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	<title>rezensionen:kommunikation:medien &#187; Blogs</title>
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	<description>Rezensionen aus den Bereich Kommunikation und Medien</description>
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		<title>Norbert Schulz-Bruhdoel; Michael Bechtel: Medienarbeit 2.0</title>
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		<pubDate>Fri, 30 Apr 2010 09:00:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Vanessa Giese</em>

<a href="http://www.rkm-journal.de/archives/811"><img class="alignleft size-full wp-image-2749" title="schulz-bruhdoel&#38;bechtel2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/07/schulz-bruhdoelbechtel20091.jpg" alt="" width="160" height="250" /></a>Mit <i>Medienarbeit 2.0</i> möchten Norbert Schulz-Bruhdoel und Michael Bechtel "Crossmedia-Lösungen" bieten und ein "Praxisbuch für PR und Journalismus von morgen sein". Was die zwei Autoren jedoch auf redundanten 240 Seiten offerieren, sind Halbwissen und Konzeptlosigkeit.  Schon vor der Lektüre lässt der Untertitel des Werks aufhorchen: "Praxisbuch für PR und Journalismus" - diese Verquickung geht nicht zusammen, möchte man vermuten. Beim Lesen bewahrheitet sich die Annahme schnell: Die Zielgruppe des Buchs ist unklar. In weiten Strecken sind die Texte auf PR-Manager zugeschnitten, einzelne Abschnitte beschäftigen sich allerdings aus journalistischem Blickwinkel mit Fragestellungen zu aktuellen Medienentwicklungen. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/811">[Mehr]</a>


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</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Vanessa Giese</em></p>
<p><a href="http://www.rkm-journal.de/archives/811"><img class="alignleft size-full wp-image-2749" title="schulz-bruhdoel&amp;bechtel2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/07/schulz-bruhdoelbechtel20091.jpg" alt="" width="160" height="250" /></a>Mit <em>Medienarbeit 2.0</em> möchten Norbert Schulz-Bruhdoel und Michael Bechtel &#8220;Crossmedia-Lösungen&#8221; bieten und ein &#8220;Praxisbuch für PR und Journalismus von morgen sein&#8221;. Was die zwei Autoren jedoch auf redundanten 240 Seiten offerieren, sind Halbwissen und Konzeptlosigkeit.  Schon vor der Lektüre lässt der Untertitel des Werks aufhorchen: &#8220;Praxisbuch für PR und Journalismus&#8221; &#8211; diese Verquickung geht nicht zusammen, möchte man vermuten. Beim Lesen bewahrheitet sich die Annahme schnell: Die Zielgruppe des Buchs ist unklar. In weiten Strecken sind die Texte auf PR-Manager zugeschnitten, einzelne Abschnitte beschäftigen sich allerdings aus journalistischem Blickwinkel mit Fragestellungen zu aktuellen Medienentwicklungen.</p>
<p>Ebenso schwammig wie die Zielgruppe ist der Inhalt des Werks: Norbert Schulz-Bruhdoel und Michael Bechtel springen ohne roten Faden von Blogs und Twitter zu Wikis,  Second Life und sozialen Netzwerken. Eine verbindende These gibt es nicht, konkrete Handreichungen oder ausführliche Beispiele sind ebenfalls nicht vorhanden.  Stattdessen strotzt das Buch vor Wiederholungen und undifferenzierten Allgemeinplätzen. So heißt es zum Thema Blogs (87):  &#8220;Nach dem Big Bang am &#8216;neuen Markt&#8217; […] stellten auch Filmfreunde, Kaninchenzüchter und Fanclubs ihre Seiten ins Netz. Literaturbegeisterte, Naturliebhaber, Weltverbesserer und Spinner jedes denkbaren Typs suchten im Web nach Gleichgesinnten […]. Allenthalben sprießen Weblogs im Netz, unaufwendige Online-Tagebücher, in denen sich Menschen mitteilen und Antworten bekommen.&#8221;  Schon 20 Seiten zuvor &#8211; zwischendurch handelten Schulz-Bruhdoel/Bechtel eiligst Twitter, Zahlen zur Zeitungsauflage und die Zukunft des Radios ab &#8211; hatten die Autoren eine klare Meinung zu Medienblogs:  &#8220;Die weit überwiegende Zahl der ernst gemeinten Blogs existiert allein, um Artikel und Sendungen in den hergebrachten Medien mit eigenen Kommentaren, Schimpfkanonaden, pseudointellektuellem Geschwurbel oder offenkundigen Albernheiten zu kontern.&#8221; (67)</p>
<p>An Polemik mangelt es also nicht. Dafür aber an Quellenangaben. Als  Beispiel sei an dieser Stelle nur die zusammenhanglose Sozialkritik auf S. 35f. genannt: &#8220;Heute ist uns die Familie gleich ganz abhandengekommen. Wo es noch ein gemeinsames Abendessen gibt, geht danach jeder seine eigenen medialen Wege. Sogar in den Kleinkinderzimmern flimmert der eigene Fernsehapparat oder gleich der Computermonitor.&#8221; Zahlen zur Verbreitung zur Geräteabdeckung in deutschen Haushalten? Fehlanzeige. Zum Mediennutzungsverhalten verschiedener Altersgruppen? Ebenfalls.</p>
<p>Was also kann man Gutes zu diesem Buch sagen? Zugegebenermaßen wenig. Einzig vielleicht, dass es einen &#8211; ungeordneten &#8211; Überblick über aktuelle Möglichkeiten des Web 2.0 gibt. Wer jedoch entweder mehr theoretisches Wissen oder &#8211; auf der anderen Seite &#8211; mehr praktische Anleitung sucht, sollte sich andernorts bedienen.</p>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.faz.net/IN/INtemplates/faznet/default.asp?tpl=common/product.asp&amp;doc={B55039B6-FCD8-4AB3-8ECA-280B450895CD}&amp;rub={EAFD6FEC-DFC2-4772-99DE-6EBCADEC57FA}" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://web75.milhouse.kundenserver42.de/" target="_blank">Blog zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.punktumpr.de/" target="_blank">Berufliche Webpräsenz von Norbert Schulz-Bruhdoel</a></li>
<li><a href="http://www.michael-bechtel.de/" target="_blank">Berufliche Webpräsenz von Michael Bechtel</a></li>
<li><a href="http://www.journalistik-dortmund.de/vanessa-giese-m.a.html" target="_blank">Webpräsenz von Vanessa Giese an der TU Dortmund</a></li>
</ul>


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		<title>Jan Schmidt: Das neue Netz</title>
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		<pubDate>Sun, 10 Jan 2010 22:38:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Wolfgang Schweiger</em>

<a href="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2010/01/schmidt2009.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1957" title="schmidt2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2010/01/schmidt2009.jpg" alt="" width="160" height="239" /></a>Soeben blättert der Rezensent die aktuelle UVK-Verlagszeitschrift durch – und was sieht er? Unter der Rubrik "UVK – Die Besten" steht im Bereich "Kommunikationswissenschaft" das zu besprechende Buch auf Platz 3. Zwar erfährt man nichts über das Zustandekommen dieses Rankings. Dass Hermann Meyns Klassiker "Massenmedien in Deutschland" auf Platz 1 steht, legt die Messlatte aber fraglos hoch. Vermutlich wird ein Band über ein neues Phänomen wie das Social Web, das sich wie alle Online-Entwicklungen mit immenser Dynamik entwickelt, nicht zu einem 'Longrunner' wie die "Massenmedien", dennoch ist an dem Vergleich etwas dran. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/1424">[Mehr]</a>


