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	<title>rezensionen:kommunikation:medien &#187; Internet</title>
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	<description>Rezensionen aus den Bereichen Kommunikation und Medien</description>
	<lastBuildDate>Fri, 03 Feb 2012 21:39:14 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Anna-Katharina Lienau: Gebete im Internet</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/7731</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/7731#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 20 Jan 2012 08:30:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einzelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Gebete]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>

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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Thomas Ruster</em>

<em><img class="alignnone size-full wp-image-7760" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/12/Lienau.jpg" alt="" width="160" height="253" /></em>Längst gibt es im Internet – und darauf hinzuweisen ist bereits ein Verdienst dieses Buches – Gebets-Seiten, die von vielen Menschen genutzt werden. Internet-Gebetsgemeinschaften sind entstanden, die in vielem an frühere Formen des gemeinschaftlichen Gebets erinnern und doch nach Maßgabe des verwendeten Mediums neue Gestalten des Betens hervorbringen. Insoweit das Gebet ein Grundvollzug des Glaubens und damit auch von Kirche ist, ist demgemäß von einer Art 'Internet-Kirche' zu reden, die sich längst gebildet hat und die nun noch hinsichtlich ihrer Form und ihres Gehaltes zu analysieren bleibt. Dieser Aufgabe, die angesichts der großen Bedeutung der internetbasierten Kommunikation zweifellos eine der am meisten zukunftsweisenden für die kirchliche Praxis ist, nimmt sich die vorliegende Arbeit an, die an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster als Dissertation bei Christian Grethlein entstanden ist. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/7731">[Mehr]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Thomas Ruster</em></p>
<p><em><img class="alignnone size-full wp-image-7760" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/12/Lienau.jpg" alt="" width="160" height="253" /></em>Längst gibt es im Internet – und darauf hinzuweisen ist bereits ein Verdienst dieses Buches – Gebets-Seiten, die von vielen Menschen genutzt werden. Internet-Gebetsgemeinschaften sind entstanden, die in vielem an frühere Formen des gemeinschaftlichen Gebets erinnern und doch nach Maßgabe des verwendeten Mediums neue Gestalten des Betens hervorbringen. Insoweit das Gebet ein Grundvollzug des Glaubens und damit auch von Kirche ist, ist demgemäß von einer Art &#8216;Internet-Kirche&#8217; zu reden, die sich längst gebildet hat und die nun noch hinsichtlich ihrer Form und ihres Gehaltes zu analysieren bleibt. Dieser Aufgabe, die angesichts der großen Bedeutung der internetbasierten Kommunikation zweifellos eine der am meisten zukunftsweisenden für die kirchliche Praxis ist, nimmt sich die vorliegende Arbeit an, die an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster als Dissertation bei Christian Grethlein entstanden ist.</p>
<p>Gebet ist eine besondere Form der Kommunikation, an der Gott, der Beter und die Mitbetenden bzw. die ins Gebet Eingeschlossenen beteiligt sind. Wie für jede Form von Kommunikation gilt für das Gebet, dass es Gemeinschaft schafft und in seinem Vollzug von den verwendeten Medien geprägt ist. Der erste Teil der Studie geht dem Zusammenhang von Kommunikation, Gemeinschaft und Medien in gründlicher und perspektivenreicher Weise nach, um damit eine Grundlage für die Untersuchung religiöser Kommunikationsformen im Internet zu gewinnen. Orientierung gibt das medienökologische Rahmenmodell von Nicola Döring (2003), das Medienwahl, Medienmerkmale und daraus entstehende Kommunikationsmöglichkeiten in ein Verhältnis setzt. Problematische Aspekte der Internetkommunikation – Anonymität, Missbrauch, Kommerzialisierung und Simulation – werden gegen ihre spezifischen Chancen abgewogen: Anonymität auch als persönlicher Schutzraum, Niederschwelligkeit, Offenheit und nahezu unbegrenzte Partizipation. Gerade von kranken oder isoliert lebenden Personen können diese Chancen genutzt werden. Dem Einwand, digitale Kommunikation sei gegenüber dem face to face-Austausch bloß defizitär, wird mit guten Gründen entgegnet.</p>
<p>Im Übrigen eignen sich die Internet-Gebete schon deshalb als Untersuchungsgegenstand, weil sie beobachtet werden können. Den medien- und kommunikationstheoretischen Überlegungen stellt die Verfasserin eine fundierte Theologie des Gebets zur Seite. Grundlegend ist für sie dabei die Unterscheidung zwischen primärer und sekundärer Religionserfahrung, die in etwa dem Unterschied von vor- und nachachsenzeitlicher Religiosität im Sinne von Karl Jaspers entspricht. Beide Formen findet sie in den Internet-Gebeten vor. Dass jedenfalls medien- und kommunikationstheoretische Kompetenz so glücklich wie hier mit theologischer Kompetenz zusammenfinden, dürfte immer noch die große Ausnahme sein.</p>
<p>Der empirische Teil besteht in der Auswertung von Gebeten und den Reaktionen anderer Beter darauf aus zwei Internet-Seiten, die die Verfasserin zwei Wochen lang verfolgt hat, sowie in Interviews mit sechs Nutzern dieser Seiten, die ebenfalls auf digitalem Wege erfolgt sind. Die Auswertung erfolgt nach allen Regeln der Kunst und unter straffer Strukturierung der immer gut begründeten Fragen und Resultate.</p>
<p>Aus der Fülle der Aspekte seien nur die folgenden herausgegriffen: Das Internet fördert in besonderer Weise das persönliche Beten, anders, als dies in der Gemeinde möglich und auch üblich ist. Insofern fördert es die persönliche spirituelle Kompetenz. Beten im Internet führt oft zu habitualisiertem Verhalten, d. h. zu einer Form der Alltagsreligiosität. Für die Nutzer ist die erfahrene Gemeinschaft, die sich über die Antwortfunktion der Internet-Seiten vermittelt und oft zur Einstimmung in die Gebetsanliegen anderer führt, nicht weniger wichtig als die Gemeinschaft mit Gott. Die Internet-Beter können mit den Ambivalenzen des Mediums in der Regel gut umgehen, sie lassen sich jedenfalls durch die Erfahrungen von Missbrauch des Mediums und dem Eindringen fremder Stimmen nicht dauerhaft irritieren und finden dafür auch eine theologische Lösung.</p>
<p>Kirchliche Gemeinschaft und Internet-Gebetsgemeinschaft stehen nicht in Konkurrenz, sie können einander gut ergänzen. Die Teilnahme an Gebetsforen im Internet ist heute eine Form des Betenlernens, die vielfach an die Stelle von Familie und kirchlicher Gemeinde getreten ist. Aufschlussreich ist Uwe Sanders (1998) Theorie der ‚mediatisierten Kommunikation’, die die Verfasserin zur Beantwortung der Frage heranzieht, ob die Anonymität des Internet und der Wunsch nach Gemeinschaft miteinander vereinbar sind. Nach Sander gehört es zu den Merkmalen der Kommunikation in der Moderne, dass Authentizität und das Bedürfnis nach Verständnis gerade in einem Raum der Unverbindlichkeit ausgelebt werden.</p>
<p>Die Autorin plädiert nachdrücklich dafür, die neuen Kommunikationsbedingungen in der kirchlichen Praxis zu nutzen. Dem ist unbedingt zuzustimmen. Es handelt sich einfach darum zu erkennen, dass neue Medien auch neue Formen der Praxis hervorbringen. Was die in den Internet-Gebeten anzutreffende Spiritualität betrifft, so ist für sie typisch, dass die Form des Bittgebets (für eigene und fremde Anliegen) bei weitem überwiegt, während ein beachtlicher Anteil auch vom Klagegebet gehalten wird. So gut wie gar nicht trifft man hingegen auf das doxologische Gebet, das sonst in der Liturgie vorherrscht. Was das für die Kirche der Zukunft bedeutet, wird zu bedenken sein.</p>
<p>Dem Buch von Anna-Katharina Lienau ist zu wünschen, dass seine Botschaft weithin gehört wird – nicht nur von kirchlichen Praktikern, sondern auch von denen, die das Vergehen einer bestimmten Gestalt von Kirche bereits für ihr Ende halten. Dazu könnten eine bessere Aufmachung (eine größere Drucktype!) und womöglich eine Neufassung, die sich von dem Ballast des sozialwissenschaftlichen Methodengebrauchs und seiner zuweilen redundanten Analysen reinigt, dienlich sein.</p>
<p><em>Literatur</em>:</p>
<ul>
<li>Döring, Nicola:<em> Sozialpsychologie des Internet. Die Bedeutung des Internet für Kommunikationsprozesse, Identitäten, soziale Beziehungen und Gruppen.</em> Göttingen u. a., 2003</li>
<li>Sander, Uwe: <em>Die Bindung der Unverbindlichkeit. Mediatisierte Kommunikation in modernen Gesellschaften</em>. Frankfurt a. M., 1998</li>
</ul>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.theologie.uni-erlangen.de/fileadmin/upload/CPV-Flyer_Maerz_2010_Internetdaten1.pdf" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://ev-nds.evlka.de/wiki/index.php/Anna-Katharina_Lienau" target="_blank">Webpräsenz von Anna-Katharina Lienau auf der Seite &#8220;Evangelisch in Niedersachsen&#8221;</a></li>
<li><a href="http://katheo.fk14.tu-dortmund.de/cms/katheo/de/Forschung/Ruster_Thomas/index.html" target="_blank">Webpräsenz von Thomas Ruster an der TU Dortmund</a></li>
</ul>
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		<item>
		<title>Harald Gapski (Hrsg.): Jenseits der digitalen Spaltung</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/7206</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/7206#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 09 Jan 2012 09:25:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einzelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[digital gap]]></category>
		<category><![CDATA[Digitale Spaltung]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Internetnutzung]]></category>
		<category><![CDATA[Medienkompetenz]]></category>
		<category><![CDATA[Offliner]]></category>
		<category><![CDATA[Online-Forschung]]></category>

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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Juliane Kirchner</em>

