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	<title>rezensionen:kommunikation:medien &#187; Fernsehen</title>
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	<description>Rezensionen aus den Bereich Kommunikation und Medien</description>
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		<title>Wegweiser in den Journalismus</title>
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		<pubDate>Fri, 07 May 2010 09:00:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sammelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Darstellungsformen]]></category>
		<category><![CDATA[Fernsehen]]></category>
		<category><![CDATA[Genres]]></category>
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		<category><![CDATA[Themenfindung]]></category>

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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Gabriele Bartelt-Kircher </em>

<a rel="attachment wp-att-2776" href="http://www.rkm-journal.de/archives/1616/reihenbesprechunghausermann2008"><img class="alignleft size-full wp-image-2776" title="ReihenbesprechungHäusermann2008" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/11/ReihenbesprechungHäusermann2008.jpg" alt="" width="160" height="250" /></a>Die Reihe <em>Wegweiser Journalismus</em>, herausgegeben von Christoph Fasel, eröffnet Jürg Häusermann mit einem aktualisierten und didaktisch bearbeiteten Auszug  seines zum Klassiker der Journalistenausbildung gediehenen <em>Journalistisches Texten</em>. Titel des Bands 1 der Wegweiser-Reihe ist schlicht <em>Schreiben</em>. Das Buch hilft Anfängern mit zahlreichen Text-Beispielen. Sie sind erfreulich aktuell ausgewählt und für ein jüngeres interessiertes Publikum deshalb leichter verständlich. Da es auch um das Entwickeln eines eigenen Schreibstils geht, sind die Argumente für Verständlichkeit leichter zu akzeptieren. Ein allzu selbstverliebter Schreibfluss, den gerade Anfänger im Journalismus versuchen zu behaupten, wird hier immer wieder auf Verständlichkeit geprüft. Jürg Häusermanns Stärke ist es, mit seinen Tipps zum Portionieren, Verdichten und Beleben dem Autor zu helfen, seine Texte selbst auf Verständlichkeit zu prüfen. Testaufgaben überprüfen den Lernerfolg. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/1616">[Mehr]</a>


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</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Gabriele Bartelt-Kircher </em></p>
<p><a rel="attachment wp-att-2776" href="http://www.rkm-journal.de/archives/1616/reihenbesprechunghausermann2008"><img class="alignleft size-full wp-image-2776" title="ReihenbesprechungHäusermann2008" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/11/ReihenbesprechungHäusermann2008.jpg" alt="" width="160" height="250" /></a>Die Reihe <em>Wegweiser Journalismus</em>, herausgegeben von Christoph Fasel, eröffnet Jürg Häusermann mit einem aktualisierten und didaktisch bearbeiteten Auszug  seines zum Klassiker der Journalistenausbildung gediehenen <em>Journalistisches Texten</em>. Titel des Bands 1 der Wegweiser-Reihe ist schlicht <em>Schreiben</em>. Das Buch hilft Anfängern mit zahlreichen Text-Beispielen. Sie sind erfreulich aktuell ausgewählt und für ein jüngeres interessiertes Publikum deshalb leichter verständlich. Da es auch um das Entwickeln eines eigenen Schreibstils geht, sind die Argumente für Verständlichkeit leichter zu akzeptieren. Ein allzu selbstverliebter Schreibfluss, den gerade Anfänger im Journalismus versuchen zu behaupten, wird hier immer wieder auf Verständlichkeit geprüft. Jürg Häusermanns Stärke ist es, mit seinen Tipps zum Portionieren, Verdichten und Beleben dem Autor zu helfen, seine Texte selbst auf Verständlichkeit zu prüfen. Testaufgaben überprüfen den Lernerfolg.</p>
<p>Mit seinen Tipps zur Abgrenzung von eigener und fremder Rede zwingt Häusermann die Autoren zur Klärung der eigenen Rolle und ihrer Absicht. Schließlich erläutert er in einem letzten Kapitel zur &#8220;Körperlichkeit des Schreibens&#8221; die Möglichkeiten, kreativer zu formulieren. Sehr hilfreich ist die Literatur-Liste, in der die Titel und Verfasser mit einem Nützlichkeitshinweis versehen sind.</p>
<p><a href="http://www.rkm-journal.de/archives/1616"><img class="alignleft size-full wp-image-2781" title="ReihenbesprechungFasel2008" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/11/ReihenbesprechungFasel2008.jpg" alt="" width="160" height="250" /></a>Band 2 der Reihe trägt den Titel <em>Textsorten</em>. Christoph Fasel erläutert  die verschiedenen journalistischen &#8220;Bausteine&#8221; &#8211; von der Nachricht über das Feature und die Reportage, den Kommentar, die Glosse und die feuilletonistischen Rezension bis hin zum Nutzwert-Text.  Um die Nuancen für Anfänger deutlich herausarbeiten zu können, wählt er ein Ereignis, an dem er die unterschiedliche Darstellung, Wirkung und Rezeption deutlich machen kann. Ein alltäglicher Kriminalfall wird durchdekliniert: Die nüchterne Polizeimeldung wird zur Nachricht, zum Bericht, zum Feature, zur Reportage, zum Porträt, zum Kommentar, zum Interview, zur Glosse, zur Kritik oder Rezension, zum Essay, zur Betrachtung und schließlich zur Karikatur. Erläuterungen zur Magazinstory ergänzen das Spektrum der journalistischen Darstellungsformen.</p>
<p>Beispiel-Texte werden mit Tipps für Recherche angereichert, grafisch in Extra-Kästen gut aufbereitet. Auch die rechtlichen Aspekte des Zitats und des Interviews oder Porträts werden behandelt. Um die Geschichten zu fokussieren, bemüht er Wolf Schneider, Lehrmeister Fasels an der <a href="http://www.journalistenschule.de/" target="_blank">Henri-Nannen-Schule</a>, und stützt mit seinem Küchenzuruf. Zum Abschluss behandelt Fasel den Nutzwert in einem eigenen Kapitel, da diese Texte in Zukunft für die journalistische Arbeit immer bedeutsamer werden. Für Anfänger ist dieser Band eine gute Arbeitshilfe. Auch endet er mit einer erläuternden Literaturliste.</p>
<p><a href="http://www.rkm-journal.de/archives/1616"><img class="alignleft size-full wp-image-2786" title="ReihenbesprechungGoderbauer2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/11/ReihenbesprechungGoderbauer2009.jpg" alt="" width="160" height="249" /></a>Band 3 schrieb Gabriele Goderbauer-Marchner mit dem Titel: <em>Journalist werden!</em> Das Ausrufezeichen stellt sich quer zur aktuellen Diskussion um den Niedergang des  Journalismus &#8211; aufregend zu lesen, gut gegliedert durch Merksätze, Grafiken aus der aktuellen Statistik und Auszüge aus wichtigen Vereinbarungen in Erklärungen der Journalisten-Gewerkschaften, Tarifverträgen und Veröffentlichungen des <a href="http://www.presserat.info/" target="_blank">Presserats</a>. Das Buch listet für den Einsteiger aktuelle Institutionen zur Journalistenausbildung in Verlagen, Hochschulen und Stiftungen auf. Goderbauer-Marchner war bis zum Ende des Jahres 2009 Geschäftsführerin des Mediencampus Bayern und kennt daher die meisten beschriebenen Angebote. Ihr Vorteil: Sie beurteilt kompetent, kurz und knapp und zumeist treffend.</p>
<p>Den Nachteil eines Buches zum journalistischen Beruf, der sich mit der aktuellen Medienentwicklung ständig  verändert, fängt die Autorin auf, indem sie ihre Angaben ergänzt um zahlreiche Links zu den Webseiten  der Bundesanstalt für Arbeit, der Berufsverbände und einschlägigen Institutionen wie dem Presserat und dem Öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Sie  lässt vor allem den privaten Sektor der Rundfunk- und Fernsehveranstalter nicht aus. Goderbauer-Marchner nennt nicht nur die Webadressen, sie  bewertet  vorsichtig aber korrekt in der Tendenz die diversen Angebote. Trotz des Ausrufezeichens beschönigt sie nicht die Schattenseiten des Berufs in der aktuellen Medienkrise &#8211; eine echte Orientierungshilfe für Berufseinsteiger.</p>
<p><a href="http://www.rkm-journal.de/archives/1616"><img class="alignleft size-full wp-image-2791" title="ReihenbesprechungScheiter2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/11/ReihenbesprechungScheiter2009.jpg" alt="" width="160" height="249" /></a>Der Band 4 der Reihe <em>Wegweiser Journalismus</em> behandelt die zentrale Frage: <em>Themen finden</em>. Die freie Journalistin Barbara Scheiter zeigt an scheinbar banalen Alltagserfahrungen, wie sie in Themen umgesetzt werden können. Sie entwickelt dazu zehn Übungen, die vom Publikum durchgearbeitet werden können, um Sicherheit für ein Thema zu bekommen und es schließlich in einem Exposé der Redaktion mit Erfolg anbieten zu können.</p>
<p>Die Tipps zu nützlichen Newslettern, Websites und Beispielen sowie Checklisten für die Originalität der ausgewählten Themen helfen Anfängern im freien Journalismus, Aufträge zu finden und Sicherheit im Themenset zu gewinnen.</p>
<p>Der Band 5 ist eine erste Einführung in den visuellen Journalismus, der durch Internet und Privat-Fernsehen aktuell an Bedeutung zunimmt. Horst Werner ermuntert Interessierte am Fernsehen mit seiner autobiografisch unterlegten Handreichung zum &#8220;Fernsehen machen&#8221;. Er beginnt bei der Themenfindung für das &#8220;Bewegtbild&#8221; und ermuntert den Anfänger zum &#8220;Abgucken&#8221; und genauen Beobachten der Programme, denen er gerne zuliefern möchte.</p>
<p><a href="http://www.rkm-journal.de/archives/1616"><img class="alignleft size-full wp-image-2805" title="ReihenbesprechungWerner2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/11/ReihenbesprechungWerner20091.jpg" alt="" width="160" height="249" /></a>Der Autor schildert seine eigene Methode, durch akribisch sorgfältige Arbeit und Dokumentation dessen, was aufgenommen wurde, von den Profis im Fernseh-Metier ernst genommen zu werden. Dazu erläutert er seine  eigenen Tabellen und Laufpläne. Als Reporter für ein Fernsehmagazin schenkt er der Recherche und dem Gegen-Check sowie den rechtlichen Fragen bis zur Autorisierung viel Aufmerksamkeit.</p>
<p>Der Anfänger erfährt so, wie komplex das Tätigkeitsfeld des Fernsehreporters ist und wie er sich dennoch auf die Herausforderung einlassen kann. Horst Werner bietet ihm dazu einen kleinen Einblick in das eigene gelegentliche Scheitern. So gilt der Lehrsatz: Scheitern ist keine Schande, schlimm ist nur, wenn man aus den Fehlern nicht lernt. Schließlich führt er auch in die Kunst des Textens zu Bildern ein. Er warnt vor zuviel Text und bietet dem Leser ein Gespür für die andere Art des journalistisches Vermittelns im Bewegtbild.</p>
<p>Das Genre Interview gewinnt im Journalismus aktuell an Bedeutung &#8211; die Zunahme der Talkrunden im Fernsehen unterstreicht das. Interviews zu führen ist das eine, sie autorisiert zu bekommen, das andere. Autor Christian Thiele, Textchef beim <a href="http://www.playboy.de/" target="_blank">Playboy</a> und verantwortlich für die Interviews, schildert in Band 6 der Reihe die Komplexität dieser Recherche- und Darstellungsform sehr offen und ehrlich. Er zitiert Profis der Interview-Szene wie Alexander Gorkow von der Süddeutschen Zeitung und Anne Will, die in Talkrunden die Spannung in der Interviewten-Runde aufrecht erhalten und die Gruppendynamik mit bedenken muss.</p>
<p><a href="http://www.rkm-journal.de/archives/1616"><img class="alignleft size-full wp-image-2810" title="ReihenbesprechungThiele2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/11/ReihenbesprechungThiele2009.jpg" alt="" width="160" height="249" /></a>Die Live-Situation zwingt den Interviewer zu bestmöglicher Vorbereitung, um Spannung und Tiefgang zu produzieren. Moritz von Uslar, der Erfinder der &#8220;100 Fragen an&#8230;&#8221;, erläutert die Dramaturgie eines längeren Interviews. Thiele beschreibt beste Beispiele wie das von Giovanni Di Lorenzos &#8220;Auf eine Zigarettenlänge mit Helmut Schmidt&#8221;. Er betont die Unterschiede von Print- und Live-Interview im Hörfunk oder Fernsehen. Aus seiner Praxis für den &#8220;Playboy&#8221; schildert er Knebelverträge für Interviewer durch die Agenten des Stars, gibt Tipps zur Autorisierung und Ratschläge zum richtigen Verhalten in Massen-Frage-Situationen in international besetzten Interview-Runden. Nützlich für den Anfänger sind seine Hinweise auf das äußere Erscheinungsbild des Interviewers und seine Diktion, damit die Chemie stimmt.</p>
<p>Checklisten zum Interview zeigen immer wieder, dass eine gründliche Vorbereitung auf den Gesprächspartner und die Fokussierung der Frage-Stellung absolut zwingend sind. Parameter wie die Live-Situation und die Zeit lassen keine andere Wahl, wenn das Interview gelingen soll. Für Anfänger und Fortgeschrittene bietet dieser Band eine Art &#8220;best of&#8221;, indem es vor allem erfolgreiche Interviewer zitiert. Die kommentierte Literaturliste führt weiter im Genre.</p>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.uvk.de/suchlist.asp?Schr_Reihe_ID=117" target="_blank">Verlaginformationen zur Reihe &#8220;Wegweiser Journalismus&#8221;</a></li>
</ul>


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		<title>Nicole Labitzke: Ordnungsfiktionen</title>
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		<pubDate>Fri, 16 Apr 2010 06:30:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Peter-Harald Kust</em>