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</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Wolfgang Schweiger</em></p>
<p><a href="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2010/01/schmidt2009.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1957" title="schmidt2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2010/01/schmidt2009.jpg" alt="" width="160" height="239" /></a>Soeben blättert der Rezensent die aktuelle UVK-Verlagszeitschrift durch – und was sieht er? Unter der Rubrik &#8220;UVK – Die Besten&#8221; steht im Bereich &#8220;Kommunikationswissenschaft&#8221; das zu besprechende Buch auf Platz 3. Zwar erfährt man nichts über das Zustandekommen dieses Rankings. Dass Hermann Meyns Klassiker &#8220;<a href="http://uvk.de/buch.asp?ISBN=9783896694201&amp;WKorbUID=12984503&amp;TITZIF=1505&amp;be=&amp;uBe=" target="_blank">Massenmedien in Deutschland</a>&#8221; auf Platz 1 steht, legt die Messlatte aber fraglos hoch. Vermutlich wird ein Band über ein neues Phänomen wie das Social Web, das sich wie alle Online-Entwicklungen mit immenser Dynamik entwickelt, nicht zu einem &#8216;Longrunner&#8217; wie die &#8220;Massenmedien&#8221;, dennoch ist an dem Vergleich etwas dran.</p>
<p>Denn Schmidt bringt – dem Journalisten und früheren DJV-Vorsitzenden Meyn ähnlich – eine wesentliche Voraussetzung für einen solchen Band mit: Er ist nicht nur Kommunikationswissenschaftler und gelernter Soziologe, sondern selbst aktiv im Social Web. Seit Jahren führt er den Blog &#8220;<a href="http://www.schmidtmitdete.de/" target="_blank">schmidtmitdete.de</a>&#8220;, wo er sich selbst ironisch als &#8220;hard bloggin&#8217; scientist&#8221; bezeichnet. Entsprechend beginnt das Fazit des Buches zunächst im Twitter-Stil (maximal 140 Zeichen pro Spiegelstrich). Und natürlich gibt es auch einen Blog zum Buch: <a href="http://www.dasneuenetz.de/" target="_blank">www.dasneuenetz.de</a>. Dort findet man neben persönlichen Bemerkungen und einer so genannten <a href="http://www.dasneuenetz.de/bibliographie" target="_blank">Urlographie</a> mit allen Links auch <a href="http://www.dasneuenetz.de/rezensionen" target="_blank">Rezensionen</a> und Leserreaktionen. Und wie es in der wissenschaftlichen Community so ist, halten sich die Leser weitgehend mit Reaktionen zurück. An dieser Kultur des &#8220;Lieber-Nicht-Diskurses&#8221; jenseits lebenslaufrelevanter Publikationen und jenseits der Biertische an langen Tagungsabenden ändert auch ein Blog als neuer Medienkanal nur wenig.</p>
<p>Damit bin ich beim Inhalt des Buches angelangt, denn genau dies ist eine der zentralen Aussagen: Nicht technische Eigenschaften allein entscheiden darüber, welche Praktiken sich im Umgang mit neuen Medien herausbilden, sondern auch soziale und wirtschaftliche Beziehungen und Verwendungsregeln (47ff.). Nun ist diese Erkenntnis nicht neu – seit vielen Jahren schütteln Sozialwissenschaftler den Kopf über den so genannten Technikdeterminismus, d.h. die naive Annahme mancher Technikentwickler und Ökonomen, neue Techniken würden automatisch neue Nutzerbedürfnisse erzeugen und eine erhöhte Nachfrage hervorrufen. Dennoch ist es immer wieder wichtig, auf die Verschränkungen zwischen technischen und soziokulturellen Rahmenbedingungen und individuellen Gewohnheiten hinzuweisen und diese anhand konkreter Medienbeispiele zu illustrieren. Dies tut das Buch auf vorbildliche Weise.</p>
<p>Ein weiteres Plus: Als halbwegs Internet-sattelfester Leser – als Einstieg in die Materie setzt der Band zu viel voraus – bekommt man einen lesbaren und kurzweiligen Überblick über Techniken, Angebote, Nutzungsroutinen, soziale Zusammenhänge und aktuelle Debatten im und über das Social Web. Apropos Social Web: Während im Untertitel des Bandes vom &#8220;Web 2.0&#8243; die Rede ist (eine Verlagsentscheidung?), entledigt sich Schmidt nach einem kurzen geschichtlichen Abriss recht früh (21) dieses Marketing-Terminus, der obendrein eine Revolution suggeriert – von Version 1.0 zu 2.0 –, die es so nicht gibt. Stattdessen spricht er nur noch vom Social Web.</p>
<p>So informativ, kurzweilig und kompetent das Buch insgesamt ist, aus wissenschaftlich-akademischer Sicht überzeugt es nur teilweise: Schmidt entwickelt in Kapitel drei einen durchaus überzeugenden theoretischen Rahmen zur allgemeinen &#8220;Analyse von Nutzungspraktiken&#8221;. Dieser besagt im Kern, dass sich längerfristige Nutzungspraktiken aus sich wiederholenden Episoden herausbilden, die sich wiederum vom spezifischen Code einer Medienanwendung, den technischen und sozialen Relationen und dauerhaften Verwendungsregeln dieses Mediums ergeben. Der Autor spricht in Anlehnung an Goffman und – diesem folgend – Höflich von einer Rahmung. Ähnliche Ansätze haben auch Hasebrink und der Rezensent vorgelegt. Das Modell wird in diesem Kapitel überzeugend erläutert und durchdekliniert und findet damit sicherlich Beachtung im Fach. Gut gefällt mir auch die Systematik des nachfolgenden Kapitels vier, wo sämtliche Social-Web-Praktiken auf drei zentrale Handlungskomponenten bzw. Funktionen zurückgeführt werden: Identitäts-, Beziehungs- und Informationsmanagement. Allerdings sollte man diese Liste um ein Unterhaltungsmanagement ergänzen – und ist damit wieder in der klassischen Motiveinteilung des Uses-and-Gratifications-Ansatzes.</p>
<p>Leider werden die beiden genannten Systematiken kaum miteinander verknüpft; man könnte zum Beispiel die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den drei Handlungskomponenten hinsichtlich der Entstehung von Nutzungspraktiken diskutieren. Vor allem aber – und das ist meine einzige gravierende Kritik an dem Band – greift Schmidt die Ideen des &#8216;Theorieteils&#8217; in den nachfolgenden Kapiteln nur noch sporadisch und ein wenig lustlos in den jeweiligen Fazits auf. Zur Gliederung – oder besser: Rahmung – der weiteren Darstellung dienen sie nicht. So wirken die drei letzten Kapitel, in denen es um Phänomene persönlicher Öffentlichkeiten und der Privatsphäre im Social Web geht (Kapitel fünf), um die &#8220;Erweiterung professionell hergestellter Öffentlichkeiten&#8221; (fokussiert auf Journalismus und politische Kommunikation; Kapitel sechs) und um den &#8220;Umgang mit Informationen und Wissen&#8221; (am Beispiel von Social Tagging und Wikipedia; Kapitel sieben), etwas beliebig zusammengestellt. Um nicht falsch verstanden zu werden: Auch hier trägt Schmidt eine Fülle eigener und fremder empirischer Befunde zusammen, diskutiert sie kompetent und zeichnet so ein durchgehend plastisches Bild des jeweiligen Themengebiets.</p>
<p>Fazit: Schmidt ist einer der wenigen Soziologen bzw. Kommunikationswissenschaftler, die das Social Web nicht nur vollständig kennen, verstehen und mit Begeisterung nutzen, er analysiert es auch nüchtern und weitgehend objektiv. &#8220;Das neue Netz&#8221; ist gegenwärtig sicherlich die beste Publikation zum derzeitigen Modethema, auch wenn das Buch eher deskriptiv und erklärend geraten ist. Aus wissenschaftlicher Sicht steht zu hoffen, dass Schmidt sein Potenzial nutzt und bald einen in sich schlüssigeren theoretisch-empirischen Buchbeitrag vorlegt – zuzutrauen ist es ihm.</p>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.uvk.de/buch.asp?ISBN=9783867641463&amp;WKorbUID=267828&amp;TITZIF=2268&amp;be=&amp;uBe=" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.dasneuenetz.de/" target="_blank">Weblog zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.hans-bredow-institut.de/de/mitarbeiter/dr-jan-hinrik-schmidt" target="_blank">Webpräsenz von Jan Schmidt am Hans-Bredow-Institut</a></li>
<li><a href="http://www.schmidtmitdete.de/" target="_blank">Persönliches Weblog von Jan Schmidt</a></li>
<li><a href="http://www.tu-ilmenau.de/fakmn/Wolfgang-Schweiger.9966.0.html?&amp;L=0" target="_blank">Webpräsenz von Wolfgang Schweiger an der TU Ilmenau</a></li>
<li><a href="http://www.wolfgang-schweiger.de/" target="_blank">Persönliche Homepage von Wolfgang Schweiger</a></li>
</ul>


