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Clemens Sedmak: Mensch bleiben in der Politik

Rezensiert von Martha Kuhnhenn

Einzelrezension
Sie sollen authentisch sein, aber keine Fehler machen. Sie sollen sichere Entscheidungen treffen, aber möglichst schnell. Sie sollen politische Kompetenz zeigen, aber Mensch bleiben. Die mitunter widersprüchlichen Herausforderungen, denen sich Politiker stellen müssen, bilden den Ausgangspunkt des Buches von Clemens Sedmak (2016). Der Präsident des Internationalen Forschungszentrums für soziale und ethische Fragen in Salzburg will neben den Ansprüchen des politischen Betriebs auch Möglichkeiten aufzeigen, wie man diesen begegnen kann. Dazu präsentiert und reflektiert er Aussagen aus 15 Interviews mit Politikern, die für diese Publikation geführt wurden, und verknüpft sie in seiner essayistischen Analyse mit Klassikern der antiken Rhetorik, Standardwerken der Politikwissenschaft, Philosophie und Sozialwissenschaft sowie aktuellen Quellen. Mehr

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Olaf Hoffjann, Hans-Jürgen Arlt: Die nächste Öffentlichkeit

Rezensiert von Christian Schwarzenegger

Die nächste ÖffentlichkeitEinzelrezension
Olaf Hoffjann und Hans-Jürgen Arlt setzen sich mit ihrem – mit 141 Seiten kompakt gehaltenen und zügig lesbaren – Buch ein ambitioniertes Ziel. Es gilt nicht weniger als eine Theorie der Öffentlichkeit zu entwerfen, die die Vielfalt und Gegensätzlichkeit unterschiedlicher Ausprägungsformen von Öffentlichkeit von der “Instanz der Aufklärung“ bis zum “Sammelplatz der Schwarmintelligenz“ zu fassen im Stande ist. Dabei bedienen sie sich der Werkzeugkiste systemtheoretischer Argumentationsformen. Die Öffentlichkeit, um die es geht, ist dabei nicht irgendeine, sondern die “nächste“. Die Autoren sehen eine zunehmende Verdrängung von Öffentlichkeit, die durch Print- und Rundfunkmedien getragen wird, und begreifen ihre hier vorliegende theoretische Intervention als einen Kommentar zur Phase der Transformation. Das sprachliche Bild der “nächsten Öffentlichkeit“ unterstützt allerdings die Lesart, Formen der Öffentlichkeit ließen sich in einer scharfen Abfolge voneinander abgrenzen und nachvollziehen. Gedanken an die Gleichzeitigkeit von Ungleichzeitigem und letztlich auch die Kontingenz von nicht linearen Wandelprozessen geraten so leicht in den argumentativen Hintergrund.

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Sammelrezension Social Media und Öffentlichkeiten

Rezensiert von Ricarda Drüeke

SocialManiaEinzelrezension
Der Öffentlichkeitsbegriff hat mit dem Internet eine Revitalisierung erfahren. Das zeigen die kontinuierlich und in großer Zahl erscheinenden Veröffentlichungen zum Thema. Immer selbstverständlicher wird dabei auf “Öffentlichkeiten” im Plural verwiesen, da angesichts der digitalen Veränderungen kaum noch von dem Ideal einer einzigen Öffentlichkeit – der liberalen bürgerlichen Öffentlichkeit im Sinne von Habermas – ausgegangen werden kann. Eine Diskussion – und dies wird häufig angesichts der Euphorie um Internetöffentlichkeiten vergessen –, die in der sozialen Bewegungsforschung und der feministischen Theorie schon seit Jahrzehnten geführt wird. Die beiden im Folgenden besprochenen Sammelbände, die bei UVK bzw. im Franz Steiner Verlag erschienen sind, gehen auf Tagungen zum Thema Öffentlichkeit und Internet zurück. Beide Sammelbände widmen sich den Veränderungen von Öffentlichkeiten durch Digitalisierung und Privatisierung und diskutieren die neuen Formen von Kommunikation und Interaktion vor dem Hintergrund politischer und sozialer Rahmenbedingungen. Beide Sammelbände wurden von Medien- bzw. Kommunikationswissenschaftler_innen herausgegeben und versammeln in erster Linie Beiträge aus diesen beiden Disziplinen. Mehr