<a href="http://www.rkm-journal.de/archives/82"><img class="alignleft size-full wp-image-2703" title="labitzke2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/05/labitzke20091.jpg" alt="" width="160" height="243" /></a>Nicole Labitzke befasst sich in ihrer Dissertation "mit den Mechanismen und Funktionsweisen des medialen Ordnungsprozesses, der als grundlegendes Muster in das Tagesprogramm von RTL, Sat.1 und ProSieben eingelassen ist". Sie interessiert sich dafür, welche Ordnungsstrukturen mittels Sprache (diskursive Kompetenzen der TV-Akteure) und "raumzeitlicher Organisation des medial vermittelten Textes" (Studioaufbau) hergestellt werden. Ihre Ausgangsthese ist, dass sich mit der "Ablösung des klassischen Talkshow-Formates zwischen 2000 und 2005 […] das private Fernsehen […] sukzessive zu einer normalisierenden Ordnungsinstanz entwickelt [hat], die für alle Probleme der privaten/intimen Lebenswelt eine Lösung bereithält". <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/82">[Mehr]</a>


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			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Peter-Harald Kust</em></p>
<p><a href="http://www.rkm-journal.de/archives/82"><img class="alignleft size-full wp-image-2703" title="labitzke2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/05/labitzke20091.jpg" alt="" width="160" height="243" /></a>Nicole Labitzke befasst sich in ihrer Dissertation &#8220;mit den Mechanismen und Funktionsweisen des medialen Ordnungsprozesses, der als grundlegendes Muster in das Tagesprogramm von <a href="http://www.rtl.de/cms/index.html" target="_blank">RTL</a>, <a href="http://www.sat1.de/" target="_blank">Sat.1</a> und <a href="http://www.prosieben.de/" target="_blank">ProSieben</a> eingelassen ist&#8221; (19). Sie interessiert sich dafür, welche Ordnungsstrukturen mittels Sprache (diskursive Kompetenzen der TV-Akteure) und &#8220;raumzeitlicher Organisation des medial vermittelten Textes&#8221; (Studioaufbau) hergestellt werden (21). Ihre Ausgangsthese ist, dass sich mit der &#8220;Ablösung des klassischen Talkshow-Formates zwischen 2000 und 2005 […] das private Fernsehen […] sukzessive zu einer normalisierenden Ordnungsinstanz entwickelt [hat], die für alle Probleme der privaten/intimen Lebenswelt eine Lösung bereithält&#8221; (16).</p>
<p>Labitzke zieht Parallelen zwischen der sozio-ökonomischen Entwicklung Deutschlands des Jahres 2005 (Stichwort Hartz IV) und der Veränderung des Tagesprogramms der privaten Anbieter. Die Autorin vermutet einen Wandel der Formate von gesprächsbasierten, offenen Talkshows hin zu gescripteten, also vorgezeichneten Gerichtsshows (16). Diese sollen eine soziale Ordnung medial in Form &#8220;einer konkreten Entscheidung oder eines richterlichen Urteils&#8221; (16) reproduzieren. Die Studie sieht sich an der &#8220;Schnittstelle zwischen Kommunikations- und Medienwissenschaft&#8221; (Umschlagtext).</p>
<p>Die Arbeit lässt sich in zwei thematische Blöcke unterteilen: In den Kapiteln 1-3 führt die Autorin zur Fragestellung hin, befasst sich mit Besonderheiten des Tagesprogramms der untersuchten Sender und stellt die Struktur der untersuchten Formate sowie Forschungsresultate dazu vor. Die Kapitel 4, 5 und 6 beschäftigen sich mit dem theoretischen Hintergrund. Hier werden auch die Methode vorgestellt sowie die Ergebnisse präsentiert, zusammengefasst und diskutiert.</p>
<p>Untersucht wurde das Tagesprogramm der Sender zwischen 10 und 18 Uhr, dies Montag bis Freitag vom 12. bis 16 September 2005. Die Autorin ordnet die untersuchten Sendungen zwei Subgruppen zu: Zum &#8216;Sprechfernsehen&#8217; zählt sie Talkshows wie &#8216;Vera am Mittag&#8217; bzw. Gerichtsshows wie Richterin Barbara Salesch und Studiosendungen wie &#8216;Zwei bei Kallwass&#8217;. Die zweite Subgruppe sind &#8216;Filme&#8217; wie Makeover-Shows (&#8216;Einsatz in vier Wänden&#8217;) und Ermittler-Soaps wie Lenβen und Partner&#8217;. Auch Doku-Soaps wie &#8216;Unsere Klinik – Ärzte im Einsatz&#8217;  und die Telenovela &#8216;Verliebt in Berlin&#8217; zählt sie hierzu (47). Die Analyse des Materials erfolgt anhand von Einstellungs- und Sequenzprotokollen sowie Transkripten, die &#8220;strukturale Erzähltheorie bildet […] den methodischen Hintergrund für eine narratologisch-semiotische Analyse der Erzählungen im Tagesprogramm&#8221; (87). Dies ist auch die theoretische Basis, da &#8220;erzähltextliche Weltentwürfe eng an die Organisation der materiellen topographischen Struktur (z. B. das Fernsehstudio) gekoppelt sind&#8221; (23).</p>
<p>Labitzke unterscheidet die TV-Akteure in passive PatientInnen (ursprünglich nicht-mediale Figuren, &#8220;Verursacher von Ordnungsverletzungen&#8221;: 142) und aktive AgentInnen (&#8220;jene Figurengruppe […], die im kommunikativen Innenraum […] über uneingeschränkte Handlungsmacht verfügt&#8221;: 122). Die Verfasserin schliesst mit der Erkenntnis, &#8220;dass die Anordnung der vorhandenen Sprecherpositionen und -instanzen ein hiercharchisiertes Sprechersystem hervorbringt. […] Der Einsatz geschriebener oder gesprochener Sprache als Textinsert oder Off-Text etabliert normative Ordnungen und führt in vielen Fällen die charakteristische narrative Geschlossenheit der Erzählung, z. B. durch ein Urteil, erst herbei. […] Die objektive bzw. subjektive Semantik korreliert auf signifikante Weise mit unterschiedlichen Sprechakten&#8221; (300). Damit sieht sie ihre Ausgangsthese bestätigt, dass die untersuchten Programme Ordnungsstrukturen repräsentieren.</p>
<p>Die Studie ist durchaus von Interesse für die Kommunikationswissenschaft: Sie lenkt den Blick auf Strukturen in Formaten, bei denen &#8220;in der empirischen Kommunikationswissenschaft […] das Interesse an der Nutzung sowie den damit einhergehenden Wirkungen […] im Vordergrund&#8221; steht (80). Die Idee, dass TV-Formate Ordnungsstrukturen beinhalten, die mit aktuellen politisch-ökonomischen Entwicklungen in Gesellschaften korrespondieren bzw. als Reaktion zu verstehen sind, ist befruchtend und originell. Hier ließen sich Folgestudien anschließen, die sich mit der Sicht der Rezipienten solcher Formate unter dem Ordnungsaspekt befassen. Auch bietet die Arbeit einen Überblick über die Entwicklung der Programme bzw. Formate sowie die Strategien der privaten Anbieter. Daneben hat sie einen anderen theoretisch/methodischen Zugang zu TV-Angeboten als die sozialwissenschaftlich ausgerichtete Forschung. Erfreulich sind die Zusammenfassungen der wichtigsten Aussagen am Ende der Kapitel.</p>
<p>Eine kommunikationswissenschaftliche Lesart wirft aber auch Fragen auf. Deren Perspektive wird knapp auf rund 23 Seiten diskutiert, aber dann nicht mehr theoretisch bzw. methodisch weiterverfolgt. Somit lässt sich die angekündigte Schnittstellenfunktion zwischen Kommunikations- und Medienwissenschaft nicht erkennen. Dazu hätte sich vor allem der Ansatz des Agenda Setting angeboten. Hier gibt es frühe Untersuchungen zur Darstellung von Konflikten in den Medien (Weiß 1989). Das durch den medialen Text erzeugte &#8220;Modell von Wirklichkeit&#8221; (83) hätte sich an die Betrachtung medialer Wirklichkeitskonstruktion der &#8220;gesellschaftlichen Konstruktion der Wirklichkeit&#8221; nach Berger/Luckmann anschließen lassen (Keppler 2005: 94), Prozesse der Interaktion zwischen den Fernsehakteuren ließen sich mit dem Symbolischen Interaktionismus erklären (Krotz 1997). Die aus der Soziologie entlehnte soziale Ordnung wird nicht diskutiert oder belegt (20). Hier wäre ein Exkurs in die Soziologie und deren Grundverständnis von Ordnung durchaus interessant gewesen, dies vor allem unter dem Aspekt der &#8220;Akteurskonstellationen&#8221; (Esser 2000: 47). Denn gerade das Spannungsverhältnis zwischen individuellem Handeln in Form des Verstoßes gegen Normen und Regeln und die Wiederherstellung der Ordnung durch die untersuchten Formate ist das Thema der Arbeit. Warum nur kurz in einer Fußnote auf ähnliche öffentlich-rechtliche Formate eingegangen wird, erschließt sich nicht (39). Immerhin wurden die ersten Gerichtsshows in der <a href="http://www.ard.de/" target="_blank">ARD</a> (&#8216;Das Fernsehgericht tagt&#8217;, 1961-1978) und im <a href="http://www.zdf.de/" target="_blank">ZDF</a> (&#8216;Wie würden Sie entscheiden&#8217;, 1974-2000) ausgestrahlt, &#8216;Fliege – Die Talkshow&#8217; war 1994-2005 im Ersten zu sehen.</p>
<p>Kaum begründet ist die Annahme der Autorin, die untersuchten privaten Anbieter sähen sich selbst als Ersatz für das Versagen der Politik: &#8220;Die privaten Anbieter haben, basierend auf einer durch die Politik verursachten Leerstelle, einen [sic] offensichtlich vorhandenes Bedürfnis des potenziellen Publikums nach Orientierung, Klarheit und Gerechtigkeit identifiziert und generieren Angebote, die diesen Bedarf bedienen&#8221; (19). Die Autorin stützt ihre Vermutung lediglich auf eine Studie von Karstens/Schütte aus dem Jahr 1999. Hier hätten sich Experteninterviews mit Programmverantwortlichen angeboten. Die Begründung der Auswahl des Untersuchungsmaterials lässt auf eine hypothesenprüfende Studie schließen: &#8220;Den […] Schwerpunkt […] bilden jene Formate, die das Tagesprogramm am stärksten bestimmen […]. Die Durchsetzung einer (sozialen) Ordnung ist ein übergreifendes Motiv, das sowohl im Kontext des Sprechfernsehens, d. h. der Studiosendungen, als auch bei filmischen Darstellungen vorherrschend ist&#8221; (48). Allerdings hätte dann eine andere Methode angewandt und hätten die Ergebnisse statistisch ausgewertet werden müssen.</p>
<p>Das Vorgehen bei der Auswertung der Transkripte wird nicht erläutert. Leider stellt die Autorin ihre Ergebnisse nicht graphisch in Übersichten dar, also welche Strukturen in welchen Formaten und Sendern nun konkret im Sprechfernsehen oder in Filmen zu finden sind oder wie sich AgentInnen und PatientInnen verteilen. Lediglich an einer kleinen Tabelle sind Genres/Sujettypen und ihre Dominanz erkennbar (291). Dort erfährt man, dass die Ordnungsthemen &#8216;Recht&#8217; in der Gerichtsshow, &#8216;Moral&#8217; im Daily Talk und &#8216;Ästhetik&#8217; in der Makeover-Show behandelt werden. Unklar ist, welche Sendungen konkret untersucht wurden. Vermutlich stellt Tabelle 1 neben den Reichweiten auch die Untersuchungseinheiten dar, es könnten aber auch die Tabellen 17 bzw. 18 im Anhang sein. Die Autorin befasst sich mit Veränderungen in den Jahren zwischen 2000 und 2005 (45) bzw. 2007 (34), ausgewertet wurde nur eine Woche im September 2005. Die möglichen Veränderungen stellt sie mit dem Vergleich der Programmschemata fest (34). Hier hätten Messungen mit der gleichen methodischen Vorgehensweise zu mehreren Zeitpunkten erfolgen müssen. Anhand der vorliegenden Daten Veränderungen zu diskutieren, erscheint doch etwas gewagt. Die Ergebnisse werden schliesslich nur für die Jahre 2000-2005 präsentiert (299).</p>
<p>Die Untersuchung möglicher Ordnungsstrukturen in den diskutierten Formaten ist eine interessante Fragestellung. Ein sozialwissenschaftlicher Forschungsprozess lässt sich aber nur mit Mühe erkennen, eine überblicksartige Lesart der Ergebnisse ist kaum möglich. Aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht bleiben nach der Lektüre somit wesentlich mehr Fragen, als Antworten gegeben würden.</p>
<p><em>Literatur:</em></p>
<ul>
<li>Esser, H.: <i>Soziologie. Spezielle Grundlagen. Band 2: Die Konstruktion der Gesellschaft</i>. Frankfurt/New York [Campus Verlag] 2000.</li>
<li>Keppler, A.: &#8220;Medien und soziale Wirklichkeit&#8221;. In: Jäckel, M. (Hrsg.): <i>Mediensoziologie. Grundlagen und Forschungsfelder</i>. Wiesbaden [VS Verlag] 2005, S. 91-106.</li>
<li>Krotz, F.: &#8220;Kontexte des Verstehens audiovisueller Kommunikate. Das sozial positionierte Subjekt der Cultural Studies und die kommunikativ konstruierte Identität des Symbolischen Interaktionismus&#8221;. In: Charlton, M.; Schneider, S. (Hrsg.): <i>Rezeptionsforschung. Theorien und Untersuchungen zum Umgang mit Massenmedien</i>. Opladen [VS Verlag] 1997, S. 73-89.</li>
<li>Weiß, H.-J.; Trebbe, J.: &#8220;Öffentliche Streitfragen und massenmediale Argumentationsstrukturen. Ein Ansatz zur Analyse der inhaltlichen Dimension im Agenda Setting-Prozeß&#8221;. In: Kaase, M.; Schulz, W. (Hrsg.): <i>Massenkommunikation. Theorien, Methoden, Befunde</i>. Opladen [VS Verlag] 1989, S. 473-489.</li>
</ul>
<p><em>Lesetipps:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.medienheft.ch/kritik/bibliothek/k09_BaehlerRegula_02.html" target="_blank">Bähler, R. (2009): &#8220;TV als Hersteller sozialer Ordnung? Ordnungsfiktionen auf RTL, Sat.1 und ProSieben&#8221;. Online-Rezension auf Medienheft.ch (09.04.2010).</a></li>
<li><a href="http://www.medienheft.ch/kritik/bibliothek/k19_MeierOliver.html" target="_blank">Meier, O. (2003): &#8220;Im Namen des Publikums. Gerichtssendungen zwischen Fiktionalität und Authentizität&#8221;. Online-Kritik auf Medienheft.ch (09.04.2010).</a></li>
</ul>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.uvk.de/buch.asp?ISBN=9783867641319" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
</ul>


