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	<title>rezensionen:kommunikation:medien &#187; Geschichte</title>
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	<description>Rezensionen aus den Bereichen Kommunikation und Medien</description>
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		<title>Frank Bösch: Mediengeschichte</title>
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		<pubDate>Thu, 05 Jan 2012 08:40:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einzelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Buchdruck]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Massenmedien]]></category>
		<category><![CDATA[Mediengeschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Philomen Schönhagen</em>

<img class="alignnone size-full wp-image-7148" title="Bösch" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/10/Bösch.jpg" alt="" width="160" height="248" />Dem Historiker Frank Bösch ist mit dem vorliegenden Band ein kompakter und gut lesbarer Überblick über die Medien- geschichte von der Erfindung des Buchdrucks in Asien bis zum Fernsehen der Nachkriegszeit gelungen. Dabei stützt er sich kenntnisreich auf Literatur nicht nur aus den Geschichts- wissenschaften, sondern bezieht ebenso kommunikations- und medien- wissenschaftliche Erkenntnisse mit ein. Das Buch ist gut geschrieben, Marginalien und ein Stichwortverzeichnis erleichtern zudem die Orientierung. Offenbar wurde dem Band auch ein sorgfältiges Lektorat zuteil – es finden sich fast keine Tippfehler und sprachlichen Mängel, was ja mittlerweile (leider) eine bemerkenswerte Seltenheit ist. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/7145">[Mehr]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Philomen Schönhagen</em></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-7148" title="Bösch" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/10/Bösch.jpg" alt="" width="160" height="248" />Dem Historiker Frank Bösch ist mit dem vorliegenden Band ein kompakter und gut lesbarer Überblick über die Medien- geschichte von der Erfindung des Buchdrucks in Asien bis zum Fernsehen der Nachkriegszeit gelungen. Dabei stützt er sich kenntnisreich auf Literatur nicht nur aus den Geschichts- wissenschaften, sondern bezieht ebenso kommunikations- und medien- wissenschaftliche Erkenntnisse mit ein. Das Buch ist gut geschrieben, Marginalien und ein Stichwortverzeichnis erleichtern zudem die Orientierung. Offenbar wurde dem Band auch ein sorgfältiges Lektorat zuteil – es finden sich fast keine Tippfehler und sprachlichen Mängel, was ja mittlerweile (leider) eine bemerkenswerte Seltenheit ist.</p>
<p>Der Band gibt zunächst einen aktuellen und fächerübergreifenden Überblick über die medienhistorische Forschung (Kapitel 1), bevor in den fünf folgenden Kapiteln die Entwicklung der Massenmedien mit Schwerpunkt auf Deutschland und Europa dargelegt wird. Dabei werden speziell Presse, Film, Radio und Fernsehen in den Blick genommen (vgl. 23 zum zugrunde liegenden Medienbegriff). Kapitel 2 widmet sich dem &#8220;Durchbruch des typographischen Drucks&#8221; mit seinen sozialen und kulturellen Folgen, wobei der Autor nicht mit Gutenberg, sondern mit den früheren asiatischen Erfindungen beginnt. Dies erweist sich u. a. deswegen als bedeutsam, weil er so den Blick für die Tatsache öffnet, dass der Buchdruck (allein) nicht die zentrale Bedeutung für die Entwicklung der Massenmedien hatte, die ihm sonst meist zugesprochen wird. Auch in den folgenden Kapiteln hinterfragt der Autor immer wieder kritisch vermeintliche Kausalzusammenhänge und technische Aprioris.</p>
<p>Kapitel 3 zur &#8220;Etablierung von Periodika&#8221; ist der Geschichte der Zeitungen und Zeitschriften gewidmet. Dabei gelingt es dem Verfasser, im Unterkapitel zu  &#8220;Deutungen, Wirkungen und Nutzungsweisen der Periodika&#8221; sozusagen en passant auf wenigen Seiten Habermas Ansatz der bürgerlichen Öffentlichkeit mitsamt Kritik verständlich auf den Punkt zu bringen (vgl. 83ff.). Kapitel 4 befasst sich unter dem Titel &#8220;Medien und der Weg zur Moderne&#8221; mit wechselseitigen Einflüssen zwischen Medien und Politik und der Rolle der Massenmedien in den Revolutionen des 18. und 19. Jahrhunderts. Außerdem werden die Entwicklung der Illustrierten und der sogenannten Massenpresse sowie Zusammenhänge zwischen Massenmedien und Globalisierung dargelegt, wobei u. a. die Rolle von Telegrafie und Nachrichtenagenturen thematisiert wird. Leider kommt die Entwicklung der Öffentlichkeitsarbeit kaum zur Sprache (es wird nur die frühe Pressepolitik u. a. Bismarcks angesprochen, vgl. 125f.).</p>
<p>Kapitel 5 zu &#8220;Moderne, Weltkriege und Diktaturen&#8221; zeichnet die Entwicklung von Film und Radio nach, ebenso wie die Rolle der Massenmedien in den beiden Weltkriegen. Kapitel 6 schliesslich ist den &#8220;Medien im Zeitalter des Kalten Krieges&#8221; gewidmet, wobei sich ein eigenes Unterkapitel mit der Fernsehgeschichte befasst. Dabei wird auch die Medienwirkungsforschung kurz gestreift (vgl. 217f.), jedoch sehr kursorisch und wenig kritisch. Das Internet berücksichtigt der Autor bewusst &#8220;nur im Rahmen eines bilanzierenden Schlusswortes&#8221; (Kapitel 7), &#8220;da die Digitalisierung erst seit kurzem sozial- und kulturgeschichtliche Breitenwirkung erfährt und in ihrer gegenwärtigen Unabgeschlossenheit noch kaum die archivgestützte Forschung der Historiker berührt&#8221; (24f.).</p>
<p>Aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht ist allenfalls kritisch anzumerken, dass die Bedeutung der elektronischen Medien in ihrer Gesamtheit für die gesellschaftliche Kommunikation selbst und ihre Strukturen nur ansatzweise deutlich wird. Dies liegt sicher vor allem daran, dass der Fokus des Autors – als Historiker – mehr auf (anderen) sozialen, kulturellen und politischen Folgen liegt.</p>
<p>Insgesamt ist der kompakte Band (im Taschenbuchformat) von Frank Bösch eine ausgesprochen gelungene Einführung in die Mediengeschichte Europas, deren Lektüre nicht nur Studierenden, sondern ganz allgemein an Mediengeschichte Interessierten sehr zu empfehlen ist. Eine vertiefte Auseinandersetzung mit einzelnen Aspekten kann der Band freilich nicht bieten – dieser Anspruch wird aber auch nicht erhoben.</p>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://studium.campus.de/reihen/historische-einfuehrungen/Mediengeschichte.97044.html" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.zmi.uni-giessen.de/home/profil-fboesch.html" target="_blank">Webpräsenz von Frank Bösch an der Universität Gießen</a></li>
<li><a href="http://www.unifr.ch/mukw/mukw07/index.php?page=prof-dr-philomen-schonhagen" target="_blank">Webpräsenz von Philomen Schönhagen an der Universität Freiburg</a></li>
</ul>
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		<item>
		<title>Jörg Requate (Hrsg.): Das 19. Jahrhundert als Mediengesellschaft</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/7038</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/7038#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 20 Dec 2011 09:45:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einzelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschland]]></category>
		<category><![CDATA[Frankreich]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Mediengeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Mediengesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Medienwissenschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Gunter Reus</em>

<img class="alignnone size-full wp-image-7042" title="Requate 2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/10/Requate-20092.jpg" alt="" width="160" height="236" />Der Titel ist sprachlich verunglückt – der Sammelband selbst aber durchaus ein Glücksfall für die Kommunikations- wie für die Medienwissenschaft. Für die Kommunikationswissenschaft, weil sie kulturelle Entwicklungslinien in ihrer Datenfixiertheit von sich aus nur selten nachzeichnen mag. In diesem Buch können Mediennutzungsforscher deshalb etwas lernen, zum Beispiel über die einst massenhaft verbreiteten Lichtbilder-Projektionen zur "sozialen Frage" (Ludwig Vogl-Bienek, Trier) oder das "Panorama als nationalen Erlebnisraum" nach 1870/71 (der Münsteraner Historiker Frank Becker). Für eher textanalytisch arbeitende Medienwissenschaftler wiederum ist dieses Buch ein Gewinn, weil es ihre Hermeneutik konsequent historisch (und damit empirisch) erdet. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/7038">[Mehr]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Gunter Reus</em></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-7042" title="Requate 2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/10/Requate-20092.jpg" alt="" width="160" height="236" />Der Titel ist sprachlich verunglückt – der Sammelband selbst aber durchaus ein Glücksfall für die Kommunikations- wie für die Medienwissenschaft. Für die Kommunikationswissenschaft, weil sie kulturelle Entwicklungslinien in ihrer Datenfixiertheit von sich aus nur selten nachzeichnen mag. In diesem Buch können Mediennutzungsforscher deshalb etwas lernen, zum Beispiel über die einst massenhaft verbreiteten Lichtbilder-Projektionen zur &#8220;sozialen Frage&#8221; (Ludwig Vogl-Bienek, Trier) oder das &#8220;Panorama als nationalen Erlebnisraum&#8221; nach 1870/71 (der Münsteraner Historiker Frank Becker). Für eher textanalytisch arbeitende Medienwissenschaftler wiederum ist dieses Buch ein Gewinn, weil es ihre Hermeneutik konsequent historisch (und damit empirisch) erdet.</p>
<p>Beide Richtungen des Faches können von der interkulturellen Ausrichtung des Bandes profitieren. Er dokumentiert Beiträge zu einer Tagung französischer und deutscher (Medien-)Historiker am Deutschen Historischen Institut in Paris. Das ist schon deshalb originell, weil beide Nationen &#8220;im Bereich der Mediengeschichtsschreibung nur relativ wenige Berührungspunkte haben&#8221; (12), wie Herausgeber Jörg Requate (Bielefeld) in seiner Einführung schreibt. Inhaltlich verfolgte die Tagung das Ziel, den Veränderungsprozess von Medien und Gesellschaft im 19. Jahrhundert, sprich ihre wechselseitige Durchdringung hin zur &#8220;Mediengesellschaft&#8221; nachzuzeichnen.</p>
<p>Dabei ist die Pespektive weniger vergleichend als parallelisierend. Wie so oft in Tagungsbänden laufen manche der deutsch- und französischsprachigen Beiträge dann auch nebeneinander her oder einfach nur mit. So wirkt das Kapitel zur &#8220;Presse als Medium gesellschaftlicher Selbstorganisation&#8221; eher bescheiden: Thorsten Gudewitz (Gießen) begreift die Schillerfeiern im Jubiläumsjahr 1859 als &#8220;mediale Konstituierung&#8221; eines &#8220;nationalen Festraums&#8221; und überhöht dabei die Rolle der Presse wohl doch etwas. Auch der Versuch von Alice Primi (Paris VIII), die Vorstöße einiger Frauen in den männerdominierten politischen Journalismus beiderseits des Rheins nachzuzeichnen, ist eher ein schwacher Beleg für die These der &#8220;Mediengesellschaft&#8221;.</p>
<p>Ausgesprochen erhellend dagegen die Beiträge von Anne-Claude Ambroise-Rendu, Philipp Müller und Frank Bösch. Ambroise-Rendu (Paris X) sieht das Vermischte (&#8220;faits divers&#8221;) in der Massenpresse des 19. Jahrhunderts in Frankreich als politisch-gesellschaftliches Regulativ, weil es ein Millionenpublikum zum Nachdenken über die &#8220;chose publique&#8221; zwang, zum Beispiel über Kindesmisshandlungen, Todesstrafe oder die Rolle der Frau. Parallel dazu zeigt Philipp Müller (London), wie die amüsierten Presseberichte über den Hauptmann von Köpenick in Deutschland ebenfalls zum Medium politischer Kritik wurden.</p>
<p>Der Gießener Professor für Fachjournalistik Frank Bösch schließlich rekonstruiert in seinem Aufsatz, wie sich gegen Ende des wilhelminischen Reiches Interessengruppen und Zeitungen bei der Konstruktion politischer Skandale gegenseitig instrumentalisierten: Meist wurden diese Skandale von Reichstagsabgeordneten lanciert, von der Parteipresse aufgegriffen und dann von der Massenpresse ausgeschlachtet. Solche Beispiele belegen in der Tat, dass sich die &#8220;Mediengesellschaft&#8221; schon vor dem 20. Jahrhundert auszubilden begann (warum die Aufsätze der deutschen Autoren Müller und Bösch in diesem Band auf Französisch erscheinen, bleibt freilich das Geheimnis des Herausgebers).</p>
<p>Ob man den Beginn der Mediengesellschaft nun wie Marie-Eve Thérenty (Montpellier III) mit eigenwilliger Akkuratesse auf das Jahr 1836 festlegen muss, das Jahr nämlich, in dem Emile de Girardin die Pariser Tageszeitung La Presse gründete, sei dahingestellt. Spannend aber ihr Hinweis darauf, wie Girardin die Zeitung zum Erzählmedium ausbaut, wie das Weltgeschehen in diesem Blatt journalistisch &#8220;fiktionalisiert&#8221; (24) wird, sei es durch die Zeitungsromane etwa eines Eugène Sue, sei es durch den Alltagsdiskurs der Nachrichten.</p>
<p>Auch Daniela Kneißl (DHI Paris) verweist in ihrem Beitrag über den republikanischen Père Gérard auf die Bedeutung der Fiktion im Journalismus (Einsatz fiktiver Korrespondenzen bei der Aufklärungsarbeit unter der bäuerlichen Bevölkerung) – eine Bedeutung, der sich die Kommunikationswisenschaft hierzulande immer noch nicht recht bewusst ist. Kneißls Beitrag erinnert darüber hinaus an die starke Rolle der Gesinnungspresse in Frankreich, ebenso wie Christian Delporte (Versailles-Saint-Quentin) in seinem Überblick über die &#8220;Société médiatique du XIXe siècle vue du XXe siècle&#8221;. Auch das dürfte manchem deutschen Leser neu sein, der den meinungsbetonten Journalismus bislang eher für eine Tradition östlich des Rheins gehalten hat.</p>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.oldenbourg-verlag.de/wissenschaftsverlag/19-jahrhundert-mediengesellschaft/9783486591408" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://wwwhomes.uni-bielefeld.de/jrequate/ " target="_blank">Webpräsenz von Jörg Requate an der Universität Bielefeld</a></li>
<li><a href="http://www.ijk.hmtm-hannover.de/de/institut/personen/prof-dr-gunter-reus/" target="_blank">Webpräsenz von Gunter Reus an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover</a></li>
</ul>
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		<item>
		<title>Sabine Horn: Erinnerungsbilder</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/6771</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/6771#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 04 Dec 2011 08:30:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einzelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Auschwitz]]></category>
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		<category><![CDATA[Erinnerung]]></category>
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		<category><![CDATA[Fernsehen]]></category>
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		<category><![CDATA[Majdanek]]></category>