<img class="alignnone size-full wp-image-7208" title="Gapski" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/11/gapski.jpg" alt="" width="160" height="209" />51,7 Millionen Erwachsene in Deutschland sind mittlerweile zumindest gelegentlich online – damit hat sich die Zahl der Onliner in den letzten zehn Jahren fast verdoppelt (vgl. Eimeren/Frees 2011: 334). Die Debatte um die These der "Digitalen Spaltung" scheint somit auf den ersten Blick an Brisanz zu verlieren. Zur Erinnerung: Seit Anfang des Jahrtausends wird anhaltend über eine ungleiche Verfügbarkeit und Nutzung von Informations- und Kommunikations- technologien diskutiert und inwiefern dies zum Nachteil für die Nichtnutzer erwachsen könne. Doch ist  tatsächlich "ein Ende des digitalen Grabens in Sicht"? Noch immer sind 26,7 Prozent der deutschen Bevölkerung Nichtnutzer der Onlineangebote und stellen damit weiterhin eine quantitativ starke Gruppe dar (vgl. ebd.). In diesem Kontext beschäftigt sich der vorliegende Sammelband mit Beobachtungen und Reflexionen zur digitalen Spaltung mit besonderem Fokus auf die sogenannten Offliner.  <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/7206">[Mehr]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Juliane Kirchner</em></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-7208" title="Gapski" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/11/gapski.jpg" alt="" width="160" height="209" />51,7 Millionen Erwachsene in Deutschland sind mittlerweile zumindest gelegentlich online – damit hat sich die Zahl der Onliner in den letzten zehn Jahren fast verdoppelt (vgl. Eimeren/Frees 2011: 334). Die Debatte um die These der &#8220;Digitalen Spaltung&#8221; scheint somit auf den ersten Blick an Brisanz zu verlieren. Zur Erinnerung: Seit Anfang des Jahrtausends wird anhaltend über eine ungleiche Verfügbarkeit und Nutzung von Informations- und Kommunikations- technologien diskutiert und inwiefern dies zum Nachteil für die Nichtnutzer erwachsen könne. Doch ist  tatsächlich &#8220;ein Ende des digitalen Grabens in Sicht&#8221;? Noch immer sind 26,7 Prozent der deutschen Bevölkerung Nichtnutzer der Onlineangebote und stellen damit weiterhin eine quantitativ starke Gruppe dar (vgl. ebd.). In diesem Kontext beschäftigt sich der vorliegende Sammelband mit Beobachtungen und Reflexionen zur digitalen Spaltung mit besonderem Fokus auf die sogenannten Offliner.</p>
<p>Nach einem Vorwort des auftraggebenden Ministers führt Herausgeber Harald Gapski, der als Projektleiter beim <a href="http://www.ecmc.de/" target="_blank">Europäischen Zentrum für Medienkompetenz</a> (ecmc) in Marl (NRW) tätig ist, in die Thematik ein und gibt einen Überblick über die einzelnen Beiträge des Sammelbandes. Hans-Ullrich Mühlenfeld beginnt in seinem Aufsatz mittels der Daten der Europäischen Umfrage zur Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) 2007 sowie der Analyse von Zeitreihen, die &#8220;Existenz einer Digitalen Kluft in Nordrhein-Westfalen&#8221; zu überprüfen. Anschließend beschäftigt sich Nicole Zillien in ihrem Beitrag mit den &#8220;Ursachen der Internet-Nichtnutzung&#8221;, wobei sie bestehende (internationale) Arbeiten zur digitalen Spaltung im Hinblick auf die Motive zur Nichtnutzung des Internets systematisiert. Dabei formuliert sie vier zentrale Erklärungen für die Nichtnutzung, u. a. materielle Barrieren und fehlende Kompetenz im Umgang mit dem Internet. In ihrem empirischen Teil zeigt sich, dass darüber hinaus Zweifel an der Zweckmäßigkeit eine Rolle spielen. Somit verdeutlicht der Beitrag, dass sich die Gruppe der Nichtnutzer ebenso durch Diversität auszeichnet wie die der Nutzer.</p>
<p>Ob die Nichtnutzung des Internets nur ein Übergangsphänomen ist, diskutiert Ulrich Riehm in seinem Beitrag. Seine Tätigkeit und entsprechende Expertise im Bereich der Abschätzung von Technikfolgen zeigt sich im Vergleich der Ausbreitungsgeschwindigkeit von PC und Internet mit Telefon, Fernseher und Auto. Dabei relativiert er die vermeintlich schnelle Ausbreitung des Internets und erachtet die digitale Spaltung als längerfristig anhaltendes Phänomen, aus dem sich weitere offene Fragen für die Forschung ergeben. Seine Typologie der Nichtnutzer, die auf der Dimension der Freiwilligkeit der Nichtnutzung basiert, ergänzt zudem die zuvor von Zillien genannten Faktoren.</p>
<p>Gernot Gehrke fasst die Kontroversen um die digitale Spaltung sowie die damit einhergehenden Handlungsempfehlungen mittels drei Paradigmen zusammen: Anhand des Partizipations-, Evolutions- und Innovationsparadigmas verdeutlicht er, dass die größten Herausforderungen der digitalen Teilung noch bevorstehen, da sich der Fokus deutlich auf eine Differenzierung von sozialen Ungleichheiten innerhalb der Internet(nicht)nutzung verschoben hat. Demnach sollten nicht mehr nur Zugangsaspekte, sondern auch Nutzungsmuster von Gelegenheitsnutzern Gegenstand der Diskussion sein, um einem tiefgreifenden gesellschaftlichen Differenzierungsprozess entgegenzuwirken.</p>
<p>Inwiefern es sich bei selektiver Nichtnutzung um eine Praktik der Medienkompetenz handelt, erörtert Daniel Knapp anhand einer empirischen Studie, die er in Großbritannien durchführte. Dabei zeigt er, dass insbesondere die Angst vor Datenmissbrauch und Überwachung dazu führt, dass bestimmte Onlineangebote nicht oder nur eingeschränkt genutzt werden. Folglich ist es nötig, bei der Diskussion zur digitalen Spaltung die selektive Nichtnutzung als Dimension im Sinne einer bewussten Entscheidung mitzudenken.</p>
<p>Im letzten Beitrag des Bandes verweist Matthias Wörther aus theologischer Perspektive auf die Grenzen der Informationsgesellschaft, die trotz breiter Faszination und offensichtlichem Nutzen bestehen bleiben werden.</p>
<p>Den Autoren und der Autorin von <em>Jenseits der digitalen Spaltung</em>, bei denen es sich um Mitarbeiter an staatlichen sowie nichtstaatlichen Institutionen handelt, die sich mit dem Thema &#8216;Neue Medien und Kommunikation&#8217; beschäftigen, gelingt es, einen allgemeinverständlichen Überblick über ein zentrales Problem der selbsternannten Informations- und Wissensgesellschaft zu liefern und dabei Theorien und Konzepte gleichermaßen mit empirischen Daten zu verbinden.</p>
<p>Der Titel des Sammelbandes kann dabei durchaus doppeldeutig verstanden werden: Zum einen der Blick auf die sogenannten Offliner und deren überraschende Heterogenität hinsichtlich der Motive der Nichtnutzung, wie die Autoren Mühlenfeld, Zillien und Riehm in ihren Aufsätzen mit Zahlen belegen. Zum anderen die Diskussion des Konstrukts der digitalen Spaltung selbst. So betont Gehrke in seinem Beitrag von einer bloßen Trennlinie zwischen &#8220;arm&#8221; und &#8220;reich&#8221;  abzurücken und weitere demografische Kriterien mit einzubeziehen. Auch Knapp postuliert eine Neubewertung des Begriffs der digitalen Spaltung, bei dem die individuelle (Medien-)Kompetenz der selektiven Nichtnutzung bspw. im Hinblick auf negative Auswirkungen, mitgedacht werden muss. Hier zeigt sich der Entstehungskontext der Veröffentlichung in der <a href="http://www.grimme-institut.de/schriftenreihe/" target="_blank">Schriftenreihe Medienkompetenz</a>, die die regelmäßigen und durch das ecmc im Auftrag des Landes NRW organisierten Workshops zusammenfasst.</p>
<p>Einen etwas ungewöhnlichen, obgleich angemessenen Abschluss bildet der Aufsatz von Wörther, in dem er sich der Debatte um Informationsflut und -overload aus theologischer Perspektive annimmt. Insgesamt ermöglicht der Sammelband damit einen guten Überblick über aktuelle Zusammenhänge der Diskussion um die digitale Spaltung, zeigt zugleich aber Forschungsdesiderata und Zukunftsperspektiven – insbesondere im Bereich der Erkenntnisse über Nichtnutzer/Offliner – auf.</p>
<p><em>Literatur:</em></p>
<ul>
<li>Eimeren, B. van; Frees, B.: Drei von vier Deutschen im Netz – ein Ende des digitalen Grabens in Sicht? In: <em>Media Perspektiven 7-8</em>/2011, 334-349.</li>
</ul>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.kopaed.de/kopaedshop/index.php?PRODUCT_ID=652" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a><em> </em></li>
<li><a href="http://www.uni-erfurt.de/kommunikationswissenschaft/personen/personenuebersicht/juliane-kirchner-ma/" target="_blank">Webpräsenz von Juliane Kirchner an der Universität Erfurt</a></li>
</ul>
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		<item>
		<title>Patrick Rademacher: Politische Inhalte im Internet</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/6994</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/6994#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 15 Dec 2011 08:00:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einzelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Onlinejournalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Politikjournalismus]]></category>

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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Ulrike Klinger</em>

