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	<title>rezensionen:kommunikation:medien &#187; Nationalsozialismus</title>
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	<description>Rezensionen aus den Bereichen Kommunikation und Medien</description>
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		<title>Stefan Andreas Keller: Im Gebiet des Unneutralen</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/6373</link>
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		<pubDate>Mon, 10 Oct 2011 10:00:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einzelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Buchzensur]]></category>
		<category><![CDATA[Nationalsozialismus]]></category>
		<category><![CDATA[Pressefreiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Schweiz]]></category>
		<category><![CDATA[Zensur]]></category>

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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Roger Blum</em>

<img class="alignnone size-full wp-image-6388" title="976 Keller02.indd" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/08/Keller.jpg" alt="" width="160" height="233" />Die Schweiz wurde vom Dritten Reich bedroht, aber nicht erobert. Sie war 1940-1945 zwar vollständig von faschistischen Ländern umschlossen und in den Zweiten Weltkrieg wirtschaftlich und moralisch verwickelt, nicht aber militärisch. Jedenfalls sah sie sich veranlasst, die Medien seit 1934 beschränkt, seit 1939 umfassend zu zensurieren. Während die Pressezensur seit den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts thematisiert und wissenschaftlich untersucht wurde, blieb die Buchzensur lange unbeachtet. Jetzt legt der Zürcher Stefan Andreas Keller, der heute als e-Learning-Koordinator an der Universität Zürich tätig ist, mit seiner  historischen Dissertation erstmals eine gründliche Untersuchung vor. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/6373">[Mehr]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Roger Blum</em></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-6388" title="976 Keller02.indd" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/08/Keller.jpg" alt="" width="160" height="233" />Die Schweiz wurde vom Dritten Reich bedroht, aber nicht erobert. Sie war 1940-1945 zwar vollständig von faschistischen Ländern umschlossen und in den Zweiten Weltkrieg wirtschaftlich und moralisch verwickelt, nicht aber militärisch. Jedenfalls sah sie sich veranlasst, die Medien seit 1934 beschränkt, seit 1939 umfassend zu zensurieren. Während die Pressezensur seit den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts thematisiert und wissenschaftlich untersucht wurde, blieb die Buchzensur lange unbeachtet. Jetzt legt der Zürcher Stefan Andreas Keller, der heute als e-Learning-Koordinator an der Universität Zürich tätig ist, mit seiner  historischen Dissertation erstmals eine gründliche Untersuchung vor.</p>
<p>Keller arbeitet diskurstheoretisch, gestützt auf Foucault und Bourdieu. Er sieht Zensur als konstitutiven Bestandteil der Kommunikation. Es gebe keine zensurfreie Gesellschaft, keinen zensurfreien Diskurs, und der Selbstzensur komme eine große Bedeutung zu. In der Schweiz diente die Zensur, so der Autor, vor allem der Durchsetzung des &#8220;schweizerischen Standpunkts&#8221;, der maßvollen Äquidistanz zu allen Konfliktparteien, der &#8220;geistigen Landesverteidigung&#8221;, die als Abwehr galt gegen die Überfremdung sowohl von Kommunisten wie von Juden, von Nationalsozialisten wie von Anhängern einer Weltordnung, die auf Nationalstaaten verzichten wollte. Die Zensur sei als notwendiges Übel betrachtet worden, um die Unabhängigkeit der Schweiz zu bewahren und damit die Pressefreiheit zu retten. Letztlich wurde alles unterdrückt, was Hitler-Deutschland hätte ärgern können. Gleichzeitig widerstand man dem nationalsozialistischen Ansinnen, die außenpolitische Neutralität in eine Gesinnungsneutralität zu verwandeln.</p>
<p>Interessant war, wie die Zensur organisiert wurde. Grundsätzlich ging sie von der Armeespitze aus; sie wurde aber bald an das Justiz- und Polizeiministerium übertragen, und für die faktische Durchführung war die Abteilung Presse und Funkspruch (APF) zuständig, ein Dienst von Milizsoldaten, der aus Fachleuten der betroffenen Berufszweige bestand. Dort gab es die Sektion Buchhandel. An deren Spitze stand der Berner Verleger Herbert Lang. Über seine Netzwerke rekrutierte er die übrigen Zensoren und rund 50 Bücherexperten, vor allem Verleger, Schriftsteller, Hobby-Literaten, Journalisten und Professoren meist bürgerlicher Gesinnung. Diese schrieben unzählige Gutachten zu den zu prüfenden Schriften, oft mehrere zu einem einzelnen Werk. Die Schweizer Buchzensur hat zwischen 1939 und 1945 insgesamt 5315 Schriften behandelt.</p>
<p>Von diesen nahm Keller in seiner Dissertation 750, also 15 Prozent, unter die Lupe. Er untersuchte erstens Schriften, die die Souveränität der Schweiz tangierten, weil sie eine Neuordnung Europas diskutierten, zweitens Publikationen zum Antisemitismus und Holocaust, drittens belletristische Werke und viertens wissenschaftliche Schriften.</p>
<p>Grundsätzlich waren die Zensurexperten gegenüber allem, was nicht auf der Linie des &#8220;schweizerischen Standpunkts&#8221; der Neutralität, der Zurückhaltung, der staatlichen Unabhängigkeit, des Nachvollzugs und der demokratischen Tradition lag, skeptisch bis ablehnend. Viele Schriften passierten die Zensur nur mit Änderungen und Auflagen. Am mildesten wurden Publikationen von Schweizer Autoren beurteilt, es sei denn, es handelte sich um erklärte Kommunisten oder Faschisten; am schwierigsten hatten es Emigranten. <em>Dieser Krieg</em> von Thomas Mann wurde verboten, umgekehrt gab es auch keine Bewilligung für Film und Buch zu <em>Jud Süss</em>. Stefan Zweigs Autobiographie <em>Die Welt von gestern</em> wurde mit einem Ausstellungs- und Anpreisungsverbot belegt. Lisa Tetzner durfte ihren mehrteiligen Flüchtlingsroman <em>Die Kinder aus Nr. 67</em> nur unter Weglassung der sowjetischen Heilsbotschaft publizieren. Was linke Zeitungen längst über die Judenvernichtung schrieben, durfte erst nach dem Sommer 1944 auch in Buchform erscheinen.</p>
<p>Keller gelingt es deutlich zu machen, wie die Schweizer Buchzensur zur Nazizeit arbeitete und welche Tendenzen sie verfolgte. Schade, dass die Fußnoten nicht am Fuß der Seite stehen, wo sie eigentlich hingehören, sondern am Schluss des Buches, was sehr unhandlich ist. Eine Schwäche dieses Buches ist auch der durch den Verfasser hervorgerufene Eindruck, als sei die Schweiz ein rein deutschsprachiges Land. Die Buchzensur erscheint als eine vollkommen deutschschweizerische Angelegenheit, die Buchproduktion in französischer, italienischer und rätoromanischer Sprache wird nicht einmal erwähnt, und die Auseinandersetzung mit dem italienischen Faschismus und mit dem Regime von Marschall Pétain ist kein Thema. Insofern ist die Behauptung im Titel des Buches, es behandle die &#8220;schweizerische Buchzensur im Zweiten Weltkrieg&#8221;, schlicht falsch.</p>
<p><em> </em></p>
<p><em>Links:</em><a href="http://www.chronos-verlag.ch/php/book_latest-new.php?book=978-3-0340-0976-8&amp;type=Kurztext&amp;access=Liste" target="_blank"></a></p>
<ul>
<li><a href="http://www.chronos-verlag.ch/php/book_latest-new.php?book=978-3-0340-0976-8&amp;type=Kurztext&amp;access=Liste" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch<em> </em></a></li>
<li><a href="http://www.fsw.uzh.ch/personenaz/keller.html" target="_blank">Webpräsenz von Stefan Andreas Keller an der Universität Zürich</a></li>
<li><a href="http://www.ikmb.unibe.ch/content/ueber_uns/emeritus/" target="_blank">Webpräsenz von Roger Blum an der Universität Bern</a></li>
</ul>
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		<title>Ute Daniel, Inge Marszolek, Wolfram Pyta, Thomas Welskopp (Hrsg.): Politische Kultur und Medienwirklichkeiten in den 1920er Jahren</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/5314</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/5314#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 21 Jun 2011 09:30:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einzelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Massenmedien]]></category>
		<category><![CDATA[Mediengeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Nationalsozialismus]]></category>
		<category><![CDATA[Weimarer Republik]]></category>

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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Konrad Dussel</em>

<a href="http://www.rkm-journal.de/archives/5314"><img class="alignleft size-full wp-image-5328" title="Daniel et al" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/04/Daniel-et-al2.jpg" alt="" width="160" height="254" /></a>Die Bedeutung, die die Massenmedien in der Gegenwart besitzen, führt naheliegenderweise zu der Frage nach den diesbezüglichen Gegebenheiten in der Vergangenheit. Zwanglos lässt sich dies mit der in den letzten Jahren zunehmend in den Vordergrund tretenden Kulturgeschichte des Politischen verbinden und auf die Weimarer Republik anwenden. Zum so umrissenen Themenfeld lud die <a href="http://www.ebert-gedenkstaette.de/" target="_blank">Heidelberger Ebert-Gedenkstätte</a> im Herbst 2008 zu einer Tagung ein. Der nun erschienene Sammelband präsentiert nach der obligatorischen Einleitung der Herausgeber dazu elf Beiträge. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/5314">[Mehr]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Konrad Dussel</em></p>
<p><a href="http://www.rkm-journal.de/archives/5314"><img class="alignleft size-full wp-image-5328" title="Daniel et al" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/04/Daniel-et-al2.jpg" alt="" width="160" height="254" /></a>Die Bedeutung, die die Massenmedien in der Gegenwart besitzen, führt naheliegenderweise zu der Frage nach den diesbezüglichen Gegebenheiten in der Vergangenheit. Zwanglos lässt sich dies mit der in den letzten Jahren zunehmend in den Vordergrund tretenden Kulturgeschichte des Politischen verbinden und auf die Weimarer Republik anwenden. Zum so umrissenen Themenfeld lud die <a href="http://www.ebert-gedenkstaette.de/" target="_blank">Heidelberger Ebert-Gedenkstätte</a> im Herbst 2008 zu einer Tagung ein. Der nun erschienene Sammelband präsentiert nach der obligatorischen Einleitung der Herausgeber dazu elf Beiträge.</p>
<p>Der Band steht unter einem gewissen Spannungsverhältnis. Als zentrale Frage wurde von den vier Herausgebern nicht nur die &#8220;nach der Prägung der politischen Kultur nach dem Ersten Weltkrieg durch die intensivierten Wechselwirkungen zwischen politischer und medialer Sphäre&#8221; (11) formuliert, sondern damit ein noch viel weiter gehender Anspruch verknüpft: &#8220;Die leitende Fragestellung ist die nach den Prägungen der politischen Kultur durch die Art und Weise der symbolischen, literarischen oder massenmedialen Vermittlung von Bedeutungszusammenhängen.&#8221; (13) Was so gewichtig einherkommt, muss sich jedoch einen gewissen Vorbehalt gefallen lassen, den Dirk van Laak gleich im ersten Beitrag (&#8220;Symbolische Politik in Praxis und Kritik&#8221;) an den Anfang stellt: &#8220;Erreicht man mit der Ausweitung auf Mediatisierungs- und Vermittlungsprozesse des Politischen tatsächlich eine neue Dimension des Verständnisses vom Schicksal und Scheitern der ersten deutschen Demokratie?&#8221; (26) Studiert man die danach folgenden zehn Aufsätze, fällt eine klare Antwort schwer – zu unterschiedlich sind die Themen, Ansätze und Ansprüche.</p>
<p>Den wahrscheinlich größten Anspruch erhebt Wolfram Pyta. Unter dem auf Hitler und Hindenburg anspielenden Titel &#8220;Die Privilegierung des Frontkämpfers gegenüber dem Feldmarschall&#8221; geht es ihm – so der Untertitel – um nichts weniger als die &#8220;Politikmächtigkeit literarischer Imagination des Ersten Weltkriegs in Deutschland&#8221;. Erreicht man mit Pytas komplexen Erörterungen aber tatsächlich eine &#8220;neue Dimension des Verständnisses&#8221; des Wahlsiegs des Amtsinhabers gegen seinen Herausforderer bei der Reichspräsidentenwahl im Frühjahr 1932? Zu Recht weist der ausgewiesene Hindenburg-Kenner darauf hin, dass der Hindenburg-Mythos am Verblassen war und Hitler durchaus mit neuartigen symbolischen Qualitäten aufwarten konnte. Aber letztlich muss er doch auch einräumen, dass bei politischem Katholizismus und Sozialdemokratie &#8220;die Verarbeitung des Weltkrieges keine konstitutive Rolle für das politische Selbstverständnis&#8221; einnahm (170). Als eigentliche Zielgruppe bleiben in Pytas Modell damit die den Marxismus ablehnenden Protestanten. Sicherlich wären von ihnen etliche seiner Argumentation gefolgt. Aber für die meisten waren womöglich ganz andere Überlegungen ausschlaggebend, zum Beispiel die, ob in einer Krisenzeit wirklich ein mittlerweile 81-Jähriger auf sieben Jahre ins höchste und wirklich wichtigste Amt der Republik gewählt werden sollte. Vielleicht wurde Hitler vor diesem Hintergrund als der Leistungsfähigere (oder nur als das kleinere Übel?) betrachtet. Überlegungen dieser Art sind hoch problematisch und ziemlich spekulativ, zumal sie bei Pyta durch eine Reihe nicht unbedingt überzeugender Zusatzannahmen abgestützt werden müssen (vor allem über die &#8220;Vorzugsstellung der Literatur gegenüber dem Film&#8221;, 154).</p>
