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	<title>rezensionen:kommunikation:medien &#187; Phänomenologie</title>
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	<description>Rezensionen aus den Bereich Kommunikation und Medien</description>
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		<title>Oliver Fahle; Michael Hanke; Andreas Ziemann (Hrsg.): Technobilder und Kommunikologie</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/3126</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/3126#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 09 Jun 2010 09:09:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Sonja Yeh</em>

<a href="http://www.rkm-journal.de/archives/3127"><img class="alignleft size-full wp-image-3127" title="Fahle et al.2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2010/06/Fahle-et-al.2009.jpg" alt="" width="160" height="259" /></a>Der von Oliver Fahle, Michael Hanke und Andreas Ziemann herausgegebene Sammelband <em>Technobilder und Kommunikologie. Die Medientheorie Vilém Flussers</em> ist aus der internationalen Flusser-Tagung, die unter dem Titel "Die Medien- und Bildtheorie Flussers" an der <a href="http://www.uni-weimar.de/cms/index.php?id=1" target="_blank">Bauhaus-Universität Weimar</a> 2007 stattfand, hervorgegangen. Hauptanliegen des Sammelbandes ist es, die heutige Relevanz und das theoretische Potenzial Flussers herauszustellen. Dies ist den Autoren hervorragend gelungen. Der Sammelband teilt sich in zwei zentrale Themenfelder: die Kommunikologie und die Technobilder. Diese Aufteilung wird von den Herausgebern zunächst inhaltlich-thematisch begründet, da diese zwei Konzepte als Flussers "medienwissenschaftlich anschlussfähigsten" gelten. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/3126">[Mehr]</a>


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			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Sonja Yeh</em></p>
<p><a href="http://www.rkm-journal.de/archives/3127"><img class="alignleft size-full wp-image-3127" title="Fahle et al.2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2010/06/Fahle-et-al.2009.jpg" alt="" width="160" height="259" /></a>Der von Oliver Fahle, Michael Hanke und Andreas Ziemann herausgegebene Sammelband <em>Technobilder und Kommunikologie. Die Medientheorie Vilém Flussers</em> ist aus der internationalen Flusser-Tagung, die unter dem Titel &#8220;Die Medien- und Bildtheorie Flussers&#8221; an der <a href="http://www.uni-weimar.de/cms/index.php?id=1" target="_blank">Bauhaus-Universität Weimar</a> 2007 stattfand, hervorgegangen. Hauptanliegen des Sammelbandes ist es, die heutige Relevanz und das theoretische Potenzial Flussers herauszustellen. Dies ist den Autoren hervorragend gelungen. Der Sammelband teilt sich in zwei zentrale Themenfelder: die Kommunikologie und die Technobilder. Diese Aufteilung wird von den Herausgebern zunächst inhaltlich-thematisch begründet, da diese zwei Konzepte als Flussers &#8220;medienwissenschaftlich anschlussfähigsten&#8221; (8) gelten.</p>
<p>Die Kommunikologie behandelt im Kern den Kommunikationsbegriff und die Kommunikationsstrukturen als konstitutive Faktoren unserer Medienkultur, während das Themengebiet Technobilder den medientechnischen Wandel, die Veränderung von Codes und das Verhältnis von Text und Bild thematisiert. Diese Zweiteilung ist nicht nur themenspezifisch begründet, sondern erklärt sich den Herausgebern zufolge auch biografisch. Als zeitlebens Emigrierter publizierte Flusser nicht nur in zahlreichen Sprachen, sondern er passte sich stets auch neuen kulturellen Bedingungen an, die sich in verschiedenen Schaffensphasen – der frühen brasilianischen und der späteren europäischen Phase – wiederfinden. Diese Unbeständigkeit wird durch die Konzepte der Kommunikologie und der Technobilder relativiert, da diese beiden Bereiche &#8220;kulturübergreifend und global wirksam sind&#8221; (9).</p>
<p>Die Schwerpunktsetzung des Sammelbandes ist grundsätzlich sinnvoll und mit dem Anliegen, die Anschlussfähigkeit und Brauchbarkeit Flussers herauszustellen, gut umgesetzt. Leider gibt die Aufteilung in zwei Bereiche dem Leser zunächst nur eine sehr grobe Orientierung und lässt wenig erahnen, welches Spektrum sich inhaltlich hinter den Themenblöcken verbirgt.</p>
<p>Der erste Teil behandelt grundsätzlich Flussers kommunikationstheoretische Überlegungen. Den Anfang bestreiten die sich hervorragend ergänzenden Aufsätze von Joachim Michael und Michael Hanke, die ganz zutreffend herausstellen, dass Flusser zwar innerhalb der Medientheorie bedeutsam geworden sei, der Medienbegriff dabei aber gar nicht im Zentrum seiner Überlegungen stehe. Anstelle des Technisch-Materiellen würden vielmehr das Nicht-Technische, die Signifikation<em> </em>und die Symbolbildung in den Vordergrund rücken. Michael spricht von einer &#8220;Medientheorie ohne Medien&#8221;(23) und Hanke ergänzt, dass der Kommunikationsbegriff die durchgängige &#8220;theoretische Bezugsgröße&#8221; (56) sei und als zentrales &#8220;Bindeglied von Flussers umfassender Kulturtheorie&#8221; (56) gelten müsse. Sehr übersichtlich und systematisch zeigt er die Ambiguität des Medienbegriffs bei Flusser auf und identifiziert vier Verwendungsweisen: 1. Medien als Kommunikationsstrukturen, 2. Medien als Synonym für Codes, 3. Medien als Massenmedien und 4. Medien als Mediationen und Vermittelndes. Besonders gut eignet sich Hankes Aufsatz daher auch als knappe systematische Übersicht und Einleitung zu Flussers Grundbegriffen des Codes, der Kommunikation und der Medien.</p>
<p>Oliver Bidlo und Matthias Kroß stellen Flussers Konzepte in den Kontext der Philosophie und widmen sich zwei für Flusser zentralen Denkern: Martin Buber und Martin Heidegger. Bidlo versucht aufzuzeigen, dass Flussers Utopie der telematischen Gesellschaft auf Bubers Dialogphilosophie zurückgeht und er diese insofern weiterführt, als er Bubers sprachlich verstandenen Dialogbegriff um die technische Ebene erweitert. Am Ende dieser Überlegung steht ein Ausblick, der das Internet als weltweites Netzwerk dialogischer Beziehungen denkbar macht. Kroß behandelt Martin Heideggers Daseins-Analyse als fundamentale Bezugsgröße für Flussers Denken. In Flussers <em>Sein und Zeit</em>-Deutung sind insbesondere die Heideggerschen Termini Entwurf und Verfall als ein aktives und passives In-der-Welt-Sein zentral. Er deutet Heideggers Begriff des Entwurfs in den des Projekts um, welcher sich aktiv gegen die Seinsvergessenheit richtet. Diese grundlegende Aktivität des Entwerfens für das menschliche Dasein führe den Menschen zur Freiheit. Der Autor stellt fest, dass Flusser daraus ein ethisches Plädoyer für mehr dialogisches und kommunikatives Engagement ableitet, das sich gegen eine gegenwärtige &#8216;Massifizierung&#8217; durch diskursive Kommunikationsstrukturen entwickelt. Kroß’ Aufsatz ist sehr voraussetzungsreich und gerade für Laien der Heideggerschen Philosophie nicht leicht zugänglich.</p>
<p>Nils Röller konzentriert sich auf Flussers biografischen Hintergrund und identifiziert diesen als zentrale Quelle für sein nomadisches Denken. Flussers Bodenlosigkeit als ständiger Wechsel von Orten, Sprachen und Kulturen ist daher nicht nur für sein Leben, sondern auch für sein intellektuelles Schaffen programmatisch geworden. So zeigt Röller die Verbindung zwischen Flussers jüdischer Tradition der Nächstenliebe als eine grundsätzliche Orientierung am Anderen und seinem theoretischen Konzept von Dialog und Diskurs auf.</p>