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		<title>Stephan Ruß-Mohl: Kreative Zerstörung</title>
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		<pubDate>Sun, 06 Dec 2009 22:46:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Stephan Weichert</em>

<img class="alignleft size-full wp-image-1770" title="ruß-mohl2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/09/ruß-mohl2009.jpg" alt="ruß-mohl2009" width="160" height="258" />Der quälende Erosionsprozess der US-amerikanischen Zeitungsindustrie – und mit ihm die Aushöhlung des hergebrachten Qualitätsjournalismus – ist längst ein offenes Geheimnis: Kaum eine Woche vergeht, an dem keine Hiobsbotschaft von Verlagsinsolvenzen, Redaktions- zusammenlegungen oder Massen- entlassungen durch die angefressene Medienbranche wabert. Der Zustand der Presse ist in den USA, anders als in Europa, schon derart verhängnisvoll, dass dort Kampfbegriffe wie "Newspaper Endgame", "The Vanishing Newspaper" und "The End of Journalism" zu geflügelten Worten wurden. Ein Blog mit dem zynisch klingenden Namen "Newspaper Death Watch" ("Totenwache Zeitung") listete Anfang Dezember 2009 elf Tageszeitungen in amerikanischen Ballungsgebieten, die binnen zweieinhalb Jahren verschwunden sind. Betreiber des Blogs ist der Ex-Journalist Paul Gillian, der sich – wie viele andere Millionen Amerikaner – darum sorgt, wie sich das Siechtum der Zeitungen langfristig auf das Journalistenhandwerk und somit auf die amerikanische Gesellschaftsordnung auswirkt. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/1416">[Mehr]</a>