<p>Eine Art methodologischer Gegenposition bezieht Thomas Welskopp, indem er &#8220;Das Phantom der öffentlichen Meinung&#8221; näher zu fassen sucht – allerdings nicht am Beispiel Deutschlands. Er behandelt die &#8220;Massenmedien und die Verschiebung des Parteiensytems in den USA der 1920er Jahre&#8221;. Auch Welskopp geht es im Kern um die Erklärung von Wahlerfolgen – von denen der Republikaner 1920 bis zu denen der Demokraten 1932. Und ähnlich wie Pyta rückt er ein zentrales Thema in den Vordergrund, in diesem Falle die Auseinandersetzungen über das Alkoholverbot. Anders als Pyta steht Welskopp dazu jedoch eine  Menge zeitgenössisches empirisches und zum Teil auch quantifizierendendes Material zur Verfügung, das er in eine stringente, gleichwohl ihre Ziele nicht überdehnende Interpretation einzufügen vermag. Seine Pointe entging jedoch sogar zum Teil den Herausgebern. Es waren eben nicht nur &#8220;die traditionellen Massenmedien&#8221; (d. h. Zeitungen), die sich in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre auf der öffentlichen Bühne zurückmeldeten (so in der Einleitung, 15) – es waren neue Varianten, die &#8220;die ältere parteigebundene Presse weitgehend verdrängt&#8221; hatten (145).</p>
<p>Es ist zu einfach, die übrigen acht Beiträge nur ganz pauschal diesen beiden Schwerpunkten zuzuordnen, gleichwohl mag es der Kürze halber geschehen: Welskopps eher empirischem Ansatz (mit entsprechend beschränktem Anspruch) folgen auch die Beiträge von Martin Geyer zum <a href="http://www.simplicissimus.info/item/10847" target="_blank">Barmat-Kutisker-Skandal</a>; von Riccardo Bavaj zum <a href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Willi_M%C3%BCnzenberg&amp;oldid=87220882" target="_blank">Münzenberg-Konzern</a>, von Oliver Janz zu Gefallenenkulten in Italien und Deutschland und von Dirk Schumann zur Darstellung politischer Gewalt in der deutschen Tagespresse der frühen Republik. Pytas viel abstrakterem Vorgehen verwandt sind die von Michael Wildt zu den breit in den Parteiprogrammen zu konstatierenden Führererwartungen, von Ulrich Fröschle zum speziellen Aspekt der &#8220;literarischen Verhandlung von Führung&#8221; und von Heidi Hein-Kircher über den <a href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=J%C3%B3zef_Pi%C5%82sudski&amp;oldid=88108930" target="_blank">Pilsudski-Kult</a> in Polen. Der Philosoph Thomas Meyer beschränkt sich leider nicht nur auf eine eigentlich überfällige Analyse von &#8220;Grenzen und Möglichkeiten des Symbol-Begriffs&#8221;, sondern hängt auch noch ein paar Bemerkungen über das Echo der Verfassungsfeiern in der jüdischen Tagespresse an.</p>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.oldenbourg-verlag.de/wissenschaftsverlag/politische-kultur-und-medienwirklichkeiten-den-1920er-jahren/9783486592412" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.historisches-seminar-braunschweig.de/index.php?id=590" target="_blank">Webpräsenz von Ute Daniel an der TU Braunschweig</a></li>
<li><a href="http://www.kultur.uni-bremen.de/personen/personaldaten-kuwi/marszolek/inge-marszolek.html" target="_blank">Webpräsenz von Inge Marszolek an der Universität Bremen</a></li>
<li><a href="http://www.uni-stuttgart.de/hing/forschung/ludwigsburg/mitarbeiter/pyta/index.html" target="_blank">Webpräsenz von Wolfram Pyta an der Universität Stuttgart</a></li>
<li><a href="http://wwwhomes.uni-bielefeld.de/twelskopp/" target="_blank">Webpräsenz Thomas Welskopp an der Universität Bielefeld</a></li>
<li><a href="http://www.geschichte.uni-mannheim.de/arbeitsbereiche/neuere_und_neueste_geschichte_i/team/privatdozenten_lehrbeauftragte_und_emeriti/apl_prof_dr_konrad_dussel/" target="_blank">Webpräsenz von Konrad Dussel an der Universität Mannheim</a></li>
</ul>
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		<item>
		<title>Gerhard Paul; Bernhard Schoßig (Hrsg.): Öffentliche Erinnerung und Medialisierung des Nationalsozialismus</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/4300</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/4300#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 25 May 2011 09:40:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einzelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Dachauer Symposium]]></category>
		<category><![CDATA[Erinnerungskultur]]></category>
		<category><![CDATA[Fernsehen]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
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		<category><![CDATA[Medialisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Nationalsozialismus]]></category>

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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Juliane Finger</em>

<a href="http://www.rkm-journal.de/archives/4300"><img class="alignleft size-full wp-image-5238" title="Schoßig 2010" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2010/12/Schoßig-2010.jpg" alt="" width="160" height="252" /></a>Im Jahr 2009 fand das <a href="http://www.dachauer-symposium.de/symposium2009.html">10. Dachauer Symposium</a> statt, welches sich die Frage stellte, wie sich die öffentliche Erinnerung an Nationalsozialismus und Holocaust in den letzten dreißig Jahren nach der Ausstrahlung der Serie "Holocaust" in 1979 verändert hat. Daraus entstanden ist der vorliegende Sammelband, der sich eben jener interessanten, wenn auch nicht ganz neuen Fragestellung widmet (z. B. Martínez, 2004; Wilke, 2005). Was macht diesen Band lesenswert? Holocaust sei unter Umständen die "folgenreichste Zäsur im geschichtskulturellen Diskurs der Bundesrepublik über Nationalsozialismus und Judenmord" (16), so Paul im einleitenden Beitrag. Die Serie habe eine verstärkte Auseinandersetzung mit der Geschichte eingeleitet. Die seit 1979 zunehmende Medialisierung habe aber auch eine Schattenseite, die Kommerzialisierung und Simplifizierung des Themas. Vor dem Hintergrund dieser These beschäftigen sich die folgenden Einzelbeiträge mit der (mehr oder weniger) von Holocaust beeinflussten Entwicklung in verschiedenen Bereichen öffentlicher Erinnerungskultur. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/4300">[Mehr]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Juliane Finger</em></p>
<p><a href="http://www.rkm-journal.de/archives/4300"><img class="alignleft size-full wp-image-5238" title="Schoßig 2010" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2010/12/Schoßig-2010.jpg" alt="" width="160" height="252" /></a>Im Jahr 2009 fand das <a href="http://www.dachauer-symposium.de/symposium2009.html">10. Dachauer Symposium</a> statt, welches sich die Frage stellte, wie sich die öffentliche Erinnerung an Nationalsozialismus und Holocaust in den letzten dreißig Jahren nach der Ausstrahlung der Serie &#8220;Holocaust&#8221; in 1979 verändert hat. Daraus entstanden ist der vorliegende Sammelband, der sich eben jener interessanten, wenn auch nicht ganz neuen Fragestellung widmet (z. B. Martínez, 2004; Wilke, 2005). Was macht diesen Band lesenswert? Holocaust sei unter Umständen die &#8220;folgenreichste Zäsur im geschichtskulturellen Diskurs der Bundesrepublik über Nationalsozialismus und Judenmord&#8221; (16), so Paul im einleitenden Beitrag. Die Serie habe eine verstärkte Auseinandersetzung mit der Geschichte eingeleitet. Die seit 1979 zunehmende Medialisierung habe aber auch eine Schattenseite, die Kommerzialisierung und Simplifizierung des Themas. Vor dem Hintergrund dieser These beschäftigen sich die folgenden Einzelbeiträge mit der (mehr oder weniger) von Holocaust beeinflussten Entwicklung in verschiedenen Bereichen öffentlicher Erinnerungskultur.</p>
<p>Die ersten drei Beiträge fokussieren Massenmedien. Bösch, der zu dem Thema bereits mehrere Artikel veröffentlicht hat (z. B. ders., 2007) gibt einen Überblick über den durch Holocaust angestoßenen Wandel in der Darstellung in Film und Fernsehen. Einen anderen Zugang wählt Kenkmann für Printmedien. An drei, leider etwas unverbunden bleibenden Beispielen analysiert er die Berichterstattung über Nationalsozialismus: Die Goldhagen-Debatte als Medienereignis, sowie im zeitlichen Wandel die Berichterstattung überregionaler Tageszeitungen und <a href="http://www.spiegel.de/">Spiegel</a>-Titelbilder. Dornik konzentriert sich für das Internet notwendigerweise auf eine Bestandsaufnahme der letzten zwanzig Jahre, so fehlt auch der direkte Bezug zu Holocaust. Er zeigt Vor- und Nachteile dieses neuen Mediums im Hinblick auf Erinnerungskultur auf. Dem Vermittlungsmedium Schulgeschichtsbuch widmet sich Popp. Die von ihr ausgemachten Veränderungen in der Darstellung sieht sie weitgehend unbeeinflusst von Holocaust und der Medialisierung des Nationalsozialismus.</p>
<p>Drei weitere Beiträge fokussieren öffentliche Institutionen. Gleich zwei Autoren beziehen sich auf Gedenkstätten. Knoch beleuchtet den Weg von der Ausblendung der ehemaligen Konzentrationslager in der Nachkriegszeit hin zum heutigen Stellenwert der Gedenkstätten als dezentrale, authentische Gedächtnisorte. Schoßig widmet sich speziell der Gedenkstätte <a href="http://www.kz-gedenkstaette-dachau.de/">Dachau</a>. Interessant trotz dieser Doppelung die lokalpolitischen Details im Zusammenhang mit der Entstehung des Dachauer Jugendgästehauses als Begegnungsstätte. Die langsame Entwicklung von Museen zeichnet Schüler-Springorum nach.</p>
<p>Der Abschlussbeitrag von Schmid gibt einen detaillierten Überblick über den Wandel öffentlicher Thematisierung des Nationalsozialismus in Politik, Justiz und Wissenschaft. Hier wird nun eine alternative Sichtweise auf die Wirkung von Holocaust thematisiert: Er verortet diese im Kontext von bereits vor der Ausstrahlung angestoßenen Debatten (z. B. um den Majdanek-Prozess).</p>
<p>Um auf die Ausgangsfrage nach der Notwendigkeit einer weiteren Veröffentlichung zum Thema <em>Öffentliche Erinnerung und Medialisierung des Nationalsozialismus</em> zurückzukommen: Das Fazit ist gemischt. Einerseits werden hier tatsächlich Themen zum wiederholten Male besprochen, z. B. zu Film/Fernsehen oder Internet. Andererseits bietet der Band einen aktuellen, guten Überblick über die Entwicklung in zentralen öffentlichen Bereichen seit 1979. So werden Vergleiche möglich: Wo war der Einfluss von Holocaust stark, wo zog sich die Entwicklung langsamer hin? Zudem heben sich die Beiträge überwiegend positiv von den sonst häufig üblichen Analysen von Einzelbeispielen ab. Diese Stärken des Sammelbands hätte man durch einen abschließenden Beitrag, der stärker Bezug auf die vorangegangen nimmt, noch mehr hervorheben können.</p>
<p><em>Literatur:</em></p>
<ul>
<li>Bösch, F.: <em>Film, NS-Vergangenheit und Geschichtswissenschaft: Von &#8220;Holocaust&#8221; zu &#8220;Der Untergang&#8221;</em>. In: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte, 55, 2007, S. 1–32.</li>
<li>Martínez, M. (Hrsg.): <em>Der Holocaust und die Künste: Medialität und Authentizität von Holocaust-Darstellungen in Literatur, Film, Video, Malerei, Denkmälern, Comic und Musik</em>. Bielefeld [aisthesis] 2004.</li>
<li>Wilke, J. : <em>Die Fernsehserie &#8220;Holocaust&#8221; als Medienereignis</em>. In: Historical Social Research, 30, 2005, S. 9–17.</li>
</ul>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.wallstein-verlag.de/autorbiographie/9783835307537.html?PHPSESSID=nia8qmlfb0fgg5022ppsb3vv20">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.prof-gerhard-paul.de/">Private Homepage von Gerhard Paul</a></li>
<li><a href="http://www.did.geschichte.uni-muenchen.de/personen/mitarbeiter/schossig_bernhard/index.html">Webpräsenz von Bernhard Schoßig an der Universität München</a></li>