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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Elke Grittmann</em>

<img class="alignnone size-full wp-image-6772" title="Horn" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/09/Horn.jpg" alt="" width="162" height="228" />Am 12. Mai 2011 wurde der ehemalige KZ-Wachmann John Demjanjuk vom Münchner Landgericht II zu fünf Jahren Haft wegen Beihilfe zum Mord an 28.060 Juden im Vernichtungslager Sobibor verurteilt. Rund 70 Jahre nach dem Holocaust hat auch dieser NS-Prozess noch einmal eine breite mediale Aufmerksamkeit gefunden. Die Aufarbeitung der NS-Verbrechen durch die Justiz stellt nicht nur eine wichtige Quelle für die Geschichtswissenschaft dar, gerade durch die Thematisierung der Prozesse in Beiträgen und Sendungen haben die Medien immer wieder Öffentlichkeit hergestellt und damit das Bild über die NS-Vergangenheit mit geprägt (vgl. Osterloh/Vollnhals 2011). Mit der vergleichenden Untersuchung der Berichterstattung über den Auschwitz-Prozess 1963-1965 (Frankfurt a. M.) und den Majdanek-Prozess 1975-81 (Düsseldorf) im westdeutschen Fernsehen bietet die Historikerin Sabine Horn einen weiteren Einblick in die Wahrmehmung und Ausdeutung der großen Komplexverfahren in den Medien. Horn geht der Frage nach, welche dominante Lesart das Fernsehen von den Prozessen angeboten und wie sich diese Darstellung gewandelt hat. Ihr Interesse gilt dabei insbesondere der visuellen Ebene, den Erinnerungsbildern. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/6771">[Mehr]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Elke Grittmann</em></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-6772" title="Horn" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/09/Horn.jpg" alt="" width="162" height="228" />Am 12. Mai 2011 wurde der ehemalige KZ-Wachmann John Demjanjuk vom Münchner Landgericht II zu fünf Jahren Haft wegen Beihilfe zum Mord an 28.060 Juden im Vernichtungslager Sobibor verurteilt. Rund 70 Jahre nach dem Holocaust hat auch dieser NS-Prozess noch einmal eine breite mediale Aufmerksamkeit gefunden. Die Aufarbeitung der NS-Verbrechen durch die Justiz stellt nicht nur eine wichtige Quelle für die Geschichtswissenschaft dar, gerade durch die Thematisierung der Prozesse in Beiträgen und Sendungen haben die Medien immer wieder Öffentlichkeit hergestellt und damit das Bild über die NS-Vergangenheit mit geprägt (vgl. Osterloh/Vollnhals 2011). Mit der vergleichenden Untersuchung der Berichterstattung über den Auschwitz-Prozess 1963-1965 (Frankfurt a. M.) und den Majdanek-Prozess 1975-81 (Düsseldorf) im westdeutschen Fernsehen bietet die Historikerin Sabine Horn einen weiteren Einblick in die Wahrmehmung und Ausdeutung der großen Komplexverfahren in den Medien. Horn geht der Frage nach, welche dominante Lesart das Fernsehen von den Prozessen angeboten und wie sich diese Darstellung gewandelt hat. Ihr Interesse gilt dabei insbesondere der visuellen Ebene, den Erinnerungsbildern.</p>
<p>Die Autorin hat eine in mehrfacher Hinsicht erkenntnisreiche Arbeit vorgelegt. Das liegt nicht nur daran, dass hier Fernsehbeiträge untersucht wurden, die aufgrund der schwierigen Materialbeschaffung seltener Gegenstand der Forschung sind als die Presseberichterstattung. In der kommunikationswissen­schaftlichen Forschung hat die mediale Verarbeitung dieser Prozesse relativ wenig Beachtung gefunden (vgl. z. B. Wilke/Schenk/Cohen/Zemach 1995). Auch in der Medien- und Geschichtswissenschaft galt das Hauptinteresse in den letzten Jahren eindeutig Inhalten, Ästhetik und Narrativen der aktuellen populären Genres des Geschichtsfernsehens und insbesondere der eventorientierten Dokudramen (vgl. z. B. Ebbrecht 2007; Fischer/Wirtz 2008; Keilbach 2008).</p>
<p>Horns Arbeit beginnt mit der schlüssigen, kritischen Zusammenführung der aktuellen Theorien. Sie entwickelt aus dem sehr komplexen kulturwissenschaftlichen Theoriegebäude zu kollektivem Gedächtnis und Erinnerungskultur stringent einen überaus überzeugenden Ansatz, um die Rolle des Mediums Fernsehens für das kollektive, kulturelle und kommunikative Gedächtnis zu bestimmen. Darüber hinaus knüpft Horn an die Cultural Studies an, um medial vermitteltes &#8220;soziales Wissen&#8221; in den gesellschaftlichen Kreislauf der Bedeutungskonstruktion einzuordnen. Doch geht es Horn nicht allein um Wissen, sondern auch um die gestalterische und narrative Ebene. Ihr Ansatz überzeugt auch deshalb, weil die Autorin theoretische Positionen stets kritisch hinterfragt, um daraus erst offene Forschungsfragen zu generieren. Das trifft Assmanns Erinnerungskulturmodell (21f.) ebenso wie die Frage, ob die Medien nur einfach darstellen oder selbst aktiv prägen (28f.). Der kritische Überblick über Forschungsstand, die Prozesse und ihren historischen Rahmen schließen die theoretischen Kapitel ab.</p>
<p>Im Mittelpunkt der Analyse stehen die aufgrund der schwierigen Materialbeschaffung letztlich verfügbaren eigenständigen Filme und Nachrichtenbeiträge, die von <a href="http://www.ard.de/" target="_blank">ARD</a>, <a href="http://www.zdf.de/" target="_blank">ZDF</a> und den dritten Programmen <a href="http://www.ndr.de/home/index.html" target="_blank">NDR</a>, <a href="http://www1.wdr.de/themen/" target="_blank">WDR</a> und <a href="http://www.hr-online.de/website/index.jsp" target="_blank">HR</a> über die Prozesse gesendet wurden. Der Quellenkorpus besteht aus 28 Dokumentationen, Features, Magazin- und &#8220;Regionalbeiträgen&#8221; sowie 60 Nachrichtenbeiträgen des ZDF (73). An dieser Stelle hätte man sich eine Vorstellung der Filme und der verfügbaren Produktionsdaten gewünscht; einzelne und daher ungeordnete Informationen sind nur vertreut in der qualitativen Analyse nachlesbar. Die Dauer der Beiträge nach Genres lassen sich immerhin im Anhang finden (255ff). Es überrascht dann doch, dass über den Auschwitzprozess in ARD, ZDF und den Regionalprogrammen in knapp zwei Jahren gerade einmal annähernd drei Stunden berichtet wurde (ohne Nachrichtenbeiträge) und wohl nur ein einziger Film (<em>Die letzte Station – Auschwitz</em>, rund 23 min, ZDF 11.1.1964) bundesweit gesendet wurde.</p>
<p>Methodisch hat Horn eine Kombination von qualitativen und quantitativen Verfahren gewählt. Aus der explorativen Sichtung des Materials entwickelt Horn fünf Hauptuntersuchungs-&#8221;Kategorien&#8221;: Täter, Opfer, Prozesse, Geschichte und Reflexion, die im Weiteren quantitativ und qualitativ untersucht werden. Die Wahl einer quantitativen Inhaltsanalyse ist nicht nur ungewöhnlich, auch die Darstellung ist etwas unorthodox gelöst (105ff.). Anhand der Auswertung, welche Personengruppen und Ereignisse welche Aufmerksamkeit erhielten, zeigt sich ein deutlicher Wandel von einer stärkeren Täterpräsenz in den frühen Filmen zu einer stärkeren Beachtung der Opfer in den 1970er Jahren, wurde über die Geschichte zunächst noch aufgeklärt, so stand später der Umgang und die Aufarbeitung selbst zur Diskussion (121).</p>
<p>Die folgende qualitative Analyse der Filme eröffnet dann einen detaillierten Blick in die Darstellungsstrategien, den Wandel der Inhalte, der Ikonografie und des Umgangs mit der Vergangenheit. In den Visualisierungsstrategien werden die vorgegebenen Lesarten, die Sujektivierung der Opfer (181) oder Anthropologisierung der Täter (154ff.) besonders deutlich. Dabei knüpft auch die Fernsehberichterstattung an eine bereits etablierte Bildikonographie des Holocaust an. Zwar geht Horn nicht explizit auf die Produktionsbedingungen der Beiträge ein, anhand des Vergleichs der verschiedenen filmischen Ebenen zeigt sich jedoch ein deutlich kritischerer Umgang in den 1970er Jahren, den die Autorin mit der Entwicklung des investigativen Journalismus erklärt (171). Stellten die Berichterstattung und Dokumentationen im Auschwitz-Prozess visuell und sprachlich noch &#8220;Imitationen&#8221; juridischer Argumentation nach, z. B. durch das &#8220;forensische Erzählen&#8221; (151), so lösen sich die Medien im Majdanek-Prozess davon, um eigene (visuelle) Narrative zu entwickeln (169f.).</p>
<p>Dass die mediale Aufmerksamkeitslogik weniger von historischem Bewusstsein als vielmehr von Selbstreferenzialität geprägt war, zeigt auch Horns genaue zeitliche Rekonstruktion der Thematisierung des Prozesses: Nachdem in den <a href="http://www.heute.de/" target="_blank">heute</a>-Nachrichten lediglich im November 1975 über die Eröffnung des Majdanek-Prozesses berichtet worden war, griffen sie das Thema erst über drei Jahre später wieder auf, und zwar genau zwei Tage nach Ausstrahlung des ersten Teils der fiktionalen Serie <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Holocaust_%E2%80%93_Die_Geschichte_der_Familie_Weiss" target="_blank">Holocaust</a>.</p>
<p>Der diskursiven Darstellung der Autorin entlang der gewählten Kategorien ist manchmal schwer zu folgen. Aber gerade die Vielschichtigkeit der Untersuchungsperspektiven und Kontextualisierung der genauen Analyse zeichnen diese Studie aus. Sie ist für alle lesenswert, die sich mit Erinnerungskultur und Geschichte in den Medien beschäftigen</p>
<p><em>Literatur:</em></p>
<ul>
<li>Fischer, T.; R. Wirtz (Hrsg.): Alles authentisch? Popularisierung der Geschichte im Fernsehen. Konstanz [UVK] 2008.</li>
<li>Keilbach, J.: Geschichtsbilder und Zeitzeugen. Zur Darstellung des Nationalsozialismus im Bundesdeutschen Fernsehen. Münster [LIT Verlag] 2008.</li>
<li>Osterloh, J.;C. Vollnhas (Hrsg.): NS-Prozesse und deutsche Öffentlichkeit. Besatzungszeit, frühe Bundesrepublik und DDR. (Schriftenreihe des Hannah-Arendt-Instituts, Bd. 45). Göttingen [Vandenhoek &amp; Ruprecht] 2011.</li>
<li>Wilke, J.; B. Schenk; A. A. Cohen; T. Zemach: Holocaust und NS-Prozesse. Die Berichterstattung in Israel und Deutschland zwischen Aneignung und Abwehr. Köln u.a. [Böhlau] 1995.</li>
<li>Ebbrecht, T. (2007): History, Public Memory and Media Event. In: Media History,13, 2, S. 221-234.</li>
</ul>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://web.klartext-verlag.de/bookdetail.aspx?ISBN=978-3-8375-0077-6" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.sabinehorn.de/" target="_blank">Webpräsenz von Sabine Horn an der Universität Göttingen</a></li>
<li><a href="http://egora.uni-muenster.de/ifk/personen/elke_grittmann.shtml" target="_blank">Webpräsenz von Elke Grittmann an der Universität Münster</a></li>
</ul>
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		</item>
		<item>
		<title>Paddy Scannell: Medien und Kommunikation</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/7120</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/7120#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 03 Dec 2011 10:30:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einzelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Großbritannien]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikationswissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Medienkultur]]></category>
		<category><![CDATA[Medienwissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.rkm-journal.de/?p=7120</guid>
		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Hans-Dieter Kübler</em>