<a href="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/10/Rademacher.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-6997" title="Rademacher" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/10/Rademacher.jpg" alt="" width="160" height="240" /></a>Patrick Rademacher hat eine ebenso aktuelle wie spannende und methodisch herausfordernde Frage gestellt: Welche Bedeutung kommt dem Internet in der Politikvermittlung zu und welche Rolle spielen dabei die Anbieter und Nutzer politischer Informationen? Er verfolgt das Ziel, nicht eine Detailbetrachtung, sondern ein Gesamtbild der verschiedenen beteiligten Akteure unter Einbezug unterschiedlicher Perspektiven abzuliefern. Da sich ein solcher Anspruch kaum realisieren lässt, wird wenig später verständlicherweise doch konkretisiert: zwei Schweizer Volksabstimmungen (Unternehmensteuerreform II und Einbürgerungsinitiative, beide 2008) werden für die empirische Untersuchung herangezogen. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/6994">[Mehr]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Ulrike Klinger</em></p>
<p><a href="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/10/Rademacher.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-6997" title="Rademacher" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/10/Rademacher.jpg" alt="" width="160" height="240" /></a>Patrick Rademacher hat eine ebenso aktuelle wie spannende und methodisch herausfordernde Frage gestellt: Welche Bedeutung kommt dem Internet in der Politikvermittlung zu und welche Rolle spielen dabei die Anbieter und Nutzer politischer Informationen? Er verfolgt das Ziel, nicht eine Detailbetrachtung, sondern ein Gesamtbild der verschiedenen beteiligten Akteure unter Einbezug unterschiedlicher Perspektiven abzuliefern (24). Da sich ein solcher Anspruch kaum realisieren lässt, wird wenig später verständlicherweise doch konkretisiert: zwei Schweizer Volksabstimmungen (Unternehmensteuerreform II und Einbürgerungsinitiative, beide 2008) werden für die empirische Untersuchung herangezogen.</p>
<p>Vorangestellt ist ein ausführlicher Theorieteil, dessen Aufarbeitung des Forschungsstandes kaum zu wünschen übrig lässt. Ein heuristisches Marktmodell nimmt den dualen Charakter politischer Informationen als Wirtschafts- und Kulturgüter auf und unterscheidet auf der Angebotsseite Newsportale, Medienorganisationen, etablierte und nicht-etablierte politische Akteure. Letztere Differenzierung gelingt nicht vollständig überzeugend: Während Arbeitgeberorganisationen und Arbeitnehmerverbände den etablierten politischen Akteuren zugeschlagen werden, kommen alle anderen (zivilgesellschaftlichen) Akteure, die kaum institutionalisiert, ressourcenschwach, weder zentralisiert noch hierarchisch aufgebaut sind und Einfluss nur über Öffentlichkeit nehmen können, als &#8220;nicht-etablierte&#8221; politische Akteure in einen Topf (47ff). Hier kann man fragen, ob das wirklich auch für die Kirchen zutrifft und im Lichte aktueller Governance-Konzepte eine sinnvolle Unterscheidung ist – zumal sie, dies konzediert der Autor mit Verweis auf Kriesi (2001), &#8220;von gradueller Art ist und sich nicht einfach festlegen lässt&#8221; (48).</p>
<p>Sehr souverän geht der Autor mit den bekannten methodischen Problemen um, mit denen er sich bei der Untersuchung von Online-Inhalten konfrontiert sieht (z.B. beschrieben bei Rössler/Wirth 2001). Er begegnet ihnen mit einer Befragung von Medienorganisationen und politischen Akteuren, mit einer Strukturanalyse, bei der die Ergebnisse einer Google-Suchanfrage zu den jeweiligen Abstimmungen nach Anbietertyp untersucht wurden und mit einer telefonischen Befragung der stimmberechtigten Schweizer Bevölkerung zu ihren politischen Informationsquellen. Die Daten aus den Befragungen verdankt der Autor dem Entstehungskontext der Studie im Rahmen eines übergreifenden Forschungsprojekts, das (wie es häufig der Fall ist) auch einige Beschränkungen mit sich bringt, die dem Autor nicht anzulasten sind. So klammert die Studie beharrlich Social Media aus, und das Tessin findet keine Berücksichtigung. Das Vorgehen ist verständlich, klar und äußerst detailliert beschrieben, überzeugt und verleiht den Ergebnissen Autorität.</p>
<p>Einige Resultate der Studie kurz zusammengefasst: Politische Inhalte spielen im Online-Angebot der Medienorganisationen im Kontext der untersuchten Volksabstimmungen keine wichtige Rolle. Hier stellt der Autor sogar &#8220;Anzeichen einer Entpolitisierung journalistischer Online-Angebote&#8221; (336) fest. Es sind vielmehr die politischen Akteure selbst, für die das Internet eine zentrale Bedeutung hat. Vor allem von den etablierten politischen Akteuren wurde der Großteil der online verfügbaren Inhalte zu den Abstimmungsinitiativen bereitgestellt, wobei als Zielgruppe eher die eigenen Mitglieder, als die Bürger insgesamt dienten. Dabei kamen überwiegend Webseiten und Newsletter zum Einsatz, während interaktive und partizipative Kommunikationsformen kaum Anwendung fanden – ein Ergebnis, das vielleicht anders aussähe, wenn Social Media mit in die Analyse einbezogen worden wären.</p>
<p>Auf der Seite der Nutzer wiederum spielen nur zwei Typen von Online-Angeboten eine Rolle: Newsportale und die Online-Angebote klassischer Zeitungen. Die Inhalte politischer Akteure hingegen werden nur dann rezipiert, wenn Bürger und Bürgerinnen im Zuge ihres habituellen Nutzerverhaltens auf diese Seiten zugreifen. Nur eine Minderheit sucht aktiv nach politischen Informationen im Netz. Dieser Befund wird gestützt durch die erst kürzlich publizierten Ergebnisse einer achtjährigen Panelstudie, die das politische Kommunikationsverhalten in Deutschland untersuchte. Auch hier zeigte sich, dass das Internet das eingeübte politische Kommunikationsverhalten kaum verändert, während jüngere Kohorten direkt mit Online-Alternativen sozialisiert werden (Emmer et al. 2011). Dass politische Inhalte dort angeboten werden, wo Bürger sie nicht suchen, während sie zunehmend entpolitisierte Onlineangebote der Tageszeitungen nutzen, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Die Studie fördert aber auch Hoffnungsvolles zu Tage, etwa wenn sich Vertreter von Medienorganisationen zu ihrem publizistischen Informationsauftrag bekennen und auch wenig lukrative politische Inhalte anbieten (&#8220;weil wir keine Erbsenhändler sind.&#8221; 220).</p>
<p>Das Buch ist durchgängig ansprechend geschrieben. Schnörkellose, klare Formulierungen und eine verträgliche Dosis Fachjargon sorgen für einen angenehmen Lesefluss bei gleichzeitig erfreulicher argumentativer Dichte. Die Gliederung in Theorieteil, Methodenkapitel und empirische Untersuchung erscheint dabei etwas formalistisch. Dissertationen mögen üblicherweise diesem Aufbau folgen, für ein Buch hätte ein mehr an der Fragestellung orientierter Aufbau viel Umherblättern und einige Redundanzen erspart. Dies mindert aber keineswegs den Wert, den Patrick Rademachers Beitrag für alle Leser hat, die sich gegenwärtig mit den Potentialen und Grenzen politischer Online-Kommunikation auseinandersetzen.</p>
<p><em>Literatur:</em></p>
<ul>
<li>Emmer, M.  et al.: <em>Bürger Online. Die Entwicklung der politischen Online-Kommunikation in Deutschland</em>. Konstanz [UVK] 2011.</li>
<li>Kriesi, H.: <a href="http://bibliothek.wzb.eu/pdf/2001/p01-701.pdf" target="_blank"><em>Die Rolle der Öffentlichkeit im politischen Entscheidungsprozess</em></a>. Berlin [Veröffentlichungsreihe der Arbeitsgruppe "Politische Öffentlichkeit und Mobilisierung" des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung] 2001.</li>
<li>Wirth, W.; P. Rössler: Inhaltsanalysen im World Wide Web. In: Wirth, W. ; E. Lauf (Hrsg.):<em> Inhaltsanalyse: Perspektiven, Probleme, Potentiale</em>. Köln [Herbert von Halem Verlag] 2001, S. 280-302</li>
</ul>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://halemverlag.lookingintomedia.com/shop/product_info.php/products_id/224" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.vogtmedia.ch/vogt-media-research/team/patrick-rademacher.html" target="_blank">Webpräsenz von Patrick Rademacher bei vogt media</a></li>
<li><a href="http://www.ipmz.uzh.ch/de/abteilungen/medienpolitik/team/ulrike-klinger.html" target="_blank">Webpräsenz von Ulrike Klinger an der Universität Zürich</a></li>
</ul>
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		</item>
		<item>
		<title>Hardy Gundlach (Hrsg.): Public Value in der Digital- und Internetökonomie</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/6905</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/6905#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 09 Dec 2011 09:45:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einzelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[öffentlich-rechtlicher Rundfunk]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Medienökonomie]]></category>
		<category><![CDATA[Public Value]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.rkm-journal.de/?p=6905</guid>
		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Nicole Gonser</em>

<img class="alignnone size-full wp-image-6908" title="Gundlach" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/09/Gundlach.jpg" alt="" width="162" height="242" />Der vorliegende Band <em>Public Value in der Digital- und Internetökonomie</em> reiht sich ein in die ersten Sammlungen der deutschsprachigen Debatte zu Public Value, was grundsätzlich zu begrüßen ist, da das Thema im Zusammenhang mit Gebührendebatte und Medienleistungen aktuell ist. Das Buch geht zurück auf die gleichnamige Jahrestagung der <a href="http://www.bui.haw-hamburg.de/225.html" target="_blank">Fachgruppe Medienökonomie der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft (DGPuK)</a> im November 2009 in Hamburg. Die Aufsätze der dort gehaltenen Vorträge decken eine große Bandbreite ab, die auch das gesamte Dilemma der Public-Value-Diskussion widerspiegelt: Viele Aspekte sind relevant, sind oftmals diffus bzw. in ihren Bestimmungen uneinheitlich, werden (können) meist nur einzeln betrachtet (werden), sind länderspezifisch und entwickeln sich zudem fortlaufend. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/6905">[Mehr]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Nicole Gonser</em></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-6908" title="Gundlach" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/09/Gundlach.jpg" alt="" width="162" height="242" />Der vorliegende Band <em>Public Value in der Digital- und Internetökonomie</em> reiht sich ein in die ersten Sammlungen der deutschsprachigen Debatte zu Public Value, was grundsätzlich zu begrüßen ist, da das Thema im Zusammenhang mit Gebührendebatte und Medienleistungen aktuell ist. Das Buch geht zurück auf die gleichnamige Jahrestagung der <a href="http://www.bui.haw-hamburg.de/225.html" target="_blank">Fachgruppe Medienökonomie der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft (DGPuK)</a> im November 2009 in Hamburg. Die Aufsätze der dort gehaltenen Vorträge decken eine große Bandbreite ab, die auch das gesamte Dilemma der Public-Value-Diskussion widerspiegelt: Viele Aspekte sind relevant, sind oftmals diffus bzw. in ihren Bestimmungen uneinheitlich, werden (können) meist nur einzeln betrachtet (werden), sind länderspezifisch und entwickeln sich zudem fortlaufend.</p>
<p>Die versammelten Fachautorinnen und -autoren aus dem deutschsprachigen Forschungsraum nähern sich dem Thema aus juristischer, ökonomischer und kommunikationswissenschaftlicher Perspektive. Die Mitwirkenden stammen alle aus der Wissenschaft, was klar ist, da es sich um einen wissenschaftlichen Tagungsband handelt, was schade ist, weil so die nötige ergänzende Sichtweise von &#8220;Betroffenen&#8221;, also den Praktikerinnen und Praktikern der Medien oder Medienpolitik fehlt.</p>
<p>Festzuhalten ist, dass nicht alle Beiträge den Bezug zu Neuen Medien herstellen, wie es der Buchtitel eigentlich plakativ und mit gängigen Modewörtern geschickt verspricht. Die Artikel stehen dabei jeweils eher für sich, d. h., dass die Mehrzahl der Autorinnen und Autoren jeweils mehr oder weniger intensiv einführt und damit für die Komplettleserin oder den Komplettleser Redundanzen entstehen können. Da Sammelbände doch eher selten als Gesamtlektüre rezipiert werden, ist das Einzelaufsatzprinzip wiederum von Vorteil, zumal sechs Oberkapitel die Texte in Bereiche ordnen. Sie navigieren unterschiedlichste Leserinnen- und Leserinteressen bzw. können die Sichtweise Anderer auch Disziplinfremden gezielt vermitteln. Hilfreich in diesem Sinne ist nicht zuletzt auch die Einleitung des Herausgebers selbst, der die Ursprungsdefinition von Public Value vorstellt und das dahinterstehende Gemeinwohlkonzept skizziert.</p>
<p>Hervorzuheben, ohne andere Beiträge schmälern zu wollen, sind besonders die Aufsätze, die anstelle der durchaus wichtigen Herleitungen und Analysen von zusammenhängenden Aspekten konkrete und findige Lösungsbausteine erarbeiten und prüfen, um vom Theoretisieren auch endlich zur Praxis zu gelangen – hier stoppt die hiesige Public-Value-Debatte oftmals vorzeitig. Beispielhaft für die vorgestellten, greifbaren Ansätze sind folgende: Eine grundsätzliche Annäherung über Bewertungskategorien auf Systemebene, die aus Literatur und ExpertInneninterviews gewonnen wurden, haben Troxler, Süssenbacher und Karmasin (121-143) verfolgt, um die öffentlich-rechtlichen Public-Value-Maßnahmen im europäischen Ländervergleich zu verorten. De Avecado, von Rimscha und Siegert (313-334) beziehen sich auf die Kommunikatoren und nähern sich anhand des Rollenselbstverständnisses von befragten Redakteurinnen und Redakteuren öffentlich-rechtlicher wie privat-kommerzieller Anbieter einer Beurteilung von Fernsehunterhaltung.</p>
<p>Auf Ebene der Medienproduktion prüft Mellmann (158-174) die Eignung der Tausenderkontakt-Kosten zur Überprüfung von Leistungen, indem sie als Kennwert zwischen Aufwand, Qualität und Nachfrage gefasst werden. Dies ist besonders vor dem Hintergrund der verfügbaren Daten von Interesse, die hierzu herangezogen werden können – hier ermittelt die Autorin auch Nachbesserungsbedarf für die Ausweisung dieser Kennzahlen nach anderen Maßeinheiten, etwa Marktanteile anstelle absoluter Reichweiten.</p>
<p>Vielleicht ungewöhnlich in der Public-Value-Diskussion, die sich naturgemäß vorranging um den öffentlich-rechtlichen Rundfunk dreht, so dass Printmedien oft in den Hintergrund geraten, ist ein Beitrag von Kolo (242-263), der sich mit der Zeitungszukunft befasst. Der Autor skizziert Entwicklungsprognosen des Marktes, fortschreitende Defizite und bewertet mögliche Kompensationen. In Bezug auf Public Value als publizistische Vielfalt fordert er Verlagshäuser auf, sich online neu zu erfinden und nicht zu kopieren. Auch Seufert (228-241) befasst sich mit Zeitungen: Sein Fokus ist auf Leistungen von Lokalzeitungen in Bezug auf tagesaktuelle, lokale Information gerichtet, für deren Sicherung oder Ausbau er Fördermaßnahmen als sinnvoll erachtet, um den damit verbundenen Public Value zu stärken.</p>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://halemverlag.lookingintomedia.com/shop/product_info.php/products_id/211" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.bui.haw-hamburg.de/gundlach.html" target="_blank">Webpräsenz von Hardy Gundlach an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Hamburg</a></li>
<li><a href="http://halemverlag.lookingintomedia.com/shop/product_info.php/products_id/211" target="_blank">Homepage des Projekts &#8220;Public Value&#8221; am Institut  für Journalismus &amp; Medienmanagement der FH Wien<br />
</a></li>
</ul>
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		<item>
		<title>Graham Meikle; Guy Redden (Hrsg.): News Online</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/6932</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/6932#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 27 Nov 2011 09:30:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einzelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Bürgerjounalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Konvergenz]]></category>
		<category><![CDATA[Nachrichten]]></category>
		<category><![CDATA[Online-Journalismus]]></category>

