Von der Kognition zur Kultur und zurück: Auf den Spuren von Tomasellos Die kulturelle Entwicklung des menschlichen Denkens

Klassiker, Rezensionen
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Klassiker
Michael Tomasellos Arbeiten zur evolutionären und zur ontogenetischen Genese humanspezifischer Kognition und seine in diesem Kontext angestellten Überlegungen zur Entstehung spezifisch menschlicher Formen der Kooperation und Kommunikation erfreuen sich wachsender Beliebtheit weit über die Grenzen der Psychologie hinaus. Die von Bewunderung getragene Rezeption insbesondere seiner kommunikationstheoretisch ambitionierten Werke (vgl. Tomasello 2009, 2010) rückt auch den Klassiker unter Tomasellos Publikationen, das mit dem William James Book Award der American Psychological Association ausgezeichnete Die kulturelle Entwicklung des menschlichen Denkens (2002)[1], erneut in den Fokus. Dort wird nicht allein die Zusammenführung der von Tomasello vormals weitgehend unabhängig voneinander bearbeiteten und erst mit Beginn der 1990er Jahre  (zunächst über einen Vergleich der Lernprozesse von Kindern und nichtmenschlichen Primaten) ineinanderfließenden Forschungsfelder Spracherwerb, Ontogenese der Sozialkognition und Primatenforschung endgültig vollzogen; es werden auch die Grundlagen geschaffen für Tomasellos späteren Versuch, eine Art ‚Prototheorie der Handlungskoordination‘ bereitzustellen.

Verwandtschaft: Michael Tomasello untersuchte die Lernprozesse von Kindern und Primaten.
Fotos: Aaron Mello/unsplash.com, Steppenwolf1979/pixabay.com

Zum Thema seines Werkes erklärt Tomasello (2002: 8) „[…] soziale und kulturelle Tätigkeiten des Menschen und ihre Rolle für die menschliche Kognition – klassische Forschungsthemen der Geisteswissenschaften.“ Die seinen Studien zugrundeliegenden Methoden (experimenteller Art) stammten demgegenüber ausschließlich aus den Naturwissenschaften, wodurch Kinder und nichtmenschliche Primaten nicht anders aufgefasst würden als andere Naturerscheinungen auch. Gemäß dieser Position lässt Tomasello auch in den weiteren Ausführungen seines gattungsgeschichtlichen Erklärungsversuchs menschlicher Kognition diejenigen methodologischen Standbeine und theoretischen Vorentscheidungen besonders klar erkennen, die auch in seinen späteren Argumentationsgängen noch deutliche Spuren hinterlassen, dort aber weniger explizit zum Vorschein kommen.[2]

Phylogenese – Ontogenese – Geschichte
Den Kern der Argumentation in Die kulturelle Entwicklung des menschlichen Denkens bildet das Zusammenspiel phylogenetischer, ontogenetischer und historischer Prozesse. Ausgang der Überlegungen ist die evolutionär gesehen sehr kurze Zeitspanne von etwa sechs Millionen Jahren, die seit der Trennung der Entwicklungslinien von Mensch und Menschenaffe vergangen ist. Da zudem die Gattung Homo erst vor etwa zwei Millionen Jahren entstand und der moderne Homo sapiens erst vor etwa 200 000 Jahren seine Erfolgsgeschichte zu schreiben begann, indem er unterschiedliche Werkzeuge für denselben Zweck herstellte und bis heute weiterentwickelte, Symbole zu kommunikativen Zwecken und zur Strukturierung des Soziallebens einsetzte und neue Arten gesellschaftlicher Organisationen und Praktiken schuf, wehrt Tomasello sich gegen ein nativistisches Szenario zahlreicher Anpassungen, die in der Art von Modulen unabhängig voneinander entstanden sind:

„Es stand einfach nicht genügend Zeit für normale biologische Evolutionsprozesse […] zur Verfügung, um Schritt für Schritt jede der kognitiven Fertigkeiten zu erzeugen, die es modernen Menschen ermöglichen, komplexe Werkzeuggebräuche und Technologien, komplexe Formen der Kommunikation und Repräsentation durch Symbole und komplexe Formen gesellschaftlicher Organisationen und Institutionen zu erfinden und aufrechtzuerhalten“ (Tomasello 2002: 13).

Daher vermutet Tomasello die Lösung des Problems in einer spezifisch menschlichen Form kultureller Weitergabe, die sich in einem historischen Zeitraum (in Verbindung mit ontogenetischen Prozessen) vollzogen habe. Im Rahmen einer so genannten kumulativen kulturellen Evolution seien die komplexesten sozialen Praktiken und Artefakte menschlichen Stils zunächst in primitiver Form erfunden und dann von späteren Benutzern verbessert worden. Notwendige Voraussetzungen eines solchen Wagenhebereffekts (ratchet effect) bilden nach Tomasello eine auch bei nichtmenschlichen Primaten anzutreffende Erfindungs­gabe sowie eine zuverlässige soziale Weitergabe in Form eines humanspezifischen kulturellen Lernens (Imitationslernen, Lernen durch Unterricht und Lernen durch Zusammenarbeit).