<img class="alignnone size-full wp-image-7124" title="Scannell" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/10/Scannell1.jpg" alt="" width="160" height="227" />An deutschsprachigen Einführungen in die Kommunikations- und Medienwissenschaft (wie immer man diese Disziplinen unterscheidet) besteht hier zu Lande kein Mangel, auch die Titelelemente "Medien" und "Kommunikation" sind entgegen der Behauptung von Scannell schon vielfach verwendet, etwa besonders publik vom Funkkolleg <em>Medien und Kommunikation</em>. Da bestätigt sich erneut die oft schon beklagte ungenügende Vernetzung der europäischen Sozialwissenschaften. Meist behandeln diese Einführung systematisch Themen, Untersuchungsfelder und Forschungsbefunde von Kommunikation und Medien oder sie verfolgen chronologisch die einschlägige Fachgeschichte(n) nationaler, weniger internationaler Bandbreite. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/7120">[Mehr]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Hans-Dieter Kübler</em></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-7124" title="Scannell" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/10/Scannell1.jpg" alt="" width="160" height="227" />An deutschsprachigen Einführungen in die Kommunikations- und Medien- wissenschaft (wie immer man diese Disziplinen unterscheidet) besteht hier zu Lande kein Mangel, auch die Titelelemente &#8220;Medien&#8221; und &#8220;Kommunikation&#8221; sind entgegen der Behauptung von Scannell (332) schon vielfach verwendet, etwa besonders publik vom Funkkolleg <em>Medien und Kommunikation</em> (1990ff). Da bestätigt sich erneut die oft schon beklagte ungenügende Vernetzung der europäischen Sozialwissenschaften. Meist behandeln diese Einführung systematisch Themen, Untersuchungsfelder und Forschungsbefunde von Kommunikation und Medien oder sie verfolgen chronologisch die einschlägige Fachgeschichte(n) nationaler, weniger internationaler Bandbreite.</p>
<p>Was diese &#8220;Einführung&#8221; für Studierende (7) des &#8220;führenden englischen Kommunikations- und Medienwissenschaftlers&#8221; (so der Klappentext), der seit 2006 an der University of Michigan &#8220;Communication Studies&#8221; lehrt, von ihnen unterscheidet, ist die allgemein-, mindestens kulturgeschichtliche Verankerung der Darstellung, die biografische Kontextuierung zentraler Werke, die weit über die übliche Kommunikations- und Medienwissenschaft hinausreichen, sowie die Fokussierung auf bedeutende Forscherpersönlichkeiten vor allem in den USA, Großbritannien und zuletzt Deutschland vornehmlich der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.</p>
<p>Die Herausgeber von der Universität Bremen loben diese Vorgehen als seltene &#8220;Narration&#8221;, mithin eine &#8220;Erzählung von der Geschichte der Kommunikations- und Medienwissenschaft&#8221; (7), und in der Tat, erfährt man vieles, Persönliches wie Fachgeschichtliches, wie es sonst nicht aufgedeckt wird. Da spart der Autor auch nicht an persönlichen Wertungen und Positionen. Seine allgemeingeschichtlichen Einlassungen, aber auch die über manche Disziplinen, etwa über die Literaturwissenschaft und ihre Entstehung, lassen sich aus deutscher Sicht nicht teilen. Was diese Einführung mithin nicht leistet, ist ein systematischer, möglichst umfassender Überblick zum Untersuchungsfeld &#8216;Medien und Kommunikation&#8217; und sie ist auch keine möglichst erschöpfende Darstellung der Forschung (wie Scannell am Ende mehrfach einräumt), vielmehr ist es eine recht subjektive, positiv formuliert: eine paradigmatische Auswahl.</p>
<p>Geleitet wird sie, wie Scannell auch am Ende noch resümiert, von seiner Einschätzung der westlichen Nachkriegsgeschichte, die er in zwei große Phasen oder Paradigmen gliedert: die des Sozialen in den 1930er Jahren mit Urbanisierung, Proletarisierung, Verelendung und Massenarbeitslosigkeit, die zur Entdeckung von Gesellschaft und Masse führte, die Soziologie und – mit der Verbreitung des Hörfunks – die &#8220;Soziologie der Massenkommunikation&#8221; aufbrachte. Sie fragte nach dem &#8220;direkten und starken Einfluss [des Radios] auf die scheinbar machtlosen Massen&#8221;, der &#8220;Mass Persuasion&#8221; (309), wie sie exemplarisch bei der Panik anlässlich der Radioshow &#8220;The Invasion from Mars&#8221; (1939) zum Ausdruck kam: Lazarsfeld, Merton, das Frankfurter Institut im amerikanischen Exil, Brecht, Benjamin, Riesman und Katz werden als theoretische und empirisch forschende Protagonisten des &#8220;Massenzeitalters&#8221; angeführt und ihre zentralen Werke vorgestellt.</p>
<p>Mit dem wachsenden Wohlstand und mit der Befriedung der sozialen Konflikte in der Nachkriegszeit rücken das Kulturelle, die Kommunikation, der Alltag und – mit dem Aufkommen des Fernsehens – die Medien in den analytischen Fokus der Wissenschaften. In Großbritannien sind es Leavis, Hoggart und Williams, die ersten Vertreter der später so genannten cultural studies, in Kanada Innis und McLuhan mit ihren großen Entwürfen der Mediengeschichte sowie in Großbritannien Goffman und Garfinkel mit Konzepten interaktiver, ethnomethologischer Soziologie, die Scannell auswählt. Schließlich folgt in den 1960er und 1970er Jahren als letztes Paradigma, gewissermaßen als theoretische Synthese, das Label &#8216;Kommunikation&#8217;: die Sprechakttheorie und Konversationsanalyse in Großbritannien von Austin, Grice, Sacks und Levinson, das Decoding/Encoding-Modell von Hall und in Deutschland Habermas&#8217; Öffentlichkeitsstudie sowie seine Theorie des kommunikativen Handelns. Und damit endet die Einführung recht abrupt.</p>
<p>Wer in jenen Tagen studiert hat, trifft mithin erneut auf die damals diskutierten und als paradigmatisch angesehenen Werke; für heutige Studierende mögen sie als retrospektiver Background sicherlich von Interesse sein, aber viele neuen Entwicklungen können sie nicht erfassen und erklären – zumal &#8216;Medien&#8217; , bis auf wenigen Fallstudien zu &#8216;Radio Talks&#8217;, meist nicht im Fokus stehen. Für detailliertere Radio-Forschungen vertröstet Scannell auf zwei weitere Bände dieser als Trilogie geplanten deutschen Ausgabe; den ersten Band versteht er gewissermaßen als theoretische Grundlegung.</p>
<p>Ohne Frage: aus dem Fundus einer langen, vielfältigen, einschlägigen Lehrtätigkeit hat Scannell ein glänzendes, facettenreiches, (biografisch) anschauliches und zugleich pointiertes Porträt (englische Ausgabe: 2007) der Sozial- und Kulturwissenschaften der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vor allem in Großbritannien und den USA vorgelegt, das sicherlich einige theoretische Fundamente einzieht und Traditionen aufzeigt. Es liest sich auch angenehm. Aber eine aktuelle Einführung in die Kommunikations- und Medienwissenschaft ist es nicht.</p>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.vs-verlag.de/Buch/978-3-531-16594-3/Medien-und-Kommunikation.html" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.lsa.umich.edu/comm/facultystaff/faculty/ci.scannellpaddy_ci.detail" target="_blank">Wepräsenz von Paddy Scannell an der University of Michigan</a></li>
<li><a href="http://www.bui.haw-hamburg.de/kuebler.html" target="_blank">Webpräsenz von Hans-Dieter Kübler an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg</a></li>
</ul>
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		<item>
		<title>Klaus Arnold; Christoph Classen; Susanne Kinnebrock; Edgar Lersch; Hans-Ulrich Wagner (Hrsg.): Von der Politisierung der Medien zur Medialisierung des Politischen?</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/6447</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/6447#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 07 Oct 2011 08:50:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einzelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Medialisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Politisierung]]></category>

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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Philip Baugut</em>

