Jörg Requate (Hrsg.): Das 19. Jahrhundert als Mediengesellschaft
Jörg Requate (Hrsg.): Das 19. Jahrhundert als Mediengesellschaft. Les médias au XIXe siècle. Reihe: Ateliers des Deutschen Historischen Instituts Paris, Band 4. München [Oldenbourg Verlag] 2009. 196 Seiten, 24,80 Euro.
Rezensiert von Gunter Reus
Der Titel ist sprachlich verunglückt – der Sammelband selbst aber durchaus ein Glücksfall für die Kommunikations- wie für die Medienwissenschaft. Für die Kommunikationswissenschaft, weil sie kulturelle Entwicklungslinien in ihrer Datenfixiertheit von sich aus nur selten nachzeichnen mag. In diesem Buch können Mediennutzungsforscher deshalb etwas lernen, zum Beispiel über die einst massenhaft verbreiteten Lichtbilder-Projektionen zur “sozialen Frage” (Ludwig Vogl-Bienek, Trier) oder das “Panorama als nationalen Erlebnisraum” nach 1870/71 (der Münsteraner Historiker Frank Becker). Für eher textanalytisch arbeitende Medienwissenschaftler wiederum ist dieses Buch ein Gewinn, weil es ihre Hermeneutik konsequent historisch (und damit empirisch) erdet. [Mehr]
Paddy Scannell: Medien und Kommunikation
Paddy Scannell: Medien und Kommunikation. Herausgegeben und eingeleitet von Matthias Berg und Maren Hartmann. Reihe: Wiesbaden [VS Verlag] 2011, 361 Seiten, 29,95 Euro.
Rezensiert von Hans-Dieter Kübler
An deutschsprachigen Einführungen in die Kommunikations- und Medienwissenschaft (wie immer man diese Disziplinen unterscheidet) besteht hier zu Lande kein Mangel, auch die Titelelemente “Medien” und “Kommunikation” sind entgegen der Behauptung von Scannell schon vielfach verwendet, etwa besonders publik vom Funkkolleg Medien und Kommunikation. Da bestätigt sich erneut die oft schon beklagte ungenügende Vernetzung der europäischen Sozialwissenschaften. Meist behandeln diese Einführung systematisch Themen, Untersuchungsfelder und Forschungsbefunde von Kommunikation und Medien oder sie verfolgen chronologisch die einschlägige Fachgeschichte(n) nationaler, weniger internationaler Bandbreite. [Mehr]
Daniel Müller; Annemone Ligensa; Peter Gendolla (Hrsg.): Leitmedien
Daniel Müller; Annemone Ligensa; Peter Gendolla (Hrsg.): Leitmedien. Konzepte - Relevanz - Geschichte. Reihe: Medienumbrüche, Band 31 und 32. Bielefeld [Transcript Verlag] 2009, 349 Seiten (Band 1), 290 Seiten (Band 2), je 28,80 Euro.
Rezensiert von Manuel Wendelin
Dass schon ‘Medium’ ein Begriff ist, über dessen Definition man wunderbar streiten kann, ist bekannt. Dieses Schicksal teilt der Terminus mit anderen Grundbegriffen wie dem der ‘Kommunikation’ oder dem der ‘Öffentlichkeit’. Im alltäglichen (wissenschaftlichen) Gebrauch werden solche Differenzen meist problemlos umschifft. Diese Praxis der Umgehung von unüberbrückbaren Klüften ist notwendig, um diesseits des endlosen Nachdenkens über sprachliche Grundlagen überhaupt sinnvoll arbeiten zu können. Hin und wieder kommt es aber vor, dass bewusste Entscheidungen für die Verwendung eines bestimmten Medienbegriffs getroffen und begründet werden müssen. Spätestens in solchen Situationen ist man dankbar für die in der Literatur vorhandenen Systematisierungen. Das ist nicht anders, wenn es um die Forschung zu Leitmedien geht. Im Unterschied zum Medienbegriff sind tiefer gehende begriffliche Auseinandersetzungen hier aber kaum vorhanden. Gleiches gilt für die Systematisierung des Forschungsstands. Vor dem Hintergrund der offensichtlich immer häufiger werdenden Verwendung des Wortes “Leitmedien”, ist dieser Befund das zentrale Relevanzargument für den von Daniel Müller, Annemone Ligensa und Peter Gendolla herausgegebenen Zweibänder. [Mehr]
Matthias Buck; Florian Hartling; Sebastian Pfau (Hrsg.): Randgänge der Mediengeschichte
Matthias Buck; Florian Hartling; Sebastian Pfau (Hrsg.): Randgänge der Mediengeschichte. Wiesbaden [VS Verlag] 2010, 322 Seiten, 39,90 Euro.