Hand-Werk: Im Sandkasten erfassen Kinder erstmals die Funktion von Werkzeugen.
Foto: vargazs/pixabay.com

Die Grundlage dieser die Besonderheiten menschlicher Kognition fundierenden Lernprozesse stelle eine einzige Form sozialer Kognition dar, das so genannte Verstehen anderer als intentionale Akteure, welches ein in der Ontogenese ab einem Alter von etwa neun Monaten heraufdämmerndes Verstehen der eigenen Intentionen mit einer angeborenen Auffassung anderer als ‚mir ähnlich‘ zusammenbringe. So könne sich das Individuum hineinversetzen in andere Akteure und nicht nur von ihnen, sondern durch sie lernen (vgl. Tomasello 2002: 15). Da sowohl kulturelle Artefakte als auch soziale Praktiken über sich hinaus stets auch auf andere Entitäten verwiesen, müssten Kinder zunächst verstehen, zu welchem Zweck ein Werkzeug oder Symbol gebraucht wird, um seinen jeweiligen konventionellen Gebrauch zu erlernen, und erst ein Verstehen anderer als intentionale Akteure ermögliche ein derartiges Verstehen der intentionalen Bedeutung des Werkzeuggebrauchs und der symbolischen Praxis.

Es ist demnach eine einzigartige Form sozialer Kognition, die sich in einem evolutionären Szenario entwickelt und sodann kulturelles Lernen und Prozesse der Soziogenese in Gang gebracht habe, wodurch sich schon bei nichtmenschlichen Primaten bestehende kognitive Fertigkeiten in neue, kulturell geprägte Fertigkeiten mit einer sozial-kollektiven Dimension verwandelt hätten (vgl. Tomasello 2002: 17). Verzahnt sei dieses bis hierhin als phylogenetisch-historisch beschriebene Szenario (das Tomasello im Kapitel Biologische und kulturelle Vererbung weiter entfaltet) notwendigerweise mit der kindlichen Ontogenese (Kapitel Gemeinsame Aufmerksamkeit und kulturelles Lernen), denn erst ab einem Alter von etwa neun Monaten zeigten Kinder über Imitationslernen und gemeinsame Aufmerksamkeit Manifestationen einer Identifikation mit anderen, die ihnen als sozio-kognitiver Schlüssel für die Partizipation am kognitiven Kollektiv diene. Mittels kulturellen Lernens erwürben Kinder bald darauf sprachliche Symbole, die die verschiedenen Formen der Kategorisierung und Auffassung der Welt zum Zwecke zwischenmenschlicher Kommunikation verkörperten und deren Aneignung die Einnahme zahlreicher Perspektiven auf ein und dieselbe Wahrnehmungssituation ermögliche (Kapitel Sprachliche Kommunikation und symbolische Repräsentation).

Spracherfahrenen Kindern eröffneten sich in natürlichen Sprachen enthaltene kognitive Ressourcen zur Einteilung der Welt in Ereignisse und Dinge, zur Bildung von abstrakten Kategorien, Analogien und Metaphern (Kapitel Sprachkonstruktionen und die Kognition von Ereignissen) und zur Teilnahme an Diskursinteraktionen, die das Aushandeln symbolisierter Perspektiven erfordern, wodurch Schritt für Schritt eine Theorie des Geistes (in Tomasellos Ansatz gleichgesetzt mit einem Verstehen anderer als mentale Akteure) herauf­dämmere, die auch eine Reflexion des eigenen Denkens, Formen der Metakognition und der repräsentationalen Neubeschreibung einschließe (Kapitel Rede und repräsentationale Neubeschreibung).

Die Verschränkung phylogenetischer, ontogenetischer und historischer Entwicklungsprozesse, die Tomasello in seinem Abschlusskapitel Kulturelle Kognition noch einmal aufbereitet und die Tomasellos sozial-kognitiven Ansatz in Die kulturelle Entwicklung des menschlichen Denkens (und in anderen Werken) charakterisiert, hebt sich letztlich vor allem dadurch von nativistisch-modultheoretischen Konzeptionen ab, dass gerade die historischen und ontogenetischen Prozesse die Hauptlast des Erklärungsmodells tragen und dass nur eine (allerdings entscheidende) evolutionäre Anpassung sich in unterschiedlichen Bereichen des Denkens entfaltet und somit einen kulturellen Wagenheber in Gang setzt, der auch Rückwirkungen der Kognition auf das Denken einschließt.

Komplexe Gedankenstrukturen sind offenbar dem Menschen vorbehalten.
Fotos: geralt/pixabay.com, ColiN00B/pixabay.com

Methodologischer Individualismus
Mit seiner Annahme eines humanspezifischen Verstehens anderer als intentionale Akteure veranschlagt Tomasello in Die kulturelle Entwicklung des menschlichen Denkens (und nicht nur dort) ein Modell voraussetzungsloser Ausgangspunkte kognitiver Art, das letztlich nicht um Zirkularitäten umhin kommt. Und in der Tat kommt auf allen Ebenen des Ansatzes, von der Anlage der Experimentaldesigns der dem Theorieangebot zugrundeliegenden empirischen Forschung über die dahinterstehende methodologische Orientierung und die in Anspruch genommenen Theorieanleihen, ein methodologischer Individualismus zum Vorschein (vgl. Mollenhauer 2013, 2015; Loenhoff/Mollenhauer 2016), der im Übrigen auch identifizierbar ist, sobald man die Forschungshistorie rekapituliert und verschiedene Arbeiten in Beziehung zueinander setzt. In der schrittweisen Anpassung der Theorie ist nämlich stets das übergeordnete Ziel erkennbar, ein entscheidendes kognitives (oder motivationales) Vermögen ausfindig zu machen, das die Charakteristika eines humanspezifischen Denkens (und humanspezifischer Interaktion) begründet.

