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Daria Dittmeyer, Jeannet Hommers, Sonja Windmüller (Hrsg.): Verrückt, Verrutscht, Versetzt

Rezensiert von Karin Bruns (†)

Verrückt, verrutscht, versetztEinzelrezension
Der Sammelband, der auf Ergebnisse einer Tagung 2013 im Hamburger Warburg-Haus zurückgreift, nimmt unter dem vieldeutigen Obertitel Verrückt, Verrutscht, Versetzt eine kulturwissenschaftliche Einordnung, Kommentierung und Analyse von Translozierungsprozessen in ökonomischen, ästhetischen und politischen Kontexten vor, für die bereits das gewählte Titelbild, die Versetzung der Millerntorwache in Hamburg 2004, bezeichnend ist. Die Herausgeberinnen, die in den Fächern Kunstgeschichte, Kulturanthropologie und Ethnologie verortet sind, formulieren ein anspruchsvolles Projekt, das die Einzelbeiträge in detaillierter und genauer Analyse kenntnisreich einlösen und dabei sowohl historische als auch aktuelle Perspektivierungen vornehmen. Das Versetzen und Verschieben als heuristisches Instrument und zentrale kulturtechnische Strategie, so der Ausgangspunkt der Überlegungen, ist geeignet, die “Wirkmächtigkeit von Dimensionen der Festigkeit, Trägheit und Starrheit kultureller Formen und Formationen, von Unhinterfragtem und vermeintlich Selbstverständlichem” zu irritieren und/oder kritisch zu hinterfragen. Mehr

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Ursula Bredel, Christiane Maaß: Leichte Sprache

Rezensiert von Julia Hüllweg

Einzelrezension
Aus der Behindertenrechtsbewegung heraus entwickelt, findet das Konzept der so genannten Leichten Sprache schon seit einigen Jahren Anwendung. Inzwischen werden beispielsweise amtliche Dokumente, Erklärtafeln in Museen, Nachrichtenportale und die Webseite des Deutschen Bundestages in Leichter Sprache angeboten. Beim Übersetzen von standardsprachlichen Texten in die Leichte Sprache bieten bislang drei aus der Übersetzungspraxis entstandene Regelwerke Orientierung. Was bisher allerdings vollkommen fehlt, ist ein wissenschaftlich fundiertes Handbuch. Diese Lücke scheint der vorliegende Duden-Band der beiden Sprachwissenschaftlerinnen Ursula Bredel und Christiane Maaß nun zu schließen. Mehr

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Christian Schwarzenegger: Transnationale Lebenswelten

Rezensiert von Julia Lönnendonker

Einzelrezension
Zu Europa und seiner Identität gibt es bereits unzählige Publikationen. Allerdings beschränken sich diese vornehmlich auf einen Elitendiskurs zu Europa und die Frage eines ‘gedachten’ und ‘gewollten’ Europas. Welche Bedeutung Europa als ein gelebtes Europa, als lebensweltlicher Erfahrungsraum hat, wurde bislang kaum erforscht. Hier setzt das Buch von Christian Schwarzenegger Transnationale Lebenswelten: Europa als Kommunikationsraum an. Mehr

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Diana Marossek: Kommst du Bahnhof oder hast du Auto?

Rezensiert von Jana Häussler

Einzelrezension
Sprachpflegern und selbst ernannten Hütern unserer Kulturnation sind Sätze wie Kommst du Bahnhof oder hast du Auto? ein Gräuel. Die Soziolinguistin Diana Marossek räumt in ihrem gleichnamigen Buch, das auf ihrer Dissertation beruht, mit dem verbreiteten Missverständnis auf, solche Sätze seien Ausdruck mangelnder Sprachkompetenz. Kiezdeutsch oder, wie Marossek es nennt, Kurzdeutsch ist eine Variante des Deutschen, die längst nicht mehr nur von Jugendlichen mit Migrationshintergrund und Deutsch als Zweitsprache gesprochen wird und auch als rituelle Beschimpfung Anwendung findet. Diese Phänomene und ihre weite Verbreitung belegt Marossek in einer umfangreichen Feldstudie, bei der sie als Referendarin getarnt Jugendliche an 30 Berliner Schulen in ihrem alltäglichen Sprachverhalten beobachtet hat. Mehr

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Marc Beise, Ulrich Schäfer: Deutschland digital

Rezensiert von Oliver Zöllner

Einzelrezension
Vielleicht lesen Sie diesen Text mit Hilfe eines Browsers, der in Deutschland entwickelt wurde und großen Wert auf Datenschutz legt. Vielleicht sind Sie Kunde eines deutschen Online-Unternehmens, das mit seinen Interessenten anders umgeht als seine amerikanischen Konkurrenten. Vielleicht bietet dieses Unternehmen auch innovative Produkte und Dienstleistungen an und hat sich auf diese Weise eine robuste Nische erwirtschaftet oder gar zum Marktführer entwickelt. Solche Möglichkeiten gebe es durchaus, legen Marc Beise und Ulrich Schäfer in ihrem Sachbuch Deutschland digital (2016) dar. Allerdings seien sich die Deutschen dieser Chance oft nicht recht bewusst: Zu schwer wiege die vermeintliche unternehmerische Übermacht des Silicon Valley und anderer US-amerikanischer Ideen-Produktionsstandorte. Doch die Zukunft könnte auch ganz anders aussehen, legen die beiden Wirtschaftsredakteure der Süddeutschen Zeitung auf rund 250 Seiten im Reportagestil dar. Mehr

