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	<title>rezensionen:kommunikation:medien &#187; Literaturwissenschaft</title>
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	<description>Rezensionen aus den Bereichen Kommunikation und Medien</description>
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		<title>Ingo Berensmeyer; Nicola Glaubitz (Hrsg.): K. Ludwig Pfeiffer &#8211; Von der Materialität der Kommunikation zur Medienanthropologie</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/3784</link>
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		<pubDate>Mon, 13 Sep 2010 08:26:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einzelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Ästhetik]]></category>
		<category><![CDATA[Festschrift]]></category>
		<category><![CDATA[Gumbrecht]]></category>
		<category><![CDATA[Imagination]]></category>
		<category><![CDATA[K. Ludwig Pfeiffer]]></category>
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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Kai Sicks</em>

<em> </em><a href="http://www.rkm-journal.de/archives/3784"><img class="alignleft size-full wp-image-3786" title="Pfeiffer2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2010/08/Pfeiffer2009.jpg" alt="" width="160" height="237" /></a>Festschriften sind für die Forschung oft von zweifelhaftem Wert. Meist sind die Beiträge zu heterogen, selten wirklich auf das Werk der Jubilare ausgerichtet. Angesichts dieses Umstands kann man Ingo Berensmeyer und Nicola Glaubitz, den Herausgebern der Festschrift für K. Ludwig Pfeiffer, nur gratulieren. Statt eines Bandes, der Beiträge alter Wegbegleiter versammeln würde, haben Berensmeyer und Glaubitz zwölf bedeutsame Aufsätze des 2009 emeritierten Siegener Anglisten und Allgemeinen Literaturwissenschaftlers neu veröffentlicht und um ein kurzes eigenes Vorwort sowie ein Nachwort des Geehrten ergänzt. Dank einer geglückten Textauswahl ist es dem Herausgeber-Duo gelungen, Pfeiffers sich über drei Jahrzehnte stets weiterentwickelndes Forschungsprofil offenzulegen: ein Forschungsprofil, das heute als unverzichtbarer Bestandteil einer medienwissenschaftlich orientierten Literaturwissenschaft betrachtet werden kann, auch wenn (oder gerade weil) sich Pfeiffer nie dem je aktuellen Mainstream unterworfen hat. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/3784">[Mehr]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Kai Sicks</em></p>
<p><em> </em><a href="http://www.rkm-journal.de/archives/3784"><img class="alignleft size-full wp-image-3786" title="Pfeiffer2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2010/08/Pfeiffer2009.jpg" alt="" width="160" height="237" /></a>Festschriften sind für die Forschung oft von zweifelhaftem Wert. Meist sind die Beiträge zu heterogen, selten wirklich auf das Werk der Jubilare ausgerichtet. Angesichts dieses Umstands kann man Ingo Berensmeyer und Nicola Glaubitz, den Herausgebern der Festschrift für K. Ludwig Pfeiffer, nur gratulieren. Statt eines Bandes, der Beiträge alter Wegbegleiter versammeln würde, haben Berensmeyer und Glaubitz zwölf bedeutsame Aufsätze des 2009 emeritierten Siegener Anglisten und Allgemeinen Literaturwissenschaftlers neu veröffentlicht und um ein kurzes eigenes Vorwort sowie ein Nachwort des Geehrten ergänzt. Dank einer geglückten Textauswahl ist es dem Herausgeber-Duo gelungen, Pfeiffers sich über drei Jahrzehnte stets weiterentwickelndes Forschungsprofil offenzulegen: ein Forschungsprofil, das heute als unverzichtbarer Bestandteil einer medienwissenschaftlich orientierten Literaturwissenschaft betrachtet werden kann, auch wenn (oder gerade weil) sich Pfeiffer nie dem je aktuellen Mainstream unterworfen hat.</p>
<p>Pfeiffers Arbeiten interessieren sich vom Beginn seines Schreibens an nicht für Probleme literarischer Semantik. Zwar haben sie stets das Verhältnis der Literatur beziehungsweise anderer Medien zu ihrem kulturellen Umfeld im Blick. Dabei geht es Pfeiffer aber gerade nicht um die Interaktion von Bedeutungen, wie sie eine kulturwissenschaftlich ausgerichtete Literaturwissenschaft bis heute zumeist beschäftigt. Seine Studien steuern im Gegenteil auf die Frage zu, welche menschlichen Möglichkeiten Literatur und Medien durch die Aktivierung des Imaginären befördern; genauer gesagt: wie Literatur und Medien in unterschiedlichen historischen Kontexten Menschen dazu befähigen, Wirklichkeit zu konstituieren. Ein solches Forschungsinteresse ist weder genuin literaturwissenschaftlich noch philosophisch oder sozialpsychologisch zu nennen, sondern lässt sich mit Pfeiffer in der Tat am ehesten als <em>medienanthropologisch</em> bezeichnen.</p>
