis des Forschungsprojekts <a href="http://ppi.uni-muenster.de/" target="_blank">&#8220;Politisches Potential des Internet. Die virtuelle Diaspora der Migranten aus Russland und der Türkei in Deutschland&#8221;</a> 2007/2008 am <a href="http://egora.uni-muenster.de/pol/" target="_blank">Institut für Politikwissenschaft der Universität Münster</a>.</p>
<p>Die Autoren strukturieren ihre Analyse analog zur von Chris Anderson entwickelten ökonomischen Long-Tail-Theorie. Drei Ebenen sind wesentlich: 1) die Demokratisierung der Produktionsmittel: Kissau und Hunger beziehen dies auf die Herstellung politischer Öffentlichkeiten, unabhängig von großen Mainstream-Medien; 2) die Demokratisierung des Vertriebs: es ist internetbedingt deutlich einfacher geworden, ein (größeres) Publikum zu erreichen; 3) verbesserte Vermittlung von Angebot und Nachfrage: Internettechnologie mit Suchmaschinen und Linklisten, so das Argument von Kissau und Hunger, seien geeignet, den Grad der politischen Partizipation zu erhöhen, da sie es dem Einzelnen erleichterten, seine individuell passende Nische zu finden.</p>
<p>Um sich dem Untersuchungsgegenstand möglichst präzise anzunähern, wurden qualitative und quantitative Methoden in drei Teilstudien für die drei Migrantengruppen jeweils kombiniert: a) die Vielfalt der Webseiten-Angebote von und für Migranten wurden über Suchmaschinen-Anfragen in einer quantitativen Webseiten-Analyse erfasst; b) aus den so ermittelten politischen Angeboten wurden pro Teilstudie zehn als besonders relevant eingestufte Webangebote einer qualitativen Inhaltsanalyse unterzogen; c) die Anbieter und Nutzer der qualitativ analysierten Webseiten wurden zu Hintergründen und Motivation befragt. So entsteht aus den Ergebnissen ein Bild, dass der flüchtigen, stets im Wandel begriffenen Natur des Untersuchungsgegenstandes Rechnung trägt.</p>
<p>Ihre Annahme der Diversifizierung und Erweiterung der politischen Informations- und Interaktionsangebote durch das Internet finden die Autoren in ihrer Analyse bestätigt. Die Diskussion dieses Ergebnisses orientiert sich konsequent und übersichtlich an den drei zuvor herausgearbeiteten Charakteristika des &#8220;Long Tail&#8221;.</p>
<p>Für die Differenzierung des politischen Angebots durch das Internet arbeiten Kissau und Hunger eine Dynamik heraus, die sich zwar einerseits durchaus an nationalen medialen Öffentlichkeiten orientiert und hier insbesondere aus der Nichtbeachtung migrantenspezifischer Themen und Interessen Motivation erfährt, die sich andererseits aber auch länderübergreifend entwickelt und die damit auch der migrationsgeprägten Interessenlage ihrer Teilnehmer Rechnung trägt.</p>
<p>Vielfältige Faktoren sind prägend für die Erreichung eines Publikums im Internet: Abgrenzungserfahrungen durch die Aufnahmegesellschaft, das Bedürfnis nach Selbstabgrenzung und Identitätsfindung sowie die Möglichkeit zum Kontakt mit dem Herkunftsland.</p>
<p>Für das dritte Element, den Grad der politischen Partizipation, betonen die Autoren der Studie deutlich unterschiedliche Ausprägungen für die drei Migrantengruppen. Wo bei postsowjetischen und kurdischen Migranten das Bedürfnis nach politischer Information dominiert, wird in der türkischen Migrantengruppe häufiger auch diskutiert und partizipiert. Für die postsowjetische Migrantengruppe, so Kissau und Hunger, verweisen die Ergebnisse der Befragung auf deutliche Analogien zum politischen Offline-Verhalten: Hier gibt es auch offline kaum Politikinteresse und -engagement, was die Autoren plausibel aus von Erfahrungen in der Sowjetunion geprägtem Misstrauen dieser Migranten gegenüber politischen Institutionen und dem Staat motivieren. Bei türkischen und kurdischen Online-Angeboten ist Politik als Thema deutlich stärker vertreten. Als für die Zukunft im Blick zu behaltende Frage verweisen Kissau und Hunger nachvollziehbar auf die Entwicklung der Beziehung von eher starr und bürokratisch organisierten politischen Vereinigungen offline und den politischen Interessengruppen, die sich im Internet ohne von vornherein fest gefügte Rollenverteilung zusammenfinden und stetig wandeln können. Die Autoren der Studie halten als weiteres Ergebnis fest: Zugehörigkeit zu einer Onlinegemeinschaft steigert den Grad der politischen Aktivität und Partizipation.</p>
<p>Als wesentliches Plus in der Diskussion der Analyseergebnisse insgesamt erscheint die wiederholte Bezugnahme auf Offline-Strukturen und Rollenverhalten: Internet ist keine Parallelwelt, vielmehr interagieren Online- und Offline-Sphären ständig miteinander und beeinflussen sich gegenseitig – etwa wenn kurdische Nutzer angeben, ihre gesellschaftliche Situation außerhalb des Internets habe ihr Online-Engagement motiviert.</p>
<p>Bleibt abschließend die Frage, ob dem online ausdifferenzierten politischen Angebot die Fragmentierung der Gesellschaft folgt? Zumindest die drei Teilstudien unter postsowjetischen, türkischen und kurdischen Nutzern indizieren etwas anderes: Hier arbeiten die Autoren der Studie vielfältige Kontakte und Querverbindungen zu anderen Online- und Offline-Öffentlichkeiten heraus – eine Netzstruktur, die eher für gesellschaftliche Einbindung und Integration spricht.</p>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.nomos-shop.de/productview.aspx?product=11188" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://kathrinkissau.wordpress.com/" target="_blank">Weblog von Kathrin Kissau</a></li>
</ul>


<p>Related posts:<ol><li><a href='http://www.rkm-journal.de/archives/1612' rel='bookmark' title='Permanent Link: Anja Johanning: Kompetenzentwicklung im Internet'>Anja Johanning: Kompetenzentwicklung im Internet</a></li>
<li><a href='http://www.rkm-journal.de/archives/1075' rel='bookmark' title='Permanent Link: Markus Rhomberg: Politische Kommunikation'>Markus Rhomberg: Politische Kommunikation</a></li>
<li><a href='http://www.rkm-journal.de/archives/463' rel='bookmark' title='Permanent Link: Stephan Weichert; Christian Zabel (Hrsg.): Die Alpha-Journalisten 2.0'>Stephan Weichert; Christian Zabel (Hrsg.): Die Alpha-Journalisten 2.0</a></li>
</ol></p>]]></content:encoded>
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