<p>Marcel René Marburger widmet sich dem Verhältnis zwischen Dialog und Kreativität und überführt damit Flussers kommunikologische Überlegungen in den Bereich der Ästhetik und des Kunstschaffens. Damit gelingt ihm ein Brückenschlag zwischen Kommunikations- und Kunsttheorie. Marburger leistet dadurch einen Beitrag zu einer interdisziplinären Lektüre Flussers, indem er das Phänomen der Kreativität sowohl kommunikationswissenschaftlich als auch ästhetisch deutet.</p>
<p>Andreas Ziemann behandelt Flussers Phänomenologie der Gesten, um den Zusammenhang von Medien- und Subjektkultur zu diskutieren. Mit seiner Analyse geht Ziemann über ein weiteres <em>close reading</em> der Kommunikologie hinaus und liefert eine problemorientierte Lektüre, die Flussers Überlegungen zur Geste mit Fragen der Medienkultur und zum Subjekt im digitalen Zeitalter &#8211; dem &#8220;Computersubjekt&#8221; (134) &#8211; in Beziehung setzt. Ganz zutreffend fasst Ziemann zusammen, dass die von Flusser entworfene Subjektkultur im digitalen Zeitalter begrifflich, theoretisch und methodisch einen interessanten Ansatz liefert, um Phänomene wie Computerspiel-Conventions, soziale Netzwerke und virtuelle Welten zu beschreiben, empirisch jedoch bisher wenig produktiv gewesen ist.</p>
<p>Im zweiten Teil des Sammelbandes geht es um den Flusserschen Begriff des Technobildes. Die ersten beiden Aufsätze legen einen Schwerpunkt auf das Verhältnis von Text und Bild bei Flusser. Rainer Guldin leistet eine genealogische Rekonstruktion des Technobild-Begriffs und stellt dabei fest, dass Flusser eine Vielfalt von Bedeutungsvarianten hervorgebracht habe. Der Technobild-Begriff sei dabei unscharf und mehrdeutig geblieben, und auch das Verhältnis zwischen Text und Bild bei Flusser sei unzureichend ausdifferenziert worden. Guldin bleibt nicht bei einer bloßen Beschreibung und kritischen Analyse stehen, sondern er zeigt Anschlussstellen auf, um &#8220;den konzeptuellen Reichtum des Technobildkonzepts zu präzisieren und weiter zu entfalten&#8221; (159) und so Flussers Ansatz systematisch auszudifferenzieren und weiterzudenken.</p>
<p>Auch Oliver Fahle kritisiert, dass das Verhältnis zwischen Text und Bild, Begriff und Begrifflosem, Sagbarem und Sichtbarem unzureichend bestimmt ist. Indem er sich kritisch mit Flussers Unterscheidungen zwischen traditionellen und technischen Bildern, Text und Bild sowie elitären Technobildern und Massentechnobildern auseinandersetzt, zeigt Fahle, dass Flusser Diskussionsfelder eröffnete, die das Gefüge zwischen Apparat und Mediennutzer, Text und Bild, Sagbarem und Sichtbarem in den Blickpunkt rücken und insofern gegenwärtige bildtheoretische Debatten vorwegnahmen. Fragen zum epistemologischen und ästhetischen Status von Bildern konnten somit von der Bildtheorie auch in die Medienwissenschaft überführt werden und neue Impulse für die Disziplin liefern.</p>
<p>Arlindo Machado bespricht Flussers Reflexion über die schöpferischen, kreativen Möglichkeiten des Künstlers in einer technologisch geprägten Gesellschaft. Machado sieht Flussers Perspektive, in der der Künstler reiner Funktionär des technischen Apparats sei, als pessimistische Sichtweise auf das Verhältnis von Nutzer und Technik und zeigt anhand von Arbeiten Nam June Paiks, William Gibsons, Harold Cohens und anderen auf, dass künstlerische Gebrauchsweisen durchaus von der eigentlichen technologischen Zielsetzung des Apparats abweichen können. Machado weist somit auf die Anwendbarkeit Flussers im Bereich der gegenwärtigen Medienkunst hin und trägt mit seinem Aufsatz zu einer grundlegenden Reflexion über das Verhältnis von Kunst und Technologie bei.</p>
<p>Gernot Grube untersucht das erkenntnistheoretische Potenzial und das Funktionieren von Technobildern und analysiert exemplarisch den Bildherstellungsprozess wissenschaftlicher Bilder bei der Rastertunnelmikroskopie. Es geht ihm um die spezifischen Charakteristika von Bildern und ihre epistemischen Funktionen sowie um das grundlegende Verhältnis von Text und Bild. In seinem Aufsatz verbindet Grube eine deskriptive Darstellung der kommunikationstheoretischen Grundannahmen Flussers mit der Anwendung auf aktuelle technische Verfahren, um diese Erkenntnis abschließend in einen bildwissenschaftlichen Kontext einzuordnen.</p>
<p>Makoda Suehiro wendet den Begriff des Technocodes bei Flusser auf den Kontext der visuellen Kultur Japans an. Insbesondere untersucht sie dabei die <em>girly photographers</em>, die ihre Welt zeichenhaft mithilfe von Kompaktkameras und Schnappschüssen wiedergeben, sowie das Phänomen Manga. Zusammenfassend stellt sie fest, dass die Entwicklung der Technocodes in der japanischen Kultur aufgrund ihrer Kombination aus Bild- und Textelementen in der Schriftsprache eine andere visuelle Kultur hervorbringe, als Flusser sie für die abendländische Schriftkultur beschreibt. Suehiros Analyse ermöglicht eine interkulturelle Lesart Flussers und zeigt die Anwendbarkeit seiner Position für eine Kultur außerhalb des Okzidents auf.</p>
<p>Lorenz Engells grundlagentheoretische Abhandlung konzentriert sich auf die Besonderheit des technischen Bildpunkts bei Flusser, die er mit Gilles Deleuzes Vorstellung des Filmbildes vergleicht. Dies wird im Titel angekündigt, was allerdings irreführend ist, da im Zentrum der Analyse gar nicht die Gegenüberstellung der Theoretiker steht, sondern viel mehr Platz für eine historische Rekonstruktion des Bildpunkt-Begriffs eingeräumt wird, die vom französischen Impressionismus über die Fotografie bis hin zu den elektronischen Bildschirmmedien und McLuhans Vorstellung von heißen und kalten Medien reicht.</p>
<p>&#8220;Was bleibt also von Flusser?&#8221; So lautete die Leitfrage der Flusser-Tagung. Der Sammelband beantwortet diese Frage auf sehr differenzierte und heterogene Weise: Im Bereich der Kunst und Ästhetik werden Felder aufgezeigt, die mit Flussers theoretischen Konzepten sinnvoll gedeutet werden können. Weiterhin wird die Anschlussfähigkeit des Flusserschen Denkens überprüft, indem er mit anderen etablierten philosophischen Positionen konfrontiert (Buber, Heidegger, Deleuze) oder innerhalb anderer disziplinärer Diskurse verortet wird (Bildtheorie, Physik). Auch die Lesart in anderen kulturellen Kontexten (Japan) und grundlagentheoretische Reflexionen, z. B. zum Bildbegriff, werden nicht ausgespart. Geeignet scheint der Sammelband als pointierte, weiterführende und vertiefende Zusammenstellung von Aufsätzen, die Flusser mithilfe von Flusser über Flusser hinausdenken, von ihm wegführen und ihn auf neue Kontexte oder Gegenstände beziehen. Der Sammelband liefert eine Bandbreite an unterschiedlichen Perspektiven auf das Phänomen Flusser und leistet dabei eine kenntnisreiche interdisziplinäre, interkulturelle und aktuelle Re-Lektüre, die längst überfällig war.</p>
<p><em>Links</em>:</p>
<ul>
<li><a href="http://www.parerga.de/" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.uni-weimar.de/medien/bildmedien/personen/fahle/fahle.htm" target="_blank">Webpräsenz von Oliver Fahle an der Bauhaus-Universität Weimar</a></li>
<li><a href="http://www.fask.uni-mainz.de/ikk/109.php" target="_blank">Webpräsenz von Michael Hanke an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz</a></li>
<li><a href="http://www.uni-weimar.de/medien/soziologie/personen/ziemann.htm" target="_blank">Webpräsenz von Andreas Ziemann an der Bauhaus-Universität Weimar</a></li>
<li><a href="http://egora.uni-muenster.de/ifk/personen/sonjayeh.shtml" target="_blank">Webpräsenz von Sonja Yeh an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster</a></li>
</ul>