<p>Die solchermaßen medienanthropologisch ausgerichteten Aufsätze des Bandes werden in zwei Abteilungen präsentiert. Die erste, &#8220;Wissenschaftstheorie und Wissenschaftsgeschichte&#8221;, umfasst sechs theoretische Texte Pfeiffers, die sechs Texte der zweiten Abteilung, &#8220;Situierungen des ästhetischen Spektrums&#8221;, sind eher literatur- und medienanalytisch ausgerichtet. Zwischen den Aufsätzen beider Abteilungen gibt es allerdings zahlreiche Verknüpfungen. So gründen die frühen Studien in beiden Bereichen auf einer pragmatischen Theorie der Literatur und Literaturwissenschaft. Pfeiffer wendet sich hier von den im Kern ontologischen Debatten der 1960er und 1970er Jahre ab, indem er nach der <em>Funktion</em> literaturwissenschaftlicher Begriffe (Stil, Fiktion), Gattungen (Allegorie, Detektivroman) oder Theorieschulen (Hermeneutik im Sinne Gadamers und Habermas&#8217;, empirische und konstruktivistische Literaturwissenschaft im Sinne S. J. Schmidts) fragt. Als Impulsgeber erweist sich dabei immer wieder die Systemtheorie Luhmann&#8217;scher Prägung, deren Beschreibung ausdifferenzierter Systeme Pfeiffer aufnimmt, um zugleich ihre zentrale und absichtsvoll belassene Lücke – den Menschen und seine kommunikativen Bedürfnisse und Fähigkeiten – in den Fokus zu rücken.</p>
<p>Als Scharnierstelle in Pfeiffers Forschung erweist sich  – wie vor einigen Jahren auch von Hans Ulrich Gumbrecht mit Blick auf sein eigenes Werk beschrieben (vgl. Gumbrecht 2004: 17-30) – die Tagung <em>Materialität der Kommunikation </em>am <a href="http://www.iuc.hr/" target="_blank">Inter University Centre</a> in Dubrovnik 1987. Auf Einladung Pfeiffers und Gumbrechts betrieben hier Vertreterinnen und Vertreter unterschiedlicher geisteswissenschaftlicher Disziplinen die Verabschiedung der Hermeneutik und die Gründung einer medienwissenschaftlich fundierten Kulturwissenschaft (vgl. Gumbrecht/Pfeiffer 1988). Für Pfeiffer bedeutete diese Tagung eine Bestätigung seines bisherigen pragmatisch-anthropologischen Ansatzes, zugleich aber auch eine Ausweitung seines Interesses auf performative Medien wie das Theater, die Oper oder den Sport. Der Band repräsentiert diese Schwerpunktverlagerung durch zwei theoretische Texte zum Wandel der Geisteswissenschaften und vier analytische Texte, die sich mit performativen Aspekten der Literatur, mit Theater, Oper und dem Tragischen als medialer Kategorie beschäftigen.</p>
<p>Die Zusammenstellung der Texte gibt dabei zu erkennen, dass Pfeiffer, abgesehen von seiner hier leider nicht repräsentierten Annäherung an den Sport (vgl. Pfeiffer 1999), immer Distanz zu den populären Massenmedien gehalten hat. Das anthropologische Potenzial des Fernsehens oder des Internet hält er mangels &#8220;imaginär attraktiver Sättigung&#8221; und &#8220;emphatischer Gegenwärtigkeit&#8221; (311) für zu wenig ausgeprägt, um einer genaueren Untersuchung wert zu sein. Pfeiffers Werk lässt sich damit auch als konstanter Versuch verstehen, die Spezifität und Relevanz ästhetischer Medien, die im kulturwissenschaftlichen Denken zunehmend an Bedeutung gegenüber den Massenmedien verlieren, zu rehabilitieren.</p>
<p>Pfeiffers Texte machen es seinen Lesern indes nicht leicht. Aufgrund ihrer Dichte und ihrem hohen Abstraktionsgrad erfordern sie eine hohe Konzentration – zugleich aber sind sie durch eine außergewöhnliche Argumentations- und Formulierungspräzision gekennzeichnet. Die ausgewählten Studien zeigen einen Wissenschaftler am Werk, der sich mit einem erstaunlich breiten Spektrum an Gegenständen auseinandergesetzt, aber nie mit einfachen Antworten zufrieden gegeben hat. Weil die Argumente stattdessen in jedem Moment überraschend und komplex ausfallen, sind die im K. Ludwig Pfeiffer-Reader publizierten Studien die sorgfältige Lektüre, die sie erfordern, unbedingt wert.</p>
<p><em>Literatur</em>:</p>
<ul>
<li>Gumbrecht, H.U.: <em>Jenseits der Hermeneutik. Die Produktion von Präsenz</em>. Frankfurt am Main [Suhrkamp Verlag] 2004.</li>
<li>Gumbrecht, H.U.; Pfeiffer, K.L. (Hrsg.): <em>Materialität der Kommunikation</em>. Frankfurt am Main [Suhrkamp Verlag] 1988.</li>
<li>Pfeiffer, K.L.: Das <em>Mediale und das Imaginäre. Dimensionen kulturanthropologischer Medientheorie</em>. Frankfurt am Main [Suhrkamp Verlag] 1999.</li>
</ul>
<p><em>Links</em>:</p>
<ul>
<li><a href="https://www.inniatiff.de/inni/winter/deutsch/frame.htm" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.uni-giessen.de/cms/faculties/f05/engl/lit/staff/profs/ib?language_sync=1" target="_blank">Webpräsenz von Ingo Berensmeyer an der Universität Gießen</a></li>
<li><a href="http://www.fk615.uni-siegen.de/de/projektleiter.php?pl=64" target="_blank">Webpräsenz von K. Ludwig Pfeiffer an der Universität Gießen</a></li>
<li><a href="http://cultdoc.uni-giessen.de/wps/pgn/ep/cultdoc/kaisicks/dr-kai-marcel-sicks" target="_blank">Webpräsenz von Kai Sicks an der Universität Gießen</a></li>
</ul>
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		<title>Ursula Amrein (Hrsg.): Das Authentische</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/1525</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/1525#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 26 Feb 2010 08:55:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einzelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Authentizität]]></category>