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Ricarda Drüeke: Politische Kommunikationsräume im Internet

Rezensiert von Nina Springer

Politische Kommunikationsräume im InternetEinzelrezension
Laut “Medien und Migration“-Experte Reiner Geißler (Geißler 2010: 8) hat sich in Deutschland ein Paradigmenwechsel im öffentlichen Diskurs über Migration vollzogen: Aus dem Frame der unerwünschten Ausländer sei ein Diskurs über notwendige Migration und Integration entstanden. Die Dissertation von Ricarda Drüeke zeigt ergänzend, dass das allerdings nicht für alle gesellschaftlichen Kommunikationsräume gleichermaßen gilt. Mehr

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Kurt Imhof, Roger Blum, Heinz Bonfadelli, Otfried Jarren (Hrsg.): Stratifizierte und segmentierte Öffentlichkeit

Rezensiert von Stefan Joller

Stratifizierte und segmentierte ÖffentlichkeitEinzelrezension
“[D]ie funktionale Ausdifferenzierung eines eigenständigen Mediensystems”, eingebettet in die “Entflechtung einer globalisierten Ökonomie von der nationalen Politik und dann die der Ökonomie nachwachsende Entgrenzung der Politik vom Nationalstaat in Gestalt der transnationalen Mehrebenenpolitik” – das sind die programmatischen Eckpfeiler einer Gegenwartsdiagnose, die im Rahmen des Züricher Mediensymposiums 2010 den Fokus auf das komplexe Phänomen einer segmentierten und stratifizierten Öffentlichkeit lenkte und nun in Form eines Sammelbandes erschienen ist. Mehr

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Barbara Pfetsch, Janine Greyer, Joachim Trebbe (Hrsg.): MediaPolis – Kommunikation zwischen Boulevard und Parlament

Rezensiert von Christian Schicha

MediaPolis_onlineEinzelrezension
Der Sammelband dokumentiert die Ergebnisse der 57. Jahrestagung der DGPuK in Berlin. Nachdem ich die Tagung besucht habe, hat sich bei mir wie auch bei anderen Kolleginnen und Kollegen der Eindruck gefestigt, dass es eine Reihe von spannenden und informativen Vorträgen gegeben hat, die z.T. mit dem eigentlichen Veranstaltungsthema recht wenig zu tun hatten. Nach der Lektüre des Tagungsbandes ist dieser Eindruck jedoch zu revidieren. Mehr

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Kurt Imhof: Die Krise der Öffentlichkeit

Rezensiert von Christian Schwarzenegger

Einzelrezension
Theoretisieren bedeutet mitunter in der Beobachtung von Phänomenen über diese selbst hinauszudenken und – mit dem Blick auf Veränderungen und Konstanten im Zeitverlauf – Erklärmuster und Verständniswerkzeuge für Wiederkehrendes und Veränderliches zu entwickeln. Erst in diesem Blick auf Konstanz und Veränderung erschließen sich auch Dynamik und Ausmaß von Wandel. Kurt Imhof eröffnet in seiner Auseinandersetzung mit dem “neuen Strukturwandel der Öffentlichkeit” auf diese Weise einen mehrfaltigen Zusammenhang zwischen Krise und Öffentlichkeit. Imhof blickt auf die Öffentlichkeit in den Krisen der Moderne, die er gleichermaßen als Markierung von Umbrüchen und als Ladestation von Veränderungen sowie Katalysator sozialen Wandels stilisiert. Mehr