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</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Stephan Weichert</em></p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-1770" title="ruß-mohl2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/09/ruß-mohl2009.jpg" alt="ruß-mohl2009" width="160" height="258" />Der quälende Erosionsprozess der US-amerikanischen Zeitungsindustrie – und mit ihm die Aushöhlung des hergebrachten Qualitätsjournalismus – ist längst ein offenes Geheimnis: Kaum eine Woche vergeht, an dem keine Hiobsbotschaft von Verlagsinsolvenzen, Redaktions- zusammenlegungen oder Massen- entlassungen durch die angefressene Medienbranche wabert. Der Zustand der Presse ist in den USA, anders als in Europa, schon derart verhängnisvoll, dass dort Kampfbegriffe wie &#8220;Newspaper Endgame&#8221;, &#8220;The Vanishing Newspaper&#8221; und &#8220;The End of Journalism&#8221; zu geflügelten Worten wurden. Ein Blog mit dem zynisch klingenden Namen &#8220;<a href="http://www.newspaperdeathwatch.com/" target="_blank">Newspaper Death Watch</a>&#8221; (&#8220;Totenwache Zeitung&#8221;) listete Anfang Dezember 2009 elf Tageszeitungen in amerikanischen Ballungsgebieten, die binnen zweieinhalb Jahren verschwunden sind. Betreiber des Blogs ist der Ex-Journalist Paul Gillian, der sich – wie viele andere Millionen Amerikaner – darum sorgt, wie sich das Siechtum der Zeitungen langfristig auf das Journalistenhandwerk und somit auf die amerikanische Gesellschaftsordnung auswirkt.</p>
<p>Die wachsende Unsicherheit ob des zerstörerischen Potenzials der Struktur- und Medienkrise in den USA und der möglichen Rückkoppelungseffekte auf die europäischen Zeitungsmärkte, deren untrügerische Vorboten hier schon seit einiger Zeit zu spüren sind, lässt inzwischen auch deutsche Journalisten, Verlagsmanager und Medienexperten aufmerken. Anlass genug für den in der Schweiz lehrenden Kommunikationswissenschaftler Stephan Ruß-Mohl, jetzt ein Buch zu veröffentlichen, das bei keinem Zeitungsliebhaber unter dem Kopfkissen fehlen darf – an dieser Stelle allerdings, das sei vorweggenommen, für Alpträume sorgen kann. Denn der Beipackzettel, den Ruß-Mohl hier implizit mitliefert, hat sich gewaschen: Obwohl er den amerikanischen Zeitungsmarkt unter die Lupe nimmt, hat er nach eigener Aussage das Buch geschrieben, &#8220;um besser einschätzen zu können, was auf uns in Deutschland, in der Schweiz, in Europa zukommt – und wie wir trotz alledem vielleicht den Qualitätsjournalismus retten können.&#8221;</p>
<p>So ist der beinahe romantisch anmutende Buchtitel &#8220;Kreative Zerstörung&#8221; dem Ökonomen Joseph Schumpeter entlehnt, der Ruß-Mohls jahrelange Forschungen im Grenzbereich zwischen Journalistik und Ökonomie inspiriert hat. Schumpeter habe, sagt Ruß-Mohl, &#8220;wohl als Erster begriffen, dass die Umwälzungen des Kapitalismus sowohl destruktiv als auch schöpferisch sind&#8221;, sprich: Zerstörung ist notwendig, damit eine Neuordnung überhaupt stattfinden kann. Um dieser (R)evolution im Journalismus nachzuspüren, ist der Professor an der Università della Svizzera italiana eigens von Lugano mitten in das Silicon Valley gereist, um sich höchstselbst von der Ausgeburt jener Zerstörung zu überzeugen, die im Schumpeter&#8217;schen Sinne zugleich Funke schöpferischer Wiedergeburt sein soll. Die unheilvollen Umbrüche während eines mehrwöchigen Forschungsaufenthalts an der renommierten Stanford University im Sommer 2008 und zuvor an der University of Oregon sozusagen am lebenden Objekt zu untersuchen (der Autor besuchte auf seinen Reisen neben einer Reihe von Zeitungsexperten auch die Redaktionen namhafter Prestige-Blätter, darunter &#8220;<a href="http://www.latimes.com/" target="_blank">Los Angeles Times</a>&#8220;, &#8220;<a href="http://www.nytimes.com/" target="_blank">New York Times</a>&#8220;, &#8220;<a href="http://www.paloaltoonline.com/" target="_blank">Palo Alto Weekly</a>&#8220;, &#8220;<a href="http://www.washingtonpost.com/" target="_blank">Washington Post</a>&#8221; und &#8220;<a href="http://www.sfgate.com/" target="_blank">San Francisco Chronicle</a>&#8220;) und der Gedanke, wie es weiter gehen könnte, hätten ihn regelrecht &#8220;fasziniert&#8221;.</p>
<p>Vielleicht ist es genau diese Faszination, die das Buch in all seinen Facetten, Argumentationsketten und Katastrophenschauplätzen so lesenswert macht: eine Art Medienwissenschafts-Thriller für starke Nerven und mit ungewissem Ausgang. Auch wenn Ruß-Mohl natürlich nicht <em>das</em> heiß ersehnte Business-Modell für die Verlagsbranche liefern kann, ist das Buch mehr als eine aufmerksame Zustandsbeschreibung: Wer die aufschlussreichen Case-Studies und Analysen darin sorgsam durcharbeitet oder sagen wir passender: den Cliffhangern zum Ende der jeweiligen Kapitel entgegenfiebert, dessen Neugierde wird auf das, was da im Auge des Taifuns womöglich noch entstehen wird, nicht enttäuscht. Ruß-Mohl streut allenthalben Worst- und Best-Practice-Modelle ein, 37 Abbildungen und zahlreiche Erklärkästen illustrieren wichtige ökonomische Trends und journalistische Fallbeispiele. Vor allem aber lebt das Werk von den Statements der für das Buch befragten Experten, unter anderem Tom Rosenstiel (<a href="http://www.journalism.org/" target="_blank">Project for Excellence in Journalism</a>), Geneva Overholser und Phil Seib (<a href="http://annenberg.usc.edu/" target="_blank">Annenberg School for Communication, University of Southern California</a>), Jonathan Landman (&#8220;<a href="http://www.nytimes.com/" target="_blank">New York Times</a>&#8220;) und Michael Getler (<a href="http://www.pbs.org/" target="_blank">PBS</a>, ehem. &#8220;<a href="http://www.washingtonpost.com/" target="_blank">Washington Post</a>&#8220;).</p>
<p>Fürderhin ist die Publikation – nach amerikanischem Vorbild – ein Zwitter zwischen Wissenschaft und populärem Sachbuch, wie man sie im deutschsprachigen Raum glücklicherweise immer häufiger findet, auch wenn die beinharte Kommunikationswissenschaft solcherlei &#8220;Grenzwissenschaft&#8221; argwöhnisch betrachtet – teils aus mangelnder Leidenschaft für den Beruf, teils aus Standesdünkel. Dennoch ist die Methodik des Autors lupenrein, wenngleich er die fehlende &#8220;Angemessenheit bestimmter Forschungstechniken&#8221; innerhalb der Kommunikationsforschung gleich zu Anfang moniert (36) – und bitter konstatiert: &#8220;Dieses Manko lässt sich nicht beseitigen.&#8221; Gleichwohl betrachtet er genau dies als Herausforderung, &#8220;verschiedene methodische Ansätze in kreativer Weise zu verbinden und weiterzuentwickeln&#8221;. Und das versucht Ruß-Mohl, indem er interdisziplinäre Brücken zur Ökonomie baut, empirisch-analytische Herangehensweisen und journalistische Recherchetechniken mit einem Crowdsourcing unter Medienexperten kombiniert und alles in allem – wie er schreibt – der &#8220;Journalistik neue Ziele&#8221; setzen will: Diese solle sich &#8220;zur Speerspitze einer Bewegung machen, die den Status quo einer kommunikationsunfähigen und damit auch in ihrer Wirkungsmacht beeinträchtigten Disziplin überwindet, indem sie mit journalistischen Mitteln Erkenntnisstand, -prozesse und -probleme vermittelt&#8221; (36f.).</p>
<p>Es sind zweifellos zu viele, um sie an dieser Stelle alle wiederzugeben, aber zu den gravierenden Neuerungen der Internet-Revolution, die Ruß-Mohl zufolge den Niedergang der Zeitungen nachhaltig beeinflusst und letztlich deren Neuerfindung bedeutet, gehören vor allem das Web 2.0 und seine neuen Akteure, also Blogger, Mitglieder in Social Networks und Bürgerjournalisten. Sie verändern das bisherige Medienangebot von Grund auf: durch Nischenangebote, alternative Geschäftsmodelle und neue Nutzungs-Cluster, aber auch die Vermischung von PR-Interessen und journalistischen Inhalten. Seiner Argumentationslinie folgend plädiert Ruß-Mohl am Ende des Buches konsequent für Bezahlinhalte im Internet: einerseits um die hemmungslose Selbstbedienungs-Mentalität einzudämmen, andererseits um die massenhafte Meinungsfreude der Laien im Netz noch von jener der professionellen Medienarbeiter unterscheidbar zu halten – und den Fortbestand Letzterer zu sichern. Diese muss der Leser sich aber künftig nicht unbedingt in übermäßigen Dimensionierungen vorstellen. Der &#8220;dynamische Unternehmer&#8221; (256f.), ebenfalls ein Wort aus der Theorieapotheke Schumpeters, beschreibt vielmehr einen Typus Journalist, der nicht nur thematisch flexibel denkt und vielseitig ist, sondern auch bereit ist, seine ökonomische Existenz in die eigene Hand zu nehmen. Und wahrscheinlich ist ebendies die wichtigste Botschaft, die uns ein Buch über den drohenden Kollaps des amerikanischen Qualitätsjournalismus mit auf den Weg geben will: Unser Schicksal ist heute gar nicht mehr von traditionellen Großverlagen und Medienunternehmen abhängig, sondern vom Erfindergeist und dem Experimentierwillen einzelner Journalisten.</p>
<p>Links:</p>
<ul>
<li><a href="http://www.uvk.de/buch.asp?ISBN=9783867640770" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.com.usi.ch/en/personal-info.htm?id=331" target="_blank">Webpräsenz von Stephan Ruß-Mohl an der Università della Svizzera italiana in Lugano</a></li>
<li><a href="http://www.macromedia-fachhochschule.de/hochschule/menschen/professoren/personendetails/detail/weichert.html" target="_blank">Webpräsenz von Stephan Weichert an der Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation in Hamburg</a></li>
</ul>


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		<title>Stephan Weichert; Christian Zabel (Hrsg.): Die Alpha-Journalisten 2.0</title>
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		<pubDate>Sun, 15 Nov 2009 22:15:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Maja Malik</em>

<img class="alignleft size-full wp-image-1699" title="weichert&#38;zabel2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/11/weichertzabel2009.jpg" alt="weichert&#38;zabel2009" width="160" height="252" />Hinter manch einer Zeitung steckt bekanntlich ein kluger Kopf. Aber welche Köpfe stecken hinter den prominenten publizistischen Seiten im Internet - hinter Bildblog, Perlentaucher, netzpolitik.org, Zeit Online, sueddeutsche.de und tagesschau.de? Wer sind die Menschen, die die Öffentlichkeit im Netz an zentralen Stellen mitgestalten? Wie verstehen sie ihre Rollen und ihre Verantwortung? Wie entwickeln sie ihre Ideen? Und welche Prognosen geben sie über die Medienlandschaft der Zukunft ab? Der Band Die Alpha-Journalisten 2.0 versammelt die Porträts von 20 ausgewählten Online-Akteuren, die als erfolgreiche Blogger, Web-Kolumnisten, kreative Kleinunternehmer und Online-Chefs die Entwicklung der Netzpublizistik formen und reflektieren. In kurzen, sorgfältig formulierten Texten wird das Leben und Schaffen der Protagonisten vorgestellt. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/463">[Mehr]</a>