		<category><![CDATA[Literaturwissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Moderne]]></category>
		<category><![CDATA[Originalität]]></category>
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		<category><![CDATA[Semiotik]]></category>
		<category><![CDATA[Wahrheit]]></category>

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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Susanne Knaller</em>

<a href="http://www.rkm-journal.de/archives/1525"><img class="alignleft size-full wp-image-2374" title="Amrein2009_neu" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2010/03/Amrein2009_neu.jpeg" alt="" width="160" height="239" /></a>Der von der Zürcher Germanistin Ursula Amrein herausgegebene Sammelband <em>Das Authentische. Referenzen und Repräsentationen</em> geht zurück auf eine im April 2006 im <a href="http://www.csf.ethz.ch/index_DE" target="_blank">Centro Stefano Franscini</a> auf dem Monte Verità bei Ascona veranstaltete Tagung unter dem Titel "Das Authentische. Zur Konstruktion von Wahrheit in der säkularen Welt". Der Tagungsband bietet einen neuen Untertitel. Mit den Begriffen "Referenz" und "Repräsentation" ist dem ontologisch aufgeladenen Haupttitel ein semiotisches Moment an die Seite gestellt, das die dem Problemfeld "authentisch/Authentizität" inhärente Ambivalenz zwischen Konstruktivität und Transzendenz betont. Die einzelnen Artikel aus den Bereichen Philosophie, Kunst, Literaturwissenschaft, Medienwissenschaft, Soziologie, Theologie, Psychoanalyse, Neurologie, Übersetzungs- und Editionswissenschaft sind unterschiedlich positioniert. Dabei fällt auf, dass der titelgebende Begriff "das Authentische" in der Regel durch "Authentizität" ersetzt wird. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/1525">[Mehr]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Susanne Knaller</em></p>
<p><a href="http://www.rkm-journal.de/archives/1525"><img class="alignleft size-full wp-image-2374" title="Amrein2009_neu" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2010/03/Amrein2009_neu.jpeg" alt="" width="160" height="239" /></a>Der von der Zürcher Germanistin Ursula Amrein herausgegebene Sammelband <em>Das Authentische. Referenzen und Repräsentationen</em> geht zurück auf eine im April 2006 im <a href="http://www.csf.ethz.ch/index_DE" target="_blank">Centro Stefano Franscini</a> auf dem Monte Verità bei Ascona veranstaltete Tagung unter dem Titel &#8220;Das Authentische. Zur Konstruktion von Wahrheit in der säkularen Welt&#8221;. Der Tagungsband bietet einen neuen Untertitel. Mit den Begriffen &#8220;Referenz&#8221; und &#8220;Repräsentation&#8221; ist dem ontologisch aufgeladenen Haupttitel ein semiotisches Moment an die Seite gestellt, das die dem Problemfeld &#8220;authentisch/Authentizität&#8221; inhärente Ambivalenz zwischen Konstruktivität und Transzendenz betont. Die einzelnen Artikel aus den Bereichen Philosophie, Kunst, Literaturwissenschaft, Medienwissenschaft, Soziologie, Theologie, Psychoanalyse, Neurologie, Übersetzungs- und Editionswissenschaft sind unterschiedlich positioniert. Dabei fällt auf, dass der titelgebende Begriff &#8220;das Authentische&#8221; in der Regel durch &#8220;Authentizität&#8221; ersetzt wird.</p>
<p>Sehr anschaulich zeigt Peter Sprengel in seinem Beitrag &#8220;Der Authentizitätsdiskurs der literarischen Moderne. Von Heinrich Heine bis Hubert Fichte, mit einem einleitenden Diskurs zum &#8216;Literarischen Quartett&#8217;&#8221;, dass Authentizität vielfach als ein nicht weiter erläuterungsbedürftiger Argumentationsstoppbegriff verwendet wird. Nicht zwischen referenzieller  Bezugnahme und ästhetischer Wertzuschreibung unterschieden, verliert der Begriff jede Analysekraft.</p>
<p>Den begrifflichen Klärungsversuchen von Peter Sprengel stehen Beiträge gegenüber, die jene Facetten von Authentizität, die erst im 20. Jahrhundert entwickelt worden sind, retrospektiv auf das 18. und 19. Jahrhundert übertragen. Erklären lässt sich dieser häufig anzutreffende Ansatz damit, dass die gegenwärtig konstanten Bedeutungen von &#8220;authentisch/Authentizität&#8221; – wahrhaftig, eigentlich, unvermittelt, unverstellt, unverfälscht, verbürgt, verbindlich – als Zusammenspiel zweier Entwicklungen begriffen werden müssen: Zum einen handelt es sich um eine Synonymisierung von &#8220;authentisch/Authentizität&#8221; mit Begrifflichkeiten aus der Philosophie und Ästhetik des 18. und 19. Jahrhunderts (<em>sincerité</em>, <em>naivité</em>, <em>vrai</em> etc.), zum anderen um eine Metaphorisierung oder Abstrahierung der Bedeutungsfacetten aus juridischen und theologischen Diskursen (&#8220;auf einen Urheber bezogen&#8221;, &#8220;beglaubigt&#8221;). In diesem Komplex sind Realitäts- und Subjektkonzepte enthalten, die es schließlich im 20. Jahrhundert ermöglichen, mit Authentizität einen Geltungs- und Wertbegriff zu installieren, der als Vermittlungsbegriff zwischen Empirischem, Form und Transzendenz fungieren kann (vgl. Knaller 2007: 19f.).</p>
