Michael Meyen; Claudia Riesmeyer: Diktatur des Publikums
Michael Meyen; Claudia Riesmeyer: Diktatur des Publikums. Journalisten in Deutschland. Konstanz [UVK] 2009, 270 Seiten, 29,90 Euro.
Rezensiert von Johannes Raabe
Michael Meyen, in der Vergangenheit vor allem mit Studien zu den DDR-Medien, zur Mediennutzung und mit Veröffentlichungen zur Geschichte der Disziplin an die Fachöffentlichkeit getreten, hat sich in den letzten Jahren dem Feld der Journalismusforschung zugewandt und 2009 zwei Journalistenstudien vorgelegt: gemeinsam mit Nina Springer eine Untersuchung über freie Journalisten in Deutschland (siehe r:k:m-Rezension von Siegfried Weischenberg vom September 2009) und kurz darauf mit seiner Mitarbeiterin Claudia Riesmeyer die hier angezeigte Veröffentlichung einer Untersuchung über Journalisten in Deutschland. Ausgangspunkt der Studie ist eine knappe, pauschalkritische Auseinandersetzung mit klassischen Arbeiten der Journalismusforschung von Kepplinger, Köcher und Donsbach einerseits, Weischenberg und Mitarbeitern andererseits. Sie dient der Legitimation des eigenen Vorhabens und der Begründung für ein alternatives methodisches Vorgehen. [Mehr]
Wolfgang Donsbach et al.: Entzauberung eines Berufs
Wolfgang Donsbach; Mathias Rentsch; Anna-Maria Schielicke; Sandra Degen: Entzauberung eines Berufs. Was die Deutschen vom Journalismus erwarten und wie sie enttäuscht werden. Herausgegeben vom Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses. Konstanz [UVK] 2009, 171 Seiten, 24,90 Euro.
Rezensiert von Beatrice Dernbach
Nun hat die “Entzauberung der Welt” auch den Journalismus erfasst. Oder die Wissenschaft vom Journalismus? Der Schöpfer dieses Idioms, Max Weber, meinte damit: “Je mehr der Intellektualismus den Glauben an die Magie zurückdrängt, und so die Vorgänge der Welt ‘entzaubert’ werden, ihren magischen Sinngehalt verlieren, nur noch ‘sind’ und ‘geschehen’, aber nichts mehr ‘bedeuten’, desto dringlicher erwächst die Forderung an die Welt und ‘Lebensführung’ je als Ganzes, daß sie bedeutungshaft und ‘sinnvoll’ geordnet seien.” Wer entzaubert den journalistischen Beruf? Ist es dessen Intellektualisierung durch Akademisierung? Sind es die Menschen, die den Berufsstand der Journalisten regelmäßig auf der Imageskala weit unten ansiedeln? Oder tut es die Journalistik, die die Magie aus sich selbst und ihrem Forschungsgegenstand heraus verdrängt? Auf diese Fragen antwortet der Band der Dresdner Forschergruppe nicht tiefgehend. Der Begriff ‘Entzauberung’ im Titel bleibt somit als originell und journalistisch griffig im Geiste hängen – nur eine bedeutungshafte und sinnvolle Ordnung ergibt sich auch nach Lektüre der 137 Seiten nicht. [Mehr]
Dorothea Marx: Landtagsabgeordnete im Fokus der Medien
Dorothea Marx: Landtagsabgeordnete im Fokus der Medien. Ihre Sicht auf Entstehung, Wirkung und Qualität landespolitischer Berichterstattung. Reihe: Medien Skripten, Band 54. Baden-Baden [Nomos/Edition Reinhard Fischer] 2009, 206 Seiten, 22,– Euro.
Rezensiert von Werner J. Patzelt
Mit Fug und Recht hat Dorothea Marx ihre Magisterarbeit veröffentlicht. Deren Kern ist eine Online-Befragung aller deutschen Landtagsabgeordneten entlang der Fragestellung, wie vertraut, wie verständnisvoll und wie unabhängig ihr Verhältnis zu Journalisten sei. Es geht auch in Ordnung, dass dieses Verhältnis nur aus der Warte der Abgeordneten, nicht aber spiegelbildlich auch aus jener der Journalisten untersucht wird. Letzteres ist Sache einer Dissertation oder eines eigenen Forschungsprojekts. 568 von 1841 deutschen Landtagsabgeordneten beteiligten sich an der hier publizierten Umfrage, also knapp ein Drittel, was tatsächlich als ein guter Schnitt gelten kann. Methodisch wird diese Umfrage im vorliegenden Band vorzüglich dokumentiert – und zwar bis hin zur Wiedergabe des Fragebogens samt Grundauszählung. [Mehr]
Michael Meyen; Nina Springer: Freie Journalisten in Deutschland
Michael Meyen; Nina Springer in Kooperation mit dem Deutschen Fachjournalisten-Verband: Freie Journalisten in Deutschland. Ein Report. Konstanz [UVK] 2009, 185 Seiten, 29,– Euro.
Rezensiert von Siegfried Weischenberg
Wie kann man in der Wissenschaft Aufmerksamkeit erregen, wenn man sich mit einem Thema beschäftigt, das eigentlich solide erforscht ist? Man baut einen Popanz auf und versucht, dessen Existenz wortreich abzusichern – auch wenn die eigene Studie dazu nicht so schrecklich viel hergibt. Im vorliegenden Fall wird der Entdeckungszusammenhang zur “Blackbox Freie” hochjazzt, wobei der Dortmunder Journalistik-Professor Horst Pöttker gleich im ersten Satz des Buches als Kronzeuge (“sträfliche Lücken”) herhalten muss. Nachdem man den Forschungsstand – freilich auf recht schmaler (deutscher) Quellenbasis – geprüft hat, heißt es zwar etwas später, “ganz so schwarz” sei der “‘Kasten’ mit freien Journalisten dann doch nicht”. Gleichwohl gibt die Metapher den Argumentations-Ton des ganzen, mitunter locker vom Hocker formulierten Buches vor – und das bekommt seiner Qualität, alles in allem genommen, nicht gut. [Mehr]
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