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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Stefan Bosshart</em>

<img class="alignnone size-full wp-image-6935" title="meikle" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/10/meikle.jpg" alt="" width="160" height="244" />In den letzten Jahren ist eine Reihe englischsprachiger Publikationen erschienen, die sich mit den veränderten Rahmenbedingungen öffentlicher Kommunikation im Internet auseinandersetzen. Mit der Schnittstelle zwischen professionellem Journalismus und Laienpublizistik im Internet befassen sich etwa Stuart Allans <em>Online News</em> (2006), Chris Patersons und David Domingos <em>Making Online News</em> (2008), Einar Thorsens und Stuart Allans <em>Citizen Journalism</em> (2009) oder Jack Rosenberrys und Burton St. Johns <em>Public Journalism 2.0</em> (2010). Im deutschsprachigen Raum existiert eine vergleichbare Publikationsfülle nicht, die Ausdruck eines entsprechenden wissenschaftlichen Diskurses wäre. Der vorliegende, von Graham Meikle (Universität Stirling) und Guy Ridden (Universität Sydney) herausgegebene Sammelband reiht sich also in einen bestehenden Kanon einschlägiger Publikationen ein, weshalb Interessierten auch Einiges daraus schon bekannt sein dürfte. Das von den hier vereinten zwölf Beiträgen rund um 'online news' abgedeckte Themenspektrum ist äußerst breit – so breit, dass man sich durchaus fragt, wo das Verbindende bleibt. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/6932">[Mehr]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Stefan Bosshart</em></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-6935" title="meikle" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/10/meikle.jpg" alt="" width="160" height="244" />In den letzten Jahren ist eine Reihe englischsprachiger Publikationen erschienen, die sich mit den veränderten Rahmenbedingungen öffentlicher Kommunikation im Internet auseinandersetzen. Mit der Schnittstelle zwischen professionellem Journalismus und Laienpublizistik im Internet befassen sich etwa Stuart Allans <em>Online News</em> (2006), Chris Patersons und David Domingos <em>Making Online News</em> (2008), Einar Thorsens und Stuart Allans <em>Citizen Journalism</em> (2009) oder Jack Rosenberrys und Burton St. Johns <em>Public Journalism 2.0</em> (2010). Im deutschsprachigen Raum existiert eine vergleichbare Publikationsfülle nicht, die Ausdruck eines entsprechenden wissenschaftlichen Diskurses wäre. Der vorliegende, von Graham Meikle (Universität Stirling) und Guy Ridden (Universität Sydney) herausgegebene Sammelband reiht sich also in einen bestehenden Kanon einschlägiger Publikationen ein, weshalb Interessierten auch Einiges daraus schon bekannt sein dürfte. Das von den hier vereinten zwölf Beiträgen rund um &#8216;online news&#8217; abgedeckte Themenspektrum ist äußerst breit – so breit, dass man sich durchaus fragt, wo das Verbindende bleibt.</p>
<p>Die Themen reichen etwa von der erfolgreichen Nutzerintegration bei der britischen BBC (Allan/Thorsen) bis zur Doppelgesichtigkeit der Blogosphäre Chinas, die nicht nur sozialer Gerechtigkeit zum Durchbruch verhilft, sondern zunehmend auch Plattform für nationalistisches Gedankengut ist (Xin), vom wirtschaftlich stark angeschlagenen Journalismus in den USA und dem Ruf nach einem stärkeren &#8216;public broadcasting&#8217; (McChesney) bis zur Bedeutungszunahme des Mobiltelefons für das Erstellen von Bildern und Videos durch Augenzeugen (Goggin), oder von der nur schleppenden Etablierung eines eigenständigen Online-Journalismus in Südamerika (Lugo-Ocando/Cañizález) bis zum mittlerweile vielzitierten Erfolgsmodell der partizipativen südkoreanischen Nachrichtensite OhmyNews (Nguyen).</p>
<p>In den weiteren Beiträgen gibt sich etwa McNair optimistisch, was die Zukunft des professionell betriebenen Journalismus in Grossbritannien betrifft. Unter Verweis auf eine hier durchgeführte Befragung legen Fenton und Witschge zudem dar, dass professionelle Journalisten ihre Stärke gegenüber dem sogenannten &#8216;citizen journalism&#8217; hauptsächlich in ihrer Unparteilichkeit und Faktentreue sehen – Standards, so die Autoren, die unter den gegenwärtigen strukturellen Bedingungen allerdings nicht mehr gleich gut wie früher umgesetzt werden könnten. Arbeitsökonomisch argumentieren schließlich Deuze und Fortunati: Journalisten verlören nicht nur gegenüber einem sich emanzipierenden Publikum an Autorität, sondern ihre Position werde auch gegenüber den Verlegern zusehends schwächer. Mit der Schwierigkeit der Kategorisierung der über Twitter verbreiteten &#8216;news&#8217; befasst sich Crawford. Einmal mehr stellt Bruns sein Konzept der &#8216;news produsage&#8217; vor und diskutiert Erfolgsfaktoren für Projekte des partizipativen Journalismus. Bogost, Ferrari und Schweizer widmen sich sogenannten &#8216;newsgames&#8217;. Bei diesen &#8220;intersections of games and journalism&#8221; (87) handelt es sich allerdings weniger um ein einheitliches Konzept als vielmehr um ein Potpourri verschiedenster spielerischer Interaktionsmöglichkeiten, die im entferntesten Sinn mit aktueller Berichterstattung zu tun haben.</p>
<p>Wie diese Übersicht zeigt, behandelt der Sammelband äußerst unterschiedliche Themen, gleichwohl soll sich – so die Herausgeber – über das Konzept der medialen &#8216;Konvergenz&#8217; insgesamt ein roter Faden ergeben. Sie unterscheiden hierzu vier Dimensionen (vgl. 3): Eine erste Konvergenzdimension befasst sich mit den Reaktionen traditioneller Medienunternehmen auf die &#8216;neuen&#8217; Möglichkeiten im Netz. Darum geht es in den ersten vier Beiträgen (Allan/Thorsen, McNair, McChesney und Lugo-Ocando/Cañizález). Eine zweite Konvergenzdimension bezieht sich auf die Verschmelzung verschiedener Medienformen (Text, Grafik, Video, Audio) – auf dieser Achse ist einzig der Beitrag von Bogost/Ferrari/Schweizer anzusiedeln. In einer dritten Dimension geht es um die Verschmelzung öffentlicher und privater Kommunikation. Davon handeln die Beiträge von Goggin und Crawford. Als vierten Konvergenzaspekt behandelt der Band die Beziehung zwischen professioneller und nicht-professioneller Nachrichtenproduktion. Damit setzen sich die letzten fünf Beiträge von Bruns, Fenton/Witschge, Deuze/Fortunati, Xin und Nguyen auseinander.</p>
<p>Diese Textanordnung macht durchaus Sinn, unglücklicherweise wird sie von den Herausgebern aber nur in der Einleitung kurz angesprochen. Als für den Leser sinnstiftende Meta-Struktur wäre sie besser gleich dem Inhaltsverzeichnis übergestülpt worden. Dort stößt man stattdessen auf eine simple Auflistung der zwölf Texte, die eine sinnvolle Anordnung nicht erkennen lässt. Ob der Untertitel des Sammelbands zudem passend gewählt wurde, erscheint fraglich, belegt doch der Großteil der Texte eher &#8216;transformations&#8217; denn &#8216;continuities&#8217; im Entstehungsprozess öffentlicher Kommunikation.</p>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.palgrave.com/products/title.aspx?pid=349976" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.fmj.stir.ac.uk/staff/graham-meikle/graham-meikle.php" target="_blank">Webpräsenz von Graham Meikle an der University of Stirling</a></li>
<li><a href="http://sydney.edu.au/arts/gender_cultural_studies/staff/profiles/gredden.shtml" target="_blank">Webprsäenz von Guy Redden an der University of Sydney</a></li>
</ul>
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		<item>
		<title>Anton Simons: Journalismus 2.0</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/6495</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/6495#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 23 Oct 2011 09:00:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einzelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Mediensystem]]></category>
		<category><![CDATA[Web 2.0]]></category>

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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Stefan Heijnk</em>