<img class="alignnone size-full wp-image-6450" title="Arnold et al." src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/08/Arnold-et-al..jpg" alt="" width="160" height="230" />Der vorliegende Sammelband erscheint in mehrerer Hinsicht breit angelegt: Auf fast 500 Seiten wird das vielschichtige und im 20. Jahrhundert überaus wechselvolle "Verhältnis von Medien, Öffentlichkeiten und Politik" untersucht. Am Beginn steht eine theoretische und begriffliche Auseinandersetzung mit der "Medialisierung der Politik" (Teil 1). Es folgen Fallstudien zum Verhältnis von Medien und Politik, wobei beide Hälften des 20. Jahrhunderts beleuchtet werden (Teile 2 und 3). Am Ende findet sich eine Analyse historischer Diskurse zur Medialisierung der Politik (Teil 4). Das ambitionierte Werk ist das Ergebnis einer 2007 veranstalteten Tagung, die (mit der <a href="http://www.ard.de/" target="_blank">ARD</a> und dem konservativen <a href="http://www.seeheimer-kreis.de/" target="_blank">Seeheimer Kreis</a> der SPD) auch Vertreter jener beiden Seiten unterstützten, deren Verhältnis betrachtet wird. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/6447">[Mehr]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Philip Baugut</em></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-6450" title="Arnold et al." src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/08/Arnold-et-al..jpg" alt="" width="160" height="230" />Der vorliegende Sammelband erscheint in mehrerer Hinsicht breit angelegt: Auf fast 500 Seiten wird das vielschichtige und im 20. Jahrhundert überaus wechselvolle &#8220;Verhältnis von Medien, Öffentlichkeiten und Politik&#8221; untersucht. Am Beginn steht eine theoretische und begriffliche Auseinandersetzung mit der &#8220;Medialisierung der Politik&#8221; (Teil 1). Es folgen Fallstudien zum Verhältnis von Medien und Politik, wobei beide Hälften des 20. Jahrhunderts beleuchtet werden (Teile 2 und 3). Am Ende findet sich eine Analyse historischer Diskurse zur Medialisierung der Politik (Teil 4). Das ambitionierte Werk ist das Ergebnis einer 2007 veranstalteten Tagung, die (mit der <a href="http://www.ard.de/" target="_blank">ARD</a> und dem konservativen <a href="http://www.seeheimer-kreis.de/" target="_blank">Seeheimer Kreis</a> der SPD) auch Vertreter jener beiden Seiten unterstützten, deren Verhältnis betrachtet wird.</p>
<p>Dieses Verhältnis ist unter dem Eindruck veränderter Rahmenbedingungen punktuell intensiv untersucht worden. Dabei wurden aus der Perspektive des Übermacht-Paradigmas häufig ebenso pointierte wie streitbare Zeitdiagnosen gestellt. Das gilt etwa für die Instrumentalisierungsthese (Schatz 1982) ebenso wie für die Beobachtung einer &#8220;Kolonisierung der Politik durch die Medien&#8221; (Meyer 2001). Die Diskussion über derartige gegenwartsbezogene Thesen verspricht durch eine breitere zeithistorische Perspektive differenzierter und damit bereichert zu werden – &#8220;manch normatives Urteil und manche Prognose erscheinen vor diesem Hintergrund relativiert oder gar generell zweifelhaft&#8221; (14), so die Herausgeber <a href="http://www.zzf-pdm.de/site/428/default.aspx" target="_blank">Christoph Classen</a> und <a href="http://www.ku-eichstaett.de/slf/jour/mitarbeiter/lehrstuhl2/arnold/" target="_blank">Klaus Arnold</a> einleitend in einer Mischung aus Anspruch und Resümee.</p>
<p>Auch im Titel dieses Bandes schwingt die Frage von Über- und Unterordnung in den politisch-medialen Beziehungen mit  – dahinter haben die Herausgeber jedoch zu Recht ein vieldeutiges Fragezeichen gesetzt: <em>Von der Politisierung der Medien zur Medialisierung des Politischen?</em> Zwar hat sich die wissenschaftliche Perspektive tatsächlich in diese Richtung verändert, empirisch halten es die Herausgeber jedoch für &#8220;kaum zielführend, die Medialisierung der Politik ausschließlich als Entwicklung der jüngsten Zeit zu interpretieren, ebenso wenig, wie sie gegen die ältere Perspektive einer Politisierung der Medien auszuspielen&#8221; (17). Daraus resultiert ein Verständnis von Medialisierung, das die Interdependenz von Gesellschafts- und Medienwandel betont.</p>
<p>Marcinkowski und Steiner thematisieren im theoretischen Teil denn auch einen wunden Punkt, wenn sie mit dem Begriff der &#8220;Medienkausalität&#8221; Vorstellungen kritisieren, die Ursachen von Veränderungen allein auf Medienseite verorten. Damit unterstreichen sie implizit den Wert historischer Fallstudien, erscheinen diese doch dazu prädestiniert, die Vielfalt und das Zusammenwirken politischer, medialer und gesellschaftlicher Ursachen deutlich zu machen. Die Feststellung derartiger Interdependenzen erfordert jedoch nicht unbedingt einen systemtheoretischen Zugang, der den theoretischen Teil des Bandes dominiert. Außerdem stellt sich mit Blick auf den ersten Teil die Frage, ob über die Debatte um das Verständnis von einer &#8220;Medialisierung des Politischen&#8221; hinaus nicht auch geklärt werden sollte, was unter &#8220;Politisierung der Medien&#8221; zu verstehen ist.</p>
<p>Den theoretischen Überlegungen folgen Fallbeispiele und Analysen, die mitunter recht heterogen erscheinen, was dem breiten thematischen und zeitlichen Dach geschuldet ist. Die Beiträge, die sich auf die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts beziehen, machen deutlich, wie verschränkt die Prozesse der Politisierung der Medien und der Medialisierung des Politischen sein können. Dies illustrieren insbesondere Wilke (&#8220;Medialisierung der Politik? Reichskanzler von Bülow als Vorläufer&#8221;) und Marszolek (&#8220;&#8216;Nur keine Öde&#8217;. Radio im Nationalsozialismus&#8221;): Der Reichskanzler nutzte zwar sämtliche Instrumente zur Steuerung der Presse, stürzte aber beinahe über die sogenannte <a href="http://wilhelmderzweite.de/kaiser/kritik_dailytelegraph.php" target="_blank">Daily Telegraph-Affäre</a> – &#8220;ein frühes, exorbitantes Exempel&#8221; (109) für die Medialisierung des Politischen. Auch im nationalsozialistischen Deutschland waren den Machthabern bei der Politisierung der Medien Grenzen gesetzt, menschliche Unterhaltungsbedürfnisse ließen sich gerade bei der Gestaltung des Hörfunkprogramms kaum ignorieren.</p>
<p>Im Teil zur zweiten Jahrhunderthälfte stößt Meyen in ein ähnliches Horn. Die Nutzung politischer Medienangebote in den 1950er Jahren zeige, dass sich lediglich die Möglichkeiten zur Befriedigung der (stark ausgeprägten Unterhaltungs-)Bedürfnisse, nicht aber diese selbst verändert hätten. Meyens Beitrag erscheint als Auftakt für weitere Analysen, die kulturkritische Töne (wie sie auch in diesem Band teilweise angeschlagen werden) in Frage stellen und für deren Vertreter schrill klingen mögen. So liefern Kinnebrock und Bilandzic mit Blick auf die Jahre 1965 und 2005 den womöglich überraschenden Befund, dass die Bild-Zeitung einen &#8220;Entboulevardisierungsprozess&#8221; (359) durchlief. Zudem verweisen sie auf die Vielschichtigkeit des Boulevardisierungsprozesses, die es verbiete, &#8220;ihn pauschal als dunkle Seite des Medialisierungsprozesses abzutun&#8221; (360). Solche Mosaiksteine korrigieren ein Bild von Medialisierung, das Kulturkritiker oftmals ohne empirische Fundierung prägen konnten, weil die Kommunikationswissenschaft psychologische Medienwirkungen fokussierte und dabei Medieneinflüsse auf Makrophänomene vernachlässigte (vgl. Kepplinger 2008). Vor dem Hintergrund von Befunden, welche die negative Konnotation von Medialisierung in Frage stellen, ist der Beitrag von Scheu und Wendelin im letzten Teil des Bands bemerkenswert. Darin dokumentieren sie, wie Vertreter einer kritischen Perspektive mit der Zeit ein weniger dunkles Bild von der Medialisierung zeichneten &#8211; obwohl die Zunahme von Medialisierung im historischen Verlauf Wasser auf die alten kulturkritischen Mühlen hätte sein können.</p>
<p>Belege für die häufig pauschal unterstellte Zunahme von Medialisierung erfordern allerdings Längsschnittstudien, an denen es noch immer mangelt – die methodischen Möglichkeiten retrospektiver Analysen sind natürlich beschränkt. Doch auch die Zusammenschau verschiedener Querschnittstudien kann Erkenntnisse über die Entwicklung der Medialisierung liefern.</p>
<p>Insgesamt wird die aktuelle Diskussion um das Verhältnis von Politik und Medien in mehrerer Hinsicht bereichert. So verdeutlicht die Verschränkung der beiden im Titel angeführten Prozesse, warum bei der Beschreibung des Verhältnisses inzwischen weniger die Fragen nach Über- und Unterordnung, sondern vielmehr Vorstellungen von Interdependenz bzw. Interpenetration dominieren (sollten). Darüber hinaus können die Fallbeispiele einen Beitrag zur bislang noch ausstehenden theoretischen Rekonstruktion jener interdependenten Prozesse leisten, die letztlich zur Medialisierung führen. Es bleibt zu hoffen, dass die künftige Medialisierungsforschung auch jene Beiträge beachtet, die auf das Label &#8220;Medialisierung der Politik&#8221; zwar verzichten, den Forschungsstand dazu aber dennoch bereichern. Hervorzuheben ist schließlich, dass es an einigen Stellen gelingt, die Überprägnanz mancher gegenwartsbezogener, kulturkritischer These zu entlarven. Das könnten sich die Praktiker von der Tagung erhofft haben.</p>
<p><em>Literatur:</em></p>
<ul>
<li>Kepplinger, H. M.: &#8220;Was unterscheidet die Mediatisierungsforschung von der Medienwirkungsforschung?&#8221; In: <em>Publizistik</em>,3, 2008, S. 326-338.</li>
<li>Meyer, T.: <em>Mediokratie. Die Kolonisierung der Politik durch die Medien</em>. Frankfurt am Main 2001.</li>
<li>Schatz, H.: Interessen und Machtstrukturen im Interaktionsfeld von Massenmedien und Politik. In: Schatz, H.; Lange, K. (Hrsg.): <em>Massenkommunikation und Politik: Aktuelle Probleme und Entwicklungen im Massenkommunikationssystem der Bundesrepublik Deutschland.</em> Frankfurt am Main 1982, S. 6-20.</li>
</ul>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.univerlag-leipzig.de/article.html;article_id,1137" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.mcg.uni-muenchen.de/personen/wimis/baugut/index.html" target="_blank">Webpräsenz von Philip Baugut an der Ludwig-Maximilians-Universität München</a><a href="http://www.univerlag-leipzig.de/article.html;article_id,1137" target="_blank"><em><br />
</em></a></li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Francisco Javier Montiel Alafont: Werbegeschichte als Kulturgeschichte</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/6713</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/6713#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 01 Oct 2011 09:00:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einzelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kulturgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Spanien]]></category>
		<category><![CDATA[Werbegeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Werbung]]></category>

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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Friedrich Edelmayer </em>

<img class="alignnone size-full wp-image-6714" title="Alafont" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/09/Alafont.jpg" alt="" width="160" height="225" />Francisco Javier Montiel Alafont hat das hier zu besprechende  Buch 2007 im Fachgebiet Interkulturelle Wirtschaftskommunikation der  Universität Jena als Dissertation eingereicht. Es stellt die erste  umfassende Untersuchung zum bezeichneten Thema in deutscher Sprache dar,  weshalb das Buch zweifellos Beachtung verdient. In seinem ersten  Hauptkapitel gibt der Autor einen allgemeinen Überblick über die  spanische Forschung zu den Themenkreisen "Werbung" und "Kultur", um sich  dann in seinem zweiten Hauptkapitel den theoretischen Grundlagen und  Analysemodellen einer Werbegeschichte als Kulturgeschichte zu widmen. In  seinem dritten Hauptkapitel, das den weitaus umfangreichsten Teil der  Arbeit ausmacht, dem empirischen Teil der Untersuchung, geht er dann  ausführlich auf konkrete Beispiele ein. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/6713">[Mehr]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Friedrich Edelmayer </em></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-6714" title="Alafont" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/09/Alafont.jpg" alt="" width="160" height="225" />Francisco Javier Montiel Alafont hat das hier zu besprechende  Buch 2007 im Fachgebiet Interkulturelle Wirtschaftskommunikation der  Universität Jena als Dissertation eingereicht. Es stellt die erste  umfassende Untersuchung zum bezeichneten Thema in deutscher Sprache dar,  weshalb das Buch zweifellos Beachtung verdient. In seinem ersten  Hauptkapitel gibt der Autor einen allgemeinen Überblick über die  spanische Forschung zu den Themenkreisen &#8220;Werbung&#8221; und &#8220;Kultur&#8221;, um sich  dann in seinem zweiten Hauptkapitel den theoretischen Grundlagen und  Analysemodellen einer Werbegeschichte als Kulturgeschichte zu widmen. In  seinem dritten Hauptkapitel, das den weitaus umfangreichsten Teil der  Arbeit ausmacht, dem empirischen Teil der Untersuchung, geht er dann  ausführlich auf konkrete Beispiele ein.</p>
<p>Er teilt den erforschten  Zeitraum in vier Abschnitte, die erste Zeit nach dem Bürgerkrieg bis  1949, in der sich Spanien nur mühsam von den Folgen der kriegerischen  Auseinandersetzungen erholte und unter der Diktatur, der politischen  Repression, der internationalen Isolation und dem Hunger litt; dann die  Dekade bis 1959, in der sich die Diktatur intern stabilisierte und wegen  des Kalten Krieges vom demokratischen Westen umworben wurde; danach die  15 Jahre bis 1975, in denen sich Spanien langsam hin zu einer modernen,  industrialisierten Konsumgesellschaft entwickelte, während gleichzeitig  die niedergehende Diktatur die Entstehung einer Zivilgesellschaft nicht  verhindern konnte; und schließlich die ersten 15 Jahre des  demokratischen Spanien, in denen der Staat 1986 auch in die Europäische  Union aufgenommen wurde.</p>
<p>Obwohl dieser Abschnitt in der  Kapitelnummerierung etwas unübersichtlich ist – Kapitelangaben im Stil  von 4.2.2.1.4 sind keine Seltenheit – verbergen sich hier doch die  Ergebnisse extremer wissenschaftlicher Knochenarbeit, die sehr  lesenswert sind. Immer wieder geht der Autor auf die jeweiligen  Hauptthemen der Werbung ein und versucht meistens sehr gekonnt, diese  mit der (Kultur-)Geschichte zu kontextualisieren. Das Buch ist mit mehr  als 180 Abbildungen von Werbeplakaten und -inseraten auch sehr gut  illustriert. Trotzdem kann man es mit Gewinn nur dann lesen, wenn man  auch gut Spanisch versteht. Denn der Autor verwendet in seinem Text zu  viele Direktzitate in dieser Sprache, die seine Argumente erhärten oder  konkretisieren und illustrieren sollen, doch viele Leser werden dem  nicht folgen können.</p>
<p>Auch die Graphiken selbst sprechen nur die  Leserinnen und Leser mit Sprachkenntnissen an. Der Witz und Zynismus, die  Kritiken und Anspielungen, die dort vorkommen, werden im Text nicht so  ausführlich erläutert, dass alle Interessierten das vollständig  verstehen können. Das ist insofern schade, als der Autor damit auf jene  Anerkennung verzichten muss, die ihm aufgrund all seiner Anstrengungen  eigentlich zustehen würde. Klarerweise wollte er sein Thema einer  deutschsprachigen Leserschaft näherbringen, doch wäre es besser gewesen,  das Buch gleich in spanischer Sprache zu verfassen. Dann gäbe es  wenigstens einen klaren Konsumentenkreis.</p>
<p>Was Montiel Alafont in seinem  Buch auch zeigen will, nämlich wie einzelne Firmen durch Werbung ihre  Produkte vermarkten und an den Mann/die Frau bringen wollten, das  gelingt ihm mit seinem eigenen Produkt leider zu wenig. Eine  hervorragende Arbeit wird unverdientermaßen in ganz wenigen  Bücherregalen vor sich hindämmern. ¡Qué lástima! – und das übersetze ich  jetzt absichtlich nicht.</p>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.univerlag-leipzig.de/article.html;article_id,1006" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.haw-hamburg.de/13094.html" target="_blank">Webpräsenz von Francisco Javier Montiel Alafont an der HAW Hamburg</a></li>
<li><a href="http://www.univie.ac.at/Geschichte/htdocs/site/arti.php/90262" target="_blank">Webpräsenz von Friedrich Edelmayer am Institut für Geschichte der Universität Wien</a></li>
</ul>
<p><img src="http://vg04.met.vgwort.de/na/f5b94593f08444b393915f06ddaae3e6" alt="" width="1" height="1" /></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Eckart Roloff: Göttliche Geistesblitze</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/6483</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/6483#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 02 Sep 2011 08:50:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
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		<category><![CDATA[Telekommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitlupe]]></category>

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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Wolfgang R. Langenbucher</em>