Rezensiert von Petra Löffler
Mediengeschichte ist zweifellos ein weites Feld. Dieser zur Plattitüde verkommene Fontane-Satz ist hier nur aus einem Grund angebracht: Um in dieses weite Forschungsfeld einige Schneisen zu schlagen. Diese Vorgehensweise verfolgen Matthias Buck, Florian Hartling und Sebastian Pfau in ihrem Sammelband Randgänge der Medienwissenschaft. Seine Beiträge nehmen ihren Gegenstand von seinen Rändern her in Augenschein. So kündigen es zumindest Titel und Einleitung an. Aktuelle Forschungspositionen sollen ebenso dargestellt wie Neuland betreten, Theoreme geprüft sowie neue Gebiete erschlossen werden. Dabei sollen die hier versammelten Aufsätze möglichst viele Aspekte der Mediengeschichtsschreibung facettenreich hervortreten lassen. Von der Methodenreflexion über Bild- bzw. Technikgeschichte, Medienanalyse, Emotionsforschung und Medienästhetik bis zum Verhältnis von Medien und Öffentlichkeit reicht das weit gefasste Spektrum. [Mehr]
Ingo Berensmeyer; Nicola Glaubitz (Hrsg.): K. Ludwig Pfeiffer – Von der Materialität der Kommunikation zur Medienanthropologie
Ingo Berensmeyer; Nicola Glaubitz (Hrsg.): K. Ludwig Pfeiffer. Von der Materialität der Kommunikation zur Medienanthropologie. Aufsätze zur Methodologie der Literatur- und Kulturwissenschaften 1977-2009. Heidelberg [Universitätsverlag Winter] 2009, 344 Seiten, 56,&ndash Euro.
Rezensiert von Kai Sicks
Festschriften sind für die Forschung oft von zweifelhaftem Wert. Meist sind die Beiträge zu heterogen, selten wirklich auf das Werk der Jubilare ausgerichtet. Angesichts dieses Umstands kann man Ingo Berensmeyer und Nicola Glaubitz, den Herausgebern der Festschrift für K. Ludwig Pfeiffer, nur gratulieren. Statt eines Bandes, der Beiträge alter Wegbegleiter versammeln würde, haben Berensmeyer und Glaubitz zwölf bedeutsame Aufsätze des 2009 emeritierten Siegener Anglisten und Allgemeinen Literaturwissenschaftlers neu veröffentlicht und um ein kurzes eigenes Vorwort sowie ein Nachwort des Geehrten ergänzt. Dank einer geglückten Textauswahl ist es dem Herausgeber-Duo gelungen, Pfeiffers sich über drei Jahrzehnte stets weiterentwickelndes Forschungsprofil offenzulegen: ein Forschungsprofil, das heute als unverzichtbarer Bestandteil einer medienwissenschaftlich orientierten Literaturwissenschaft betrachtet werden kann, auch wenn (oder gerade weil) sich Pfeiffer nie dem je aktuellen Mainstream unterworfen hat. [Mehr]
Laura Heuer: Die Bilder der Killer-Spieler
Laura Heuer: Die Bilder der Killer-Spieler. Machinima: Computerspiele als kreatives Medium. Marburg [Tectum Verlag] 2009, 107 Seiten, 19,90 Euro.
Rezensiert von Rolf F. Nohr
Machinima gehören sicherlich zu den spannendsten Phänomenen, die die gaming culture in den letzten Jahren hervorgebracht hat. Was aber ist Machinima? Friedrich Kirschner, ein pronocierter Aktivist der Szene, definiert wie folgt: “Shooting film (Cameras record the action going on) in a realtime 3d (the time needed for the computer to transform the abstract data into a 3-dimensional visible representation is so little that you do not notice it) virtual environment (the actors aren’t human, but virtual Avatars or Objects, controlled by user input or scripting and act in a virtual world that is simulated using a computer game). Thus, machinima is a mix of three ways to produce moving images: machine * animation * cinema.” [Mehr]
Medienwissenschaftliche Fachzeitschriften in Deutschland
Lorenz Engel; Bernhard Siegert (Hrsg.): Zeitschrift für Medien- und Kulturforschung. Heft 0 (2009), Schwerpunkt: Angst. Hamburg [Felix Meiner Verlag], 208 Seiten, 28,– Euro.