<img class="alignnone size-full wp-image-6502" title="Simons" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/08/Simons2.jpg" alt="" width="160" height="229" />Um eines gleich vorweg zu nehmen: Anton Simons legt für alle, die sich einen Überblick über die Auswirkungen des Mitmachweb auf journalistische Arbeitsprozesse verschaffen und die sich wandelnden Mediennutzungs- gewohnheiten der Menschen besser verstehen wollen, ein nützliches Buch vor. Simons hält weitestgehend, was er in der Einleitung verspricht: Er will mit seinem Buch zeigen, "welche Konsequenzen das soziale Netz für Journalismus und Journalisten, für die Redaktionsarbeit und für Medienunternehmen hat" und "informieren über veränderte Erwartungen, Nutzungsgewohnheiten und Selbstverständnis der Medienkonsumenten sowie über den damit einhergehenden Wandel der Anforderungen an die Journalisten". Dazu stellt er zunächst auf 100 Seiten ausführlich die Publikationswerkzeuge des Mitmachweb vor (von Blog über Wiki bis Social Music und Eventplattformen), skizziert dann den dramatischen Wandel, den diese Instrumente für journalistisches Publizieren induzieren (auf 50 Seiten) und prognostiziert schließlich, wie sich dieser Wandel auf den Journalismus auswirken kann, auf die Redaktionsorganisationen und letztlich auf die Journalistinnen und Journalisten (auf den verbleibenden gut 70 Seiten). <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/6495">[Mehr]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Stefan Heijnk</em></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-6502" title="Simons" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/08/Simons2.jpg" alt="" width="160" height="229" />Um eines gleich vorweg zu nehmen: Anton Simons legt für alle, die sich einen Überblick über die Auswirkungen des Mitmachweb auf journalistische Arbeitsprozesse verschaffen und die sich wandelnden Mediennutzungs- gewohnheiten der Menschen besser verstehen wollen, ein nützliches Buch vor. Simons hält weitestgehend, was er in der Einleitung verspricht: Er will mit seinem Buch zeigen, &#8220;welche Konsequenzen das soziale Netz für Journalismus und Journalisten, für die Redaktionsarbeit und für Medienunternehmen hat&#8221; und &#8220;informieren über veränderte Erwartungen, Nutzungsgewohnheiten und Selbstverständnis der Medienkonsumenten sowie über den damit einhergehenden Wandel der Anforderungen an die Journalisten&#8221; (9). Dazu stellt er zunächst auf 100 Seiten ausführlich die Publikationswerkzeuge des Mitmachweb vor (von Blog über Wiki bis Social Music und Eventplattformen), skizziert dann den dramatischen Wandel, den diese Instrumente für journalistisches Publizieren induzieren (auf 50 Seiten) und prognostiziert schließlich, wie sich dieser Wandel auf den Journalismus auswirken kann, auf die Redaktionsorganisationen und letztlich auf die Journalistinnen und Journalisten (auf den verbleibenden gut 70 Seiten).</p>
<p>Inhaltlich liefert Simons eine substanzielle, plausible Analyse des sich wandelnden Verhältnisses zwischen Medienanbietern und Medienrezipienten. Er weist dazu perspektivisch auf zwei wesentliche Entwicklungstrends im Mediensystem hin: Einerseits emanzipieren sich die Medienrezipienten von der althergebrachten Deutungshoheit redaktioneller Medienbetriebe und begegnen ihnen nicht mehr als Konsumenten, sondern als Prosumenten (also als Konsumenten, die ihrerseits auch selbst als Produzenten aktiv sind). Und andererseits etablieren sich mit dem Internet ökonomische Rahmensetzungen, die die angestammten lukrativen Geschäftsmodelle ganzer Branchen in Frage stellen. Hier greift Simons prominent auf <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Chris_Anderson_%28Journalist%29" target="_blank">Chris Anderson</a><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Chris_Anderson_%28Journalist%29" target="_blank">s</a> Modell des ökonomischen Longtail auf, also den Gedanken, dass das Web die Angebotsnischen als Hauptumsatzquelle erschließt.</p>
<p>Im Ergebnis sieht Simons ein engmaschigeres Mediensystem entstehen, in dem sich professioneller Journalismus und Publikum auf Augenhöhe begegnen. Eine Zukunft werden nur jene Anbieter haben, so Simons, die diesen fundamentalen Wandel in prosumentenorientiert angemessene Angebotsformen umsetzen und die Menschen als Mitwirkende in ihre Wertschöpfungsprozesse einbeziehen. Auch wenn diese Kernthese nicht mehr so ganz jung ist: Im Medienmarkt hat sie sich längst noch nicht in allen Redaktionen herumgesprochen. Für Journalistinnen und Journalisten eröffnen sich in gleichem Zuge völlig neue Vertriebswege und damit Einkommensquellen (Crowdfunding, Selbstpublizieren per E-Book, journalistische Start-Ups für hyperlokale Themen etc.). Partiell, so Simons, könnte sich journalistische Tätigkeit tendenziell häufiger von den traditionellen Verlagen als Arbeitgeber lösen und auf eigene Rechnung mit eigenem Direktpublikum lohnen. Hier rekurriert er auf Gedanken, wie sie beispielsweise <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Jeff_Jarvis" target="_blank">Jeff Jarvis</a> schon vor einiger Zeit entwickelt hat.</p>
<p>Im Kern ist Simons Analyse sicherlich zuzustimmen: Medienanbieter werden ihr Publikum künftig nicht mehr in der überkommenen Top-Down-Richtung von oben herab mit Inhalt bedampfen, sondern Zielgruppen in Communities verwandeln und ernsthaft pflegen (müssen). Damit ändern sich zwar nicht die journalistischen Standards, wie Simons mehrfach zu Recht betont, aber es ändert sich das journalistische Rollenselbstbild. Gleichwohl bleibt manche seiner Aussagen diskussionswürdig. Nur ein Beispiel: Warum künftig die Zahl der festangestellten Journalisten zwingend schrumpfen soll, auch wenn die von ihm skizzierten Crossmediaredaktionen der Zukunft vielfältige neue Tätigkeitsprofile generieren, wird vom Autor beispielsweise nicht hinreichend ausgeleuchtet. Das schadet dem Buch dennoch in keiner Weise, denn diese Widersprüche bilden eher das ab, was auch in der Medienpraxis aktuell zu registrieren ist: eine nach wie vor breite Unsicherheit über die weitere Entwicklung des Journalismus.</p>
<p>Unerwähnt soll auch nicht bleiben, dass das Buch auch einige, die Lektüre störende Mängel aufweist. Dazu gehört beispielsweise eine nicht immer wirklich schlüssige Dramaturgie, etwa wenn die Detailanalyse dem Entdeckungszusammenhang vorausgeht. So beschreibt Simons zu Beginn seines Buches sehr detailliert und kenntnisreich die Publikationswerkzeuge des Web 2.0, widmet sich aber erst im Anschluss der zentralen Frage (in Kapitel 3 &#8220;Die Medienrevolution&#8221;), warum eine Kenntnis dieser Instrumente – von Blogs über Social Tagging bis hin zu Wikis – für die Zukunft des Journalismus so entscheidend wichtig ist. Hier wird das Pferd von hinten aufgezäumt. In umgekehrter Reihenfolge wäre das sicher sinnstiftender arrangiert gewesen.</p>
<p>Auch die Aktualität des Buches ist für das Thema nicht wirklich überzeugend: Bis auf wenige Ausnahmen arbeitet Simons mit Quellen aus dem Jahr 2009. Für ein Buch, das als Erscheinungsjahr 2011 angibt, ist das erstaunlich. Eine flankierende Website hätte dem Buch deshalb gut getan. Zudem stören neben den doch sehr zahlreichen Rechtschreib- und Grammatikfehlern vor allem die gelegentlichen Redundanzen; manche Satzpassagen tauchen an späterer Stelle nahezu wortgleich erneut auf. Gleichwohl ist das Buch ebenso wichtig wie lesenswert. Simons bezieht die Entwürfe und Modelle von Chris Anderson und Jeff Jarvis auf die deutsche Medienlandschaft und unterfüttert sie mit zahlreichen praktischen Beispielen. Sein Buch bietet insgesamt eine in weiten Strecken klare wie substanzielle Analyse der tiefgreifenden Auswirkungen des Web 2.0 auf den professionellen Journalismus.</p>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.uvk.de/buch.asp?ISBN=9783867641166&amp;WKorbUID=1396978&amp;TITZIF=2221&amp;be=jo" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.medienkontorheijnk.de/ueberuns.htm" target="_blank">Homepage von Stefan Heijnk</a></li>
</ul>
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		</item>
		<item>
		<title>&#8220;Die Weisheit der Vielen&#8221;? &#8211; Chancen und Gefahren der Internetgesellschaft</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/6604</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/6604#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 16 Oct 2011 09:55:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sammelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Internetgesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Internetkultur]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Online-Kommunikation]]></category>
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		<category><![CDATA[Wikipedia]]></category>

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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Bernhard Irrgang</em>