<li><a href="http://www.hans-bredow-institut.de/de/mitarbeiter/dipl-psych-juliane-finger">Webpräsenz von Juliane Finger am Hans-Bredow-Institut der Universität Hamburg</a></li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Bernd Heidenreich; Sönke Neitzel (Hrsg.): Medien im Nationalsozialismus</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/4688</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/4688#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 21 Mar 2011 09:30:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einzelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Diktatur]]></category>
		<category><![CDATA[Drittes Reich]]></category>
		<category><![CDATA[Goebbels]]></category>
		<category><![CDATA[Hitler]]></category>
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		<category><![CDATA[Propaganda]]></category>
		<category><![CDATA[Zensur]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.rkm-journal.de/?p=4688</guid>
		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Thomas Keiderling</em>

<a href="http://www.rkm-journal.de/archives/4688"><img class="alignleft size-full wp-image-4698" title="heidenreich et al." src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/02/heidenreich-et-al.1.jpg" alt="" width="160" height="234" /></a>2007 erschien das Buch <em>Medien im Nationalsozialismus. Deutschland 1933–1945, Italien 1922–1943, Spanien 1936–1951</em> von Clemens Zimmermann, in welchem die Medienüberwachung und der Mediengebrauch des Dritten Reichs in den Bereichen Buch, Verlagswesen, Bibliotheken, Presse, Rundfunk, Film, Kino sowie den "öffentlichen Sphären" vergleichend mit den spanischen und italienischen Diktaturen untersucht wurde. Der nun vorgelegte Sammelband gleichen Haupttitels möchte an diese Forschungsfrage anknüpfen. Die Publikation geht auf eine gemeinsame Tagung der Hessischen Landeszentrale für Politische Bildung und des Hessischen Rundfunks zurück, die im September 2007 in Frankfurt am Main stattfand. Das vorliegende Buch unterscheidet sich insofern von der gleichnamigen Vorläuferpublikation, weil es – als Sammelband konzipiert – die Fragestellung nicht ausgewogen und lehrbuchartig, sondern eher essayistisch, aus unterschiedlichen Blickwinkeln heraus beantworten will. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/4688">[Mehr]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Thomas Keiderling</em></p>
<p><a href="http://www.rkm-journal.de/archives/4688"><img class="alignleft size-full wp-image-4698" title="heidenreich et al." src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/02/heidenreich-et-al.1.jpg" alt="" width="160" height="234" /></a>2007 erschien das Buch <em>Medien im Nationalsozialismus. Deutschland 1933–1945, Italien 1922–1943, Spanien 1936–1951</em> von Clemens Zimmermann, in welchem die Medienüberwachung und der Mediengebrauch des Dritten Reichs in den Bereichen Buch, Verlagswesen, Bibliotheken, Presse, Rundfunk, Film, Kino sowie den &#8220;öffentlichen Sphären&#8221; vergleichend mit den spanischen und italienischen Diktaturen untersucht wurde. Der nun vorgelegte Sammelband gleichen Haupttitels möchte an diese Forschungsfrage anknüpfen. Die Publikation geht auf eine gemeinsame Tagung der Hessischen Landeszentrale für Politische Bildung und des Hessischen Rundfunks zurück, die im September 2007 in Frankfurt am Main stattfand. Das vorliegende Buch unterscheidet sich insofern von der gleichnamigen Vorläuferpublikation, weil es – als Sammelband konzipiert – die Fragestellung nicht ausgewogen und lehrbuchartig, sondern eher essayistisch, aus unterschiedlichen Blickwinkeln heraus beantworten will.</p>
<p>Im Zentrum stehen die Medien Film, Hörfunk und Presse. Biografische Einzelstudien herausragender Zensoren und Medienmacher ergänzen die Darstellung. Dieser Ansatz hat bekannterweise Vor- und Nachteile. Vorteilig ist, dass die Aufmerksamkeit des Lesers scheinwerferartig auf markante Felder des Medienschaffens und der Medienpolitik geworfen wird. Nachteilig, dass andere zentrale Aspekte außer Sicht geraten. Ein Manko besteht beispielsweise darin, das massenmediale Buch völlig ausgeklammert zu haben. Dies ist insofern nicht nachvollziehbar, weil hierzu umfangreich geforscht wurde und die NS-Medienpolitik nur im Kanon aller einschlägigen Massenmedien verständlich wird.<sup class='footnote'><a href='#fn-4688-1' id='fnref-4688-1'>1</a></sup></p>
<p><strong>Biografische Perspektiven</strong></p>
<p>Nach einer gelungenen Einleitung von Joachim-Felix Leonhard werden unter der Überschrift &#8220;Biografische Perspektiven&#8221; vier Beiträge vereint. Karl-Günter Zelle untersucht Joseph Goebbels in seinem Verhältnis zu Adolf Hitler und analysiert &#8220;Innenansichten“ auf der Grundlage seiner Tagebücher. Dieser Aufsatz zeichnet das Bild eines hin und hergeworfenen Propagandisten. Während Goebbels bei Hitler immer wieder &#8220;seine Batterien&#8221; auflud und mit ihm in der Frage der Manipulation der Massen übereinstimmte, kamen ihm insgeheim immer wieder Zweifel an der Richtigkeit seiner Politik. Glaubte Goebbels an seine eigene Propaganda? – Diese im Aufsatz gestellte Frage wird nicht wirklich beantwortet, sondern nur auf Goebbels Verhältnis zu Hitler reduziert. Goebbels war ein pragmatischer Propagandist, der es nicht nur verstand, im Agenda-Setting immer wieder den richtigen Ton zu treffen, sondern der auch die Massen eingehend studierte und – wenn sich eine gewünschte Wirkung nicht einstellte – Korrekturen vornahm. Das zeichnete ihn auch im Gegensatz zur Starrköpfigkeit vieler anderer Mediendiktatoren aus. Mathias Friedel stellt anschließend die Tätigkeit des Reichspropagandaamtes in Hessen-Nassau gründlich vor.</p>
<p>Kurt Fricke und Torsten Körner untersuchen mit Heinrich George und Heinz Rühmann zwei Schauspieler, die eine feste Größe im NS-Medienbetrieb waren. Während Heinrich George nicht auf seine Funktion in prominenten Propagandafilmen reduziert wird, positioniert sich Torsten Körner zu den besonders kritisch diskutierten Aspekten im Leben Rühmanns: zur Scheidung von seiner jüdischen Frau 1938 und zur Entstehungsgeschichte des Films &#8220;Die Feuerzangenbowle&#8221;. Körner rechtfertigt im Gegensatz zu anderen Forschern das Verhalten Rühmanns in beiden Fällen. Vielleicht auch um diese Position stark zu machen, kommt er nicht umhin, sich eingangs dem Leser als Sachverständiger vorzustellen: &#8220;Mit einem solchen (nicht immer behaglichen) Status ist auch der Verfasser dieses Essays versehen – er gilt als Heinz-Rühmann-Experte.&#8221; (sic!, S. 109)</p>
<p><strong>Film, Hörfunk und Presse</strong></p>
<p>Der Filmbereich ist mit drei Beiträgen vertreten. Zunächst betrachtet Rainer Rother das Verhältnis von Nationalsozialismus und Film. Sodann stellt Gerhard Paul mit &#8220;Feuertaufe&#8221;, den Blitzkrieg als Erlebniskino vor. Schließlich behandelt Ulrike Bartels die Wochenschau als Propagandainstrument. Während der Film &#8220;Feuertaufe&#8221; – als Schlüsselfilm einer neuen NS-Ästhetik des Krieges – nur zu Kriegsbeginn einen nachhaltigen Erfolg beim Publikum zeitigen konnte, gelang es der Wochenschau, aufgrund des Informations- und Bildermonopols die Meinungen und Stimmungen vieler deutscher Rezipienten weitgehend zu beeinflussen. In diesem Sinne handelte es sich um ein wichtiges, stark manipuliertes NS-Propagandainstrument, das in den Kriegsjahren an Bedeutung noch gewann.</p>
<p>Beim Hörfunk untersucht Hans Sarkowicz zunächst die nationalsozialistische Radio-Propaganda. Frank Eckhardt hat die Inszenierung der Olympia-Berichterstattung von 1936 und Jörg Koch das NS-Wunschkonzert betrachtet. Anders als der Film oder die Presse war der Rundfunk inhaltlich wesentlich homogener. Ab 1940 wurde in Deutschland sogar ein Einheitsprogramm gesendet. Der Rundfunk bildete eine weitere Stütze der Machthaber. Ein vielzitiertes Beispiel ist die Stabilisierung der innenpolitischen Situation nach dem gescheiterten Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944, als sich der Führer in einer zehnminütigen Rundfunk-Ansprache an das Volk wandte. Mit dem Wunschkonzert wurde ein beliebtes Unterhaltungsformat im NS-Rundfunk etabliert, das in der einen oder anderen Form lange bis in die Nachkriegszeit fortbestand. Die Manipulationen erfolgten diskret: Es wurde kein Swing gesendet, jüdische Komponisten, Interpreten und Kritiker wie in anderen Medienbereichen auch systematisch ausgeschlossen.</p>
<p>Der Pressebereich ist mit einem überblickenden Beitrag von Rudolf Stöber, sowie drei Spezialstudien zur &#8220;Frankfurter Zeitung&#8221; von Günther Gillessen, zur Wochenzeitung &#8220;Das Reich&#8221; von Victoria Plank und zur Lokalpresse in Bensheim von Mathias Friedel vertreten. Die von 1940 bis 1945 erschienene Zeitung &#8220;Das Reich&#8221; stellte ein besonderes Publikationsorgan dar. Sie bot einen höheren Grad an sachlicher Information sowie umfassender Berichterstattung. Über die Grenzen Deutschlands hinaus war sie bekannt und fand Beachtung im Bürgertum und in gehobenen Parteikreisen. Auch für Journalisten, die vor platter NS-Propaganda zurückschreckten und einen höheren intellektuellen Anspruch hegten, war das neue Blatt reizvoll: Führende Journalisten, darunter viele, die später in der Bundesrepublik Karriere machen sollten, drängten zur Mitarbeit: Theodor Heuss, Erich Peter Neumann und seine Ehefrau Elisabeth Noelle-Neumann, Max Planck, W. R. Süskind und weitere. Aber die Zeitung war trotz gewisser Freiheiten fest in das Propaganda-System eingebunden und bot allenfalls eine durch Goebbels zugelassene Nische im System.</p>
<p>Positiv herauszuheben ist schließlich der Beitrag von Wolfgang Mühl-Benninghaus &#8220;Kontinuitäten und Diskontinuitäten – Medien im Nachkriegsdeutschland&#8221;, der den Blick über die Bruchzone von 1945 hinaus richtet. Da neue Filmproduktionen rar waren, wurde in West- und Ostdeutschland gern auf Archivgut des Dritten Reichs zurückgegriffen, so dass Unterhaltungsfilme aus der NS-Zeit bis weit in die Nachkriegszeit in den Kinos zu sehen waren.</p>
<p><strong>Fazit</strong></p>
<p>Der Sammelband stellt eine lesenswerte Sammlung unterschiedlicher Studien zu den Medien im Dritten Reich dar. Er führt gut in die Thematik ein. Einige Abschnitte, so die Einleitung und der Ausblick aus der Feder der Autoren Joachim-Felix Leonhard und Wolfgang Mühl-Benninghaus sowie die grundlegenden Darstellungen zum Film, Radio und zur Presse in der NS-Zeit von Rainer Rother, Hans Sarkowicz und Rudolf Stöber vermitteln einen ersten Überblick über die Fragestellung und helfen bei der Einordnung zentraler Befunde. Die weiteren Spezialbeiträge sind von sehr unterschiedlicher Qualität. Sie reichen von akribischen Detailstudien, die die Forschungsliteratur in langen Fußnoten aufnehmen, bis hin zu Texten, die nahezu ohne Fußnoten auskommen und im eigentlichen Sinne nicht wissenschaftlich sind (letzteres trifft besonders auf den Artikel von Günther Gillessen zur &#8220;Frankfurter Zeitung&#8221; zu). Insgesamt hätte man sich gewünscht, dass alle Autoren ihre Erkenntnisse am Schluss nochmals zusammenfassen. Summa summarum kann der Sammelband mit den genannten Einschränkungen zur Lektüre empfohlen werden.</p>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.fink.de/katalog/titel/978-3-7705-4919-1.html" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.frankhistkom.de/kommission/mitglieder/heidenreich.htm" target="_blank">Webpräsenz von Bernd Heidenreich bei der Frankfurter Historischen Kommission</a></li>
<li><a href="http://www.soenke-neitzel.de/de/medien_im_nationalsozialismus/" target="_blank">Private Homepage von Sönke Neitzel</a></li>
<li><a href="http://www.uni-leipzig.de/~buchwiss/lehre_02.html" target="_blank">Webpärsenz von Thomas Keiderling an der Universität Leipzig</a></li>
</ul>
<div class='footnotes'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-4688-1'>Zur Literaturpolitik im Dritten Reich publizierte Jan-Pieter Barbian einschlägig, zuletzt: <em>Literaturpolitik im NS-Staat</em>, Frankfurt am Main 2010. Eine weitere empfehlenswerte Studie erschien erst kürzlich: Christian Adam: <em>Lesen unter Hitler. Autoren, Bestseller, Leser im Dritten Reich</em>, Berlin 2010. Zu Hitlers <em>Mein Kampf</em>, erschienen in über 10 Mio. Exemplaren und somit eines der meist produzierten Bücher der deutschen Geschichte vgl. Plöckinger, Othmar: <em>Geschichte eines Buches. Adolf Hitlers &#8220;Mein Kampf&#8221; 1922–1945</em>, München 2006. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-4688-1'>&#8617;</a></span></li>
</ol>
</div>
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		<item>