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		<title>Michael Grisko (Hrsg.): Texte zur Theorie und Geschichte des Fernsehens</title>
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		<pubDate>Mon, 08 Mar 2010 12:22:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Herbert Schwaab</em>

<a href="http://www.rkm-journal.de/archives/1793"><img class="alignleft size-full wp-image-2496" title="Grisko2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/12/Grisko2009.jpg" alt="" width="160" height="247" /></a>Angesichts der gerade zu beobachtenden Veränderungen des Fernsehens durch das Internet und der Neukonfiguration seines Publikums ist die von Michael Grisko angebotene Sammlung von Texten, die sich mit der Theorie und Geschichte des Fernsehens beschäftigen, besonders hilfreich. Der Band konzentriert sich vorwiegend auf die Wiedergabe einer in Deutschland geführten ästhetischen und gesellschaftlichen Diskussion des Fernsehens. Aus diesem Grund erklärt sich die Abwesenheit wichtiger fernsehwissenschaftlicher Beiträge, die aus dem Umfeld der Cultural Studies stammen. Diese Konzentration lässt zwar befürchten, dass die in diesem Band dokumentierte Kritik von Theodor W. Adorno oder Günther Anders am Fernsehen keine Kontrastierung findet. Aber in der Lektüre zeigt sich, dass diese Konzentration auch die Möglichkeit bietet, der Genese bestimmter fernsehwissenschaftlicher und -kritischer Positionen beizuwohnen. Vor allem die Texte aus den Jahren, in denen sich das Medium zu formieren beginnt, liefern interessante Erkenntnisse über das 'Wesen' des Fernsehens. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/1793">[Mehr]</a>


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			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Herbert Schwaab</em></p>
<p><a href="http://www.rkm-journal.de/archives/1793"><img class="alignleft size-full wp-image-2496" title="Grisko2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/12/Grisko2009.jpg" alt="" width="160" height="247" /></a>Angesichts der gerade zu beobachtenden Veränderungen des Fernsehens durch das Internet und der Neukonfiguration seines Publikums ist die von Michael Grisko angebotene Sammlung von Texten, die sich mit der Theorie und Geschichte des Fernsehens beschäftigen, besonders hilfreich. Der Band konzentriert sich vorwiegend auf die Wiedergabe einer in Deutschland geführten ästhetischen und gesellschaftlichen Diskussion des Fernsehens (10). Aus diesem Grund erklärt sich die Abwesenheit wichtiger fernsehwissenschaftlicher Beiträge, die aus dem Umfeld der Cultural Studies stammen. Diese Konzentration lässt zwar befürchten, dass die in diesem Band dokumentierte Kritik von Theodor W. Adorno oder Günther Anders am Fernsehen keine Kontrastierung findet. Aber in der Lektüre zeigt sich, dass diese Konzentration auch die Möglichkeit bietet, der Genese bestimmter fernsehwissenschaftlicher und -kritischer Positionen beizuwohnen. Vor allem die Texte aus den Jahren, in denen sich das Medium zu formieren beginnt, liefern interessante Erkenntnisse über das &#8216;Wesen&#8217; des Fernsehens. Es zeigt sich dabei auch, wie bestimmte Topoi oder Begriffe der Diskussion bis heute immer wiederkehren. Durch die Auswahl der Beitragenden, die von Physikern über Programmdirektoren bis zu Philosophen und Medienwissenschaftler reicht, und durch die hilfreiche Kommentierung ihrer Biografien durch den Herausgeber ergibt sich auch die Möglichkeit einer unterschiedlichen Perspektivierung des Gegenstandes. Diese unterschiedlichen Perspektivierungen sollen hier kurz zusammengefasst werden.</p>
<p>Bereits in den 1930er Jahren beschäftigt sich der Ingenieur Rudolf Thun mit den entscheidenden Unterschieden zwischen der häuslichen Rezeption des Fernsehens und der von Film im Kino, woran er Überlegungen zu einem eigens auf diese Rezeptionssituation abgestimmten Programm des Fernsehens anschließt. Diese Eigenständigkeit einer Fernsehästhetik, die sich aus seiner Sendeform ergibt, spielt in vielen der weiteren Texte eine Rolle – für Rudolf Arnheim in seinem 1936 veröffentlichten Text (als es Fernsehen nur in sehr beschränkten Ausmaß gab) allerdings auf negative Weise. Arnheim beschreibt nicht nur die Limitationen des Fernsehens gegenüber dem Film, sondern auch gegenüber dem Radio, weil dieses stärker auf Abstraktion und Vorstellungskraft beruhe als das Fernsehen (44). Allerdings zeigt sich auch eine große Ambivalenz in den sehr tief gehenden Gedanken Arnheims zum Fernsehen, dem er zum Beispiel auch das Potenzial attestiert, den Menschen gegenüber der Welt zu positionieren und seine Selbstbezogenheit in Frage zu stellen.</p>
<p>In den 1950er Jahren zeigt sich eine Teils euphorische, Teils sehr kritische Sicht auf das Fernsehen. Gerhard Eckert, ein Pionier der Fernsehwissenschaft und -kritik, preist den  Live-Charakter des Fernsehens, weil es einer im filmischen Produktionsprozess fragmentierten Darstellung wieder einen Zusammenhang gebe (81). Werner Pleister, Intendant des ersten westdeutschen Senders NWDR, bezeichnet in seinem Text &#8220;Deutschland wird Fernsehland&#8221; Fernsehen als eine &#8220;Sache der Welt&#8221; (89), womit sehr früh eine lokale Ausrichtung des Fernsehens ausgeschlossen und ein globaler, kosmopolitischer Charakter des Fernsehens herausgestellt wird. Günther Anders bestreitet dagegen in den Textauszügen aus <em>Die Antiquiertheit des Menschen</em> nicht nur den Gedanken, dass uns das Fernsehen zur Welt hinführe, sondern beschreibt auch ein Prinzip der Prägung des Menschen durch die Form der Vermittlung und nicht durch die Form der Inhalte. Hier zeigen sich Überschneidungen mit den Gedanken Marshall McLuhans, die auch in dem hier veröffentlichten Auszug aus <em>Die magischen Kanäle</em> zu finden sind: Es ist nicht das Programm und sein Inhalt, die massiv auf die Wahrnehmungsstruktur und die Psyche des Menschen einwirken, sondern das Fernsehbild (125). Aber im Unterschied zu Anders kritisiert McLuhan nicht nur das Fernsehen, sondern er macht auch auf die Potenziale einer vom Fernsehen ermöglichten neuartigen, taktilen, die Sinne zusammenführenden Wahrnehmungsform aufmerksam  (138).</p>
<p>In den 1970er Jahren scheint mit der Etablierung von Aufzeichnungstechniken der Live-Effekt des Fernsehens verblasst zu sein und eher negative Assoziationen zu wecken. Hans Gottschalk kritisiert die &#8220;Live-Ideologie&#8221; des Fernsehens und bedauert, dass der Horizont des Fernsehens häufig nicht über spärlich dekorierte Studiosets hinausreiche. Er fordert als späterer Fernsehspielchef des SDR eine sich am Film orientierende Kunst des Fernsehens, was auch dem Fernsehspielproduzenten Günter Rohrbach in dem 1979 veröffentlichten Text &#8220;Das Subventions-TV&#8221; sehr am Herzen liegt.  Allerdings könnten beide Medien voneinander profitieren: das Fernsehen durch die künstlerischen Impulse, die vom Film auf die große, unbewegliche, konservative Institution Fernsehen einwirken; und der Film durch das Geld, das er vom Fernsehen bekomme (178) – was nicht zuletzt einer der Gründe für den Erfolg des beim Publikum wenig erfolgreichen Neuen Deutschen Films gewesen ist.</p>
<p>Die 1970er Jahre bedeuten auch eine Politisierung der Diskussion um das Fernsehen, die neue Begriffe hervorbringt und einen wissenschaftlichen Gegenstand des Fernsehens konturiert. Das zeigt sich in Hans Magnus Enzensbergers Essay &#8220;Baukasten zu einer Theorie der Medien&#8221;, dessen Text im Zusammenhang mit Bestrebungen zu sehen ist, durch einen anderen Gebrauch des Mediums eine Gegenöffentlichkeit lokaler Medien zu schaffen. Ende der 1980er Jahre revidiert Enzensberger allerdings in dem ebenfalls in diesem Band veröffentlichten Aufsatz &#8220;Das Nullmedium&#8221; seine Ansicht über die emanzipatorischen Möglichkeiten des Fernsehens, schreibt jedoch der Inhaltsleere des Mediums – etwas gönnerhaft – auch ein meditatives Potenzial zu (219).</p>
<p>An dem Beitrag von Helmut Kreuzer, einem Pionier der deutschen Medienwissenschaft, zeigt sich, wie Fernsehen vor allem durch einen veränderten Kultur- und Medienbegriff und durch die Zuwendung zur Rezeptionsästhetik zu einem Gegenstand der Geisteswissenschaften werden konnte. In &#8220;Fernsehen als kulturelles Forum&#8221; von Horace M. Newcomb und Paul M. Hirsch offenbaren sich die Potenziale einer &#8216;verständnisvollen&#8217; – und nicht dunkel raunenden – Kulturwissenschaft. Dieser Beitrag begegnet dem Fernsehen alles andere als unkritisch und theoretische unfundiert,  aber durch die genaue Erfassung der Ästhetik, Institution und Adressierungsform des Fernsehens wird gezeigt, wie gerade die einfachen, unterhaltenden Formate zu einem öffentlichen Forum werden und für ein kognitiv reges Publikum widerstreitende Gefühle und Gedanken einer Gesellschaft repräsentieren können. Durch das Nebeneinanderstellen wird besonders deutlich, wie Neil Postman in <em>Wir amüsieren uns zu Tode</em> gerade dieses Differenzierungspotenzial des Zuschauers verleugnet und daher in dem Unterhaltungspostulat des Fernsehens einzig eine schädliche Wirkung auf dessen Wahrnehmungsstrukturen zu sehen vermag.</p>
<p>Mit dem Text von Hartmut Winkler zur Praktik des <em>switching</em> treten wir in die 1990er Jahre ein. Winkler interpretiert das hektische ungezielte Umschalten als einen gegen das Programm gerichteten interpretatorischen Akt, mit dem der Zuschauer sich Überraschungen verschaffe, gegen die Kontexte des Programms wende (226) und von der Reduktion auf die Rolle eines Adressaten befreie (230). Wie das Fernsehen unseren Alltag zeitlich strukturiert, wird in dem Text &#8220;Zeitrationalität der Fernsehnutzung&#8221; von Irene Neverla erfasst. Anders als Paul Virilio, der in seinem hier veröffentlichten Text nur von einer Zerstörung von Zeitlichkeit spricht, betrachtet Neverla Fernsehen als &#8220;sozialen Zeitgeber&#8221; (259) und beschreibt unterschiedliche Formen der zeitlichen Strukturierung unseres Alltags durch das Fernsehen. Vilém Flussers Plädoyer &#8220;Für eine Phänomenologie des Fernsehens&#8221; trägt einen neuen, eleganten, suggestiven Ton in der Auseinandersetzung mit dem Fernsehen bei – aber gleichzeitig auch wenig neue Ansichten. Vielmehr scheint Flusser ein Fernsehen zu imaginieren, das durch eine unformatierte und ungezielte Fokussierung auf die Wirklichkeit der in frühen Texten geäußerten Ansicht, dass das Fernsehen ein Fenster zur Welt sei, tatsächlich eine Bedeutung gibt (253).</p>
<p>Knut Hickethiers 1995 veröffentlichter Beitrag vereint unterschiedlichste Perspektiven der Medienwissenschaft zur genauen Bestimmung des Dispositivs des Fernsehens. Dabei werden beispielsweise die unterschiedlichen Rezeptionsoptionen und -haltungen der Zuschauenden im Zusammenspiel mit den Programmschemata ins Auge gefasst, wodurch Hickethier auf überzeugende Weise vor allem Einwände gegen allzu einseitige Beschreibungen der Wirkungsweisen des Fernsehens formuliert.  Der letzte Beitrag führt in einem Interview mit Niklas Luhmann zu dessen Arbeit <em>Realität der Massenmedien</em> in eine systemtheoretische Terminologie der Fernsehwissenschaft ein, die deren Gegenstandsfeld zu erweitern vermag, auch wenn die Neutralität und Objektivität dieser Terminologie sich vielleicht auch der Tatsache verdankt, dass  Luhmann, wie er selbst zugibt, nie ferngesehen hat &#8211; außer im Hotel (311).</p>
<p>Zumindest lässt sich für diesen Band feststellen, dass er nicht von der Betrachtung des Fernsehens abhält. Mit Vorsicht genossen und in dem Wissen, dass damit nicht alle Positionen zum Fernsehen abgedeckt sind, lassen sich mit dieser Sammlung, die auch eine detaillierte Chronologie des Fernsehens in Deutschland anbietet und in der Einleitung die Fernsehgeschichte resümiert, die Genese von Begriffen und Ansichten zum Fernsehen nachzeichnen. Dieser Rückblick auf eine (deutsche) Theoriegeschichte lädt nicht nur zur Relektüre und kritischen Evaluation einiger kanonischer Beiträge ein, sondern liefert auch wichtige Anregungen für eine Auseinandersetzungen mit den aktuellen Entwicklungen, die die Fernsehwissenschaft derzeit herausfordern.</p>
<p><em>Links</em>:</p>
<ul>
<li><a href="http://www.reclam.de/detail/978-3-15-018674-9?query=grisko" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www-mw.uni-r.de/mitarbeiter-kontakt/wiss-mitarbeiter/" target="_blank">Webpräsenz von Herbert Schwaab an der Universität Regensburg</a></li>
</ul>