<a href="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/10/Lanier-Kopie.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-7001" title="Lanier " src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/10/Lanier-Kopie.jpg" alt="" width="160" height="228" /></a>"Um die Wende zum 21. Jahrhundert begann in der digitalen Revolution etwas falsch zu laufen. […] insgesamt hat die fragmentierte, unpersönliche Kommunikation die zwischenmenschliche Interaktion entwertet. […] Eine neue Generation ist herangewachsen, die geringere Erwartungen hinsichtlich dessen hegt, was ein Mensch sein oder werden kann". So beginnt Jaron Lanier sein Buch <em>Gadget</em> oder "Schnickschnack". Sein Fazit: "Statt Menschen als Quelle ihrer eigenen Kreativität zu behandeln, präsentierten die auf Zusammenstellung und Zusammenfassung ausgerichteten Sites anonymisierte Fragmente schöpferischer Leistungen, als wären sie vom Himmel gefallen oder aus dem Boden ausgegraben worden, ohne die wahren Quellen zu bezeichnen". Der Autor plädiert dagegen für eine humanistische Computertechnologie. Viele der neuen Autoren glauben, dass der Unterschied zwischen Mensch und Computer verschwindet. Sie behaupten, mit dem Computer entstünde eine Lebensform, in der der Mensch sich besser versteht als vorher. Sie propagieren die Illusion einer neuen, möglichst hohen Metaebene, aber Information ist nichts anderes als entfremdete Erfahrung. Der kybernetische Totalitarismus wird zu einer Art Religion und führt zur Anbetung der digitalen Illusion.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Bernhard Irrgang</em></p>
<p><a href="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/10/Lanier-Kopie.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-7001" title="Lanier " src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/10/Lanier-Kopie.jpg" alt="" width="160" height="228" /></a>&#8220;Um die Wende zum 21. Jahrhundert begann in der digitalen Revolution etwas falsch zu laufen. […] insgesamt hat die fragmentierte, unpersönliche Kommunikation die zwischenmenschliche Interaktion entwertet. […] Eine neue Generation ist herangewachsen, die geringere Erwartungen hinsichtlich dessen hegt, was ein Mensch sein oder werden kann&#8221; (13). So beginnt Jaron Lanier sein Buch <em>Gadget</em> oder &#8220;Schnickschnack&#8221;. Sein Fazit: &#8220;Statt Menschen als Quelle ihrer eigenen Kreativität zu behandeln, präsentierten die auf Zusammenstellung und Zusammenfassung ausgerichteten Sites anonymisierte Fragmente schöpferischer Leistungen, als wären sie vom Himmel gefallen oder aus dem Boden ausgegraben worden, ohne die wahren Quellen zu bezeichnen&#8221; (29f.). Der Autor plädiert dagegen für eine humanistische Computertechnologie (31). Viele der neuen Autoren glauben, dass der Unterschied zwischen Mensch und Computer verschwindet. Sie behaupten, mit dem Computer entstünde eine Lebensform, in der der Mensch sich besser versteht als vorher. Sie propagieren die Illusion einer neuen, möglichst hohen Metaebene, aber Information ist nichts anderes als entfremdete Erfahrung (42-44). Der kybernetische Totalitarismus wird zu einer Art Religion und führt zur Anbetung der digitalen Illusion (50).</p>
<p>Die &#8220;Weisheit der Vielen&#8221; ist eine Ideologie, eigentlich manifestiert sich im Internet ein Mangel an Neugier. &#8220;Im Internet findet sich eine gewaltige Flut von Videos mit erniedrigen Angriffen auf wehrlose Opfer. Die sadistische Online Kultur besitzt ihr eigenes Vokabular und gehört inzwischen zum Mainstream&#8221; (87). Neuartige Formen wie Internet-Mobbing und Ausbreitung des modernen vernetzten Terrorismus beruhen auf einem Konzept müheloser, folgenloser, vorübergehender und eher beiläufigen Anonymität aufgrund eines zu Fehlverhalten einladenden Design des Internets (88f.). Leider zeigt sich in der Geschichte, dass die kollektivistische Sicht sich zu gewaltigen sozialen Katastrophen auswachsen kann (91). Die Online-Kultur ähnelt auf immer verstörenderer Weise einem Slum und wird letztendlich auf die Dominanz von Werbeanzeigen hinauslaufen. Die Open Culture übertreibt auf unsinnige Weise die Übel der Plattenindustrie und all derer, die glauben, das alte Urheberrechtsmodell habe auch gute Seiten. Vielen College-Studenten gilt Filesharing als Akt zivilen Ungehorsams. Mit dem Diebstahl digitalen Materials stünden sie so in einer Reihe mit Gandhi und Martin Luther King (120).</p>
<p>Die größten Gefahren der Open Culture drohen wahrscheinlich den Mittelschichten im Bereich des geistigen und kulturellen Schaffens. So verschlechtern sich derzeit die Aussichten für freiberufliche Studiomusiker und den Korrespondenten, die für Zeitungen arbeiten. Bisher lebten sie vom alten Presse-System, vom Internet haben sie nichts zu erwarten (127). Hinsichtlich der Internetökonomie glauben die neuen Firmen, dass das Netzwerk von ihnen kontrolliert werden kann und zwar in einem Bereich, auf den alle anderen angewiesen sind (129). Der Open Culture-Ansatz hat zwar aufpolierte Kopien hervorgebracht, war aber kaum in der Lage, bemerkenswerte Originale zu schaffen. Obwohl die Open-Source-Bewegung sich der Rhetorik einer aufmüpfigen Gegenkultur bedient, hat sie sich in der Praxis doch als konservative Kraft erwiesen (166). &#8220;Der logische Positivismus ist außer Mode gekommen, und nur wenige würden sich heutzutage darauf berufen, aber inoffiziell erlebt er durch den Computer eine gewisse Wiedergeburt&#8221; (201).</p>
<p>&#8220;Da die Menschen dank des technischen Fortschritts länger leben, verlangsamt sich der kulturelle Wandel&#8221; (234). Jaron Lanier gilt als Erfinder des Begriffs der virtuellen Realität. Er präsentiert seine Sicht der neuen Internetkultur, die eigentlich keine Kultur ist. Die neuen Formen technischer Information und Kommunikation erlauben es nicht, die eigene Personalität und Kreativität angemessen darzustellen. Die Gefahren des Kollektivismus breiten sich in ihm aus, eine neue Ökonomie des Internet konnte bislang nicht generiert werden, so dass viele Bereiche der bisher etablierten Kultur in Gefahr sind, ihre ökonomische Basis zu verlieren. Insgesamt zeichnet Lanier ein eher düsteres Bild des neuen Mediums, welches von vielen gerade der Jugendlichen als nicht angemessen empfunden wird. Dennoch &#8211; viele Anregungen sind bedenkenswert.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-6608" title="Weichert et al." src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/08/Weichert-et-al..jpg" alt="" width="160" height="253" />Thematisiert wird in <em>Digitale Mediapolis</em> der digitale Strukturwandel der Öffentlichkeit und die neue Rolle des Journalismus in Zeiten des Internets. Interessant für Journalisten könnte die Vereinigung von Text, Bild, Video und Audio zu einem einzigen neuen Medium sein (25f.) Schwerer jedoch wiegt das allmähliche Verschwinden der Presse, die über Jahrzehnte Garant für hochwertigen, hoch bezahlten Journalismus war (29). Aufgrund des neuen Mediums und der deutlich geringeren Kosten für Werbung im Internet sind den klassischen Zeitungen und Printmedien Werbeeinnahmen verloren gegangen, mit einem Pressesterben ungeahnten Ausmaßes als Konsequenz. Dieses Marktversagen muss die traditionelle Demokratie aber erst einmal verkraften (44). Die Auflösung der klassischen kulturschaffenden Professionen und deren Ersetzung durch einen so genannten Bürgerjournalismus zeigt das Ende der bezahlten Arbeit in der Kulturindustrie an. Das Internet führt so implizit zu einer Zerstörung der Basis für Intellektuelle, die sich in Zukunft eine bürgerliche Existenz (mit Familiengründung usw.) nicht mehr leisten kann. Das Ende des klassischen Bildungsideals ist vorprogrammiert.</p>
<p>Das Internet mit seiner sozialen Organisation der Nachrichtenübermittlung trägt ganz entscheidend dazu bei, dass bei der Generierung und Präsentation von Information die Unterschiede zwischen Profis und Laien verschwinden. Dies  gefährdet die Verlässlichkeit und richtige Interpretation von Daten, Information und Wissen. Die Wissensgesellschaft entzieht sich auf diese Art und Weise ihre eigene Grundlage (70). Der Journalismus als verlässliches Frühwarnsystem für gesellschaftliche und politische Krisen und der Kontrolle der Mächtigen wird verschwinden, Laien als Gelegenheits-Meinungsmacher können die kritische Funktion des herkömmlichen Journalismus nicht übernehmen (77-79). Der freischaffende Berichterstatter wird sich als Ein-Personen-Nachrichten-Organisation von Projekt zu Projekt hangeln (103).</p>
<p>Jedes Jahr investieren Menschen, um Wikipedia zur unglaublichen Wissensressource zu machen. Nachrichten und Information werden nicht mehr als Produkt einer Firma verstanden, sondern als eine gemeinsame Netzwerk-Ressource, die allen möglichen Menschen gehört, die zusammen daran arbeiten und von den Informationen profitieren (85). Auf der anderen Seite kann das Wikipedia-Prinzip nicht alle Probleme des Wissenstransfers bewältigen. Neue Modelle für einen professionellen Journalismus könnten spendenfinanzierte Zentren für neue Recherchemethoden darstellen wie auch andere Modelle, Nutzer für die Präsentation von Nachrichten bezahlen zu lassen (65). Das Internet scheint zum gegenwärtigen Zeitpunkt mehr Probleme zu schaffen als zu lösen. Im Übergangsfeld zur Erschaffung einer neuen und digitalen Form von Öffentlichkeit tut sich sowohl die traditionelle Ökonomie wie aber auch die ökonomische Basis der traditionellen Kulturschaffenden schwer, neue Horizonte zu eröffnen das hier vorliegende präsentiert einen beängstigende Analyse der Konsequenzen des Internets für die Erzeugung und Vermittlung unserer Nachrichten, die durch die Interviewform des rezensierten Buches zwar an persönlicher Authentizität gewinnt, aber durch diese Präsentation eine Reihe von Redundanzen und Wiederholungen aufweist, die an der Sache orientierte Leser nicht immer hilfreich anleiten.</p>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.suhrkamp.de/buecher/gadget-jaron_lanier_42206.html" target="_blank">Verlagsinformationen zu &#8220;Gadget&#8221;</a></li>
<li><a href="http://halemverlag.lookingintomedia.com/shop/product_info.php/products_id/212" target="_blank">Verlagsinformationen zu &#8220;Digitale Mediapolis&#8221;</a></li>
<li><a href="http://tu-dresden.de/die_tu_dresden/fakultaeten/philosophische_fakultaet/iph/tph/irrgang/irrg" target="_blank">Webpräsenz von Bernhard Irrgang an der TU Dresden</a></li>
</ul>
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		</item>
		<item>
		<title>Nea Matzen: Onlinejournalismus</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/6508</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/6508#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 10 Sep 2011 08:05:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einzelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Handbuch]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Onlinejournalismus]]></category>
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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Stefan Heijnk</em>