		<title>Johannes Roschlau (Hrsg.): Träume in Trümmern</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/4145</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/4145#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 15 Nov 2010 08:00:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einzelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Drittes Reich]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[Filmgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kulturfim]]></category>
		<category><![CDATA[Nachkriegsfilm]]></category>
		<category><![CDATA[Nationalsozialismus]]></category>
		<category><![CDATA[Spielfilm]]></category>
		<category><![CDATA[Wochenschau]]></category>
		<category><![CDATA[Zentral-Filmgesellschaft Ost]]></category>

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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Michael Wedel</em>

<a href="http://www.rkm-journal.de/archives/4145"><img class="alignleft size-full wp-image-4148" title="roschlau2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2010/11/roschlau2009.jpg" alt="" width="160" height="226" /></a>Wohl kein zweites nationales Kino ist in seiner geschichtlichen Entwicklung derart markant von gesellschaftspoli- tischen Diskontinuitäten gekennzeichnet wie der deutsche Film. Dies scheint die Periodisierung für die Filmgeschichts- schreibung zu erleichtern und eine Orientierung an den Kerndaten der politischen Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert zwangsläufig zu machen. Entsprechend  wird der historische Verlauf des deutschen Films in einschlägigen Überblicksdarstellungen wie in Arbeiten zu einzelnen Epochen zumeist in enger Analogie  zur staats- und gesellschafts- geschichtlichen Entwicklung gefasst und in die Zeit des Wilhelminischen Films (1895-1918), Weimarer Kinos (1919-1933), NS-Films (1933-1945), des Nachkriegsfilms in Ost und West bis Mitte der 1960er Jahre (Ende der Adenauer-Ära bzw. 11. Plenum des ZK der SED), des Neuen Deutschen Films bis 1982 (dem Todesjahr Rainer Werner Fassbinders und zugleich Beginn der Kanzlerschaft Helmut Kohls) sowie des Gegenwartsfilm im wiedervereinigten Deutschland seit 1990 unterteilt. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/4145">[Mehr]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Michael Wedel</em></p>
<p><a href="http://www.rkm-journal.de/archives/4145"><img class="alignleft size-full wp-image-4148" title="roschlau2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2010/11/roschlau2009.jpg" alt="" width="160" height="226" /></a>Wohl kein zweites nationales Kino ist in seiner geschichtlichen Entwicklung derart markant von gesellschaftspoli- tischen Diskontinuitäten gekennzeichnet wie der deutsche Film. Dies scheint die Periodisierung für die Filmgeschichts- schreibung zu erleichtern und eine Orientierung an den Kerndaten der politischen Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert zwangsläufig zu machen. Entsprechend  wird der historische Verlauf des deutschen Films in einschlägigen Überblicksdarstellungen wie in Arbeiten zu einzelnen Epochen zumeist in enger Analogie  zur staats- und gesellschafts- geschichtlichen Entwicklung gefasst und in die Zeit des Wilhelminischen Films (1895-1918), Weimarer Kinos (1919-1933), NS-Films (1933-1945), des Nachkriegsfilms in Ost und West bis Mitte der 1960er Jahre (Ende der Adenauer-Ära bzw. 11. Plenum des ZK der SED), des Neuen Deutschen Films bis 1982 (dem Todesjahr Rainer Werner Fassbinders und zugleich Beginn der Kanzlerschaft Helmut Kohls) sowie des Gegenwartsfilm im wiedervereinigten Deutschland seit 1990 unterteilt.</p>
<p>Es ist das erklärte Ziel des vorliegenden Sammelbandes, dieses in der Geschichtsschreibung des deutschen Films gängige Modell am Beispiel des vermeintlichen &#8216;Nullpunkts 1945&#8242; zumindest zu problematisieren, wenn nicht gar vollständig aufzubrechen. Zwar kann das Ende des Zweiten Weltkriegs, das die vollständige Zerschlagung der unter nationalsozialistischer Herrschaft zentralisierten deutschen Filmwirtschaft durch die alliierten Besatzungsmächte zur Folge hatte, auf institutioneller Ebene als unhintergehbare historische Zäsur gelten. Immer wieder jedoch hat die Forschung zum Nachkriegsfilm in beiden deutschen Staaten auf personelle und stilistische Kontinuitäten hingewiesen, die sich über diese Epochenschwelle hinweg vor allem auf dem Gebiet der Spielfilmproduktion ergeben haben.</p>
<p>An diese Praxis eines differenzierenden, auf verschiedenen Ebenen der historischen Beschreibung operierenden Zugriffs können die Beiträge zu diesem Sammelband anschließen, die auf Vorträge zurückgehen, die auf dem 21. filmhistorischen Kongress im Rahmen des fünften <a href="http://www.cinefest.de/d/home.php" target="_blank">Cinefests</a> im November 2008 in Hamburg gehalten wurden. Sie vollziehen den Brückenschlag über das Jahr 1945 hinweg im Bereich des Spielfilms am Beispiel einzelner Schauspielerkarrieren (Rainer Dick stellt hier Ernst Wilhelm Borchert und Carl Raddatz in den Mittelpunkt), der sogenannten &#8220;Überläuferfilme&#8221; (Thomas Brandlmeier) sowie einer kritischen Würdigung des generellen Umgangs mit Spielfilmen des &#8216;Dritten Reichs&#8217; durch die alliierten Besatzungsmächte nach 1945 (Isa van Eeghen).</p>
<p>Weniger deutlich kommt der revisionistische historiografische Ansatz des Bandes dort zum Tragen, wo die Themen der Beiträge sich auf Zeitabschnitte beziehen, die lediglich um den Epochenumbruch herum angesiedelt sind, diesen aber nicht überschreiten. Dies betrifft die – für sich genommen durchaus verdienstvollen – Aufsätze zu HJ-Fliegerfilmen der Kriegsjahre (Christoph Brecht und Ines Steiner), DEFA-Jugendfilmen (Christiane Mückenberger) oder der Rolle von Remigranten wie Gustav von Wangenheim und Fritz Kortner in der Produktion und Rezeption von <em>&#8230; und wieder 48!</em> (1948) bzw. <em>Der Ruf</em> (1948/49) (Tim Gallwitz).</p>
<p>In mehrfacher Hinsicht werden aber auch thematisch neue Akzente gesetzt. Im Fokus der Betrachtung steht nicht nur die Spielfilmproduktion, das besondere Interesse einer Reihe von Beiträgen gilt vielmehr den nichtfiktionalen Gattungen der Wochenschau und des Kulturfilms. So in Irina Scheidgens gattungsübergreifender Untersuchung von Weiblichkeitsbildern in Wochenschau, Kultur- und Spielfilmen der Kriegszeit, die zudem eine aufschlussreiche historische Folie liefert für den ähnlich gelagerten Beitrag von Anja Berens zu Frauenbildern und Geschlechterkonstruktionen in Spielfilmen der Nachkriegszeit.</p>
<p>Günter Agde verfolgt die Entwicklung deutscher Wochenschau-Kameraleute im Zeitraum von 1940 bis 1950 und entdeckt am Beispiel vor allem Albert Ammers signifikante Kontinuitäten im Produktionsmodus und Bildstil ihrer Arbeiten für die <em>Deutsche Wochenschau</em> bzw. <em>Kriegswochenschau</em> vor 1945 auf der einen und dem Augenzeugen der DEFA in der sowjetischen Besatzungszone bzw. der französisch lizensierten und kontrollierten Wochenschau <em>Blick in die Welt</em>, der britisch-amerikanischen <em>Welt im Film</em> und (ab 1949) der bundesdeutschen <em>Neuen Deutschen Wochenschau</em> auf der anderen Seite. Agdes Fazit lautet: &#8220;Die Inhalte änderten sich radikal, die Art ihrer Fotografie aber nicht.&#8221; (16) Er weist auch darauf hin, dass die Kameraleute in der Regel auch weiterhin &#8220;keinen Einfluss [hatten] auf Schnitt und Montage sowie auf die Platzierung ihrer Sujets im Gesamtensemble der Wochenschau&#8221;: &#8220;Nun mussten sie sich allerdings den Bildern ausländischer Sujets stellen, denn deutlich mehr als vor 1945 wurde Fremdmaterial in die neuen Wochenschauen aufgenommen. Strukturell und technisch änderte sich für die Wochenschau-Kameraleute im Grund nichts, wenn man von den nachkriegsbedingten materiellen Einschränkungen absieht.&#8221; (17)</p>
<p>Ein ähnlicher Befund spricht sich auch bereits im Titel des Überblicksaufsatzes von Hans-Peter Fuhrmann zur Entwicklung der Wochenschauen in Deutschland zwischen 1939 und 1950 aus: &#8220;Ähnlichkeiten in der Form, aber Brüche bei den Konzeptionen&#8221; (23). Hinter diesem Befund steht das insgesamt kaum überraschende Analyseergebnis, dass sich &#8220;partielle ästhetische Kontinuitäten&#8221; innerhalb der Gattungsentwicklung feststellen lassen, allgemein aber &#8220;deutliche Unterschiede und Gegensätze in der audiovisuellen Gestaltung, im Politisierungsgrad und der Art der Publikumsansprache&#8221; bestehen (33).</p>
<p>Kay Hoffmanns Überlegungen zum westdeutschen Kulturfilm der 1940er und 1950er Jahre, die vor allem an den Beispielen Hans Cürlis und Fritz Boehner angestellt werden, sind weitaus bescheidener im Deutungsanspruch, aber auch präziser angelegt. Der Zugriff auf Grundlage exemplarischer Personalstile versetzt Hoffmann in die Lage, die Kontinuitäten in Stil und Sujetwahl deutlicher hervorzuheben und als These zur Kennzeichnung der Gesamtentwicklung des Kulturfilms in den Raum zu stellen. Diese allerdings deckt sich weitgehend mit den Ergebnissen Agdes und Fuhrmanns: &#8220;Die erwähnten Beispiele zeigen sehr deutlich, dass in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg dokumentarische Filme häufig für die Propagierung neuer Ideen und gesellschaftlicher Konzepte eingesetzt wurden. Allerdings sollte es noch einige Jahre dauern, bis dafür überzeugende ästhetische Konzepte entwickelt und neue Bilder und Stile gefunden wurden. So blieb der dokumentarische Film lange den Kulturfilm-Konventionen verbunden, wie sie im &#8216;Dritten Reich&#8217; entwickelt und zu einer gewissen Qualitätsstufe geführt worden waren.&#8221; (45)</p>
<p>Eine andere von Autoren des Bandes unternommene Akzentverschiebung gegenüber bisherigen Forschungsansätzen ist darin zu erkennen, dass die Propagandafunktion von NS-Produktionen und -Produktionsweisen nicht nur im nationalen Maßstab gesehen, sondern konsequent um eine Perspektive ergänzt wird, die ihre internationalen Dimensionen hervorhebt und insbesondere den Verschiebungen von filmpolitischen Einflusssphären in Osteuropa nachgeht. Ralf Forster untersucht in diesem Zusammenhang Struktur, Personal und Betriebsabläufe als  Voraussetzungen der &#8220;Deutschen Propaganda im &#8216;Ostraum&#8217;&#8221; (46) am Beispiel der Zentral-Filmgesellschaft Ost (ZFO), die von 1941 bis 1945 in dieser Hinsicht für die Herstellung von Wochenschausujets und Agitationsfilmen zuständig war, die sich speziell an die russische, ukrainische und baltische Bevölkerung richteten. Ein separater Anhang weist die Filmproduktionen der ZFO nach derzeitigem Forschungsstand aus (182-191). Flankiert wird diese Arbeit von dem Beitrag Hans-Joachim Schlegels, der die Entwicklung und betriebliche Ausrichtung der Ukraine-Filmgesellschaft mbH für den gleichen Zeitraum betrachtet. Obwohl Forster seinen Aufsatz mit einem kurzen Ausblick auf den weiteren Karriereverlauf leitender ZFO-Funktionäre und -Filmschaffender nach 1945 enden lässt, orientiert er sich doch ebenso wie Schlegel und die Mehrzahl der Autoren in seiner Themenwahl und Argumentationslogik weiterhin an der politisch-gesellschaftlichen Wendemarke von 1945. Das eigentliche Verdienst des Sammelbandes besteht somit darin, dass er weniger in den einzelnen Beiträgen selbst als vielmehr in der Zusammenschau der gewählten Ansätze und Themenfelder neue Einsichten vermittelt und Perspektiven eröffnet, die einem kritischen Umgang mit Fragen der Kontinuität und Diskontinuität in der deutschen Filmgeschichte vorarbeiten, ohne diesen selbst in methodisch und thematisch stringenter Weise auch bereits durchgängig umzusetzen. Schon dadurch aber könnte er eine wichtige Funktion für die zukünftige Forschung erfüllen.</p>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.boorberg.de/sixcms/detail.php?id=108206&amp;template=neu_werke_default_film" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.hff-potsdam.de/de/hochschule/personen/lehrende/pdb/detail/0/0/wedel-michael/31.html" target="_blank">Webpräsenz von Michael Wedel an der Hochschule für Film und Fernsehen &#8220;Konrad Wolf&#8221; in Potsdam-Babelsberg</a></li>
</ul>
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		</item>
		<item>
		<title>Eva Züchner: Der verschwundene Journalist</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/3636</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/3636#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 23 Aug 2010 11:19:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einzelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[20. Jahrhundert]]></category>
		<category><![CDATA[Biografie]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichtsjournalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Mediengeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Nationalsozialismus]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.rkm-journal.de/?p=3636</guid>
