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	<title>rezensionen:kommunikation:medien &#187; Öffentlichkeit</title>
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	<description>Rezensionen aus den Bereich Kommunikation und Medien</description>
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		<title>Christoph Meißelbach: Web 2.0 &#8211; Demokratie 3.0?</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/2395</link>
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		<pubDate>Tue, 17 Aug 2010 10:11:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Öffentlichkeit]]></category>
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		<description><![CDATA[ <em>Rezensiert von Christoph Bieber</em>

<a href="http://www.rkm-journal.de/archives/2395"><img class="alignleft size-full wp-image-3494" title="Meißelbach2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2010/02/Meißelbach20091.jpg" alt="" width="160" height="222" /></a>

Der Ende 2009 erschienene Band mit dem zahlenspielerischen Titel <em>Web 2.0 – Demokratie 3.0?</em> versucht sich an einer schwierigen Aufgabe. Auf gerade mal 126 Seiten (zuzüglich eines 20-seitigen Literaturverzeichnisses) setzt sich der Autor mit demokratischen Potenzialen des Internets auseinander, stellt dabei die technologischen Grundlagen der "GKI" (der Globalen Kommunikations-Infrastruktur) vor, strukturiert den Gegenstand entlang politik- wissenschaftlicher  und soziologischer Großtheorien, evaluiert Theorie und Empirie der digitalen Demokratie und wagt unter der etwas bemüht klingenden Überschrift "Politische Software – Es sind Updates verfügbar!" auch noch einen Ausblick in die Zukunft der politschen Online-Nutzung. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/2395">[Mehr]</a>


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</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Christoph Bieber</em></p>
<p><em><a href="http://www.rkm-journal.de/archives/2395"><img class="alignleft size-full wp-image-3494" title="Meißelbach2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2010/02/Meißelbach20091.jpg" alt="" width="160" height="222" /></a></em></p>
<p>Der Ende 2009 erschienene Band mit dem zahlenspielerischen Titel <em>Web 2.0 – Demokratie 3.0?</em> versucht sich an einer schwierigen Aufgabe. Auf gerade mal 126 Seiten (zuzüglich eines 20-seitigen Literaturverzeichnisses) setzt sich der Autor mit demokratischen Potenzialen des Internets auseinander, stellt dabei die technologischen Grundlagen der &#8220;GKI&#8221; (der Globalen Kommunikations-Infrastruktur) vor (Kap. 3), strukturiert den Gegenstand entlang politik- wissenschaftlicher (7. Kap.) und soziologischer (8. Kap.) Großtheorien, evaluiert Theorie und Empirie der digitalen Demokratie und wagt unter der etwas bemüht klingenden Überschrift &#8220;Politische Software – Es sind Updates verfügbar!&#8221; auch noch einen Ausblick in die Zukunft der politschen Online-Nutzung.</p>
<p>Angesichts dieses Tableaus scheint ein <em>agenda overload</em> unvermeidlich, und tatsächlich dürften sich die informierteren Leser fragen, ob die ausführliche Darstellung von &#8220;Diensten und Anwendungen&#8221; oder &#8220;basale Merkmale netzbasierter Kommunikation&#8221; notwendig waren, beziehungsweise wann denn nun neue Ideen, Quellen oder Einschätzungen und Modellierungen folgen mögen. Die Gliederung deutet auf die umständlichen Gene einer Qualifikationsarbeit hin und daher sollte man gar nicht so sehr den Autor als vielmehr den (oder die) Betreuer dafür kritisieren, dass die technologisch und kommunikations- wissenschaftlichen Deskriptionen (Kap. 3 bis 5) den durchaus spannenden Versuchen einer (demokratie)theoretischen Modellierung den Platz wegnehmen.</p>
<p>Dabei ist der Autor sehr wohl in der Lage, angesichts dieser Herkulesaufgabe in einem in den vergangenen Jahren zwar randständig, aber eben doch auch produktiv bearbeiteten Arbeitsbereich den Überblick zu behalten. Er pendelt zwischen der sich ständig selbst überholenden technologischen Empirie und dem ungleich haltbareren Katalog demokratie- und gesellschaftstheoretischer Entwürfe, insbesondere die zahlreichen Schaubilder sorgen für Klärung, da sie an verschiedenen Stellen synoptische Funktionen übernehmen.</p>
<p>Einen wichtigen Schlüssel für die Auseinandersetzung mit den Implikationen kompetitiver, pluralistischer und partizipatorischer Demokratietheorien liefert Meißelbach mit Hilfe der vier &#8220;Informationsfluss-Muster&#8221; Allokution, Konsultation, Registration und Konversation (45ff.). Dabei greift er auf zahlreiche Vorarbeiter zurück, die bereits vor fünf bis zehn Jahren festgestellt haben, dass die Neukonfiguration gesellschaftlicher Kommunikations- ströme auch die Verfassung demokratischer Systeme beeinflussen könnte. Insofern geht die Betrachtung zwar über &#8220;bislang verfügbare ad hoc-Argumentationen hinaus&#8221; (Klappentext), doch fügt sie der Debatte nur bedingt neue Impulse hinzu.</p>
<p>Dabei ließe sich die Diskussion um theoretische und empirische Implikationen der Digitalisierung durchaus anreichern, auch ohne eigenes empirisches Material zu erheben. So hätte es genügt, der eher theorie- und potenzialorientierten &#8220;europäischen&#8221; Linie den eher praxisorientierten US-amerikanischen Spiegel vorzuhalten – etwa so, wie es Howard Rheingold während seines in der deutschsprachigen Fachdebatte leider nicht angekommenen &#8220;Stanforder Disputs&#8221; mit Jürgen Habermas versucht hatte. So resultiert schließlich eine zwar anerkennenswerte Zusammenschau diverser demokratietheoretischer Zugriffe auf das Feld der digitalen Demokratie, deren Praxisferne sich jedoch schon im Schlusskapitel offenbart.</p>
<p>Der ausblickende Abschnitt zur &#8220;Politischen Software&#8221; und besonders das darin skizzierte &#8220;Bürgerportal&#8221; als (verwaltungsgebundenes) Rückgrat erscheint leider wenig realistisch – hier macht sich bemerkbar, dass aufgrund der Fokussierung auf die Kopplung des &#8220;GKI&#8221; mit den sozialwissenschaftlichen Groß-Theorien eine aktuelle Bestandsaufnahme mit der empirischen Dimension der digitalen Demokratie nicht hat stattfinden können. Denn längst sind die von Meißelbach modellierten Flussmuster in zahlreichen Prozessen, Strukturen und mit der Entstehung des neuen Politikfeldes &#8220;Digitale Bürgerrechte&#8221; auch auf der Inhaltsebene manifest geworden – ein solcher &#8216;reality check&#8217; wäre ein natürlicher Anschluss für die hier vorgelegte Basisarbeit, der von den Zwängen des Formats erheblicher Gestaltungsraum genommen wurde.</p>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.nomos-shop.de/productview.aspx?product=11965" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://tu-dresden.de/Members/christoph.meisselbach" target="_blank">Webpräsenz von Christoph Meißelbach an der TU Dresden</a></li>
<li><a href="http://www.uni-giessen.de/cms/fbz/fb03/institute/institut-fur-politikwissenschaft/Personen/bieber" target="_blank">Webpräsenz von Christoph Bieber an der Universität Gießen</a></li>
</ul>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Hannelore Bublitz: Im Beichtstuhl der Medien</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/3585</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/3585#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 30 Jul 2010 09:43:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einzelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Authentizität]]></category>
		<category><![CDATA[Öffentlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Beichte]]></category>
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		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Mediensoziologie]]></category>
		<category><![CDATA[Selbsttechnologien]]></category>
		<category><![CDATA[Simmel]]></category>
		<category><![CDATA[Subjekttheorie]]></category>

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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Claudia Schirrmeister</em>

<a href="http://www.rkm-journal.de/archives/3586"><img class="alignleft size-full wp-image-3586" title="Bublitz" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2010/07/Bublitz.jpg" alt="" width="160" height="267" /></a><em>Im Beichtstuhl der Medien</em> lautet der Titel des von der Paderborner Soziologie-Professorin Hannelore Bublitz vorgelegten Bandes – um sogleich die Erwartungen des Lesers in die Irre zu führen, wäre da nicht der Untertitel <em>Die Produktion des Selbst im öffentlichen Bekenntnis</em>. Der Beichtstuhl steht gemeinhin für aufrichtige und inhaltlich ernste Selbstthematisierungen, eingebettet in einen institutionell vorgegebenen, jahrhundertealten Rahmen – ein sozialer und juristischer Schutzraum, formal vergleichbar mit der Praxis eines Psychologen oder der Kanzlei eines Anwalts. Auch wenn Hannelore Bublitz den Beichtstuhl als "mediale Apparatur" bezeichnet, stellt sich die Frage, ob der Besprechungstisch eine ebensolche darstellt – gilt ihr Augenmerk doch den elektronischen Medien, vor allem dem Fernsehen und, eher am Rande, dem Internet. Diese Medien hingegen scheinen einen Kontrast zur Situation in einem Beichtstuhl zu liefern, wie er krasser kaum ausfallen kann, widerspricht doch die geheimnisgeschützte religiöse Beichte der ostentativen Öffentlichkeit einer Fernsehsendung. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/3585">[Mehr]</a>


