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Stefan Andreas Keller: Im Gebiet des Unneutralen

Einzelrezension | 10. Oktober 2011 | Redaktion | Keine Kommentare »
Stefan Andreas Keller: Im Gebiet des Unneutralen. Schweizerische Buchzensur im Zweiten Weltkrieg zwischen Nationalsozialismus und Geistiger Landesverteidigung. Zürich [Chronos Verlag] 2009, 347 Seiten, 37,50 Euro.

Rezensiert von Roger Blum

Die Schweiz wurde vom Dritten Reich bedroht, aber nicht erobert. Sie war 1940-1945 zwar vollständig von faschistischen Ländern umschlossen und in den Zweiten Weltkrieg wirtschaftlich und moralisch verwickelt, nicht aber militärisch. Jedenfalls sah sie sich veranlasst, die Medien seit 1934 beschränkt, seit 1939 umfassend zu zensurieren. Während die Pressezensur seit den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts thematisiert und wissenschaftlich untersucht wurde, blieb die Buchzensur lange unbeachtet. Jetzt legt der Zürcher Stefan Andreas Keller, der heute als e-Learning-Koordinator an der Universität Zürich tätig ist, mit seiner historischen Dissertation erstmals eine gründliche Untersuchung vor. [Mehr]

Ute Daniel, Inge Marszolek, Wolfram Pyta, Thomas Welskopp (Hrsg.): Politische Kultur und Medienwirklichkeiten in den 1920er Jahren

Einzelrezension | 21. Juni 2011 | Redaktion | Keine Kommentare »
Ute Daniel, Inge Marszolek, Wolfram Pyta, Thomas Welskopp (Hrsg.): Politische Kultur und Medienwirklichkeiten in den 1920er Jahren. Schriftenreihe der Stiftung Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Gedenkstätte. München [Oldenbourg Verlag] 2010, 339 Seiten, 39,80 Euro.

Rezensiert von Konrad Dussel

Die Bedeutung, die die Massenmedien in der Gegenwart besitzen, führt naheliegenderweise zu der Frage nach den diesbezüglichen Gegebenheiten in der Vergangenheit. Zwanglos lässt sich dies mit der in den letzten Jahren zunehmend in den Vordergrund tretenden Kulturgeschichte des Politischen verbinden und auf die Weimarer Republik anwenden. Zum so umrissenen Themenfeld lud die Heidelberger Ebert-Gedenkstätte im Herbst 2008 zu einer Tagung ein. Der nun erschienene Sammelband präsentiert nach der obligatorischen Einleitung der Herausgeber dazu elf Beiträge. [Mehr]

Gerhard Paul; Bernhard Schoßig (Hrsg.): Öffentliche Erinnerung und Medialisierung des Nationalsozialismus

Einzelrezension | 25. Mai 2011 | Redaktion | Keine Kommentare »
Gerhard Paul; Bernhard Schoßig (Hrsg.): Öffentliche Erinnerung und Medialisierung des Nationalsozialismus. Eine Bilanz der letzten dreißig Jahre. Reihe: Dachauer Symposien zur Zeitgeschichte, Band 10. Göttingen [Wallstein Verlag] 2010, 206 Seiten, 20 Euro.

Rezensiert von Juliane Finger

Im Jahr 2009 fand das 10. Dachauer Symposium statt, welches sich die Frage stellte, wie sich die öffentliche Erinnerung an Nationalsozialismus und Holocaust in den letzten dreißig Jahren nach der Ausstrahlung der Serie “Holocaust” in 1979 verändert hat. Daraus entstanden ist der vorliegende Sammelband, der sich eben jener interessanten, wenn auch nicht ganz neuen Fragestellung widmet (z. B. Martínez, 2004; Wilke, 2005). Was macht diesen Band lesenswert? Holocaust sei unter Umständen die “folgenreichste Zäsur im geschichtskulturellen Diskurs der Bundesrepublik über Nationalsozialismus und Judenmord” (16), so Paul im einleitenden Beitrag. Die Serie habe eine verstärkte Auseinandersetzung mit der Geschichte eingeleitet. Die seit 1979 zunehmende Medialisierung habe aber auch eine Schattenseite, die Kommerzialisierung und Simplifizierung des Themas. Vor dem Hintergrund dieser These beschäftigen sich die folgenden Einzelbeiträge mit der (mehr oder weniger) von Holocaust beeinflussten Entwicklung in verschiedenen Bereichen öffentlicher Erinnerungskultur. [Mehr]

Bernd Heidenreich; Sönke Neitzel (Hrsg.): Medien im Nationalsozialismus

Einzelrezension | 21. März 2011 | Redaktion | Keine Kommentare »
Bernd Heidenreich; Sönke Neitzel (Hrsg.): Medien im Nationalsozialismus. Paderborn [Wilhelm Fink Verlag/Ferdinand Schöningh Verlag] 2010, 373 Seiten, 38,- Euro.