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</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Maja Malik</em></p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-1699" title="weichert&amp;zabel2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/11/weichertzabel2009.jpg" alt="weichert&amp;zabel2009" width="160" height="252" />Hinter manch einer Zeitung steckt bekanntlich ein kluger Kopf. Aber welche Köpfe stecken hinter den prominenten publizistischen Seiten im Internet &#8211; hinter <a href="http://www.bildblog.de/" target="_blank">Bildblog</a>, <a href="http://www.perlentaucher.de/" target="_blank">Perlentaucher</a>, <a href="http://www.netzpolitik.org/" target="_blank">netzpolitik.org</a>, <a href="http://www.zeit.de/" target="_blank">Zeit Online</a>, <a href="http://www.sueddeutsche.de/" target="_blank">sueddeutsche.de</a> und <a href="http://www.tagesschau.de/" target="_blank">tagesschau.de</a>? Wer sind die Menschen, die die Öffentlichkeit im Netz an zentralen Stellen mitgestalten? Wie verstehen sie ihre Rollen und ihre Verantwortung? Wie entwickeln sie ihre Ideen? Und welche Prognosen geben sie über die Medienlandschaft der Zukunft ab? Der Band <em>Die Alpha-Journalisten 2.0 </em>versammelt die Porträts von 20 ausgewählten Online-Akteuren, die als erfolgreiche Blogger, Web-Kolumnisten, kreative Kleinunternehmer und Online-Chefs die Entwicklung der Netzpublizistik formen und reflektieren. In kurzen, sorgfältig formulierten Texten wird das Leben und Schaffen der Protagonisten vorgestellt.</p>
<p>Durch die Auswahl der <em>Alpha-Journalisten 2.0</em> erfasst der Band viele Facetten der Onlinepublizistik. Da stehen einzelne, meinungsstarke Blogger wie Don Alphonso (alias Rainer Mayer) und Robert Basic neben &#8220;institutionellen&#8221; Bloggern wie Thomas Knüwer (<a href="http://blog.handelsblatt.com/indiskretion/" target="_blank">Handelsblatt</a>) und Matthias Matussek (<a href="http://www.spiegel.de/thema/matusseks_kulturtipp/" target="_blank">Spiegel</a>) oder den Initiatoren von Themenblogs wie Stefan Niggemeier (<a href="http://www.bildblog.de/" target="_blank">Bildblog</a>) und Markus Beckedahl (<a href="http://www.netzpolitik.org/" target="_blank">netzpolitik.org</a>). Die alten Vordenker Florian Rötzer und Peter Glaser werden in dem Buch vereint mit jüngeren Autoren wie Holm Friebe und Mario Sixtus sowie den Online-Chefs der großen journalistischen Flagschiffe <a href="http://www.tagesschau.de/" target="_blank">Tagesschau</a> (Jörg Sadrozinski), <a href="http://www.sueddeutsche.de/" target="_blank">Süddeutsche Zeitung</a> (Hans-Jürgen Jakobs), <a href="http://www.stern.de/" target="_blank">Stern</a> (Frank Thomsen), <a href="http://www.focus.de/" target="_blank">Focus</a> (Jochen Wegner), <a href="http://www.zeit.de/" target="_blank">Zeit</a> (Wolfgang Blau), <a href="http://www.tagesspiegel.de/" target="_blank">Tagesspiegel</a> (Mercedes Bunz) und <a href="http://www.derwesten.de/" target="_blank">WAZ</a> (Katharina Borchert).</p>
<p>Eine solche Auswahl ist immer schwierig und angreifbar &#8211; daher verkneift sich die Rezensentin den Hinweis darauf, wer für ihre Top 20 der Leitfiguren der Netzöffentlichkeit gewählt werden müsste. Fraglich aber ist, ob außer Marketinggesichtspunkten noch etwas dafür spricht, die porträtierten Akteure der Internetöffentlichkeit unter dem Label des Journalismus zu versammeln. Um an den Erfolg des ersten Bandes der Herausgeber Stephan Weichert und Christian Zabel <em>Die Alpha-Journalisten. Deutschlands Wortführer im Porträt </em>(2007) anzuknüpfen, ist es sicherlich sinnvoll, nun die <em>Alpha-Journalisten 2.0 </em>folgen zu lassen. Doch sachlich sind die Porträtierten sehr unterschiedlich dem Journalismus verbunden. Netz-Aktivisten sind nicht immer Journalisten (zum Beispiel Holm Friebe) und Online-Journalisten sind nicht immer Personen, die durch ihre Position, ihre Meinungsstärke oder ihre Analysen als Leitfiguren der Netzpublizistik gelten können (zum Beispiel der porträtierte Reporter von <a href="http://www.spiegel.de" target="_blank">Spiegel Online</a>, Matthias Gebauer). Eine Begründung und Systematisierung der ausgewählten Personen würde dem Leser helfen, die Zielsetzung des Bandes besser nachzuvollziehen.</p>
<p>Die Porträts sind einfühlsam, persönlich und anregend formuliert von meist noch relativ jungen Autoren, die selbst als Journalisten den Umbruch der Publizistik durch das Internet miterleben. Die Texte beschreiben die Lebensläufe der Protagonisten, aber sie kommentieren auch, ordnen ein, beschreiben Begegnungen und persönliche Eindrücke. Sie sind interessant und unterhaltsam und daher sehr lesenswert.</p>
<p>Die einführenden Essays der Herausgeber sowie der <a href="http://www.mediummagazin.de/" target="_blank">Medium-Magazin</a>-Chefin Annette Milz und des freien Journalisten Thomas Schuler sind ebenfalls nach allen Regeln des journalistischen Handwerks verfasst und angenehm zu lesen (auch wenn das &#8220;starke Geschlecht&#8221; als Synonym für &#8220;Männer&#8221;  [32] doch nun wirklich überholt ist). Stephan Weichert und Christian Zabel beschreiben mit vielen Beispielen, vor allem aus den USA, das Verhältnis von &#8220;altem&#8221; und &#8220;neuem&#8221; Journalismus &#8211; eine Frage, die auch in den Porträts immer wieder aufgegriffen wird. Doch der Beitrag von Thomas Schuler über die Frage &#8220;Wie das Internet den Qualitätsjournalismus verändert&#8221; wirkt im Anschluss daran leider an vielen Stellen redundant. Und der Text von Annette Milz, der das &#8220;Selbstbild und die Arbeitsweisen junger Journalisten&#8221; beschreiben will, wärmt Gespräche mit acht &#8220;besonders qualifizierten Nachwuchsjournalisten&#8221; (47) wieder auf, die das <a href="http://www.mediummagazin.de/" target="_blank">Medium Magazin</a> 2008 führte. Er steht bestimmt nicht für den Durchschnitt der jungen Journalistengeneration und passt auch nicht ohne weiteres in die Thematik des Buches.</p>
<p>Insgesamt geben <em>Die Alpha-Journalisten 2.0 </em>einen unterhaltsamen Einblick in die Entwicklung der Publizistik im Internet. Eine Auswertung der verschiedenen Tätigkeiten und Selbstbilder der Protagonisten und ihrer verschiedenen Ansichten über die Zukunft des Journalismus hätte weiteren Erkenntnisgewinn liefern können. Ohne diese Systematik ist der Band kein wissenschaftliches, aber ein lesenswertes Buch.</p>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.alpha-journalisten.de/" target="_blank">Website zum Buch</a></li>
<li><a href="http://egora.uni-muenster.de/ifk/personen/majamalik.shtml" target="_blank">Webpräsenz von Maja Malik an der Universität Münster</a></li>
</ul>


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		<title>Vanessa Diemand; Uwe Hochmuth; Christina Lindner; Peter Weibel (Hrsg.): Ich, Wir und Die Anderen</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/489</link>
		<comments>http://www.rkm-journal.de/archives/489#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 02 Aug 2009 16:05:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Christian Katzenbach</em>