<p>So postuliert auch die Herausgeberin zunächst Echtheit als entscheidende semantische Facette: &#8220;Was als authentisch qualifiziert wird, trägt das Siegel der Wahrheit, gilt als echt, steht ein für eine nicht hintergehbare Realität&#8221; (9). Dass der Begriff weit darüber hinausgeht, wird wenig später eingestanden, wenn von nahezu uneingeschränkter Anwendbarkeit die Rede ist (10).</p>
<p>Authentizität lässt sich deshalb auch auf die Bilder der neuen Medien beziehen, wie der Beitrag Villö Huszais anhand der künstlerischen Arbeiten von Monica Studer und Christoph van der Berg zeigt. Die im Zusammenhang mit der Originalitätsfrage oftmals diskutierte <em>Appropriation Art</em> und das changierende Verhältnis zwischen Original und Kopie, Echtheit und Fälschung/Reproduktion analysiert Kornelia Imesch unter anderem am Beispiel von Urs Lühti, Sherrie Levine und Richard Prince. Kunst würde trotz ihrer Ambiguitäten auch hier einen Wahrheitscharakter und Beglaubigungsvorgang voraussetzen, der sich schon in den mittelalterlichen Verwendungsweisen finden lässt. Tatsächlich meint in der mittelalterlichen Theologie &#8220;Echtheit&#8221; im Sinne von &#8220;authenticus&#8221; nicht &#8220;original&#8221;, sondern einfach &#8220;wahr&#8221;, &#8220;autoritativ beglaubigt&#8221;. Zu fragen wäre allerdings, aus welcher Beglaubigungsperspektive die Arbeiten von Cindy Sherman oder Richard Prince zu authentischen im Sinne von wahrhaftig künstlerischen/auratischen werden. Anders ausgedrückt: Offen bleibt, <em>wer</em> bzw. <em>welche</em> Institution <em>wie</em> Authentizität zuspricht.</p>
<p>Das Transzendenzpotenzial  des Begriffs diskutiert ebenfalls der Beitrag von Cornelia Herberich &#8220;Ereignis und Wahrheit. Authentisierungsstrategien inspirierter Rede in Mechthilds von Magdeburg &#8216;Das fließende Licht der Gottheit&#8217;&#8221;. Auf überzeugende Weise kann die Verfasserin demonstrieren, dass die Beglaubigungsinstanzen Schrift und Gott in der mystischen Literatur auf eine stark performative Form zurückgreifen müssen, um den Rezeptionsvorgang zur Beglaubigungsinstanz werden zu lassen. Auf diese Weise wird einerseits die Nachträglichkeit der Darstellung in Präsenz überführt, andererseits die Verschriftlichung transzendiert, indem das Ereignis der Schauung wiedererfahrbar wird.</p>
<p>Generell lässt sich feststellen, dass authentisch in mehrfacher Weise als realistisch verstanden werden kann: im referenziellen Sinn, indem der Begriff auf eine vorgängige Sache verweist. Unmittelbarkeit und Präsenz drückt er in Verfahren eines &#8220;effet de réel&#8221; (in realistischen Formen etwa), als manipulativ einsetzbarer Persuasionsakt (in den Medien), als &#8216;autonomer&#8217; Erfahrungsakt (in der Kunst) aus. Diese realistischen Authentizitätsstrategien sind in der Kunst ebenso wie in den Medien zu finden.</p>
<p>Der Beitrag von Martin Lunginbühl schildert die Entwicklung von Authentizitätsstrategien in den Fernsehnachrichten der USA und in Europa. Dabei führt er aus, inwieweit innerhalb der neueren Nachrichtenformate durch die Instanz des Augenzeugen oder das Mittel des Vor-Ort-Seins Präsenzeffekte erzeugt werden, die ein wesentliches Beglaubigungsmoment darstellen.</p>
<p>Diesem semiotischen Ansatz entgegengesetzt, erkennt Ursula Amrein in ihrem Beitrag eine &#8220;Wiederkehr des Realen&#8221; (349). Über Botho Strauss&#8217; Vorstellung einer sich in der Literatur ereignenden Wahrheit, die gleich der Kraft eines Blitzes Präsenz garantiere, findet sich Authentizität als sakrale Figur wieder, mithilfe der es gelingen soll, einer Zeit entgegenzuwirken, die das Sakrale, den Mythos und die Nation preisgegeben habe (348). Der Gefahr dieses Modells, nämlich unverkennbar &#8220;antidemokratischen, voraufklärerischen und sakralen Denkfiguren einer aus der Moderne gegen die Moderne gerichteten Kulturkritik verpflichtet&#8221; zu sein (ebd.), entgeht in der Auffassung der Verfasserin der Text, indem er sich als Dokument einer verdrängten Tradition zu erkennen gebe. Die im Modus der Autobiografie präsentierte Erzählung greife zurück &#8220;auf das Archiv einer sich um 1900 ausdifferenzierenden Kulturkritik sowie der vormodernen Idyllendichtung&#8221; und stelle sich &#8220;im Gestus der Konservativen Revolution gegen ihre Zeit&#8221; (349). Damit werden im Kontext der sich abzeichnenden Konjunktur der Rede vom Authentischen und der Wiederkehr des Realen Bilder einer anderen und besseren Welt erzeugt, die in ihrem Verheißungsanspruch selbst nach kritischer Befragung verlangen (ebd.).</p>
<p>Nun stehen diesem kulturkonservativen utopischen Ansatz viele Hindernisse im Wege – Diskurse der Moderne selbst, kulturelle, wissenschaftliche und philosophische Leistungen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die medialen Entwicklungen seit den 1980er Jahren. Das zeigt Hugo Aust, indem er versucht, Realitätsbegriffe auf unterschiedliche Bild- und Kunstarbeiten zu beziehen.</p>