<img class="alignnone size-full wp-image-6509" title="Matzen" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/08/Matzen.jpg" alt="" width="160" height="248" />Nea Matzens Buch mit dem Titel <em>Onlinejournalismus</em> hat in der  gedruckten Form etwa die Größe des Postkartenformats A6. Es ist also  eher ein Büchlein. Wer es zum ersten Mal in die Hand nimmt, wird deshalb  vielleicht im ersten Augenblick den Gedanken haben: Naja, so klein und  dünn (156 Seiten), da kann ja eigentlich nicht viel drin stehen. Doch  der Eindruck täuscht gewaltig:  Matzens Minihandbuch, im März 2010  erschienen in der Reihe "Wegweiser Journalismus" bei UVK, ist ein  kompaktes und ebenso praktisches Kompendium für die  onlinejournalistische Tätigkeit. Mit ihrem pragmatischen "So geht's"-  und "Darauf sollten Sie achten"-Ansatz, mit ihren "Merke"- und "Definition"-Kästen, mit Tipps und Tricks und mit zahlreichen Links zu  einschlägigen Beispielen legt sie einen gelungenen, unbedingt nützlichen  Ratgebertitel auf den Tisch. Noch dazu ist das Ganze flott geschrieben  und es gibt eine begleitende Website, auf der die im Buch abgedruckten  Links zum komfortablen Anklicken bereitstehen. Abtippen unnötig, so  gehört sich das. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/6508">[Mehr]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Stefan Heijnk</em></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-6509" title="Matzen" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/08/Matzen.jpg" alt="" width="160" height="248" />Nea Matzens Buch mit dem Titel <em>Onlinejournalismus</em> hat in der  gedruckten Form etwa die Größe des Postkartenformats A6. Es ist also  eher ein Büchlein. Wer es zum ersten Mal in die Hand nimmt, wird deshalb  vielleicht im ersten Augenblick den Gedanken haben: Naja, so klein und  dünn (156 Seiten), da kann ja eigentlich nicht viel drin stehen. Doch  der Eindruck täuscht gewaltig:  Matzens Minihandbuch, im März 2010  erschienen in der Reihe &#8220;Wegweiser Journalismus&#8221; bei UVK, ist ein  kompaktes und ebenso praktisches Kompendium für die  onlinejournalistische Tätigkeit. Mit ihrem pragmatischen &#8220;So geht&#8217;s&#8221;-  und &#8220;Darauf sollten Sie achten&#8221;-Ansatz, mit ihren &#8220;Merke&#8221;- und &#8220;Definition&#8221;-Kästen, mit Tipps und Tricks und mit zahlreichen Links zu  einschlägigen Beispielen legt sie einen gelungenen, unbedingt nützlichen  Ratgebertitel auf den Tisch. Noch dazu ist das Ganze flott geschrieben  und es gibt eine begleitende Website, auf der die im Buch abgedruckten  Links zum komfortablen Anklicken bereitstehen. Abtippen unnötig, so  gehört sich das.</p>
<p>Wie in jedem anderen Buch auch, gibt es im Detail an  einigen Stellen sicher durchaus Anlass zur Kritik oder zum Widerspruch.  Das betrifft hier im Besonderen die Optik: Durch die vielen Kästen,  Beispielboxen und Miniscreenshots wirkt das Schriftbild zuweilen etwas  unübersichtlich. Und die Schrift in manchen Screenshots liegt gefühlt  bei Punkt 2 oder Punkt 3, dürfte für viele Leser also schlicht  unleserlich sein.</p>
<p>Zum anderen gibt es auch inhaltliche Aspekte, die  nicht vollends überzeugen: Womit zum Beispiel wird begründet, wenn die  alte Weblegende wiederholt und empfohlen wird, einen weiterführenden  Link nie mit &#8220;Klicken Sie hier&#8221; zu beschriften? Oder: Ist eine Animation  von der Website der <a href="http://www.nytimes.com/" target="_blank">New York Times</a> wirklich ein gutes Beispiel für  multimediales Erzählen, wenn darin eine &#8220;Pause&#8221;-Taste fehlt und die  <a href="http://www.nytimes.com/2007/06/01/sports/playmagazine/20070602_SPRINTER_GRAPHIC.html?_r=1" target="_blank">automatisch ablaufende Animation</a> vom Nutzer nicht angehalten werden  kann? Da sind punktuell Zweifel angebracht, auch wenn das wirklich nur Kritik  an Kleinigkeiten ist. Denn auf der anderen Seite gibt es, ebenfalls im  Detail, sehr viel Gewinnbringendes zu entdecken &#8211; vom Hinweis auf einen  Online-Teleginitätstest für angehende Webvideo-Moderatoren (von Videocue)  bis hin zum Online-Vergleich von Teaserlängen namhafter Websites. Mit  einem Satz: Wer onlinejournalistisch tätig ist, für den bietet Nea  Matzens kompaktes Minihandbuch eine Fülle von nützlichen Tipps, Tricks  und Anregungen. Definitiv eine Kaufempfehlung.</p>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.uvk.de/buch.asp?ISBN=9783867642262" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.neamatzen.de/" target="_blank">Private Homepage von Nea Matzen</a></li>
<li><a href="http://www.medienkontorheijnk.de/ueberuns.htm" target="_blank">Homepage von Stefan Heijnk</a></li>
</ul>
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		</item>
		<item>
		<title>Gabriele Hooffacker: Online-Journalismus</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/2602</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/2602#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 05 Sep 2011 08:20:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einzelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Lehrbuch]]></category>
		<category><![CDATA[Online-Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Social media]]></category>
		<category><![CDATA[Social Web]]></category>
		<category><![CDATA[Twitter]]></category>

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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Klaus Meier</em>

<a href="http://www.rkm-journal.de/archives/2602"><img class="alignleft size-full wp-image-5454" title="Hooffacker" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2010/03/Hooffacker.jpg" alt="" width="160" height="258" /></a>Wer ein Lehrbuch zum Online-Journalismus schreibt, ist nicht zu beneiden. Kaum gedruckt, können Details schon durch aktuelle Entwicklungen überholt sein. Allerdings zeigt sich auch seit mehr als 15 Jahren: Die Grundlagen und Herausforderungen dieses Mediums an den Journalismus bleiben gleich, auch wenn in der Zwischenzeit Phänomene wie Blogs, <a href="http://twitter.com/" target="_blank">Twitter</a> oder <a href="http://de-de.facebook.com/" target="_blank">Facebook</a> hinzugekommen sind. Gabriele Hooffacker hat das Buch <em>Online-Journalismus</em> zum ersten Mal 2001 verfasst und nun zum zweiten Mal aktualisiert. Ein Vergleich der dritten Auflage mit der zweiten belegt, was sich im Internet und im Online-Journalismus verändert hat: Zum einen hat das mehrmediale Arbeiten nicht nur für Online-Journalisten, sondern generell im Journalismus zugenommen. Es ist nachvollziehbar, dass die Autorin das Kapitel "Crossmedia" gestrichen hat und das mehrmediale Arbeiten nun an vielen Stellen im Buch immer wieder thematisiert. Zum anderen ist die Beteiligung von Nutzern in Online-Plattformen in den vergangenen Jahren gestiegen. Entsprechend gewachsen ist das dazugehörige Kapitel. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/2602">[Mehr]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Klaus Meier</em></p>
<p><a href="http://www.rkm-journal.de/archives/2602"><img class="alignleft size-full wp-image-5454" title="Hooffacker" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2010/03/Hooffacker.jpg" alt="" width="160" height="258" /></a>Wer ein Lehrbuch zum Online-Journalismus schreibt, ist nicht zu beneiden. Kaum gedruckt, können Details schon durch aktuelle Entwicklungen überholt sein. Allerdings zeigt sich auch seit mehr als 15 Jahren: Die Grundlagen und Herausforderungen dieses Mediums an den Journalismus bleiben gleich, auch wenn in der Zwischenzeit Phänomene wie Blogs, <a href="http://twitter.com/" target="_blank">Twitter</a> oder <a href="http://de-de.facebook.com/" target="_blank">Facebook</a> hinzugekommen sind. Gabriele Hooffacker hat das Buch <em>Online-Journalismus</em> zum ersten Mal 2001 verfasst und nun zum zweiten Mal aktualisiert. Ein Vergleich der dritten Auflage mit der zweiten belegt, was sich im Internet und im Online-Journalismus verändert hat: Zum einen hat das mehrmediale Arbeiten nicht nur für Online-Journalisten, sondern generell im Journalismus zugenommen. Es ist nachvollziehbar, dass die Autorin das Kapitel &#8220;Crossmedia&#8221; gestrichen hat und das mehrmediale Arbeiten nun an vielen Stellen im Buch immer wieder thematisiert. Zum anderen ist die Beteiligung von Nutzern in Online-Plattformen in den vergangenen Jahren gestiegen. Entsprechend gewachsen ist das dazugehörige Kapitel.</p>
<p>Vor zehn Jahren war der Internet-Journalismus noch ein exotisches Thema auf dem Lehrbuchmarkt; inzwischen liegt eine Fülle von Werken dazu vor. Das Buch von Gabriele Hooffacker ist nach wie vor für Anfänger und Einsteiger zu empfehlen. Insofern passt es ideal in die <a href="http://www.journalistische-praxis.de/" target="_blank">Gelbe Reihe</a>, die sich der Einführung in die journalistische Praxis verschrieben hat. Eine wissenschaftliche Studie ist da natürlich nicht zu erwarten. Gleichwohl merkt man an etlichen Stellen, dass die Autorin nicht nur aus dem Bauch oder aus eigener Anschauung heraus schreibt, sondern dass sie die einschlägige Wissenschaft kennt und nutzbringend verwertet.</p>
<p>Aus wissenschaftlicher Sicht zu kritisieren wäre nur die manchmal etwas eigentümliche Verwendung von Fachbegriffen. Die multimedialen Formen des Internets werden als &#8220;interaktive Formen&#8221; bezeichnet – gleichsam ignorierend, dass hier der Nutzer ja nur mit Computer oder Material (inter-)agiert und nicht mit Menschen. Es handelt sich eigentlich aus Nutzersicht um Multioptionalität und aus Produzentensicht um multimediales Erzählen. Dort wo es dann um Interaktionen zwischen Menschen geht, ist von &#8220;kommunikativen Formen&#8221; die Rede (Social Web, Blogs, Twitter etc.) – ein Terminus, der zwar schön erklärt ist, so aber nicht gebräuchlich ist.</p>
<p>Fragwürdig sind zudem die etwas eigenwillige Definition von Online-Journalismus und quantitative Schätzung von Online-Journalisten: &#8220;Von etwa 22.000 Online-Journalisten auszugehen, die den größten Teil ihres Einkommens aus diesem Segment beziehen, dürfte somit eher zu niedrig gegriffen sein&#8221;, heißt es auf S. 26.  Nicht nur Puristen bestehen auf einer stärkeren definitorischen Trennung zwischen Journalismus und Öffentlichkeitsarbeit. Und dann sind es schon erheblich weniger Online-Journalisten in Deutschland.</p>
<p>Wen diese – etwas oberlehrerhafte – Kritik nicht stört, der wird als Berufsanfänger aus der Fülle von stets klar und prägnant formulierten Informationen, Ratschlägen und Tipps rund um das Tätigkeits- und Berufsfeld Online-Journalismus lernen. Vertiefende Informationen für bereits im Berufsfeld erfahrene Leser bietet das Buch jedoch nur ansatzweise. So ist zum Beispiel zum Einsatz von Twitter und anderen sozialen Netzwerken in der Online-Redaktion kaum etwas zu erfahren; das Kapitel beschränkt sich auf (eher technische) Grundlagen dieser Plattformen. An manchen Stellen hört das Buch genau da auf, wo es spannend wird.</p>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.ullsteinbuchverlage.de/econ/buch.php?id=16059&amp;page=buchaz&amp;sort=autor&amp;auswahl=&amp;pagenum=1" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.journalistenakademie.de/index.php?p=47" target="_blank">Webpräsenz von Gabriele Hooffacker an der Journalistenakademie München</a></li>
<li><a href="http://www.klaus-meier.net/" target="_blank">Private Homepage von Klaus Meier</a></li>
</ul>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Projekt Wikileaks</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/5804</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/5804#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 23 Jul 2011 08:15:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sammelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Assange]]></category>
		<category><![CDATA[Öffentlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Datenschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>
		<category><![CDATA[Journalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Wikileaks]]></category>

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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Martin Welker</em>