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<li><a href='http://www.rkm-journal.de/archives/1536' rel='bookmark' title='Permanent Link: Holger Schramm (Hrsg.): Handbuch Musik und Medien'>Holger Schramm (Hrsg.): Handbuch Musik und Medien</a></li>
</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Claudia Schirrmeister</em></p>
<p><a href="http://www.rkm-journal.de/archives/3586"><img class="alignleft size-full wp-image-3586" title="Bublitz" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2010/07/Bublitz.jpg" alt="" width="160" height="267" /></a><em>Im Beichtstuhl der Medien</em> lautet der Titel des von der Paderborner Soziologie-Professorin Hannelore Bublitz vorgelegten Bandes – um sogleich die Erwartungen des Lesers in die Irre zu führen, wäre da nicht der Untertitel <em>Die Produktion des Selbst im öffentlichen Bekenntnis</em>. Der Beichtstuhl steht gemeinhin für aufrichtige und inhaltlich ernste Selbstthematisierungen, eingebettet in einen institutionell vorgegebenen, jahrhundertealten Rahmen – ein sozialer und juristischer Schutzraum, formal vergleichbar mit der Praxis eines Psychologen oder der Kanzlei eines Anwalts. Auch wenn Hannelore Bublitz den Beichtstuhl als &#8220;mediale Apparatur&#8221; (66) bezeichnet, stellt sich die Frage, ob der Besprechungstisch eine ebensolche darstellt – gilt ihr Augenmerk doch den elektronischen Medien, vor allem dem Fernsehen und, eher am Rande, dem Internet. Diese Medien hingegen scheinen einen Kontrast zur Situation in einem Beichtstuhl zu liefern, wie er krasser kaum ausfallen kann, widerspricht doch die geheimnisgeschützte religiöse Beichte der ostentativen Öffentlichkeit einer Fernsehsendung.</p>
<p>Der Autorin geht es nicht erster Linie darum, zu untersuchen,<em> was</em> in welchem Kontext offenbart wird, sondern – siehe Untertitel – <em>wie</em> sich die Person selbstthematisiert und darstellt, um die Konstruktion bzw. Konstitution des Selbst, man kann sagen: mit Hilfe der elektronischen Medien, voranzutreiben.</p>
<p>Mit anderen Menschen (über sich) sprechen, in sozialen Situationen handeln und sich verbal wie nonverbal äußern, erzeugt Identität und Selbst-Bewusstsein; man betrachtet und klassifiziert sich im Auge des Betrachters, so das zugrunde gelegte Axiom. Wird man nicht gesehen, ist man (sozial) nicht existent (196) – bislang hauptsächlich als leidiges Prominentenschicksal bekannt. Diese Selbstkonstruktion ist typisch menschlich, wenngleich in der Kontingenz der Postmoderne die Urteile und Bewertungskategorien bei weitem nicht mehr derart feststehen bzw. leicht abgerufen werden können wie in der Vergangenheit, wo mitunter allein die Kleidung verlässliche Hinweise auf die soziale Einbindung und die Eigenschaften einer Person gab. Damit macht sich in der Gegenwart Unsicherheit auch hinsichtlich der eigenen Identität breit. Das vermehrte Aufkommen von Selbsterfahrungskursen und -gruppen sind eindeutige Zeichen dafür.</p>
<p>Bublitz nun zeigt mit Jacques Lacan, dass die Herstellung von Selbst-Bewusstsein ebenso in den Medien gegenüber einer anonymen Masse und gegenüber den TV-Akteuren, mit denen es der Medienkandidat aus dem Volk im direkten Gespräch zu tun hat, gelingt. Sie möchte darauf hinaus, dass bei einem Sich-Darstellen im Fernsehen die Entwicklung eines von den Anderen als positiv bewerteten Selbst, welches sich dann auf den Darsteller übertragt (der <em>looking-glass-effect</em> nach Cooley), möglich ist. Die Zuschreibung des begehrten positiven Urteils bedingt jedoch einerseits ein systemkonformes Verhalten des Darstellers, andererseits aber gleichzeitig ein flexibles und einfallsreiches Verhalten. Diese &#8220;Persönlichkeiten&#8221; (216) sind gewünscht und werden gefördert, sie können aus ihrem Auftritt soziales und ökonomisches Kapital schlagen. Im Prinzip ist diese Kombination keine medienspezifische Vorgabe: Flexibilität bei gleichzeitiger Anpassung verlangt auch die postmoderne Gesellschaft vom Erfolgstrebenden, wie dies schon Richard Sennett Ende der 1990er Jahre dargelegt hat.</p>
<p>Es handelt sich also keineswegs um publikumsgeile dumme Trottel, die sich öffentlich präsentieren, womit sich Bublitz scharf gegen Umberto Eco und die feuilletonistische Pathologisierung dieser Personen wendet, vielmehr sind sie clevere und kreative Menschen, die versuchen, für sich über andere an Wert zu gewinnen und eine – wenn nur kurzfristige – soziale Verortung ihrer selbst zu erreichen. Das potenzielle &#8220;Selbstopfer&#8221; kann zur &#8220;lohnenden Investition&#8221; werden (217), wobei man sich fragen muss, was denn eigentlich &#8216;geopfert&#8217; wird? Authentizität, so die Soziologin, ist dabei nicht gefragt und wird ebenfalls von niemandem erwartet: Die Präsentation muss lediglich <em>echt wirken</em>. Die Enthüllung als &#8220;Biographiegenerator&#8221; im Sinne Alois Hahns hat in dieser Flüchtigkeit natürlich ausgedient.</p>
<p>Der Mensch als medienrezipientengerechter Simulant – ist das so neu?</p>
<p>Abhebend von der historisch gewachsenen Trennung zwischen Privatheit und Öffentlichkeit, welche sich laut Bublitz in der Postmoderne auflöst, der Bedeutung von Selbstthematisierungen und Fremdbeobachtungen an sich – die Autorin verweist hier auf das von Michel Foucault aufgegriffene Bentham&#8217;sche Panopticon – und der Entwicklung von Selbststrategien am Beispiel des Flaneurs, dokumentiert sie gesellschaftliche Grenzverschiebungen, die sich schließlich im geforderten Verhalten einer selbstbewussten, sozial erfolgreichen Person spiegeln, sie beeinflussen und letztlich bestimmen. Die Suche in der Unsicherheit der Welt nach einer – was ist das eigentlich? – fixen (?) Identität, nach einer eigenen &#8220;Marke&#8221;, womit man soziale Unikate bereits in der Vergangenheit noch ganz ohne ökonomische Gedanken bezeichnete, treibt die postmoderne Person um und lässt sie im historischen Vergleich zu unkonventionellen Mitteln ihrer Selbstpräsentation greifen. Die Konstruktion des Selbst liegt mehr denn je, so scheint es mit Bublitz, in der jeweils eigenen Hand – und der der anderen. Hält die von Hannelore Bublitz in Kapitel V eingehend und besonders in der Analyse des Verhaltens des Moderators bzw. des institutionell legitimierten Gesprächspartners Jürgen Domian gewinnbringend untersuchte Talkshow <a href="http://www.einslive.de/sendungen/domian/" target="_blank">Domian</a> noch die kommunikative Grundstruktur der traditionellen Beichtsituation mit einem &#8216;Happy End&#8217; aufrecht, wobei sich das per Telefon zugeschaltete Beichtkind systemgerecht und natürlich &#8216;echt&#8217; verhalten muss, so ist in mancher Casting-Show alle gezeigte Konformität und Kreativität vergebens – wenn sie denn eben nicht echt, echt genug wirkt.</p>
<p>Nochmals: Ist dieses Prinzip der Selbstkreation so neu, wie die Lektüre vermuten lässt? Das Selbst des Menschen verkörpert sich in vielen sozialen Rollen, die Vorgabe von Authentizität war in vielen Belangen schon in früheren Zeiten ausreichend für das Gelingen eines tragfähigen Miteinanders und das Aufrechterhalten einer in der Rolle stimmigen, wenn gleich sich im Ganzen womöglich teilweise widersprechenden Identität. Die Vorder- und Hinterbühnenmetaphorik, die Bublitz benutzt, das Agieren in Rollen, das nicht immer authentisch sein, aber echt erscheinen muss, hat Erving Goffman auch für den Alltagsmenschen anschaulich postuliert. In ihrer Argumentation verweist Bublitz auf dessen Arbeiten jedoch nicht. Ebenso wenig auf Georg Simmel, der die Zurückhaltung authentischen Verhaltens zugunsten einer distanzierten, aufrichtig erscheinenden Selbstdarstellung als erworbene Eigenschaft des sozial tauglichen Alltagsmenschen in der Moderne beschreibt. Der Mensch hat zur Selbstdarstellung also immer schon Theater gespielt; in der postmodernen Gesellschaft weiß man offenbar darum und erwartet keine authentische Präsentation mehr, sondern ist mit guter Darstellung derselben bestens zufrieden. Die Person wird zur &#8220;personae&#8221; (220f.); diese Wandlung beschreibt die Autorin sehr überzeugend. Die paradoxerweise gewünschte Persönlichkeit vergeht, auch weil so viele Reflexionsmöglichkeiten, so viele Spiegel existieren; sie muss also gespielt werden – so ließe sich Bublitz&#8217; These zusammenfassen.</p>
<p>Es gibt allerdings immer noch Situationen, in denen authentisches Verhalten verlangt wird – so zumindest die Hoffnung der Rezensentin. Wie wohl der in den Medien soziales Kapital erworbene Held damit zurechtkommt? Lernt er vielleicht in der psychotherapeutischen Praxis eine weitere Rolle?</p>
<p><em>Links</em>:</p>
<ul>
<li><a href="http://www.transcript-verlag.de/ts1371/ts1371.php" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://kw.uni-paderborn.de/institute-einrichtungen/institut-fuer-humanwissenschaften/soziologie/personal/bublitz/" target="_blank">Webpräsenz von Hannelore Bublitz an der Universität Paderborn</a></li>
<li><a href="http://www.uni-due.de/geisteswissenschaften/mitarbeiter_schirrmeister_index.shtml" target="_blank">Webpräsenz von Claudia Schirrmeister an der Universität Duisburg-Essen</a></li>
</ul>


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<li><a href='http://www.rkm-journal.de/archives/1536' rel='bookmark' title='Permanent Link: Holger Schramm (Hrsg.): Handbuch Musik und Medien'>Holger Schramm (Hrsg.): Handbuch Musik und Medien</a></li>
</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Cass R. Sunstein: Infotopia</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/646</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/646#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 12 Feb 2010 10:32:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Rainer Kuhlen</em>

<a href="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/06/sunnstein2009.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-2076" title="sunnstein2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/06/sunnstein2009.jpg" alt="" width="160" height="266" /></a>Von den richtigen Leuten zitiert zu werden, ist eine Freude für Autoren. Dass James Boyle in seinem Buch <em>The Public Domain</em> das Kapitel 8 zur "verteilten Kreativität" mit dem Hinweis auf Yochai Benklers <em>The Wealth of Networks</em> beginnt, ist recht und und billig. Benklers Grundzüge einer "commons-based economy", in der sich über "peer production" neuen Formen verteilter Kreativität entfalten können, ist in der Tat das Standardwerk zu diesem Thema. Aber gleich im nächsten Absatz heißt es: "Benkler's work is hardly the only resource however. Other fine works covering some of the same themes include: Cass R. Sunstein, <em>Infotopia: How Many Minds Produce Knowledge</em> (New York: Oxford University Press, 2006)". Das hat Cass R. Sunstein bestimmt gefreut. Sein Buch liegt jetzt mit dem gleichen Titel und dem Untertitel "Wie viele Köpfe Wissen produzieren" im Suhrkamp-Verlag vor, aus dem Amerikanischen flüssig und ohne erkennbare Einbuße übersetzt von Robin Celikates und Eva Engels. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/646">[Mehr]</a>