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Europäische (Publikums-)Öffentlichkeit

Rezensiert von Julia Lönnendonker

Einzelrezension
Der Begriff der Europäischen Öffentlichkeit erlebte seit den frühen 1990ern einen enormen Bedeutungszuwachs in den Politik- und Sozialwissenschaften. Im Zuge der fortschreitenden europäischen Integration und der Übertragung von Entscheidungskompetenzen von der nationalen auf die europäische Ebene verstärkte sich die Diskussion um ein Legitimationsdefizit auf europäischer Ebene, das sich vor allem in einer mangelnden politischen Öffentlichkeit zu zeigen scheint. Obwohl gerade die Erweiterungsrunde im Jahr 2004 das Legitimationsproblem intensivierte, schwächte das Interesse der wissenschaftlichen Forschung zum Thema Europäische Öffentlichkeit doch gerade Mitte des neuen Jahrzehnts wieder ab. Umso begrüßenswerter sind die beiden hier vorliegenden Bände, die sich aus ganz unterschiedlicher Perspektive dem Thema widmen. Mehr

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Thomas Roessing: Öffentliche Meinung

Rezensiert von Brigitte Huber

Einzelrezension
1989 wurde Elisabeth Noelle-Neumanns Buch mit dem Titel Öffentliche Meinung: die Entdeckung der Schweigespirale veröffentlicht. 20 Jahre später erscheint ein Buch mit fast identem Titel, lediglich die Entdeckung wurde durch die Erforschung ersetzt. Dieser Titel ist sehr passend, handelt es sich hierbei um eine von Noelle-Neumann angeregte und betreute Dissertation, welche die Forschung zu ihrer Theorie der öffentlichen Meinung zum Thema hat. Die Arbeit von Thomas Roessing, die er unter dem Titel Methoden und Analysestrategien für Untersuchungen zur sozialpsychologischen Theorie der öffentlichen Meinung im Jahr 2007 an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz vorgelegt hat, versucht nicht weniger zu klären als, “wie weit die empirische Forschung zur Theorie der öffentlichen Meinung seit 1974 gediehen ist, und welchen Nutzen künftige Forschung aus den bereits entwickelten Ansätzen, Analysestrategien und empirischen Methoden ziehen kann.” Mehr

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Projekt Wikileaks

Rezensiert von Martin Welker

Einzelrezension
Zwei Bücher – ein Thema. Beide Werke sind etwa zur gleichen Zeit erschienen, etwa gleich umfangreich (ca. 300 Seiten) und liegen im Preis in einer ähnlichen Kategorie (15 bis 20 Euro). Beide Bände konzentrieren sich v. a. auf die Ereignisse ab dem Jahr 2007. Und doch sind die Bücher diametral verschieden. Denn während die Spiegel-Journalisten Rosenbach und Stark intensiv recherchiert haben und damit aus einer geordneten und unabhängigen Warte über Wikileaks berichten können, erzählt Domscheit-Berg aus einer Art emotionalen Insider-Perspektive über seine Arbeit beim Wikileaks-Projekt. Rosenbach und Stark objektivieren, Domscheit-Berg subjektiviert. Erstere weisen ihre Quellen in zahlreichen Fußnoten aus, letzterer schildert seine Erfahrung auf seine Erinnerungen gestützt aus der Ich-Perspektive. Erstere haben das Buch selbst geschrieben, Domscheit-Berg hatte mit Tina Klopp eine versierte Journalistin und Ghostwriterin an seiner Seite. Dennoch präsentiert sich der Text von Domscheit-Berg umgangssprachlicher als das Spiegel-Buch. Erst die Lektüre beider Texte ergibt ein facettenreiches Gesamtbild im Hinblick auf Wikileaks, insbesondere zu Julian Assange. In Bezug auf die Diskussion relevanter gesellschaftlich-politischer Fragen ist das Spiegel-Buch das gelungenere. Mehr

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