Archiv für Mai 2010
Marie Luise Kiefer: Journalismus und Medien als Institutionen
Marie Luise Kiefer: Journalismus und Medien als Institutionen. Konstanz [UVK] 2010, 244 Seiten, 29,- Euro.
Rezensiert von Patrick Donges
Institutionalistische Theorien haben in den vergangenen Jahren in verschiedenen Sozialwissenschaften an Bedeutung gewonnen und zu einer Reihe von Theorieimporten angeregt – so auch in die Kommunikationswissenschaft. Auch der Rezensent hat sich mit einem kleineren Beitrag an diesem Import beteiligt, steht institutionalistischen Theorien also nicht ablehnend gegenüber. Marie Luise Kiefer nimmt sich mehr Zeit und Raum für eine gründlichere Aufarbeitung der verschiedenen Zugänge zum Begriff der Institution und ihre Anwendung auf kommunikations- wissenschaftliche, hier sehr stark medienpolitische und medienökonomische Fragestellungen. [Mehr]
Medienwissenschaftliche Fachzeitschriften in Deutschland
Lorenz Engel; Bernhard Siegert (Hrsg.): Zeitschrift für Medien- und Kulturforschung. Heft 0 (2009), Schwerpunkt: Angst. Hamburg [Felix Meiner Verlag], 208 Seiten, 28,– Euro.
Gesellschaft für Medienwissenschaft (Hrsg.): Zeitschrift für Medienwissenschaft. Heft 1 (2009), Schwerpunkt: Motive. Berlin [Akademie Verlag], 144 Seiten, 29,80 Euro.
Rezensiert von Frank Kessler
Wenn die Gründung von Fachzeitschriften als Indiz dafür gewertet werden kann, dass ein Wissenschaftszweig sich etabliert hat, so ist die deutschsprachige Medienwissenschaft zum Ende des Jahres 2009 im Prozess ihrer Institutionalisierung einen wichtigen Schritt vorangekommen. Gleich zwei Periodika werden von 2010 an halbjährlich in renommierten Verlagen erscheinen und der kulturwissenschaftlich (im Unterschied zur kommunikations- und publizistik-wissenschaftlich) orientierten Medienforschung ein Forum bieten. Wie aber nun hält man es – um es in den Worten einer in Deutschland ebenso beliebten wie letztlich unproduktiven Gretchenfrage zu formulieren – mit dem “Medienbegriff” in diesen Publikationen? Oder anders gefragt: Welche Gegenstandsbereiche werden in den hier veröffentlichten Beiträgen behandelt? [Mehr]
Christian Filk: Episteme der Medienwissenschaft
Christian Filk: Episteme der Medienwissenschaft. Systemtheoretische Studien zur Wissenschaftsforschung eines transdisziplinären Feldes. Bielefeld [Transcript Verlag] 2009, 392 Seiten, 30,80 Euro.
Rezensiert von Ralf Adelmann
Über die Studierenden der Medienwissenschaften existiert das Vorurteil, dass ihre Studienwahl damit zu tun habe, zukünftig ‘irgendetwas-mit-Medien’ machen zu möchten. Die von Christian Filk durchgeführte Studie Episteme der Medienwissenschaft versucht für die Seite der Wissenschaft zu untersuchen, warum dieses ‘irgendetwas-mit-Medien’ in eine transdisziplinäre Ausrichtung der Medienforschung mündet: “Die Studie Episteme der Medienwissenschaft bemüht sich, sich den konzeptuellen Anforderungen und Herausforderungen einer solchen transgressiven Kooperation in der Medienforschung offensiv zu stellen”. Unter “Medienforschung” versteht Filk sowohl kulturwissenschaftlich als auch sozialwissenschaftlich fundierte Medien- und Kommunikationswissenschaften. [Mehr]
Nina Trentmann: Barack Obama gegen John McCain
Nina Trentmann: Barack Obama gegen John McCain. Neue Strategien im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf 2008? Marburg [Tectum Verlag] 2009, 284 Seiten, 24,90 Euro.
Rezensiert von Yvonne Kuhn
Der Blick auf amerikanische Wahlkämpfe scheint für deutsche Politik- und Medienwissenschaftler von besonderem Reiz zu sein – wird doch immer wieder eine Adaption amerikanischer Strategien durch deutsche Parteien unterstellt. Eine Analyse der Strategien im Wahlkampf Barack Obama versus John McCain als “nie da gewesenes Ereignis” hat nun Nina Trentmann vorgelegt und verspricht, die “wichtigsten strategischen Neuerungen” vorzustellen. Ihre Ergebnisse stützen sich neben einer umfangreichen Beachtung des Forschungsstands auf eigens durchgeführten Interviews mit Wahlkampfmitarbeitern und -experten. Die Informations- und Materialfülle ist beachtlich, wenngleich die Beschäftigung mit der Kampagne Barack Obamas deutlich intensiver ausfällt als die mit seinem Konkurrenten John McCain. [Mehr]
Martina Heßler; Dieter Mersch (Hrsg.): Logik des Bildlichen
Martina Heßler; Dieter Mersch (Hrsg.): Logik des Bildlichen. Zur Kritik der ikonischen Vernunft. Reihe: Metabasis, Band 2. Bielefeld [Transcript Verlag] 2009, 280 Seiten, 28,80 Euro.