<p>Trotz interessanter Artikel, die unter den Kapiteln &#8220;Wirklichkeiten&#8221;, &#8220;Autorschaft&#8221;, &#8220;Glaubwürdigkeit&#8221;, &#8220;Schrift und Offenbarung&#8221; sowie &#8220;Kulturkritik&#8221; geordnet sind, bleiben Desiderata bestehen. So verzichtet die Herausgeberin auf jegliche Diskussion der Forschungssituation. An keinem Punkt findet eine explizite Auseinandersetzung mit klassischen (Lionel Trilling, Charles Taylor) wie neuen Texten der Authentizitätsforschung (Jan Berg, Susanne Knaller, Harro Müller, Eberhard Ostermann, Michael Wetzel und andere) statt, auch werden Übernahmen von Konzepten nur sehr unzulänglich vermerkt, wie überhaupt nur wenige Arbeiten genannt werden. Texte, die nach 2006 erschienen sind, wurden nicht mehr zur Kenntnis genommen. Insofern ist auch die Feststellung, man würde sich mit der Frage nach Referenzen und Repräsentationen zwei Aspekten widmen, die in der Forschung noch nicht als Kategorien reflektiert worden seien, eine pure Behauptung und angesichts der Forschungslage schlichtweg falsch.</p>
<p>Ärgerlich ist, dass sich ein Sammelband, der sich einer Begriffsdiskussion verschreibt, diese an keiner einzigen Stelle der Einleitung ernsthaft betreibt: &#8220;Das Authentische&#8221; wird umstandslos mit &#8220;Authentizität&#8221; synonym gesetzt. Weder wird die Differenz zwischen &#8220;das Authentische&#8221; und &#8220;Authentizität&#8221; bestimmt noch der Begriff &#8220;Authentizität&#8221; einer genauen Begriffsanalyse unterzogen. Überraschend ist auch die Tatsache, dass gerade die stark eingeforderte kulturkritische Frage nur oberflächlich behandelt wird. Auch dazu liegen einige wichtige Schlüsseltexte vor, die nicht genannt, geschweige denn diskutiert werden (etwa Theodor W. Adorno, Christopher Lasch, Richard Sennett, Daniel Bell, Jürgen Habermas oder Alessandro Ferrara)<em>.</em></p>
<p><em></em><em>Literatur</em>:</p>
<ul>
<li>Knaller, S.: <em>Ein Wort aus der Fremde. Geschichte und Theorie des Begriffs Authentizität</em>. Heidelberg [Universitätsverlag Winter] 2007.</li>
</ul>
<p><em>Links</em>:</p>
<ul>
<li><a href="http://www.chronos-verlag.ch/php/book_latest-new.php?book=978-3-0340-0850-1&amp;type=Kurztext&amp;access=Liste" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.ds.uzh.ch/Institut/Mitarbeitende/index.php?detail=4" target="_blank">Webpräsenz von Ursula Amrein an der Universität Zürich</a></li>
<li><a href="http://www.uni-graz.at/~knaller/site.php?show=1" target="_blank">Webpräsenz von Susanne Knaller an der Universität Graz</a></li>
</ul>
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		</item>
		<item>
		<title>Anna Hanus: Dialogische Kommunikation in Frage gestellt?</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/1724</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/1724#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 26 Nov 2009 08:50:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einzelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Dialogizität]]></category>
		<category><![CDATA[Dialoglinguistik]]></category>
		<category><![CDATA[Germanistik]]></category>
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		<description><![CDATA[<i>Rezensiert von Simon Meier</i>

<img src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/11/hanus2009-1.JPG" alt="hanus2009-1" title="hanus2009-1" width="162" height="215" class="alignleft size-full wp-image-1738" />Jede Wissenschaft operiert mit Sprache. Für die Linguistik und die Literaturwissenschaft ist Sprache jedoch nicht nur Mittel, sondern auch Gegenstand der Forschung. Trotz dieser grundlegenden Gemeinsamkeit ist das Verhältnis zwischen beiden Disziplinen längst nicht so eng, wie man erwarten könnte. Wolfgang Klein hat es kürzlich treffend beschrieben als "Ehe, in der beide sich auseinandergelebt haben, die – von wenigen Ausnahmen abgesehen – durch bisweilen wohlwollendes, zumeist aber gleichgültiges Nebeneinanderherleben gekennzeichnet ist". Eine dieser Ausnahmen ist die linguistische Auseinandersetzung mit literarischen Dialogen, die zumindest der Zielsetzung nach beide Disziplinen bereichern soll. In diese seit über drei Jahrzehnten lebendige Traditionslinie reiht sich auch die vorliegende Untersuchung ein. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/1724">[Mehr]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Simon Meier</em></p>
<p><img src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/11/hanus2009-1.JPG" alt="hanus2009-1" title="hanus2009-1" width="162" height="215" class="alignleft size-full wp-image-1738" />Jede Wissenschaft operiert mit Sprache. Für die Linguistik und die Literaturwissenschaft ist Sprache jedoch nicht nur Mittel, sondern auch Gegenstand der Forschung. Trotz dieser grundlegenden Gemeinsamkeit ist das Verhältnis zwischen beiden Disziplinen längst nicht so eng, wie man erwarten könnte. Wolfgang Klein hat es kürzlich treffend beschrieben als &#8220;Ehe, in der beide sich auseinandergelebt haben, die – von wenigen Ausnahmen abgesehen – durch bisweilen wohlwollendes, zumeist aber gleichgültiges Nebeneinanderherleben gekennzeichnet ist&#8221; (Klein 2008: 9). Eine dieser Ausnahmen ist die linguistische Auseinandersetzung mit literarischen Dialogen (vgl. Hess-Lüttich 2005), die zumindest der Zielsetzung nach beide Disziplinen bereichern soll. In diese seit über drei Jahrzehnten lebendige Traditionslinie reiht sich auch die vorliegende Untersuchung ein.</p>
