Seref Ates: Deutsch-türkische Medienbeziehungen

Einzelrezension
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Rezensiert von Cigdem Bozdağ

Einzelrezension
Seref Ates beschäftigt sich mit der Entwicklung deutschtürkischer Medienbeziehungen von 1999 bis 2009, indem er verschiedene Fallstudien um das Thema darstellt. Im 2. und 3. Kapitel des Buches werden zwei inhaltsanalytische Untersuchungen der deutschen und türkischen Presse hinsichtlich jeweils ihres Deutschlandbilds und Türkeibilds dargestellt. Das Kapitel 4 stellt ausgewählte Medieninhalte aus der Türkei dar, die sich mit ‘den Deutschen’ bzw. mit Deutschland beschäftigen. Kapitel 5 und 6 analysieren die Entwicklung des Internets in der Türkei und die Internetnutzung von Deutschtürken in Bezug auf türkische Inhalte. Kapitel 7 vergleicht den Umgang der deutschen und türkischen Medien mit den politischen Ereignissen nach dem 11. September. Im Kapitel 8 wird argumentiert, dass Migrantinnen und Migranten in Deutschland insbesondere nach dem 11. September nicht mehr als ethnische Minderheiten sondern zunehmend als Muslime bzw. Terroristen dargestellt werden. Im Kapitel 9 wird die in Köln im Jahre 2008 gehaltene Rede vom türkischen Premierminister Erdogan analysiert. Das letzte Kapitel fasst vornehmlich die Entwicklungen in der türkischen Presse in Deutschland nach 2000 zusammen.

Wie die obige Zusammenfassung zeigt, behandelt das Buch von Ates viele unterschiedliche Themen. Unter anderem durch diese Verschiedenheit der Themen fehlt dem Buch ein roter Faden. Die einzelnen Kapitel werden weder in der Einleitung noch in dem Schlusskapitel miteinander verknüpft. Es wird nicht klar, was genau unter dem Begriff “deutsch-türkische Medienbeziehungen” verstanden wird, da es in dem Buch erstens um die gegenseitige Wahrnehmung der deutschen und türkischen Presse, zweitens um die politische Beziehungen zwischen den beiden Ländern und drittens um die Darstellungen und Mediennutzung von türkischen Migranten in Deutschland geht.

Die aktuelle Forschungsliteratur über den Untersuchungsgegenstand, insbesondere solche, die nach 2002 erschienen ist, wird in die Darstellung der Analyseergebnisse nicht genügend miteinbezogen. Damit übersieht der Autor beispielsweise eine wichtige Studie der ARD/ZDF-Medienkommission (vgl. Simon 2007) über die Mediennutzung von Migranten, als er argumentiert, dass es zu der Zeit der Untersuchung keine Statistiken über die Internetnutzung von Menschen mit Migrationshintergrund gäbe (63). Viele Aussagen in dem Buch bleiben weiterhin deskriptiv und werden nicht wissenschaftlich belegt.

Obwohl das Buch interessante Aspekte der türkischen, deutschen und deutsch-türkischen Medien darstellt, fragt man sich durch die fehlende Begründung, warum bestimmte Fallstudien ausgewählt worden sind und wie sie mit dem übergreifenden Thema deutschtürkische Medienbeziehungen zusammen hängen. Die Analysemethoden der ausgewählten Fallstudien werden wenig erläutert. Allein in den Kapiteln 2 und 3 Kapitel wird erklärt, wie das Material erhoben und analysiert wurde, wobei hier von einer qualitativen Analyse gesprochen wird, deren genaue Umsetzung wiederum nicht erklärt wird.

Rechtsschreib- und Tippfehler sind leider keine Seltenheit in dem Buch und durch die falsche Einsetzung von türkischen Buchstaben sind fast alle türkischen Namen vertippt. Weiterhin sind mehrere Abbildungen in dem Buch unscharf und Angaben sind dadurch kaum lesbar (beispielsweise Abbildungen auf Seiten 17 und 31).

Positiv anzumerken an dem Buch ist die kritische Haltung des Autors gegenüber den Problemen der kurdischen Medien in der Türkei sowie in Deutschland, und gegenüber den Vorurteilen in den deutschen und türkischen Medien. Eine fokussierte Analyse über ausgewählte Aspekte der deutschtürkischen Medienbeziehungen sowie eine ausführlichere Darstellung der wissenschaftlichen Analysen der deutschen und türkischen Presse im 2. und 3. Kapitel hätten dem Buch von Ates mehr genützt. Während vielleicht gerade die Bandbreite der Themen das Buch interessant macht, wird die Erzählung in vielen Stellen nicht vertieft und eignet sich damit eher nur für einen Einstieg in die Thematik, die komparativ wenig untersucht wurde.

Literatur:

  • Simon, Erk: Migranten und Medien 2007. Zielsetzung, Konzeption und Basisdaten einer repräsentativen Studie der ARD/ZDF-Medienkommission. In: Media Perspektiven, 2007 (9), S. 426-435.

Links:

Über das BuchSeref Ates: Deutsch-türkische Medienbeziehungen (1999-2009). Würzburg [Königshausen & Neumann] 2011, 136 Seiten, 28,- Euro.Empfohlene ZitierweiseSeref Ates: Deutsch-türkische Medienbeziehungen. von Bozdağ, Cigdem in rezensionen:kommunikation:medien, 18. Dezember 2011, abrufbar unter http://www.rkm-journal.de/archives/7057
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Rezensent/in
Cigdem Bozdağ (M.A.) ist Doktorandin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Medien-, Kommunikations- und Informationsforschung (ZeMKI) an der Universität Bremen.