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		<title>Michael Steinbrecher: Olympische Spiele und Fernsehen</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/620</link>
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		<pubDate>Thu, 10 Dec 2009 22:44:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<i>Rezensiert von Jan Lucas</i>

<img src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/08/steinbrecher20091.jpg" alt="steinbrecher2009" title="steinbrecher2009" width="160" height="243" class="alignleft size-full wp-image-1719" />Michael Steinbrecher ist vor allem durch seine Bildschirmpräsenz als Sportreporter bekannt. Mit dem vorliegenden Werk, welches auf seiner im Jahr 2008 abgeschlossenen Dissertation beruht, begegnet er uns als Wissenschaftler, der sich intensiv mit dem Verhältnis der (öffentlich-rechtlichen) Fernsehsender zu den medialen Megaereignissen der olympischen Spiele befasst. Den Kern der Arbeit stellt eine empirische Analyse der Olympiaberichterstattung der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender über sechs olympische Spiele (drei Sommer- sowie drei Winterspiele) im Zeitraum von 1996 bis 2006 dar. Erstmals wird hier das olympische Sportprogramm von ARD und ZDF in unterschiedliche, objektivierbare Kategorien der Berichterstattung unterteilt und der jeweilige zeitliche Anteil dieser Elemente an der gesamten Olympiaberichterstattung sekundengenau gemessen. Hiermit stellt Steinbrecher eine empirische Grundlage für eine tiefergehende Diskussion und Analyse der sportjournalistischen Begleitung der olympischen Spiele durch die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten bereit. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/620">[Mehr]</a>


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</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Jan Lucas</em></p>
<p><em><img class="alignleft size-full wp-image-1719" title="steinbrecher2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/08/steinbrecher20091.jpg" alt="steinbrecher2009" width="160" height="243" /></em>Michael Steinbrecher ist vor allem durch seine Bildschirmpräsenz als Sportreporter bekannt. Mit dem vorliegenden Werk, welches auf seiner im Jahr 2008 abgeschlossenen Dissertation beruht, begegnet er uns als Wissenschaftler, der sich intensiv mit dem Verhältnis der (öffentlich-rechtlichen) Fernsehsender zu den medialen Megaereignissen der olympischen Spiele befasst.</p>
<p>Den Kern der Arbeit stellt eine empirische Analyse der Olympiaberichterstattung der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender über sechs olympische Spiele (drei Sommer- sowie drei Winterspiele) im Zeitraum von 1996 bis 2006 dar. Erstmals wird hier das olympische Sportprogramm von <a href="http://www.ard.de/" target="_blank">ARD</a> und <a href="http://www.zdf.de/" target="_blank">ZDF</a> in unterschiedliche, objektivierbare Kategorien der Berichterstattung unterteilt und der jeweilige zeitliche Anteil dieser Elemente an der gesamten Olympiaberichterstattung sekundengenau gemessen. Hiermit stellt Steinbrecher eine empirische Grundlage für eine tiefergehende Diskussion und Analyse der sportjournalistischen Begleitung der olympischen Spiele durch die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten bereit.</p>
<p>Den empirischen Ergebnissen geht zunächst ein breiter Überblick über Geschichte, Strukturen und Entwicklungen der olympischen Spiele der Neuzeit voraus. In Kapitel 2 wird die olympische Idee nach ihrem Gründer Pierre de Coubertin beschrieben. Steinbrecher macht deutlich, dass diese als Legitimations- und Argumentationsgrundlage insbesondere für olympische Funktionäre nach wie vor relevant ist. Zugleich zeigt er auf, dass bestehende Konflikte und Spannungsfelder schon in der Gründungsphase der Spiele bestanden. Kapitel 3 beschreibt den Status quo der olympischen Spiele und stellt diese ihrer ursprünglichen Konzeption gegenüber. Wesentliche Kritik- und Diskussionsfelder werden hierbei herausgestellt. Kapitel 4 behandelt die (Legitimations-)Krisen der olympischen Spiele – angefangen mit den Spielen von Berlin 1936 bis hin zu den (zum Zeitpunkt der Niederschrift noch bevorstehenden) Spielen von Peking 2008. Kapitel 5 schließt den theoretischen Teil mit einer historischen Betrachtung des Verhältnisses zwischen Fernsehveranstaltern und Olympia ab und führt so auf die konkrete empirische Auseinandersetzung mit der olympischen TV-Berichterstattung hin.</p>
<p>Der theoretische Teil der Arbeit in den Kapiteln 2 bis 5 ermöglicht dem Leser einen Einblick in die kritische Diskussion der olympischen Spiele, ihre Ziele und Ideale sowie ihres öffentlichen Stellenwertes. Die Breite dieses Überblicks geht gelegentlich zulasten seiner Tiefe, was insofern legitim ist, als Steinbrecher nicht versucht, Antworten zu finden, sondern vielmehr dem Leser verschiedene Positionen und Kritikpunkte aufzeigen und somit eine Grundlage für eine weitere Diskussion des Themas bereitstellen möchte. Steinbrechers Ziel ist es, wie uns der Titel bereits verrät, ein &#8220;Netz olympischer Abhängigkeiten&#8221; zu beschreiben. Es gelingt ihm, die verschiedenen Abhängigkeiten zu identifizieren, ihre jeweilige Stärke und ihr besonderes Ausmaß werden jedoch nicht immer deutlich und stellen möglicherweise zukünftige Forschungsaufträge dar.</p>
<p>In Kapitel 6, dem empirischen Teil der Arbeit, werden zunächst 21 verschiedene Programmkategorien vorgestellt, in die sich das olympische Programmschema einteilen lässt, sowie deren Anteil an der Olympiaberichterstattung ermittelt. Steinbrecher liefert hier eine bisher nicht vorhandene Datenbasis, welche eine objektive Beurteilung subjektiv empfundener und geäußerter Entwicklungen der Olympiaberichterstattung erlaubt. Der deskriptive Wert der gesammelten Daten ist hoch, ihr explorativer Wert ist aufgrund der geringen Zahl von sechs untersuchten olympischen Spielen indes begrenzt.</p>
<p>In Kapitel 7 führt Steinbrecher den Leser in die Strukturen und Entscheidungsprozesse der (olympischen) Sportberichterstattung des ZDF ein. Steinbrecher stellt die olympische Programmphilosophie des ZDF basierend auf von ihm selbst durchgeführten Leitfaden- bzw. Tiefeninterviews mit den Programmverantwortlichen des ZDF dar. Hier liegt der Wert der Arbeit in dem besonderen Blickwinkel Steinbrechers als Insider und Sportjournalist. Im Fokus stehen die in den Kapiteln 2 bis 5 identifizierten Spannungsfelder der olympischen Idee. Auch hier wird weder seitens des Autors noch seitens der befragten Programmverantwortlichen eindeutig bzw. einheitlich Position bezogen. Vielmehr wird deutlich, dass auch die verantwortlichen Journalisten parallel zur gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit olympischen Problemfeldern durchaus kontrovers nach Antworten und Strategien suchen.</p>
<p>Während Steinbrecher die zentrale Stellung der olympischen Ideale und ihrer Charta im Netz der olympischen Abhängigkeiten ausführlich beschreibt, vermisst man – auch in den Aussagen der ZDF-Programmverantwortlichen – den direkten Bezug auf die Grundlage öffentlich-rechtlicher Programmgestaltung in Form des im Rundfunkstaatsvertrag festgelegten Programm- und Sozialisationsauftrags. In diesem Zusammenhang muss die Frage aufgeworfen werden, ob die enge Abgrenzung des Forschungsgegenstandes auf die reinen Sportübertragungen unter Ausschluss der zwischendurch ausgestrahlten Nachrichtensendungen sowie der nachgelagerten Informations- und Unterhaltungssendungen mit Olympiabezug operabel ist. Letztlich macht sich hier die sportjournalistische Perspektive Steinbrechers bemerkbar, die in diesem Kontext einer etwas distanzierteren medienpolitischen Sicht gegenübergestellt werden könnte.</p>
<p>Das vorliegende Buch ist sowohl für Praktiker als auch für Wissenschaftler lesenswert. Für Sportjournalisten bietet es eine Grundlage für die persönliche Auseinandersetzung mit der Frage, wie mit kritischen Aspekten olympischer Spiele umzugehen ist. Aus wissenschaftlicher Sicht ist das Buch vor allem ein Fundus von offenen Fragen und Kontroversen, die nach Lösungen und Antworten verlangen und so eine Reihe interessanter Forschungsfragen anstoßen bzw. fortführen können.</p>
<p><em><em>Links</em>:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.uvk.de/buch.asp?ISBN=9783867641364&amp;WKorbUID=75966681&amp;TITZIF=2253&amp;be=&amp;uBe=" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.journalistik-dortmund.de/index.php?option=com_content&amp;task=view&amp;id=420&amp;Itemid=160" target="_blank">Webpräsenz von Michael Steinbrecher am Institut für Journalistik der TU Dortmund</a></li>
<li><a href="http://www.michael-steinbrecher.de/" target="_blank">persönliche Homepage von Michael Steinbrecher</a></li>
</ul>
<p><img src="http://vg09.met.vgwort.de/na/eb3665d1c9bf4cf99ef3171bc40c1c25" width="1" height="1" alt=""></p>


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		<title>Dieter Rucht; Simon Teune (Hrsg.): Nur Clowns und Chaoten?</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/122</link>
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		<pubDate>Wed, 18 Nov 2009 17:16:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<i>Rezensiert von Sigrid Baringhorst &#038; Andreas Hetzer</i>

<img src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/11/ruchtteune20081.jpg" alt="rucht&#38;teune2008" title="rucht&#38;teune2008" width="160" height="243" class="alignleft size-full wp-image-1666" /> Der Sammelband von Dieter Rucht und Simon Teune steht in der Tradition der deutschen Protest- und Bewegungsforschung und beschäftigt sich mit der Analyse und Interpretation der Medienresonanz auf die G8-Protestereignisse in Heiligendamm 2007. Der G8-Gipfel kann aufgrund seiner breiten Gegenmobilisierung und der umfangreichen Berichterstattung als singuläres Protest- und Medienereignis für Deutschland bezeichnet werden. Im Mittelpunkt der Studie stehen die Medienprodukte selbst, auf eine Medienwirkungsanalyse wird verzichtet. Die Herausgeber sind ausgewiesene Experten auf dem Gebiet und begründen ihr Forschungsinteresse an der Thematik des Bandes mit ihrer "langjährige[n] Befassung mit politischen Protestbewegungen, ihre[n] öffentlichen Darstellungs- und Vermittlungsformen und die von ihnen gewollt und ungewollt erzielten massenmedialen Resonanzen". <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/122">[Mehr]</a>


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</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Sigrid Baringhorst &amp; Andreas Hetzer</em></p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-1666" title="rucht&amp;teune2008" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/11/ruchtteune20081.jpg" alt="rucht&amp;teune2008" width="160" height="243" /> Der Sammelband von Dieter Rucht und Simon Teune steht in der Tradition der deutschen Protest- und Bewegungsforschung und beschäftigt sich mit der Analyse und Interpretation der Medienresonanz auf die G8-Protestereignisse in Heiligendamm 2007. Der G8-Gipfel kann aufgrund seiner breiten Gegenmobilisierung und der umfangreichen Berichterstattung als singuläres Protest- und Medienereignis für Deutschland bezeichnet werden. Im Mittelpunkt der Studie stehen die Medienprodukte selbst, auf eine Medienwirkungsanalyse wird verzichtet. Die Herausgeber sind ausgewiesene Experten auf dem Gebiet und begründen ihr Forschungsinteresse an der Thematik des Bandes mit ihrer &#8220;langjährige[n] Befassung mit politischen Protestbewegungen, ihre[n] öffentlichen Darstellungs- und Vermittlungsformen und die von ihnen gewollt und ungewollt erzielten massenmedialen Resonanzen&#8221; (11). Dementsprechend betritt das empirische Untersuchungsdesign kein methodologisches Neuland, sondern kann an zahlreiche Vorarbeiten der Herausgeber anknüpfen. Entgegen üblicher Publikationsformen hat sich das Autorenteam bewusst für eine innovative Zusammenstellung entschieden, indem wissenschaftliche, politisch engagierte und journalistische Sichtweisen kontrastiert werden.</p>
<p>Im ersten Teil bemühen sich zwei Beiträge um die Rekonstruktion der Ereignisse. Simon Teune bietet eine neutrale Chronik des Protestverlaufs, wohingegen Elke Steven als Mitglied der Beobachtergruppe des <a href="http://www.grundrechtekomitee.de/" target="_blank"><em>Komitees für Grundrechte und Demokratie</em></a> diesen aus einer politisch-kritischen Beobachterperspektive kommentiert.</p>
<p>Danach stellen Rucht und Teune die Befunde einer quantitativen Printmedienanalyse vor. Der Vergleich der Presseerzeugnisse konzentriert sich auf den Umfang, die Themen und die inhaltliche Tendenz der Berichterstattung. Fördern die Ergebnisse insgesamt wenig Neues zu Tage, so fällt im Vergleich zu ähnlichen Protestgroßereignissen der vergangenen Jahre auf, &#8220;dass die Berichterstattung über den offiziellen Gipfel schrumpft, während den Protesten immer mehr Raum gewidmet wird&#8221; (72). Die darauf folgende qualitative Analyse von Pressekommentaren von Rucht zeigt, dass die Kommentarspalten der verschiedenen Zeitungen &#8220;ein breites und durchaus kontroverses Meinungsspektrum&#8221; abbilden. Ergänzend zur textbasierten Auswertung untersucht der Beitrag von Sabrina Herrmann die visuelle Repräsentation der Proteste während der Gipfelwoche in vier verschiedenen Hauptnachrichtensendungen von <a href="http://www.ard.de/" target="_blank">ARD</a>, <a href="http://www.zdf.de/" target="_blank">ZDF</a>, <a href="http://www.rtl.de/" target="_blank">RTL </a>und <a href="http://www.sat1.de/" target="_blank">Sat.1 </a>anhand von Schlüsselbildern.</p>
<p>Im dritten Teil kommen mit der Pressesprecherin von <a href="http://www.attac.de/" target="_blank"><em>attac </em></a>(Frauke Distelrath) und einem Aktivisten des alternativen Medienzentrums (Stefan Zimmer) Protestakteure selbst zu Wort. Die subjektiv gefärbten Perspektiven bieten einen Einblick in die Gegenöffentlichkeitsstrategien der Gipfelkritiker. Die anderen beiden Beiträge sind mit Daniel Schulz und Stefan Raue von Medienschaffenden verfasst, die die Inszenierung der Ereignisse und die Rolle der Medien problematisieren.</p>
<p>Der Schlussteil schließt mit zwei wissenschaftlichen Reflexionen. Mundo Yang präsentiert ein Konzept diskursiver Protestdramaturgien zur Mobilisierung kollektiver Akteure und schärft mit seiner Unterscheidung in partnerschaftliche, antagonistische und kritische Dramaturgien den Blick für die Heterogenität der globalisierungskritischen Bewegung bezüglich ihrer Präsentation in der Öffentlichkeit. Im abschließenden Fazit fassen Rucht und Teune die Lehren zusammen, die alle beteiligten Akteure aus dem Medienereignis &#8220;G8-Gipfel&#8221; ziehen können.</p>
<p>Der Versuch, die Multiperspektivität mit den verschiedenen Beiträgen abzubilden, ist ein lohnenswertes Unterfangen. Der Leser muss allerdings in Kauf nehmen, dass sich der Stil und die Qualität der Beiträge erheblich unterscheiden. Die Beiträge zeichnen sich durch eine klare und verständliche Sprache aus. Damit ist der Band nicht nur einer wissenschaftlichen Community zugänglich, sondern darüber hinaus eine wertvolle Lektüre für Bewegungsakteure und Medienmacher. Der nationale Fokus aller Autoren dürfte die Rezeption der Veröffentlichung eher auf ein deutsches Publikum beschränken. Die internationale Leserschaft sei eher auf vorangegangene Arbeiten besonders von Dieter Rucht verwiesen, die mit ihrer stärkeren theoretischen Ausrichtung das Fundament für die hier vorliegende Fallstudie legen.</p>
<p><em>Links</em>:</p>
<ul>
<li><a href="http://www.campus.de/wissenschaft/soziologie/Nur+Clowns+und+Chaoten%3F.85767.html" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.wzb.eu/zkd/zcm/leute/rucht.de.htm" target="_blank">Webpräsenz von Dieter Rucht am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung</a></li>
<li><a href="http://www.wzb.eu/zkd/zcm/leute/teune.de.htm" target="_blank">Webpräsenz von Simon Teune am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung</a></li>
<li><a href="http://www.fb1.uni-siegen.de/politik/mitarbeiter/baringhorst/" target="_blank">Webpräsenz von Sigrid Baringhorst an der Universität Siegen</a></li>
<li><a href="http://www.fb1.uni-siegen.de/politik/mitarbeiter/hetzer/?lang=de" target="_blank">Webpräsenz von Andreas Hetzer an der Universität Siegen</a></li>
</ul>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Peter J. Schulz; Uwe Hartung; Simone Keller (Hrsg.): Identität und Vielfalt der Kommunikationswissenschaft</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/459</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/459#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 11 Nov 2009 14:36:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Philomen Schönhagen</em>