<img class="alignnone size-full wp-image-6486" title="WILEY-VCH WEINHEIM, GERMANY" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/08/Roloff.jpg" alt="" width="160" height="244" />Vor über vierzig Jahren tauchte der Name dieses Autors - damals noch <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Eckart_Roloff" target="_blank">Eckart <em>Klaus</em> Roloff</a> – erstmals in der kommunikations- wissenschaftlichen Fachliteratur auf: mit einer umfänglichen Dissertation sowie als Koautor verschiedener wissenschaftlicher  Studien aus dem Umkreis des so früh verstorbenen, ersten Ordinarius Günter Kieslich (1924-1971) des damals neu gegründeten Salzburger Publizistikinstitutes. Danach führte ihn seine Karriere noch für ein paar Jahre zu der Studiengruppe "Wissenschaft und Journalismus" am <a title="Zentrum für interdisziplinäre Forschung" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Zentrum_f%C3%BCr_interdisziplin%C3%A4re_Forschung">Zentrum für interdisziplinäre Forschung</a> (ZiF) der Universität Bielefeld, dann für mehr als zehn Jahre in die Praxis  des Bundespressamtes (ganz in die Nähe von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Walter_J._Sch%C3%BCtz" target="_blank">Walter J. Schütz</a>) und schließlich in den Journalismus – genauer von 1988 bis 2007 in die Leitung des <em>Ressorts Wissenschaft</em> beim (inzwischen als selbständiges Wochenblatt eingegangenen) <a href="http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2010-09/rheinischer-merkur-einstellung" target="_blank">Rheinischen Merkur</a>. Diese biographischen und fachhistorischen Vorbemerkungen sind geboten, um das hier anzuzeigende Buch einzuordnen: es ist das monographische Werk eines Wissenschaftsjournalisten,  der in einer für Aspekte der  Geschichte sensiblen Epoche Publizistikwissenschaft studiert hat und diesem Fach bis heute – ausgewiesen  durch eine zahlreiche Veröffentlichungen – eng verbunden blieb. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/6483">[Mehr]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Wolfgang R. Langenbucher</em></p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-6486" title="WILEY-VCH WEINHEIM, GERMANY" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/08/Roloff.jpg" alt="" width="160" height="244" />Vor über vierzig Jahren tauchte der Name dieses Autors &#8211; damals noch <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Eckart_Roloff" target="_blank">Eckart <em>Klaus</em> Roloff</a> – erstmals in der kommunikations- wissenschaftlichen Fachliteratur auf: mit einer umfänglichen Dissertation sowie als Koautor verschiedener wissenschaftlicher  Studien aus dem Umkreis des so früh verstorbenen, ersten Ordinarius Günter Kieslich (1924-1971) des damals neu gegründeten Salzburger Publizistikinstitutes. Danach führte ihn seine Karriere noch für ein paar Jahre zu der Studiengruppe &#8220;Wissenschaft und Journalismus&#8221; am <a title="Zentrum für interdisziplinäre Forschung" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Zentrum_f%C3%BCr_interdisziplin%C3%A4re_Forschung">Zentrum für interdisziplinäre Forschung</a> (ZiF) der Universität Bielefeld, dann für mehr als zehn Jahre in die Praxis  des Bundespressamtes (ganz in die Nähe von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Walter_J._Sch%C3%BCtz" target="_blank">Walter J. Schütz</a>) und schließlich in den Journalismus – genauer von 1988 bis 2007 in die Leitung des <em>Ressorts Wissenschaft</em> beim (inzwischen als selbständiges Wochenblatt eingegangenen) <a href="http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2010-09/rheinischer-merkur-einstellung" target="_blank">Rheinischen Merkur</a>. Diese biographischen und fachhistorischen Vorbemerkungen sind geboten, um das hier anzuzeigende Buch einzuordnen: es ist das monographische Werk eines Wissenschaftsjournalisten,  der in einer für Aspekte der  Geschichte sensiblen Epoche Publizistikwissenschaft studiert hat und diesem Fach bis heute – ausgewiesen  durch eine zahlreiche Veröffentlichungen – eng verbunden blieb.</p>
<p>Als Journalist entdeckte Roloff das Thema dieses Buches; ihm fiel auf, wie oft Kirchenleute in sein Ressort <em>Wissenschaft und Forschung</em> involviert waren. Als Kommunikationshistoriker erfreute ihn, auch einige für diesen Bereich einschlägige Figuren seiner Galerie einfügen zu können.  Einführend dokumentiert er aber zunächst, welch merkwürdige Varianten des schöpferischen Tuns die Geschichte des Neuen hat; des weiteren, wie heftig Wissenschaft und Kirche einerseits miteinander im Konflikt lagen,  aber andererseits viele Klöster &#8220;Keimzellen des Fortschritts&#8221; (21) waren und auch die Gründungsgeschichte der Universitäten eng mit Einflüssen der (katholischen) Kirche zusammenhängt.</p>
<p>In den für diese Rezension interessanten Passagen begegnet man als erstes einem Pionier der Waschmaschine, dem Regensburger <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Jacob_Christian_Sch%C3%A4ffer" target="_blank">Jacob Christian Schäffer</a> (1718-1790), der sich mit genialen Ideen  in die Kulturgeschichte des Papieres eingeschrieben hat – und damit auch in die bisher längsten Kapitel der Mediengeschichte. In jahrelangen Forschungen gelang  ihm der Nachweis, dass sich Papier auch aus Naturfasern herstellen lässt, um so der &#8220;allgemeine(n) Papiernoth&#8221; (177) abzuhelfen. Ganz direkt zur Pressehistorie hat <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Br%C3%A4ss" target="_blank">Hermann Bräß</a> (1738-1797) in der gleichen Epoche mit seiner <em>Zeitung für Städte, Flecken und Dörfer</em> beigetragen, den Roloff als den Erfinder des Leserbriefes porträtiert. Seine ergiebigste Quelle für dieses Kapitel ist die Eichstätter Journalistik-Dissertation von Andrea Mlitz (<a href="http://www.uvk.de/buch.asp?WKorbUID=78102911&amp;TITZIF=2124&amp;be=&amp;uBe=" target="_blank"><em>Dialogorientierter Journalismus</em></a>, Konstanz 2008).</p>
<p>Näher in die Gegenwart führt die revolutionäre Erfindung der optischen Telegrafie durch den französischen Abbé <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Claude_Chappe" target="_blank">Claude Chappe</a> (1763-1805), der damit eine frühe Phase der modernen Kommunikationsgeschichte begründet. Berichte über die von ihm konstruierten mechanischen Signalanlagen &#8211; die Fackelpost der Antike aufgreifend &#8211; finden sich gelegentlich in journalistischen Kuriositätenkabinetten; die ausführliche Darstellung macht  deutlich, welch eine geniale, folgenreiche Idee hier realisiert wurde. Bis zur Erfindung der Morsezeichen verging noch ein halbes Jahrhundert. Frühe, praktische Träumer einer schnellen Überwindung von Raum und Zeit  waren das – es bleibt angesichts der unendlichen Mühen dieser Anfänge schwindelerregend, heute minütlich zu erfahren, was daraus inzwischen geworden ist. Eine Station auf dem Wege dieser Entwicklungen der Telekommunikation verdankt die Welt dem brasilianischen Geistlichen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Roberto_Landell_de_Moura" target="_blank">Roberto Landell de Moura</a> (1861-1928), der um 1900 – zeitgleich mit <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Guglielmo_Marconi" target="_blank">Guglielmo Marconi</a> (1874-1937) &#8211; damit beginnt, drahtlose telegrafische und telefonische  Experimente durchzuführen; einige Jahre verbrachte er dafür in den USA und betrieb ein Labor in Manhattan. Erschütternd zu lesen, wie schwer diesem Pionier (wie auch anderen) die erfinderische Arbeit gemacht wurde, ohne die wir uns ein Leben heute nicht mehr vorstellen können. Oft fielen ihre Namen und Taten dem Vergessen anheim, zumindest außerhalb der technischen Fachwelt. Es ist nicht das geringste Verdient des wissenschaftsgeschichtlich interessierten Journalisten Roloff, solche Namen und Sachverhalte mit seinen gründlichen Recherchen über die Zirkel oft sektiererischer Funkamateure heraus wieder ins Gedächtnis der Gebildeten zu holen.</p>
<p>Besonders hoch ist der für dieses Buch ohnehin charakteristische  Überraschungsgehalt im letzten Porträt: dieses gilt dem Kinofan <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/August_Musger" target="_blank">August Musger</a> (1868-1929), einem Kaplan  aus Graz, dem Erfinder der Zeitlupe: Mit seinen Patenten  schreibt er ganze Kapitel der Filmgeschichte, denn damit kann man die Bilder, die eben erst das Laufen gelernt haben, nun bremsen. Dass dieser erfolgreiche Erfinder schon 1904 einen Text des Titels &#8220;Der elektrische Fernseher&#8221; niederschrieb, kann nur visionär genannt werden.</p>
<p>Dieses Buch hat neunzehn Kapitel; es schließt mit plausiblen kirchenkritischen Überlegungen zum &#8220;Umgang der Kirchen mit Innovationen unserer Zeit&#8221; (311) (illustriert mit Kondomen &#8220;unerwünschte Technik: für den Vatikan trotz Aids ein Tabu&#8221;, 317). Der Thematik des Rezensionsorgans <em>r:k:m</em> geschuldet, wurde hier nur der kleinere Teil des Inhaltes vorgestellt. Für den ganzen Band aber gilt: der Autor hat sich geradezu leidenschaftlich in seine Thematik vertieft und vermittelt seinen Enthusiasmus auch an die Leser; zu jeder Figur betätigt er sich auch in einem Anhang gewissermaßen als Reiseführer und lädt zur Spurensuche ein (Sekundärliteratur, Geburts-und Sterbehaus, Denkmal, Stadtrundgänge, Brauchtum, Straßen, Institute, Theaterstücke, Museen usw.). Passagenweise verführte  seine Begeisterung für das Thema und seine geistlichen Repräsentanten Roloff zu einem fast hagiographischen Duktus, aber auch dann sind seine Darstellungen gesättigt mit wissenschaftsgeschichtlichen und biographischen Fakten und Zusammenhängen, von denen man sich wünscht, dass sie zum selbstverständlichen Bildungsgut werden.</p>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.wiley-vch-macht-neugierig.de/buecher/05/buch/buch.php" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://homepage.univie.ac.at/wolfgang.langenbucher/" target="_blank">Homepage von Wolfgang R. Langenbucher</a></li>
</ul>
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		<title>Jürgen Wilke: Personen, Institutionen, Prozesse</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/5174</link>
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		<pubDate>Thu, 25 Aug 2011 09:45:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einzelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Empirische Sozialforschung]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikationswissenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Lazarsfeld]]></category>
		<category><![CDATA[Paul Felix Lazarsfeld]]></category>

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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Maria Löblich</em>