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</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Rainer Kuhlen</em></p>
<p><a href="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/06/sunnstein2009.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-2076" title="sunnstein2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/06/sunnstein2009.jpg" alt="" width="160" height="266" /></a>Von den richtigen Leuten zitiert zu werden, ist eine Freude für Autoren. Dass James Boyle in seinem Buch <em>The Public Domain</em> (2008) das Kapitel 8 zur &#8220;verteilten Kreativität&#8221; mit dem Hinweis auf Yochai Benklers <em>The Wealth of Networks</em> (2006) beginnt, ist recht und und billig. Benklers Grundzüge einer &#8220;commons-based economy&#8221;, in der sich über &#8220;peer production&#8221; neuen Formen verteilter Kreativität entfalten können, ist in der Tat das Standardwerk zu diesem Thema. Aber gleich im nächsten Absatz (286) heißt es: &#8220;Benkler&#8217;s work is hardly the only resource however. Other fine works covering some of the same themes include: Cass R. Sunstein, <em>Infotopia: How Many Minds Produce Knowledge</em> (New York: Oxford University Press, 2006)&#8221;. Das hat Cass R. Sunstein bestimmt gefreut. Sein Buch liegt jetzt mit dem gleichen Titel und dem Untertitel &#8220;Wie viele Köpfe Wissen produzieren&#8221; im Suhrkamp-Verlag vor, aus dem Amerikanischen flüssig und ohne erkennbare Einbuße übersetzt von Robin Celikates und Eva Engels.</p>
<p>Dass Sunstein sich im Vorwort besonders für die Unterstützung von Lawrence Lessig bedankt, schließt den Kreis. Gleich Boyle, Benkler, Lessig (und vielen anderen), geht es Sunstein darum, die Potenziale von Deliberation (&#8220;eine altehrwürdige Form der Interaktion&#8221;) im Kontext des Internet neu zu überprüfen. Für &#8220;Deliberation&#8221; hat sich in den letzten Jahren auch der Ausdruck &#8220;Kollaboration&#8221; durchgesetzt – in Deutschland, sicher auch in Frankreich, hat man sich damit etwas schwerer getan, weil das Wort sofort die Assoziation zu den &#8220;Kollaborateuren&#8221; (den Vaterlandsverrätern im Vichy-Regime) weckte. Es geht aber darum, die These zu belegen, dass in kollaborativ arbeitenden, deliberativen Gruppen &#8220;ein Ergebnis mit einiger Wahrscheinlichkeit viel besser ist, wenn Informationen auf die richtige Weise von vielen verschiedenen Personen aggregiert werden&#8221; (10).</p>
<p>In der Kollaborationstheorie des E-Learning, worauf Sunstein aber nicht explizit eingeht, wird das &#8220;aggregiert&#8221; oft noch offensiver verstanden, und zwar in dem Sinne, dass das in deliberativen Gruppen erzeugte Wissen mehr ist als die Summe des Wissens der einzelnen Personen in diesen Gruppen. Wie auch immer, auch eine gute Aggregation wäre schon ein gutes Ergebnis. Die Übersetzer haben übrigens gezögert, &#8220;deliberating groups&#8221; direkt als &#8220;deliberative Gruppen&#8221; stehen zu lassen. Anders als das Substantiv sei das Adjektiv bislang nicht eingeführt. Allerdings deckt die vorgeschlagene Übersetzung &#8220;diskutierende Gruppen&#8221; den Mehrwert von deliberativen Prozessen nicht vollständig ab. Es geht ja nicht primär ums Diskutieren oder um Kommunikationsprozesse (Sunstein rekurriert hier etwas verkürzt auf Jürgen Habermas), sondern um den aggregierten oder sogar gesteigerten Wissenszuwachs durch informationelle Austauschprozesse.</p>
<p>Sunstein ist von der Richtigkeit der These überzeugt, die von ihm ursprünglich aus dem ökonomischen Bereich der Marktprognosen entwickelt und in <em>Infotopia</em> verallgemeinert wurde: Der Zugang zu verstreuten Informationen kann &#8220;letztlich zu vernünftigeren Entscheidungen sowohl auf Märkten als auch in der Politik&#8221; führen (10). Aber Sunstein weiß auch, dass deliberative Prozesse, wenn unzulänglich durchgeführt, zu suboptimalen, oft sogar fatalen Resultaten führen können. Nicht umsonst hat Sunstein mit dem Hinweis auf &#8220;die richtige Weise&#8221; der Deliberation gleich den Riegel vor zu optimistischen Erwartungen vorgeschoben.</p>
<p>Das Buch ist voll von diesen Beispielen des &#8220;überraschenden Versagens deliberativer Gruppen&#8221; (Kapitel 2 und 3) – theoretisch zum Beispiel fundiert in der Auseinandersetzung mit den empirischen Ergebnissen der von Irving Janos initiierten &#8220;groupthink-theory&#8221; (&#8220;Gruppendenken-Theorie&#8221;), durch die nachgewiesen werden konnte, dass unter sozialem Druck oft genug &#8220;gedankenlose Einhelligkeit und gefährliche Selbstzensur&#8221; gefördert wird (24). Das bekannteste negative Beispiel sind die der Schweinebucht-Initiative vorangehenden &#8220;Deliberationen&#8221; im Kennedy-Zirkel – positiv dann wohl die Deliberationen, ebenfalls im Kennedy-Zirkel, im Zusammenhang der anderen, noch dramatischeren Kuba-/Raketen-Krise. Sunstein verwendet als Gegenpol zu den produktiven deliberativen Gruppen die Bezeichnung &#8220;Informationskokons&#8221;, die er in vielen Unternehmen vorgefunden hat. Das sind für ihn ebenfalls kommunikative Welten, aber solche, in denen wir nur das an Information aufnehmen, was uns beruhigt und zusagt – also nur das, was an sich schon Vorhandenes lediglich fortspinnt.</p>
<p>Sunsteins Buch ist also keineswegs eine bedingungslose Verteidigung der Überlegenheit von deliberativen Prozessen. Zu oft wird die &#8220;richtige Weise&#8221; nicht gefunden. Als zentrale Quellen des Versagens deliberativer Prozesse macht Sunstein aus, dass zum einen viele Menschen nicht in der Lage oder nicht willens sind, ihre eigene Position, auch wenn sie sie an sich für richtig halten, gegenüber der Mehrheitsmeinung oder der Meinung einer Autoritätsperson geltend zu machen. Oft wird auch nichts gesagt, wenn das Sagen keinen eigenen Vorteil verspricht. Die andere Quelle ist die Furcht vor Sanktionen, wovon der Ausschluss aus der Gruppe noch die geringste ist. Entsprechend haben deliberative Gruppen nach Sunstein vier große Probleme: 1) Gruppen verstärken die Fehler ihrer Mitglieder. 2) Informationen, die die Mitglieder an sich haben, werden in der Gruppe nicht offengelegt und so nicht bekannt. 3) Kaskadeneffekte: Blinde weisen anderen Blinden den Weg. 4) Gruppen neigen zur Polarisierung und kommen so zu extremen Ergebnissen.</p>
<p>Je weiter man in Sunsteins Buch voranschreitet, umso klarer wird, dass für ihn das Vorbild für erfolgreiche deliberative Prozesse die Prognosemärkte in der Wirtschaft sind (also die Aggregation privater Informationen), die wesentlich erfolgreicher abschneiden als die auch schon erstaunlich treffsicheren Mittelwerte von Umfragen in gar nicht mal so großen Gruppen. Intuitiv sträuben sich dabei die Haare, wenn empirisch gut nachgewiesen wird, das zum Beispiel Gerichts- beziehungsweise Jury-Entscheidungen (man denke an den Fall Michael Jackson) fast immer identisch mit den entsprechenden Ergebnissen der Prognosemärkte sind – was natürlich auch Sunstein nicht daran zweifeln lässt, dass die juristische Beweisaufnahme dennoch weiter unverzichtbar ist.</p>
<p>Das Buch gewinnt dann aber seine Attraktivität (und Sunstein betritt dabei auch für ihn durchaus noch wenig exploriertes Gelände), wenn Sunstein sich in Kapitel 5 die &#8220;Arbeit vieler Köpfe&#8221; am Beispiel der Wikis, Open-Source-Software und Blogs vornimmt. Das fängt mit dem kollaborativen Filtern an, wie es etwa bei <a href="http://www.amazon.de" target="_blank">Amazon</a> mit Buchempfehlungen auf der Grundlage des Verhaltens vieler Käufer erfolgreich ist: Kaufe ich ein Buch &#8220;a&#8221;, das viele Leute neben einem Buch &#8220;b&#8221; ebenfalls gekauft haben, so ist es oft ein guter, tatsächlich ein fast schon immer unheimlich guter Tipp, auch mir das Buch &#8220;b&#8221; anzubieten.</p>
<p>Musterbeispiel für Netzdeliberationen ist hier natürlich die Online-Enzyklopädie <a href="http://www.wikipedia.de" target="_blank">Wikipedia</a>, deren Erfolg auch schon der Gründer Jimmy Wales mit Gedanken von Hayek zur Preistheorie beziehungsweise zu Preissystemen erklärt hatte. In Sunsteins Worten: &#8220;Wenn Informationen weit verstreut sind und wenn es keinen einzelnen &#8216;Planer&#8217; gibt, der Zugang zu dem hat, was gewusst wird, dann sprechen für die Arbeitsweise von Wikipedia generell die gleichen Gründe wie für das Preissystem&#8221; (190f.). Für den Ökonomen ist es dann gewiss eine große Versuchung, den Erfolg von Wikis auf den Unternehmensbereich zu übertragen. Hier werden positive und gescheiterte Ansätze angeführt. Es zeigt sich allerdings, wie auch bei Sunsteins folgendem Beispiel zur Open-Source-Software, dass eben das nicht Sunsteins genuine Welt ist, sodass er hier auch nicht mit gut begründeten Theorien (beispielsweise für Anreiz- und Belohnungssysteme) aufwarten kann, geschweigen denn mit repräsentativen Ergebnissen empirischer Studien zum Einsatz von Wikis oder Blogs in Unternehmen.</p>
<p>Aber das tut dem gesamten Unternehmen kaum einen Abbruch. Zu oft gelingen ihm gute Beobachtungen mit treffenden Feststellungen. So etwa, wenn er für die Open-Source-Software die &#8220;Kultur der Gabe&#8221; (<em>gift economy</em>) gegenüber der &#8220;Kultur des Austauschs&#8221; oder gar der &#8220;Warengesellschaft&#8221; herausstellt. Man wünschte sich, Sunstein hätte dabei mehr zu Innovationen fördernden Regelungen im Urheberrecht ausgeführt, als er es auf knapp anderthalb Seiten in Kapitel 5 getan hat, die zudem mehr auf Creative-Commons-Lizenzen eingehen als auf einschränkende (starke) oder öffnende (schwache) Urheberrechtsregulierungen.</p>
<p>Verteilte Informationen können in Gruppen nur zusammenkommen und offengelegt und dann genutzt werden, wenn die Mitglieder nicht befürchten müssen, dass Offenlegung und öffentliche Zugänglichmachung von Informationen für sie keine urheber- bzw. strafrechtlichen Sanktionen nach sich ziehen werden. Das und viele andere den Erfolg der Deliberation einschränkende Argumente halten Sunstein aber nicht davon ab, als Resümee &#8220;eine optimistische Sichtweise&#8221; einzunehmen:<br />
<small>&#8220;Wie niemals zuvor verfügt die Menschheit heute über vielversprechende Methoden, weitverstreute Quellen des Wissens und der Kreativität in einem Strom zusammenzuführen, dessen Produktivität erstaunlich ist. Der Wert dieser Methoden hängt letztlich natürlich davon ab, wie wir sie verwenden. Wenn wir aber wetten wollen, ist es sicher sinnvoll, eine Wette auf den Optimismus abzuschließen.&#8221;</small><br />
Auf längere Sicht wird Sunstein hoffentlich recht behalten. Gegenwärtig hängt aber der Erfolg in vielen Situationen kollaborativer deliberativer Prozesse nicht in erster Linie davon ab, &#8220;wie&#8221; wir Methoden und Informationen verwenden, sondern &#8220;ob&#8221; uns die benötigten Informationen überhaupt zu fairen Bedingungen zugänglich, geschweige denn frei zugänglich sind. Das ist das andere Paradox, auf das Sunstein kaum eingeht: In der Tat ist heute wie noch nie in der Menschheitsgeschichte so viel an Information im Prinzip frei zugänglich, aber auch noch nie waren die Verknappungsformen (sei es über das Recht, die Preispolitik oder die Schutztechnik) so umfassend wie heute. Aber das mag ein Übergangsproblem sein. Setzen wir auf Sunstein!</p>
<p><em>Literatur</em>:</p>
<ul>
<li>Boyle, J.: <em>The Public Domain. Enclosing the Commons of Mind.</em> New Haven, London [Yale University Press] 2008.</li>
<li>Benkler, Y.: <em>The Wealth of Networks. How Social Production Transforms Markets and Freedom.</em> New Haven, London [Yale University Press] 2006.</li>
</ul>
<p><em>Links</em>:</p>
<ul>
<li><a href="http://www.suhrkamp.de/buecher/infotopia-cass_r_sunstein_58521.html" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.law.harvard.edu/faculty/directory/index.html?id=552" target="_blank">Webpräsenz von Cass R. Sunstein an der <em>Harvard Law School</em></a></li>
<li><a href="http://www.kuhlen.name/" target="_blank">Webpräsenz von Rainer Kuhlen an der Universität Konstanz</a></li>
</ul>


<p>Related posts:<ol><li><a href='http://www.rkm-journal.de/archives/463' rel='bookmark' title='Permanent Link: Stephan Weichert; Christian Zabel (Hrsg.): Die Alpha-Journalisten 2.0'>Stephan Weichert; Christian Zabel (Hrsg.): Die Alpha-Journalisten 2.0</a></li>
</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Benjamin Fretwurst: Nachrichten im Interesse der Zuschauer</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/550</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/550#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 28 Jan 2010 09:00:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einzelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Öffentlichkeit]]></category>
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		<category><![CDATA[Nachrichten]]></category>
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		<category><![CDATA[Nachrichtenwert]]></category>
		<category><![CDATA[Nachrichtenwerttheorie]]></category>

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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Roland Göbbel</em>

<a href="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/05/fretwurst20097.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-2002" title="fretwurst2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/05/fretwurst20097.jpg" alt="" width="160" height="240" /></a>Benjamin Fretwurst verfolgt mit seiner Dissertationsstudie das ehrgeizige Vorhaben, die in der Kommunikationswissenschaft etablierte Nachrichtenwerttheorie konzeptionell und empirisch neu zu bestimmen. Konkret geht er dabei der Frage nach, ob Fernsehnachrichten als Ergebnis des journalistischen Selektionsprozesses den Interessen und Relevanzzuschreibungen ihrer Zuschauer entsprechen. In der Einleitung bedient sich Fretwurst zunächst eines unkonventionellen dramaturgischen Kniffes: einer Ergebnisvorschau, die die Tendenz der Resultate bereits vorwegnimmt. Dies erweist sich für die weitere Lektüre als vorteilhaft, da die "schwimmenden Konfidenzintervalle" als Modus der Ergebnisdarstellung eingeführt und die grundlegenden Ziele der Studie greifbar gemacht werden. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/550">[Mehr]</a> 


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			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Roland Göbbel</em></p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-2002" title="fretwurst2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/05/fretwurst20097.jpg" alt="" width="160" height="240" />Benjamin Fretwurst verfolgt mit seiner Dissertationsstudie das ehrgeizige Vorhaben, die in der Kommunikationswissenschaft etablierte Nachrichtenwerttheorie konzeptionell und empirisch neu zu bestimmen. Konkret geht er dabei der Frage nach, ob Fernsehnachrichten als Ergebnis des journalistischen Selektionsprozesses den Interessen und Relevanzzuschreibungen ihrer Zuschauer entsprechen (3). In der Einleitung bedient sich Fretwurst zunächst eines unkonventionellen dramaturgischen Kniffes: einer Ergebnisvorschau, die die Tendenz der Resultate bereits vorwegnimmt. Dies erweist sich für die weitere Lektüre als vorteilhaft, da die &#8220;schwimmenden Konfidenzintervalle&#8221; als Modus der Ergebnisdarstellung eingeführt und die grundlegenden Ziele der Studie greifbar gemacht werden.</p>
<p>Nach den für eine &#8220;Neubestimmung&#8221; notwendigen Begriffsfestlegungen behandelt der Autor umfassend die Entstehung und Entwicklung der Nachrichtenwerttheorie. Ausgehend von der ersten konkreten Formulierung des Konzepts durch Lippmann (1922) zeichnet er die Grundsteinlegung durch Östgaard (1965) und Galtung/Ruge (1965) nach. Die Weiterentwicklung der bis dahin nur auf Kommunikatorebene und für Auslandsberichterstattung angewandten Theorie wird anschließend anhand der Integration der Rezeptionsebene (Sande 1971) und der Inlandsberichterstattung (Schulz 1976) veranschaulicht.</p>
<p>Nach einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Ende der 1980er Jahre erfolgten &#8220;Richtungswechsel&#8221; (45) durch die Theorie der instrumentellen Aktualisierung und das &#8220;Finalmodell&#8221; von Staab (1990) widmet sich Fretwurst dem Erklärungsziel Rezeption, das insbesondere in den einschlägigen Studien von Donsbach (1991), Eilders (1997) und Ruhrmann et al. (2003) in den Blick genommen wird. Zum Abschluss des Kapitels rekurriert er auf die international vergleichende Studie von Shoemaker/Cohen (2006) und kritisiert dabei die empirisch schwer zugängliche Herleitung evolutionär bedingter Nachrichtenfaktoren.</p>
<p>Das zweite Theoriekapitel führt die bisher behandelten Theoriestränge überzeugend zusammen. Nach einem Rückgriff auf kognitionspsychologische Konzepte zu Wahrnehmung, Verarbeitung und Erinnerung legt Fretwurst die Grundbausteine der Nachrichtenwerttheorie folgendermaßen fest: Im Sinne des Kausalmodells stellt der Nachrichtenwert eines Ereignisses oder Themas die Ursache dar, während sowohl die Auswahl der Ereignisse oder Themen durch Journalisten als auch die Wahrnehmung der Rezipienten als Wirkung angesehen werden. Somit behandelt die Studie den Vergleich der Wirkungsweise von Nachrichtenfaktoren auf Journalisten gegenüber der auf Rezipienten.</p>
<p>Ein besonderes Verdienst der Arbeit liegt in der hierarchischen Systematisierung der bisher vorliegenden Nachrichtenfaktorenkataloge (113). Fretwurst teilt hierfür die Nachrichtenfaktoren in drei Gruppen ein: &#8220;Ereignisfaktoren&#8221;, &#8220;Darstellungsfaktoren&#8221; und allgemeine &#8220;Indikatoren&#8221; für Relevanz. Dabei unterscheidet er Relevanz auf gesellschaftlicher und individueller Ebene und ordnet die einzelnen Nachrichtenfaktoren den jeweiligen Gruppen und Ebenen zu. Weiterhin leitet er aus den Vorgängerstudien die plausible Annahme ab, dass Nachrichtenfaktoren nicht unabhängig voneinander, sondern gebündelt auftreten. Die Ergebnisse seiner theoretischen Überlegungen fasst der Autor schließlich in einer &#8220;Nachrichtenwertfunktion&#8221; (144) zusammen, in die neben den einzelnen Nachrichtenfaktoren und ihren ereignisspezifischen Intensitäten auch ein generell zuordenbares Gewicht für jeden Faktor sowie der gesonderte Neuigkeitswert einer Nachricht eingehen.</p>
<p>Der Überprüfung der Wirkungsweise von Nachrichtenfaktoren gemäß der Nachrichtenwertfunktion geht Fretwurst im empirischen Teil seiner Studie nach. Hierfür verknüpft er eine Inhaltsanalyse von 677 Fernsehnachrichtenbeiträgen aus einem zehntägigen Zeitraum Ende 2005 mit einer speziellen Form der Online-Befragung zur Erinnerung und Einschätzung dieser Nachrichten bei 1584 Rezipienten.</p>
<p>Die anschließenden statistischen Datenanalysen erfolgen auf höchstem Niveau und sind umfassend dokumentiert. Sukzessive baut der Autor sein Erklärungsmodell aus: Zur Erklärung journalistischer Selektion und Beachtung erfolgen zunächst Zusammenhangsanalysen zwischen den Nachrichtenfaktoren auf der einen und Selektion, Platzierung und Beitragsdauer auf der anderen Seite. Anschließend werden sechs &#8220;Nachrichtenfaktorenbündel&#8221; (198) ermittelt, wodurch die Annahme der fehlenden Unabhängigkeit einzelner Nachrichtenfaktoren untermauert wird.</p>
<p>Danach integriert Fretwurst die Ergebnisse der Inhaltsanalyse und der Befragung in einem komplexen Strukturgleichungsmodell. Unter allen latenten Konstrukten besitzt hierbei das Faktorenbündel &#8220;Kontroverse&#8221; für die journalistische Beachtung die meiste Erklärungskraft, während die journalistische Beachtung ihrerseits die Rezipientenbeachtung beeinflusst. Bei der abschließenden Einordnung der Ergebnisse greift der Autor wiederum auf schwimmende Konfidenzintervalle zurück, um seine Befunde zu einzelnen Nachrichtenfaktoren mit denen bisheriger Studien vergleichbar zu machen – was ihm auf nachvollziehbare Weise gelingt.</p>
<p>Benjamin Fretwurst hat eine innovative Studie zur Nachrichtenwerttheorie vorgelegt, die ihr ambitioniertes Ziel nicht verfehlt. Seine Arbeit zeichnet sich durch eine umfassende Recherche und hohe methodologische Reflexionsfähigkeit aus: So werden die theoretischen Überlegungen seiner Vorgänger nicht nur gekonnt miteinander verbunden, sondern auch vor dem Hintergrund methodischer Fortschritte und verbesserungswürdiger Operationalisierungen fundiert diskutiert.</p>
<p>Auch wenn zwischendurch ein zusammenfassender Überblick über alle untersuchten Hypothesen fehlt und sich die Arbeit auf Grund der unheimlichen Fülle an Ergebnissen und ihres statistischen Voraussetzungsreichtums bisweilen in Details verliert, überwiegt ein überzeugender Gesamteindruck. Dieser ist dem hohen Niveau der theoretischen Ausführungen sowie der umfänglichen Dokumentation aller Analyseschritte und Ergebnisse geschuldet.<br />
Damit richtet sich die Arbeit an zwei Zielgruppen: Während sich interessierte ‚Neulinge‘ im Theorieteil einen fundierten Überblick über die Nachrichtenwerttheorie verschaffen können, birgt vor allem der Empirieteil für arrivierte Nachrichtenforscher mit entsprechenden statistischen Vorkenntnissen viel Inspiration.</p>
<p><em>Links</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.uvk.de/buch.asp?ISBN=9783867641241" target="_blank"> Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://sites.google.com/site/bfretwurst/" target="_blank">persönliche Homepage von Benjamin Fretwurst</a></li>
<li><a href="http://www.ifkw.uni-jena.de/grundlagen-und-medienwirkung/roland-goebbel-ma-lebenslauf" target="_blank"> </a><a href="http://www.ifkw.uni-jena.de/grundlagen-und-medienwirkung/roland-goebbel-ma-lebenslauf">Webpräsenz von Roland Göbbel an der Universität Jena</a></li>
</ul>