		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Horst Pöttker</em>

<em> </em><a href="http://www.rkm-journal.de/archives/3636"><img class="alignleft size-full wp-image-3638" title="Züchner2010" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2010/07/Züchner2010.jpg" alt="" width="160" height="255" /></a>Wie es im NS-Regime war, ist nach der für den Wiederaufbau nützlichen Verdrängung der Verbrechen in den 1950er Jahren mittlerweile gut erforscht und einigermaßen bekannt. Die peinliche Frage, wie es überhaupt möglich war, dass die Kulturnation der Deutschen den Barbaren Hitler, Goebbels und Himmler ins eigene Verderben gefolgt ist, gerät erst heute, ein Menschenleben danach, mehr und mehr in den öffentlichen Diskurs. Philipp Jenninger musste noch 1988 als Bundestagspräsident zurücktreten, weil er es gewagt hatte, bei einer hochoffiziellen Gedenkveranstaltung zur Reichskristallnacht 1938 den Motiven für das Schweigen der großen Mehrheit zum Judenpogrom nachzuspüren. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/3636">[Mehr]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Horst Pöttker</em></p>
<p><em> </em><a href="http://www.rkm-journal.de/archives/3636"><img class="alignleft size-full wp-image-3638" title="Züchner2010" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2010/07/Züchner2010.jpg" alt="" width="160" height="255" /></a>Wie es im NS-Regime war, ist nach der für den Wiederaufbau nützlichen Verdrängung der Verbrechen in den 1950er Jahren mittlerweile gut erforscht und einigermaßen bekannt. Die peinliche Frage, wie es überhaupt möglich war, dass die Kulturnation der Deutschen den Barbaren Hitler, Goebbels und Himmler ins eigene Verderben gefolgt ist, gerät erst heute, ein Menschenleben danach, mehr und mehr in den öffentlichen Diskurs. Philipp Jenninger musste noch 1988 als Bundestagspräsident zurücktreten, weil er es gewagt hatte, bei einer hochoffiziellen Gedenkveranstaltung zur Reichskristallnacht 1938 den Motiven für das Schweigen der großen Mehrheit zum Judenpogrom nachzuspüren.</p>
<p>Eva Züchners Buch ist ein Beispiel für den gewandelten Diskurs zum Nationalsozialismus, denn sie bemüht sich, am Beispiel ihres Vaters Gerhart Weise, eines empfindsamen Intellektuellen, der sein journalistisches Können bereitwillig in den Dienst der Goebbels&#8217;schen Propaganda gestellt und dem NS-Regime sogar einen befreundeten Kollegen ans Messer geliefert hat, den &#8220;subjektiven Sinn&#8221; (Max Weber) dieser Handlungsweise zu verstehen. Dass das Bemühen scheitert und der 1913 geborene Vater immer rätselhafter und fremder wird, je mehr Fakten die 1942 geborene Autorin über ihn herausbekommt, mag auch an der Unmöglichkeit liegen, mit ihm zu sprechen. Er wurde im September 1945 von der sowjetischen Geheimpolizei GPU aus seinem Wohnhaus in Klein-Machnow bei Berlin verschleppt und ist nie wieder aufgetaucht.</p>
<p>Die Autorin, von Beruf Kunsthistorikerin, hat einen Verlag gefunden, der nicht nur von Druckkostenzuschüssen lebt, sondern sich intensiv darum kümmert, seine Bücher unter die Leute zu bringen. Das Rezensionsexemplar kam unaufgefordert mit einem langen Anschreiben aus der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit an den Rezensenten, dessen Interesse an der Thematik man offenbar wahrgenommen hatte. Vermutlich steckt System dahinter und man macht sich die Mühe, Listen interessierter Multiplikatoren zu führen. Von professioneller, auf Nachhaltigkeit und sachliche Präzision setzender Öffentlichkeitsarbeit für das Buch zeugt auch die Umschlaggestaltung. Auch wenn sie etwas übertrieben ist, hebt die Behauptung des Klappentextes, es handele sich um &#8220;eine bisher unbekannte Innenansicht der Mediengeschichte des Nationalsozialismus&#8221; durchaus das Besondere an Eva Züchners familiärer Biografie hervor. Und auch das auf dem Rückumschlag zitierte Lob von Norbert Frei trifft zu: &#8220;Diese Geschichte ist außerordentlich genug, um einen besonderen Akzent zu setzen. Zumal die Autorin eine eigene Sprache gefunden hat.&#8221;</p>
<p>Außergewöhnlich an diesem Buch sind tatsächlich Herangehensweise und Stil der Autorin, nicht der Gegenstand. Denn Vaterlosigkeit ist für die Kohorte der im Zweiten Weltkrieg Geborenen ja Normalität, auch in den glücklichen Fällen, in denen Väter Krieg und Nachkriegszeit physisch überlebt haben. Manche kamen erst spät aus der Gefangenschaft zurück, viele waren in der arbeitsintensiven Aufbauphase für ihre Kinder kaum präsent und zumal bei Fragen nach der Zeit vor dem 8. Mai 1945 extrem verschlossen. Die Suche nach den unbekannten, sich entziehenden Vätern ist für diese Jahrgänge, zu denen auch der Rezensent gehört, eine durchgängige Erfahrung von kultureller Tragweite. Die Vergeblichkeit dieser Suche mündete bei vielen in – zunächst mehr oder weniger unbewusste – Auflehnung. Schließlich handelt es sich um die 68er Kohorte.</p>
<p>Wo Väter nicht überlebt hatten und deshalb schwerer mit Vorwürfen zu konfrontieren waren, konnte wohl auch Verklärung die Folge sein, wobei Auflehnung und Verklärung zwei Seiten derselben Medaille sein mögen. Eva Züchner jedenfalls hat ihren Vater zunächst als sensiblen und kultivierten Journalisten mit literarischen Ambitionen verklärt. Dass Gerhart Weise sein Leben nicht als Soldat, sondern als Opfer eines politischen Verbrechens der sowjetischen Besatzungsmacht verloren hat, mag diese Verklärung erleichtert haben. Erst in einem Alter, in dem jugendliche Auflehnung nicht mehr infrage kommt, hat sich die Tochter bewusst und präzise auf die Suche nach dem Vater gemacht. Sie endet in Ratlosigkeit, denn in ihrem Verlauf verblasst (&#8220;verschwindet&#8221;) der sensible und kultivierte Journalist, an den die Tochter lange geglaubt hat, ohne dass ein anderes Bild deutlich wird. Am Ende wissen Autorin und Leser nicht einmal, ob es sich bei dem von Goebbels belobigten Propagandisten Gerhart Weise um einen überzeugten Nationalsozialisten (Typus &#8220;Totale Konformität&#8221;) oder um einen der vielen Opportunisten (Typus &#8220;Pragmatische Konformität&#8221;) gehandelt hat.</p>
<p>Auch wenn die kommunikationshistorische Forschung, was Fakten zu den Medien im Nationalsozialismus betrifft, einen beachtlichen Stand erreicht hat, lässt sich von dieser intensiv recherchierten Selbstverständigung einer akademischen Außenseiterin über ihren Vater sogar in dieser Hinsicht noch einiges lernen. Besonders über die sozialen Netzwerke literarisch ambitionierter NS-&#8221;Journalisten&#8221;, die sich bei der Reichspresseschule, bei den Propaganda-Kompanien und bei der von Goebbels&#8217; Propagandaministerium dirigierten Spielfilmproduktion bildeten, erfährt man Details, die man in dieser Dichte woanders oft vergeblich sucht – einschließlich mancher Informationen über die Dauerhaftigkeit dieser Netzwerke nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes, die einen immer noch erstaunen lassen. Über Gerhart Weises Freund Hans H. Henne, den er 1935 beim zweiten Lehrgang der Reichspresseschule unter Hans Schwarz van Berk kennengelernt hatte, liest man auf Seite 254f.:</p>
<p><small>&#8220;Im August 1954 veröffentlicht <em>Die Wildente</em> in ihrer siebten Folge einen Nachruf auf den &#8216;Kameraden&#8217; Henne, der &#8216;sich durch hervorragende Darstellungen des Kampfgeschehens einen geachteten Namen als Journalist gemacht&#8217; habe (&#8230;). Das Mitteilungsblatt der ehemaligen Angehörigen der Propaganda-Kompanien erscheint in unregelmäßiger Folge von 1952 bis 1966 in Hamburg und wird von Ex-Kriegsberichter Günther Heysing herausgegeben. <em>Die Wildente</em>, durch Spenden und Anzeigen der Ehemaligen finanziert, ist denn auch ein nostalgischer Veteranentreff im DIN-A5-Format, deren Name signalisieren soll, dass dieses revanchistische Blatt nicht gewillt ist, sich die bundesrepublikanischen &#8216;Zeitungsenten&#8217; über den Nationalsozialismus zu eigen zu machen. (&#8230;) Ab 1952 verbreitet er in seinem Blatt die dann über Jahrzehnte hartnäckig verteidigte Legende, dass die Wehrmacht und deren Propagandatruppen mit den Kriegsverbrechen &#8216;der Nazis&#8217; nichts zu tun gehabt hätten. (&#8230;) In der <em>Wildente</em>, die hauptsächlich launige bis wehmütige Reminiszenzen und Anekdoten der Ehemaligen über die gute alte Zeit abdruckt, finde ich die Namen einiger PK-Angehöriger wieder, die Kollegen und Freunde meines Vaters gewesen sind.“</small></p>
<p>Es folgen dann unter anderen die Namen von Verleger Ernst Rowohlt, von Karl-Georg von Stackelberg, dem Gründer der Emnid-Institute, von Wolf Schirrmacher, bis in die 1970er Jahre Autor von <a href="http://www.zeit.de/index" target="_blank">Die Zeit</a>, <a href="http://www.fnp.de/fnp/index.htm" target="_blank">Frankfurter Neue Presse</a> oder <a href="http://www.tagesspiegel.de/" target="_blank">Der Tagesspiegel</a>, und schließlich wieder von Hans Schwarz van Berk, Gründer einer erfolgreichen Werbeagentur und Erfinder des unverwüstlichen Knoblauch-Bauern &#8220;Ilja Rogoff&#8221;, der bis heute durch die deutsche Presse geistert.</p>
<p>Immer noch erstaunen, trotz aller Forschung, die das längst herausgefunden hat, machen auch Züchners Schlaglichter auf die fast selbstmörderische Beharrlichkeit, mit der die Verantwortlichen des NS-Regimes noch mitten im militärischen Untergang nicht nur die aufwändige Vernichtung von Juden, sondern auch die aufwändige Produktion von Propagandamaterial betrieben haben. Gerhart Weise hat als Co-Autor am letzten, bis heute verschwundenen nationalsozialistischen Durchhaltefilm &#8220;Das Leben geht weiter&#8221; mitgewirkt. Züchner beschreibt in beeindruckender Anschaulichkeit die Handlung des an die Zivilbevölkerung unter dem Bombenkrieg adressierten, von Wolfgang Liebeneiner gedrehten Streifens, der noch einmal das Modell der solidarischen Volksgemeinschaft vorführte. Der Seite 207 kann man entnehmen, dass der Regisseur die Dreharbeiten mit Uk-gestellten Schauspielern und Statisten erst am 16. April 1945 abbrechen musste. Und auf Seite 210 erfährt man über die Produktion eines anderen Durchhaltefilms, bei dem sich der Propagandaminister bekanntlich eines historischen Stoffs bediente:</p>
<p><small>&#8220;Die Dreharbeiten für &#8216;Kolberg&#8217; haben, unter der Regie von Veit Harlan, von Oktober 1943 bis Anfang 1944 gedauert. (&#8230;) Für dieses Mammutunternehmen der vorletzten Stunde, das mit knapp acht Millionen Reichsmark das Budget für mindestens drei Spielfilme verschlungen hat, sollen über hundertfünfundachtzigtausend Statisten und zusätzlich, gegen den Protest des Oberbefehlshabers der Kriegsmarine Dönitz, viertausend Marinesoldaten rekrutiert worden sein.&#8221;</small></p>
<p>An einigen Stellen könnte der Text sorgfältiger sein. Die 1926 gegründete Dortmunder Einrichtung heißt Institut für Zeitungs<em>forschung</em> und nicht Zeitungs&#8221;kunde&#8221; (242), und auf Seite 178 dauern die alliierten Luftangriffe auf Hamburg Ende Juli/Anfang August 1943 zehn Tage an, dagegen währen sie auf Seite 199 nur fünf Tage. Solche Nachlässigkeiten sollen allerdings auch in wissenschaftlichen Hochschulschriften vorkommen.</p>
<p>Man könnte es bei Hans Erich Nossack nachlesen, der die Bombardierung Hamburgs bereits im Herbst 1943, noch unter dem deprimierenden Eindruck des Ereignisses, auf höchst authentische Weise geschildert hat. Der Text ist verständlicherweise erst nach 1945 – genau: 1948 im Hamburger <a href="http://www.fischerverlage.de/page/krueger" target="_blank">Wolfgang Krüger-Verlag</a> unter dem Titel <em>Der Untergang</em> – erschienen und kaum in der Öffentlichkeit wahrgenommen worden. W. G. Sebald hat in <em>Luftkrieg und Literatur</em> (1999) die Scham der Deutschen, die natürlich – Stichwort: &#8220;Coventry&#8221; – wussten, dass sie mit dem Terror gegen die wehrlose Zivilbevölkerung begonnen hatten, für das jahrzehntelange Schweigen über ihre fürchterliche Bestrafung verantwortlich gemacht.</p>
<p>Hauptsächlich lohnt die Lektüre von Eva Züchners Buch, weil die Autorin mit ihm etwas realisiert, das die einerseits auf herausragende Schlüsselpersonen, andererseits auf sozio-kulturelle Strukturen fokussierte akademische Forschung zur Kommunikationsgeschichte des Dritten Reichs bisher vernachlässigt hat und das auch die sich gegen die Verdrängung auflehnende Jugend 1968ff. nicht leisten konnte. Mit einer gründlich auf private und öffentliche Originalquellen gestützten Fallstudie geht sie den Denk- und Empfindungsweisen eines normalen, möglicherweise exemplarischen Individuums nach, das sich bei seiner Berufskarriere im Bereich der öffentlichen Kommunikation zutiefst mit dem Nationalsozialismus eingelassen hat. Die Suche bleibt letztlich ohne Ergebnis, aber das ändert nichts an der Leistung, gegen äußere und innere Widerstände intellektuelle Anstrengungen auf eine Frage zu richten, die alle Menschen und besonders wir Deutsche uns stellen müssen, wenn Ähnliches nicht wieder geschehen soll: Was haben wir, jede(r) einzelne von uns, mit dem Nationalsozialismus zu tun? Was steckt auch in uns, das die NS-Verbrechen möglich gemacht hat, deren Einzigartigkeit ja nicht für alle Zeiten gewiss ist?</p>
