Susanne Fengler; Bettina Vestring: Politikjournalismus
Susanne Fengler, Bettina Vestring: Politikjournalismus. Reihe: Kompaktwissen Journalismus. Wiesbaden [VS Verlag] 2010, 198 Seiten, 19,90 Euro.
Rezensiert von Mathias Rentsch
Es ist kein leichtes Vorhaben, in einem Lehrbuch die Sichtweisen von Praktikern und Wissenschaftlern auf einen bestimmten Gegenstand stimmig zusammenzuführen und damit gegenüber den vielen Praktiker- ratschlägen auf der einen und der Fülle wissenschaftlicher Betrachtungen auf der anderen Seite einen Mehrwert zu schaffen. Susanne Fengler und Bettina Vestring haben dies nun für den Politikjournalismus versucht – und es ist ihnen im Großen und Ganzen auch geglückt. Die beiden Autorinnen wissen, wovon sie schreiben, denn sie kennen das Berufsfeld der Politikjournalisten genau: Die Kommunikations- wissenschaftlerin Susanne Fengler hat viele Jahre in der politischen Kommunikation und als reie Journalistin gearbeitet. Bettina Vestring ist Redakteurin bei der Berliner Zeitung und dort als Volontärsausbilderin für den journalistischen Nachwuchs verantwortlich. [Mehr]
Nina Trentmann: Barack Obama gegen John McCain
Nina Trentmann: Barack Obama gegen John McCain. Neue Strategien im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf 2008? Marburg [Tectum Verlag] 2009, 284 Seiten, 24,90 Euro.
Rezensiert von Yvonne Kuhn
Der Blick auf amerikanische Wahlkämpfe scheint für deutsche Politik- und Medienwissenschaftler von besonderem Reiz zu sein – wird doch immer wieder eine Adaption amerikanischer Strategien durch deutsche Parteien unterstellt. Eine Analyse der Strategien im Wahlkampf Barack Obama versus John McCain als “nie da gewesenes Ereignis” hat nun Nina Trentmann vorgelegt und verspricht, die “wichtigsten strategischen Neuerungen” vorzustellen. Ihre Ergebnisse stützen sich neben einer umfangreichen Beachtung des Forschungsstands auf eigens durchgeführten Interviews mit Wahlkampfmitarbeitern und -experten. Die Informations- und Materialfülle ist beachtlich, wenngleich die Beschäftigung mit der Kampagne Barack Obamas deutlich intensiver ausfällt als die mit seinem Konkurrenten John McCain. [Mehr]
Streifzüge durch das Kulturgedächtnis. Ein Essay zu Gerhard Pauls Das Jahrhundert der Bilder
Gerhard Paul (Hrsg.): Das Jahrhundert der Bilder, Band 1: 1900-1949. Göttingen [Vandenhoeck & Ruprecht] 2009, 822 Seiten, 39,90 Euro.
Gerhard Paul (Hrsg.): Das Jahrhundert der Bilder, Band 2: 1949 bis heute. Göttingen [Vandenhoeck & Ruprecht] 2009, 798 Seiten, 39,90 Euro.
Rezensiert von Daniel Hornuff
Wer heute die Lage der Bildwissenschaft betrachtet, wird Eigentümliches feststellen: Obwohl sie ihren Gegenstand im Titel trägt, beschäftigt sie sich nur am Rande und vereinzelt, geradezu in Ausnahmefällen mit Bildern. Ungleich intensiver bespiegelt sie sich dagegen selbst. Sie lotet ihre Diskurse bis zur Verselbständigung der Diskurse aus; sie wendet ihre Methoden wieder und wieder, bis vor lauter Methodenvorschlägen mehr Verwirrung als Klärung erreicht wurde; sie hält nach allgemeinen und übergeordneten Kategorien Ausschau und sieht sich folglich gezwungen, Jeweiliges und Spezifisches zu vernachlässigen; sie will einen umklammernden Rahmen für möglichst alle Wissenschaften ziehen, die sich mit Bildern in jeder nur denkbaren Weise befassen und muss erkennen, dass dieses Vorhaben in keinen auch nur halbwegs vernünftigen Rahmen einzugrenzen ist. Wer bildwissenschaftlich arbeitet und dabei solch einen Allgemeinheitsanspruch vertritt, läuft akut Gefahr, bloß metadiskursiv, abstrakt und damit eher beliebig als konkret zu arbeiten. [Mehr]
Dieter Rucht; Simon Teune (Hrsg.): Nur Clowns und Chaoten?
Dieter Rucht; Simon Teune (Hrsg.): Nur Clowns und Chaoten? Die G8-Proteste in Heiligendamm im Spiegel der Massenmedien. Frankfurt am Main, New York [Campus Verlag] 2008, 254 Seiten, 24,90 Euro.