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		<title>Silvia Seja: Handlungstheorien des Bildes</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/1835</link>
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		<pubDate>Thu, 17 Dec 2009 11:30:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Nicolas Romanacci</em>

<img class="alignleft size-medium wp-image-1838" title="seja2" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/12/seja2-200x300.gif" alt="seja2" width="160" height="240" />Im Folgenden soll zuerst ein Überblick gegeben werden über die von Silvia Seja entwickelte Systematik unterschiedlicher Handlungstheorien des Bildes. Daran anschließend möchte ich – als möglichen Referenzpunkt für eine kritische Lektüre – einige grundlegende Aspekte hinsichtlich der von der Autorin vollzogenen Gegenüberstellung und Bewertung phänomenologischer und zeichen-philosophischer Ansätze thematisieren. Aus der Differenzierung vier bildtheoretischer Paradigmen – des Bildspieles, des Bildaktes, der Werkzeuge und der Probehandlungen mit interaktiven Bildern – gewinnt Silvia Seja die Einsicht, dass "zwei völlig divergierende Zugänge zum Verhältnis von Bild und Handlung existieren". <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/1835">[Mehr]</a> 


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			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Nicolas Romanacci</em></p>
<p><img class="alignleft size-medium wp-image-1838" title="seja2" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/12/seja2-200x300.gif" alt="seja2" width="160" height="240" />Im Folgenden soll zuerst ein Überblick gegeben werden über die von Silvia Seja entwickelte Systematik unterschiedlicher Handlungstheorien des Bildes. Daran anschließend möchte ich – als möglichen Referenzpunkt für eine kritische Lektüre – einige grundlegende Aspekte hinsichtlich der von der Autorin vollzogenen Gegenüberstellung und Bewertung phänomenologischer und zeichen-philosophischer Ansätze thematisieren.</p>
<p>Aus der Differenzierung vier bildtheoretischer Paradigmen – des Bildspieles, des Bildaktes, der Werkzeuge und der Probehandlungen mit interaktiven Bildern – gewinnt Silvia Seja die Einsicht, dass &#8220;zwei völlig divergierende Zugänge zum Verhältnis von Bild und Handlung existieren&#8221; (11). Die beiden Zugänge werden unterschieden mit den Etiketten &#8220;pragmatisch&#8221; beziehungsweise &#8220;pragmatistisch&#8221;. Für einen &#8220;pragmatischen&#8221; Zugang wäre dabei etwa (mit Ausnahmen) charakteristisch: die Orientierung an der Sprachphilosophie und die Auffassung, dass zuallererst ein Bildhandeln dem Bild seinen Bildstatus verleiht. Entsprechende Konzeptionen wären einmal die des Bildspieles, wobei sich der Bildstatus aus der jeweiligen Rolle des Bildes im Bildspiel ergäbe. Die zweite &#8220;pragmatische&#8221; Position wäre jene des Bildaktes, wobei sich der Bildstatus aus dem Vollzug eines kognitiven Aktes ergäbe.</p>
<p>Als an der Konzeption des Bildspieles orientierte Autoren nennt Seja Kendall Walton, Norman Bryson, Oliver Scholz und Manfred Muckenhaupt. Seja beginnt bei Ihrer Vorstellung der jeweiligen Konzeptionen mit dem aus ihrer Sicht am wenigsten überzeugenden Autor. Einer kurzen Vorstellung folgt jeweils eine Nennung der Schwachpunkte. Mit dem jeweils nachfolgenden Autor wird meist eine Verbesserung bezüglich der zuerst genannten Schwachpunkte thematisiert, um dann wiederum kritische Punkte hervorzuheben. So kritisiert die Autorin etwa Kendall Waltons Konzeption des &#8220;pictorial game&#8221;, da hier durch den erforderlichen Einsatz der Imagination eine Einschränkung vollzogen würde – im Widerspruch zu Wittgensteins Sprachspielbegriff, worauf Walton ursprünglich Bezug nimmt. Zusammenfassend billigt Seja dieser Konzeption nur einen Vorläuferstatus zu. Ebenso der im Anschluss daran aufgeführten Position Norman Brysons, die zwar Vorzüge gegenüber Waltons Konzeption aufweise, aus Sicht von Seja aber dennoch unbefriedigend bleibt. Ähnlich verfährt die Autorin hinsichtlich der Aufzählung von positiven und negativen Aspekten im Vergleich mit den Konzeptionen von Oliver Scholz und Manfred Muckenhaupt, um abschließend keine der behandelten Konzeptionen zum Bildspiel als überzeugend gelten zu lassen. Nach demselben Muster und mit ebenfalls negativer Gesamtbewertung behandelt die Autorin die an der Sprechakttheorie orientierten Bildtheorien. Genannt werden Autoren wie Sören Kjörup, David Novitz, Klaus Sachs-Hombach und Eva Schürmann.</p>
<p>Im zweiten Teil des Buches und somit in den Kapiteln 3 und 4 stellt Silvia Seja die von ihr als &#8220;pragmatistisch-phänomenologisch&#8221; bezeichneten Konzeptionen vor. Behandelt werden Paradigmen des Werkzeuges und der Probehandlungen mit interaktiven Bildern. Aus Sicht der Autorin wären diese Positionen den zuvor thematisierten &#8220;pragmatisch-sprachphilosophischen&#8221; vorzuziehen, da die erstgenannten den sichtbaren Eigenschaften der Bilder besser gerecht werden könnten.</p>
<p>Die von Silvia Seja vollzogene phänomenologische Positionierung mit der damit verbundenen grundlegenden Kritik an zeichenphilosophischen Ansätzen möchte ich weder generell noch im Detail bewerten. Vielmehr möchte ich als möglichen Bezugspunkt für eine kritische Lektüre im Folgenden einige Aspekte vorstellen, die dieses Problemfeld in der philosophischen und bildtheoretischen Literatur thematisieren. Die Autorin kritisiert an den &#8220;pragmatischen&#8221; Positionen zum einen deren grundlegende Orientierung an der Sprachphilosophie und zum anderen deren mangelnde Berücksichtigung der sichtbaren Eigenschaften der Bilder. Zu diesen Vorwürfen möchte ich zuerst exemplarisch einige Argumente von Klaus Sachs-Hombach nennen, den Seja auch als an der Sprachphilosophie orientierten Autoren vorstellt. Gerade Klaus Sachs-Hombach hat mehrfach darauf hingewiesen, dass erstens der Zeichenbegriff, auf den sich semiotische Bildtheorien beziehen sollten, als ein möglichst allgemeiner zu verstehen sei. Von der semiotischen Terminologie sei daher auf jeden Fall etwa die linguistische zu unterscheiden: &#8220;Ein gutes Beispiel ist die Sprechakttheorie, die zwar innerhalb der Linguistik als eine auf Sprache bezogene Theorie entwickelt wurde, die aber vom sprachlichen Kontext ganz abgelöst auf Bilder angewandt werden kann, ohne dass in irgendeiner Weise die Eigenständigkeit der Bilder angezweifelt würde.&#8221; (Sachs-Hombach 2006: 77f.) Des Weiteren definiert Sachs-Hombach Bilder generell als &#8220;wahrnehmungsnahe Zeichen&#8221; (vgl. ebd.: 73-99), wodurch von einer mangelnden Berücksichtigung der sichtbaren Eigenschaften gerade nicht gesprochen werden kann.</p>
<p>Auch ein Autor wie etwa Oliver Scholz zeigt alleine durch seine Bezugnahme auf Nelson Goodman, dass ihm in keiner Weise an einer Gleichsetzung von Sprache und Bild gelegen sein kann, da ja im Besonderen Goodman mit seiner allgemeinen Symboltheorie (vgl. Goodman 1968) ein anerkannt praktikables Mittel entwickelt hat, um sprachliche und visuelle Symbolsysteme äußerst präzise zu unterscheiden und zu analysieren. Als das &#8220;Programm des Pragmatismus auf den Punkt&#8221; bringend, zitiert Seja (12) Sybille Krämer: &#8220;Was &#8216;von Bedeutung&#8217; ist, liegt nicht hinter der Erscheinung, ist keine unsichtbare Tiefenstruktur, welche jenseits der Oberfläche des Wahrnehmbaren durch Verfahren der Interpretation zu erschließen wäre&#8221; (Krämer 2004: 20). Hier wäre also eine essentialistische Position als grundlegend vorausgesetzt, die den Mythos eines unschuldigen Auges und die Existenz intrinsischer, festgelegter Eigenschaften von Bildern aufrechtzuerhalten versucht oder – anders gesagt – die Möglichkeit einer nicht-interpretierten, sozusagen neutralen Wahrnehmung propagiert. Dazu exemplarisch ein Zitat von Günter Abel: &#8220;Das Auge spiegelt nicht einfach passiv etwas fertig Vorhandenes. Vielmehr organisiert es überaus aktiv sein Material. [...] Der Mythos des unschuldigen Auges lässt sich nicht aufrechterhalten, und ein rein passives Auge wäre ebenso blind wie ein fixiertes.&#8221; (Abel 2004: 192)</p>
<p>Zusammenfassend ergibt sich aus den aufgeführten Anmerkungen folgendes Bild: Silvia Seja bietet durch ihre klar, originell und sinnvoll strukturierte Arbeit eine sehr gut nachvollziehbare Argumentationslinie und einen notwendigen und begrüßenswerten Überblick über die von ihr gewählten Konzeptionen. Auch wenn man ihrer phänomenologischen Positionierung und der damit verbundenen äußerst diskussionswürdigen allgemeinen Charakterisierung zeichenphilosophischer Theorien hinsichtlich der genannten (und weiteren möglichen, innerhalb der Bildphilosophie als bekannt voraussetzbaren) Gegenargumente nicht folgen möchte, bleibt Sejas Buch ein äußerst gewinnbringender, wichtiger und sehr gut lesbarer Beitrag zur Bildphilosophie. Es wäre sehr zu begrüßen, wenn dieses Buch seinen Lesern als Anregung dazu dient, eine differenziertere Beurteilung zeichenphilosophischer Positionen zu konzipieren, beziehungsweise dazu animiert, die Einsichten phänomenologischer Untersuchungen in zeichentheoretische Ansätze einzubinden, ohne die vermeintlich grundlegende Unvereinbarkeit beider philosophischer Positionen aufrechtzuerhalten.</p>
<p><em>Literatur</em>:</p>
<ul>
<li>Abel, G.: <em>Zeichen der Wirklichkeit. </em>Frankfurt am Main [Suhrkamp Verlag] 2004.</li>
<li> Goodman, N.: <em>Languages of Art: An Approach to a Theory of Symbols. </em>Indianapolis [Hacket] 1968 (dt.: <em>Sprachen der Kunst. Entwurf einer Symboltheorie</em>. Frankfurt am Main [Suhrkamp Verlag] 1997).</li>
<li>Krämer, S.: &#8220;Was haben &#8216;Performativität&#8217; und &#8216;Medialität&#8217; miteinander zu tun? Plädoyer für eine in der &#8216;Aisthetisierung&#8217; gründende Konzeption des Performativen&#8221;. In: Dies. (Hrsg.): <em>Performativität und Medialität</em>. München [Wilhelm Fink Verlag] 2004, S. 13-32.</li>
<li>Sachs-Hombach, K.: <em>Das Bild als kommunikatives Medium</em>. Köln [Herbert von Halem Verlag], zweite Auflage 2006.</li>
</ul>
<p><em>Links</em>:</p>
<ul>
<li><a href="http://halemverlag.lookingintomedia.com/shop/product_info.php/products_id/186/XTCsid/6c45ce0d70522d9b1db0bea4b1c63e3a" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.educational-turn.org/" target="_blank">persönliche Homepage von Nicolas Romanacci</a></li>
</ul>