Rezensiert von Thomas Keiderling

2007 erschien das Buch Medien im Nationalsozialismus. Deutschland 1933–1945, Italien 1922–1943, Spanien 1936–1951 von Clemens Zimmermann, in welchem die Medienüberwachung und der Mediengebrauch des Dritten Reichs in den Bereichen Buch, Verlagswesen, Bibliotheken, Presse, Rundfunk, Film, Kino sowie den “öffentlichen Sphären” vergleichend mit den spanischen und italienischen Diktaturen untersucht wurde. Der nun vorgelegte Sammelband gleichen Haupttitels möchte an diese Forschungsfrage anknüpfen. Die Publikation geht auf eine gemeinsame Tagung der Hessischen Landeszentrale für Politische Bildung und des Hessischen Rundfunks zurück, die im September 2007 in Frankfurt am Main stattfand. Das vorliegende Buch unterscheidet sich insofern von der gleichnamigen Vorläuferpublikation, weil es – als Sammelband konzipiert – die Fragestellung nicht ausgewogen und lehrbuchartig, sondern eher essayistisch, aus unterschiedlichen Blickwinkeln heraus beantworten will. [Mehr]

Johannes Roschlau (Hrsg.): Träume in Trümmern

Einzelrezension | 15. November 2010 | Redaktion | Keine Kommentare »
Johannes Roschlau: Träume in Trümmern. Film - Produktion und Propaganda 1940-1950. Reihe: CineGraph. München [edition text+kritik] 2009, 202 Seiten, 21,- Euro.

Rezensiert von Michael Wedel

Wohl kein zweites nationales Kino ist in seiner geschichtlichen Entwicklung derart markant von gesellschaftspoli- tischen Diskontinuitäten gekennzeichnet wie der deutsche Film. Dies scheint die Periodisierung für die Filmgeschichts- schreibung zu erleichtern und eine Orientierung an den Kerndaten der politischen Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert zwangsläufig zu machen. Entsprechend wird der historische Verlauf des deutschen Films in einschlägigen Überblicksdarstellungen wie in Arbeiten zu einzelnen Epochen zumeist in enger Analogie zur staats- und gesellschafts- geschichtlichen Entwicklung gefasst und in die Zeit des Wilhelminischen Films (1895-1918), Weimarer Kinos (1919-1933), NS-Films (1933-1945), des Nachkriegsfilms in Ost und West bis Mitte der 1960er Jahre (Ende der Adenauer-Ära bzw. 11. Plenum des ZK der SED), des Neuen Deutschen Films bis 1982 (dem Todesjahr Rainer Werner Fassbinders und zugleich Beginn der Kanzlerschaft Helmut Kohls) sowie des Gegenwartsfilm im wiedervereinigten Deutschland seit 1990 unterteilt. [Mehr]

Eva Züchner: Der verschwundene Journalist

Einzelrezension | 23. August 2010 | Redaktion | Keine Kommentare »
Eva Züchner: Der verschwundene Journalist. Eine deutsche Geschichte. Berlin [Berlin Verlag] 2010, 288 Seiten, 24,- Euro.

Rezensiert von Horst Pöttker

Wie es im NS-Regime war, ist nach der für den Wiederaufbau nützlichen Verdrängung der Verbrechen in den 1950er Jahren mittlerweile gut erforscht und einigermaßen bekannt. Die peinliche Frage, wie es überhaupt möglich war, dass die Kulturnation der Deutschen den Barbaren Hitler, Goebbels und Himmler ins eigene Verderben gefolgt ist, gerät erst heute, ein Menschenleben danach, mehr und mehr in den öffentlichen Diskurs. Philipp Jenninger musste noch 1988 als Bundestagspräsident zurücktreten, weil er es gewagt hatte, bei einer hochoffiziellen Gedenkveranstaltung zur Reichskristallnacht 1938 den Motiven für das Schweigen der großen Mehrheit zum Judenpogrom nachzuspüren. [Mehr]

Silke Satjukow: Befreiung? Die Ostdeutschen und 1945

Einzelrezension | 20. Juli 2010 | Redaktion | Keine Kommentare »
Silke Satjukow: Befreiung? Die Ostdeutschen und 1945. Leipzig [Leipziger Universitätsverlag] 2009, 288 Seiten, 29,– Euro.