<p>Die Autorin unternimmt in der auf ihre Dissertation zurückgehenden Untersuchung den doppelten Versuch, &#8220;das Begriffsinstrumentarium und bestimmte theoretische Erkenntnisse der Textlinguistik und der Dialoglinguistik auf die Analyse von literarischen Dialogen von Schnitzler und Bernhard zu übertragen&#8221; (7), wobei gerade die Beschäftigung mit dem Sonderfall, den literarische Dialoge darstellen, dabei helfen soll, &#8220;Dialogizität zu definieren&#8221; (8). Gegen diese Ankündigung einer doppelten Zielsetzung stellt jedoch die zuerst Genannte die wichtigere dar. Die Ausführungen erschöpfen sich über weite Strecken des Buches darin, übliche text- und dialoglinguistische Begriffe und Unterscheidungen zu referieren und deren Brauchbarkeit anhand ihrer Anwendung auf literarische Dialoge zu prüfen.</p>
<p>Eine engere Fragestellung, welche etwa die Auswahl gerade dieser beiden Schriftsteller rechtfertigt, ist nicht erkennbar. Der Titel des Buches, der eine linguistische Untersuchung des in moderner Literatur häufig thematisierten Fragwürdigwerdens gesprächsförmiger Verständigung andeutet, spiegelt sich kaum in der Untersuchung selbst wider.</p>
<p>Das Buch gliedert sich wie folgt: Gemäß der im theoretischen Teil ausführlich hergeleiteten Unterscheidung zwischen Form und Funktion werden im empirischen Teil zunächst dialogformale Einteilungskriterien wie &#8220;Anzahl der Dialogpartizipanten&#8221; (107) sowie formale Gestaltungsmerkmale literarischer Dialoge wie etwa deren &#8220;sprachliche Markiertheit&#8221; (121) im Vergleich zu narrativen Passagen beschrieben. Anschließend werden in sprechakttheoretischer Manier die kommunikativen Funktionen einzelner Dialoge und Dialogschritte zu bestimmen versucht. Hier stellen die &#8220;doppelte Adressatenorientierung&#8221; (66) von Dialogschritten und die sich in das Sprachmaterial einprägende Gestaltungsabsicht des Autors besondere Herausforderungen dar. Diese werden von der Autorin zwar reflektiert, bei der praktischen Durchführung ihrer Analyse bleiben sie jedoch weitgehend unberücksichtigt.</p>
<p>Somit beraubt sich die Autorin bedauerlicherweise selbst der Möglichkeiten, die eine linguistische Analyse von literarischen Dialogen bieten könnte. Die verstreuten Bemerkungen etwa zur &#8220;Kommunikationsdekonstruktion&#8221; (181) oder im Bernhard&#8217;schen &#8220;Erzähldiskurs angelegten Möglichkeit der Distanzierung&#8221; (ebd.) von Leser und Sprachwirklichkeit, deretwegen die Dialogizität &#8220;erst von jedem Rezipienten selbst zu erschließen ist&#8221; (25), bleiben Randerscheinungen und sind zumeist nur oberflächlich am Quellenmaterial belegt. Eine linguistisch begründete, d.h. auf einer Beschreibung der sprachlichen Form beruhende Interpretation der Quellen <em>als Kunstwerke </em>kommt so durchgehend zu kurz. Dies liegt wohl auch daran, dass die Autorin literaturwissenschaftliche Forschungen zu den beiden untersuchten Autoren gänzlich unberücksichtigt gelassen hat. Auch die noch heute grundlegende und auch für ihre Zwecke höchst einschlägige <em>Poetik des Dialogs</em> (Bauer 1969) hat die Autorin offenbar nicht zur Kenntnis genommen.</p>
<p>Nun soll nicht unerwähnt bleiben, dass Anna Hanus ihre Dissertation an einer polnischen Universität und noch dazu in einer für sie fremden Sprache verfasst hat, was vermuten lässt, dass sie bei ihrer Recherche mit erheblichen Beschaffungsschwierigkeiten konfrontiert war. Dies sollte jedoch die Ausarbeitung einer prägnanteren und mithin fruchtbareren Fragestellung nicht behindern.</p>
<p><em>Literatur</em>:</p>
<ul>
<li>Bauer, G.: <em>Zur Poetik des Dialogs. Leistung und Form der Gesprächsführung in der neueren deutschen Literatur. </em>Darmstadt [Wissenschaftliche Buchgesellschaft] 1969.</li>
</ul>
<ul>
<li>Hess-Lüttich, E.W.B.: &#8220;Literarische Gesprächsformen als Thema der Dialogforschung.&#8221; In: Betten, A.; Dannerer, M. (Hrsg.):<em> Dialogue Analysis IX: Dialogue in Literature and the Media. </em>Tübingen [Niemeyer] 2005, S. 85-98.</li>
</ul>
<ul>
<li>Klein, W.: &#8220;Die Werke der Sprache. Für ein neues Verständnis zwischen Literaturwissenschaft und Linguistik.&#8221; In: <em>Zeitschrift für Literaturwissenschaft und Linguistik</em>, 150, 2008, S. 8-32.</li>
</ul>
<p><em>Links</em>:</p>
<ul>
<li><a href="http://www.tectum-verlag.de/9919_Anna_Hanus_Dialogische_Kommunikation_in_Frage_gestellt%3F_Zur_Gestaltung_der_Dialogizit%E4t_in_Prosawerken_%96_exemplifiziert_an_ausgew%E4hlten_Erz%E4hlungen_von_Arthur_Schnitzler_und_Thomas_Bernhard.html" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.univ.rzeszow.pl/wfil/ifg/index.php?id=hanus_anna" target="_blank">Webpräsenz von Anna Hanus am Institut für Germanistik der Universität Rzeszow</a></li>
