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Eva Züchner: Der verschwundene Journalist

Einzelrezension | 23. August 2010 | Redaktion | Keine Kommentare »
Eva Züchner: Der verschwundene Journalist. Eine deutsche Geschichte. Berlin [Berlin Verlag] 2010, 288 Seiten, 24,&ndash Euro.

Rezensiert von Horst Pöttker

Wie es im NS-Regime war, ist nach der für den Wiederaufbau nützlichen Verdrängung der Verbrechen in den 1950er Jahren mittlerweile gut erforscht und einigermaßen bekannt. Die peinliche Frage, wie es überhaupt möglich war, dass die Kulturnation der Deutschen den Barbaren Hitler, Goebbels und Himmler ins eigene Verderben gefolgt ist, gerät erst heute, ein Menschenleben danach, mehr und mehr in den öffentlichen Diskurs. Philipp Jenninger musste noch 1988 als Bundestagspräsident zurücktreten, weil er es gewagt hatte, bei einer hochoffiziellen Gedenkveranstaltung zur Reichskristallnacht 1938 den Motiven für das Schweigen der großen Mehrheit zum Judenpogrom nachzuspüren. [Mehr]

Silke Satjukow: Befreiung? Die Ostdeutschen und 1945

Einzelrezension | 20. Juli 2010 | Redaktion | Keine Kommentare »
Silke Satjukow: Befreiung? Die Ostdeutschen und 1945. Leipzig [Leipziger Universitätsverlag] 2009, 288 Seiten, 29,– Euro.

Rezensiert von Harald Bader

Der Titel dieses Buches ist zunächst irreführend. Wenn man in der Nachkriegszeit von “Ostdeutschen” sprach, waren damit (in den westlichen Zonen/der Bundesrepublik) die geflohenen und vertriebenen Pommern, Ostpreußen und Schlesier (pars pro toto) gemeint. Hier geht es um die Bewohner der SBZ/DDR. Satjukow untersucht den Umgang von Sowjets und DDR-Bürgern mit der Last des Zweiten Weltkriegs, der in Osteuropa unfassbar grausam gewesen war, was anzuerkennen die Bundesdeutschen lange verweigerten. Die Scham über den Massenmord an den Juden hat lange verdrängt, was Deutsche den slawischen Völkern angetan haben, Kalter Krieg und Wehrmachtsromantik taten ihr Übriges: Der alte Feind war der neue. In der DDR sollte der alte Feind der neue Freund werden. Allerdings nicht auf Augenhöhe, die Machtfrage war in Potsdam geklärt worden. [Mehr]

Christian Haase; Axel Schildt (Hrsg.): “Die Zeit” und die Bonner Republik

Einzelrezension | 1. Juni 2010 | Redaktion | Keine Kommentare »
Christian Haase; Axel Schildt (Hrsg.): "Die Zeit" und die Bonner Republik. Eine meinungsbildende Wochenzeitung zwischen Wiederbewaffnung und Wiedervereinigung. Reihe: Hamburger Beiträge zur Sozial- und Zeitgeschichte, Band 43. Göttingen [Wallstein Verlag] 2008, 312 Seiten, 32,&ndash Euro.

Rezensiert von Gabriele Toepser-Ziegert

Im März 2007 fand in Hamburg eine Tagung zur Geschichte der Wochenzeitung “Die Zeit” statt, die von der dort beheimateten Forschungsstelle für Zeitgeschichte und der Universität Nottingham ausgerichtet wurde. Die Herausgeber des vorliegenden Sammelbandes, Axel Schildt und Christian Haase, die beide Institutionen repräsentieren, haben die 15 Referate in drei Blöcke (“Aufbruch, Liberalisierung und soziale Modernisierung”, “Die Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit”, “‘Die Zeit’ und die zwei deutschen Staaten”) zusammengefasst und ihnen zwei Übersichtsreferate über die Entwicklung der Wochenzeitung von ihrer Lizenzierung im Februar 1946 bis zur Wiedervereinigung 1989 hinsichtlich der deutschen Innen- wie Außenpolitik vorangestellt. [Mehr]

Dörte Hein: Erinnerungskulturen online

Einzelrezension | 15. Oktober 2009 | Redaktion | Keine Kommentare »
Dörte Hein: Erinnerungskulturen online. Angebote, Kommunikatoren und Nutzer von Websites zu Nationalsozialismus und Holocaust. Konstanz [UVK] 2009, 294 Seiten, 29,– Euro.