Rezensiert von Jörg R. J. Schirra
Das von Martina Heßler und Dieter Mersch herausgegebene Softcover-Buch umfasst fast 280 Seiten und ist der zweite Band der Reihe “Metabasis”. Der Titel dürfte Philosophen spontan an Wittgenstein erinnern, in dessen Sprachgebrauch die “Logik” einer Sache die Verwendungsweise der sprachlichen Ausdrücke regelt, mit denen man sich auf jene Sache bezieht: Hier nun also die Logik des ‘Bildlichen’. Mit dem Untertitel Kritik der ikonischen Vernunft ist ebenso direkt Kant assoziiert und seine Kritik der reinen Vernunft, in der es unter anderem um die Möglichkeit des Erwerbs neuer Begriffe als spezieller Form des Wissens geht sowie um die Frage, wie neu gebildete Begriffe eigentlich zu ihren Anschauungen kommen. Damit ist das Thema des Sammelbandes in der Tat bereits grob umrissen: “Wie vermitteln Bilder Wissen? Was sind die Grenzen der Darstellbarkeit von Wissen in Bildern?”, fragen die Herausgeber im Klappentext und fahren fort: “Die Beiträge des Bandes gehen diesen Problemen nach und fragen nach dem Status der Bild-lichkeit in den Wissenschaften, der Begründung einer Diagrammatik, dem Verhältnis zwischen Kunstbild und epistemischem Bild, nach dem digitalen Bild oder nach Stiltraditionen in Wissen-schaftsbildern [...].” [Mehr]
Marcel Danesi; Andrea Rocci: Global Linguistics
Marcel Danesi; Andrea Rocci: Global Linguistics: An Introduction. Berlin, New York [Mouton de Gruyter] 2009, 270 Seiten, gebunden 99,95 Euro, Paperback 34,95 Euro.
Rezensiert von Anna Osterhus
“Global Village”, “Global Language”, “Global Koiné”,”Global Linguistics” – Der kürzlich bei Mouton de Gruyter in der Reihe “Approaches to Applied Semiotics” erschienene Band geizt nicht mit weitreichenden Begriffen. So beginnt auch der im Vorwort als Einführungslektüre vor allem für Studierende und den universitären Basisunterricht vorgestellte Band mit keinem geringeren Thema als der Entstehung und Entwicklung des homo sapiens. Kommunikation und Sprache werden beinahe überdeutlich als wesentliche Entwicklungsmerkmale des Menschen “as a species dependent on culture (and not just nature)” eingeführt und sogleich mit der für das Buch zentralen Vorstellung eines durch Massentechnologien ermöglichten Global Village – sprachlich geprägt durch die Global Koiné Englisch – verbunden. Die Etablierung des neuen Forschungsbereichs Global Linguistics als das erklärte Ziel der Autoren droht vor allem anfänglich zu einem Mammutprojekt anzuwachsen, dem ein knapp 270 Seiten umfassender Band nicht gerecht zu werden scheint. [Mehr]
Carina Jasmin Englert; Michael Roslon: Design (be)deutet die Welt
Carina Jasmin Englert; Michael Roslon: Design (be)deutet die Welt. Ein Wegweiser durch die Kommunikationswissenschaft für DesignerInnen. Essen [Verlag hellblau] 2010, 143 Seiten, 14,90 Euro.
Rezensiert von Michael Erlhoff
An und für sich basiert dieses Buch auf einigen ganz klugen Gedanken: Es versteht sich als ‘Lehrbuch’, und das macht Sinn im Design, wo es noch nicht so viele solcher Bücher gibt. Gleichwohl wäre im Vorwort zumindest der Hinweis darauf wichtig gewesen, die grundsätzliche Dimension solcher Lehrbücher zu erläutern, dass es nämlich auch für Studierende keineswegs ausreicht, nur diese zu lesen. Sodann ist klug an diesem Buch, dass es die wichtigen theoretischen Diskurse der Kommunikationswissenschaft und deren Nutzen für das Design aufzeigen möchte, und dass hier ein breiter Begriff von Kommunikation zu Grunde gelegt ist, der eben auch Objekte und soziale Prozesse und dergleichen einbezieht. [Mehr]
Sabine Wettig: Imagination im Erkenntnisprozess
Sabine Wettig: Imagination im Erkenntnisprozess. Chancen und Herausforderungen im Zeitalter der Bildmedien. Eine anthropologische Perspektive. Reihe: Kultur- und Medientheorie. Bielefeld [Transcript Verlag] 2009, 204 Seiten, 26,80 Euro.