<p>Solchen peinlichen Fragen hat sich Eva Züchner bewusst gestellt. Auf Seite 229 schildert sie ihre Reaktion auf den Fund unbezweifelbarer Belege dafür, dass ihr Vater seinen Freund Erich Ohser, der kurz darauf verhaftet wird und sich in der Zelle erhängt, wegen &#8220;defätistischer Äußerungen&#8221; denunziert hat. Möglicherweise, so fragt sich die Tochter, um die eigene Haut zu retten oder auch nur selbst nicht in Schwierigkeiten zu geraten?</p>
<p><small>&#8220;Der Fund dieser Aktennotiz hat nicht nur die allerletzten Überbleibsel meines ursprünglichen Vaterbildes zerstört, sondern mich gleichzeitig mit der Unmöglichkeit konfrontiert, die Beweggründe für die Unterlassungen und Handlungen eines Menschen, der den Bedingungen einer mörderischen Diktatur ausgesetzt ist, überhaupt zu beurteilen. Ein Abwehrmechanismus, der die tiefsitzende Furcht verdecken soll, dass auch ich in einer anderen Zeit fähig wäre, einen Freund zu verraten? &#8216;Ihr Menschenbrüder&#8217;, lässt Jonathan Littell in seinem Roman <em>Die Wohlgesinnten </em>den SS-Offizier Max Aue sagen, &#8216;lasst mich euch erzählen, wie es gewesen ist. Wir sind nicht deine Brüder, werdet ihr antworten, und wir wollen es gar nicht wissen.&#8217;&#8221;</small></p>
<p>Wollen auch wir es nicht wissen? Das wäre nur zu verständlich – und verhängnisvoll.</p>
<p><em>Links</em>:</p>
<ul>
<li><a href="http://www.berlinverlage.de/bucher/bucherDetails.asp?isbn=9783827008961" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.journalistik-dortmund.de/prof.-dr.-phil.-horst-pottker.html" target="_blank">Webpräsenz von Horst Pöttker an der Technischen Universität Dortmund</a></li>
</ul>
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		<title>Silke Satjukow: Befreiung? Die Ostdeutschen und 1945</title>
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		<pubDate>Tue, 20 Jul 2010 09:05:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<category><![CDATA[DDR]]></category>
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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Harald Bader</em>

<a href="http://www.rkm-journal.de/archives/495"><img class="alignleft size-full wp-image-3522" title="satjukow2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/05/satjukow2009.jpg" alt="" width="160" height="234" /></a>Der Titel dieses Buches ist zunächst irreführend. Wenn man in der Nachkriegszeit von "Ostdeutschen" sprach, waren damit (in den westlichen Zonen/der Bundesrepublik) die geflohenen und vertriebenen Pommern, Ostpreußen und Schlesier (pars pro toto) gemeint. Hier geht es um die Bewohner der SBZ/DDR. Satjukow untersucht den Umgang von Sowjets und DDR-Bürgern mit der Last des Zweiten Weltkriegs, der in Osteuropa unfassbar grausam gewesen war, was anzuerkennen die Bundesdeutschen lange verweigerten. Die Scham über den Massenmord an den Juden hat lange verdrängt, was Deutsche den slawischen Völkern angetan haben, Kalter Krieg und Wehrmachtsromantik taten ihr Übriges: Der alte Feind war der neue. In der DDR sollte der alte Feind der neue Freund werden. Allerdings nicht auf Augenhöhe, die Machtfrage war in Potsdam geklärt worden. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/495">[Mehr]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Harald Bader</em></p>
<p><a href="http://www.rkm-journal.de/archives/495"><img class="alignleft size-full wp-image-3522" title="satjukow2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/05/satjukow2009.jpg" alt="" width="160" height="234" /></a>Der Titel dieses Buches ist zunächst irreführend. Wenn man in der Nachkriegszeit von &#8220;Ostdeutschen&#8221; sprach, waren damit (in den westlichen Zonen/der Bundesrepublik) die geflohenen und vertriebenen Pommern, Ostpreußen und Schlesier (pars pro toto) gemeint. Hier geht es um die Bewohner der SBZ/DDR. Satjukow untersucht den Umgang von Sowjets und DDR-Bürgern mit der Last des Zweiten Weltkriegs, der in Osteuropa unfassbar grausam gewesen war, was anzuerkennen die Bundesdeutschen lange verweigerten. Die Scham über den Massenmord an den Juden hat lange verdrängt, was Deutsche den slawischen Völkern angetan haben, Kalter Krieg und Wehrmachtsromantik taten ihr Übriges: Der alte Feind war der neue. In der DDR sollte der alte Feind der neue Freund werden. Allerdings nicht auf Augenhöhe, die Machtfrage war in Potsdam geklärt worden.</p>
<p>Gegenstände der materialgesättigten Studie sind Überlegungen zu Schuld und Sühne, Totenkult, Schulunterricht (speziell zum ungeliebten Pflichtfach Russisch) und Medien (Presse, Film, Fernsehen). Forschungsfrage ist dabei: &#8220;Bereitete oder verstellte der beiden Seiten auferlegte Imperativ der Befreiung den Weg zu einer wirklichen Versöhnung?&#8221; (11). Leider bedient sich das sehr ordentliche, reich bebilderte Buch der falschen Methode. Aus einer Propagandaanalyse lassen sich nur unter großen Verrenkungen Rückschlüsse auf die Mentalität von Befreiern/Besatzern und Befreiten/Besiegten ziehen. Politische Mythen in Diktaturen sind eben politische Mythen in Diktaturen. Wenn man wissen will, was davon geglaubt wurde, muss man Zeitzeugen befragen, es gibt noch genug (in Ansätzen macht das auch die Autorin, was Kasernenkontakte betrifft).</p>
<p>Kommunistische Kader taugen nicht als Gewährsleute, das <a href="http://www.neues-deutschland.de/" target="_blank">Neue Deutschland</a> gab nie die Ansichten des Volkes wieder. Natürlich werden Insassen totalitärer Staaten Tag und Nacht agitiert, aber inwieweit internalisiert wurde, steht auf einem anderen Blatt. Und die Leute sind nicht doof. Die sogenannten &#8220;Umsiedler&#8221;, die vergewaltigten Frauen, die Enteigneten, die Inhaftierten, die, die in den Westen flohen, hatten gute Gründe, in der Roten Armee keine Befreier zu sehen, auch wenn sie darüber schweigen mussten. Die dem untergegangenen Hitlerregime noch immer Treuen (ob überzeugte Nazis oder eher in Sebastian Haffners Sinn &#8220;loyalen Deutschen&#8221; – oder die, die eigentlich schon immer im heimlichen Widerstand gewesen waren) hatten schlechte Gründe, in der Roten Armee keine Befreier zu sehen, auch wenn sie darüber schweigen mussten.</p>
<p>Insofern funktioniert dieses Buch einfach nicht, so schön und klug es ist. Der Antifaschismus war eine Geschäftsgrundlage des SED-Regimes, ödete die Menschen aber an. Darum ist der Schluss so schwammig: &#8220;Zwar kam es über ein halbes Jahrhundert des Zusammenlebens von Befreiern und Befreiten zu keiner wahrhaftigen und nachhaltigen Völkerversöhnung, doch bahnten sich bei den Menschen vor Ort zunehmend Versöhnungsgesten den Weg&#8221; (262). Diese zu untersuchen wäre reizvoller gewesen als die offiziellen Quellen. Davon hat es genug, und den Bemühungen der &#8220;Deutsch-Sowjetischen Freundschaft&#8221; zum Trotz: Als die letzten russischen Soldaten 1994 abzogen, ging ein erleichtertes Seufzen durchs Beitrittsgebiet. Damit hat man den Rotarmisten Unrecht getan, denn die waren nicht freiwillig hier, und dafür, dass sie sich für &#8220;Sieger der Geschichte&#8221; halten sollten, mussten sie sehr eingeschränkt leben. Vom Ruhm, Deutschland besiegt und vom Nationalsozialismus befreit zu haben, profitierten sie am geringsten. Bei allem Skrupel, den Zeitzeugen gegen den Rezensenten auszuspielen: Als meine Klasse in der Agonie der späten Achtziger sowjetische Matrosen in Stralsund besuchte, gab es gutes Essen und hübsche Geschenke, aber zu sagen hatte man sich wenig. Dabei war kein Mangel an Denkmälern, Marxismus-Leninismus und Antifaschismus. Aber man kann sich eben nichts einreden (lassen).</p>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.univerlag-leipzig.de/article.html;article_id,860" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.nng.uni-jena.de/silke_satjukow.html" target="_blank">Webpräsenz von Silke Satjukow an der Universität Jena</a></li>
<li><a href="http://www.mfa-dortmund.de/" target="_blank">Webpräsenz von Harald Bader beim Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse </a></li>
</ul>
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		<title>Dörte Hein: Erinnerungskulturen online</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/126</link>
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		<pubDate>Wed, 14 Oct 2009 22:42:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Erik Meyer</em>

<img class="alignleft size-full wp-image-1512" title="hein2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/10/hein2009.jpg" alt="hein2009" width="160" height="243" />Im deutschsprachigen Raum stellt "Erinnerungskultur" einen nach wie vor expandierenden Fokus der historiografisch-kulturwissenschaftlichen Forschung dar. Insbesondere im Zusammenhang mit der medialen Repräsentation von Vergangenheit werden fortlaufend Studien vorgelegt, und nach den audio-visuellen Massenmedien richtet sich das empirische Interesse nun auf Formate der Online-Kommunikation, wie sie sich im World Wide Web vollzieht. Im gedächtnistheoretischen Diskurs wurde die Digitalisierung bislang primär unter dem Gesichtspunkt ihrer Konsequenzen für Archivierung und <em>Speicherung </em>behandelt, die eine Krise des Gedächtnisses evozieren würden. Die Folgen für die <em>Verbreitung </em>erinnerungskulturell einschlägiger Inhalte wurden zunächst vor allem praxisbezogen etwa am Beispiel von als Lehrmittel konzipierten CD-ROMs reflektiert. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/126">[Mehr]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Erik Meyer</em></p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-1512" title="hein2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/10/hein2009.jpg" alt="hein2009" width="160" height="243" />Im deutschsprachigen Raum stellt &#8220;Erinnerungskultur&#8221; einen nach wie vor expandierenden Fokus der historiografisch-kulturwissenschaftlichen Forschung dar. Insbesondere im Zusammenhang mit der medialen Repräsentation von Vergangenheit werden fortlaufend Studien vorgelegt, und nach den audio-visuellen Massenmedien richtet sich das empirische Interesse nun auf Formate der Online-Kommunikation, wie sie sich im World Wide Web vollzieht. Im gedächtnistheoretischen Diskurs wurde die Digitalisierung bislang primär unter dem Gesichtspunkt ihrer Konsequenzen für Archivierung und <em>Speicherung </em>behandelt (vgl. z.B. Assmann 2001), die eine Krise des Gedächtnisses evozieren würden. Die Folgen für die <em>Verbreitung </em>erinnerungskulturell einschlägiger Inhalte wurden zunächst vor allem praxisbezogen etwa am Beispiel von als Lehrmittel konzipierten CD-ROMs reflektiert.</p>
<p>In dieser Perspektive sind inzwischen auch auf den Gegenstandsbereich &#8220;Nationalsozialismus und Holocaust&#8221; bezogene Websites behandelt worden, beispielsweise in einem als Marktanalyse konzipierten Überblick zu deutschsprachigen Online-Angeboten sowie CD/DVD-Produktionen (Wirtz 2005), und die erste Monografie zu &#8220;Erinnerungskulturen im Cyberspace&#8221; (Dornik 2004) versteht sich als &#8220;Bestandsaufnahme österreichischer Websites&#8221; zu diesem Thema. Wie dieser Untertitel bereits indiziert, steht hier mehr die Exploration als systematische Reflexion des Forschungsfeldes im Mittelpunkt. Eine zweite deutschsprachige Monografie (Grellert 2007) erschließt den Gegenstandsbereich ebenfalls typologisch, legt den empirischen Schwerpunkt dann aber auf ein sehr spezifisches Thema, nämlich die &#8220;Potentiale digitaler Technologien für das Erinnern zerstörter Architektur&#8221;, die am Beispiel der Synagogen in Deutschland experimentell eruiert werden.</p>