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		<title>Wolfgang Duchkowitsch; Fritz Hausjell; Horst Pöttker; Bernd Semrad (Hrsg.): Journalistische Persönlichkeit</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/800</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/800#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 12 Jan 2010 22:11:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einzelrezension]]></category>
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		<category><![CDATA[Biographie]]></category>
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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Carsten Brosda</em>

<a href="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2010/01/duchkowitschetal2009.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1978" title="duchkowitschetal2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2010/01/duchkowitschetal2009.jpg" alt="" width="160" height="240" /></a>Festschriften sind bisweilen eine schwierige Sache. Im schlechten Fall gleichen sie dem Gemischtwarenangebot eines durchschnittlichen bundesdeutschen Kaufhauses, ohne eigenes Profil und damit auch ohne nötige Prägnanz. Ganz anders dagegen der Band <em>Journalistische Persönlichkeit. Fall und Aufstieg eines Phänomens</em>, den Wolfgang Duchkowitsch, Fritz Hausjell, Horst Pöttker und Bernd Semrad anlässlich der Emeritierung von Wolfgang R. Langenbucher vorgelegt haben. Genauso wie der Jubilar hat auch dieser Band ein Programm: die Rehabilitierung der Kategorie der Persönlichkeit in der Journalismusforschung, nicht zuletzt mit dem Ziel, auch historische und kulturelle Dimensionen journalistischer Kommunikation sichtbar zu machen. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/800">[Mehr]</a>


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<li><a href='http://www.rkm-journal.de/archives/526' rel='bookmark' title='Permanent Link: Wolfgang R. Langenbucher (Hrsg.): Paul Felix Lazarsfeld – Leben und Werk'>Wolfgang R. Langenbucher (Hrsg.): Paul Felix Lazarsfeld – Leben und Werk</a></li>
</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Carsten Brosda</em></p>
<p><a href="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2010/01/duchkowitschetal2009.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1978" title="duchkowitschetal2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2010/01/duchkowitschetal2009.jpg" alt="" width="160" height="240" /></a>Festschriften sind bisweilen eine schwierige Sache. Im schlechten Fall gleichen sie dem Gemischtwarenangebot eines durchschnittlichen bundesdeutschen Kaufhauses, ohne eigenes Profil und damit auch ohne nötige Prägnanz. Ganz anders dagegen der Band <em>Journalistische Persönlichkeit. Fall und Aufstieg eines Phänomens</em>, den Wolfgang Duchkowitsch, Fritz Hausjell, Horst Pöttker und Bernd Semrad anlässlich der Emeritierung von Wolfgang R. Langenbucher vorgelegt haben. Genauso wie der Jubilar hat auch dieser Band ein Programm: die Rehabilitierung der Kategorie der Persönlichkeit in der Journalismusforschung, nicht zuletzt mit dem Ziel, auch historische und kulturelle Dimensionen journalistischer Kommunikation sichtbar zu machen.</p>
<p>Nach der empirischen und erst recht nach der systemtheoretischen Wende der Kommunikationswissenschaft ist die Erörterung von Persönlichkeitskonzepten jahrzehntelang als unwissenschaftlich diskreditiert worden – zu schwer schien der Ballast der Dovifat&#8217;schen Ideologie, zu komplex die berufliche Wirklichkeit, um sie lediglich durch das Prisma des Einzelnen zu brechen. Stattdessen dominiert die nüchterne Sprache funktionalistischer Systemanalyse. Bestes Beispiel ist die zweite Auflage des Diskussionsbandes <a href="http://www.vs-verlag.de/Buch/978-3-531-33341-0/Theorien-des-Journalismus.html" target="_blank"><em>Theorien des Journalismus</em></a>, die Martin Löffelholz vor wenigen Jahren vorgelegt hat. Die aktuelle Langenbucher-Festschrift liest sich nun wie eine streitbare Ergänzung dieser theoretischen Engführung. Mit Verve plädieren die Herausgeber dafür, den Einzelnen und seine Leistungen nicht aus dem Blick zu verlieren. Ihr Ausgangspunkt ist &#8220;die Einsicht, dass alle sozio-kulturelle Realität, auch die des Journalismus, letztlich aus subjektiv sinnhaften Handlungsweisen besteht, die sich zum Beispiel durch Vorbilder beeinflussen lassen&#8221;, schreiben Horst Pöttker und Bernd Semrad in der Einleitung (11).</p>
<p>Von dieser Überzeugung hat sich auch Wolfgang R. Langenbucher Zeit seines akademischen Lebens leiten lassen. Ob in der Mediator-Konzeption seiner Habilitationsschrift, in seinem Einsatz für die Diplom-Journalistik, in seinen Kanonisierungsvorschlägen journalistischer Leistungen oder in zahlreichen Plädoyers für Qualitätsjournalismus – immer richtete er sich in aufklärerischer Absicht an den handelnden Journalisten. An dieser Perspektive, der Ulrich Saxer in seinem Beitrag ein &#8220;erhebliches Anregungs- und auch Irritationspotenzial&#8221; (23) attestiert, arbeiten sich die Autorinnen und Autoren des Bandes ab. Hannes Haas sieht in seinem für das Buch zentralen Beitrag in der theoretischen Wiederbelebung einer auch individuell sensiblen Forschungsperspektive zu Recht die Chance, der allgemein konstatierten Medien- und Journalismuskrise eine Perspektive entgegenzusetzen, die zumindest Potenziale journalistischer Kommunikation nach wie vor zu benennen vermag.</p>
<p>Die meisten Autorinnen und Autoren begreifen das Persönlichkeitskonzept als notwendigen Beitrag zu einer Diversifizierung der Journalismusforschung und nähern sich seinen Fragestellungen vor sehr unterschiedlichen theoretischen Hintergründen. Ulrich Saxer plädiert dafür, den Persönlichkeitsansatz gerade vor dem Hintergrund des Individualisierungs- und Differenzierungstrends moderner Gesellschaften zu rehabilitieren. Walter Hömberg sieht vor allem in der Suche nach Vorbildern sowie in den entsprechenden biographischen Anstrengungen die notwendigen Voraussetzungen seiner Renaissance. Und Horst Pöttker spürt den handlungstheoretischen Grundlagen im Werk Otto Groths nach und übersetzt diese produktiv in Anforderungen an die heutige Journalistik.</p>
<p>Nach diesen einführenden fachhistorischen und -systematischen Texten folgen Artikel, die sich dem Konzept der journalistischen Persönlichkeit aus einem je spezifischen aktuellen Theorieblickwinkel nähern. Es würde den Rahmen sprengen, intensiver auf sie einzugehen, deswegen müssen kursorische Hinweise genügen: Thomas A. Bauer knüpft direkt an persönlichkeitstheoretische Erwägungen an, die zwischen einer individuellen, einer sozialen und einer kulturellen Dimension differenzieren. Irene Neverla und Wiebke Schoon sowie Roman Hummel bemühen jeweils die Soziologie Pierre Bourdieus, um Macht- respektive Reputationsfragen im Journalismus zu diskutieren. Petra Herczeg spürt der Bedeutung der journalistischen Persönlichkeit induktiv auf dem Weg der auch von Langenbucher so geschätzten Kanonbildung nach.</p>
<p>Einen weiteren Schwerpunkt bilden Auseinandersetzungen mit dem spezifischen Potenzial kommunikationsbiographischer Ansätze. Bedenkenswert ist neben der umfassenden Einführung durch Markus Behmer und Susanne Kinnebrock das rasante Plädoyer Christian Schwarzeneggers, der daran erinnert, dass sich eine biographische Journalismusforschung nicht bloß in exemplarischen Höhen aufhalten dürfe, sondern sich auch mit der Mühsal alltäglicher journalistischer Ebenen zu befassen habe. Er greift damit eine Hauptkritik am Persönlichkeitskonzept offensiv auf und schreibt sie ins Pflichtenheft einer persönlichkeitsorientierten Journalismusforschung.</p>
<p>Empirische Hinweise wiederum geben einige andere Aufsätze: Wolfgang R. Langenbucher plädiert dafür, journalistische Autobiographien in der Forschung stärker zu berücksichtigen; Barbara Pfetsch entdeckt insbesondere in den Kommentarspalten konservativer Tageszeitungen die Werke selbstbewusster journalistischer Persönlichkeiten, und Gunter Reus stellt in einer Befragung von Chefredakteuren fest, dass niemand von der Persönlichkeitskategorie lassen will, sondern alle sehr konkrete auch persönliche Erwartungen an ihre Redakteure haben.</p>
<p>Auch in den Porträts großer Journalistinnen und Journalisten finden sich konkrete empirische Anwendungen des Analyseansatzes: Wolfgang Duchkowitsch schreibt über die Macher eines Wiener Meinungsmagazins aus dem frühen 18. Jahrhundert, Susanne Kinnebrock über Anita Augspurg, Frank Stern über Ludwig Börne, Verena Blaum über Martha Gellhorn und Edgar Lersch über Hans Bausch. Darüber hinaus nehmen sich aus je unterschiedlichem Blickwinkel Julia Wippersberg und Klaus Siebenhaar die heutigen prominenten Alpha-Journalisten vor. Sie liefern lesenswerte Auseinandersetzungen mit der Prominenzfixierung und den Narzissmen des aktuellen Politikjournalismus. Alle diese Analysen zeigen eindringlich, dass eine kulturwissenschaftliche Beschäftigung mit dem Journalismus gegenüber der Praxis und ihren Problemen nicht nur sensibler, sondern auch hilfreicher und konkreter zu sein vermag. Bernd Semrad porträtiert Wolfgang R. Langenbucher folgerichtig ebenfalls als journalistische Persönlichkeit und entwirft an diesem Exempel die Grundzüge einer intellektualisierten Kommunikatorrolle, die auch für Wissenschaftler exemplarisch sein kann, die in den aktuellen Diskurs einzusteigen gedenken.</p>
<p>Den Abschluss des Bandes bildet eine performativ-praktische Plausibilisierung der zuvor theoretisch und empirisch beschriebenen Potenziale: Die Beiträge der bisherigen Inhaber der Theodor-Herzl-Dozentur (Herbert Riehl-Heyse, Margit Sprecher, Peter Huemer, Klaus Harpprecht, Luc Jochimsen und Sibylle Haman) für eine Poetik des Journalismus zeigen, zu welch reflexiven Leistungen über ihren eigenen Berufsstand journalistische Persönlichkeiten in der Lage sein können.</p>
<p>Nicht nur aufgrund dieser fulminanten Texte ist man nach der Lektüre des insgesamt lesenswerten und sorgfältig editierten Bandes geneigt, gemeinsam mit den Herausgebern nach dem Fall des Konzepts seinen neuerlichen Aufstieg nicht nur zu erwarten, sondern auch zu erhoffen. Barbara Pfetsch hat Recht, wenn sie resümiert: &#8220;Die Wiederbelebung eines altmodischen Gedankens trägt also zu einer höchst akuten Selbstbeobachtung und Selbstaufklärung der Gegenwartsgesellschaft bei.&#8221; (263) Voraussetzung dafür ist allerdings, dass das Konzept der journalistischen Persönlichkeit nicht bloß restauriert, sondern theoretisch auf der Höhe der Zeit rekonstruiert wird. Die Richtung, in die eine innovative Journalistik weiter zu denken hätte, weist dieser Sammelband.</p>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://halemverlag.lookingintomedia.com/shop/product_info.php/products_id/163/XTCsid/da21c160f555ca559cc3e43350bb1659" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.univie.ac.at/publizistik/Duchkowitsch.htm" target="_blank">Webpräsenz von Wolfgang Duchkowitsch an der Universität Wien</a></li>
<li><a href="http://www.univie.ac.at/publizistik/Hausjell.htm" target="_blank">Webpräsenz von Fritz Hausjell an der Universität Wien</a></li>
<li><a href="http://www.journalistik-dortmund.de/prof.-dr.-phil.-horst-pottker.html" target="_blank">Webpräsenz von Horst Pöttker an der TU Dortmund</a></li>
<li><a href="http://www.univie.ac.at/publizistik/Semrad.htm" target="_blank">Webpräsenz von Bernd Semrad an der Universität Wien</a></li>
</ul>