<img class="alignleft size-full wp-image-1695" title="schulzetal2008" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/11/schulzetal2008.jpg" alt="schulzetal2008" width="161" height="230" />Der Band zur Jahrestagung der DGPuK 2008 in Lugano enthält unterschiedlichste Beiträge aus verschiedenen Forschungsgebieten des Fachs, wie bei solch breit angelegten Konferenzen nicht anders zu erwarten ist. Zudem war in diesem Fall die "Vielfalt" der Kommunikationswissenschaft ausdrücklich Programm. Allerdings muss man feststellen, dass der Tagungsband diese Vielfalt, jedenfalls mit Blick auf theoretische Perspektiven und Fachtraditionen, deutlich weniger widerspiegelt, als dies bei der Tagung der Fall war. Das Gros der Beiträge, ebenso wie der Autorinnen und Autoren, ist der zentralen sozialwissenschaftlichen Fachtradition zuzurechnen. Man erhält jedoch durchaus interessante Einblicke in die Vielfalt der kommunikationswissenschaftlichen Forschung. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/459">[Mehr]</a>


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</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Philomen Schönhagen</em></p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-1695" title="schulzetal2008" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/11/schulzetal2008.jpg" alt="schulzetal2008" width="161" height="230" />Der Band zur Jahrestagung der DGPuK 2008 in Lugano enthält unterschiedlichste Beiträge aus verschiedenen Forschungsgebieten des Fachs, wie bei solch breit angelegten Konferenzen nicht anders zu erwarten ist. Zudem war in diesem Fall die &#8220;Vielfalt&#8221; der Kommunikationswissenschaft ausdrücklich Programm. Allerdings muss man feststellen, dass der Tagungsband diese Vielfalt, jedenfalls mit Blick auf theoretische Perspektiven und Fachtraditionen, deutlich weniger widerspiegelt, als dies bei der Tagung der Fall war. Das Gros der Beiträge, ebenso wie der Autorinnen und Autoren, ist der zentralen sozialwissenschaftlichen Fachtradition zuzurechnen. Man erhält jedoch durchaus interessante Einblicke in die Vielfalt der kommunikationswissenschaftlichen Forschung. Fragen der &#8220;Identität&#8221; des Faches –  ebenso Programm der Tagung und Teil des Titels – sind explizit nur in den vier fachhistorischen Beiträgen des ersten Teils (<em>Fabian Schäfer</em>, <em>Erik Koenen</em>, <em>Maria Löblich/Senta Pfaff-Rüdiger</em>, <em>Stefanie Averbeck-Lietz</em>) sowie in der Bestandsaufnahme kultur- und praxistheoretischer Konzepte von <em>Johannes Raabe</em> Thema.</p>
<p>Die von den Herausgebern angestrebte Gliederung in drei Teile – einen ersten zum Fach und seiner Theorieentwicklung, einen zweiten mit Blick auf (theoretische) Ansätze und Teilgebiete des Fachs und einen dritten zu empirischen Studien – ist nur bedingt nachvollziehbar. So würde der Beitrag von <em>Patrick Donges</em>, der aus einer interdisziplinären Perspektive grundlegende Definitionsprobleme der Politischen Kommunikation diskutiert, besser in den zweiten Teil passen, ebenso wie der bereits erwähnte Aufsatz von Johannes Raabe (theoretische Ansätze). Im zweiten Teil wiederum sind zwei Beiträge enthalten, die Ergebnisse empirischer Studien präsentieren (<em>Olaf Jandura/Constanze Rossmann</em> sowie <em>Sabrina Bresciani/Martin J. Eppler</em>) und somit besser im dritten Teil zu verorten wären.</p>
<p>Da die Rezension eines derart vielfältigen Bandes mit insgesamt 17 Beiträgen (ausgewählt aus 63 Vorträgen, wie der Einleitung zu entnehmen ist) unmöglich ins Detail gehen kann, soll im Folgenden vor allem die oben begonnene Übersicht zu den einzelnen Aufsätzen vervollständigt werden.</p>
<p>Interessante Einblicke in die Ideen- bzw. Theoriegeschichte des Fachs aus einer transnationalen Perspektive bieten drei Beiträge (im ersten Teil): Die Diskussion des Begriffs bzw. Konzepts von öffentlicher Meinung in der japanischen Kommunikations- bzw. Zeitungswissenschaft der 1920er und -30er Jahre, die <em>Fabian Schäfer</em> ebenso beleuchtet wie deren Wechselwirkungen mit dem deutschen Fach bzw. einzelnen Vertretern desselben, ist für viele Leser sicher neu. <em>Erik Koenen</em> gibt einen Überblick über die Fachgeschichte in Skandinavien mit Schwerpunkt auf Finnland, wobei die wechselnden internationalen Einflüsse sowie die enge &#8220;Nordic Co-Operation&#8221; der skandinavischen Länder im Mittelpunkt stehen. <em>Stefanie Averbeck-Lietz</em> veranschaulicht kenntnisreich die unterschiedliche, aber komplementäre Rezeption des Konstruktivismus in der deutsch- und französischsprachigen Kommunikationswissenschaft. Sie führt diese vor allem auf die unterschiedlichen Fachtraditionen mit der in Frankreich stärker sprach- und handlungstheoretischen sowie wissenssoziologischen Orientierung und auf die je eigene Rezeption amerikanischer Literatur zurück. Der vierte fachhistorische Beitrag fokussiert dagegen nur auf Deutschland: Die Inhaltsanalyse der wissenschaftlichen Aufsätze in der &#8220;<a href="http://www.publizistik-digital.de" target="_blank">Publizistik</a>&#8221; der Jahre 1956 bis 1980, deren Ergebnisse <em>Maria Löblich</em> und <em>Senta Pfaff-Rüdiger</em> präsentieren, unterstreicht einmal mehr, dass sich eine verstärkt empirisch-sozialwissenschaftliche Perspektive eher langsam, in einem &#8220;evolutionären Prozess&#8221; durchgesetzt  hat (61).</p>
<p><em>Jörg Matthes</em> gibt einen Überblick über die Framing-Forschung und stellt Ergebnisse einer Meta-Analyse diesbezüglicher Studien vor, welche die Disparität des Ansatzes veranschaulichen. Daraus leitet er Anregungen für ein Forschungsprogramm mit einheitlichen Begrifflichkeiten ab. <em>Inga Huck</em>, <em>Oliver Quiring</em> und <em>Hans-Bernd Brosius </em>widmen sich, auf der Basis eines kurzen Forschungsüberblicks, der Weiterentwicklung des Agenda-Setting-Ansatzes. Sie schlagen ein Modell vor, das Wahrnehmungsphänomene wie insbesondere den Third-Person-Effekt einbezieht. <em>Benjamin Krämer</em>, <em>Thorsten Schroll</em> und <em>Gregor Daschmann</em> legen Möglichkeiten zur Verbesserung multivariater Datenanalysen mittels künstlicher neuronaler Netze dar, die in anderen Fächern bereits ein eingeführtes &#8220;statistisches Werkzeug&#8221; (179) seien. Dabei skizzieren sie kurz Beispiele aus verschiedenen Forschungsfeldern.</p>
<p>Die übrigen Beiträge (im zweiten und dritten Teil des Bandes) stellen Ergebnisse diverser empirischer Studien vor. Vier der Aufsätze weisen eine internationale Perspektive auf: <em>Joachim Trebbe</em> und <em>Jens Woelke</em> identifizieren in den Programmstrukturen der öffentlich-rechtlichen bzw. öffentlich-konzessionierten Fernsehsender Deutschlands, Österreichs und der Schweiz zwei unterschiedliche Strategien (komplementäre Formatierung der Programme eines Veranstalters oder Profilierung &#8220;gegeneinander&#8221;, 209). <em>Kevin Grieves</em> zeigt anhand einer qualitativen Befragung grenzüberschreitend arbeitender Journalisten in der deutsch-französisch-luxemburgischen Region Saar-Lor-Lux, welche Schwierigkeiten die interkulturelle Zusammenarbeit in sich birgt und dass erfolgreiche Kooperation stark auf persönlichen Kontakten basiert. <em>Manuel Puppis</em> untersucht, ausgehend von der neoinstitutionalistischen Organisationstheorie, wie die Presseräte Deutschlands, der Schweiz, Großbritanniens und Irlands auf Anforderungen ihrer Umwelten reagieren (Anpassung von Strukturen und Prozessen). <em>Uwe Hasebrink</em> schließlich legt die Konzeption einer international vergleichenden Meta-Studie zur Onlinenutzung von Kindern und Jugendlichen in 21 Ländern dar.</p>
<p>Weiter präsentieren <em>Olaf Jandura</em> und <em>Constanze Rossmann</em> eine Inhaltsanalyse zum Thema Gesundheit in Boulevardmagazinen des deutschen Fernsehens. Untersucht wurden die Häufigkeit von Gesundheitsthemen (ca. 10% aller Beiträge), die Akteure (mehrheitlich Männer, außer beim Subthema Schönheitsoperationen), das Emotionalisierungspotenzial (&#8220;im Mittelfeld&#8221;, 159) sowie die Publikumsorientierung der Beiträge (hoch). Im einzigen englischsprachigen Beitrag identifizieren <em>Sabrina Bresciani</em> und <em>Martin J. Eppler</em> Grenzen der Visualisierung komplexer Informationen. Auf der Basis einer Literaturübersicht und der Ergebnisse aus Interviews sowie einer Gruppendiskussion mit Experten erarbeiten sie eine Klassifikation der (kognitiven, emotionalen und sozialen) Risiken bzw. Probleme graphischer Darstellungen, die Designer- und Nutzer-induziert sein können. Methodisch besonders interessant ist der Beitrag von <em>Markus Lehmkuhl</em>, der in einem kleinen Dorf des Landkreises Oldenburg die Einflüsse sozialer Netzwerke auf die Adoption neuer Telekommunikationstechniken erforscht und dabei gut zwei Drittel der Einwohner befragt hat. <em>Gerhard Vowe</em> und <em>Marco Dohle</em> schließlich prüfen mit der Mediatisierungsthese eine hoch aktuelle theoretische Perspektive. Dazu führten sie eine Längsschnittanalyse deutscher Parlamentsdebatten durch, wobei sie auf die Entwicklung der (Medien-)Referenzen der Redner fokussieren. Die Mediatisierungsthese können sie mit ihren Ergebnissen nur teilweise bestätigen.</p>
<p>Wie eingangs bereits vorweggenommen, bietet der Tagungsband somit vielfältige Einblicke in die Forschung des Faches – von der Fach- und Theoriegeschichte über Politische Kommunikation, verschiedene theoretische Ansätze und methodische Entwicklungen bis hin zu Visueller und Gesundheitskommunikation, Journalismus-, Fernseh-, Mediennutzungs- und Diffusionsforschung. Sollte man aufgrund des Titels einen Gesamtüberblick über das Fach Medien- und Kommunikationswissenschaft und/oder eine vertiefte Diskussion zur Identität desselben erwarten, würde man jedoch enttäuscht.</p>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.uvk.de/buch.asp?ISBN=9783867641470&amp;WKorbUID=7000006&amp;TITZIF=2266&amp;be=&amp;uBe=" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.usi.ch/personal-info?id=272" target="_blank">Webpräsenz von Peter J. Schulz an der Università della Svizzera italiana</a></li>
<li><a href="http://www.usi.ch/personal-info?id=1043" target="_blank">Webpräsenz von Uwe Hartung an der Università della Svizzera italiana</a></li>
<li><a href="http://www.usi.ch/personal-info?id=1140" target="_blank">Webpräsenz von Simone Keller an der Università della Svizzera italiana</a></li>
<li><a href="http://www.unifr.ch/mukw/mukw07/index.php?page=prof-dr-philomen-schonhagen" target="_blank">Webpräsenz von Philomen Schönhagen an der Universität Fribourg (CH)</a></li>
</ul>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Tanja Thomas (Hrsg.): Medienkultur und soziales Handeln</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/465</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/465#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 08 Oct 2009 10:20:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einzelrezension]]></category>
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		<category><![CDATA[Cultural Studies]]></category>
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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Marcus S. Kleiner</em>