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		<title>Barbara Merker (Hrsg.): Verstehen nach Heidegger und Brandom</title>
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		<pubDate>Fri, 25 Sep 2009 13:28:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einzelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[analytische Philosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Brandom]]></category>
		<category><![CDATA[Expressive Vernunft]]></category>
		<category><![CDATA[Heidegger]]></category>
		<category><![CDATA[Hermeneutik]]></category>
		<category><![CDATA[Inferentialismus]]></category>
		<category><![CDATA[Phänomenologie]]></category>
		<category><![CDATA[Philosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Pragmatismus]]></category>
		<category><![CDATA[Sein und Zeit]]></category>
		<category><![CDATA[Semantik]]></category>
		<category><![CDATA[Sprachphilosophie]]></category>
		<category><![CDATA[Wahrnehmung]]></category>

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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von David Lauer</em>

<img class="alignleft size-full wp-image-1419" title="merker" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/09/merker.jpg" alt="merker" width="160" height="243" />Verstehen steht als Begriff wie als Phänomen im Zentrum zweier der wichtigsten philosophischen Traditionen des 20. Jahrhunderts, der sprachanalytischen Philosophie einerseits und der philosophischen Hermeneutik andererseits. Seit den 1970er Jahren ist es zu einer zunehmenden Überwindung der lange Zeit vorherrschenden Sprachlosigkeit zwischen diesen Traditionen gekommen. Auf der einen Seite hat eine bestimmte Richtung der sprachanalytischen Philosophie – jene, die die pragmatische Wende des späten Wittgenstein mitvollzogen hat – sich für die tiefgreifenden Analogien sensibilisieren lassen, die zwischen Wittgensteins später Philosophie und derjenigen Gadamers sowie des jungen Heidegger bestehen. Auf der anderen Seite finden sich zunehmend Vertreter der Phänomenologie und Hermeneutik, die mit den Vokabularen der pragmatisch grundierten Sprachanalyse bestens vertraut und daran interessiert sind, die Schriften Wittgensteins und Davidsons, Sellars’ und Putnams als Bereicherungen eines – im weiten Sinne – hermeneutischen Philosophierens zu rezipieren. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/1411">[Mehr]</a>