<a href="http://www.rkm-journal.de/archives/5174"><img class="alignleft size-full wp-image-5233" title="Wilke 2010" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/04/Wilke-2010.jpg" alt="" width="160" height="240" /></a>Jürgen Wilke hat in diesem Band zehn Arbeiten zur Fachgeschichte versammelt, die er in den 1990er und 2000er Jahren geschrieben hat und die an teilweise entlegenen Stellen erschienen sind oder noch gar nicht veröffentlicht wurden. Auch wenn er im Vorwort schreibt, dass er Fachgeschichte nie schwerpunktmäßig betrieben hat, kristallisiert sich durch die Bündelung der Beiträge doch deutlich sein Blick auf die Geschichte der Kommunikationswissenschaft heraus. Das Buch startet mit der Frage, wie dieser "Spätkömmling" unter den akademischen Disziplinen entstanden ist und wie er sich entwickelt hat. In der Zusammenschau geben die Beiträge zwei Antworten: durch Institutionalisierungsprozesse und (auf der ideengeschichtlichen Ebene) durch die US-amerikanische Mass Communication Research. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/5174">[Mehr]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Maria Löblich</em></p>
<p><a href="http://www.rkm-journal.de/archives/5174"><img class="alignleft size-full wp-image-5233" title="Wilke 2010" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/04/Wilke-2010.jpg" alt="" width="160" height="240" /></a>Jürgen Wilke hat in diesem Band zehn Arbeiten zur Fachgeschichte versammelt, die er in den 1990er und 2000er Jahren geschrieben hat und die an teilweise entlegenen Stellen erschienen sind oder noch gar nicht veröffentlicht wurden. Auch wenn er im Vorwort schreibt, dass er Fachgeschichte nie schwerpunktmäßig betrieben hat, kristallisiert sich durch die Bündelung der Beiträge doch deutlich sein Blick auf die Geschichte der Kommunikationswissenschaft heraus. Das Buch startet mit der Frage, wie dieser &#8220;Spätkömmling&#8221; unter den akademischen Disziplinen entstanden ist und wie er sich entwickelt hat. In der Zusammenschau geben die Beiträge zwei Antworten: durch Institutionalisierungsprozesse und (auf der ideengeschichtlichen Ebene) durch die US-amerikanische Mass Communication Research.</p>
<p>Der Titel des Bandes kündigt mit den Zugriffsebenen <em>Personen, Institutionen und Prozesse</em> eine Klammer an, die in den Beiträgen auch aufgeht. Auf der personalen Ebene verfolgt Wilke beispielsweise die zum Teil verschlungenen Wege des Wieners <a href="http://www.enotes.com/psychoanalysis-encyclopedia/kris-ernst" target="_blank">Ernst Kris</a> und des Berliners <a href="http://www.soziales.fh-dortmund.de/diederichs/arnheim.htm" target="_blank">Rudolf Arnheim</a>, die aufgrund des Nationalsozialismus auswandern mussten und eigentlich erst durch die Emigration (und auch nur vorübergehend) zu Kommunikationsforschern wurden. Die aus der Institutionalisierungsperspektive geschriebenen Beiträge arbeiten sich von der Entwicklung des Fachs in Deutschland über die komplizierte Gründung seiner Fachgesellschaft hin zum <a href="http://www.ifp.uni-mainz.de/index.php?article_id=314" target="_blank">Mainzer Institut für Publizistik</a>, dessen Geschichte Jürgen Wilke seit den Anfängen in den 1960er Jahren selbst als Student, Assistent und Professor erlebt hat.</p>
<p>Eigentlich hätte die Klammer aber um die ideengeschichtliche Ebene ergänzt werden müssen, findet sie sich doch in fast allen Beiträgen. Der ideengeschichtliche Zugriff kann dabei als Weiterspinnen des roten Fadens verstanden werden, der die Geschichtsschreibung der US-Massenkommunikationsforschung und der deutschen Kommunikationswissenschaft bis heute durchzieht, als Suche nach (weiteren) historischen Spuren für die Beschäftigung mit den klassischen Kernthemen Propaganda, Medienwirkungen, öffentliche Meinung, Nachrichten sowie für die Verwendung empirischer Methoden, und auch als Verlängerung einer Ahnenreihe, die bis zum Altertum zurückreicht (wie der Beitrag über die &#8220;Kommunikationswissenschaft und die Antike&#8221; verdeutlicht).</p>
<p>Wilke untersucht die durch den Völkerbund finanzierte Filmforschung in Italien im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts, die zu den Anfängen der empirischen Sozialforschung gehört, Parallelen zu den bekannten Payne-Fund-Studies aufweist und Rudolf Arnheim schließlich half, in <a href="http://agso.uni-graz.at/lexikon/klassiker/lazarsfeld/25bio.htm" target="_blank">Paul F. Lazarsfelds</a> Office of Radio Research unterzukommen. Er schreibt in diesem und weiteren Beiträgen die dominierende Erzählung der Fachgeschichte weiter, derzufolge die Vereinigten Staaten seit den 1930er Jahren &#8220;zum eigentlichen Laboratorium der modernen Kommunikationswissenschaft wurden&#8221; (43). Bereichert wird diese Erzählung mit neuen Einsichten: Etwa war <a href="http://www.britannica.com/EBchecked/topic/342965/Walter-Lippmann" target="_blank">Walter Lippmann</a> nicht nur Theoretiker der Öffentlichen Meinung, sondern hat Ideen der Nachrichtenwert- und Wirkungsforschung vorweggenommen, und Lazarsfeld war (Wissenschafts-)Geschichts-affin. Letzteres hätte man allerdings gern zusammen mit einer Einordnung gelesen, wie Lazarsfelds Interesse für die empirisch-sozialwissenschaftliche Forschungsgeschichte erklärt werden kann − vielleicht auch vor dem Hintergrund seiner eigenen wissenschaftlichen Arbeit.</p>
<p>Wer nach alternativen Interpretationen der Fachgeschichte sucht, vielleicht auch nach etwas weniger Linearität in der Fachentwicklung, wird das Buch weniger interessant finden. Lesern, die sich hingegen tiefer gehend mit der US-amerikanischen Kommunikationswissenschaft (und ihren europäischen Wurzeln) beschäftigen wollen und einen Überblick über die institutionelle Entwicklung des Fachs in Deutschland suchen, ist dieser Band zu empfehlen.</p>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://halemverlag.lookingintomedia.com/shop/product_info.php/products_id/200/XTCsid/185ce652421af3a2fcab0a8b534ec4fb" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.ifp.uni-mainz.de/index.php?article_id=122&amp;clang=0/index.php" target="_blank">Webpräsenz von Jürgen Wilke an der Universität Mainz</a></li>
<li><a href="http://www2.ifkw.uni-muenchen.de/meyen/personen/loeblich.html" target="_blank">Webpräsenz von Maria Löblich an der Universität München</a></li>
</ul>
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		<title>&#8220;Neue Sachen sind und bleiben angenehm.&#8221; Aus der Geschichte der Nachrichten</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/5470</link>
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		<pubDate>Fri, 15 Jul 2011 08:30:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sammelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Kulturgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Nachrichten]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitungen]]></category>

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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Heiko Christians</em>