<img class="alignleft size-full wp-image-1478" title="Thomas2008" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/05/Thomas20081.jpg" alt="Thomas2008" width="160" height="226" />In der kommunikationswissenschaftlichen Auseinandersetzung mit nationalen sowie transnationalen Medienkulturen sind zumeist drei Perspektiven kaum reflektiert worden: erstens die (theoretische und empirische) Diskussion der Interdependenz von Medienkulturen und sozialem Handeln; zweitens die Verbindung von grundlagentheoretischen Reflexionen zur Medienkultur mit empirischen Analysen; drittens die Systematisierung kommunikationswissenschaftlicher Positionen zur Medienkultur sowie grundlegender Forschungsfelder. Diesen Mangel versucht der von Tanja Thomas, unter Mitarbeit von Marco Höhn, herausgegebene Band <em>Medienkultur und soziales Handeln</em> zu schließen – sehr materialreich und vor dem Hintergrund einer eingehenden Diskussion der einschlägigen (internationalen) Forschungsliteratur. Mit diesem Band wird sowohl ein wichtiger Beitrag zur kommunikationswissenschaftlichen Fundierung der Medienkulturforschung geleistet als auch zu ihrer stärkeren Verankerung in den Kommunikationswissenschaften. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/465">[Mehr]</a>


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</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Marcus S. Kleiner</em></p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-1478" title="Thomas2008" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/05/Thomas20081.jpg" alt="Thomas2008" width="160" height="226" />In der kommunikationswissenschaftlichen Auseinandersetzung mit nationalen sowie transnationalen Medienkulturen sind zumeist drei Perspektiven kaum reflektiert worden: erstens die (theoretische und empirische) Diskussion der Interdependenz von Medienkulturen und sozialem Handeln; zweitens die Verbindung von grundlagentheoretischen Reflexionen zur Medienkultur mit empirischen Analysen; drittens die Systematisierung kommunikationswissenschaftlicher Positionen zur Medienkultur sowie grundlegender Forschungsfelder. Diesen Mangel versucht der von Tanja Thomas, unter Mitarbeit von Marco Höhn, herausgegebene Band <em>Medienkultur und soziales Handeln</em> zu schließen – sehr materialreich und vor dem Hintergrund einer eingehenden Diskussion der einschlägigen (internationalen) Forschungsliteratur. Mit diesem Band wird sowohl ein wichtiger Beitrag zur kommunikationswissenschaftlichen Fundierung der Medienkulturforschung geleistet als auch zu ihrer stärkeren Verankerung in den Kommunikationswissenschaften.</p>
<p>Ausgangspunkt ist die Überzeugung, dass Medien bzw. Medienkulturen für das Verstehen, Ordnen, Bewältigen und Gestalten des Alltagslebens sowie im Kontext von Selbstentwürfen von konstitutiver Bedeutung sind. Tanja Thomas betont daher in ihrem &#8220;Vorwort&#8221;, dass &#8220;Medienerfahrungen und Medienhandeln mit Alltagserfahrungen und Alltagshandeln&#8221; verschränkt sind (7). Der diesem Verständnis zugrunde liegende Handlungsbegriff betrachtet, wie Tanja Thomas und Friedrich Krotz in ihrem einleitenden Beitrag &#8220;Medienkultur und soziales Handeln&#8221; betonen, &#8220;die einzelnen Handlungen als Teil von kollektiven Handlungsgefügen und als soziale Praktiken&#8221;; er setzt &#8220;an einem sozialisierten Mensch&#8221; an und existiert &#8220;in und durch Kultur und Gesellschaft&#8221; (32).</p>
<p>Die Bedeutung von Medienkulturen für Gesellschaft und Individuum theoretisch und empirisch zu bestimmen, wird von Tanja Thomas in ihrem &#8220;Vorwort&#8221; als Zielsetzung des Bandes formuliert: Er solle &#8220;[m]ediatisiertes soziales Handeln hinsichtlich seines Potenzials zur Reproduktion sozialer Strukturen und Beziehungen [...] diskutieren&#8221; (7). Hiermit wird deutlich, dass für Tanja Thomas Medienkulturanalysen mehr als Zeit(geist)diagnosen darstellen. Um diese Zielsetzung umzusetzen und die letztgenannte These zu plausibilisieren, ist es notwendig, eine theoretische Konturierung des Begriffs Medienkultur vorzulegen.</p>
<p>Forschungsleitend sind in diesem Kontext drei grundlagentheoretische Konzepte, bei denen es sich um bereits seit einigen Jahren in den Kommunikationswissenschaften etablierte – nicht aber kanonisierte – Ansätze handelt: zunächst das Konzept &#8220;gesellschaftlicher Metaprozesse&#8221; von Friedrich Krotz, worunter er Globalisierung, Individualisierung, Mediatisierung und Ökonomisierung/Kommerzialisierung versteht. Dem zur Seite gestellt wird die von Andreas Hepp vorgeschlagene (kommunikationswissenschaftliche) Weiterentwicklung des Begriffs der Netzwerkgesellschaft als Gesellschaftsdiagnose durch die Beschreibungsmetaphern &#8216;Konnektivität&#8217;, &#8216;Netzwerk&#8217; und &#8216;Fluss&#8217;, mit denen er eine medienübergreifende Analyse des Medienalltags und seines Wandels ermöglichen möchte. Abgeschlossen werden die grundlagentheoretischen Positionierungen durch die Cultural-Studies-Perspektive, wie sie Rainer Winter mit Fokus auf die Bedingungen widerständigen sozialen Handelns in einem grundsätzlich durch Medienkultur bestimmten Alltagsleben vorstellt und woraus emanzipatorische Möglichkeiten zur Transformation des Alltäglichen entstehen könnten. Ergänzt wird der Theorieteil durch einen Beitrag von Tanja Thomas und Friedrich Krotz (&#8220;Medienkultur und soziales Handeln&#8221;), der, neben instruktiver Begriffsarbeit (&#8216;Alltag&#8217;, &#8216;Handeln&#8217;, &#8216;Kultur&#8217;, &#8216;Medienkultur&#8217; usw.), anhand des Konzepts der &#8220;Mediatisierung&#8221; überzeugend zeigt, dass Medienkultur prozessual und nicht statisch gefasst werden muss.</p>
<p>Wichtig ist in diesem Kontext, dass die zuvor erwähnten grundlagentheoretischen Positionen so konzipiert sind, dass sie keinen <em>deutschen Sonderweg</em> der Medienkulturforschung darstellen, sondern von ihnen auch Impulse in die internationalen Publikationskontexte ausstrahlen könnten.</p>
<p>Interessanterweise spielen einflussreiche medienkulturwissenschaftliche Positionen, wie zum Beispiel die von Siegfried J. Schmidt, die lange Zeit die Auseinandersetzung der Kommunikationswissenschaften mit der Medienkultur mitbestimmt hat, im Band keine Rolle mehr. Darüber hinaus werden auch keine aktuellen Positionen der kommunikationswissenschaftlich orientierten Popkulturforschung, wie etwa von Christoph Jacke, berücksichtigt. Eine explizite Abgrenzung oder der Hinweis, eine zusätzliche Position zu den beiden letztgenannten Richtungen der Medienkulturforschung einnehmen zu wollen, findet sich nicht.</p>
<p>Neben den zuvor beschriebenen grundlagentheoretischen Fundierungen werden zwölf empirische Untersuchungsfelder zur Medienkultur präsentiert, die den Zusammenhang von Medienkultur und sozialem Handeln größtenteils eindringlich veranschaulichen: zwischenmenschliche Beziehungen (Jutta Röser und Nina Großmann; Christine Dietmar), Jugend-/Popkulturen (Katja Scherl; Marco Höhn), Alltagsdramatisierung (Udo Göttlich), Reality-TV (Elisabeth Klaus), Medienevents (Waldemar Vogelgesang), Körperpraktiken und Selbsttechnologien (Gabriele Klein; Tanja Thomas), Werbung (Michael Jäckel), Fernsehgenre (Gerd Hallenberger), Politikvermittlung (Jörg-Uwe Nieland und Ingrid Lovric). In diesen Beiträgen gibt es eine schwerpunktmäßige Rückbindung an die Studien von Friedrich Krotz und zum Teil an die Cultural Studies, kaum jedoch an die Überlegungen von Andreas Hepp.</p>
<p>Kritisch anzumerken sind vier Aspekte:</p>
<ul>
<li> Erstens ist die ausschließliche Fokussierung auf sozial- und kommunikationswissenschaftliche Perspektiven zur Medienkulturforschung nur bedingt tragfähig, denn das Verstehen von Medienkulturen bedarf eines grundlegend transdisziplinären Forschungsdesigns. Es lässt sich nicht von einer Disziplin exklusiv vereinnahmen.</li>
<li> Zweitens gelingen die Transferleistungen von Theorie und Empirie nur teilweise. Dies liegt vor allem daran, dass in den empirisch ausgerichteten Beiträgen zu wenig &#8220;close reading&#8221; des Materials stattfindet. Eine empirische Auseinandersetzung mit Medienkulturen muss den Weg von den Phänomenen nehmen. Sie darf diese Phänomenbetrachtung nicht von der Forschungsliteraturlage bestimmen lassen.</li>
<li> Drittens wäre es interessant gewesen, die grundlagentheoretischen Positionen von Friedrich Krotz, Andreas Hepp und Rainer Winter stärker miteinander in einen Dialog zu bringen.</li>
<li> Viertens wäre eine abschließende Zusammenfassung und Auswertung der Ergebnisse des Bandes sowie ein Ausblick auf die mögliche Weiterentwicklung der diskutierten Beiträge wünschenswert gewesen.</li>
</ul>
<p>Diese Kritik soll aber nicht den genuinen Forschungsbeitrag überblenden, den der Band <em>Medienkultur und soziales Handeln </em>leistet. Es ist zu erwarten, dass er in den Kommunikationswissenschaften ein stärkeres Bewusstsein für die zentrale Bedeutung der Auseinandersetzung mit Medienkulturen schafft und diese weiter vorantreibt. Darüber hinaus wird er auch die Betrachtung von Medienkultur in Studium und Lehre bereichern.</p>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.vs-verlag.de/index.php;do=show/sid=10b1c12f0d3185dd2729a174cf46e693/site=w/book_id=9433" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.leuphana.de/tanja-thomas.html" target="_blank">Webpräsenz von Tanja Thomas an der Universität Lüneburg</a></li>
<li><a href="http://www.uni-siegen.de/fb3/medienwissenschaft/personal/lehrende/kleiner_marcus/" target="_blank">Webpräsenz von Marcus S. Kleiner an der Universität Siegen</a></li>
</ul>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		<item>
		<title>Matthias Künzler: Die Liberalisierung von Radio und Fernsehen</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/497</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/497#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 28 Sep 2009 22:18:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Hans J. Kleinsteuber</em>

<img class="alignleft size-full wp-image-1449" title="künzler2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/06/künzler2009.jpg" alt="künzler2009" width="160" height="243" />Diese voluminöse Dissertation (375 Seiten) ist in der Züricher Kommunikationswissenschaft entstanden. Der Autor ist Oberassistent am <a href="http://www.ipmz.uzh.ch/de/index.html" target="_blank">Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung</a> (IPMZ) und legte diese Arbeit 2008 vor. Unter seinem Leitbegriff Liberalisierung geht es dem Autor um die – wie er sagt – folgenschweren medienpolitischen Entscheidungen seit den 1980er Jahren, die zu den heutigen dualen Rundfunksystemen führten. Dieses Konzept von Liberalisierung hat wenig mit dem politischen Liberalismus zu tun, vielmehr bezeichnet es "die Öffnung des Marktzutritts für private Unternehmen zu einem Bereich[,] zu dem […] der Markteintritt bislang verwehrt geblieben war, und wo eine Leistungserbringung durch ein zumeist öffentliches Monopolunternehmen erfolgt ist", oder aber "die Einführung von Wettbewerb oder die Erhöhung der Wettbewerbsintensität". Damit wird der Sachverhalt klar – ich würde ihn nicht unter Liberalisierung fassen. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/497">[Mehr]</a>