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			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von David Lauer</em></p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-1419" title="merker" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/09/merker.jpg" alt="merker" width="160" height="243" />Verstehen steht als Begriff wie als Phänomen im Zentrum zweier der wichtigsten philosophischen Traditionen des 20. Jahrhunderts, der sprachanalytischen Philosophie einerseits und der philosophischen Hermeneutik andererseits. Seit den 1970er Jahren ist es zu einer zunehmenden Überwindung der lange Zeit vorherrschenden Sprachlosigkeit zwischen diesen Traditionen gekommen. Auf der einen Seite hat eine bestimmte Richtung der sprachanalytischen Philosophie – jene, die die pragmatische Wende des späten Wittgenstein mitvollzogen hat – sich für die tiefgreifenden Analogien sensibilisieren lassen, die zwischen Wittgensteins später Philosophie und derjenigen Gadamers sowie des jungen Heidegger bestehen. Auf der anderen Seite finden sich zunehmend Vertreter der Phänomenologie und Hermeneutik, die mit den Vokabularen der pragmatisch grundierten Sprachanalyse bestens vertraut und daran interessiert sind, die Schriften Wittgensteins und Davidsons, Sellars’ und Putnams als Bereicherungen eines – im weiten Sinne – hermeneutischen Philosophierens zu rezipieren.</p>
<p>Der hier anzuzeigende Band muss, was seine diskursive Einordnung angeht, im Zusammenhang dieser Entwicklung betrachtet werden. Das Buch versammelt die Vorträge einer Konferenz, die im September 2006 an der <a href="http://oldwww.uni-miskolc.hu/e_index.php" target="_blank">Universität Miskolc</a> in Ungarn unter Beteiligung von Philosophinnen und Philosophen aus Ungarn, Deutschland und der Schweiz stattfand. Es enthält dreizehn Aufsätze (darunter drei in englischer Sprache). Der Begriff des Verstehens wird hier in seiner Explikation durch zwei Autoren in den Blick genommen: Martin Heidegger und Robert Brandom. Diese Kombination ist gleichermaßen theoretisch faszinierend wie plausibel. Im ersten Hauptwerk der neuen philosophischen Hermeneutik, Heideggers <em>Sein und Zeit (</em>Heidegger 1993), wird der Gedanke artikuliert, dass die spezifische Seinsart des Daseins – das Seiende, das wir je selbst sind – in seinen Bezügen zu Sprache, Welt, zu anderem Dasein und zu sich selbst insgesamt mit dem Begriff des Verstehens gekennzeichnet werden kann. Der analytische Philosoph Robert Brandom hingegen hat mit <em>Expressive Vernunft </em>(Brandom 2000) den Aufsehen erregenden Versuch vorgelegt, den von Wittgenstein inspirierten Gedanken einer Gebrauchstheorie sprachlicher Bedeutung in strenger Weise durchzuführen und dabei die Begriffe sprachlichen Verstehens und sprachlicher Bedeutung durch Rekurs auf normative Praktiken zu explizieren. Darüber hinaus hat Brandom seine Theorie des Verstehens in zwei Aufsätzen (Brandom 1983, 1997; beide wiederabgedruckt in Brandom 2002) explizit zu Heideggers Hermeneutik in <em>Sein und Zeit </em>in Beziehung gesetzt. So erschließt das Thema &#8220;Verstehen nach Brandom und Heidegger&#8221; eine Vielzahl möglicher Anknüpfungspunkte.</p>
<p>Das von Barbara Merker herausgegebene Buch weist die mehr oder minder typischen Kennzeichen eines Tagungsbandes auf. Gewisse Diskrepanzen im Anspruch der Texte, von denen einige als vollgültige Forschungsbeiträge mit substanzieller These auftreten, während andere den eher vorläufigen und sondierenden Charakter eines Tagungsreferats nicht recht abgelegt haben, lassen sich nicht übersehen. Unvermeidlich ist auch, dass die thematische Nähe der Beiträge immer wieder in Redundanzen resultiert. Positiv hervorzuheben ist, dass die Verbindungen zwischen Brandom und Heidegger hier – soweit ich sehen kann, auch im internationalen Kontext zum ersten Mal – zum Gegenstand einer konzentrierten Explikationsanstrengung geworden sind. Bisher lagen nur vereinzelte Untersuchungen vor (vgl. zum Beispiel Gubatz 2002, Haugeland 2005). Aufgrund der insgesamt hohen Qualität der Beiträge bietet der Band wichtige und anregende Lektüre für Philosophinnen und Philosophen, die an der Weiterentwicklung einer analytisch informierten Heidegger-Deutung interessiert sind, sowie für solche, die generell zu den begrifflichen Zusammenhängen von Praxis, Welt und Sprache arbeiten.</p>
<p>Der Band enthält Beiträge, die im Wesentlichen – von kleineren kritischen Anmerkungen und thematischen Ausblicken abgesehen – geraffte Darstellungen der Grundideen jeweils eines der beiden Autoren zum Thema Verstehen geben, so etwa jene von <em>Sebastian Knell</em> über Brandom und von <em>Csaba Olay</em> über Heidegger. Ansonsten lassen sich die Texte des Bandes in drei Gruppen einteilen: (1) Arbeiten, die jeweils <em>entweder </em>Heidegger <em>oder </em>Brandom im Hinblick auf eine systematische Frage lesen; (2) Arbeiten, die Heidegger<em> und </em>Brandom im Hinblick auf eine systematische Frage miteinander vergleichen; (3) Arbeiten, die sich mit der Bezugnahme von Brandom <em>auf </em>Heidegger auseinandersetzen.</p>
<p>(1) Die drei englischsprachigen Beiträge behandeln Brandoms Werk ausschließlich im Kontext von analytischen Autoren wie Block, Putnam, Quine, McDowell und Dennett und liegen damit eher am Rande des Brandom/Heidegger-Fokusses. <em>Gábor Forrai </em>verteidigt Brandoms inferentialistische Semantik in einem dichten Aufsatz gegen folgende zwei Einwände: (A) Eine inferentialistische Semantik sei nicht in der Lage, die konstitutive Rolle zu erfassen, welche die <em>Welt</em>, in der Sprecher sich miteinander verständigen, für die Gehalte der Äußerungen dieser Sprecher spielt; (B) Brandom, dessen Ansatz auf der Annahme einer radikalen Perspektivität der Interpretation beruht, könne nicht verständlich machen, wie begriffliche Gehalte jemals zwischen Sprechern geteilt werden können. Forrai argumentiert, dass Brandoms Ansatz die Ressourcen bereitstellt, um beide Einwände zu entkräften. Einerseits skizziert er einen Begriff der Kommunikation, der ohne die Vorstellung geteilter Gehalte auskommt, andererseits verweist er auf die konstitutive Einbettung des Brandom’schen Inferentialismus in den wahrnehmenden und handelnden Umgang mit der Welt.</p>
<p>Der Aufsatz von <em>Gergely Ambrus </em>lässt sich als Fortführung dieses Punktes lesen: Er konzentriert sich auf Brandoms theoretische Explikation menschlicher Wahrnehmung. Sowohl Brandom als auch Heidegger weisen der sinnlichen Wahrnehmung und ihrer Phänomenalität keine wesentliche theoretische Rolle in der Explikation des menschlichen Weltverhältnisses zu. Ihnen erscheint die neuzeitliche Vorstellung von sinnlichen Eindrücken als vermittelnden Zwischengliedern zwischen Geist und Welt als Quelle beinahe allen metaphysischen Übels. Brandom versucht daher, Wahrnehmungen als in geeigneter Weise kausal hervorgerufene Wahrnehmungsurteile zu explizieren. Für diese theoretische Sparsamkeit ist er insbesondere von John McDowell kritisiert worden (vgl. McDowell 1996). Ambrus rekonstruiert diese Debatte minutiös, bleibt aber in seiner Positionierung letztlich (bedauerlicherweise) unentschlossen.</p>
<p><em>Tamás Demeters </em>Text über Brandom und Dennett stellt die These auf, dass beide Autoren eine robuste Konzeption von Rationalität vertreten, die zur Erklärung und Voraussage von Handlungen verwendet werden soll, diese aber nicht zufriedenstellend erläutern kann. Dagegen setzt Demeter ein schwächeres Konzept von Rationalität, die hier lediglich als die Eigenschaft der Kohärenz bestimmter psychologischer Narrationen erscheint.</p>
<p><em>Wolf-Jürgen Cramm</em> diskutiert kritisch Brandoms fundamentalpragmatischen Anspruch, Formen sprachlichen Verstehens explikativ auf basalere Formen nicht-sprachlichen Verstehens zurückzuführen (vgl. zu dieser Debatte auch Lauer 2009). Für Cramm kann bei Brandom &#8220;von einer Erklärung des Begriffs semantischer <em>Bedeutung </em>konventioneller Symbole in Begriffen praktischer<em> Bedeutsamkeit </em>von Zuhandenem keine Rede sein&#8221;, weil die begrifflichen Ebenen des Symbolischen und des Nichtsymbolischen begrifflich &#8220;zu heterogen&#8221; seien (181f.).</p>
<p>Was Heidegger betrifft, so widmet sich <em>Jasper Liptow </em>in einem ausgezeichneten Beitrag einer Exegese der Heidegger’schen Begriffe <em>Verstehen</em>, <em>Auslegung</em>, <em>Rede</em> und <em>Sprache</em>. Sehr grob gesprochen, zerfallen die Interpreten in dieser Frage in zwei Lager: Eine pragmatistische Auslegung, die in erster Linie von Hubert Dreyfus (Dreyfus 2001) und seiner Schule entwickelt worden ist, begreift Dasein als nicht wesentlich sprachlich verfasst. Sprachlichkeit ist dieser Interpretation zufolge zurückführbar auf vorsprachliche, nicht-prädikative Praktiken des Umgangs mit Zuhandenem in der Welt. Die andere Auslegung, die Liptow als die transzendentale bezeichnet, besteht darauf, dass Sprache für Heidegger konstitutiv zum Dasein gehöre. Diese Lesart ist unter anderem von Cristina Lafont vertreten worden, die Heidegger deshalb einen Sprachidealismus vorwirft (vgl. Lafont 1994). Liptow will beiden Seiten gleichermaßen zu ihrem Recht verhelfen, indem er die irreduzible Interdependenz und Gleichursprünglichkeit sprachlicher wie vorsprachlicher Praktiken für die Seinsweise des Daseins herausarbeitet. Richtig ist – im Sinne der Pragmatisten –, dass den Praktiken des Umgangs mit Zuhandenem eine konstitutive Rolle für menschliche Sprachlichkeit zukommt; richtig ist aber auch – im Sinne der Transzendentalen –, dass Sprachlichkeit ihrerseits konstitutiv dafür ist, dass das praktische Operieren eines Systems in einer Umgebung sich allererst als verstehender Umgang mit Welt – als <em>In-der-Welt-Sein </em>– explizieren lässt.</p>
