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Melanie Verhovnik: School Shootings

Rezensiert von Silke Braselmann

Melanie Verhovnik: School ShootingsEinzelrezension
Columbine, Winnenden, Erfurt – längst wecken diese Ortsnamen Erinnerungen an grausame Gewalttaten und rufen Bilder trauernder Schüler und abgesperrter Schulhöfe ins Gedächtnis. Schulamokläufe oder school shootings, um den auch von Melanie Verhovnik in ihrer Dissertationsschrift gewählten Begriff zu verwenden, sind extrem seltene Taten, die eine erstaunlich große Präsenz im öffentlichen Diskurs haben. Dass sich diese Gewalttaten zunächst in Amerika – und seit den frühen 2000er Jahren auch in Deutschland – so fest im kollektiven Gedächtnis verankern konnten, liegt zum einen an ihrer Plötzlichkeit und dem schockierenden Ausmaß, zum anderen an der ausführlichen medialen Berichterstattung. School shootings sind somit Medienereignisse: Die gesellschaftliche Wahrnehmung dieser Taten als mögliche Bedrohung sowie gewisse Muster ihrer Durchführung sind untrennbar mit den Dynamiken der medialen Berichterstattung verbunden. Mehr

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Roger Blum: Unseriöser Journalismus?

Rezensiert von Guido Keel

Blum-Journalismus-9783867645874.inddEinzelrezension

Die Frage ist aktuell, und sie weckt Emotionen: Ist der Journalismus unseriös? Oder: Ist er unseriöser geworden? Vor allem in Deutschland wird in letzter Zeit wieder intensiver und mit großer Empörung über journalistische Qualität diskutiert, der Vorwurf der Lügenpresse ist nur eine Ausprägung davon. Roger Blum greift im Titel seines neuen Buches diese Frage direkt auf, relativiert sie aber gleich im Untertitel, der besser beschreibt, worum es in seiner Analyse geht: Beschwerden gegen Radio und Fernsehen in der Schweiz. Mit dieser Sammlung blickt der Autor zurück auf acht Jahre als Präsident der Unabhängigen Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen in der Schweiz (UBI) und auf eine Auswahl von 74 Beschwerdefällen, die in der Zeit von 2008 bis 2015 anfielen. Mehr

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Christoph Bultmann: Gut gefälscht

Rezensiert von Petra Sorge

Gut gefälschtEinzelrezension
Ein erzkonservativer Sektenführer, der gegen kurdische Separatisten hetzt: So beschrieb der Spiegel 2012 den türkischen Imam Fethullah Gülen. Als Beleg diente ein Zitat Gülens, das der Erfurter Theologe Christoph Bultmann als Fälschung erkannt haben will. Seine Beobachtung hat er dokumentiert in Gut gefälscht, erschienen im Ulenspiegel-Verlag. Bultmann sah einen Verstoß gegen das Wahrhaftigkeits- und Sorgfaltsgebot der Ziffern 1 und 2 des Pressekodexes. Doch der Presserat wies seine Beschwerde als unbegründet zurück, genauso wie zwei weitere Anträge, etwa, weil der Spiegel das Zitat später wiederholte. Bultmanns These: Der Presserat habe “ein gefälschtes Zitat” zu Unrecht als ethisch einwandfrei bewertet. Dies sei “[w]ohl deshalb [geschehen], weil sie [die Zitatfälschung] im Spiegel steht“. Mehr

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Gesellschaftliche Verantwortung der Unternehmen aus mehr oder weniger moralischer Sicht

Rezensiert von Horst Avenarius

schmidt&tropp2009Einzelrezension
Was ist Moral in einem Unternehmen? Was bezeichnet man mit dem Begriff Ethik? Man muss bis zu den letzten 20 des über 400 Seiten starken Buches vordringen, um gesprächsweise darüber informiert zu werden. Dieses Gespräch führten fünf kluge Experten in Wien. Es waren keine Wissenschaftler, aber sie stellten zuletzt fünf einleuchtende Thesen zur Moral als innerbetriebliches Steuerungssystem, als Mittel zur Personalführung, zur Komplexreduktion und gegen dysfunktionalen Egoismus auf. So hätte ein Buch durchaus beginnen können, das sich mit Moral in der Wirtschaft befasst. Ein Buch über die Moral der Unternehmenskommunikation hätte auch mit Erörterungen über primäre moralische Verfehlungen wie Täuschungen jeglicher Art oder Bestechungen in beträchtlichem Umfang oder auf vermeintlicher Macht beruhende Drohungen gegenüber den Medien beginnen können. Mehr

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Peter Stulz, Gaetano Romano (Hrsg.): Medien und Medizin

Rezensiert von Sarah Lubjuhn und Oliver Stengel

stulz&romano2009Einzelrezension
Vor dem Hintergrund der aktuell kursierenden Schweinegrippe ist das Verhältnis von Medien und Medizin erneut in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gerückt. Aufgeregt berichten Journalisten weltweit über das Virus, seine Symptome, Ausbreitungswege und Todesopfer. Zu Beginn der Pandemie wurde in den Massenmedien die Sorge geschürt, der Menschheit stehe eine neuerliche Spanische Grippe bevor. Die Wahrscheinlichkeit, sich mit dem ‘Todesvirus’ zu infizieren, sei sehr hoch, ließen populistische Medien verlauten. Tatsächlich starben bislang weniger als ein Prozent der Infizierten am Erreger – nicht mehr als bei ‘normalen’ Grippewellen. Die aber sind, eben weil sie alljährlich wiederkehren und deswegen banal scheinen, kein publizistischer “Glücksfall” und werden von den Massenmedien folglich kaum registriert. Mehr

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