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</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Hans J. Kleinsteuber</em></p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-1449" title="künzler2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/06/künzler2009.jpg" alt="künzler2009" width="160" height="243" />Diese voluminöse Dissertation (375 Seiten) ist in der Züricher Kommunikationswissenschaft entstanden. Der Autor ist Oberassistent am <a href="http://www.ipmz.uzh.ch/de/index.html" target="_blank">Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung</a> (IPMZ) und legte diese Arbeit 2008 vor. Unter seinem Leitbegriff Liberalisierung geht es dem Autor um die – wie er sagt – folgenschweren medienpolitischen Entscheidungen seit den 1980er Jahren, die zu den heutigen dualen Rundfunksystemen führten. Dieses Konzept von Liberalisierung hat wenig mit dem politischen Liberalismus zu tun, vielmehr bezeichnet es &#8220;die Öffnung des Marktzutritts für private Unternehmen zu einem Bereich[,] zu dem […] der Markteintritt bislang verwehrt geblieben war, und wo eine Leistungserbringung durch ein zumeist öffentliches Monopolunternehmen erfolgt ist&#8221;, oder aber &#8220;die Einführung von Wettbewerb oder die Erhöhung der Wettbewerbsintensität&#8221; (332). Damit wird der Sachverhalt klar – ich würde ihn nicht unter Liberalisierung fassen.</p>
<p>Was ist damals und seitdem passiert? Dem Phänomen nähert sich der Autor über mehrere Etappen. Zuerst einmal beschäftigt er sich mit Grundlagen der Medienpolitik und Medienregulierung, wobei er – in bester Züricher Tradition – diese Begriffe sehr ähnlich einsetzt. In einem zweiten Schritt wird der Ansatz komparativ angelegt, verglichen werden die Entwicklungen in den drei Staaten Schweiz, Österreich und Irland. Diese Auswahl wird – wie es sich für eine komparative Arbeit gehört – begründet: Es handelt sich um europäische Kleinstaaten mit vergleichbarer Ausgangssituation. In einer dritten Etappe stellt der Autor – ausgehend von Keynes (&#8220;ideas […] are more powerful than is commonly understood&#8221;) – Ideen in den Mittelpunkt. Das eher allgemeine Konzept der Idee operationalisiert er, indem er an Ansätze der sozialkonstruktivistischen Wissenssoziologie (Berger/Luckmann) anschließt und die unterschiedlichen Deutungsmuster und Leitbilder in den Vergleichsstaaten in den Mittelpunkt stellt. Sie differieren deutlich, wobei sie an unterschiedliche Erfahrungen und Herausforderungen anknüpfen. Schließlich erreicht die Darstellung die Etappe der Falluntersuchung, wobei – durchaus originell – nicht nur die üblichen Dokumente untersucht werden (Gesetze, nationale Studien), sondern auch Parlamentsdebatten zum Politikfeld Medien.</p>
<p>Die Erträge dieser Studie sind beachtlich und durchaus als originärer Beitrag zur vergleichenden Analyse von medienpolitischen Prozessen zu sehen. So wird ein Zusammenhang zwischen medienpolitischen Detailentscheidungen und Ideen hergestellt (Pfetsch würde wahrscheinlich &#8220;Kommunikationsmilieus&#8221; dazu sagen). Damit kann Künzler erklären, warum in Europa trotz ähnlicher Ausgangsbedingungen die politischen Prozesse bei der Kommerzialisierung des Rundfunksystems recht unterschiedlich abliefen. Irland ging in seiner Gesetzesarbeit von liberalen Traditionen aus (was Hallin/Mancini und ihre Thesen in &#8220;Comparing Media Systems&#8221; bestätigt) und öffnete eher forsch seine Märkte. Österreich ging zögerlicher vor und legte, beruhend auf schlechten eigenen Erfahrungen, erheblichen Wert auf die Regulierung crossmedialer Konzentration. Ähnlich vorsichtig bewegte sich die Schweiz, die auf ihre Sprachregionen Rücksicht nehmen und Lösungen für starke wie schwache Landesteile finden musste.</p>
<p>Künzlers Arbeit leistet damit auch einen Beitrag zum besseren Verständnis der besonderen Herausforderungen, denen sich Kleinstaaten in der Rundfunkpolitik gegenüber sehen. Bei den bearbeiteten Staaten stellen sich diese Strukturbedingungen ähnlich dar, dazu zählen unter anderem kleine Heimmärkte, eher geringe Ressourcen für den Aufbau einer eigenen Rundfunkindustrie, starke Overspill-Effekte durch Einstrahlung aus großen, gleichsprachigen Nachbarstaaten (25). Das stimmt für diese Auswahl, ist aber bei anderen Kleinstaaten weniger gegeben – etwa in Dänemark, gleichfalls neben Deutschland gelegen, aber mit eigener Sprache.</p>
<p>Die Studie kommt zu interessanten Ergebnissen, was die Veränderung von Regulierung anbetrifft. So wird betont, dass es sich um einen Prozess handelt, bei dem keineswegs Deregulierung im Vordergrund stand, sondern ganz im Gegenteil neue Regulierungsinstrumente und -instanzen geschaffen wurden. Deutlich wird auch die politische Grundierung des Prozesses, bei dem es um &#8220;Limitierung des öffentlichen Interesses&#8221; (334) geht. Leitbilder können nur dann politisch wirksam werden, wenn sie mit politischer (hier vor allem: parlamentarischer) Macht versehen und damit umgesetzt werden können. Dies geschieht in wechselnden politischen Koalitionen einschließlich damit verbundenen Brüchen, wobei die Akteure sich auch intern wandeln können. Signalisieren Leitbilder so etwas wie Konstanten im politischen Prozess, so ergeben sich angesichts der konkreten politischen Verhältnisse auch wieder spezifische Entwicklungen. In Irland zum Beispiel wurde das öffentliche System nach schlechten Erfahrungen teilweise von denselben Kräften, die überstürzt liberalisierten, wieder gestärkt.</p>
<p>Schließlich beschäftigt sich Autor Künzler auch mit dem (ökonomischen) Konzept des Regulierungsversagens. Dazu resümiert er: &#8220;Der Verzicht auf die Einführung bestimmter Regulierungsmassnahmen ist kein Regulierungsversagen, sondern kann auf einer bewussten medienpolitischen Entscheidung beruhen.&#8221; (340) Oder deutlicher: Man wollte der Presse eine Diversifizierung in den Privatrundfunk ermöglichen und gab politische Flankenhilfe. Künzler sagt: um ihr neue Einnahmemöglichkeiten zu eröffnen; ich würde hinzufügen: auch um sich günstige Berichterstattung für die nächste Wahl zu erkaufen. Ähnlich würde ich argumentieren, dass die hier sorgsam entwickelten Leitbilder mitunter weniger in der Gesellschaftsstruktur wurzeln als in PR-Agenturen, die sich Begründungen für handfeste Forderungen an Politik und Öffentlichkeit ausdenken.</p>
<p>In der Summe handelt es sich hier um eine begrüßenswerte Studie, die auf mehreren Ebenen wissenschaftlichen Zugewinn bringt. Das Konzept der Idee als starker Einflussfaktor in der Medienpolitik wird elaboriert, was richtig ist, auch wenn ich die Begrifflichkeit anders wählen würde. Der Vergleich wird methodisch sauber eingesetzt und führt zu beachtlichen Ergebnissen. Innovativ ist dabei vor allem die qualitative Analyse von Parlamentsverhandlungen. Für den Rezensenten aus einem Mediengroßstaat ist die Kleinstaatenperspektive auf Medienpolitik besonders erhellend. Dass die Marktöffnung für kommerzielle Rundfunkakteure begrifflich als Liberalisierung geführt wird, halte ich nicht für optimal. Freilich gelingt es dem Autor, die spezifische Dynamik medienpolitischer Prozesse darzustellen – mit ihrer allgemeinen Zielrichtung, aber auch den vielen Besonderheiten und Zufälligkeiten, in denen diese Prozesse unter den unterschiedlichen regionalen Bedingungen durchgesetzt wurden. Das Buch ist lesenswert, doch hätten einige Kürzungen seiner Substanz nicht geschadet.</p>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.uvk.de/buch.asp?ISBN=9783867641548&amp;WKorbUID=6914557&amp;TITZIF=2276&amp;be=&amp;uBe=" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.ipmz.uzh.ch/de/abteilungen/medienpolitik/team/matthias-kuenzler.html" target="_blank">Webpräsenz von Matthias Künzler an der Universität Zürich</a></li>
<li><a href="http://www.wiso.uni-hamburg.de/index.php?id=6520" target="_blank">Webpräsenz von Hans J. Kleinsteuber an der Universität Hamburg</a></li>
</ul>


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		<title>Frank Bösch; Constantin Goschler (Hrsg.): Public History</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/553</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/553#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 26 Sep 2009 22:07:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Martina Thiele</em>

<img class="alignleft size-full wp-image-1437" title="bösch&#38;goschler" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/05/böschgoschler.jpg" alt="bösch&#38;goschler" width="160" height="243" />Mit der Vergangenheit beschäftigt sich nicht nur der Historiker, der einen Lehrstuhl für Geschichte innehat. Auch "fachfremde" Wissenschaftler sowie Zeitzeugen, Schriftsteller, Juristen und Journalisten schreiben über geschichtliche Themen. Mit dem Band "Public History" spüren die Autorinnen und Autoren den Trennlinien nach zwischen Wissenschaft, Publizistik und Schriftstellerei, zwischen Fakten und Fiktionen. Das Besondere an diesem Buch aber besteht darin, dass die Herausgeber Frank Bösch und Constantin Goschler – beide Inhaber von Lehrstühlen für Geschichte – nun gerade nicht beklagen, wie sehr die universitäre Geschichtsforschung durch "Laienhistoriker" gestört wird, sondern im Gegenteil die Anstöße, die durch Public History erfolgt sind, als außerordentlich wichtig erachten für die Geschichtswissenschaft und die Gesellschaft insgesamt. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/553">[Mehr]</a>


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</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Martina Thiele</em></p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-1437" title="bösch&amp;goschler" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/05/böschgoschler.jpg" alt="bösch&amp;goschler" width="160" height="243" />Mit der Vergangenheit beschäftigt sich nicht nur der Historiker, der einen Lehrstuhl für Geschichte innehat. Auch &#8220;fachfremde&#8221; Wissenschaftler sowie Zeitzeugen, Schriftsteller, Juristen und Journalisten schreiben über geschichtliche Themen. Mit dem Band &#8220;Public History&#8221; spüren die Autorinnen und Autoren den Trennlinien nach zwischen Wissenschaft, Publizistik und Schriftstellerei, zwischen Fakten und Fiktionen. Das Besondere an diesem Buch aber besteht darin, dass die Herausgeber Frank Bösch und Constantin Goschler – beide Inhaber von Lehrstühlen für Geschichte – nun gerade nicht beklagen, wie sehr die universitäre Geschichtsforschung durch &#8220;Laienhistoriker&#8221; gestört wird, sondern im Gegenteil die Anstöße, die durch Public History erfolgt sind, als außerordentlich wichtig erachten für die Geschichtswissenschaft und die Gesellschaft insgesamt.</p>
<p>Den Begriff &#8220;Public History&#8221; erläutern Bösch und Goschler einleitend: Es geht um die nicht-akademische Bildung historischer Wissensbestände, um den öffentlichen Umgang mit Geschichte. Im Deutschen wird das häufig mit &#8220;Wissenschaft und Öffentlichkeit&#8221; umschrieben. In den USA etablierte sich der Begriff &#8220;Public History&#8221; in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts und mittlerweile gibt es dort an 125 Universitäten und Colleges Public-History-Studiengänge oder Studienschwerpunkte. Der erste deutsche Studiengang namens &#8220;Public History&#8221; besteht seit 2007 an der FU Berlin. Damit setzt sich die Institutionalisierung einer Bewegung fort, die unabhängig von der etablierten Geschichtswissenschaft geschichtliche Themen bearbeiten wollte. Trotz der Beteuerung, das Wechselspiel zwischen Fachwissenschaft und Public History zunächst nur untersuchen zu wollen, verstärkt auch der vorliegende Band die Tendenz, die Public History zu verwissenschaftlichen, zumal die Autorinnen und Autoren alle mindestens promovierte Historiker sind.</p>
<p>Zwei der neun Beiträge wählen insofern einen etwas anderen Zugang zum Thema, als sie die Gedenkstättenpolitik (Habbo Knoch) als Teil der Public History untersuchen oder speziell die Arbeit der Zeithistorischen Forschungsstelle in Ludwigsburg in den Blick nehmen (Annette Weinke). Andere Beiträge fragen nach massenmedialen Repräsentationen – so der Rolle des Printjournalismus (Jan Erik Schulte), des Dokumentarfilms (Frank Bösch) und des Radios (Inge Marßolek). Letzteres war in den ausgehenden 40er und 50er Jahren &#8220;Leitmedium&#8221; und Mittel der Reeducation. Der Hörfunk ließ die Deutschen unmittelbar teilhaben an den frühen NS-Prozessen in Belsen und Nürnberg. Von beiden Prozessen, aber auch 18 Jahre später vom Frankfurter Auschwitz-Prozess, berichtete der NWDR-Reporter Axel Eggebrecht – ein Vorbild für Generationen von Journalistinnen und Journalisten. Marßolek analysiert die Sendeprotokolle und legt dar, worin sich die frühen Gerichtsverfahren von den späteren unterschieden, wie sich die Sicht auf Täter, Zeugen und Opfer veränderte.</p>
<p>Diesen Themen- und Perspektivenwandel untersuchen auch Schulte und Bösch. Schulte erkennt in der Presse der frühen Bundesrepublik eine Konzentration auf die Haupttäter und die Tendenz zur Entschuldung. Erst in den 60er Jahren seien die &#8220;großen Namen&#8221; als Vehikel für weitergehende Analysen genutzt worden. Ähnlich wie im Printjournalismus verhielt es sich im Film- und Fernsehjournalismus. Auch hier, so Bösch, sind verschiedene Phasen der Auseinandersetzung erkennbar. Anfang der 60er Jahre gewann das Fernsehen als Vermittler historischen Wissens zunehmend an Bedeutung – ein Trend, der bis heute anhält.</p>
<p>Andere Medien aber wie das Buch, so Olaf Blaschke und Erhard Schütz, fänden viel zu wenig Beachtung in der Diskussion um medialisierte Geschichte. Blaschke, der das Verlagsgeschäft betrachtet, verweist auf die ökonomische Seite, darauf, dass sich die Publikation zeitgeschichtlicher Sachbücher auch lohnen muss. Längst nicht alles, was publikationswürdig war, wurde verlegt, und längst nicht alles, was verlegt wurde, war publikationswürdig. Lobenswert ist Blaschkes Versuch, die Behauptung, dass Zeitgeschichtliches boomt, auch empirisch zu untermauern. Den fehlenden Daten zu Auflagen, Rezeption, gar Wirkung belletristischer Literatur mit zeithistorischem Bezug begegnet Schütz durch eine umfassende Angebotsübersicht. Mit Blick auf die Skandalisierung von Werken wie Schlinks &#8220;Der Vorleser&#8221; und Walsers &#8220;Ein springender Brunnen&#8221; plädiert er für eine Literatur, die auf &#8220;ästhetischen Eigensinn und künstlerische Riskanz&#8221; setzt. Das provoziert Nachfragen, ebenso das von Schütz angesprochene &#8220;Phänomen, das selbst noch der historiographischen Reflexion bedarf, nämlich das der je zeitgeschichtlichen kollektiven Erwartungsnormen der veröffentlichten Meinung generell und des Kulturjournalismus im Speziellen&#8221; (279).</p>
<p>Um Zeugnisse der Täter oder aber der Opfer geht es in den Beiträgen von Oliver von Wrochem und Constantin Goschler. Letzterer distanziert sich in seinem Aufsatz über die &#8220;Stimmen der Opfer&#8221; vom Begriff &#8220;Holocaust-Literatur&#8221;, ihn interessiere vielmehr, &#8220;in welchem Verhältnis diese Erzählungen zur akademischen Forschung standen&#8221;. Goschler skizziert zwei Positionen, vertreten durch Hans Günter Hockerts und Nicolas Berg: Während sich die Zeitgeschichtsforschung nach Hockerts tapfer der Deutungshoheit von Generalsmemoiren in den Weg gestellt habe, seien nach Berg die Erinnerungen jüdischer Zeitzeugen und Historiker lange Zeit von der akademischen Forschung nicht beachtet worden. Wie dominant in den ersten Jahren die Memoiren-Literatur der militärischen Eliten war, belegt von Wrochem eindrucksvoll. Goschler vermeidet die Stellungnahme und verweist auf das &#8220;Dazwischen&#8221;, Personen wie Hans Rothfels, der nicht als &#8220;jüdischer Historiker&#8221; gesehen werden wollte. Im Zuge der Professionalisierung und Institutionalisierung der Zeitgeschichte in den 60er Jahren sei jedenfalls eine deutliche Trennlinie zwischen Zeithistorikern und Zeitzeugen gezogen worden. Der massenmedial forcierte &#8220;Boom der Zeitzeugen&#8221; in den 70er und 80er Jahren habe dann aber zu einer &#8220;komplexen Symbiose zwischen NS-Opfern und akademischer Zeitgeschichte&#8221; geführt, die &#8220;auch durch das Abtreten der letzten Erlebnisgeneration nicht automatisch&#8221; beendet sein müsse, weil, so Goschler, vermutlich die &#8220;second generation&#8221; die Rolle der Zeitzeugen nach deren Ableben übernehmen werde (154). Hier klingt dann doch eine gewisse Skepsis gegenüber Vermischungen von Opferstatus und akademischer Forschung an.</p>
<p>Prinzipiell zuzustimmen ist Olaf Blaschke, der es &#8220;sehr begrüßt&#8221;, &#8220;wenn wie in diesem Buch, jenseits der Schriften und Meinungen von Berufshistorikern die in bloßer Nebenrolle wahrgenommenen Journalisten, Filmemacher, Publizisten, Juristen und anderen Akteure kollektiv ins Blickfeld geraten.&#8221; (224) Doch reicht es, wenn diese ins Blickfeld der Historiker geraten? Was spricht dagegen, die anderen Akteure und auch Akteurinnen selbst zu Wort kommen zu lassen?</p>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.campus.de/wissenschaft/geschichte/Public+History.85843.html" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.uni-giessen.de/cms/fbz/fb04/institute/geschichte/fachjournalistik/personen/-1p-4hi-5fj-8p-p45-/" target="_blank">Webpräsenz von Frank Bösch an der Universität Gießen</a></li>
<li><a href="http://www.ruhr-uni-bochum.de/lehrstuhl-ng2/" target="_blank">Webpräsenz von Constantin Goschler an der Ruhr-Universität Bochum</a></li>
<li><a href="http://www.uni-salzburg.at/portal/page?_pageid=284,388122&amp;_dad=portal&amp;_schema=PORTAL" target="_blank">Webpräsenz von Martina Thiele an der Universität Salzburg</a></li>
</ul>