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Uwe Pörksen: Politische Rede oder Wie wir entscheiden

Rezensiert von André Haller

Einzelrezension
Ein zentraler Kritikpunkt an heutigen Politikern ist der Vorwurf, dass ihre Redekunst verloren gegangen sei. Waren rhetorische Duelle in der bundesrepublikanischen Vergangenheit oftmals Höhepunkte des Parlamentarismus, so gleichen Bundestagsdebatten heute oft einem Schauspiel, das durch Worthülsen dominiert wird. Der Sprachwissenschaftler Uwe Pörksen richtet mit seinem Buch Politische Rede oder Wie wir entscheiden (2016) den Fokus auf die politische Entscheidungsrede – das älteste Kommunikationsinstrument der Politik, das der Überzeugung von Zuhörern dient. Ob der Autor damit auch seine Leser überzeugt, hat André Haller für das rkm-Journal geprüft. Mehr

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Hans-Dieter Gelfert: Was ist ein gutes Gedicht?

Im Interview mit Christa Romberg

Einzelrezension
Nach seinen Publikationen Was ist Kitsch? (2000) und Was ist gute Literatur? (2004) hat Literaturwissenschaftler Hans-Dieter Gelfert nun eine Einführung unter dem Titel Was ist ein gutes Gedicht? vorgelegt. Anhand berühmter Beispiele zwischen Goethe, Rilke, Hesse und Shakespeare erklärt der 80-Jährige, was die Qualität eines Gedichtes ausmacht und worin das Vergnügen an Versen liegt. Christa Romberg vom Institut für Deutsche Sprache und Literatur an der TU Dortmund ist für das rkm-Journal die titelgebenden 33 Schritte des Buches gegangen und bezeichnet das Werk als eine Quintessenz seiner wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Mehr

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Michel op den Platz: „Männer sind… Und Frauen auch… Überleg dir das mal!“

Rezensiert von Martina Thiele

Einzelrezension
„Männer und Frauen passen einfach nicht zusammen.“ Sagt dieser Satz alles über Loriots Sicht auf die Geschlechter? Ganz sicher nicht, so der Kulturwissenschaftler Michel op den Platz, und führt in seinem Essay überzeugende Argumente an wider die heteronormative Lesart von Geschlechterbildern im Werk des beliebten Humoristen. In dessen Sketchen gehe es zwar immer um misslingende Kommunikation. Dass sie misslingt, habe aber nicht unbedingt mit Zweigeschlechtlichkeit zu tun. Als ,Beweis‘ beruft sich op den Platz auf ein weiteres Zitat: „Männer sind … Und Frauen auch … Überleg dir das mal!“ Mehr

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Thomas Birkner, Maria Löblich, Alina Laura Tiews, Hans-Ulrich Wagner (Hrsg.): Neue Vielfalt

Rezensiert von Axel Schildt

Einzelrezension
Der Begriff der Pluralität ist traditionsreich und schwierig. Er kann sogar dem Begriff des Pluralismus abgrenzend gegenübergestellt werden wie in den Debatten des Zweiten Vatikanischen Konzils der Katholischen Kirche Anfang der 1960er Jahre. Dort ging es um die neue Vielfalt in der Ausgestaltung der prinzipiell vertretenen religiösen Heilsbotschaft, die nicht mit einer Anerkennung weltlicher Divergenzen in einem System pluralistischer Stimmen und deren demokratischer Aushandlung verwechselt werden dürfe. Auch wenn Analogien immer hinken, geht es im Sammelband Neue Vielfalt aus dem Herbert von Halem Verlag im Kern um das Verhältnis von Pluralität und Pluralismus. Die Publikation dokumentiert die Ergebnisse einer Tagung der Fachgruppe Kommunikationsgeschichte in der DGPuK, die 2015 in Hamburg stattfand. Mehr

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Ulrich Teusch: Lückenpresse

Rezensiert von Sebastian Köhler

Einzelrezension
In Zeiten von Datenüberfluss scheint es besonders schwierig, Aufmerksamkeit zu wecken. Hier sollen oft so genannte Buzzwords helfen, um wahrgenommen zu werden. Erst recht, wenn sie kreativ sind und dennoch einen Wiedererkennungswert haben. Lückenpresse hat der Frankfurter Westend Verlag daher eine kritische Publikation genannt, die Debatten um ,Lügenpresse‘ aufgreift und doch weit komplexere Probleme thematisiert: Es geht in dieser Streitschrift um nicht weniger als das Ende des Journalismus, wie wir ihn kannten. Und wir sollten keine Angst davor haben. Dem Politikwissenschaftler und Journalist Ulrich Teusch ist ein in vielerlei Hinsicht lesenswertes Buch gelungen. Er schafft eine konstruktive Kritik der journalistischen Vernunft unserer Jahrzehnte – bis heute und für morgen. Mehr

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