<a href="http://www.rkm-journal.de/archives/5804"><img class="alignleft size-full wp-image-5843" title="Rosenbach, Stark" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/06/Rosenbach-Stark3.jpg" alt="" width="160" height="255" /></a>Zwei Bücher – ein Thema. Beide Werke sind etwa zur gleichen Zeit erschienen, etwa gleich umfangreich (ca. 300 Seiten) und liegen im Preis in einer ähnlichen Kategorie (15 bis 20 Euro). Beide Bände konzentrieren sich v. a. auf die Ereignisse ab dem Jahr 2007. Und doch sind die Bücher diametral verschieden. Denn während die Spiegel-Journalisten <a href="http://www.randomhouse.de/author/author.jsp?per=416065" target="_blank">Rosenbach</a> und <a href="http://www.randomhouse.de/author/author.jsp?per=416065" target="_blank">Stark</a> intensiv recherchiert haben und damit aus einer geordneten und unabhängigen Warte über Wikileaks berichten können, erzählt <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Daniel_Domscheit-Berg" target="_blank">Domscheit-Berg</a> aus einer Art emotionalen Insider-Perspektive über seine Arbeit beim <a href="http://www.wikileaks.org/" target="_blank">Wikileaks-Projekt</a>. Rosenbach und Stark objektivieren, Domscheit-Berg subjektiviert. Erstere weisen ihre Quellen in zahlreichen Fußnoten aus, letzterer schildert seine Erfahrung auf seine Erinnerungen gestützt aus der Ich-Perspektive. Erstere haben das Buch selbst geschrieben, Domscheit-Berg hatte mit <a href="http://www.ullsteinbuchverlage.de/econ/autor.php?id=12397&#38;page=buchaz&#38;sort=&#38;auswahl=A&#38;pagenum=1" target="_blank">Tina Klopp</a> eine versierte Journalistin und Ghostwriterin an seiner Seite. Dennoch präsentiert sich der Text von Domscheit-Berg umgangssprachlicher als das Spiegel-Buch. Erst die Lektüre beider Texte ergibt ein facettenreiches Gesamtbild im Hinblick auf Wikileaks, insbesondere zu <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Julian_Assange" target="_blank">Julian Assange</a>. In Bezug auf die Diskussion relevanter gesellschaftlich-politischer Fragen ist das Spiegel-Buch das gelungenere. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/5804">[Mehr]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Martin Welker</em></p>
<p><a href="http://www.rkm-journal.de/archives/5804"><img class="alignleft size-full wp-image-5843" title="Rosenbach, Stark" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/06/Rosenbach-Stark3.jpg" alt="" width="160" height="255" /></a>Zwei Bücher – ein Thema. Beide Werke sind etwa zur gleichen Zeit erschienen, etwa gleich umfangreich (ca. 300 Seiten) und liegen im Preis in einer ähnlichen Kategorie (15 bis 20 Euro). Beide Bände konzentrieren sich v. a. auf die Ereignisse ab dem Jahr 2007. Und doch sind die Bücher diametral verschieden. Denn während die Spiegel-Journalisten <a href="http://www.randomhouse.de/author/author.jsp?per=416065" target="_blank">Rosenbach</a> und <a href="http://www.randomhouse.de/author/author.jsp?per=416065" target="_blank">Stark</a> intensiv recherchiert haben und damit aus einer geordneten und unabhängigen Warte über Wikileaks berichten können, erzählt <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Daniel_Domscheit-Berg" target="_blank">Domscheit-Berg</a> aus einer Art emotionalen Insider-Perspektive über seine Arbeit beim <a href="http://www.wikileaks.org/" target="_blank">Wikileaks-Projekt</a>. Rosenbach und Stark objektivieren, Domscheit-Berg subjektiviert. Erstere weisen ihre Quellen in zahlreichen Fußnoten aus, letzterer schildert seine Erfahrung auf seine Erinnerungen gestützt aus der Ich-Perspektive. Erstere haben das Buch selbst geschrieben, Domscheit-Berg hatte mit <a href="http://www.ullsteinbuchverlage.de/econ/autor.php?id=12397&amp;page=buchaz&amp;sort=&amp;auswahl=A&amp;pagenum=1" target="_blank">Tina Klopp</a> eine versierte Journalistin und Ghostwriterin an seiner Seite. Dennoch präsentiert sich der Text von Domscheit-Berg umgangssprachlicher als das Spiegel-Buch. Erst die Lektüre beider Texte ergibt ein facettenreiches Gesamtbild im Hinblick auf Wikileaks, insbesondere zu <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Julian_Assange" target="_blank">Julian Assange</a>. In Bezug auf die Diskussion relevanter gesellschaftlich-politischer Fragen ist das Spiegel-Buch das gelungenere.</p>
<p>Für Medien- und Kommunikationswissenschaftler, insbesondere für Journalistik-Versierte, mag das Buch von Rosenbach und Stark somit das Interessantere sein. Es enthält zahlreiche aufschlussreiche Passagen zur journalistischen Valenz von Wikeleaks und zur Frage der Veränderung von klassischem Journalismus durch die neuartige Enthüllungsplattform. Macht Wikileaks Journalismus? Ist die Plattform überhaupt ein Medium? Wie können neue Technologien eingesetzt werden, um staatliche Überwachung und Kontrollwahn einzugrenzen? Wie verändert sich das Verhältnis von Öffentlichkeit und Nicht-Öffentlichkeit? Diese sind die Kernfragen, die bei Rosenbach und Stark explizit und intensiv diskutiert werden. Die Person Assange wird dabei nur als spannender Einstieg genutzt, als Reizfigur, welche die Vorgeschichte besser verstehbar macht. Die profunderen Abschnitte des Buches finden sich dann überwiegend im letzten Viertel des Textes.</p>
<p>Die erste Frage, ob Wikileaks Journalismus mache, wird dabei mit &#8220;nein&#8221; beantwortet: &#8220;Der entscheidende Unterschied, der Wikileaks von klassischem Journalismus abhebt, ist der Anspruch, jede Art von Dokumenten zu veröffentlichen, die eingesendet wird. Guter Journalismus versucht, einen gesellschaftlich relevanten Vorgang zu beschreiben, Missständen auf den Grund zu gehen. (…) Wikileaks hat dagegen das Versprechen gegeben, alles zu veröffentlichen, was den Weg zu ihnen findet, wenn es nur einen Test auf Authentizität besteht&#8221; (Rosenbach/Stark 2011: 295). Eine Relevanzbewertung, wie sie der Journalismus tagtäglich vornimmt, ist nicht zu erkennen. Und mehr noch: Wikileaks ist noch nicht einmal als klassisches Medium, sondern eher als ein Zwitter aus Medium und Internetplattform zu werten (dies.: 304). &#8220;In autoritären Regimen könnten solche Plattformen die Rolle übernehmen, die eine freie Presse in Demokratien spielt&#8221;. Davon sei Wikileaks allerdings noch weit entfernt, sind sich Rosenbach und Stark sicher. Vielmehr sei die Plattform ein &#8220;öffentliches Archiv des vormals Nicht-Öffentlichen&#8221; (dies.: 205). Damit leiste Wikileaks aber einen Dienst an der Demokratie, so die Argumentation der Autoren. Denn &#8220;die Regierungen von heute sind konspirativer als ehedem, sie produzieren mehr Staatsgeheimnisse und betreiben einen immensen Aufwand, sie zu schützen&#8221; (dies.: 310).</p>
<p><a href="http://www.rkm-journal.de/archives/5804"><img class="alignleft size-full wp-image-5836" title="domscheit-berg" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/06/domscheit-berg.jpg" alt="" width="160" height="244" /></a>Wie aber reagierten Journalisten, insbesondere die Redaktionen, die nicht an der großen Veröffentlichungssause von <a href="http://www.spiegel.de/" target="_blank">Spiegel</a>, <a href="http://www.nytimes.com/" target="_blank">New York Times</a> oder <a href="http://www.guardian.co.uk/" target="_blank">Guardian</a> teilhaben konnten? Auch dazu finden sich Aussagen: &#8220;Reduziert auf den argumentativen Kern lassen sich die Reaktionen vieler Journalisten so zusammenfassen: Sie ergreifen Partei für die Exekutive, weil sie um die Stabilität des Systems fürchten. Das Bemerkenswerte daran ist, dass dies nicht der Rolle der Medien in einer demokratischen Gesellschaft entspricht. Die Rolle der Öffentlichkeit ist Teil eines Systems von Checks and Balances: Die Medien überprüfen, ob das Handeln der Regierenden mit den proklamierten Zielen und Maßstäben in Einklang steht&#8221; (dies.: 288). Genau diese Überprüfung – den dann letzten nötigen Schritt – kann Wikileaks aber nicht leisten, da die Plattform selbst keine detaillierte Überprüfung und Einordnung der Informationen vornimmt. Die Zahl der veröffentlichten Dokumente ist dafür schlicht zu hoch. Wikileaks ist aber ein bedeutender Schritt hin zur Kritik und Kontrolle von Mächtigen und insofern wichtig – nur eben nicht aufgrund journalistischer Leistung. Das Buch von Rosenbach und Stark argumentiert in dieser Beziehung klar und stringent, basierend auf solider Recherche.</p>
<p>Wikileaks als Organisation folgte bisher eher einer Hackerethik, nicht journalistischen Maximen. Assange ist auch kein Journalist, sondern vielmehr der Organisator eines medien- und journalismuskritischen Projekts (vgl. Rosenbach/Stark 2011: 301/302). Deshalb braucht Wikileaks Journalismus. Ohne auf die solide Arbeit von Spiegel, Guardian oder New York Times zurückzugreifen, hätte Wikileaks die letzten großen Enthüllungen nicht leisten können und insbesondere nicht diese öffentliche Wirkung erzielt. Das Buch von Rosenbach und Stark zeigt aber, wie sich die Arbeit in modernen Redaktionen verändert und welche große Rolle dem Fact-Checking zufällt.</p>
<p>Wissenschaftliche Theorien oder auch nur forschungsmäßige Thesen sollte der kommunikationswissenschaftlich instruierte Leser in beiden Büchern nicht erwarten. Die Bände sind keine wissenschaftlichen Werke, sondern politische Bücher, das Spiegel-Buch ausgeprägter, das Ullstein-Buch weniger stark, da es durchgängig subjektiv angelegt ist. Auch stilistisch ist der Text von Domscheit-Berg stellenweises holprig. Der Leser merkt dem Text an, dass er aus gesprochener Sprache gefertigt wurde. Geschliffener und zugleich spannend liest sich das Buch von Rosenbach und Stark, das allerdings in Auszügen schon im Nachrichtenmagazin Spiegel zu lesen war.</p>
<p>Wer sich für Fragen wie &#8220;Öffentlichkeit und Privatheit&#8221;, &#8220;Neue Tendenzen im Journalismus&#8221; oder &#8220;Staatliche Überwachung versus Datenschutz&#8221; interessiert, findet in beiden Büchern aktuelle Einsichten. Im Falle des Spiegel-Buchs werden diese auf einem abstrakteren Niveau diskutiert, im Falle von Domscheit-Berg aus eigener Erfahrung und persönlichen Erlebnissen, die stellenweise auch technikzentriert ausfallen. Beide Bücher sind politische Begleitliteratur, können Wissenschaftler aber durchaus zu neuer Forschung anregen.</p>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.randomhouse.de/book/edition.jsp?edi=372750" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch &#8220;Staatsfeind Wikileaks&#8221;</a></li>
<li><a href="http://www.ullsteinbuchverlage.de/econ/buch.php?id=17737" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch &#8220;Inside Wikileaks&#8221;</a></li>
<li><a href="http://www.martin-welker.de/" target="_blank">Private Homepage von Martin Welker</a></li>
</ul>
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