Petra Bauer; Hannah Hoffmann; Kerstin Mayrberger (Hrsg.): Fokus Medienpädagogik

Einzelrezension
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Rezensiert von Tanja Jadin

Einzelrezension
Der Titel Fokus Medienpädagogik. Aktuelle Forschungs- und Handlungsfelder könnte nicht treffender für dieses Buch sein. Der Sammelband, welcher Stefan Aufenanger gewidmet ist, beinhaltet eine Vielzahl an Beiträgen von Autoren aus dem umfassenden Bereich der Medienpädagogik. Das Buch gliedert sich in vier große Bereiche: “Medienkompetenz”, “Mediensozialisation”, “Lehren und Lernen mit neuen Medien” und “Projekte der AG Medienpädagogik”. Diese vier Kategorien spiegeln nicht nur wichtige Arbeitsbereiche von Stefan Aufenanger wider, sondern können als Abbild genereller Forschungs- und Handlungsfelder der Medienpädagogik betrachtet werden. Medienkompetenz als ein wichtiger Forschungsbereich von Stefan Aufenanger wird im ersten Teil des Buches näher beleuchtet. Medienkompetenz ist vor allem im Zeitalter von Web 2.0 bzw. dem Social Web zu einem neuen Modewort avanciert. Umso begrüßenswerter ist es, wenn sich international ankerkannte Autoren, vor allem im ersten Teil des Buches in einer differenzierten Weise mit Medienkompetenz auseinandersetzen. So befasst sich Spanhel (29) mit der Frage der medialen Bildungsräume und deren Bedeutsamkeit für informelles Lernen. Ausgehend von den Anforderungen, die eine Wissensgesellschaft an Heranwachsende mit sich bringt, beleuchtet Spanhel das Lernen mit Medien. Dieses findet selbstgesteuert, spielerisch und selbst organisiert in informellen Kontexten statt.

Tulodziecki betont, dass das Verständnis von Medienkompetenz anschlussfähig an die Erziehungs- und Bildungsziele der Schule sein muss. Er versteht unter Medienkompetenz das Vermögen und die Bereitschaft “in Medienzusammenhängen sachgerecht, selbst bestimmt, kreativ und sozial verantwortlich zu handeln” (Tulodziecki, 2010, S. 46). Englische Beiträge von Sofos, Varis sowie Friesen und Hug sind insbesondere als wichtige Beiträge hervorzuheben, da die Diskussion rund um “Media Literacy” und weiteren synonyme Begriffe und verwandte Konzepte auf eine internationalen Ebene gehoben wird. Der erste Teil dieses Buches umfasst somit einen guten Einstieg und Überblick rund um die Themen Medienbildung, Medienkompetenz und Medienerziehung.

Zehn Kapiteln des Sammelwerkes beschäftigen sich mit den Medienwelten von Kinder, Jugendlichen, aber auch Erwachsenen. Dabei wird auf die Mediatisierung der Alltagswelt und deren Auswirkung sowie auf die medienpädagogische Relevanz hingewiesen (beispielsweise Schorb, S. 117, Moser, S. 135 und Lampert, S. 150). Aber auch konkrete Medienangebote werden im Hinblick auf Problemfelder und Herausforderungen diskutiert (wie z. B. der spannende Beitrag “Videoclips und Gewalt” bei Neumann-Braun und Schmidt, S. 160, das transportierte Schönheitsideal in den Medien bei Paus-Hasebrink, S. 191 und die geschlechtsstereotypische Darstellung bei Luca, S. 208). Drei Beiträge befassen sich mit dem kontroversen Thema “Computerspiele” wie z. B. aus der klinischen Perspektive (Wölfling, S. 239), verweisen aber auch auf die Chancen diese produktiv zu nutzen und auch als Lernmedium zu begreifen (Klimmt, S.248).