<img class="alignleft size-full wp-image-1545" title="diemandetal2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/08/diemandetal20091.jpg" alt="diemandetal2009" width="160" height="231" />Bücher zum so genannten Web 2.0 oder auch Social Web muss man derzeit nicht lange suchen, sie häufen sich auf Verlagslisten, Tischen und Bildschirmen. Dieser Sammelband, der auf einer vom Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) und der Hochschule für Gestaltung (HFG) in Karlsruhe organisierten Tagung im November 2007 basiert, fällt – oder sticht – aus dieser Masse an Literatur insofern heraus, als er das Thema nicht aus der Perspektive der üblichen kommunikations-wissenschaftlichen Verdächtigen heraus betrachtet (Journalismus, Öffentlichkeit, PR, Marketing), sondern aus einer breiteren, eher kulturwissenschaftlichen Blickrichtung. In der Gliederung des Bandes, die sich an der "Sozialität der Beteiligungsformen" orientieren will, werden die genannten kommunikationswissenschaftlichen Fragestellungen vor allem im Abschnitt "Die Anderen" verhandelt. Davor liegen Beiträge zur Beteiligung des Einzelnen ("Ich") und zu Vergemeinschaftungsprozessen ("Wir"). <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/489">[Mehr]</a>


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</ol>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Christian Katzenbach</em></p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-1545" title="diemandetal2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/08/diemandetal20091.jpg" alt="diemandetal2009" width="160" height="231" />Bücher zum so genannten Web 2.0 oder auch Social Web muss man derzeit nicht lange suchen, sie häufen sich auf Verlagslisten, Tischen und Bildschirmen. Dieser Sammelband, der auf einer vom <a href="http://www.zkm.de/" target="_blank">Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM)</a> und der <a href="http://www.hfg-karlsruhe.de/" target="_blank">Hochschule für Gestaltung (HFG)</a> in Karlsruhe organisierten Tagung im November 2007 basiert, fällt – oder sticht – aus dieser Masse an Literatur insofern heraus, als er das Thema nicht aus der Perspektive der üblichen kommunikations-wissenschaftlichen Verdächtigen betrachtet (Journalismus, Öffentlichkeit, PR, Marketing), sondern aus einer breiteren, eher kulturwissenschaftlichen Blickrichtung. In der Gliederung des Bandes, die sich an der &#8220;Sozialität der Beteiligungsformen&#8221; orientieren will, werden die genannten kommunikationswissenschaftlichen Fragestellungen vor allem im Abschnitt &#8220;Die Anderen&#8221; verhandelt. Davor liegen Beiträge zur Beteiligung des Einzelnen (&#8220;Ich&#8221;) und zu Vergemeinschaftungsprozessen (&#8220;Wir&#8221;). In jedem dieser Abschnitte wechseln sich, auch dies eine Besonderheit des Bandes, Wissenschaftler, prominente Web-2.0-Nutzer und netzaffine Journalisten ab. Das Format der Beiträge changiert dabei zwischen wissenschaftlichem Artikel, Essay und Erfahrungsbericht.</p>
<p>Den Einstieg liefern zwei themenübergreifende Essays: Peter Weibel vollzieht in seinem Beitrag noch einmal die Habermas&#8217;sche Argumentation des Strukturwandels von Öffentlichkeit nach und artikuliert die inzwischen reichlich gelesene – und mitunter widerlegte – Hoffnung, dass die &#8220;Nutzer, ehemals Sklaven, Arbeiter oder Proletarier genannt, […] über das Internet auch an der [vierten] Gewalt teilhaben&#8221; (12). Dem in Weibels Beitrag immer wieder durchschimmernden und nie widersprochenen Technikdeterminismus (&#8220;Das Internet ist die größte Bewegung seit der Aufklärung&#8221;, 19) versucht Peter Glaser in seinem Essay durch einen weiten erzählerischen Bogen zu begegnen, der durch die Bewässerungssysteme und den Pyramidenbau der Ägypter, Platos Ablehnung der Schriftlichkeit und die Tokyoter U-Bahn führt – und der Betrachtung der aktuellen Entwicklung den &#8220;naiven Siegesglauben der Einmaligkeit&#8221; (24) nehmen will. Glasers Essay setzt so in seinen fast lyrischen Windungen einige wertvolle skeptische Kontrapunkte zu Weibels Einstieg; nicht in Form einer strukturierten Analyse, sondern als Ansammlung erfreulich treffender Sätze über eine &#8220;Zeit, in der Suchmaschinen immer noch einem aufgedrehten Feuerwehrschlauch gleichen, an dem man seinen Wissensdurst zu stillen versucht&#8221; (23) und das Leben &#8220;sich in ein Gewölk von Zwischendurchs&#8221; verwandelt (31).</p>
<p>Der Abschnitt &#8220;Ich&#8221; beginnt mit einem Beitrag von Vanessa Diemand zur Identitätsarbeit, der Weblogs in Bezug zu Tagebüchern und Autobiographien setzt. Dabei nutzt Diemand Alois Hahns Konzept der &#8216;Biographiegeneratoren&#8217; und arbeitet so gelungen die Ambivalenzen der Selbstthematisierung zwischen &#8220;reflexivem autobiographischen Schreiben und öffentlichem Austausch&#8221; (56) heraus. Diese Fragen werden durch den Erfahrungsbericht &#8220;Aus dem Leben einer Kunstfigur&#8221; von Rainer Meyer illustriert, in dem er auf die Grenzgänge und -setzungen im Umgang mit (fiktiven) Netzidentitäten am Beispiel seines Weblog-Egos Don Alphonso hinweist (hier funktioniert das Konzept der wechselnden Perspektiven und Formate). Mit einem Überblick über den Stand der empirischen Forschung zum neuen Netz, verbunden mit einem Plädoyer für kontinuierliche ethnographische, ereignis- und prozessbezogene Erhebungsformen, schließen Wiebke Gröschler und Michael Mangold das erste &#8220;Themenforum&#8221; ab.</p>
<p>Im Zentrum des Abschnitts &#8220;Wir&#8221; zu Formen und Problemen der Vergemeinschaftung im neuen Netz steht ein weitgreifender Beitrag von Volker Grassmuck, der das &#8220;Neue des Internets&#8221; gerade nicht in den Erscheinungsformen des vermeintlichen Web 2.0 sieht, sondern grundsätzlicher im Computer als Universalmaschine, der Open-Source-Bewegung und dem World Wide Web als mediale Artikulationsplattform (105). Der Artikel ist besonders wertvoll, da er auf die Bedeutung von Regulierungs- und Eigentumsfragen – einen bislang vernachlässigten Aspekt in der Debatte um das neue Netz – hinweist: &#8220;Für ein Wir, das sich nachhaltig in freier Zusammenarbeit konstituiert, ist die Frage des Eigentums an Produktionsmitteln und den gemeinschaftlich erzeugten Produkten entscheidend.&#8221; (107) Die übrigen Artikel dieses Abschnitts befassen sich mit den sozialen Sehnsüchten der Nutzer von Online-Rollenspielen, sich wandelnden Formen der Informationsproduktion und dem Zustand der deutschen Blogosphäre.</p>
<p>Uwe Hochmuth skizziert in seinem Artikel, der den Themenkomplex der &#8220;Anderen&#8221; (Wechselwirkungen der Beteiligungsformen mit Journalismus und Ökonomie) einleitet, eine kleine Kulturgeschichte und Politische Ökonomie des Internets. Im Einklang mit Grassmuck betont er darin die Wichtigkeit, das Netz als Basis-Infrastruktur mit den Merkmalen eines öffentlichen Gutes zu verstehen und zu erhalten. Ein kleiner Essay von Christoph Neuberger zum Wandel von Öffentlichkeit und Journalismus fasst die zentralen Gedanken seiner zahlreichen Publikationen der letzten Jahre gelungen zusammen.</p>
<p>Der Sammelband liefert einen leicht verdaulichen, gut geschriebenen Überblick zu Kommunikationsformen und ihren Rahmenbedingungen im neuen Netz. Erfreulich dabei sind die recht vielseitigen Perspektiven: Soziale Kommunikation im Internet ist eben nicht nur eine veränderte Form von Journalismus, PR oder Cross-Media-Verwertung, sondern auch und gerade individuelle und kollektive Identitätsarbeit. So korrigiert der Sammelband etwas die &#8220;Sehschwäche&#8221; (Neuberger) der Kommunikationswissenschaft, die zuweilen nur das sieht, &#8220;was sie in der Vergangenheit für wichtig gehalten halt, und [dabei] das Neue [ausblendet]&#8221; (188). Das Format der abwechselnden Essays und Erfahrungsberichte lockert den Band auf, lässt den wissenschaftlichen Leser dann aber doch an vielen Stellen allein mit dem Wunsch nach mehr Analyse und Auseinandersetzung mit dem aktuellen Forschungsstand.</p>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.dpunkt.de/buecher/3007.html" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://katzenbach.info/" target="_blank">Weblog von Christian Katzenbach</a></li>
</ul>