Gesellschaft für Medienwissenschaft (Hrsg.): Zeitschrift für Medienwissenschaft. Heft 1 (2009), Schwerpunkt: Motive. Berlin [Akademie Verlag], 144 Seiten, 29,80 Euro.
Rezensiert von Frank Kessler
Wenn die Gründung von Fachzeitschriften als Indiz dafür gewertet werden kann, dass ein Wissenschaftszweig sich etabliert hat, so ist die deutschsprachige Medienwissenschaft zum Ende des Jahres 2009 im Prozess ihrer Institutionalisierung einen wichtigen Schritt vorangekommen. Gleich zwei Periodika werden von 2010 an halbjährlich in renommierten Verlagen erscheinen und der kulturwissenschaftlich (im Unterschied zur kommunikations- und publizistik-wissenschaftlich) orientierten Medienforschung ein Forum bieten. Wie aber nun hält man es – um es in den Worten einer in Deutschland ebenso beliebten wie letztlich unproduktiven Gretchenfrage zu formulieren – mit dem “Medienbegriff” in diesen Publikationen? Oder anders gefragt: Welche Gegenstandsbereiche werden in den hier veröffentlichten Beiträgen behandelt? [Mehr]
Christian Filk: Episteme der Medienwissenschaft
Christian Filk: Episteme der Medienwissenschaft. Systemtheoretische Studien zur Wissenschaftsforschung eines transdisziplinären Feldes. Bielefeld [Transcript Verlag] 2009, 392 Seiten, 30,80 Euro.
Rezensiert von Ralf Adelmann
Über die Studierenden der Medienwissenschaften existiert das Vorurteil, dass ihre Studienwahl damit zu tun habe, zukünftig ‘irgendetwas-mit-Medien’ machen zu möchten. Die von Christian Filk durchgeführte Studie Episteme der Medienwissenschaft versucht für die Seite der Wissenschaft zu untersuchen, warum dieses ‘irgendetwas-mit-Medien’ in eine transdisziplinäre Ausrichtung der Medienforschung mündet: “Die Studie Episteme der Medienwissenschaft bemüht sich, sich den konzeptuellen Anforderungen und Herausforderungen einer solchen transgressiven Kooperation in der Medienforschung offensiv zu stellen”. Unter “Medienforschung” versteht Filk sowohl kulturwissenschaftlich als auch sozialwissenschaftlich fundierte Medien- und Kommunikationswissenschaften. [Mehr]
Werner Faulstich (Hrsg.): Das Alltagsmedium Blatt
Werner Faulstich (Hrsg.): Das Alltagsmedium Blatt. München [Wilhelm Fink Verlag] 2008, 216 Seiten, 34,90 Euro.
Rezensiert von Rea Köppel
“Das Medium Blatt ist das mit Abstand am meisten vernachlässigte Kommunikations-medium unserer Zeit”, beginnt Werner Faulstich seine Einleitung zum Band Das Alltagsmedium Blatt. Da zwar in vielen Fachrichtungen Einzelstudien zu Blättern im Plural vorliegen, das Blatt im Allgemeinen und Besonderen aber bisher kaum untersucht wurde, leuchtet das von Faulstich angesprochene Forschungs- desiderat unmittelbar ein. Umso mehr machen der Buchtitel und der erste, einleitende Satz neugierig; sie wecken die Erwartung, zu erfahren, was genau hier unter den Begriffen ‘Blatt’, ‘Kommunikation’ und ‘Medium’ zu verstehen sei. [Mehr]
Nicole Labitzke: Ordnungsfiktionen
Nicole Labitzke: Ordnungsfiktionen. Das Tagesprogramm von RTL, Sat.1 und ProSieben. Konstanz [UVK] 2009, 334 Seiten, 34,– Euro.
Rezensiert von Peter-Harald Kust
Nicole Labitzke befasst sich in ihrer Dissertation “mit den Mechanismen und Funktionsweisen des medialen Ordnungsprozesses, der als grundlegendes Muster in das Tagesprogramm von RTL, Sat.1 und ProSieben eingelassen ist”. Sie interessiert sich dafür, welche Ordnungsstrukturen mittels Sprache (diskursive Kompetenzen der TV-Akteure) und “raumzeitlicher Organisation des medial vermittelten Textes” (Studioaufbau) hergestellt werden. Ihre Ausgangsthese ist, dass sich mit der “Ablösung des klassischen Talkshow-Formates zwischen 2000 und 2005 […] das private Fernsehen […] sukzessive zu einer normalisierenden Ordnungsinstanz entwickelt [hat], die für alle Probleme der privaten/intimen Lebenswelt eine Lösung bereithält”. [Mehr]
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