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<li><a href='http://www.rkm-journal.de/archives/526' rel='bookmark' title='Permanent Link: Wolfgang R. Langenbucher (Hrsg.): Paul Felix Lazarsfeld – Leben und Werk'>Wolfgang R. Langenbucher (Hrsg.): Paul Felix Lazarsfeld – Leben und Werk</a></li>
</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Dieter Rucht; Simon Teune (Hrsg.): Nur Clowns und Chaoten?</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/122</link>
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		<pubDate>Wed, 18 Nov 2009 17:16:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<i>Rezensiert von Sigrid Baringhorst &#038; Andreas Hetzer</i>

<img src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/11/ruchtteune20081.jpg" alt="rucht&#38;teune2008" title="rucht&#38;teune2008" width="160" height="243" class="alignleft size-full wp-image-1666" /> Der Sammelband von Dieter Rucht und Simon Teune steht in der Tradition der deutschen Protest- und Bewegungsforschung und beschäftigt sich mit der Analyse und Interpretation der Medienresonanz auf die G8-Protestereignisse in Heiligendamm 2007. Der G8-Gipfel kann aufgrund seiner breiten Gegenmobilisierung und der umfangreichen Berichterstattung als singuläres Protest- und Medienereignis für Deutschland bezeichnet werden. Im Mittelpunkt der Studie stehen die Medienprodukte selbst, auf eine Medienwirkungsanalyse wird verzichtet. Die Herausgeber sind ausgewiesene Experten auf dem Gebiet und begründen ihr Forschungsinteresse an der Thematik des Bandes mit ihrer "langjährige[n] Befassung mit politischen Protestbewegungen, ihre[n] öffentlichen Darstellungs- und Vermittlungsformen und die von ihnen gewollt und ungewollt erzielten massenmedialen Resonanzen". <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/122">[Mehr]</a>


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</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Sigrid Baringhorst &amp; Andreas Hetzer</em></p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-1666" title="rucht&amp;teune2008" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/11/ruchtteune20081.jpg" alt="rucht&amp;teune2008" width="160" height="243" /> Der Sammelband von Dieter Rucht und Simon Teune steht in der Tradition der deutschen Protest- und Bewegungsforschung und beschäftigt sich mit der Analyse und Interpretation der Medienresonanz auf die G8-Protestereignisse in Heiligendamm 2007. Der G8-Gipfel kann aufgrund seiner breiten Gegenmobilisierung und der umfangreichen Berichterstattung als singuläres Protest- und Medienereignis für Deutschland bezeichnet werden. Im Mittelpunkt der Studie stehen die Medienprodukte selbst, auf eine Medienwirkungsanalyse wird verzichtet. Die Herausgeber sind ausgewiesene Experten auf dem Gebiet und begründen ihr Forschungsinteresse an der Thematik des Bandes mit ihrer &#8220;langjährige[n] Befassung mit politischen Protestbewegungen, ihre[n] öffentlichen Darstellungs- und Vermittlungsformen und die von ihnen gewollt und ungewollt erzielten massenmedialen Resonanzen&#8221; (11). Dementsprechend betritt das empirische Untersuchungsdesign kein methodologisches Neuland, sondern kann an zahlreiche Vorarbeiten der Herausgeber anknüpfen. Entgegen üblicher Publikationsformen hat sich das Autorenteam bewusst für eine innovative Zusammenstellung entschieden, indem wissenschaftliche, politisch engagierte und journalistische Sichtweisen kontrastiert werden.</p>
<p>Im ersten Teil bemühen sich zwei Beiträge um die Rekonstruktion der Ereignisse. Simon Teune bietet eine neutrale Chronik des Protestverlaufs, wohingegen Elke Steven als Mitglied der Beobachtergruppe des <a href="http://www.grundrechtekomitee.de/" target="_blank"><em>Komitees für Grundrechte und Demokratie</em></a> diesen aus einer politisch-kritischen Beobachterperspektive kommentiert.</p>
<p>Danach stellen Rucht und Teune die Befunde einer quantitativen Printmedienanalyse vor. Der Vergleich der Presseerzeugnisse konzentriert sich auf den Umfang, die Themen und die inhaltliche Tendenz der Berichterstattung. Fördern die Ergebnisse insgesamt wenig Neues zu Tage, so fällt im Vergleich zu ähnlichen Protestgroßereignissen der vergangenen Jahre auf, &#8220;dass die Berichterstattung über den offiziellen Gipfel schrumpft, während den Protesten immer mehr Raum gewidmet wird&#8221; (72). Die darauf folgende qualitative Analyse von Pressekommentaren von Rucht zeigt, dass die Kommentarspalten der verschiedenen Zeitungen &#8220;ein breites und durchaus kontroverses Meinungsspektrum&#8221; abbilden. Ergänzend zur textbasierten Auswertung untersucht der Beitrag von Sabrina Herrmann die visuelle Repräsentation der Proteste während der Gipfelwoche in vier verschiedenen Hauptnachrichtensendungen von <a href="http://www.ard.de/" target="_blank">ARD</a>, <a href="http://www.zdf.de/" target="_blank">ZDF</a>, <a href="http://www.rtl.de/" target="_blank">RTL </a>und <a href="http://www.sat1.de/" target="_blank">Sat.1 </a>anhand von Schlüsselbildern.</p>
<p>Im dritten Teil kommen mit der Pressesprecherin von <a href="http://www.attac.de/" target="_blank"><em>attac </em></a>(Frauke Distelrath) und einem Aktivisten des alternativen Medienzentrums (Stefan Zimmer) Protestakteure selbst zu Wort. Die subjektiv gefärbten Perspektiven bieten einen Einblick in die Gegenöffentlichkeitsstrategien der Gipfelkritiker. Die anderen beiden Beiträge sind mit Daniel Schulz und Stefan Raue von Medienschaffenden verfasst, die die Inszenierung der Ereignisse und die Rolle der Medien problematisieren.</p>
<p>Der Schlussteil schließt mit zwei wissenschaftlichen Reflexionen. Mundo Yang präsentiert ein Konzept diskursiver Protestdramaturgien zur Mobilisierung kollektiver Akteure und schärft mit seiner Unterscheidung in partnerschaftliche, antagonistische und kritische Dramaturgien den Blick für die Heterogenität der globalisierungskritischen Bewegung bezüglich ihrer Präsentation in der Öffentlichkeit. Im abschließenden Fazit fassen Rucht und Teune die Lehren zusammen, die alle beteiligten Akteure aus dem Medienereignis &#8220;G8-Gipfel&#8221; ziehen können.</p>
<p>Der Versuch, die Multiperspektivität mit den verschiedenen Beiträgen abzubilden, ist ein lohnenswertes Unterfangen. Der Leser muss allerdings in Kauf nehmen, dass sich der Stil und die Qualität der Beiträge erheblich unterscheiden. Die Beiträge zeichnen sich durch eine klare und verständliche Sprache aus. Damit ist der Band nicht nur einer wissenschaftlichen Community zugänglich, sondern darüber hinaus eine wertvolle Lektüre für Bewegungsakteure und Medienmacher. Der nationale Fokus aller Autoren dürfte die Rezeption der Veröffentlichung eher auf ein deutsches Publikum beschränken. Die internationale Leserschaft sei eher auf vorangegangene Arbeiten besonders von Dieter Rucht verwiesen, die mit ihrer stärkeren theoretischen Ausrichtung das Fundament für die hier vorliegende Fallstudie legen.</p>
<p><em>Links</em>:</p>
<ul>
<li><a href="http://www.campus.de/wissenschaft/soziologie/Nur+Clowns+und+Chaoten%3F.85767.html" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.wzb.eu/zkd/zcm/leute/rucht.de.htm" target="_blank">Webpräsenz von Dieter Rucht am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung</a></li>
<li><a href="http://www.wzb.eu/zkd/zcm/leute/teune.de.htm" target="_blank">Webpräsenz von Simon Teune am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung</a></li>
<li><a href="http://www.fb1.uni-siegen.de/politik/mitarbeiter/baringhorst/" target="_blank">Webpräsenz von Sigrid Baringhorst an der Universität Siegen</a></li>
<li><a href="http://www.fb1.uni-siegen.de/politik/mitarbeiter/hetzer/?lang=de" target="_blank">Webpräsenz von Andreas Hetzer an der Universität Siegen</a></li>
</ul>


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		<title>Stephan Weichert; Christian Zabel (Hrsg.): Die Alpha-Journalisten 2.0</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/463</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/463#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 15 Nov 2009 22:15:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Maja Malik</em>

<img class="alignleft size-full wp-image-1699" title="weichert&#38;zabel2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/11/weichertzabel2009.jpg" alt="weichert&#38;zabel2009" width="160" height="252" />Hinter manch einer Zeitung steckt bekanntlich ein kluger Kopf. Aber welche Köpfe stecken hinter den prominenten publizistischen Seiten im Internet - hinter Bildblog, Perlentaucher, netzpolitik.org, Zeit Online, sueddeutsche.de und tagesschau.de? Wer sind die Menschen, die die Öffentlichkeit im Netz an zentralen Stellen mitgestalten? Wie verstehen sie ihre Rollen und ihre Verantwortung? Wie entwickeln sie ihre Ideen? Und welche Prognosen geben sie über die Medienlandschaft der Zukunft ab? Der Band Die Alpha-Journalisten 2.0 versammelt die Porträts von 20 ausgewählten Online-Akteuren, die als erfolgreiche Blogger, Web-Kolumnisten, kreative Kleinunternehmer und Online-Chefs die Entwicklung der Netzpublizistik formen und reflektieren. In kurzen, sorgfältig formulierten Texten wird das Leben und Schaffen der Protagonisten vorgestellt. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/463">[Mehr]</a>