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<li><a href='http://www.rkm-journal.de/archives/2398' rel='bookmark' title='Permanent Link: Christina Holtz-Bacha; Gunter Reus; Lee B. Becker (Hrsg.): Wissenschaft mit Wirkung'>Christina Holtz-Bacha; Gunter Reus; Lee B. Becker (Hrsg.): Wissenschaft mit Wirkung</a></li>
</ol></p>]]></content:encoded>
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		<title>Andres Hutter: Watchblogs: Medienkritik 2.0?</title>
		<link>http://www.rkm-journal.de/archives/522</link>
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		<pubDate>Sat, 16 May 2009 18:56:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Redaktion</dc:creator>
				<category><![CDATA[Einzelrezension]]></category>
		<category><![CDATA[Blogs]]></category>
		<category><![CDATA[Inhaltsanalyse]]></category>
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		<description><![CDATA[<em>Rezensiert von Tobias Eberwein</em>

<img class="alignleft size-full wp-image-770" title="hutter2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/05/hutter2009.jpg" alt="hutter2009" width="160" height="233" />Der Medienjournalismus steckt in einer Dauerkrise. Auch unabhängig von der aktuellen Wirtschaftslage hat die journalistische Berichterstattung über Journalismus und Medien mit Problemen zu kämpfen, die eine Erfüllung ihrer Informations-, Orientierungs-, Kritik- und Kontrollfunktion scheinbar zu einem Ding der Unmöglichkeit machen. Besonders heikel sind dabei die Fallstricke, die sich aus der unumgehbaren Selbstbezüglichkeit medienjournalistischer Thematisierungsstrategien ergeben: Wird über Vorgänge im eigenen Medienbetrieb berichtet, besteht die Gefahr einer PR-gerechten Beschönigung; steht ein Konkurrent im Fokus der Berichterstattung, ist es besonders verlockend, positive Inhalte herunterzuspielen, Negatives hingegen aufzubauschen. Angesichts dieses Dilemmas verwundert es kaum, dass viele Tageszeitungen sich auf ihren Medienseiten (sofern es diese überhaupt gibt) auf unverfängliche Fernseh-Vorschauen zurückziehen. Unbefangene Medienkritik sieht anders aus. <a href="http://www.rkm-journal.de/archives/522">[Mehr]</a>