Rezensiert von Sigrid Baringhorst & Andreas Hetzer
Der Sammelband von Dieter Rucht und Simon Teune steht in der Tradition der deutschen Protest- und Bewegungsforschung und beschäftigt sich mit der Analyse und Interpretation der Medienresonanz auf die G8-Protestereignisse in Heiligendamm 2007. Der G8-Gipfel kann aufgrund seiner breiten Gegenmobilisierung und der umfangreichen Berichterstattung als singuläres Protest- und Medienereignis für Deutschland bezeichnet werden. Im Mittelpunkt der Studie stehen die Medienprodukte selbst, auf eine Medienwirkungsanalyse wird verzichtet. Die Herausgeber sind ausgewiesene Experten auf dem Gebiet und begründen ihr Forschungsinteresse an der Thematik des Bandes mit ihrer “langjährige[n] Befassung mit politischen Protestbewegungen, ihre[n] öffentlichen Darstellungs- und Vermittlungsformen und die von ihnen gewollt und ungewollt erzielten massenmedialen Resonanzen”. [Mehr]
Moritz Ballensiefen: Bilder machen Sieger – Sieger machen Bilder
Moritz Ballensiefen: Bilder machen Sieger - Sieger machen Bilder. Die Funktion von Pressefotos im Bundestagswahlkampf 2005. Reihe: Studien der NRW School of Governance. Wiesbaden [VS Verlag für Sozialwissenschaften] 2009, 458 Seiten, 29,90 Euro.
Rezensiert von Benjamin Drechsel
Der pictorial turn zieht immer weitere Kreise. Unterdessen häufen sich die systematischen Bemühungen um die Erforschung visueller politischer Kommunikation. Politikwissenschaftliche Arbeiten in diesem Bereich waren bislang oft an der Schnittfläche zur Kunstgeschichte angesiedelt und argumentierten insofern aus einer Außenseiterposition heraus. Ganz anders die hier zu besprechende Dissertation von Moritz Ballensiefen, dem es auf etwa 400 Seiten gelungen ist, visuelle Politik ganz und gar aus sozialwissenschaftlicher Perspektive zu erfassen. Ballensiefens Arbeit beruht auf zwei Grundannahmen: Einerseits hält er Bilder für zentrale Instrumente politischer Kommunikation in der Mediengesellschaft; andererseits macht er zu Recht geltend, dass die Politikwissenschaft viele Bereiche dieses Themenfeldes bislang weitgehend vernachlässigt hat. Dazu zählt er auch die von den Parteien unabhängige Medienkommunikation zu Wahlkampfzeiten. [Mehr]
Dorothea Marx: Landtagsabgeordnete im Fokus der Medien
Dorothea Marx: Landtagsabgeordnete im Fokus der Medien. Ihre Sicht auf Entstehung, Wirkung und Qualität landespolitischer Berichterstattung. Reihe: Medien Skripten, Band 54. Baden-Baden [Nomos/Edition Reinhard Fischer] 2009, 206 Seiten, 22,– Euro.
Rezensiert von Werner J. Patzelt
Mit Fug und Recht hat Dorothea Marx ihre Magisterarbeit veröffentlicht. Deren Kern ist eine Online-Befragung aller deutschen Landtagsabgeordneten entlang der Fragestellung, wie vertraut, wie verständnisvoll und wie unabhängig ihr Verhältnis zu Journalisten sei. Es geht auch in Ordnung, dass dieses Verhältnis nur aus der Warte der Abgeordneten, nicht aber spiegelbildlich auch aus jener der Journalisten untersucht wird. Letzteres ist Sache einer Dissertation oder eines eigenen Forschungsprojekts. 568 von 1841 deutschen Landtagsabgeordneten beteiligten sich an der hier publizierten Umfrage, also knapp ein Drittel, was tatsächlich als ein guter Schnitt gelten kann. Methodisch wird diese Umfrage im vorliegenden Band vorzüglich dokumentiert – und zwar bis hin zur Wiedergabe des Fragebogens samt Grundauszählung. [Mehr]
Matthias Künzler: Die Liberalisierung von Radio und Fernsehen
Matthias Künzler: Die Liberalisierung von Radio und Fernsehen. Leitbilder der Rundfunkregulierung im Ländervergleich. Konstanz [UVK] 2009, 375 Seiten, 39,– Euro.