Rezensiert von Harald Bader

Der Titel dieses Buches ist zunächst irreführend. Wenn man in der Nachkriegszeit von “Ostdeutschen” sprach, waren damit (in den westlichen Zonen/der Bundesrepublik) die geflohenen und vertriebenen Pommern, Ostpreußen und Schlesier (pars pro toto) gemeint. Hier geht es um die Bewohner der SBZ/DDR. Satjukow untersucht den Umgang von Sowjets und DDR-Bürgern mit der Last des Zweiten Weltkriegs, der in Osteuropa unfassbar grausam gewesen war, was anzuerkennen die Bundesdeutschen lange verweigerten. Die Scham über den Massenmord an den Juden hat lange verdrängt, was Deutsche den slawischen Völkern angetan haben, Kalter Krieg und Wehrmachtsromantik taten ihr Übriges: Der alte Feind war der neue. In der DDR sollte der alte Feind der neue Freund werden. Allerdings nicht auf Augenhöhe, die Machtfrage war in Potsdam geklärt worden. [Mehr]

Dörte Hein: Erinnerungskulturen online

Einzelrezension | 15. Oktober 2009 | Redaktion | 1 Kommentar »
Dörte Hein: Erinnerungskulturen online. Angebote, Kommunikatoren und Nutzer von Websites zu Nationalsozialismus und Holocaust. Konstanz [UVK] 2009, 294 Seiten, 29,– Euro.

Rezensiert von Erik Meyer

hein2009Im deutschsprachigen Raum stellt “Erinnerungskultur” einen nach wie vor expandierenden Fokus der historiografisch-kulturwissenschaftlichen Forschung dar. Insbesondere im Zusammenhang mit der medialen Repräsentation von Vergangenheit werden fortlaufend Studien vorgelegt, und nach den audio-visuellen Massenmedien richtet sich das empirische Interesse nun auf Formate der Online-Kommunikation, wie sie sich im World Wide Web vollzieht. Im gedächtnistheoretischen Diskurs wurde die Digitalisierung bislang primär unter dem Gesichtspunkt ihrer Konsequenzen für Archivierung und Speicherung behandelt, die eine Krise des Gedächtnisses evozieren würden. Die Folgen für die Verbreitung erinnerungskulturell einschlägiger Inhalte wurden zunächst vor allem praxisbezogen etwa am Beispiel von als Lehrmittel konzipierten CD-ROMs reflektiert. [Mehr]

Frank Bösch; Constantin Goschler (Hrsg.): Public History

Einzelrezension | 27. September 2009 | Redaktion | Keine Kommentare »
Frank Bösch; Constantin Goschler (Hrsg.): Public History. Öffentliche Darstellungen des Nationalsozialismus jenseits der Geschichtswissenschaft. Frankfurt am Main, New York [Campus Verlag] 2009, 290 Seiten, 29,90 Euro.

Rezensiert von Martina Thiele

bösch&goschlerMit der Vergangenheit beschäftigt sich nicht nur der Historiker, der einen Lehrstuhl für Geschichte innehat. Auch “fachfremde” Wissenschaftler sowie Zeitzeugen, Schriftsteller, Juristen und Journalisten schreiben über geschichtliche Themen. Mit dem Band “Public History” spüren die Autorinnen und Autoren den Trennlinien nach zwischen Wissenschaft, Publizistik und Schriftstellerei, zwischen Fakten und Fiktionen. Das Besondere an diesem Buch aber besteht darin, dass die Herausgeber Frank Bösch und Constantin Goschler – beide Inhaber von Lehrstühlen für Geschichte – nun gerade nicht beklagen, wie sehr die universitäre Geschichtsforschung durch “Laienhistoriker” gestört wird, sondern im Gegenteil die Anstöße, die durch Public History erfolgt sind, als außerordentlich wichtig erachten für die Geschichtswissenschaft und die Gesellschaft insgesamt. [Mehr]

Astrid Blome; Holger Böning (Hrsg.): Presse und Geschichte

Einzelrezension | 23. August 2009 | Redaktion | Keine Kommentare »
Astrid Blome; Holger Böning (Hrsg.): Presse und Geschichte. Leistungen und Perspektiven der historischen Presseforschung. Reihe: Presse und Geschichte – Neue Beiträge, Band 36. Bremen [edition lumière] 2008, 467 Seiten, 44,80 Euro.

Rezensiert von Markus Behmer

blome&böning2008Presse und Geschichte – Neue Beiträge heißt eine von Mitarbeitern des Instituts für Deutsche Presseforschung an der Universität Bremen herausgegebene Buchreihe, in der bislang in knapp einem Jahrzehnt bereits 43 Titel erschienen sind. Unter dem Titel Presse und Geschichte sind auch schon 1977 und 1987 zwei Bände in der Vorgängerreihe “Studien zur Publizistik” veröffentlicht worden. Beide vereinten “Beiträge zur historischen Kommunikationsforschung” und beide gehören immer noch zur Standardliteratur der Pressegeschichtsschreibung, setzten Maßstäbe insbesondere hinsichtlich der Beschreibung des Forschungsstandes zum frühen Druckwesen. Nun liegt wieder ein Reader zu Presse und Geschichte vor, wieder aus Bremen. [Mehr]