Rezensiert von Erik Meyer

hein2009Im deutschsprachigen Raum stellt “Erinnerungskultur” einen nach wie vor expandierenden Fokus der historiografisch-kulturwissenschaftlichen Forschung dar. Insbesondere im Zusammenhang mit der medialen Repräsentation von Vergangenheit werden fortlaufend Studien vorgelegt, und nach den audio-visuellen Massenmedien richtet sich das empirische Interesse nun auf Formate der Online-Kommunikation, wie sie sich im World Wide Web vollzieht. Im gedächtnistheoretischen Diskurs wurde die Digitalisierung bislang primär unter dem Gesichtspunkt ihrer Konsequenzen für Archivierung und Speicherung behandelt, die eine Krise des Gedächtnisses evozieren würden. Die Folgen für die Verbreitung erinnerungskulturell einschlägiger Inhalte wurden zunächst vor allem praxisbezogen etwa am Beispiel von als Lehrmittel konzipierten CD-ROMs reflektiert. [Mehr]

Frank Bösch; Constantin Goschler (Hrsg.): Public History

Einzelrezension | 27. September 2009 | Redaktion | Keine Kommentare »
Frank Bösch; Constantin Goschler (Hrsg.): Public History. Öffentliche Darstellungen des Nationalsozialismus jenseits der Geschichtswissenschaft. Frankfurt am Main, New York [Campus Verlag] 2009, 290 Seiten, 29,90 Euro.

Rezensiert von Martina Thiele

bösch&goschlerMit der Vergangenheit beschäftigt sich nicht nur der Historiker, der einen Lehrstuhl für Geschichte innehat. Auch “fachfremde” Wissenschaftler sowie Zeitzeugen, Schriftsteller, Juristen und Journalisten schreiben über geschichtliche Themen. Mit dem Band “Public History” spüren die Autorinnen und Autoren den Trennlinien nach zwischen Wissenschaft, Publizistik und Schriftstellerei, zwischen Fakten und Fiktionen. Das Besondere an diesem Buch aber besteht darin, dass die Herausgeber Frank Bösch und Constantin Goschler – beide Inhaber von Lehrstühlen für Geschichte – nun gerade nicht beklagen, wie sehr die universitäre Geschichtsforschung durch “Laienhistoriker” gestört wird, sondern im Gegenteil die Anstöße, die durch Public History erfolgt sind, als außerordentlich wichtig erachten für die Geschichtswissenschaft und die Gesellschaft insgesamt. [Mehr]

Astrid Blome; Holger Böning (Hrsg.): Presse und Geschichte

Einzelrezension | 23. August 2009 | Redaktion | Keine Kommentare »
Astrid Blome; Holger Böning (Hrsg.): Presse und Geschichte. Leistungen und Perspektiven der historischen Presseforschung. Reihe: Presse und Geschichte – Neue Beiträge, Band 36. Bremen [edition lumière] 2008, 467 Seiten, 44,80 Euro.

Rezensiert von Markus Behmer

blome&böning2008Presse und Geschichte – Neue Beiträge heißt eine von Mitarbeitern des Instituts für Deutsche Presseforschung an der Universität Bremen herausgegebene Buchreihe, in der bislang in knapp einem Jahrzehnt bereits 43 Titel erschienen sind. Unter dem Titel Presse und Geschichte sind auch schon 1977 und 1987 zwei Bände in der Vorgängerreihe “Studien zur Publizistik” veröffentlicht worden. Beide vereinten “Beiträge zur historischen Kommunikationsforschung” und beide gehören immer noch zur Standardliteratur der Pressegeschichtsschreibung, setzten Maßstäbe insbesondere hinsichtlich der Beschreibung des Forschungsstandes zum frühen Druckwesen. Nun liegt wieder ein Reader zu Presse und Geschichte vor, wieder aus Bremen. [Mehr]