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<li><a href='http://www.rkm-journal.de/archives/463' rel='bookmark' title='Permanent Link: Stephan Weichert; Christian Zabel (Hrsg.): Die Alpha-Journalisten 2.0'>Stephan Weichert; Christian Zabel (Hrsg.): Die Alpha-Journalisten 2.0</a></li>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Rezensiert von Tobias Eberwein</em></p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-770" title="hutter2009" src="http://www.rkm-journal.de/wp-content/uploads/2009/05/hutter2009.jpg" alt="hutter2009" width="160" height="233" />Der Medienjournalismus steckt in einer Dauerkrise. Auch unabhängig von der aktuellen Wirtschaftslage hat die journalistische Berichterstattung über Journalismus und Medien mit Problemen zu kämpfen, die eine Erfüllung ihrer Informations-, Orientierungs-, Kritik- und Kontrollfunktion scheinbar zu einem Ding der Unmöglichkeit machen. Besonders heikel sind dabei die Fallstricke, die sich aus der unumgehbaren Selbstbezüglichkeit medienjournalistischer Thematisierungsstrategien ergeben: Wird über Vorgänge im eigenen Medienbetrieb berichtet, besteht die Gefahr einer PR-gerechten Beschönigung; steht ein Konkurrent im Fokus der Berichterstattung, ist es besonders verlockend, positive Inhalte herunterzuspielen, Negatives hingegen aufzubauschen. Angesichts dieses Dilemmas verwundert es kaum, dass viele Tageszeitungen sich auf ihren Medienseiten (sofern es diese überhaupt gibt) auf unverfängliche Fernseh-Vorschauen zurückziehen. Unbefangene Medienkritik sieht anders aus.</p>
<p>In den vergangenen Jahren hat sich eine intensive Forschungstätigkeit zu diesen Problemen entwickelt, ein gangbarer Ausweg aus der &#8220;Selbstbeobachtungsfalle&#8221; (vgl. Beuthner/Weichert 2005) konnte dabei allerdings nicht aufgezeigt werden. Erst zuletzt entstanden einige Studien, die auf die Potenziale eines alternativen Modells der Medienkritik im Internet hinwiesen: das der Medienblogs (vgl. Fengler 2008; Mayer et al. 2008; Schönherr 2008; Wied/Schmidt 2008). In diese noch junge Forschungslinie ist auch die Veröffentlichung von Andres Hutter einzuordnen, die aus einer Lizentiatsarbeit am Züricher <a href="http://www.ipmz.uzh.ch/" target="_blank">Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung</a> hervorgegangen ist. Ähnlich wie die Autoren der Vorgängerstudien geht auch Hutter davon aus, dass Medienblogs im Vergleich zum herkömmlichen Medienjournalismus über gewisse Vorteile verfügen, weil &#8220;sie nicht von gewinnorientierten Medienunternehmen abhängig sind. Medienkritik in Weblogs könnte also die Tugenden des Medienjournalismus vereinen, ohne seine Defizite aufzuweisen: Eine fundierte Medienkritik ohne Konflikte mit Eigeninteressen.&#8221; (13) Um dieses Potenzial zu nutzen, müssten medienkritische Blogs in ihrer Berichterstattung allerdings anerkannte Qualitätsstandards einhalten. Ziel von Hutters Arbeit ist es daher, mit Hilfe einer Inhaltsanalyse die journalistische Qualität von zehn ausgewählten Medienwatchblogs mit der einer herkömmlichen Medienberichterstattung zu vergleichen.</p>
<p>Um den Qualitätsstandards einer wissenschaftlichen Abschlussarbeit zu entsprechen, fundiert Hutter seine Erhebung mit vergleichsweise ausführlichen theoretischen Vorbemerkungen. Nach einer (durchaus kritischen) Diskussion der relevanten Weblogforschung liefert er einige Denkanstöße zur systemtheoretischen Verortung von Medienblogs und Journalismus. Bedenkenswert erscheint dabei Hutters Ansatz, Blogs als möglichen Bestandteil eines sozialen Systems Journalismus zu verstehen &#8211; eine Sichtweise, die bislang nicht unbedingt dem journalismustheoretischen Mainstream entspricht. Leider werden die diesbezüglichen Ausführungen nicht konsequent zu Ende gedacht und bleiben teilweise begrifflich unscharf. Ohnehin verwundert es, dass der Autor nicht mehr Kapital aus Luhmanns Vorarbeiten zu Fragen der Selbstreferenz geschlagen hat, die sicherlich erkenntnisfördernd auf die gewählte Themenstellung hätten übertragen werden können.</p>
<p>Zentralen Raum in der Arbeit nimmt anschließend Hutters Auseinandersetzung mit der Forschung zur journalistischen Qualität ein. Aus seinem kritischen Referat der wichtigsten Studien zu diesem Themenfeld leitet er elf Qualitätsdimensionen ab, die mit Blick auf die eigene Inhaltsanalyse operationalisiert und zu verschiedenen Teilhypothesen ausgearbeitet werden. Dass die Operationalisierung &#8220;nicht völlig zufriedenstellend&#8221; (133) gelingt, gesteht der Autor später selbst ein. Bei der Durchführung der Erhebung bleibt dieses Manko jedoch weitgehend unberücksichtigt.</p>
<p>Nach weiteren Lockerungsübungen in Form einer Methodendiskussion gelangt Hutter schließlich in empirische Gefilde. Leider bleiben für die Vorstellung der Befunde aus seiner Inhaltsanalyse nur noch 28 Buchseiten, was nach der langen Vorrede etwas schade ist, zumal der Autor zu einigen interessanten Erkenntnissen kommt. So zeigt er, dass die Medienberichterstattung der drei untersuchten Zeitungen (ausgewertet wurden die Online-Ausgaben der &#8220;<a href="http://www.faz.net" target="_blank">Frankfurter Allgemeinen Zeitung</a>&#8220;, der &#8220;<a href="http://www.nzz.ch/" target="_blank">Neuen Zürcher Zeitung</a>&#8221; und der &#8220;<a href="http://diepresse.com/" target="_blank">Presse</a>&#8220;) zwar objektiver und transparenter ist als die der ausgewerteten Medienwatchblogs. In allen anderen Dimensionen schneiden die Blogs jedoch besser ab, zum Teil sogar deutlich. So wurde für sie eine markant höhere Themenvielfalt und eine höhere analytische Qualität nachgewiesen. Auch die Verständlichkeit, die Unterhaltsamkeit und das Interaktionsniveau sind der Erhebung zufolge in den Blogs klar erhöht. Der Autor folgert daraus, dass in Medienblogs &#8220;Journalismus und ernstzunehmende Auseinandersetzungen mit den traditionellen Medien statt[finden]. Weblogs sind also durchaus in der Lage, eine verbesserte Medienkritik zu leisten und können keineswegs pauschal als pseudojournalistisch abgetan werden.&#8221; (134)</p>
<p>Dieses Fazit leuchtet angesichts der präsentierten Daten ein. Allerdings wäre eine sorgfältigere methodische Anlage notwendig gewesen, um zu wirklich aussagekräftigen Befunden zu gelangen. So bleibt unklar, nach welchen Kriterien die zehn untersuchten Blogs ausgewählt wurden. Relevanzkriterien können es jedenfalls nicht gewesen sein, denn in den &#8220;<a href="http://medienlese.com/2007/05/01/mbc-1/" target="_blank">Medienblogcharts</a>&#8220;, einem Ranking der am meisten verlinkten Medienblogs von medienlese.com, wurden während des Untersuchungszeitraums fast durchweg andere Sites gelistet: Lediglich das &#8220;<a href="http://www.bildblog.de/" target="_blank">Bildblog</a>&#8221; taucht hier wie dort auf. Und auch die Logik, nach der die drei analysierten Zeitungen als Repräsentanten des traditionellen Medienjournalismus mit je 30 Beiträgen in die Stichprobe aufgenommen wurden, bleibt dem Leser verborgen. Vermutlich hätte eine differenziertere Auswahl mit höheren Fallzahlen hier zu anderen Ergebnissen geführt.</p>
<p>Trotz der genannten Einschränkungen hat Andres Hutter eine lesenswerte Studie vorgelegt, die &#8211; in konsequenter Weiterentwicklung bisheriger Arbeiten &#8211; ein wichtiges Thema aufgreift. Der Autor macht anschaulich, dass sich mit einer kritischen Medienbeobachtung in Weblogs verschiedene Potenziale verbinden, die dem herkömmlichen Medienjournalismus neue Entwicklungslinien aufzeigen können. Dass damit eine neue Form der Laienpublizistik zum Sargnagel des professionellen Journalismus werden könnte, ist sicherlich nicht zu befürchten, zumal die wichtigsten Medienblogs im deutschen Sprachraum selbst von ausgebildeten Journalisten betrieben werden. Ein wichtiger Fingerzeig ist das Schaffen der Medienblogger allemal. Vielleicht auch ein Ausweg aus der &#8220;Selbstbeobachtungsfalle&#8221;?</p>
<p><em>Literatur:</em></p>
<ul>
<li>Beuthner, M.; Weichert, S.A. (Hrsg.): <em>Die Selbstbeobachtungsfalle. Grenzen und Grenzgänge des Medienjournalismus. </em>Wiesbaden [VS Verlag für Sozialwissenschaften] 2005.</li>
<li>Fengler, S.: &#8220;Media WWWatchdogs? Die Rolle von Blogs für die Medienkritik in den USA.&#8221; In: Quandt, T.; Schweiger, W. (Hrsg.): <em>Journalismus online – Partizipation oder Profession? </em>Wiesbaden [VS Verlag für Sozialwissenschaften] 2008, S. 157-171.</li>
<li>Mayer, F. L.; Mehling, G.; Raabe. J.; Schmidt, J.; Wied, K.: &#8220;Watchblogs aus der Sicht der Nutzer. Befunde einer Onlinebefragung zur Nutzung und Bewertung von Bildblog.&#8221; In: <em>Media Perspektiven</em>, Heft 11/2008, S. 589-594. [auch <a href="http://www.media-perspektiven.de/uploads/tx_mppublications/Mayer.pdf" target="_blank">online</a>]</li>
<li>Schönherr, K.: &#8220;Medienwatchblogs als Form journalistischer Qualitätskontrolle.&#8221; In: Zerfaß, A.; Welker, M.; Schmidt, J. (Hrsg.): <em>Kommunikation, Partizipation und Wirkungen im Social Web. Band 2: Strategien und Anwendungen. Perspektiven für Wirtschaft, Politik, Publizistik. </em>Köln [Herbert von Halem Verlag] 2008, S. 116-133.</li>
<li>Wied, K.; Schmidt, J.: &#8220;Weblogs und Qualitätssicherung. Zu Potenzialen weblogbasierter Kritik im Journalismus.&#8221; In: Quandt, T.; Schweiger, W. (Hrsg.): <em>Journalismus online – Partizipation oder Profession? </em>Wiesbaden [VS Verlag für Sozialwissenschaften] 2008, S. 173-192.</li>
</ul>
<p><em>Links:</em></p>
<ul>
<li><a href="http://www.vwh-verlag.de/vwh/?p=315" target="_blank">Verlagsinformationen zum Buch</a></li>
<li><a href="http://www.coolepark.de/" target="_blank">Weblog von Tobias Eberwein</a></li>
</ul>


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<li><a href='http://www.rkm-journal.de/archives/463' rel='bookmark' title='Permanent Link: Stephan Weichert; Christian Zabel (Hrsg.): Die Alpha-Journalisten 2.0'>Stephan Weichert; Christian Zabel (Hrsg.): Die Alpha-Journalisten 2.0</a></li>
</ol></p>]]></content:encoded>
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