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</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Maja Malik</em></p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-1699" title="weichert&amp;zabel2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/11/weichertzabel2009.jpg" alt="weichert&amp;zabel2009" width="160" height="252" />Hinter manch einer Zeitung steckt bekanntlich ein kluger Kopf. Aber welche Köpfe stecken hinter den prominenten publizistischen Seiten im Internet &#8211; hinter <a href="http://www.bildblog.de/" target="_blank">Bildblog</a>, <a href="http://www.perlentaucher.de/" target="_blank">Perlentaucher</a>, <a href="http://www.netzpolitik.org/" target="_blank">netzpolitik.org</a>, <a href="http://www.zeit.de/" target="_blank">Zeit Online</a>, <a href="http://www.sueddeutsche.de/" target="_blank">sueddeutsche.de</a> und <a href="http://www.tagesschau.de/" target="_blank">tagesschau.de</a>? Wer sind die Menschen, die die Öffentlichkeit im Netz an zentralen Stellen mitgestalten? Wie verstehen sie ihre Rollen und ihre Verantwortung? Wie entwickeln sie ihre Ideen? Und welche Prognosen geben sie über die Medienlandschaft der Zukunft ab? Der Band <em>Die Alpha-Journalisten 2.0 </em>versammelt die Porträts von 20 ausgewählten Online-Akteuren, die als erfolgreiche Blogger, Web-Kolumnisten, kreative Kleinunternehmer und Online-Chefs die Entwicklung der Netzpublizistik formen und reflektieren. In kurzen, sorgfältig formulierten Texten wird das Leben und Schaffen der Protagonisten vorgestellt.</p>
<p>Durch die Auswahl der <em>Alpha-Journalisten 2.0</em> erfasst der Band viele Facetten der Onlinepublizistik. Da stehen einzelne, meinungsstarke Blogger wie Don Alphonso (alias Rainer Mayer) und Robert Basic neben &#8220;institutionellen&#8221; Bloggern wie Thomas Knüwer (<a href="http://blog.handelsblatt.com/indiskretion/" target="_blank">Handelsblatt</a>) und Matthias Matussek (<a href="http://www.spiegel.de/thema/matusseks_kulturtipp/" target="_blank">Spiegel</a>) oder den Initiatoren von Themenblogs wie Stefan Niggemeier (<a href="http://www.bildblog.de/" target="_blank">Bildblog</a>) und Markus Beckedahl (<a href="http://www.netzpolitik.org/" target="_blank">netzpolitik.org</a>). Die alten Vordenker Florian Rötzer und Peter Glaser werden in dem Buch vereint mit jüngeren Autoren wie Holm Friebe und Mario Sixtus sowie den Online-Chefs der großen journalistischen Flagschiffe <a href="http://www.tagesschau.de/" target="_blank">Tagesschau</a> (Jörg Sadrozinski), <a href="http://www.sueddeutsche.de/" target="_blank">Süddeutsche Zeitung</a> (Hans-Jürgen Jakobs), <a href="http://www.stern.de/" target="_blank">Stern</a> (Frank Thomsen), <a href="http://www.focus.de/" target="_blank">Focus</a> (Jochen Wegner), <a href="http://www.zeit.de/" target="_blank">Zeit</a> (Wolfgang Blau), <a href="http://www.tagesspiegel.de/" target="_blank">Tagesspiegel</a> (Mercedes Bunz) und <a href="http://www.derwesten.de/" target="_blank">WAZ</a> (Katharina Borchert).</p>
<p>Eine solche Auswahl ist immer schwierig und angreifbar &#8211; daher verkneift sich die Rezensentin den Hinweis darauf, wer für ihre Top 20 der Leitfiguren der Netzöffentlichkeit gewählt werden müsste. Fraglich aber ist, ob außer Marketinggesichtspunkten noch etwas dafür spricht, die porträtierten Akteure der Internetöffentlichkeit unter dem Label des Journalismus zu versammeln. Um an den Erfolg des ersten Bandes der Herausgeber Stephan Weichert und Christian Zabel <em>Die Alpha-Journalisten. Deutschlands Wortführer im Porträt </em>(2007) anzuknüpfen, ist es sicherlich sinnvoll, nun die <em>Alpha-Journalisten 2.0 </em>folgen zu lassen. Doch sachlich sind die Porträtierten sehr unterschiedlich dem Journalismus verbunden. Netz-Aktivisten sind nicht immer Journalisten (zum Beispiel Holm Friebe) und Online-Journalisten sind nicht immer Personen, die durch ihre Position, ihre Meinungsstärke oder ihre Analysen als Leitfiguren der Netzpublizistik gelten können (zum Beispiel der porträtierte Reporter von <a href="http://www.spiegel.de" target="_blank">Spiegel Online</a>, Matthias Gebauer). Eine Begründung und Systematisierung der ausgewählten Personen würde dem Leser helfen, die Zielsetzung des Bandes besser nachzuvollziehen.</p>
<p>Die Porträts sind einfühlsam, persönlich und anregend formuliert von meist noch relativ jungen Autoren, die selbst als Journalisten den Umbruch der Publizistik durch das Internet miterleben. Die Texte beschreiben die Lebensläufe der Protagonisten, aber sie kommentieren auch, ordnen ein, beschreiben Begegnungen und persönliche Eindrücke. Sie sind interessant und unterhaltsam und daher sehr lesenswert.</p>
<p>Die einführenden Essays der Herausgeber sowie der <a href="http://www.mediummagazin.de/" target="_blank">Medium-Magazin</a>-Chefin Annette Milz und des freien Journalisten Thomas Schuler sind ebenfalls nach allen Regeln des journalistischen Handwerks verfasst und angenehm zu lesen (auch wenn das &#8220;starke Geschlecht&#8221; als Synonym für &#8220;Männer&#8221;  [32] doch nun wirklich überholt ist). Stephan Weichert und Christian Zabel beschreiben mit vielen Beispielen, vor allem aus den USA, das Verhältnis von &#8220;altem&#8221; und &#8220;neuem&#8221; Journalismus &#8211; eine Frage, die auch in den Porträts immer wieder aufgegriffen wird. Doch der Beitrag von Thomas Schuler über die Frage &#8220;Wie das Internet den Qualitätsjournalismus verändert&#8221; wirkt im Anschluss daran leider an vielen Stellen redundant. Und der Text von Annette Milz, der das &#8220;Selbstbild und die Arbeitsweisen junger Journalisten&#8221; beschreiben will, wärmt Gespräche mit acht &#8220;besonders qualifizierten Nachwuchsjournalisten&#8221; (47) wieder auf, die das <a href="http://www.mediummagazin.de/" target="_blank">Medium Magazin</a> 2008 führte. Er steht bestimmt nicht für den Durchschnitt der jungen Journalistengeneration und passt auch nicht ohne weiteres in die Thematik des Buches.</p>
<p>Insgesamt geben <em>Die Alpha-Journalisten 2.0 </em>einen unterhaltsamen Einblick in die Entwicklung der Publizistik im Internet. Eine Auswertung der verschiedenen Tätigkeiten und Selbstbilder der Protagonisten und ihrer verschiedenen Ansichten über die Zukunft des Journalismus hätte weiteren Erkenntnisgewinn liefern können. Ohne diese Systematik ist der Band kein wissenschaftliches, aber ein lesenswertes Buch.</p>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.alpha-journalisten.de/" target="_blank">Website zum Buch</a></li>
<li><a href="http://egora.uni-muenster.de/ifk/personen/majamalik.shtml" target="_blank">Webpräsenz von Maja Malik an der Universität Münster</a></li>
</ul>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Peter J. Schulz; Uwe Hartung; Simone Keller (Hrsg.): Identität und Vielfalt der Kommunikationswissenschaft</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/459</link>
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		<pubDate>Wed, 11 Nov 2009 14:36:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Philomen Schönhagen</em>

<img class="alignleft size-full wp-image-1695" title="schulzetal2008" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/11/schulzetal2008.jpg" alt="schulzetal2008" width="161" height="230" />Der Band zur Jahrestagung der DGPuK 2008 in Lugano enthält unterschiedlichste Beiträge aus verschiedenen Forschungsgebieten des Fachs, wie bei solch breit angelegten Konferenzen nicht anders zu erwarten ist. Zudem war in diesem Fall die "Vielfalt" der Kommunikationswissenschaft ausdrücklich Programm. Allerdings muss man feststellen, dass der Tagungsband diese Vielfalt, jedenfalls mit Blick auf theoretische Perspektiven und Fachtraditionen, deutlich weniger widerspiegelt, als dies bei der Tagung der Fall war. Das Gros der Beiträge, ebenso wie der Autorinnen und Autoren, ist der zentralen sozialwissenschaftlichen Fachtradition zuzurechnen. Man erhält jedoch durchaus interessante Einblicke in die Vielfalt der kommunikationswissenschaftlichen Forschung. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/459">[Mehr]</a>


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</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Philomen Schönhagen</em></p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-1695" title="schulzetal2008" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/11/schulzetal2008.jpg" alt="schulzetal2008" width="161" height="230" />Der Band zur Jahrestagung der DGPuK 2008 in Lugano enthält unterschiedlichste Beiträge aus verschiedenen Forschungsgebieten des Fachs, wie bei solch breit angelegten Konferenzen nicht anders zu erwarten ist. Zudem war in diesem Fall die &#8220;Vielfalt&#8221; der Kommunikationswissenschaft ausdrücklich Programm. Allerdings muss man feststellen, dass der Tagungsband diese Vielfalt, jedenfalls mit Blick auf theoretische Perspektiven und Fachtraditionen, deutlich weniger widerspiegelt, als dies bei der Tagung der Fall war. Das Gros der Beiträge, ebenso wie der Autorinnen und Autoren, ist der zentralen sozialwissenschaftlichen Fachtradition zuzurechnen. Man erhält jedoch durchaus interessante Einblicke in die Vielfalt der kommunikationswissenschaftlichen Forschung. Fragen der &#8220;Identität&#8221; des Faches –  ebenso Programm der Tagung und Teil des Titels – sind explizit nur in den vier fachhistorischen Beiträgen des ersten Teils (<em>Fabian Schäfer</em>, <em>Erik Koenen</em>, <em>Maria Löblich/Senta Pfaff-Rüdiger</em>, <em>Stefanie Averbeck-Lietz</em>) sowie in der Bestandsaufnahme kultur- und praxistheoretischer Konzepte von <em>Johannes Raabe</em> Thema.</p>
<p>Die von den Herausgebern angestrebte Gliederung in drei Teile – einen ersten zum Fach und seiner Theorieentwicklung, einen zweiten mit Blick auf (theoretische) Ansätze und Teilgebiete des Fachs und einen dritten zu empirischen Studien – ist nur bedingt nachvollziehbar. So würde der Beitrag von <em>Patrick Donges</em>, der aus einer interdisziplinären Perspektive grundlegende Definitionsprobleme der Politischen Kommunikation diskutiert, besser in den zweiten Teil passen, ebenso wie der bereits erwähnte Aufsatz von Johannes Raabe (theoretische Ansätze). Im zweiten Teil wiederum sind zwei Beiträge enthalten, die Ergebnisse empirischer Studien präsentieren (<em>Olaf Jandura/Constanze Rossmann</em> sowie <em>Sabrina Bresciani/Martin J. Eppler</em>) und somit besser im dritten Teil zu verorten wären.</p>
<p>Da die Rezension eines derart vielfältigen Bandes mit insgesamt 17 Beiträgen (ausgewählt aus 63 Vorträgen, wie der Einleitung zu entnehmen ist) unmöglich ins Detail gehen kann, soll im Folgenden vor allem die oben begonnene Übersicht zu den einzelnen Aufsätzen vervollständigt werden.</p>
<p>Interessante Einblicke in die Ideen- bzw. Theoriegeschichte des Fachs aus einer transnationalen Perspektive bieten drei Beiträge (im ersten Teil): Die Diskussion des Begriffs bzw. Konzepts von öffentlicher Meinung in der japanischen Kommunikations- bzw. Zeitungswissenschaft der 1920er und -30er Jahre, die <em>Fabian Schäfer</em> ebenso beleuchtet wie deren Wechselwirkungen mit dem deutschen Fach bzw. einzelnen Vertretern desselben, ist für viele Leser sicher neu. <em>Erik Koenen</em> gibt einen Überblick über die Fachgeschichte in Skandinavien mit Schwerpunkt auf Finnland, wobei die wechselnden internationalen Einflüsse sowie die enge &#8220;Nordic Co-Operation&#8221; der skandinavischen Länder im Mittelpunkt stehen. <em>Stefanie Averbeck-Lietz</em> veranschaulicht kenntnisreich die unterschiedliche, aber komplementäre Rezeption des Konstruktivismus in der deutsch- und französischsprachigen Kommunikationswissenschaft. Sie führt diese vor allem auf die unterschiedlichen Fachtraditionen mit der in Frankreich stärker sprach- und handlungstheoretischen sowie wissenssoziologischen Orientierung und auf die je eigene Rezeption amerikanischer Literatur zurück. Der vierte fachhistorische Beitrag fokussiert dagegen nur auf Deutschland: Die Inhaltsanalyse der wissenschaftlichen Aufsätze in der &#8220;<a href="http://www.publizistik-digital.de" target="_blank">Publizistik</a>&#8221; der Jahre 1956 bis 1980, deren Ergebnisse <em>Maria Löblich</em> und <em>Senta Pfaff-Rüdiger</em> präsentieren, unterstreicht einmal mehr, dass sich eine verstärkt empirisch-sozialwissenschaftliche Perspektive eher langsam, in einem &#8220;evolutionären Prozess&#8221; durchgesetzt  hat (61).</p>
<p><em>Jörg Matthes</em> gibt einen Überblick über die Framing-Forschung und stellt Ergebnisse einer Meta-Analyse diesbezüglicher Studien vor, welche die Disparität des Ansatzes veranschaulichen. Daraus leitet er Anregungen für ein Forschungsprogramm mit einheitlichen Begrifflichkeiten ab. <em>Inga Huck</em>, <em>Oliver Quiring</em> und <em>Hans-Bernd Brosius </em>widmen sich, auf der Basis eines kurzen Forschungsüberblicks, der Weiterentwicklung des Agenda-Setting-Ansatzes. Sie schlagen ein Modell vor, das Wahrnehmungsphänomene wie insbesondere den Third-Person-Effekt einbezieht. <em>Benjamin Krämer</em>, <em>Thorsten Schroll</em> und <em>Gregor Daschmann</em> legen Möglichkeiten zur Verbesserung multivariater Datenanalysen mittels künstlicher neuronaler Netze dar, die in anderen Fächern bereits ein eingeführtes &#8220;statistisches Werkzeug&#8221; (179) seien. Dabei skizzieren sie kurz Beispiele aus verschiedenen Forschungsfeldern.</p>
<p>Die übrigen Beiträge (im zweiten und dritten Teil des Bandes) stellen Ergebnisse diverser empirischer Studien vor. Vier der Aufsätze weisen eine internationale Perspektive auf: <em>Joachim Trebbe</em> und <em>Jens Woelke</em> identifizieren in den Programmstrukturen der öffentlich-rechtlichen bzw. öffentlich-konzessionierten Fernsehsender Deutschlands, Österreichs und der Schweiz zwei unterschiedliche Strategien (komplementäre Formatierung der Programme eines Veranstalters oder Profilierung &#8220;gegeneinander&#8221;, 209). <em>Kevin Grieves</em> zeigt anhand einer qualitativen Befragung grenzüberschreitend arbeitender Journalisten in der deutsch-französisch-luxemburgischen Region Saar-Lor-Lux, welche Schwierigkeiten die interkulturelle Zusammenarbeit in sich birgt und dass erfolgreiche Kooperation stark auf persönlichen Kontakten basiert. <em>Manuel Puppis</em> untersucht, ausgehend von der neoinstitutionalistischen Organisationstheorie, wie die Presseräte Deutschlands, der Schweiz, Großbritanniens und Irlands auf Anforderungen ihrer Umwelten reagieren (Anpassung von Strukturen und Prozessen). <em>Uwe Hasebrink</em> schließlich legt die Konzeption einer international vergleichenden Meta-Studie zur Onlinenutzung von Kindern und Jugendlichen in 21 Ländern dar.</p>
<p>Weiter präsentieren <em>Olaf Jandura</em> und <em>Constanze Rossmann</em> eine Inhaltsanalyse zum Thema Gesundheit in Boulevardmagazinen des deutschen Fernsehens. Untersucht wurden die Häufigkeit von Gesundheitsthemen (ca. 10% aller Beiträge), die Akteure (mehrheitlich Männer, außer beim Subthema Schönheitsoperationen), das Emotionalisierungspotenzial (&#8220;im Mittelfeld&#8221;, 159) sowie die Publikumsorientierung der Beiträge (hoch). Im einzigen englischsprachigen Beitrag identifizieren <em>Sabrina Bresciani</em> und <em>Martin J. Eppler</em> Grenzen der Visualisierung komplexer Informationen. Auf der Basis einer Literaturübersicht und der Ergebnisse aus Interviews sowie einer Gruppendiskussion mit Experten erarbeiten sie eine Klassifikation der (kognitiven, emotionalen und sozialen) Risiken bzw. Probleme graphischer Darstellungen, die Designer- und Nutzer-induziert sein können. Methodisch besonders interessant ist der Beitrag von <em>Markus Lehmkuhl</em>, der in einem kleinen Dorf des Landkreises Oldenburg die Einflüsse sozialer Netzwerke auf die Adoption neuer Telekommunikationstechniken erforscht und dabei gut zwei Drittel der Einwohner befragt hat. <em>Gerhard Vowe</em> und <em>Marco Dohle</em> schließlich prüfen mit der Mediatisierungsthese eine hoch aktuelle theoretische Perspektive. Dazu führten sie eine Längsschnittanalyse deutscher Parlamentsdebatten durch, wobei sie auf die Entwicklung der (Medien-)Referenzen der Redner fokussieren. Die Mediatisierungsthese können sie mit ihren Ergebnissen nur teilweise bestätigen.</p>
<p>Wie eingangs bereits vorweggenommen, bietet der Tagungsband somit vielfältige Einblicke in die Forschung des Faches – von der Fach- und Theoriegeschichte über Politische Kommunikation, verschiedene theoretische Ansätze und methodische Entwicklungen bis hin zu Visueller und Gesundheitskommunikation, Journalismus-, Fernseh-, Mediennutzungs- und Diffusionsforschung. Sollte man aufgrund des Titels einen Gesamtüberblick über das Fach Medien- und Kommunikationswissenschaft und/oder eine vertiefte Diskussion zur Identität desselben erwarten, würde man jedoch enttäuscht.</p>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.uvk.de/buch.asp?ISBN=9783867641470&amp;WKorbUID=7000006&amp;TITZIF=2266&amp;be=&amp;uBe=" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.usi.ch/personal-info?id=272" target="_blank">Webpräsenz von Peter J. Schulz an der Università della Svizzera italiana</a></li>
<li><a href="http://www.usi.ch/personal-info?id=1043" target="_blank">Webpräsenz von Uwe Hartung an der Università della Svizzera italiana</a></li>
<li><a href="http://www.usi.ch/personal-info?id=1140" target="_blank">Webpräsenz von Simone Keller an der Università della Svizzera italiana</a></li>
<li><a href="http://www.unifr.ch/mukw/mukw07/index.php?page=prof-dr-philomen-schonhagen" target="_blank">Webpräsenz von Philomen Schönhagen an der Universität Fribourg (CH)</a></li>
</ul>