Rezensiert von Jens Bonnemann
Wettig will einerseits zeigen, dass die Imagination eine konstitutive Funktion im menschlichen Erkenntnisprozess einnimmt, andererseits untersucht sie den Einfluss der Bildmedien auf das individuelle Vermögen zur Hervorbringung von Bildern. Die letzte Aufgabe ist für Wettig “eine der größten Herausforderungen” der Mediengeschichte. Das erste Kapitel bietet einen philosophiegeschichtlichen Überblick über die maßgeblichen Theorien zur Einbildungskraft von Aristoteles bis in die Gegenwart und ergreift Partei für jene Ansätze, die die Notwendigkeit der Imagination für die Erkenntnis geltend machen. Dieses Kapitel ist viel ausführlicher, als es für seine Funktion in der Gesamtkonzeption von Wettigs Arbeit eigentlich nötig wäre. Die Beschränkung auf einige wenige Autoren hätte möglicherweise zu mehr Präzision geführt und ein höheres Maß an argumentativer Auseinandersetzung erlaubt. [Mehr]
Wegweiser in den Journalismus
Jürg Häusermann: Schreiben. Reihe: Wegweiser Journalismus, Band 1. Konstanz [UVK] 2008, 139 Seiten, 14,90 Euro.
Christoph Fasel: Textsorten. Reihe: Wegweiser Journalismus, Band 2. Konstanz [UVK] 2008, 142 Seiten, 14,90 Euro.
Gabriele Goderbauer-Marchner: Journalist werden! Reihe: Wegweiser Journalismus, Band 3. Konstanz [UVK] 2009, 139 Seiten, 14,90 Euro.
Barbara Scheiter: Themen finden. Reihe: Wegweiser Journalismus, Band 4. Konstanz [UVK] 2009, 132 Seiten, 14,90 Euro.
Horst Werner: Fernsehen machen. Reihe: Wegweiser Journalismus, Band 5. Konstanz [UVK] 2009, 143 Seiten, 14,90 Euro.
Christian Thiele: Interviews führen. Reihe: Wegweiser Journalismus, Band 6. Konstanz [UVK] 2009, 142 Seiten, 14,90 Euro.
Rezensiert von Gabriele Bartelt-Kircher
Die Reihe Wegweiser Journalismus, herausgegeben von Christoph Fasel, eröffnet Jürg Häusermann mit einem aktualisierten und didaktisch bearbeiteten Auszug seines zum Klassiker der Journalistenausbildung gediehenen Journalistisches Texten. Titel des Bands 1 der Wegweiser-Reihe ist schlicht Schreiben. Das Buch hilft Anfängern mit zahlreichen Text-Beispielen. Sie sind erfreulich aktuell ausgewählt und für ein jüngeres interessiertes Publikum deshalb leichter verständlich. Da es auch um das Entwickeln eines eigenen Schreibstils geht, sind die Argumente für Verständlichkeit leichter zu akzeptieren. Ein allzu selbstverliebter Schreibfluss, den gerade Anfänger im Journalismus versuchen zu behaupten, wird hier immer wieder auf Verständlichkeit geprüft. Jürg Häusermanns Stärke ist es, mit seinen Tipps zum Portionieren, Verdichten und Beleben dem Autor zu helfen, seine Texte selbst auf Verständlichkeit zu prüfen. Testaufgaben überprüfen den Lernerfolg. [Mehr]
Werner Faulstich (Hrsg.): Das Alltagsmedium Blatt
Werner Faulstich (Hrsg.): Das Alltagsmedium Blatt. München [Wilhelm Fink Verlag] 2008, 216 Seiten, 34,90 Euro.
Rezensiert von Rea Köppel
“Das Medium Blatt ist das mit Abstand am meisten vernachlässigte Kommunikations-medium unserer Zeit”, beginnt Werner Faulstich seine Einleitung zum Band Das Alltagsmedium Blatt. Da zwar in vielen Fachrichtungen Einzelstudien zu Blättern im Plural vorliegen, das Blatt im Allgemeinen und Besonderen aber bisher kaum untersucht wurde, leuchtet das von Faulstich angesprochene Forschungs- desiderat unmittelbar ein. Umso mehr machen der Buchtitel und der erste, einleitende Satz neugierig; sie wecken die Erwartung, zu erfahren, was genau hier unter den Begriffen ‘Blatt’, ‘Kommunikation’ und ‘Medium’ zu verstehen sei. [Mehr]
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