<p>Dörte Hein greift nun mit ihrer Studie, die empirisch die gleiche Materie adressiert, einige Defizite der bisherigen Beschäftigung mit dem Thema auf. In Auseinandersetzung mit den kulturkritischen Konnotationen des etablierten Gedächtnis-Diskurses orientiert sich Hein dabei an Erll (2005), ergänzt deren erinnerungskulturwissenschaftliche Perspektivierung von Gedächtnismedien aber um kommunikationswissenschaftliche Aspekte. Daraus resultiert die Einschätzung, dass &#8220;Erinnerungskulturen als <em>kommunikative Erinnerungsprozesse</em> adäquat zu beschreiben&#8221; (69, H.i.O.) sind. Deshalb bezieht Hein nicht nur einschlägige und von ihr inhaltsanalytisch untersuchte Angebote, sondern eben auch die betreffenden Akteure (also Produzenten und Rezipienten) in ihre Untersuchung ein. Operationalisiert wird dieses Vorgehen einerseits durch Experteninterviews mit als &#8220;Kommunikatoren&#8221; bezeichneten Verantwortlichen auf Seiten der Anbieter exemplarischer Websites und andererseits durch eine Online-Befragung bezüglich des Nutzungsverhaltens. Der konsequent durchgehaltene Ansatz, diese drei Analyseebenen zu differenzieren und sie mit gegenstandsadäquaten Methoden zu untersuchen, überzeugt, auch wenn im Detail sicher kritische Fragen aufgeworfen werden können.</p>
<p>Im Fokus dieser Vorgehensweise stehen zwölf Fälle, die typisierend die Schwerpunkte &#8220;Information&#8221;, &#8220;Service&#8221; und &#8220;Portal&#8221; repräsentieren. &#8220;Grob lassen sich die Angebote dem Entstehungskontext nach in<em> institutionell eingebundene</em> und <em>privat betriebene Websites</em> unterscheiden&#8221; (120, H.i.O.). Die heuristische Relevanz dieser Einteilung muss jedoch im Zuge der technisch-medialen Evolution hin zum Web 2.0 relativiert werden, insofern nutzergenerierte Inhalte gerade für kommerziell ausgerichtete Online-Angebote zunehmend an Bedeutung gewinnen und damit eine Hybridisierung zu konstatieren ist. Besonders interessant sind die Ergebnisse aber dort, wo die Erwartungen der Anbieter mit dem Handeln der Nutzer konfrontiert werden können. Ein Beispiel dafür ist die Überschätzung der Rolle der Massenmedien bei der Frage, wie Interessenten Zugang zu bestimmten Websites finden, denn &#8220;ein Drittel der User wurde über Links von anderen Sites auf die Angebote aufmerksam&#8221; (231). Hier hält die Studie anwendungsbezogene Implikationen für private oder zivilgesellschaftliche Akteure bereit, denen häufig die Ressourcen für eine systematische Reflexion der eigenen Praxis fehlen. Schließlich bündelt Hein ihre Ergebnisse prägnant in neun Thesen, die auch einige akademische Annahmen korrigieren. Dies betrifft sowohl die Debatte über Erinnerungskulturen und Gedächtnismedien (z.B. die von Levy/Sznaider 2001 formulierte Kosmopolitisierungs-These) als auch die fachwissenschaftliche Diskussion. Insofern ist ihrem Plädoyer für eine Forschungsperspektive, die medienanalytische und kommunikationsbezogene Betrachtungen integriert und meines Erachtens mit Zierold (2006) als &#8216;medienkulturwissenschaftlich&#8217; bezeichnet werden könnte, uneingeschränkt zuzustimmen.</p>
<p><em>Literatur:</em></p>
<ul>
<li> Assmann, A.: &#8220;Das Archiv und die neuen Medien des kulturellen Gedächtnisses&#8221;. In: Stanitzek, G.; Vosskamp, W. (Hrsg.): <em>Schnittstelle. Medien und kulturelle Kommunikation</em>. Köln [DuMont] 2001, S. 268-281.</li>
<li> Dornik, W.: <em>Erinnerungskulturen im Cyberspace. Eine Bestandsaufnahme österreichischer Websites zu Nationalsozialismus und Holocaust</em>. Berlin [trafo] 2004.</li>
<li> Erll, A.: <em>Kollektives Gedächtnis und Erinnerungskulturen. Eine Einführung</em>. Stuttgart, Weimar [J. B. Metzler] 2005.</li>
<li> Grellert, M.: <em>Immaterielle Zeugnisse. Synagogen in Deutschland. Potenziale digitaler Technologie für das Erinnern zerstörter Architektur</em>. Bielefeld [Transcript] 2007.</li>
<li> Levy, D.; Sznaider, N.: <em>Erinnerung im globalen Zeitalter: Der Holocaust</em>. Frankfurt am Main [Suhrkamp] 2001.</li>
<li> Wirtz, S.: <em>Marktanalyse: Deutschsprachige Online- und CD/DVD-Produktionen zum Thema Nationalsozialismus und Holocaust</em>. Frankfurt am Main 2005. Online unter <a href="http://www.fritz-bauer-institut.de/forschung/web-cd-dvd_bericht.pdf" target="_blank">http://www.fritz-bauer-institut.de/forschung/web-cd-dvd_bericht.pdf</a></li>
<li> Zierold, M.: <em>Gesellschaftliche Erinnerung. Eine medienkulturwissenschaftliche Perspektive</em>. Berlin, New York [Walter de Gruyter] 2006.</li>
</ul>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.uvk.de/buch.asp?ISBN=9783867641623&amp;WKorbUID=69464&amp;TITZIF=2290&amp;be=&amp;uBe=" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.polsoz.fu-berlin.de/kommwiss/institut/kommunikationspolitik/mitarbeiterinnen/dhein/index.html" target="_blank">Webpräsenz von Dörte Hein an der FU Berlin</a></li>
<li><a href="http://www.memorama.de/" target="_blank">Weblog von Erik Meyer</a></li>
</ul>
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		<item>
		<title>Frank Bösch; Constantin Goschler (Hrsg.): Public History</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/553</link>
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		<pubDate>Sat, 26 Sep 2009 22:07:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Martina Thiele</em>

<img class="alignleft size-full wp-image-1437" title="bösch&#38;goschler" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/05/böschgoschler.jpg" alt="bösch&#38;goschler" width="160" height="243" />Mit der Vergangenheit beschäftigt sich nicht nur der Historiker, der einen Lehrstuhl für Geschichte innehat. Auch "fachfremde" Wissenschaftler sowie Zeitzeugen, Schriftsteller, Juristen und Journalisten schreiben über geschichtliche Themen. Mit dem Band "Public History" spüren die Autorinnen und Autoren den Trennlinien nach zwischen Wissenschaft, Publizistik und Schriftstellerei, zwischen Fakten und Fiktionen. Das Besondere an diesem Buch aber besteht darin, dass die Herausgeber Frank Bösch und Constantin Goschler – beide Inhaber von Lehrstühlen für Geschichte – nun gerade nicht beklagen, wie sehr die universitäre Geschichtsforschung durch "Laienhistoriker" gestört wird, sondern im Gegenteil die Anstöße, die durch Public History erfolgt sind, als außerordentlich wichtig erachten für die Geschichtswissenschaft und die Gesellschaft insgesamt. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/553">[Mehr]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Martina Thiele</em></p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-1437" title="bösch&amp;goschler" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/05/böschgoschler.jpg" alt="bösch&amp;goschler" width="160" height="243" />Mit der Vergangenheit beschäftigt sich nicht nur der Historiker, der einen Lehrstuhl für Geschichte innehat. Auch &#8220;fachfremde&#8221; Wissenschaftler sowie Zeitzeugen, Schriftsteller, Juristen und Journalisten schreiben über geschichtliche Themen. Mit dem Band &#8220;Public History&#8221; spüren die Autorinnen und Autoren den Trennlinien nach zwischen Wissenschaft, Publizistik und Schriftstellerei, zwischen Fakten und Fiktionen. Das Besondere an diesem Buch aber besteht darin, dass die Herausgeber Frank Bösch und Constantin Goschler – beide Inhaber von Lehrstühlen für Geschichte – nun gerade nicht beklagen, wie sehr die universitäre Geschichtsforschung durch &#8220;Laienhistoriker&#8221; gestört wird, sondern im Gegenteil die Anstöße, die durch Public History erfolgt sind, als außerordentlich wichtig erachten für die Geschichtswissenschaft und die Gesellschaft insgesamt.</p>
<p>Den Begriff &#8220;Public History&#8221; erläutern Bösch und Goschler einleitend: Es geht um die nicht-akademische Bildung historischer Wissensbestände, um den öffentlichen Umgang mit Geschichte. Im Deutschen wird das häufig mit &#8220;Wissenschaft und Öffentlichkeit&#8221; umschrieben. In den USA etablierte sich der Begriff &#8220;Public History&#8221; in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts und mittlerweile gibt es dort an 125 Universitäten und Colleges Public-History-Studiengänge oder Studienschwerpunkte. Der erste deutsche Studiengang namens &#8220;Public History&#8221; besteht seit 2007 an der FU Berlin. Damit setzt sich die Institutionalisierung einer Bewegung fort, die unabhängig von der etablierten Geschichtswissenschaft geschichtliche Themen bearbeiten wollte. Trotz der Beteuerung, das Wechselspiel zwischen Fachwissenschaft und Public History zunächst nur untersuchen zu wollen, verstärkt auch der vorliegende Band die Tendenz, die Public History zu verwissenschaftlichen, zumal die Autorinnen und Autoren alle mindestens promovierte Historiker sind.</p>
<p>Zwei der neun Beiträge wählen insofern einen etwas anderen Zugang zum Thema, als sie die Gedenkstättenpolitik (Habbo Knoch) als Teil der Public History untersuchen oder speziell die Arbeit der Zeithistorischen Forschungsstelle in Ludwigsburg in den Blick nehmen (Annette Weinke). Andere Beiträge fragen nach massenmedialen Repräsentationen – so der Rolle des Printjournalismus (Jan Erik Schulte), des Dokumentarfilms (Frank Bösch) und des Radios (Inge Marßolek). Letzteres war in den ausgehenden 40er und 50er Jahren &#8220;Leitmedium&#8221; und Mittel der Reeducation. Der Hörfunk ließ die Deutschen unmittelbar teilhaben an den frühen NS-Prozessen in Belsen und Nürnberg. Von beiden Prozessen, aber auch 18 Jahre später vom Frankfurter Auschwitz-Prozess, berichtete der NWDR-Reporter Axel Eggebrecht – ein Vorbild für Generationen von Journalistinnen und Journalisten. Marßolek analysiert die Sendeprotokolle und legt dar, worin sich die frühen Gerichtsverfahren von den späteren unterschieden, wie sich die Sicht auf Täter, Zeugen und Opfer veränderte.</p>
<p>Diesen Themen- und Perspektivenwandel untersuchen auch Schulte und Bösch. Schulte erkennt in der Presse der frühen Bundesrepublik eine Konzentration auf die Haupttäter und die Tendenz zur Entschuldung. Erst in den 60er Jahren seien die &#8220;großen Namen&#8221; als Vehikel für weitergehende Analysen genutzt worden. Ähnlich wie im Printjournalismus verhielt es sich im Film- und Fernsehjournalismus. Auch hier, so Bösch, sind verschiedene Phasen der Auseinandersetzung erkennbar. Anfang der 60er Jahre gewann das Fernsehen als Vermittler historischen Wissens zunehmend an Bedeutung – ein Trend, der bis heute anhält.</p>
<p>Andere Medien aber wie das Buch, so Olaf Blaschke und Erhard Schütz, fänden viel zu wenig Beachtung in der Diskussion um medialisierte Geschichte. Blaschke, der das Verlagsgeschäft betrachtet, verweist auf die ökonomische Seite, darauf, dass sich die Publikation zeitgeschichtlicher Sachbücher auch lohnen muss. Längst nicht alles, was publikationswürdig war, wurde verlegt, und längst nicht alles, was verlegt wurde, war publikationswürdig. Lobenswert ist Blaschkes Versuch, die Behauptung, dass Zeitgeschichtliches boomt, auch empirisch zu untermauern. Den fehlenden Daten zu Auflagen, Rezeption, gar Wirkung belletristischer Literatur mit zeithistorischem Bezug begegnet Schütz durch eine umfassende Angebotsübersicht. Mit Blick auf die Skandalisierung von Werken wie Schlinks &#8220;Der Vorleser&#8221; und Walsers &#8220;Ein springender Brunnen&#8221; plädiert er für eine Literatur, die auf &#8220;ästhetischen Eigensinn und künstlerische Riskanz&#8221; setzt. Das provoziert Nachfragen, ebenso das von Schütz angesprochene &#8220;Phänomen, das selbst noch der historiographischen Reflexion bedarf, nämlich das der je zeitgeschichtlichen kollektiven Erwartungsnormen der veröffentlichten Meinung generell und des Kulturjournalismus im Speziellen&#8221; (279).</p>
<p>Um Zeugnisse der Täter oder aber der Opfer geht es in den Beiträgen von Oliver von Wrochem und Constantin Goschler. Letzterer distanziert sich in seinem Aufsatz über die &#8220;Stimmen der Opfer&#8221; vom Begriff &#8220;Holocaust-Literatur&#8221;, ihn interessiere vielmehr, &#8220;in welchem Verhältnis diese Erzählungen zur akademischen Forschung standen&#8221;. Goschler skizziert zwei Positionen, vertreten durch Hans Günter Hockerts und Nicolas Berg: Während sich die Zeitgeschichtsforschung nach Hockerts tapfer der Deutungshoheit von Generalsmemoiren in den Weg gestellt habe, seien nach Berg die Erinnerungen jüdischer Zeitzeugen und Historiker lange Zeit von der akademischen Forschung nicht beachtet worden. Wie dominant in den ersten Jahren die Memoiren-Literatur der militärischen Eliten war, belegt von Wrochem eindrucksvoll. Goschler vermeidet die Stellungnahme und verweist auf das &#8220;Dazwischen&#8221;, Personen wie Hans Rothfels, der nicht als &#8220;jüdischer Historiker&#8221; gesehen werden wollte. Im Zuge der Professionalisierung und Institutionalisierung der Zeitgeschichte in den 60er Jahren sei jedenfalls eine deutliche Trennlinie zwischen Zeithistorikern und Zeitzeugen gezogen worden. Der massenmedial forcierte &#8220;Boom der Zeitzeugen&#8221; in den 70er und 80er Jahren habe dann aber zu einer &#8220;komplexen Symbiose zwischen NS-Opfern und akademischer Zeitgeschichte&#8221; geführt, die &#8220;auch durch das Abtreten der letzten Erlebnisgeneration nicht automatisch&#8221; beendet sein müsse, weil, so Goschler, vermutlich die &#8220;second generation&#8221; die Rolle der Zeitzeugen nach deren Ableben übernehmen werde (154). Hier klingt dann doch eine gewisse Skepsis gegenüber Vermischungen von Opferstatus und akademischer Forschung an.</p>