<a href="http://www.rkm-journal.de/archives/5470"><img class="alignleft size-full wp-image-5475" title="Meierhofer" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/05/Meierhofer.jpg" alt="" width="160" height="248" /></a>Auch die Geschichte und Ordnung der Nachrichten ist Veränderungen unterworfen. Die klassischen 20-Uhr-Nachrichten als Familienzusammenkunft sind vermutlich lange passé. Heute ist es eher der minütlich aktualisierte Liveticker im Internet, der uns an ganz verschiedenen Orten auf dem Laufenden hält. Der Schriftsteller Peter Glaser betonte vor kurzem, dass der digitale Medienfluss dabei sei, "sich in eine Umweltbedingung zu verwandeln". Wenn man die Nachrichtenlage der Gegenwart wenigstens in eine grobe Ordnung bringen wollte, könnte man sie in einer Linie abfallender Dringlichkeit so anordnen:  1. Sensationen, 2. Katastrophen, 3. Ereignisse, 4. Nachrichten und 5. Informationen. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/5470">[mehr]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Heiko Christians</em></p>
<p><a href="http://www.rkm-journal.de/archives/5470"><img class="alignleft size-full wp-image-5475" title="Meierhofer" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/05/Meierhofer.jpg" alt="" width="160" height="248" /></a>Auch die Geschichte und Ordnung der Nachrichten ist Veränderungen unterworfen. Die klassischen 20-Uhr-Nachrichten als Familienzusammenkunft sind vermutlich lange passé. Heute ist es eher der minütlich aktualisierte Liveticker im Internet, der uns an ganz verschiedenen Orten auf dem Laufenden hält. Der Schriftsteller Peter Glaser betonte vor kurzem, dass der digitale Medienfluss dabei sei, &#8220;sich in eine Umweltbedingung zu verwandeln&#8221; (Reichwein 2011: 2). Wenn man die Nachrichtenlage der Gegenwart wenigstens in eine grobe Ordnung bringen wollte, könnte man sie in einer Linie abfallender Dringlichkeit so anordnen:  1. Sensationen, 2. Katastrophen, 3. Ereignisse, 4. Nachrichten und 5. Informationen.</p>
<p>Sensationen sind im Nachrichtenalltag eine chronische Mangelware (und bergen normalerweise einen positiven Kern), Katastrophen sind lokalisierbar und weisen deshalb starke Unterschiede in ihrer Reichweite und Bedeutsamkeit auf. Ereignisse sind immerhin so häufig, dass eine Redaktion unten ihnen auswählen muss, können manchmal aber auch so knapp sein, dass sie produziert und künstlich wirken. Normale Nachrichten schließlich sind Routine und werden vom sogenannten &#8216;Anchorman&#8217; häufig an einen weiblichen Nebensprecher abgegeben. Informationen schließlich schaffen es nur selten in dieses Format.</p>
<p>Die Nachrichten – und das ist eine erste wichtige Einsicht, die aus dieser Schematisierung gewonnen werden kann – sind ein sensibler, historisch bedingter und hierarchischer Forschungsgegenstand. Mit Nachrichten von Ereignissen unterschiedlicher Dimension muss etwas unterscheidbar Neues anfallen. Mit diesem Neuen muss auch im Verhältnis zu den normalen Nachrichten nach den Regeln der Knappheit gehaushaltet werden: Das Ereignis muss – wenn es einmal aus allen anderen herausgehoben ist –, noch eine Weile gestreckt werden, denn was einmal als neu fungiert hat, fällt schnell dem Alten, Nicht-(mehr)-Informativen anheim. Die Streckung leisten heute jene, uns hinlänglich bekannten Liveschaltungen, Specials, Hintergrundberichte, Nachbetrachtungen und Kommentare.</p>
<p>Diese Einsicht ist jedoch nicht neu: In einer beeindruckenden, gerade erschienenen Studie zum <em>Sammelschrifttum der Frühen Neuzeit und der Entstehung der Nachricht</em> von <a href="http://www.fb10.uni-bremen.de/germanistik/fachgebiete/literatur/aga4/mey/" target="_blank">Christian Meierhofer</a> kann der Leser anhand ausführlicher Quellenbelege erfahren, wie schnell das Bewußtsein für die Neuheits-Logik der Versorgung mit Nachrichten in der Frühen Neuzeit geschärft war. Schon 1695 ist Kaspar Stieler offenbar auf der Höhe des heutigen Geschehens: &#8220;Zu förderst muß dasjenige / was in die Zeitungen kommt / Neue seyn. Denn darum heissen die Zeitungen Novellen / von der Neuligkeit […] Neue Sachen sind und bleiben angenehm: was aber bey voriger Welt vorgegangen / gehöret ins alte Eisen / und ersättiget das Lüsterne Gemüt keines weges. So wenig / als wann die Zeitungs-schreiber etwas / das schon zehenmal vorkommen wiederholen […]. Es ist wol nichts Neues mehr unter der Sonne / gleichwol machen die Personen / die Zeit und Umstände / stets etwas Neues / welches hernach ein sonderbares Uberdenken giebet / also / daß auch / aus einer kleinen unachtsamen Begebenheit / in der Folge ein großes herauskommet / welches man nicht gedacht hätte.&#8221; (Meierhofer 2010: 276)</p>
<p>Die sogenannten &#8216;Einzelmedien&#8217;, zu denen wohl auch die Zeitung gehört, sind im Zeitalter digitaler Kommunikation endgültig in ein Stadium der Verschachtelung und Integrierbarkeit getreten, dessen synergetische Effekte vorerst nur schwer zu kalkulieren sind. Wenn man allerdings unter &#8216;den Medien&#8217; vor allem diejenige Auffassung von Medien versteht, nach der sie uns regelmäßig und schnell mit Nachrichten und Informationen zu versorgen haben, schließt uns der Gemeinplatz &#8216;Only bad news are good news&#8217; die von Kaspar Stieler offen gelegte Mechanik weiter auf. Wenn man folgerichtig nun fragt, seit wann das so ist, müssen wir einen dem Themenkreis zugehörigen Sachverhalt im Auge behalten: In einem spezifischen Sinne ist die Kategorie des Wunders aus der Ordnung der Nachrichten herausgefallen.</p>
<p><a href="http://www.rkm-journal.de/archives/5470"><img class="alignleft size-full wp-image-5479" title="Adamowsky" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/05/Adamowsky.jpg" alt="" width="160" height="227" /></a>Die neue Studie von<a href="http://www.culture.hu-berlin.de/horastaff/view2/164" target="_blank"> Natascha Adamowsky</a> über <em>Das Wunder in der Moderne</em> erzählt und analysiert am Beispiel einer Geschichte des Fliegens die Geschichte und Vorgeschichte des Wunders, das eben nicht in einer Opposition zum Rationalen aufgeht, sondern als Begriff, Diskurs und kulturell-mediale Praxis (Adamowsky 2010: 14) ebenfalls einer differenzierten epochalen Betrachtung bedarf: &#8220;&#8216;Das&#8217; Wunder gibt es nicht.&#8221; (ebd.) Adamowskys Einleitung über die &#8220;kulturhistorischen Zugänge zu Epistemologie und Ästhetik des Wunders&#8221; (ebd.: 9–54) bietet einen außerordentlich reflektierten und materialreichen Überblick zur Erforschung dieser Kategorie. Deutlich wird hier, dass die lateinische Sprache dieses Feld begrifflich schärfer fasst und erst eine Säkularisierung der christlichen Prodigien und Miracula bzw. eine Kontextualisierung der Mirabilia, der Wunder innerweltlicher Enormität – wie Kirchenvater Augustinus sie nannte (ebd.: 18) –, das Feld der frühmodernen Nachrichten eröffnet. Vor den Nachrichten wurde lediglich in evangelischer Redundanz, wie Peter Sloterdijk es schon früher ausdrückte, an etwas bereits Gewusstes oder zu Wissendes erinnert. (Sloterdijk 2001: 7) Man konnte dieselben Wunder lange Zeit immer wieder neu erzählen, indem man sie einfach auf einer Landkarte der bekannten Pilgerstätten hin und her schob. Die reisefreudige Neugier oder curiositas zeugte nach mittelalterlichem Verständnis nur für einen schweifenden, instabilen, d. h. sündhaften Geisteszustand.</p>
<p>Erst &#8220;die Emanzipation der weltlichen Erzählströme von den acta apostolorum&#8221;, den Märtyrer- oder Heiligenviten und den Pilgerstätten oder –routen, setzte einen Begriff von Information und Neuheit ins Werk, der eine &#8220;wesenhafte Auseinandersetzung der Intelligenzen mit dem Unbekannten, dem Äußeren und dem bisher Nicht-Dagewesenen ermöglichte. Erst mit den Novellen, den Neugeschichten beginnt eigentlich das, was man einen Informationsprozess nennen kann&#8221; (ebd.). Doch auch dieser Informationsprozess organisiert sich nach der relativen Zulässigkeit von Neuheit im 15. Jahrhundert weiterhin in gänzlich anderen Formen als den uns geläufigen.<sup class='footnote'><a href='#fn-5470-1' id='fnref-5470-1'>1</a></sup></p>
<p>Hier lässt sich in der Folgezeit eine Vorreiterrolle der medialen Produktion ausmachen, wenn man bedenkt, dass die erste wöchentliche, deutschsprachige gedruckte Zeitung 1605 erschien und die Produktionsweise der Zeitung zwar das standardisierte Schriftbild des Buchdrucks (und seine Herstellungsweise) nutzte, aber nur, um ihm etwas Entscheidendes hinzufügen. Diese Veränderungen beschreibt in aller gebotenen Präzision <a href="http://www.hist.unibe.ch/content/personal/wuergler_andreas/index_ger.html" target="_blank">Andreas Würglers</a> historischer Abriss <em>Medien in der Frühen Neuzeit</em> von 2009. Er widmet sich den &#8220;Medientechniken Buchdruck, Holzschnitt und Kupferstich und ihren Produkten (Text, Karte, Bild), welche für die Frühe Neuzeit spezifisch neu sind&#8221; (Würgler 2009: XI). Die Grenze dieser Epoche zieht er durchaus plausibel unmittelbar vor den medientechnischen Innovationen &#8216;um 1800&#8242;, vor der Lithographie, der Schnellpresse, dem Rotationsdruck, der Telegraphie und der industriellen Papierherstellung. (ebd.: 5). Würgler verhehlt nicht, dass jeder Epochenzuschnitt eine Arbeitshypothese ist – in diesem Fall eine äußerst hilfreiche und gut begründete. Er führt in die Geschichte des Buchdrucks, der neuen Bildtechniken und des Kartendrucks ein, skizziert mit einem Begriff <a href="http://www.kuwi.europa-uni.de/de/lehrstuhl/kg/osteuropa/lehrstuhlteam/schloegel/index.html" target="_blank">Karl Schlögels</a> noch einmal das Zeitalter der Atlanten (ebd.: 27), er umreißt die Absatzzahlen, die schnelle Dezentralisierung der Produktion und die Marktstrategien für Prosaisch-Populäres oder Erbauliches, und kommt schließlich ausführlich zur Zeitung als Periodikum und der zunehmenden Vernetzung von Nachrichteninfrastrukturen (ebd.: 32–64), womit die entscheidenden Hinzufügungen benannt wäre.</p>
<p><a href="http://www.rkm-journal.de/archives/5470"><img class="alignleft size-full wp-image-5480" title="Würgler" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/05/Würgler.jpg" alt="" width="160" height="252" /></a>Die differenzielle Serialität der Nachrichten namens Zeitung schafft spätestens seit dem beginnenden 17. Jahrhundert eine Existenzform mechanisch reproduzierter Güter, die den Konsum insgesamt formal anders zu konditionieren begann. Was man den reproduktiven Formen der je nach Bedarfslage erstellten identischen Neuauflage und Übersetzung von Klassikern oder Flugblättern hinzufügen konnte, war einerseits die Verkleinerung und Verbilligung des Buchs als Ware, also seine schon im 16. Jahrhundert wiederholt erreichte Taschenförmigkeit, und andererseits eben jene gesteigerte Umschlagbarkeit des Wissens und der Unterhaltung in der Form der differenziell-periodischen Serialität.<br />
Angefangen mit den sogenannten Mess-Relationen, die seit 1583 halbjährlich (bis zur nächsten Messe) Nachrichten in fortlaufenden Texten versammelten, über die Avisi oder (von Hand) geschriebenen Nachrichten, die in Handelsknotenpunkten wie Augsburg versammelt und zuvor von Korrespondenten aus ganz Europa verschickt wurden, bis zu den wöchentlich, nach Eintreffen der Ordinari-Post, ab 1605 in Straßburg gedruckten Relationen reicht die Entstehungsspanne der modernen Nachrichten. Der dem Ausbau der medialen Infrastruktur (Straßen) geschuldete Umschlagstakt, die Publizität und die Erschwinglichkeit können erst jetzt kontinuierlich gesteigert werden. 1650 erscheint die erste deutsche Tageszeitung in Leipzig. Ab dem Ende des 17. Jahrhunderts kommen die Zeitschriften hinzu. Anders als im Falle des Buchdrucks bleibt der Zeitungsmarkt des deutschsprachigen Raums führend (ebd.: 38ff.).</p>
<p>Die Nachrichten werden nun, genauso wie <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Freyer" target="_blank">Hans Freyer</a> es 1965 als Industrialisierung beschreibt, &#8220;in einer kontinuierlichen Reihe variiert, damit also die Möglichkeiten lückenlos durchgespielt und dadurch diejenigen Fälle herausisoliert werden, die einen brauchbaren Effekt ergeben&#8221; (Freyer 1965: 253). Technisch musste eben nur die seriell-differentielle Produktion der Geschichten, Bilder und Nachrichten bewerkstelligt werden, um dann den Konsum insgesamt auf einen planbaren Umlauf- und Abnahmetakt einzustellen. Diesen Schritt machten die Zeitungen ab 1600 – und die anderen Waren werden ihnen folgen.</p>
<p>Hier muss man anschließen: Die glänzende Studie von Christian Meierhofer bearbeitet u. a. genau diesen Effekt (H. Freyer) der Nachrichten aus medien- und literarhistorischer Perspektive. Bis heute ist ja umstritten, ob Zeitungsleser lediglich schlaue Köpfe sind, die sich eben umfassender informieren als andere, oder ob sich diese Leser einfach im kurzatmig-profanen Fluss des versammelten Weltgeschehens gut getarnt amüsieren. &#8220;Furchtbares, Aufregendes, Schauerliches soll sich begeben, und nicht bloß um ihn herum, sondern schon auch fast an ihm selber, aber ungefährlich für ihn, so daß er noch mit dem bloßen Schrecken davon kommt&#8221; (Bahr 1929: 100), so schätzte <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Bahr" target="_blank">Hermann Bahr</a> den Leser schon 1929 ein. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Rutschky" target="_blank">Michael Rutschky</a> sprach im Falle der Zeitung einmal von unserer &#8216;täglichen Erzählung&#8217; (Rutschky 2006).</p>
<p>Diesem Zusammenhang spürt Meierhofer mit großer Akribie und dem Sinn für die richtigen Fragen an den historischen Wurzeln nach, indem er die frühen Zeitungen mit den älteren Historiensammlungen inhaltlich und formal korreliert: &#8220;Der Stellenwert der Avisen, Relationen und Monatsschriften als Historiensammlung ergibt sich, ähnlich wie bei den Erzählsammlungen, aus ihrer Geschehensintensität und ihrem Aufmerksamkeitsanliegen. Die Darbietung von Begebenheiten bringt dann mit sich, dass die Historien erratisch, verstreut und ungeordnet, so aber durchaus adäquat versammelt werden können. Denn die geschilderten Vorfälle bezeichnen schließlich meist nichts anderes als das punktuelle Aussetzen von Ordnung, Routinen und Kontinuität. Das sukzessive Heraustreten der Historien aus einem didaktischen oder theologischen Funktionszusammenhang schafft eine eigenartige Situation. Zunächst legitimieren sich die Avisen und Relationen damit, dass sie vorzugsweise die &#8216;delectatio&#8217; als Absicht verfolgen und einen Lesertypus ansprechen, der ein der Historien günstiger Liebhaber (Memmius 1599) ist, auch und vor allem, wenn sich Negatives ereignet.&#8221; (Meierhofer 2010: 83)</p>
<p><a href="http://www.rkm-journal.de/archives/5470"><img class="alignleft size-full wp-image-5482" title="Daphnis" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/05/Daphnis1.jpg" alt="" width="160" height="241" /></a>Meierhofers Studie kann so als Porträt zweier weit auseinander liegender Epochen der Nachrichten gelesen werden, wobei ihr ganze Gedanken- und Materialreichtum in dieser Rezension nicht ausgeschöpft werden kann. Abschließend soll noch auf ein Doppelheft der Zeitschrift Daphnis hingewiesen werden, das unter dem sprechenden Titel <em>Consuming News</em> schon 2008 gewichtige Beiträge zu der geschilderten Problematik und Geschichte der Nachrichten geliefert hat. Ein besonderes Kapitel aus der Frühgeschichte der bad news erzählt der Mitherausgeber dieses sehr gelungenen Themenhefts, <a href="http://www.artsci.wustl.edu/~wlayher/WTL/" target="_blank">William Layher</a>: Unter dem Titel &#8220;Horrors oft the East&#8221; schildert Layher eine Pamphlet-Kampagne aus der Frühgeschichte des Drucks. Seit dem 14. Oktober 1488 tauchen in reichen Handelsstädten des deutschsprachigen Südens mit Holzschnitten illustrierte Zweiblatt-Drucke auf, die die Grausamkeiten von Vlad III. von Wallachien – genannt Dracula oder &#8216;Der Pfähler&#8217; – (mit ca. 20 Jahren Verspätung) in Erinnerung rufen. Hier bekommt der &#8220;topos in the encyclopedic and theological tradition&#8221; (Layher: 14) von den &#8216;Wundern des Ostens&#8217; eine neue vielfältige und protonachrichtenförmige Realität. Gleichzeitig zeigt Layher, wie die uns überlieferte Figur des Dracole Wayda nicht herauszulösen ist aus einem umfassenden propagandistischen Geflecht von Pamphleten, die eben keine regionale Herrscherfigur porträtieren, sondern bis zu ihrer völligen Unkenntlichkeit realpolitische Interessen verschiedener Herrschaftszentren Europas auf diesen Namen projizieren, nur um ihn mit dem jeweiligen Gegner zu identifizieren.</p>
<p>Ein Jahrhundert später beobachtet <a href="http://www.philhist.uni-augsburg.de/lehrstuehle/kulturgeschichte/mitarbeiter/tschopp/" target="_blank">Silvia Serena Tschopp</a> &#8220;wie aus Nachrichten Geschichte wird&#8221;. Ihr umfangreicher Aufsatz gibt zu bedenken, dass eine spätestens seit 1500 einsetzende &#8220;räumliche Expansion eines sich durch Flugblätter und Flugschriften, Geschichtskalender, Meßrelationen und Zeitungen professionalisierenden Nachrichtenwesens&#8221; (Tschopp: 43) auch die Zeitgeschichtsschreibung und die Historiographie maßgeblich beeinflusste. Der Druck als solcher steigert die Relevanz der Inhalte und befördert &#8220;die Entstehung paralleler und konkurrierender Darstellungen vergangenen Geschehens&#8221; (ebd.: 45). Aber die Beziehung wird schnell zu einer regelrechten Austauschwirtschaft – ganz ähnlich wie Meierhofer sie (noch ein Jahrhundert später) zwischen den Zeitungen und den Historiensammlungen beobachtete: &#8220;Das gedruckte Tagesschrifttum bestimmt nicht nur über die geschichtliche Relevanz von Ereignissen, es stellt außerdem Deutungsmuster zur Verfügung, mittels derer ein zunächst kontingent erscheinendes Geschehen zu einem sinnvollen Zusammenhang geformt werden kann.&#8221; (Tschopp : 77)</p>
<p>Die Dissertationsschrift von Meierhofer wurde u. a. von <a href="http://www.fb10.uni-bremen.de/lehrpersonal/boening.aspx" target="_blank">Holger Böning</a> betreut. Böning hat auch einen Aufsatz zum Daphnis-Heft beigesteuert, der sich vor allem mit &#8220;der handgeschriebenen Zeitung&#8221; beschäftigt, die &#8220;als Vorgängerin, Quelle und Konkurrenz der gedruckten Zeitung zugleich von dem neuen Medium unmittelbar beeinflusst wird&#8221; (Böning: 206). Böning schlägt als ein Kriterium der Klassifizierung der äußerst vielfältigen Landschaft geschriebener Nachrichten den Grad der &#8216;Exklusivität&#8217; vor (ebd.: 207) und verweist auf die spezifische Adressierung der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Fuggerzeitung" target="_blank">Fugger-Zeitung</a>. Um ihre Periodizität als besonderes Merkmal zu verstehen, hält Böning in Einklang mit dem bisher Berichteten fest, dass &#8220;die handschriftlichen wie die späteren gedruckten Zeitungen eben dieser Periodizität des Postverkehrs das Erscheinen in diesem Rhythmus verdanken, der ja bekanntlich überhaupt die Grundlage jeglichen kontinuierlichen Nachrichtenaustausches darstellt&#8221; (ebd.: 208). Alle hier versammelten Texte und Bücher verweisen mit überzeugenden Fragestellungen und Argumentationen auf das komplexe Forschungsfeld der frühen Nachrichtengeschichte: Medientechnik, Infrastrukturgeschichte, Gattungstheorie und politische Geschichte sind ihre unverzichtbaren Eckpfeiler.</p>
<p><em>Literatur:</em></p>
<ul>
<li>Adamowsky, N.: <em>Das Wunder in der Moderne. Eine andere Kulturgeschichte des Fliegens.</em> München 2010</li>
<li>Bahr, H.: <em>Labyrinth der Gegenwart</em>. Hildesheim 1929</li>
<li>Layher, W.; Scholz G. (Hrsg.): <em>Consuming News: Newspapers and Print Culture (1500 – 1800)</em>. Sonderheft der Zeitschrift &#8220;Daphnis&#8221;. August 2009</li>
<li>Freyer, H.: <em>Schwelle der Zeiten. Beiträge zur Soziologie der Kultur.</em> Stuttgart 1965</li>
<li>Girard, R.: <em>Nachricht von Neuerung</em>. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13. November 2004</li>
<li>Meierhofer, C.: <em>Alles neu unter der Sonne. Das Sammelschrifttum der Frühen Neuzeit und die Entstehung der Nachricht.</em> Würzburg 2010</li>
<li>Reichwein, M.: <em>Es tickt: Nachrichten als Umweltbedingung.</em> In: Literarische Welt 16. April 2011</li>
<li>Sloterdijk, P.: <em>Sphären. Makrosphärologie</em>, Bd.2: Globen. Frankfurt/M. 2001</li>
<li>Sohst, W. (Hrsg.): <em>Die Figur des Neuen.</em> Berlin 2008</li>
<li>Rutschky, M.: <em>Die tägliche Erzählung.</em> In: die tageszeitung, 9. Oktober 2006</li>
<li>Würgler, A.: <em>Medien in der frühen Neuzeit</em>. München 2009</li>
</ul>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.oldenbourg-verlag.de/wissenschaftsverlag/medien-fruehen-neuzeit/9783486550788" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch &#8220;Medien in der frühen Neuzeit&#8221;</a></li>
<li><a href="http://www.fink.de/katalog/titel/978-3-7705-4963-4.html" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch &#8220;Das Wunder in der Moderne&#8221;</a></li>
<li><a href="http://www.rodopi.nl/senj.asp?SerieId=DAPHN" target="_blank">Verlagsinformationen zum Daphnis-Sonderheft &#8220;Consuming News&#8221;</a></li>
<li><a href="http://koenigshausen-neumann.gebhardt-riegel.de/product_info.php/language/en/info/p6765_Alles-neu-unter-der-Sonne--Das-Sammelschrifttum-der-Fruehen-Neuzeit-und-die-Entstehung-der-Nachricht--Epistemata-Literaturwissenschaft-Bd--702---49-80.html" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch &#8220;Alles neu unter der Sonne&#8221;</a></li>
<li><a href="http://www.heiko-christians.de/" target="_blank">Private Homepage von Heiko Christians</a></li>
</ul>
<div class='footnotes'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-5470-1'>Damit fällt nunmehr der Blick auf die Form des Angebots – und eben nicht auf seine schiere Masse, seine (schlechte) Qualität, seine heilsgeschichtliche Ausrichtung oder seinen spezifischen Verwendungskontext. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-5470-1'>&#8617;</a></span></li>
</ol>
</div>
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		<title>Klaus Arnold; Walter Hömberg; Susanne Kinnebrock (Hrsg.): Geschichtsjournalismus</title>
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		<pubDate>Thu, 23 Jun 2011 08:45:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einzelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Dokumentarfilm]]></category>
		<category><![CDATA[Erinnerungskultur]]></category>
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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Saskia Handro</em>