<p>(2) <em>Christoph Demmerling </em>nimmt diesen Faden auf, indem er sich dem Problem widmet, das genaue Verhältnis zwischen dem implizit-praktischen und dem explizit-propositionalen Verstehen zu bestimmen. Entscheidend ist hier die Frage, ob alles, was sich in einem praktischen Sinne verstehen lässt, auch in Form propositionaler Aussagen zum Ausdruck gebracht werden kann, oder ob es Dimensionen praktischen Verstehens gibt, die sich der sprachlichen Explikation widersetzen. Laut Brandom kann prinzipiell alles Implizite propositional explizit gemacht werden (wenn dieser Prozess auch nie an ein Ende kommen kann) – und so interpretiert er auch Heidegger. Demmerling hält diese Deutung für problematisch: Verstehen sei nur dort möglich, wo es <em>auch </em>propositionale Artikulationen gibt, aber nicht jede Manifestation von Verstehen müsse eine solche propositionale Artikulation sein.</p>
<p><em>Karl Mertens </em>untersucht in seinem Beitrag das Verständnis der Kontextualität des Verstehens bei Brandom, Heidegger und Husserl. Kontextualität meint hier die notwendige Eingebundenheit jedes Verstandenen in einen verstehensermöglichenden Horizont des unthematisch Mitverstandenen. Mertens rekonstruiert eine dreistufige Erweiterung, von Husserls einseitig am Subjekt und an der Epistemologie ausgerichtetem Verstehensbegriff, über Heideggers sozialpragmatisch grundiertem Verständnis, hin zu Brandoms Explikation sprachlicher Praxis als Spiel des Gebens und Forderns von Gründen. Er arbeitet überzeugend heraus, dass Brandoms Entwurf sich in Widerspruch setzt zu Heideggers fundamentalontologischen Absichten und zu seiner Skepsis gegenüber der apophantisch-propositionalen Rede, weswegen Brandoms Versuch der Aneignung Heideggers misslingen muss. Er kritisiert Brandoms Entwurf (in einer mit Demmerling vergleichbaren Weise) als rationalistische Verengung sprachlicher Praxis.</p>
<p>(3) Brandoms Heidegger-Interpretation ist eine äußerst selektive Aneignung einiger Theoriestücke aus <em>Sein und Zeit</em>, die sich nicht zufällig als Vorwegnahme seiner eigenen Gedanken zum Zusammenhang von Praxis, Verstehen, Auslegung und Sprache interpretieren lassen. <em>Éva Gedö </em>und <em>Tibor Schwendtner </em>kritisieren diesen selektiven Zugriff Brandoms, indem sie drei Bedeutungsebenen des Verstehensbegriffs bei Heidegger und deren spannungsreiche Beziehungen zueinander untersuchen. Brandom bekomme nur einen, den pragmatischen Aspekt des Verstehens in den Blick, der sich mit seiner Konzeption einer durch implizite Normen geleiteten Praxis gut erfassen lasse. Die beiden anderen Dimensionen jedoch, das existenziale Verstehen als das Vermögen der Abstandnahme von implizit-praktischen Normen sowie das transzendental-ontologische Verstehen, entgingen Brandoms Lesart.</p>
<p>Auch <em>Barbara Merker </em>diskutiert Probleme in Brandoms Heidegger-Lektüre. Hervorzuheben ist ihre Frage, wie die berühmte &#8216;Etwas-als-Etwas-Struktur&#8217; des praktischen Weltverständnisses zu begreifen ist, mit der Brandom und Heidegger den verstehenden Umgang mit innerweltlich Begegnendem kennzeichnen. Ist das erste &#8216;Etwas&#8217; in dieser Formel – der Ausgangspunkt der praktischen Klassifikationsleistung – als ein bereits bedeutsam &#8216;Zuhandenes&#8217; oder als ein bloß &#8216;Vorhandenes&#8217; zu begreifen? Merker fragt auch, ob das Zuhandene im Sinne Heideggers generell nach Brandoms sozialpragmatischem Modell verstanden werden kann, mit dem einherzugehen scheint, das Zuhandene als eine stets implizit begrifflich strukturierte Seinsart zu begreifen.</p>
<p>Zwei weitere Aufsätze verschieben die Perspektive auf Brandoms Heidegger noch einmal auf eine interessante Weise. <em>Bernd Prien </em>nimmt hypothetisch an, dass Brandoms Heidegger-Lesart akzeptabel sei, fragt dann aber, ob es tatsächlich der Fall ist, dass Brandoms Heidegger dieselbe systematische Position wie Brandom in <em>Expressive Vernunft </em>vertritt. Wie Prien zeigt, beruht diese Selbsteinschätzung Brandoms auf der Überblendung der Differenz &#8216;zuhanden/vorhanden&#8217; mit der Differenz &#8216;normativ signifikant/nicht-normativ signifikant&#8217;, wobei dem Zuhandenem bzw. dem Normativen eine explanatorische Priorität zukommt. Aufschlussreich ist Priens Diskussion eines scheinbaren Widerspruchs zwischen dieser These und einer weiteren zentralen Festlegung Brandoms, welche die <em>Gleichursprünglichkeit </em>von normativen und deskriptiven Begriffen behauptet. Prien schlägt zur Behebung dieses Widerspruchs eine Differenzierung von &#8216;explanatorischer&#8217; und &#8216;explikativer&#8217; Sinn-Abhängigkeit vor.</p>
<p>Auch <em>Gerson Reuter </em>thematisiert nicht die Korrektheit von Brandoms Heidegger-Interpretation, sondern versucht, die Möglichkeit einer alternativen Deutung aufzuzeigen, weil er – ähnlich wie Cramm – Brandoms Projekt der Zurückführung von intentionalem und semantischem auf normatives Vokabular für zum Scheitern verurteilt hält. Reuter favorisiert einen wohl von Davidson inspirierten individualistischen, d.h. nicht-normativistischen und nicht-kollektivistischen Ansatz in der Semantik. Muss ein solcher Ansatz, der sich von Brandom distanziert, gleichermaßen auf Distanz zu Heidegger gehen? Reuter kommt zu dem Ergebnis, dass eine individualistische Lesart der Teile von <em>Sein und Zeit</em>, die Brandom im Sinne eines Sozialpragmatismus auslegt, möglich ist, wenn man sich (a) des Konzepts der &#8216;sprachlichen Arbeitsteilung&#8217; bedient und (b) die soziale Dimension sprachlicher Praxis nicht als Konstitutionsbasis sprachlicher Bedeutung, sondern lediglich als kausal relevante Bedingung interpretiert.</p>
<p><em>Literatur</em>:</p>
<ul>
<li>Brandom, R. B.: <em>Expressive Vernunft. Begründung, Repräsentation und diskursive Festlegung</em>. Übersetzt von Eva Gilmer und Hermann Vetter. Frankfurt am Main [Suhrkamp Verlag] 2000.</li>
</ul>
<ul>
<li>Brandom, R. B.: <em>Tales of the Mighty Dead. Historical Essays in the Metaphysics of Intentionality</em>. Cambridge/MA [Harvard University Press] 2002.</li>
</ul>
<ul>
<li>Brandom, R. B.: &#8220;Heidegger’s Categories in Sein und Zeit&#8221;. In: <em>The Monist</em>, 66, 1983, S. 387-409.</li>
</ul>
<ul>
<li>Brandom, R. B.: &#8220;Dasein, the Being That Thematizes.&#8221; In: <em>Epoché</em>, 5, 1997, S. 1-40.</li>
</ul>
<ul>
<li>Dreyfus, H. L.: <em>Being-in-the-world. A Commentary on Heidegger&#8217;s &#8216;Being and Time&#8217;, Division I</em>. Cambridge/MA [MIT Press] 1991.</li>
</ul>
<ul>
<li>Gubatz, T.: &#8220;Ein Philosoph namens Brandegger. Ontologische Differenzen zwischen Heidegger und Heidegger in Robert Brandoms Interpretation&#8221;. In: <em>Deutsche Zeitschrift für Philosophie</em>, 50, 2002, S. 377-391.</li>
</ul>
<ul>
<li>Haugeland, J.: &#8220;Reading Brandom Reading Heidegger&#8221;. In: <em>European Journal of Philosophy</em>, 13, 2005, S. 421-428.</li>
</ul>
<ul>
<li>Heidegger, M.: <em>Sein und Zeit</em>. 17. Auflage. Tübingen [Max Niemeyer Verlag] 1993.</li>
</ul>
<ul>
<li>Lafont, C.: <em>Sprache und Welterschließung. Zur linguistischen Wende der Hermeneutik Heideggers</em>. Frankfurt am Main [Suhrkamp Verlag] 1994.</li>
</ul>
<ul>
<li>Lauer, D.: &#8220;Genuine Normativity, Expressive Bootstrapping, and Normative Phenomenalism&#8221;. In: <em>Etica &amp; Politica / Ethics &amp; Politics</em>, XI, 2009, S. 321-350.</li>
</ul>
<ul>
<li>McDowell, J.: <em>Mind and World</em>. 2. Auflage. Cambridge/MA [Harvard University Press] 1996.</li>
</ul>
<p><em>Links</em>:</p>
<ul>
<li><a href="http://www.meiner.de/product_info.php?products_id=2996" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.philosophie.uni-frankfurt.de/lehrende_index/Homepage_Merker/index.html" target="_blank">Webpräsenz von Barbara Merker an der Goethe-Universität Frankfurt am Main</a></li>
<li><a href="http://www.geisteswissenschaften.fu-berlin.de/we01/mitarbeiter/dlauer/index.html" target="_blank">Webpräsenz von David Lauer an der Freien Universität Berlin</a></li>
<li><a href="http://www.pitt.edu/~rbrandom/" target="_blank">Webpräsenz von Robert Brandom an der Universität Pittsburgh</a></li>
</ul>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Gottfried Boehm; Birgit Mersmann; Christian Spies (Hrsg.): Movens Bild</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/703</link>
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		<pubDate>Wed, 01 Jul 2009 12:55:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Bildtheorie]]></category>
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		<category><![CDATA[Phänomenologie]]></category>
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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Markus Rautzenberg</em>