<li><a href="http://www.germanistik.unibe.ch/personen/simon_meier/" target="_blank">Webpräsenz von Simon Meier am Institut für Germanistik der Universität Bern</a></li>
</ul>
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		<title>Ann Spangenberg: Kommunikative Identität im Roman der Angelsächsischen Postmoderne</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/201</link>
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		<pubDate>Fri, 15 May 2009 13:29:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einzelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Anglistik]]></category>
		<category><![CDATA[Identität]]></category>
		<category><![CDATA[Intertextualität]]></category>
		<category><![CDATA[Judith Butler]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikationswissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Literaturwissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Performativität]]></category>
		<category><![CDATA[Postmoderne]]></category>
		<category><![CDATA[Poststrukturalismus]]></category>
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		<description><![CDATA[<i>Rezensiert von Simon Meier</i>

<img class="alignleft size-full wp-image-202" title="spangenberg2009" src="http://rkm.lookingintomedia.com/wp-content/uploads/2009/05/spangenberg2009.jpg" alt="spangenberg2009" width="160"/>Wie geht die Angelsächsische Postmoderne mit poststrukturalistischen Thesen von der Auflösung des Bildes des kernhaften, autonomen Subjektes wie auch des genialen Künstlers um? Diese Frage steht im Zentrum der vorliegenden Studie. Drei exemplarische Romane, Fowles’ <em>The French Lieutenant’s Woman</em>, Ackroyds <em>Chatterton </em>und Byatts <em>Possession</em>, werden daraufhin untersucht, "welche Konsequenzen sie aus der Annahme ziehen, es gebe kein autonomes Subjekt, dessen individueller Kern jenseits sozialer Zusammenhänge verortet ist". Zwei für gewöhnlich vertretene Deutungen, "dass es ohne autonomes Subjekt keine Handlungsmacht gibt, sondern eine totale Fremdbestimmung besteht, oder, dass die Auflösung eines statischen Selbst die Freiheit eines Spiels mit Identitätsfragmenten bedeute", erweisen sich hier gleichermaßen als unzutreffend. Dem hält Ann Spangenberg ein Konzept kommunikativer Identität entgegen, das aus ihrer Sicht in allen drei Romanen aufscheint und beide Extreme vermittelt. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/201">[Mehr]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Simon Meier</em></p>
<p><em><img class="alignleft size-full wp-image-202" title="spangenberg2009" src="http://rkm.lookingintomedia.com/wp-content/uploads/2009/05/spangenberg2009.jpg" alt="spangenberg2009" width="160" /></em>Wie geht die Angelsächsische Postmoderne mit poststrukturalistischen Thesen von der Auflösung des Bildes des kernhaften, autonomen Subjektes wie auch des genialen Künstlers um? Diese Frage steht im Zentrum der vorliegenden Studie. Drei exemplarische Romane, Fowles’ <em>The French Lieutenant’s Woman</em>, Ackroyds <em>Chatterton </em>und Byatts <em>Possession</em>, werden daraufhin untersucht, &#8220;welche Konsequenzen sie aus der Annahme ziehen, es gebe kein autonomes Subjekt, dessen individueller Kern jenseits sozialer Zusammenhänge verortet ist&#8221; (12). Zwei für gewöhnlich vertretene Deutungen, &#8220;dass es ohne autonomes Subjekt keine Handlungsmacht gibt, sondern eine totale Fremdbestimmung besteht, oder, dass die Auflösung eines statischen Selbst die Freiheit eines Spiels mit Identitätsfragmenten bedeute&#8221; (15), erweisen sich hier gleichermaßen als unzutreffend. Dem hält Ann Spangenberg ein Konzept kommunikativer Identität entgegen, das aus ihrer Sicht in allen drei Romanen aufscheint und beide Extreme vermittelt.</p>
<p>Die Studie ist in vier Teile gegliedert: Nach der theoretischen Grundlegung der Begriffe <em>Identität</em>, <em>Kommunikation</em> und <em>Originalität</em> werden die genannten Romane in je einem Kapitel auf die in ihnen zum Ausdruck kommenden Identitätskonzepte hin analysiert. Ein knappes Fazit im Kapitel &#8220;Schlussbemerkungen&#8221; rundet die gelungene Studie ab, die nicht nur die literaturwissenschaftliche Diskussion bereichern dürfte, sondern auch kommunikationstheoretisch und philosophisch Interessierten wertvolle Anregungen bereithält.</p>