<a href="http://www.rkm-journal.de/archives/4548"><img class="alignleft size-full wp-image-5516" title="Arnold et al." src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/01/Arnold-et-al..jpg" alt="" width="162" height="232" /></a>Angesichts der wiederholt beschworenen Medialisierung oder gar Mediatisierung der Geschichtskultur drängt sich die Frage nach der Eigenlogik geschichtsjournalistischer Wissensproduktion auf. Wenngleich die Herausgeber auf eine theoretische Konzeptionalisierung verzichten, sondern sich eher induktiv dem Phänomenfeld nähern, fokussiert der Band eben nicht allein Medien als Speicher und Zulieferer des kollektiven Gedächtnisses, sondern modelliert in einem weiteren Sinne Geschichtsjournalismus als geschichtskulturelles Teilsystem, das eigenen Regeln folgt. Dabei betreten die Beiträge nicht in jedem Fall Neuland, aber sie führen zentrale, bislang eher getrennt betrachtete Aspekte massenmedialer Geschichtsproduktion zusammen. Schon vorab: Die Vernetzung von Produzenten- und Rezipientenperspektive mit inhaltlichen und formalen Aspekten geschichtsjournalistischen Erzählens gehört zu den Stärken des Bandes. Gerade in Zusammenschau der Beiträge erweisen sich diese systemspezifischen Zusammenhänge als konstitutiv für die Eigenart, Heterogenität und Dynamik geschichtsjournalistischen Erzählens. In forschungsmethodischer Hinsicht stellt jedoch die Vernetzung dieser Perspektiven eine große und bislang selten eingelöste Herausforderung dar. Folglich wenden sich auch die Beiträge dieses Sammelbandes zumeist einzelnen Dimensionen zu. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/4548">[Mehr]</a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Saskia Handro</em></p>
<p><a href="http://www.rkm-journal.de/archives/4548"><img class="alignleft size-full wp-image-5516" title="Arnold et al." src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/01/Arnold-et-al..jpg" alt="" width="162" height="232" /></a>Angesichts der wiederholt beschworenen Medialisierung oder gar Mediatisierung der Geschichtskultur drängt sich die Frage nach der Eigenlogik geschichtsjournalistischer Wissensproduktion auf. Wenngleich die Herausgeber auf eine theoretische Konzeptionalisierung verzichten, sondern sich eher induktiv dem Phänomenfeld nähern, fokussiert der Band eben nicht allein Medien als Speicher und Zulieferer des kollektiven Gedächtnisses, sondern modelliert in einem weiteren Sinne Geschichtsjournalismus als geschichtskulturelles Teilsystem, das eigenen Regeln folgt. Dabei betreten die Beiträge nicht in jedem Fall Neuland, aber sie führen zentrale, bislang eher getrennt betrachtete Aspekte massenmedialer Geschichtsproduktion zusammen. Schon vorab: Die Vernetzung von Produzenten- und Rezipientenperspektive mit inhaltlichen und formalen Aspekten geschichtsjournalistischen Erzählens gehört zu den Stärken des Bandes. Gerade in Zusammenschau der Beiträge erweisen sich diese systemspezifischen Zusammenhänge als konstitutiv für die Eigenart, Heterogenität und Dynamik geschichtsjournalistischen Erzählens. In forschungsmethodischer Hinsicht stellt jedoch die Vernetzung dieser Perspektiven eine große und bislang selten eingelöste Herausforderung dar. Folglich wenden sich auch die Beiträge dieses Sammelbandes zumeist einzelnen Dimensionen zu.</p>
<p>Die erste Gruppe von Beiträgen lotet die inhaltlich-formale Dimension des Verhältnisses von Geschichte und Journalismus aus. Während Walter Hömberg Geschichtsjournalismus phänomenologisch beschreibt, wendet sich Horst Pöttker Formen journalistischer Re-Aktualisierung zu und entfaltet die Konstruktion lebensweltlicher Anschlussfähigkeit als konstitutives Merkmal geschichtsjournalistischen Erzählens, das die Qualität medialer Rezeptionsprozesse beeinflusst. Den Blick für Medien als eigenständige Konstrukteure von Geschichte, denen nicht nur eine mediale Transferfunktion zukommt, sondern die gerade im Feld der Zeitgeschichte auch Impulse für historische Forschung setzten, schärft der Beitrag von Frank Bösch. Aus der Akteursperspektive entfaltet Jochen Kölsch die Interdependenz von Inhalt und Darstellungsform. Die Diskussion der Möglichkeiten und Grenzen televisueller Geschichtserzählungen zwischen Dokumentation und Fiktion verdeutlicht, dass für eine adäquate Beurteilung filmischer Inszenierungen systemfremde, d. h. wissenschaftlich normative Kriterien kaum taugen.</p>
<p style="text-align: left;"><a href="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/08/Herausgeberin-Susanne-Kinnebrock.jpg"><img class="size-full wp-image-5881" title="Herausgeberin Susanne Kinnebrock" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/08/Herausgeberin-Susanne-Kinnebrock.jpg" alt="" width="21" height="26" /></a><strong><a href="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/08/Kinnebrock_Inhalt-des-Bandes-Geschichtsjournalismus.mp3" target="_blank">Susanne Kinnebrock: Worum geht es in dem Band?</a></strong></p>
<p>Den Akteuren geschichtsjournalistischer Kommunikationsprozesse widmet sich eine zweite Gruppe von Beiträgen. Klaus Arnold begibt sich auf die Suche nach dem Typus des Geschichtsjournalisten und seine quantitative Befragung von Redakteuren offenbart den Widerspruch zwischen medialem Geschichtsboom und geringem Professionalisierungs- und Institutionalisierungsgrad. Nicht allein die Binnenperspektive journalistischer Arbeit, sondern mediale Kommunikation als Interaktion von Produzenten und Rezipienten, als wechselseitige Vergewisserung von Identität und historischer Orientierung, entfaltet die Münchener Forschergruppe Pfaff-Rüdiger/Riesenberger und Meyen entlang qualitativer Befunde. Während die Grenzen zwischen wissenschaftlichem und journalistischem Erzählen den impliziten Vergleichshorizont vieler Beiträge bilden, verfolgt Jürgen Wilke die Konstruktion dieser Grenzen in historischer Perspektive und charakterisiert an biografischen Fallbeispielen zweier Grenzgänger das Spannungsverhältnis zwischen Produzenten und Publika.</p>
<p>Das theoretische Konzept der Erinnerungskultur verbindet die dritte Gruppe von Beiträgen. Hier gewinnen die Modi geschichtsjournalistischer Selektion an Kontur. Während Ilona Ammann mit dem Gedenktagsjournalismus systemspezifische Rekonstruktionsleistungen im Feld der Erinnerungskultur theoretisch entfaltet, charakterisiert Martin Krieg am Beispiel der wandelnden Berichterstattung über den 20. Juli 1944 Gedenktagsjournalismus als &#8220;Collective-Memory-Setting&#8221; und betont unter Vernachlässigung geschichtskultureller Diskursstrukturen den Aspekt medialer Selbstreferentialität. Auch wenn Inhaltsanalysen weniger Aufschlüsse über gesellschaftliche Diskursstrukturen versprechen, bieten sie dennoch Einblicke in Prozesse medialer Kanonisierung von Ereignissen und Bildern, wie der Beitrag von Andre Donk und Martin Herbers zur Darstellung des 11. September in deutschen und amerikanischen Tageszeitungen zeigt. Doch auch in kulturvergleichender Perspektive drängt sich die Frage nach der Sinnstiftungsfunktion der Selektion, nach den zeitgebundenen Identifikations- und Orientierungsbedürfnissen auf.</p>
<p><strong><a href="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/08/Herausgeberin-Susanne-Kinnebrock.jpg"><img title="Herausgeberin Susanne Kinnebrock" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/08/Herausgeberin-Susanne-Kinnebrock.jpg" alt="" width="21" height="26" /></a></strong><strong><a href="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2011/08/Kinnebrock_An-wen-richtet-sich-der-Band.mp3" target="_blank">Susanne Kinnebrock: An wen richtet sich der Band?</a></strong></p>
<p>Geschichtsjournalistische Popularisierungsstrategien im Fernsehformat untersucht die vierte Gruppe von Beiträgen. Stefanie Samida rekonstruiert Authentizität, Dramatisierung und Emotionalisierungseffekte am Beispiel archäologischer Dokumentationen. Dramaturgische Strategien historischer Re-enactments als Nivellierung von kultureller und zeitlicher Alterität und damit als Brücke historischen Verstehens und Identifikationsangebot für Zuschauer analysieren Manuel Glaser, Bärbel Garsoffsky und Stephan Schwan. Die Interaktion geschichtskultureller Felder interessiert Alexander Schubert, der kulturhistorische Großausstellungen als Form populärer Geschichtsvermittlung begreift, aber leider nur in Ansätzen Strategien geschichtsjournalistischer Vermarktung aufzeigt.</p>
<p>Dass die Historisierung des Geschichtsjournalismus vor scheinbaren Neuentdeckungen ebenso schützt wie vor der Wiederholung stereotyper Vorurteile gegenüber historischen Dokumentationen zeigen die letzten Beiträge, die die Etablierung und Entwicklung historischen Erzählens im Fernsehformat als Experimentieren mit Darstellungsformen, als Reflexion von Publikumserwartungen und Fernsehkritik, als Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten und Grenzen filmischer Rekonstruktion entlang ästhetischer Konventionen vergegenwärtigen. Ob im Blick auf die Anfänge der Geschichtsdokumentation (Edgar Lersch) oder auf die Geschichte des Dokumentarspiels (Christian Hißnauer) – aus wissenschaftlicher Perspektive gezogene Grenzen zwischen Fiktionalität und Faktizität, zwischen Dokumentation und Spielfilm erscheinen als Gradmesser für die Qualität filmischen Erzählens, das medieneigenen Konventionen, Traditionen und Funktionen folgt, ungeeignet. Folglich stellt die Beschäftigung mit dem Geschichtsjournalismus eine interdisziplinäre Herausforderung dar, die nicht nur angesichts des medialen Geschichtsbooms, sondern auch mit Blick auf neue, in diesem Band weniger berücksichtigte Trends der Medialisierung von Geschichte – wie Visualisierung, Segmentierung der Angebotsstrukturen und damit auch Publika, Interaktivität in den neuen Medien – als produktives Forschungsfeld erscheint.</p>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.lit-verlag.de/isbn/3-643-10420-5" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.ku-eichstaett.de/slf/jour/mitarbeiter/lehrstuhl2/arnold/" target="_blank">Webpräsenz von Klaus Arnold an der Universität Eichstätt</a></li>
<li><a href="http://www.ku-eichstaett.de/slf/jour/mitarbeiter/lehrstuhl1/hoemberg/" target="_blank">Webpräsenz von Walter Hömberg an der Universität Eichstätt</a></li>
<li><a href="http://www.isk.rwth-aachen.de/2119.html" target="_blank">Webpräsenz von Susanne Kinnebrock an der RWTH Aachen</a></li>
<li><a href="http://www.uni-muenster.de/Geschichte/hist-dida/organisation/mitarbeiter/handro/index.html" target="_blank">Webpräsenz von Saskia Handro an der Universität Münster</a></li>
</ul>
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