Wobei wir nun beim vierten Teil des Sammelwerkes sind. Medien können insbesondere für Lernzwecke, zum kollaborativen Wissensaustausch und zur Wissenskonstruktion genutzt werden. Der Beitrag von Reinmann et al. (S. 264) stellt ein Projekt zur technologiegestützten Narration in der Grundschule vor und streicht dabei die Bedeutung des Lernens durch Geschichten erzählen heraus. Mayrberger (280) greift die geforderte Trias von Aufenanger, neues Lernen, neue Medien und neue Organisation auf. Dabei diskutiert sie den Begriff “E-Learning 2.0” und stellt vor, was Lehren und Lernen im Sinne von E-Learning 2.0 bedeuten kann. Der Beitrag fasst auch sehr gut die Diskussion rund um die sogenannte “Personal Learning Environment” zusammen, wobei Mayrberger diese als didaktischen und pädagogischen Ansatz versteht und weniger als institutionalisierte technologische Lernumgebung. Claudia Bremer diskutiert den Mehrwert von E-Learning und stellt Konzepte zur Implementierung von E-Learning in Bildungseinrichtungen vor. Weblogs und die dazugehörige Kommunikationskultur stehen im Mittelpunkt des Beitrags von Rolf Schulmeister.

Abgerundet wird das Herausgeberwerk von Bauer, Hoffmann und Mayrberger durch zahlreiche Berichte aus der medienpädagogischen Praxis bzw. durch die Vorstellung von unterschiedlichen Projekten. Die sich ergänzenden Beiträge im Buch heben die wichtige Verknüpfung zwischen Theorie und Praxis hervor. Kritisch anzumerken bleibt lediglich, dass für den erfahrenen Leser manche Themen bereits wiederholt diskutiert worden sind, dies jedoch im Rahmen einer Festschrift vermutlich beabsichtigt ist. Aus dieser Sicht ist das Werk als sehr gelungen und lesenswert zu bezeichnen.

Bei der derzeitigen rasanten Veränderung im Internet (Stichwort: Social Media) und den sich ändernden Nutzungsdaten stehen Medienwissenschaften, Pädagogen, Kommunikationswissenschafter und Psychologen vor der Herausforderung, sich neuen Forschungsfragen zu widmen. Mediennutzungsdaten, die zum Teil im Buch referiert werden, verlieren schnell an Aktualität. Die Diskussion rund um Medienbildung und Förderung von Medienkompetenz gewinnt jedoch durch die zunehmende Medienkonvergenz und heterogenen Möglichkeiten der Mediennutzung noch mehr an Bedeutung.

Das Buch richtet sich durch seine Beiträge an interessierte Personen, die sich mit Fragen der Medienpädagogik, Medienerziehung und Medienbildung auseinandersetzen. Dabei sind die verschiedenen Beiträge sowohl für Pädagogen, als auch für Kommunikationswissenschafter, Psychologen sowie weiteren verwandten Fachdisziplinen interessant. Durch die verschiedenen Beiträge und unterschiedlichen Themengebiete kann das Werk sowohl als einführende als auch vertiefende Lektüre von Studierenden wie auch Wissenschaftern verwendet werden.

Links:

Über das BuchPetra Bauer; Hannah Hoffmann; Kerstin Mayrberger (Hrsg.): Fokus Medienpädagogik. Aktuelle Forschungs- und Handlungsfelder. München [kopaed] 2010, 420 Seiten, 22,80 Euro.Empfohlene ZitierweisePetra Bauer; Hannah Hoffmann; Kerstin Mayrberger (Hrsg.): Fokus Medienpädagogik. von Jadin, Tanja in rezensionen:kommunikation:medien, 1. November 2011, abrufbar unter http://www.rkm-journal.de/archives/6473
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Rezensent/in
Dr. Tanja Jadin ist Psychologin und Professorin für E-Learning an der FH Oberösterreich, Campus Informatik, Kommunikation und Medien in Hagenberg. Forschungsschwerpunkte: E-Learning, Medienkompetenz, selbstreguliertes Lernen, informelles Lernen, computerunterstütztes kollaboratives Lernen und Arbeiten, Evaluation, Gestaltung und Umsetzung von (Online-)Befragungen.