<p>Prinzipiell zuzustimmen ist Olaf Blaschke, der es &#8220;sehr begrüßt&#8221;, &#8220;wenn wie in diesem Buch, jenseits der Schriften und Meinungen von Berufshistorikern die in bloßer Nebenrolle wahrgenommenen Journalisten, Filmemacher, Publizisten, Juristen und anderen Akteure kollektiv ins Blickfeld geraten.&#8221; (224) Doch reicht es, wenn diese ins Blickfeld der Historiker geraten? Was spricht dagegen, die anderen Akteure und auch Akteurinnen selbst zu Wort kommen zu lassen?</p>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.campus.de/wissenschaft/geschichte/Public+History.85843.html" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.uni-giessen.de/cms/fbz/fb04/institute/geschichte/fachjournalistik/personen/-1p-4hi-5fj-8p-p45-/" target="_blank">Webpräsenz von Frank Bösch an der Universität Gießen</a></li>
<li><a href="http://www.ruhr-uni-bochum.de/lehrstuhl-ng2/" target="_blank">Webpräsenz von Constantin Goschler an der Ruhr-Universität Bochum</a></li>
<li><a href="http://www.uni-salzburg.at/portal/page?_pageid=284,388122&amp;_dad=portal&amp;_schema=PORTAL" target="_blank">Webpräsenz von Martina Thiele an der Universität Salzburg</a></li>
</ul>
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		</item>
		<item>
		<title>Astrid Blome; Holger Böning (Hrsg.): Presse und Geschichte</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/501</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/501#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 23 Aug 2009 10:29:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einzelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Aufklärung]]></category>
		<category><![CDATA[DDR]]></category>
		<category><![CDATA[Flugblätter]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
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		<category><![CDATA[Zeitungen]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitungswissenschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Markus Behmer</em>

<img class="alignleft size-full wp-image-1005" title="blome&#38;böning2008" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/08/blomeböning2008.jpg" alt="blome&#38;böning2008" width="160" height="226" /><i>Presse und Geschichte – Neue Beiträge</i> heißt eine von Mitarbeitern des Instituts für Deutsche Presseforschung an der Universität Bremen herausgegebene Buchreihe, in der bislang in knapp einem Jahrzehnt bereits 43 Titel erschienen sind. Unter dem Titel <em>Presse und Geschichte</em> sind auch schon 1977 und 1987 zwei Bände in der Vorgängerreihe "Studien zur Publizistik" veröffentlicht worden. Beide vereinten "Beiträge zur historischen Kommunikationsforschung" und beide gehören immer noch zur Standardliteratur der Pressegeschichtsschreibung, setzten Maßstäbe insbesondere hinsichtlich der Beschreibung des Forschungsstandes zum frühen Druckwesen. Nun liegt wieder ein Reader zu <em>Presse und Geschichte</em> vor, wieder aus Bremen. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/501">[Mehr]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Markus Behmer</em></p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-1005" title="blome&amp;böning2008" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/08/blomeböning2008.jpg" alt="blome&amp;böning2008" width="160" height="226" /><em>Presse und Geschichte – Neue Beiträge</em> heißt eine von Mitarbeitern des <a href="http://www.presseforschung.uni-bremen.de/" target="_blank">Instituts für Deutsche Presseforschung </a>an der Universität Bremen herausgegebene Buchreihe, in der bislang in knapp einem Jahrzehnt bereits 43 Titel erschienen sind. Unter dem Titel <em>Presse und Geschichte</em> sind auch schon 1977 und 1987 zwei Bände in der Vorgängerreihe &#8220;Studien zur Publizistik&#8221; veröffentlicht worden. Beide vereinten &#8220;Beiträge zur historischen Kommunikationsforschung&#8221; und beide gehören immer noch zur Standardliteratur der Pressegeschichtsschreibung, setzten Maßstäbe insbesondere hinsichtlich der Beschreibung des Forschungsstandes zum frühen Druckwesen.</p>
<p>Nun liegt wieder ein Reader zu <em>Presse und Geschichte</em> vor, wieder aus Bremen. Dokumentiert sind in dem fast 500-seitigen Band 24 (für die Drucklegung teils deutlich erweiterte) Vorträge, die 2007 auf einer Tagung aus Anlass des 50. Geburtstages eben des Instituts für Deutsche Presseforschung gehalten wurden.</p>
<p>Der erste Aufsatz – von Mitherausgeber Holger Böning – bietet dann auch einen prägnanten Abriss der Geschichte des Instituts, das als &#8220;wunderbarer Ort, der Freiräume bietet, ohne die große Projekte grundlegender Forschung nicht gedeihen können&#8221; (18), gefeiert wird. Viele der weiteren Beiträge stammen ebenfalls von ehemaligen oder aktuellen Mitarbeitern des Instituts und bieten Einblicke in manche dieser Projekte. So liefert die zweite Herausgeberin Astrid Blome einen Überblick über die Entwicklung der Intelligenzblätter wie auch ihrer Erforschung und arbeitet luzide deren vielfältige Funktionen und ihre Bedeutung heraus – etwa als &#8220;unentbehrliche Wissensspeicher, […] Orientierungshilfe im Alltag ebenso wie […] historische Chronik der Normanwendung&#8221; (202). Indem die örtlichen Intelligenzblätter unter anderem die &#8220;administrative, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung einer Stadt und einer Region in ihrer historischen Tradition und aktuellen Entfaltung&#8221; (207) dokumentierten, hätten sie ein System &#8220;völlig neuartiger öffentlicher Kommunikationsstrukturen&#8221; (ebd.) begründet und wesentlich dazu beigetragen, erst das &#8220;Bewusstsein einer Region&#8221; zu konstituieren.</p>
<p>Überblicke über &#8220;traditionelle&#8221; Schwerpunkte der Bremer Forschung bieten Johannes Weber, Reinhart Siegert und Michael Nagel. Weber beschreibt knapp Forschungsergebnisse und Desiderate zur Nachrichtenpresse im 17. Jahrhundert, Nagel zeichnet die Entwicklung der deutsch-jüdischen Presse im Zeitraum von 1755 bis 1943 nach und zeigt deren mentalitätsgeschichtliche Bedeutung wie auch deren Wandel auf. Und Siegert arbeitet anschaulich heraus, dass Zeitungslektüre bereits im 18. Jahrhundert auch unter einfachen Leuten recht weit verbreitet war und als &#8220;Motor der Volksaufklärung&#8221; (209) fungierte. &#8220;&#8216;Bad News is good news&#8217; – dieser heutige Satz scheint für viele Blätter der Aufklärung nicht zu gelten&#8221;, so eines seiner Ergebnisse. &#8220;Sie berichten von guten Taten, von fortschrittlichen Gesetzen, von geglückten Neuerungen. Insbesondere regionale Blätter mit starker aufklärerischer Tendenz taten sich darin besonders hervor&#8221; (222).</p>
<p>Einblicke in kleinere aktuelle Projekte am Institut für Presseforschung ermöglichen Esther-Beate Körber und Klaus-Dieter Herbst. &#8220;Zeitungsextrakte&#8221; nennt Körber ihren bislang wenig beachteten Forschungsgegenstand; gemeint sind damit Periodika, die regelmäßig Meldungen aus verschiedenen Zeitungen zusammenstellten und teilweise einordneten. Sie dienten während des gesamten 18. Jahrhunderts vor allem &#8220;als Verständnishilfen und Werbemittel für die Zeitungslektüre&#8221; (138). Herbst beschäftigt sich mit Kalendern als Medien. Im hier vorliegenden Aufsatz beschränkt er sich auf &#8220;große Schreibkalender&#8221; (die die Käufer auch als Lesestoff und für tägliche Eintragungen nutzen konnten), ausführlich beschreibt er deren Entwicklung, Inhalte und Funktion und entwickelt ein Programm zur weiteren Analyse.</p>
<p>Interdisziplinarität betont Hölger Böning als ein besonderes Attribut der Bremer Presseforschung – und aus unterschiedlichen Disziplinen kommen auch die Beiträger des Bandes: Literaturwissenschaftler, Linguisten, Historiker und Kommunikationswissenschaftler. Mit letzterer Disziplin wie auch mit ihrer universitären &#8220;Vorgängerin&#8221;, der Zeitungswissenschaft, geht Martin Welke hart ins Gericht. Kundig beschreibt er (einmal mehr) die Nachrichtenbeschaffung der ersten beiden bekannten Wochenzeitungen, des &#8220;Aviso&#8221; und der &#8220;Relation&#8221;, und moniert dabei die &#8220;fachliche Inkompetenz der Zeitungswissenschaft&#8221; (24) auf dem Felde historischer Presseforschung. Es sei &#8220;schlicht nicht nachzuvollziehen, dass die mit derartigen Fehlleistungen belastete Zeitungswissenschaft bzw. die ihr nachfolgende Publizistikwissenschaft/Kommunikationsforschung in der gesamten akademischen Welt noch immer wie selbstverständlich als &#8216;Heimatdisziplin&#8217; der pressehistorischen Forschung&#8221; (ebd.) gelte.</p>
<p>Im vorliegenden Band liefern aber gerade Kommunikationswissenschaftler einige der fundiertesten Beiträge, in denen sie aufzeigen, wie ausgehend von grundlegendem historischen Wissen und in Verbindung mit sozialwissenschaftlichem Methodenrüstzeug neue Ergebnisse zu Tage gefördert und interessante Zusammenhänge erschlossen werden können. So entwickelt Arnulf Kutsch im längsten Aufsatz des Bandes eine umfängliche Perspektive zur Erforschung des &#8220;journalistischen Professionalisierungsprozesses in Deutschland am Anfang des 20. Jahrhunderts&#8221; (289-325). Und Michael Meyen fasst drei eigene Forschungsprojekte zu Inhalten, Publikum und Lesererwartungen von Zeitungen in der DDR zusammen und liefert damit erste überzeugende Bausteine zu einer Geschichte der DDR-Presse, die bisherige Vorstellungen etwa von der ausschließlichen Uniformität differenzieren können. Im Schnittbereich zwischen Geschichts- und Kommunikationswissenschaft steht Bernd Sösemann. Hier bietet er Grundzüge und vertiefende Thesen zur Medienlenkung im NS-Staat. Ein Konzept zur weiteren Forschung stellt er exemplarisch anhand der – gescheiterten – Bemühungen Goebbels&#8217; um eine Revision des Reichspressegesetzes dar, die er prägnant und solide quellengestützt nachzeichnet. Weiter skizzieren Rudolf Stöber und Jürgen Wilke jeweils Anliegen, Vorgehensweise wie auch Probleme beim Verfassen ihrer pressegeschichtlichen Überblickswerke.</p>
<p>Der Spannungsbogen des gesamten Bandes reicht von der Frühgeschichte des Druckwesens im 17. Jahrhundert bis in die 80er Jahre des 20. Jahrhunderts, von kleinen Schlaglichtern (etwa von Hans Wolf Jäger über Gustav Freytags Beziehung zum Journalismus oder einer Projektvorstellung zur &#8220;digitalen Erfassung der deutschsprachigen Presse im Königreich Ungarn in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts&#8221; [435-446]) zu umfassenden Überblicken (etwa auch von Hélène Roussel zur deutschen Exilpresse).</p>
<p>&#8220;Leistungen und Perspektiven der historischen Presseforschung&#8221;, so lautet der Untertitel des Bandes. Deutlich wird im bunten Strauß der (wie stets nicht immer qualitativ gleichwertigen) Aufsätze, dass in den vergangenen Jahrzehnten viel geleistet wurde und viele der thematisierten Forschungsfelder schon gut beackert sind; aber vielfach werden auch Desiderate aufgezeigt, neue Fragen angestoßen, eben Perspektiven offengelegt. Astrid Blome konstatiert zu Recht, dass eine &#8220;systematische Würdigung der kommunikationshistorischen Leistungen der Intelligenzblätter&#8221; (180) noch ausstehe, Meyen und Kutsch konstatieren ähnliche Defizite für die Erforschung der DDR-Presse respektive der journalistischen Berufsentwicklung, Herbst mahnt weitere Forschung zum Kalender an, Daniel Bellingradt erwartet &#8220;wichtige Impulse&#8221; aus der Erforschung frühneuzeitlicher Flugdrucke für die &#8220;interdisziplinäre Stereotypenforschung&#8221; (92), nach Kurt Nemitz könne man aus historischen Beispielen einen &#8220;genaueren Einblick in die Arbeitsweise der Regierungssprecher&#8221; (281) gewinnen und so fort.</p>
<p>Jeder betont so auch die Bedeutung des eigenen Forschungsgegenstands. Eine breite Palette von Themenfeldern und wissenschaftlichen Zugängen der historischen Presseforschung aufzuzeigen &#8211; darin liegt kein kleiner Verdienst des eindrucksvollen Readers.</p>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.editionlumiere.de/pressegeschichte.html" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.uni-bamberg.de/kowi/personen_einrichtungen/markus_behmer/" target="_blank">Webpräsenz von Markus Behmer an der Universität Bamberg</a></li>
</ul>
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