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<li><a href='http://www.rkm-journal.de/archives/1424' rel='bookmark' title='Permanent Link: Jan Schmidt: Das neue Netz'>Jan Schmidt: Das neue Netz</a></li>
</ol></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Frank Bösch; Constantin Goschler (Hrsg.): Public History</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/553</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/553#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 26 Sep 2009 22:07:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einzelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Öffentlichkeit]]></category>
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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Martina Thiele</em>

<img class="alignleft size-full wp-image-1437" title="bösch&#38;goschler" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/05/böschgoschler.jpg" alt="bösch&#38;goschler" width="160" height="243" />Mit der Vergangenheit beschäftigt sich nicht nur der Historiker, der einen Lehrstuhl für Geschichte innehat. Auch "fachfremde" Wissenschaftler sowie Zeitzeugen, Schriftsteller, Juristen und Journalisten schreiben über geschichtliche Themen. Mit dem Band "Public History" spüren die Autorinnen und Autoren den Trennlinien nach zwischen Wissenschaft, Publizistik und Schriftstellerei, zwischen Fakten und Fiktionen. Das Besondere an diesem Buch aber besteht darin, dass die Herausgeber Frank Bösch und Constantin Goschler – beide Inhaber von Lehrstühlen für Geschichte – nun gerade nicht beklagen, wie sehr die universitäre Geschichtsforschung durch "Laienhistoriker" gestört wird, sondern im Gegenteil die Anstöße, die durch Public History erfolgt sind, als außerordentlich wichtig erachten für die Geschichtswissenschaft und die Gesellschaft insgesamt. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/553">[Mehr]</a>


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<li><a href='http://www.rkm-journal.de/archives/459' rel='bookmark' title='Permanent Link: Peter J. Schulz; Uwe Hartung; Simone Keller (Hrsg.): Identität und Vielfalt der Kommunikationswissenschaft'>Peter J. Schulz; Uwe Hartung; Simone Keller (Hrsg.): Identität und Vielfalt der Kommunikationswissenschaft</a></li>
</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Martina Thiele</em></p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-1437" title="bösch&amp;goschler" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/05/böschgoschler.jpg" alt="bösch&amp;goschler" width="160" height="243" />Mit der Vergangenheit beschäftigt sich nicht nur der Historiker, der einen Lehrstuhl für Geschichte innehat. Auch &#8220;fachfremde&#8221; Wissenschaftler sowie Zeitzeugen, Schriftsteller, Juristen und Journalisten schreiben über geschichtliche Themen. Mit dem Band &#8220;Public History&#8221; spüren die Autorinnen und Autoren den Trennlinien nach zwischen Wissenschaft, Publizistik und Schriftstellerei, zwischen Fakten und Fiktionen. Das Besondere an diesem Buch aber besteht darin, dass die Herausgeber Frank Bösch und Constantin Goschler – beide Inhaber von Lehrstühlen für Geschichte – nun gerade nicht beklagen, wie sehr die universitäre Geschichtsforschung durch &#8220;Laienhistoriker&#8221; gestört wird, sondern im Gegenteil die Anstöße, die durch Public History erfolgt sind, als außerordentlich wichtig erachten für die Geschichtswissenschaft und die Gesellschaft insgesamt.</p>
<p>Den Begriff &#8220;Public History&#8221; erläutern Bösch und Goschler einleitend: Es geht um die nicht-akademische Bildung historischer Wissensbestände, um den öffentlichen Umgang mit Geschichte. Im Deutschen wird das häufig mit &#8220;Wissenschaft und Öffentlichkeit&#8221; umschrieben. In den USA etablierte sich der Begriff &#8220;Public History&#8221; in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts und mittlerweile gibt es dort an 125 Universitäten und Colleges Public-History-Studiengänge oder Studienschwerpunkte. Der erste deutsche Studiengang namens &#8220;Public History&#8221; besteht seit 2007 an der FU Berlin. Damit setzt sich die Institutionalisierung einer Bewegung fort, die unabhängig von der etablierten Geschichtswissenschaft geschichtliche Themen bearbeiten wollte. Trotz der Beteuerung, das Wechselspiel zwischen Fachwissenschaft und Public History zunächst nur untersuchen zu wollen, verstärkt auch der vorliegende Band die Tendenz, die Public History zu verwissenschaftlichen, zumal die Autorinnen und Autoren alle mindestens promovierte Historiker sind.</p>
<p>Zwei der neun Beiträge wählen insofern einen etwas anderen Zugang zum Thema, als sie die Gedenkstättenpolitik (Habbo Knoch) als Teil der Public History untersuchen oder speziell die Arbeit der Zeithistorischen Forschungsstelle in Ludwigsburg in den Blick nehmen (Annette Weinke). Andere Beiträge fragen nach massenmedialen Repräsentationen – so der Rolle des Printjournalismus (Jan Erik Schulte), des Dokumentarfilms (Frank Bösch) und des Radios (Inge Marßolek). Letzteres war in den ausgehenden 40er und 50er Jahren &#8220;Leitmedium&#8221; und Mittel der Reeducation. Der Hörfunk ließ die Deutschen unmittelbar teilhaben an den frühen NS-Prozessen in Belsen und Nürnberg. Von beiden Prozessen, aber auch 18 Jahre später vom Frankfurter Auschwitz-Prozess, berichtete der NWDR-Reporter Axel Eggebrecht – ein Vorbild für Generationen von Journalistinnen und Journalisten. Marßolek analysiert die Sendeprotokolle und legt dar, worin sich die frühen Gerichtsverfahren von den späteren unterschieden, wie sich die Sicht auf Täter, Zeugen und Opfer veränderte.</p>
<p>Diesen Themen- und Perspektivenwandel untersuchen auch Schulte und Bösch. Schulte erkennt in der Presse der frühen Bundesrepublik eine Konzentration auf die Haupttäter und die Tendenz zur Entschuldung. Erst in den 60er Jahren seien die &#8220;großen Namen&#8221; als Vehikel für weitergehende Analysen genutzt worden. Ähnlich wie im Printjournalismus verhielt es sich im Film- und Fernsehjournalismus. Auch hier, so Bösch, sind verschiedene Phasen der Auseinandersetzung erkennbar. Anfang der 60er Jahre gewann das Fernsehen als Vermittler historischen Wissens zunehmend an Bedeutung – ein Trend, der bis heute anhält.</p>
<p>Andere Medien aber wie das Buch, so Olaf Blaschke und Erhard Schütz, fänden viel zu wenig Beachtung in der Diskussion um medialisierte Geschichte. Blaschke, der das Verlagsgeschäft betrachtet, verweist auf die ökonomische Seite, darauf, dass sich die Publikation zeitgeschichtlicher Sachbücher auch lohnen muss. Längst nicht alles, was publikationswürdig war, wurde verlegt, und längst nicht alles, was verlegt wurde, war publikationswürdig. Lobenswert ist Blaschkes Versuch, die Behauptung, dass Zeitgeschichtliches boomt, auch empirisch zu untermauern. Den fehlenden Daten zu Auflagen, Rezeption, gar Wirkung belletristischer Literatur mit zeithistorischem Bezug begegnet Schütz durch eine umfassende Angebotsübersicht. Mit Blick auf die Skandalisierung von Werken wie Schlinks &#8220;Der Vorleser&#8221; und Walsers &#8220;Ein springender Brunnen&#8221; plädiert er für eine Literatur, die auf &#8220;ästhetischen Eigensinn und künstlerische Riskanz&#8221; setzt. Das provoziert Nachfragen, ebenso das von Schütz angesprochene &#8220;Phänomen, das selbst noch der historiographischen Reflexion bedarf, nämlich das der je zeitgeschichtlichen kollektiven Erwartungsnormen der veröffentlichten Meinung generell und des Kulturjournalismus im Speziellen&#8221; (279).</p>
<p>Um Zeugnisse der Täter oder aber der Opfer geht es in den Beiträgen von Oliver von Wrochem und Constantin Goschler. Letzterer distanziert sich in seinem Aufsatz über die &#8220;Stimmen der Opfer&#8221; vom Begriff &#8220;Holocaust-Literatur&#8221;, ihn interessiere vielmehr, &#8220;in welchem Verhältnis diese Erzählungen zur akademischen Forschung standen&#8221;. Goschler skizziert zwei Positionen, vertreten durch Hans Günter Hockerts und Nicolas Berg: Während sich die Zeitgeschichtsforschung nach Hockerts tapfer der Deutungshoheit von Generalsmemoiren in den Weg gestellt habe, seien nach Berg die Erinnerungen jüdischer Zeitzeugen und Historiker lange Zeit von der akademischen Forschung nicht beachtet worden. Wie dominant in den ersten Jahren die Memoiren-Literatur der militärischen Eliten war, belegt von Wrochem eindrucksvoll. Goschler vermeidet die Stellungnahme und verweist auf das &#8220;Dazwischen&#8221;, Personen wie Hans Rothfels, der nicht als &#8220;jüdischer Historiker&#8221; gesehen werden wollte. Im Zuge der Professionalisierung und Institutionalisierung der Zeitgeschichte in den 60er Jahren sei jedenfalls eine deutliche Trennlinie zwischen Zeithistorikern und Zeitzeugen gezogen worden. Der massenmedial forcierte &#8220;Boom der Zeitzeugen&#8221; in den 70er und 80er Jahren habe dann aber zu einer &#8220;komplexen Symbiose zwischen NS-Opfern und akademischer Zeitgeschichte&#8221; geführt, die &#8220;auch durch das Abtreten der letzten Erlebnisgeneration nicht automatisch&#8221; beendet sein müsse, weil, so Goschler, vermutlich die &#8220;second generation&#8221; die Rolle der Zeitzeugen nach deren Ableben übernehmen werde (154). Hier klingt dann doch eine gewisse Skepsis gegenüber Vermischungen von Opferstatus und akademischer Forschung an.</p>
<p>Prinzipiell zuzustimmen ist Olaf Blaschke, der es &#8220;sehr begrüßt&#8221;, &#8220;wenn wie in diesem Buch, jenseits der Schriften und Meinungen von Berufshistorikern die in bloßer Nebenrolle wahrgenommenen Journalisten, Filmemacher, Publizisten, Juristen und anderen Akteure kollektiv ins Blickfeld geraten.&#8221; (224) Doch reicht es, wenn diese ins Blickfeld der Historiker geraten? Was spricht dagegen, die anderen Akteure und auch Akteurinnen selbst zu Wort kommen zu lassen?</p>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.campus.de/wissenschaft/geschichte/Public+History.85843.html" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.uni-giessen.de/cms/fbz/fb04/institute/geschichte/fachjournalistik/personen/-1p-4hi-5fj-8p-p45-/" target="_blank">Webpräsenz von Frank Bösch an der Universität Gießen</a></li>
<li><a href="http://www.ruhr-uni-bochum.de/lehrstuhl-ng2/" target="_blank">Webpräsenz von Constantin Goschler an der Ruhr-Universität Bochum</a></li>
<li><a href="http://www.uni-salzburg.at/portal/page?_pageid=284,388122&amp;_dad=portal&amp;_schema=PORTAL" target="_blank">Webpräsenz von Martina Thiele an der Universität Salzburg</a></li>
</ul>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Johanna Dorer; Brigitte Geiger; Regina Köpl (Hrsg.): Medien – Politik – Geschlecht</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/487</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/487#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 29 Aug 2009 17:00:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einzelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Öffentlichkeit]]></category>
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		<category><![CDATA[Rezeption]]></category>