<img class="alignleft size-full wp-image-1549" title="boehm_et_al2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/07/boehm_et_al20091.jpg" alt="boehm_et_al2009" width="160" height="216" />Auf dem Umschlag des von Gottfried Boehm, Birgit Mersmann und Christian Spies herausgegebenen Sammelbands <em>Movens Bild. Zwischen Evidenz und Affekt</em>, der auf die erste Jahrestagung des im Jahre 2005 gegründeten Nationalen Forschungsschwerpunkts "Bildkritik" der Universität Basel zurückgeht, befindet sich eine Arbeit des Künstlers und Fotografen Thomas Struth, die seiner berühmten "Audiences"-Serie entnommen ist. Zu sehen ist die Frontalansicht einer Gruppe von Menschen, die sichtlich gebannt und staunend etwas betrachtet. Die Fotografie zeigt nur diese Augenzeugen, die sich, in bunter Freizeitmontur gekleidet, offenbar in einem Museum befinden, sowie ihre Reaktion auf das Gesehene. Dieses selbst bleibt jedoch im Verborgenen. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/703">[Mehr]</a>


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<li><a href='http://www.rkm-journal.de/archives/2942' rel='bookmark' title='Permanent Link: Martina Heßler; Dieter Mersch (Hrsg.): Logik des Bildlichen'>Martina Heßler; Dieter Mersch (Hrsg.): Logik des Bildlichen</a></li>
</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Markus Rautzenberg</em></p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-1549" title="boehm_et_al2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/07/boehm_et_al20091.jpg" alt="boehm_et_al2009" width="160" height="216" />Auf dem Umschlag des von Gottfried Boehm, Birgit Mersmann und Christian Spies herausgegebenen Sammelbands <em>Movens Bild. Zwischen Evidenz und Affekt</em>, der auf die erste Jahrestagung des im Jahre 2005 gegründeten <a href="http://www.eikones.ch/" target="_blank">Nationalen Forschungsschwerpunkts &#8220;Bildkritik&#8221; </a>der <a href="http://www.unibas.ch/" target="_blank">Universität Basel </a>zurückgeht, befindet sich eine Arbeit des Künstlers und Fotografen Thomas Struth, die seiner berühmten &#8220;Audiences&#8221;-Serie entnommen ist. Zu sehen ist die Frontalansicht einer Gruppe von Menschen, die sichtlich gebannt und staunend etwas betrachtet. Die Fotografie zeigt nur diese Augenzeugen, die sich, in bunter Freizeitmontur gekleidet, offenbar in einem Museum befinden, sowie ihre Reaktion auf das Gesehene. Dieses selbst bleibt jedoch im Verborgenen.</p>
<p>Passender könnte die Umschlaggestaltung für diese voluminöse Aufsatzsammlung kaum ausfallen, denn in <em>Movens Bild </em>geht es nicht nur um das affektive Potenzial, sondern auch um den für die Theorie in den letzten Jahren zunehmend prekär gewordenen Status der Bilder selbst. Denn die scheinbar einfache Frage &#8220;Was ist ein Bild?&#8221; – so der Titel einer einflussreichen und prominent besetzten Anthologie, die 1994 ebenfalls von Gottfried Boehm herausgegeben wurde – hat nichts von ihrer Brisanz verloren. Bilder sind durch ihre penetrierende Allgegenwart selbst geradezu unsichtbar geworden – gerade deshalb muss Boehms Frage inzwischen vielleicht umformuliert werden und möglicherweise nun &#8220;Was ist <em>kein</em> Bild?&#8221; lauten. Boehms Frage wurde zu einer Zeit formuliert, als es noch nicht in jedem Haushalt einen Computer gab und großflächig verbreitetes Breitband-Internet ebenso Zukunftsmusik war wie <a href="http://www.youtube.com" target="_blank"><em>Youtube</em></a>, <a href="http://images.google.com/" target="_blank"><em>Google Imagesearch</em></a> oder <em>BluRay</em>. Gerade angesichts der digitalen Medien bewahrheitet sich Marcel Duchamps Diagnose über das 20. Jahrhundert in ihrer ganzen Tragweite: Unsere Zeit ist dem Optischen verfallen.</p>
<p>Umso dringlicher stellt sich für die Autoren von <em>Movens Bild</em> daher die Frage nach dem Affektcharakter, dem <em>Bewegenden</em> der Bilder, denn deren Wirkungsmacht lasse sich – so eine grundlegende These dieses Bandes – nicht auf ihren Sinngehalt reduzieren. In seinem Beitrag &#8220;Augenmaß. Zur Genese der ikonischen Evidenz&#8221; schreibt Gottfried Boehm ferner: &#8220;Es gibt das Wissen nicht und wird es niemals geben, das zu sagen vermöchte, was dieses Sichtbar machende gerade bedeutet. Dennoch haben wir es mit Evidenzen zu tun, verschiedener Prägnanz&#8221; (38). Affekt, Evidenz, Prägnanz, das &#8220;Sichtbar machende&#8221; – diese Begriffe werden gewählt, um ein Doppeltes anzudeuten: Den Autoren geht es zum einen um Bewegung im Sinne der <em>e-motio</em>, der von den Bildern ausgehenden affektiven Bewegtheit des Betrachters. Im Anschluss daran wird zweitens  die <em>kinesische Qualität</em> ikonischer Vollzüge selbst thematisiert, was weitreichende Folgen für die Theorie des Bildes hat, denn Bilder zeigen hier ihre Unverfügbarkeit. In der Konfrontation mit Ikonischem ist eine Dynamik am Werk, die einer Eigengesetzlichkeit folgt und sich der Verfügungsgewalt des betrachtenden Subjekts nicht subordiniert. Dieser Eigengesetzlichkeit des Bildes nachzuspüren ist Motivation dieses Sammelbandes.</p>
<p>Auf der Grundlage von postontologischer Phänomenologie und Hermeneutik werden Zugänge zu Phänomenen des Bildlichen favorisiert, die mit strukturalistischen Herangehensweisen ebenso brechen wie mit klassisch kunsthistorischen Methoden (etwa Ikonografie oder Ikonologie). Bildlichkeit wird nicht in ihrer rein dinglichen Faktizität aufgesucht oder auf ihren Sinngehalt hin abgeklopft, sondern in ihrem Widerfahrnischarakter akzentuiert. Das &#8220;Movens Bild&#8221; ist in einem Dazwischen angesiedelt, weder &#8220;Bild im Kopf&#8221; noch &#8220;Bild an der Wand&#8221; (Hans Belting), und genau das entspricht der paradoxen Logik des eingangs erwähnten Titelbildes: Avancierter Bildtheorie kommt es darauf an zu sehen, was nicht zu sehen ist: das – offenbar bewusst ungewöhnlich geschriebene – &#8220;Sichtbar machende&#8221;.</p>
<p>Vor allem in dem ersten der drei Abschnitte – &#8220;Sehen und Wirken&#8221; – ist die theoretische Anstrengung beachtlich, mit der Bildlichkeit in ihrer Ereignishaftigkeit konturiert wird. Bernhard Waldenfels etwa analysiert auf der Grundlage seiner &#8220;Phänomenologie der Aufmerksamkeit&#8221; ikonische Vollzüge als eine Dynamik von Auffallen und Aufmerken. Bilder &#8220;springen ins Auge&#8221;, da sie sich einem &#8220;Doppelereignis&#8221; verdanken: &#8220;etwas fällt <em>mir </em>auf – <em>ich</em> merke auf&#8221; (50). Der Ausgangspunkt der Bilddynamik ist eine Beunruhigung des Blicks, die sich auch <em>störend</em> in die Wahrnehmung einmischen kann. Genau hier zeigt sich die Autonomie des Bildlichen. Diese spielt in den Aufsätzen von Sebastian Egenhofer und Andreas Cremonini ebenfalls eine bedeutende Rolle. Mit Nietzsche sieht Egenhofer in der Gegenstandslosigkeit der Differenz, die im &#8220;Ikonoklasmus&#8221; der abstrakten Malerei aufscheine, das Residuum einer &#8220;präphänomenalen <em>Dynamis</em>&#8220;, die alle Bildlichkeit grundiere – eine Art dionysischen Urgrund des Bildes. Mit Lacan attestiert Andreas Cremonini hingegen den Bildern eine &#8220;eigentümliche Handlungsform&#8221;, die sich etwa im Glanz zeige, der &#8220;ins Auge sticht&#8221;.</p>
<p>Solchen Überlegungen, die mitunter auch die ganz große philosophische Geste nicht scheuen, sind in den beiden anderen Abschnitten – &#8220;Bewegende und bewegte Bilder&#8221; sowie &#8220;Weisen und Beweisen&#8221; – detaillierte Analysen konkreter Bildphänomene zur Seite gestellt. Die Palette des ausgebreiteten Materials reicht dabei von Gerhard Richters &#8220;Vorhangbildern&#8221; (Christian Spies) über den &#8220;Bild- und Affekthaushalt im spätbarocken Sakralraum&#8221; (Nicolaj van der Meulen), von &#8220;Eisensteins Theorie des Bewegungsbildes&#8221; (Hermann Kappelhoff) und antiken Weltbildern (Christoph Markschies) bis zu Präsentationsformen &#8220;in Zeiten von Powerpoint&#8221; (Sybille Peters).</p>
<p>Allen Texten gemeinsam ist ein ausgesprochen hohes Maß an Detailfülle, dem in den theoretischen Teilen ein ebenso hohes Abstraktionsniveau gegenübersteht. Eine große Stärke dieser Aufsatzsammlung besteht darin, sich nicht mit poststrukturalistischen Allgemeinplätzen aufzuhalten. Auch wird einer in den letzten Jahren immer mehr feststellbaren Fetischisierung des Negativen nicht nachgegeben. Den Positionen ist ein Ringen um die adäquate Beschreibung der Phänomene und ein Streben nach exakter Begriffsarbeit stets anzumerken. Trotz der genannten Qualitäten ist nicht zu übersehen, dass sich die fachliche Ausrichtung des Bandes – entgegen der interdisziplinären Absicht des NFS &#8220;Bildkritik&#8221; – sehr stark auf Kunstwissenschaften und philosophische Ästhetik konzentriert. Positionen der Medientheorie, Computervisualistik, Design- oder Architekturtheorie findet man hier vergeblich. Dessen ungeachtet liegt mit <em>Movens Bild</em> ein erstes und vor allem vielversprechendes Ergebnis der Forschungen des Baseler <em>eikones</em>-Kreises vor, das sich auf der absoluten Höhe des gegenwärtigen bildwissenschaftlichen Diskurses befindet und mit Sicherheit den Ausgangspunkt für künftige weitreichende Impulse für die noch junge Bildwissenschaft bilden wird.</p>
<p><em>Literatur</em>:</p>
<ul>
<li>Boehm, G.: <em>Was ist ein Bild?</em> München [Wilhelm Fink Verlag] 1994.</li>
</ul>
<ul>
<li>Waldenfels, B.: <em>Phänomenologie der Aufmerksamkeit</em>. Frankfurt am Main [Suhrkamp Verlag] 2004.</li>
</ul>
<p><em>Links</em>:</p>
<ul>
<li><a href="http://www.fink.de/katalog/titel/978-3-7705-4631-2.html" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://pages.unibas.ch/kunsthist/boehm.html" target="_blank">Webpräsenz von Gottfried Boehm an der Universität Basel</a></li>
<li><a href="http://www.jacobs-university.de/directory/14762/" target="_blank">Webpräsenz von Birgit Mersmann an der Jacobs Universität Bremen</a></li>
</ul>


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		<title>Vilém Flusser: Kommunikologie weiter denken</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/673</link>
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		<pubDate>Wed, 24 Jun 2009 19:25:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einzelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
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		<category><![CDATA[Martin Buber]]></category>
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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Oliver Bidlo</em>

<img class="alignleft size-full wp-image-1551" title="flusser_2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/06/flusser_2009.jpg" alt="flusser_2009" width="160" height="244" />Vilém Flussers <em>Bochumer Vorlesungen</em> wirken im Buchformat vordergründig in doppelter Hinsicht anachronistisch. Zum einen, weil sie in einer Zeit erscheinen, in der eher der umgekehrte Weg Verbreitung findet: Heutzutage wird ein geschriebenes Buch in der Regel zu einem Hörbuch umgesetzt; zum anderen, weil Flusser selbst in seinen theoretischen Überlegungen sowohl die Schrift als auch das Schreiben als nicht zukunftsträchtig ansah. Dennoch ist es erfreulich, dass die <em>Bochumer Vorlesungen</em> nun als Buchedition vorliegen. Das kurze Vorwort von Friedrich A. Kittler, der Flusser von Ende Mai bis Ende Juni 1991 als Gastprofessor nach Bochum einlud, nennt bereits einige Charakteristika der gehaltenen Vorlesungen: gerafft, akustisch aufgenommen, frei gesprochen. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/673">[Mehr]</a>