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</ol></p>]]></content:encoded>
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		</item>
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		<title>Johannes Ludwig (Hrsg.): Sind ARD und ZDF noch zu retten?</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/482</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/482#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 01 Sep 2009 18:51:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einzelrezension]]></category>
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		<guid isPermaLink="false">http://www.rkm-journal.de/?p=482</guid>
		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Manfred Mai</em>

<img class="alignleft size-full wp-image-868" title="ludwig2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/05/ludwig2009.jpg" alt="ludwig2009" width="160" height="229" />Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist immer wieder ein dankbares Objekt für das Studium von Fehlentwicklungen. Schon in den Zeiten des Monopols von ARD und ZDF wurde nicht an Kritik gegenüber den öffentlich-rechtlichen Anstalten gespart. Seit dem Aufbau des privaten Rundfunks sind weitere Kritikpunkte hinzugekommen. Zu den nach wie vor bestehenden Problemen der politischen Unausgewogenheit, der Verfilzung und der Ämterpatronage kommen nun vermehrt Fragen nach seiner Effizienz und seiner Legitimation. Mit der Ausdifferenzierung der digitalen Medienlandschaft und dem Siegeszug des Internets kommen weitere Argumente hinzu, die das öffentlich-rechtliche System in Frage stellen. Wenn sich die nachwachsende Generation vom Fernsehen abwendet, muss man sich fragen, welchen Stellenwert öffentlich-rechtlicher Rundfunk in Zukunft überhaupt noch hat. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/482">[Mehr]</a>


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<li><a href='http://www.rkm-journal.de/archives/459' rel='bookmark' title='Permanent Link: Peter J. Schulz; Uwe Hartung; Simone Keller (Hrsg.): Identität und Vielfalt der Kommunikationswissenschaft'>Peter J. Schulz; Uwe Hartung; Simone Keller (Hrsg.): Identität und Vielfalt der Kommunikationswissenschaft</a></li>
<li><a href='http://www.rkm-journal.de/archives/122' rel='bookmark' title='Permanent Link: Dieter Rucht; Simon Teune (Hrsg.): Nur Clowns und Chaoten?'>Dieter Rucht; Simon Teune (Hrsg.): Nur Clowns und Chaoten?</a></li>
</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Manfred Mai</em></p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-868" title="ludwig2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/05/ludwig2009.jpg" alt="ludwig2009" width="160" height="229" />Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist immer wieder ein dankbares Objekt für das Studium von Fehlentwicklungen. Schon in den Zeiten des Monopols von <a href="http://www.ard.de/" target="_blank">ARD </a>und <a href="http://www.zdf.de/" target="_blank">ZDF</a> wurde nicht an Kritik gegenüber den öffentlich-rechtlichen Anstalten gespart. Seit dem Aufbau des privaten Rundfunks sind weitere Kritikpunkte hinzugekommen. Zu den nach wie vor bestehenden Problemen der politischen Unausgewogenheit, der Verfilzung und der Ämterpatronage kommen nun vermehrt Fragen nach seiner Effizienz und seiner Legitimation. Mit der Ausdifferenzierung der digitalen Medienlandschaft und dem Siegeszug des Internets kommen weitere Argumente hinzu, die das öffentlich-rechtliche System in Frage stellen. Wenn sich die nachwachsende Generation vom Fernsehen abwendet, muss man sich fragen, welchen Stellenwert öffentlich-rechtlicher Rundfunk in Zukunft überhaupt noch hat.</p>
<p>Die Autoren des vorliegenden Bandes haben sich aus der Vielzahl der Kritikpunkte einige herausgesucht, um an ihnen die Legitimität des öffentlich-rechtlichen Rundfunks darzustellen. Es sind dies unter anderem Fragen nach der journalistischen Unabhängigkeit, der Transparenz, der Gebührenfinanzierung und der Fähigkeit zur Selbstreflexion. Immer wieder gelingt es den Autoren des Bandes mit Fallstudien zu zeigen, dass die Forderung nach Transparenz &#8211; etwa über die Sitzungen der Rundfunkgremien &#8211; nicht erfüllt wird. Spätestens seit der Finanzkrise wissen wir, dass Transparenz und Vertrauen in anderen &#8211; privatwirtschaftlichen &#8211; Bereichen viel systemrelevanter sind als im öffentlich-rechtlichen Rundfunk.</p>
<p>Nun mag es Gründe geben, warum ARD und ZDF nicht völlig transparent sind. Wie sollen sie zum Beispiel eine neue Strategie beraten, wenn diese Überlegungen vorher bekannt werden, zumal die privaten Wettbewerber gar nicht daran denken, sich in die Karten schauen zu lassen? Auch Fragen der Programmakquisition und ähnliches sind Geschäftsgeheimnisse. Dennoch gelangen immer wieder Details über solche Vorhaben in die Hände konkurrierender Medien. Selbst Inhalte von angeblichen Vier-Augen-Gesprächen finden ihren Weg in die Öffentlichkeit und man fragt sich, was denn wirklich noch geheim ist. Dennoch: Die Beiträge von Johannes Ludwig und Marvin Oppong zeigen, dass es mit der Kommunikationskultur von ARD und ZDF nicht zum Besten steht. Berechtigte Auskunftsbegehren wurden verweigert und so nähren die Anstalten den Verdacht, dass es etwas zu verbergen gibt.</p>
<p>Kein gutes Haar lässt der Herausgeber auch an der Arbeit der Rundfunkräte. Sie identifizierten sich zu stark mit &#8216;ihrer&#8217; Anstalt, statt sie zu kontrollieren. Was einst als Instrument des Binnenpluralismus institutionalisiert wurde, verkrustete immer mehr zu einem Kartell von Funktionären, die nur noch die Interessen ihrer jeweiligen Klientel im Blick haben, nicht aber das Gesamtinteresse der Zuschauer. Dies ist aber keine Besonderheit von Rundfunkräten, sondern ein Grundproblem repräsentativer Strukturen in einer pluralistischen Demokratie. Auch im Staat ist die Exekutive der Legislative immer überlegen. Dieses demokratietheoretische Problem kann man nicht den ARD-Anstalten anlasten.</p>
<p>In dem Sammelband finden sich kondensiert und aktualisiert fast alle Kritikpunkte gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk wieder, die seit Jahrzehnten regelmäßig vorgebracht werden. Und wie Sisyphus versuchen auch die Autoren dieses Bandes immer wieder, mit weiteren Beiträgen &#8211; teilweise mit persönlich erlebten Beispielen und nicht ohne ein Quäntchen Selbstgerechtigkeit &#8211; das öffentlich-rechtliche System zu diskreditieren. Das haben schon ganz andere versucht: Bundeskanzler, die sich über das öffentlich-rechtliche Meinungsdiktat ärgerten, Kanzlerkandidaten, die sich wegen der &#8220;Schweigespirale&#8221; um ihre Wahlchancen betrogen fühlten, und Ministerpräsidenten, die die Unterschrift unter den Gebührenstaatsvertrag von Strukturreformen der ARD abhängig machten &#8211; von den von der EU vorgebrachten beihilferechtlichen Einwänden ganz zu schweigen.</p>
<p>Es ist daher anzunehmen, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk auch die geballte Kritik dieses Bandes unbeschadet überstehen wird. Bislang ist die Strategie des steten Tropfens nicht aufgegangen. Aber es gibt Anzeichen dafür, dass die Politik zumindest der Eigendynamik der Gebührenerhöhung Grenzen setzen will &#8211; notfalls gegen geltendes Verfassungsrecht, denn eigentlich darf die Politik den Vorschlag der Gebührenkommission (<a href="http://www.kef-online.de/" target="_blank">KEF</a>) nicht einfach ablehnen. Andererseits ist der Ärger vieler Politiker über die Sendungen des Privatfernsehens unübersehbar, obwohl es ihre eigenen Parteien waren, die in den 1980er Jahren die Privatisierung forderten.</p>
<p>An konkreten Vorschlägen zur Strukturreform hat es bisher nicht gerade gemangelt: vom Verfahren der Bestimmung der Rundfunkgebühren über die Fusion von ARD-Anstalten bis zur Auflösung des ZDF. Dagegen lesen sich die Vorschläge der Autoren des vorliegenden Sammelbandes geradezu kleinkariert, wenn sie etwa am Beispiel eines Auskunftsbegehrens, das ein Seminar einer Fachhochschule formuliert hat, zeigen wollen, wie ignorant die Antworten der ARD sein können. Die ARD wäre gut beraten gewesen, die Studierenden einzuladen und &#8211; etwa bei einem Bier, wie es Obama unlängst praktizierte &#8211; auf alle ihre Fragen einzugehen. So hätte dieser eigentlich überflüssige Beitrag vermieden und das Vertrauen einer relevanten Zielgruppe wiederhergestellt werden können. Allerdings scheinen sich die Studenten in ihrer Rolle als Beleidigte zu gefallen.</p>
<p>Dennoch zeigen viele Beiträge des Bandes, dass die traditionellen Kritikpunkte an ARD und ZDF aktualisiert werden müssen &#8211; wie zum Beispiel die überproportionale Gebührensteigerung, der Umgang mit Skandalen im eigenen Haus und die Fragen der Rundfunkaufsicht. Sehr aufschlussreich ist etwa der Beitrag von Jörg-Uwe Nieland über das Beschwerdemanagement beim <a href="http://www.wdr.de/themen/homepages/homepage.jhtml" target="_blank">WDR</a>. Hier wird nicht nur deutlich, wie schwer sich öffentlich-rechtliche Anstalten mit Kritik an ihren Sendungen tun, sondern auch, wie unsouverän der Zuschauer ist. So wird nebenbei auch der medienkompetente Zuschauer als eine Fiktion der Medienwissenschaft dekonstruiert.</p>
<p>Es ist müßig, Organisationen an ihren selbstgestellten Ansprüchen zu messen. Wer Wasser predigt, darf sich nicht beim Wein erwischen lassen. Wer zum Beispiel wie die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten für Transparenz sorgen soll und sie von anderen einfordert, muss sich auch besonderen Anforderungen der Transparenz bezüglich des eigenen Verhaltens stellen. Als Fazit bleibt festzuhalten, dass der vorliegende Sammelband der Diskussion über die Legitimität und die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Systems weitere interessante und empirisch fundierte Argumente hinzufügt. Es bleibt zu hoffen, dass diese Argumente von den Akteuren aufgegriffen werden, die wirklich etwas verändern können. Die Beiträge sind fast durchweg lesenswert und geben bemerkenswerte Einblicke in das Innenleben von ARD und ZDF, die man in anderen medienwissenschaftlichen Beiträgen kaum findet.</p>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.nomos-shop.de/productview.aspx?product=11223" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.johannesludwig.de/" target="_blank">Persönliche Homepage von Johannes Ludwig</a></li>
<li><a href="http://www.uni-due.de/politik/mai.php" target="_blank">Webpräsenz von Manfred Mai an der Universität Duisburg-Essen</a></li>
</ul>


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