<p>Der zentrale Begriff der <em>kommunikativen Identität </em>wird im ersten Teil aus einer soliden Darstellung der postmodernen Auseinandersetzung mit der romantischen Idee eines autonomen Subjektes abgeleitet. Da die Ablehnung dieser Vorstellung auch die Sichtweise ausschließe, dass &#8220;ein autonomes Individuum selbstbestimmt und intentional seine Gedanken übermittelt&#8221; (38), müsse der kommunizierende Einzelne vielmehr &#8220;als Produkt und Medium überindividueller gesellschaftlicher Prozesse&#8221; (46) angesehen werden. Im Anschluss an Judith Butlers Konzept der Performativität erscheine Identität weniger als Bedingung denn als Ergebnis von Kommunikation. Dabei betont Ann Spangenberg mit Butler das Veränderungspotenzial, welches Kommunikation trotz seiner Prägung durch überindividuelle Strukturen habe. &#8220;Der Einzelne kann zur Wandlung des Überlieferten durch veränderte Wiederholung beitragen, ohne jedoch seine Motivation und oder die Konsequenzen seiner Handlungen völlig überblicken zu können&#8221; (55). Entsprechend definiert die Autorin zum Abschluss dieses Teils Identität &#8220;als kommunikativ erzeugt und fortgesetzt wie auch als prozessual und in sich widersprüchlich&#8221; (67).</p>
<p>Entscheidend an diesem Konzept <em>kommunikativer </em>Identität sei dabei, dass gerade die Kopplung an konkrete Kommunikationssituationen die Vermittlung der genannten extremen Deutungen der Auflösung des autonomen Subjektes ermögliche. Die &#8220;Ausgesetztheit gegenüber Anderen&#8221; (68) sowie das &#8220;Bedürfnis nach Anerkennung&#8221; (ebd.), die jede konkrete Kommunikation ermöglichen und prägen, erzeugen in einem gewissen Maße Kohärenz, Handlungsmacht und Verantwortung des Einzelnen, die jedoch von lebensweltlichen Rahmenbedingungen begrenzt werden und sich im Lebensverlauf wandeln können.</p>
<p>Dieses Identitätsbild weist Ann Spangenberg nun in den drei Romanen nach, in denen es auf je unterschiedlich akzentuierte Weise literarisch umgesetzt wird. Die drei Analysekapitel folgen je dem gleichen Aufbauschema und sorgen so für ansprechende Übersichtlichkeit und Vergleichbarkeit der Ergebnisse: Nach kurzer Darstellung von Inhalt und Aufbau der Romane und einem knappen Forschungsüberblick werden in ausführlicher Interpretation die einzelnen Handlungsmotive und Erzähltechniken analysiert, in denen Identität mal explizit thematisiert wird, mal implizit aufscheint. Anschließend wird das so rekonstruierte Identitätsbild als ein Bild kommunikativer Identität gekennzeichnet. Eine Zusammenfassung bündelt schließlich die Ergebnisse auf engem Raum.</p>
<p>Im Zuge der Analysen kann Ann Spangenberg die Angemessenheit ihres Begriffs der kommunikativen Identität für die Interpretation der Romane auf eindrucksvolle Weise plausibel machen. Doch auch jenseits der Romaninterpretation überzeugt dieses Identitätskonzept, welches dadurch, dass es ausgehend von literarisch-erzählerischen Umsetzungen ausgestaltet wurde, gegenüber rein philosophischen Konzeptionen außerordentlich differenziert und lebensweltlich verankert ist und extreme Positionen vermeidet.</p>
<p>So zeigt die Autorin nicht nur, dass die drei untersuchten Romane eine &#8220;Lösung des Problems gleichzeitig diskursiv geprägter, aber dennoch nicht determinierter Identität&#8221; (52) bereithalten. Sie vermag dieses Angebot durch saubere theoretische Grundlegung der Begriffe und kundige Interpretation auch anzunehmen und für die höchst relevante Frage nach einem zeitgemäßen wie realistischen Identitätsbegriff nutzbar zu machen.</p>
<p>An mancher Stelle wären präzisere Angaben zu den einzelnen Teilprozessen der Identitätskonstitution und ihrer kommunikationstheoretischen Grundlagen wünschenswert gewesen. So bleiben die Ausführungen zur &#8220;intersubjektiven Beglaubigung durch Andere&#8221; (219), welche Identitätsentwürfen ein gewisses Maß an Kohärenz verleiht, etwas vage. Hier hätte eine Einbeziehung sozialphilosophischer Konzepte der Anerkennung (vgl. Honneth 2003), aber auch linguistischer Forschungen zur diskursiven Konstruktion von Identität (vgl. de Fina et al. 2006) die Studie bereichern und die Autorin in ihrer Argumentation zusätzlich bestärken können. Dies vermag jedoch den positiven Gesamteindruck kaum zu trüben.</p>
<p><em>Literatur:</em></p>
<ul>
<li>Ackroyd, P.: <em>Chatterton</em>. London/New York [Penguin] 1993.</li>
<li>Byatt, A.S.: <em>Possession</em>. <em>A Romance</em>. London [Vintage] 1991.</li>
<li>Fowles, J.: <em>The French Lieutenant’s Woman</em>. London [Vintage] 1996.</li>
<li>Honneth, A.: <em>Unsichtbarkeit</em>. <em>Stationen einer Theorie der Intersubjektivität</em>. Frankfurt am Main [Suhrkamp Verlag] 2003.</li>
<li>De Fina, A.; Schiffrin, D.; Bamberg, M. (Hrsg.): <em>Discourse and Identity</em>. Cambridge [Cambridge University Press] 2006.</li>
</ul>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://koenigshausen-neumann.gebhardt-riegel.de/advanced_search_result.php?XTCsid=edbea80bd56895680f77338a00ee4023&amp;keywords=ann+spangenberg&amp;x=0&amp;y=0" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.anglistik.uni-kiel.de/Chairs/Anglistik/spangenberg/index.htm" target="_blank">Webpräsenz von Ann Spangenberg an der Universität Kiel</a></li>
<li><a href="http://www.germanistik.unibe.ch/personen/simon_meier/" target="_blank">Webpräsenz von Simon Meier an der Universität Bern</a></li>
</ul>
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