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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Ulla Wischermann</em>

<img class="size-full wp-image-970 alignleft" title="doreretal2008" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/05/doreretal2008.jpg" alt="doreretal2008" width="160" height="226" />Ausgangspunkt dieses von österreichischen Kommunikations- wissenschaftlerinnen herausgegebenen Sammelbandes ist die Feststellung, dass die klassische politische Kommunikationsforschung im deutschsprachigen Raum, insbesondere die einschlägigen Handbücher, einem geschlechtsblinden Diskurs folgen. Nach wie vor sei generalisierend die Rede "von Politikern, von Journalisten, von Spindoktoren und nicht zuletzt von Bürgern und Rezipienten" und die Thematik werde allgemein verortet im Spektrum von Öffentlichkeits- und Demokratietheorien, in denen die Kategorie Geschlecht nur unzulänglich berücksichtigt sei. Dieses Forschungsdesiderat zu kritisieren und die Strukturkategorie Geschlecht in die Analyse politischer Kommunikation zu integrieren, ist das Ziel der hier versammelten Beiträge. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/487">[Mehr]</a>


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<li><a href='http://www.rkm-journal.de/archives/813' rel='bookmark' title='Permanent Link: Axel Kuhn: Vernetzte Medien'>Axel Kuhn: Vernetzte Medien</a></li>
<li><a href='http://www.rkm-journal.de/archives/557' rel='bookmark' title='Permanent Link: Dorothea Marx: Landtagsabgeordnete im Fokus der Medien'>Dorothea Marx: Landtagsabgeordnete im Fokus der Medien</a></li>
</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Ulla Wischermann</em></p>
<p><img class="size-full wp-image-970 alignleft" title="doreretal2008" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/05/doreretal2008.jpg" alt="doreretal2008" width="160" height="226" />Ausgangspunkt dieses von österreichischen Kommunikations- wissenschaftlerinnen herausgegebenen Sammelbandes ist die Feststellung, dass die klassische politische Kommunikationsforschung im deutschsprachigen Raum, insbesondere die einschlägigen Handbücher, einem geschlechtsblinden Diskurs folgen. Nach wie vor sei generalisierend die Rede &#8220;von Politikern, von Journalisten, von Spindoktoren und nicht zuletzt von Bürgern und Rezipienten&#8221; &#8211; und die Thematik werde allgemein verortet im Spektrum von Öffentlichkeits- und Demokratietheorien, in denen die Kategorie Geschlecht nur unzulänglich berücksichtigt werde (7). Dieses Forschungsdesiderat zu kritisieren und die Strukturkategorie Geschlecht in die Analyse politischer Kommunikation zu integrieren, ist das Ziel der hier versammelten Beiträge.</p>
<p>Der Band ist in drei Teile gegliedert. Im ersten Teil geht es um &#8220;Grundlagen und feministische Zugänge&#8221;. Den Beginn macht hier die renommierte US-amerikanische Expertin für politische Philosophie Nancy Fraser, die bereits seit Jahren mit ihren differenzierten Kritiken und Reflexionen die Theorien zu Öffentlichkeit und Demokratie erweitert, nachhaltig beeinflusst und bereichert hat. Der hier aufgenommene Aufsatz konzentriert sich auf die Frage, wie angesichts transnationaler Phänomene Grundbausteine der Öffentlichkeitstheorie neu zu denken und welche demokratiepolitischen Prämissen dabei weiterhin grundlegend und unverzichtbar sind (18ff.). Gemäß der Erkenntnis, dass Öffentlichkeit als gesellschaftlicher Verständigungsprozess zu sehen ist, dessen Eckpunkte vom Privaten und vom Öffentlichen gebildet werden, setzt sich dann Regina Köpl versiert und kenntnisreich mit der Öffentlichkeitskritik aus feministischer Sicht auseinander und hinterfragt vor allem die übliche Dichotomisierung &#8216;privat/öffentlich&#8217;. Sie betont, dass Konzepte von Öffentlichkeit stets auch das Nicht-Öffentliche, das Private mitdenken müssen und dass Wandlungsprozesse in politischer Kommunikation auf den feministischen Diskurs zurückwirken müssen und vice versa (35ff.). Mit dem dritten Beitrag im Grundlagenteil wird ein schon fast klassisch gewordener und viel zitierter Aufsatz von Elisabeth Klaus aus dem Jahr 1996 wieder zugänglich gemacht. Unter dem vielsagenden Titel &#8220;Der Gegensatz von Information ist Desinformation, der Gegensatz von Unterhaltung ist Langeweile&#8221; wird hier eine weitere grundlegende Dichotomie, nämlich die von Information und Unterhaltung sowie ihre geschlechtsspezifische Zuordnung und Hierarchisierung, hinterfragt und kritisiert (51ff.).</p>
<p>Nachdem durch diese Beiträge Grundpfeiler für eine differenziertere Analyse von politischen Kommunikationsprozessen gesetzt sind, behandelt der zweite Teil des Buches &#8220;Akteure und Akteurinnen&#8221; politischer Kommunikation. Der Bogen wird hier weit gespannt. Er reicht von der Geschlechterdarstellung in den Nachrichten (Birgit Wolf) und die Darstellung von Politikerinnen in den deutschen (Christina Holtz-Bacha) sowie in den österreichischen Medien (Günther Pallaver/Günther Lengauer; Sieglinde Katharina Rosenberger) über eine Analyse von Diskursen über die Frauenbewegung in den Medien (Eva Flicker) bis hin zur Frage nach politischer Frauenorganisation im Cyberspace (Wendy Harcourt).</p>
<p>Besonders positiv ins Auge fallen hier die Beiträge von Margreth Lünenborg und Johanna Dorer. Lünenborg zeichnet den Prozess des Gendering im Politikressort nach und unterscheidet dabei die Ebene der journalistischen Akteurinnen und Akteure und die der Repräsentation, also der Darstellung von Politik in den Medien (155ff.). Auch wenn inzwischen ein relativ ausgeglichenes Verhältnis von Journalisten und Journalistinnen im Politikressort (außer in Führungspositionen) bestehe, heiße das nicht automatisch, dass sich ein &#8216;weiblicher Blick&#8217; in der Politikberichterstattung profiliere. Das sei übrigens auch nicht das Hauptaugenmerk neuerer Frauen- und Geschlechterforschung, die Wert darauf legt, verschiedene Achsen und Aspekte des journalistischen Handelns in ihrer Interaktion zu rekonstruieren und nicht Geschlecht als einzig determinierenden Faktor zu sehen. Das &#8220;doing gender while doing journalism&#8221; im Politikressort – so Lünenborg – muss als &#8220;prozessuale und kontextgebundene Redaktionsforschung&#8221; noch viel systematischer erforscht werden (168).</p>
<p>Dorer wendet sich der anderen Seite der Medienforschung zu &#8211; und zwar der Rezeptionsseite (172ff.). Auf Basis einer qualitativen Analyse (mit der Methode der Erinnerungsarbeit) zeigt sie die komplizierte Verschränkung von gesellschaftlichem Geschlechterdiskurs, medialer Geschlechterpositionierung und der Selbstpositionierung der Rezipientinnen und Rezipienten. Sie stellt heraus, dass Begriffe wie Information, Unterhaltung oder politische Berichterstattung bereits so stark geschlechtlich kodiert sind, dass &#8220;dieser Umstand auf die Selbstkonstruktion im Rezeptionsprozess Auswirkungen hat&#8221; (185).</p>
<p>Im dritten Teil des Buches geht es um unterschiedliche &#8220;Politikfelder&#8221;. Angesichts der Fülle möglicher Thematiken verwundert es nicht, dass die Beiträge in diesem Teil relativ heterogen sind und kein zusammengenommenes Ganzes bilden (können). Es geht um: die Herstellung von Öffentlichkeit für Gewalt an Frauen (Brigitte Geiger), Altersbilder in den Medien (Ingrid Voglmayr), eine Analyse von antirassistischen Kampagnen (Johanna Schaffer) und Überlegungen zu internationaler Entwicklungspolitik im Kontext neuer Informations- und Kommunikationstechnologien (Hanna Hacker). Die Politikwissenschaftlerinnen Sabine Lang und Birgit Sauer legen eine Studie vor, die deutlich macht, wie sehr im bundesdeutschen Wahlkampf 2002 Frauenpolitik auf Familienpolitik reduziert wurde (190ff.). Diese &#8220;Refamiliarisierung der geschlechterpolitischen Debatte&#8221;, in der Frauen fast nur als Mütter adressiert wurden und Väter unsichtbar blieben, kam einer De-Thematisierung von Frauenpolitik gleich (201). Sie wurde von allen beteiligten Akteuren, auch den Medien, mitgetragen &#8211; und dies über die Parteigrenzen hinweg. Aus kommunikationswissenschaftlicher Perspektive beleuchten dann Elisabeth Klaus und Susanne Kassel im letzten Beitrag des Bandes, wie in der Kriegsberichterstattung Frauenrechte für die Legitimation von Krieg instrumentalisiert werden können (266ff.). Die Logik des Krieges, die Logik der Medienberichterstattung und die Logik der Geschlechterdichotomie – so die Autorinnen – führen in ihrem Zusammenspiel letztlich dazu, eine umfassende Behandlung der Ursachen der Frauenunterdrückung zu verhindern (266).</p>
<p>Generell kann gesagt werden, dass der Band wichtige Ergebnisse zur politischen Kommunikationsforschung präsentiert. Er bündelt Ansätze und Analysen aus der Frauen- und Geschlechterforschung, die das Feld bereichern (müssten) und ist zudem sehr gut als einführendes Lehrbuch geeignet. Dieser intendierte Überblickscharakter des Buches macht es auch erklärlich, dass fünf der 17 Beiträge bereits früher publiziert waren, aber doch großteils für diesen Sammelband aktualisiert oder bearbeitet wurden.</p>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.vs-verlag.de/index.php;do=show/site=w/book_id=10567/sid=0d376633d28a90551775e4365956b4b6" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://homepage.univie.ac.at/johanna.dorer/" target="_blank">Webpräsenz von Johanna Dorer am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien</a></li>
<li><a href="http://politikwissenschaft.univie.ac.at/institut/personen/wissenschaftliches-personal/koepl/" target="_blank">Webpräsenz von Regina Köpl am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien</a></li>
<li><a href="http://www.cgc.uni-frankfurt.de/cgc-m-wischermann.shtml" target="_blank">Webpräsenz von Ulla Wischermann am Cornelia Goethe Centrum</a></li>
</ul>


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<li><a href='http://www.rkm-journal.de/archives/813' rel='bookmark' title='Permanent Link: Axel Kuhn: Vernetzte Medien'>Axel Kuhn: Vernetzte Medien</a></li>
<li><a href='http://www.rkm-journal.de/archives/557' rel='bookmark' title='Permanent Link: Dorothea Marx: Landtagsabgeordnete im Fokus der Medien'>Dorothea Marx: Landtagsabgeordnete im Fokus der Medien</a></li>
</ol></p>]]></content:encoded>
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