Rezensiert von Hans J. Kleinsteuber
Diese voluminöse Dissertation (375 Seiten) ist in der Züricher Kommunikationswissenschaft entstanden. Der Autor ist Oberassistent am Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung (IPMZ) und legte diese Arbeit 2008 vor. Unter seinem Leitbegriff Liberalisierung geht es dem Autor um die – wie er sagt – folgenschweren medienpolitischen Entscheidungen seit den 1980er Jahren, die zu den heutigen dualen Rundfunksystemen führten. Dieses Konzept von Liberalisierung hat wenig mit dem politischen Liberalismus zu tun, vielmehr bezeichnet es “die Öffnung des Marktzutritts für private Unternehmen zu einem Bereich[,] zu dem […] der Markteintritt bislang verwehrt geblieben war, und wo eine Leistungserbringung durch ein zumeist öffentliches Monopolunternehmen erfolgt ist”, oder aber “die Einführung von Wettbewerb oder die Erhöhung der Wettbewerbsintensität”. Damit wird der Sachverhalt klar – ich würde ihn nicht unter Liberalisierung fassen. [Mehr]
Johanna Dorer; Brigitte Geiger; Regina Köpl (Hrsg.): Medien – Politik – Geschlecht
Johanna Dorer; Brigitte Geiger; Regina Köpl (Hrsg.): Medien - Politik - Geschlecht. Feministische Befunde zur politischen Kommunikationsforschung. Reihe: Medien - Kultur – Kommunikation. Wiesbaden [VS Verlag für Sozialwissenschaften] 2008, 285 Seiten, 29,90 Euro.
Rezensiert von Ulla Wischermann
Ausgangspunkt dieses von österreichischen Kommunikations- wissenschaftlerinnen herausgegebenen Sammelbandes ist die Feststellung, dass die klassische politische Kommunikationsforschung im deutschsprachigen Raum, insbesondere die einschlägigen Handbücher, einem geschlechtsblinden Diskurs folgen. Nach wie vor sei generalisierend die Rede “von Politikern, von Journalisten, von Spindoktoren und nicht zuletzt von Bürgern und Rezipienten” und die Thematik werde allgemein verortet im Spektrum von Öffentlichkeits- und Demokratietheorien, in denen die Kategorie Geschlecht nur unzulänglich berücksichtigt sei. Dieses Forschungsdesiderat zu kritisieren und die Strukturkategorie Geschlecht in die Analyse politischer Kommunikation zu integrieren, ist das Ziel der hier versammelten Beiträge. [Mehr]
Frank Bösch: Öffentliche Geheimnisse
Frank Bösch: Öffentliche Geheimnisse. Skandale, Politik und Medien in Deutschland und Großbritannien 1880-1914. Reihe: Veröffentlichungen des Deutschen Historischen Instituts London, Band 65. München [R. Oldenbourg Verlag] 2009, 540 Seiten, 59,80 Euro.
Rezensiert von Thomas Birkner
Sex sells! Schon vor 1900 druckten die Zeitungen und Illustrierten in Großbritannien und Deutschland gerne Bilder von nackten afrikanischen Brüsten. Als jedoch die sexuelle Ausbeutung von Afrikanerinnen durch Kolonialbeamte über die Medien in der Öffentlichkeit bekannt wurde, kam es zu handfesten Skandalen. Definiert als durch Veröffentlichung entstandene Empörung über einen Normbruch, hat der Historiker Frank Bösch Skandale in den Mittelpunkt seines Buches zum Zusammenhang von Politik und Medien in den Jahren 1880 bis 1914 gestellt. Darin bündelt er auch seine aufwändigen Recherchen zur Medialisierung an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Insgesamt untersucht Bösch sechs Skandalfelder: Homosexualität, Ehebruch, Kolonialismus, Journalismus, Königshäuser und Korruption. [Mehr]
Kathrin Kissau; Uwe Hunger: Politische Sphären von Migranten im Internet
Kathrin Kissau; Uwe Hunger (unter Mitarbeit von Marina Seveker; Bengü Murt; Menderes Candan): Politische Sphären von Migranten im Internet. Neue Chancen im "Long Tail" der Politik. Reihe: Internet Research, Band 34. Baden-Baden [Nomos/Edition Reinhard Fischer] 2009, 165 Seiten, 22,– Euro.
Rezensiert von Anne Weibert
Welche Möglichkeiten eröffnet das Internet für politische Partizipation und gesellschaftliche Teilhabe von Migranten in Deutschland und in den jeweiligen Herkunftsländern? Was charakterisiert politische Angebote, die von Migranten im Internet genutzt werden; welche Ausprägungen hat politisches Engagement online? Antworten auf diese Fragen ermitteln die Autoren in ihrem Buch über Politische Sphären von Migranten im Internet am Beispiel postsowjetischer, türkischer und kurdischer Migranten in Deutschland – Ergebnis des Forschungsprojekts “Politisches Potential des Internet. Die virtuelle Diaspora der Migranten aus Russland und der Türkei in Deutschland” 2007/2008 am Institut für Politikwissenschaft der Universität Münster. [Mehr]
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