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			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Oliver Bidlo</em></p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-1551" title="flusser_2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/06/flusser_2009.jpg" alt="flusser_2009" width="160" height="244" />Vilém Flussers <em>Bochumer Vorlesungen</em> wirken im Buchformat vordergründig in doppelter Hinsicht anachronistisch. Zum einen, weil sie in einer Zeit erscheinen, in der eher der umgekehrte Weg Verbreitung findet: Heutzutage wird ein geschriebenes Buch in der Regel zu einem Hörbuch umgesetzt; zum anderen, weil Flusser selbst in seinen theoretischen Überlegungen sowohl die Schrift als auch das Schreiben als nicht zukunftsträchtig ansah. Dennoch ist es erfreulich, dass die <em>Bochumer Vorlesungen</em> nun als Buchedition vorliegen. Das kurze Vorwort von Friedrich A. Kittler, der Flusser von Ende Mai bis Ende Juni 1991 als Gastprofessor nach Bochum einlud, nennt bereits einige Charakteristika der gehaltenen Vorlesungen: gerafft, akustisch aufgenommen, frei gesprochen.</p>
<p>Diese Aspekte sind zugleich prägend für die vorliegende Buchedition. Interessant und nicht unwichtig sind die editorischen Vorbemerkungen der Herausgeber Silvia Wagnermaier und Siegfried Zielinski, dem Direktor des Vilém-Flusser-Archivs in Berlin, die den Weg der Bochumer Vorlesungsreihe nachzeichnen. Bereits seit 2005 sind diese als Netzedition im Audio-Format über die Seiten des Flusser-Archives für die Öffentlichkeit zugänglich (<a href="http://www.flusser-archive.org" target="_blank">http://www.flusser-archive.org</a>). Von Seiten Flussers waren die <em>Bochumer Vorlesungen </em>von Beginn an so angelegt, dass sie später in eine Buchform gegossen werden sollten. Die jetzige Buchveröffentlichung kommt also dem Willen Flussers nach. Für die vorliegende Buchfassung musste in das umfangreiche Audio-Material vehement eingegriffen und sinnhaft gekürzt werden. Dergestalt war es von Seiten der Herausgeber eine kluge Entscheidung, in der Buchedition entsprechende Verweise auf die Netzedition zu implementieren, so dass eine Überprüfung und Nachführung jederzeit möglich ist.</p>
<p>Flusser war ein Buchmensch, ein Schreiber, dem das Schreiben lebensnotwendig war, auch wenn gerade er selbst die klassische Schrift und das Schreiben auf Papier mit Blick auf die Zukunft als überholt ansah. Zugleich galt Flusser als ein begnadeter Redner, der es verstand, im freien Vortrag die Zuhörer in seinen Bann zu ziehen. Dieser Aspekt schimmert durch die Buchedition hindurch, ist zwischen den Zeilen spürbar. Und das ist es auch, was dieses Buch so lesbar, unterhaltsam und mitunter spannend macht. Es sind die Sprünge in Flussers Denken, seine Präsenz und Leidenschaft, mit der er seine Ideen und Konzeptionen vorbringt. Die Themen des Buches sind weit gefasst und stellen in gewisser Hinsicht eine Verdichtung wesentlicher Teile des Flusser&#8217;schen Denkens dar. Der Titel des Buches <em>Kommunikologie weiter denken </em>ist insofern hoch gegriffen, als weiterführende Gedanken zu bisherigen Veröffentlichungen Flussers nur bedingt sichtbar sind. Vielmehr findet sich hier eine verdichtete und an manchen Stellen wesentlich verkürzte Darstellung von bereits Bekanntem.</p>
<p>Das kann einem durch andere Flusser-Lektüre nicht vorgebildeten Leser das Besondere an Flussers Denken durchgehen lassen. Ein Beispiel hierfür ist Flussers Darstellung der Proxemik. Auf eineinhalb Seiten verkürzt Flusser seine Konzeption von Proxemik derart, dass sie kaum verständlich ist. Proxemik, das Heranholen des entfernten Anderen, ist eine grundlegende Konzeption im Flusser&#8217;schen Denken. Der durch reversible Kabel Nahe-gebrachte-Entfernte, mit dem ich in einem Dialog stehe, wird für mich zu meinem Du, für das ich zugleich Ver<em>antwortung </em>übernehme. Erst durch ein Du kann ein Ich entstehen. Oder anders gesagt: Es gibt kein Ich ohne Du. Flusser überschreitet nun mit der Konzeption der Proxemik die herkömmliche jüdisch-christliche Sichtweise, in der mit dem Anderen, dem Du, immer der mir unmittelbare Andere gemeint ist. Diese Sichtweise, besonders in Martin Bubers Dialogphilosophie ausgearbeitet und auf Flusser wirkend, überschreitet Flusser, indem er auch den entfernten Menschen, mit dem ich durch elektronische Hilfsmittel in Kontakt stehe, zu einem echten Du zählt, für das ein Ich ebenfalls Ver<em>antwortung </em>– die Fähigkeit und Verpflichtung zur Antwort – zu übernehmen hat. Dieser Gedanke ist insofern zentral, als dass die Kommunikation mit und die Beziehung zu anderen Menschen uns aus der Einsamkeit der Existenz hebt und uns den Tod als unseren entropischen Endpunkt vergessen lässt.</p>
<p>Neu in dem Buch sind zumeist die Zusammenhänge und philosophischen Ursprünge, aus denen Flusser seine Gedankengänge und Überlegungen nachzeichnet und extrapoliert, so dass bereits von Flusser Bekanntes in neuen Beispielen präsentiert wird. Das wiederum hat seinen eigenen Reiz, da es der Überprüfung eigener Interpretationen von zuvor Gelesenem dienen kann. Schließlich war Flusser in früheren Veröffentlichungen immer sehr sparsam mit der Explikation eigener Quellen. Dies wird durch die <em>Bochumer Vorlesungen </em>an manchen Stellen deutlicher. So, wenn er zum Beispiel Heidegger gegen die griechische Philosophie um Platon argumentieren lässt oder betont, dass er &#8220;durch den saftigeren Heidegger zu dem richtigeren Husserl&#8221; (83) gekommen ist. Husserl markiert für Flusser einen Durchbruch in der Philosophie. In der <em>eidetischen Reduktion </em>findet Flusser eine Methode, die er zur Meisterschaft führt und von der aus er seine Streifzüge des Denkens beginnt.</p>
<p>Flusser sieht in der Überwindung der Trennung von Geistes- und Naturwissenschaft – und damit in der Aufspaltung des Menschen in Kultur und Natur – ein vordringliches Ziel für die Etablierung einer Kommunikologie. Schließlich gehe es in der menschlichen Kommunikation darum, &#8220;erworbene Informationen zu speichern, zu prozessieren und weiterzugeben&#8221; (26). Im Anschluss daran ist Kultur eine Vorrichtung zum Speichern und Weitergeben von Informationen. Das Prozessieren von Informationen zu neuen, anders zusammengestellten Informationen stellt den kreativen Prozess dar, in dem Flusser die Überwindung der Entropie – der zunehmend gleichen Verteilung der Elemente im geschlossenen System des Universums und der dadurch hervortretende Verlust von Information – sieht. Indem der Mensch kommuniziert, handelt er negentropisch, da er im Idealfall neue Informationen hervorbringt. Dieser Akt der Kreativität erfährt durch die neuen Kommunikationstechnologien eine Beschleunigung. Gerade hierin sieht Flusser die Chance in der Überwindung der Trennung von Geistes- und Naturwissenschaften: Sobald nämlich Maschinen und Technologien als ein kreativer Auswurf verstanden werden wie die Musik oder die Kunst, ist eine solche Trennung hinfällig. Kommunikation, Gestaltung und Entwerfen sind ein widernatürliches Verhalten des Menschen, das bestimmt wird vor dem Hintergrund des Wissens um den eigenen Tod. Es ist dies der Punkt, in den alle leiblich gebundenen Informationen der Entropie zugeführt werden. Kommunizieren ist dergestalt Handeln gegen den Tod.</p>
<p>Fazit: Das Buch ist besser als ein verdichtetes Lesebuch zum Denken Flussers zu fassen, als eine Vertiefung oder Weiterführung seiner zuvor in der <em>Kommunikologie</em>, <em>Vom Subjekt zum Projekt </em>oder <em>Ins Universum der technischen Bilder </em>dargelegten Ansätze und Konzeptionen. Das wiederum schmälert den Wert des Buches und der Lektüre nicht. Es ist ein echter Flusser, der gekennzeichnet ist von innovativen und überraschenden Beispielen und Überlegungen, einer Vehemenz und zugleich Sprunghaftigkeit in der Darstellung und provokativen Schlussfolgerungen.</p>
<p>Das Nachwort von Silvia Wagnermaier unterstreicht nochmals den steinigen Weg, den Flusser ging, um an erste Publikationsmöglichkeiten in Deutschland zu gelangen. Ein Glossar für lateinische und griechische Begrifflichkeiten und ein Namens-, Sach- und Ortsindex runden das Buch in seinem Nutzwert für die weitere Flusserforschung ab.</p>
<p><em>Links</em>:</p>
<ul>
<li><a href="http://www.fischerverlage.de/buch/Kommunikologie_weiter_denken/9783596181452?_navi_area=&amp;_navi_item=&amp;&amp;_letter=" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.uni-due.de/kowi/OBidlo.shtml" target="_blank">Webpräsenz von Oliver Bidlo an der Universität Duisburg-Essen</a></li>
</ul>


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<li><a href='http://www.rkm-journal.de/archives/1649' rel='bookmark' title='Permanent Link: Marco Iacoboni: Woher wir wissen, was andere denken und fühlen'>Marco Iacoboni: Woher wir wissen, was andere denken und fühlen</a></li>
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