In methodologischer Hinsicht vertritt Tomasello in allen von ihm bearbeiteten Forschungszweigen je kognitionstheoretische Konzepte. Er propagiert die (holistische) Kognitive Linguistik und die kognitiv-linguistische Strömung der Konstruktionsgrammatik im Bereich des Spracherwerbs (vgl. auch Tomasello 1998, 1998a), er orientiert sich an der Kognitiven Ethologie im Bereich der Primatenforschung (vgl. auch Tomasello/Call 1997) und er ist selbst (Mit-)Begründer und bedeutendster Vertreter des sozial-kognitiven Paradigmas innerhalb der Joint-Attention-Forschung (vgl. auch Tomasello 1995). In allen von ihm bearbeiteten Forschungsfeldern grenzt Tomasello sich vehement ab von empiristischen, noch regelmäßiger aber von nativistischen Erklärungsmodellen. Konsequent ist er dabei in der Ablehnung eines Formalismus‘ Chomsky‘scher Prägung; im Hinblick auf seine Kritik an der Annahme angeborener Kompetenzen und eines modular organisierten Denkens zeigt er hingegen weniger Durchhaltevermögen: Immerhin betrifft auch das Verstehen anderer als intentionale Akteure, wenn es auch in unterschiedlichen Bereichen des Denkens zum Vorschein kommen soll, nur einen Teil der Kognition und soll neben anderen ‚Grundlagenmodulen‘ wie dem Verstehen von Dingen bestehen (vgl. Tomasello 2002: 73) oder – wie im Falle des Verstehens relationaler Kategorien – auf ihnen aufbauen (vgl. Tomasello 2002: 34f.). Zudem werden mindestens die dem Verstehen anderer als intentionale Akteure zugrundeliegende Identifikation mit anderen (in Anlehnung an den starting state nativism von Meltzoff/Gopnik 1993; vgl. Tomasello 2002: 89) und das Verstehen von Dingen als angeborene Fähigkeiten aufgefasst, sodass die Differenzen zu nativistischen Modellen eher marginal daherkommen.

Deutlich wird dies zum Beispiel in Tomasellos Auseinandersetzung mit dem nativistischen Joint-Attention-Forscher Simon Baron-Cohen, dem Tomasello (2002: 83f.) die Annahme unabhängig voneinander heranreifender Module vorwirft, sodass weder die Notwendigkeit sozialer Interaktionen für die Herausbildung von Schlüsselfertigkeiten gemeinsamer Aufmerksamkeit noch die Synchronizität ihres Auftretens erfasst werde. Allerdings spricht auch Baron-Cohen (1995: 45) die Bedeutung eines hochgradig sozialen Umfelds durchaus an und steht Tomasello, der sich Prozessen der gegenseitigen Verhaltensabstimmung und Handlungskoordination selbst kaum einmal näher zuwendet, in seiner Position damit durchaus nahe. Zudem nimmt Baron-Cohen (1995: 50f.) zwar verschiedene Module an, die aber nicht unabhängig voneinander bestehen, sondern – ähnlich Tomasellos früherem Konzept einer sich schrittweise entwickelnden Fähigkeit zur Perspektivenübernahme (vgl. Tomasello/Kruger/Ratner 1999: 131) – aufeinander aufbauen und sich (wiederum contra Tomasellos Kritik) durchaus in verschiedenen Verhaltensweisen manifestieren. Auch ganz unabhängig von seinen Annäherungen an nativistische Erklärungsmodelle birgt Tomasellos methodologische Orientierung aber stets mentalistisch-reduktionistische Elemente. Beispielsweise sieht Tomasello sich im Zusammenhang mit der Kognitiven Linguistik dem auf George Lakoff zurückgehenden Cognitive Commitment verpflichtet, einer Übereinkunft, die Sprache, deren Besonderheit eigentlich gerade darin besteht, dass sie hinsichtlich ihrer Formate nicht mit denen der Kognition übereinstimmt, als bloßen Ausdruck allgemeiner kognitiver Prinzipien aufzufassen:

“The structures of language are taken directly from human cognition, and so linguistic communication, including its grammatical structure, should be studied in the same basic manner using the same basic theoretical constructs as all other cognitive skills” (Tomasello 1998b: XX).

Letztlich spiegelt Tomasellos methodologische Orientierung sich wider im tatsächlichen methodischen Vorgehen. Die experimentellen Studien (vgl. z. B. Warneken/Chen/Tomasello 2006) sind in der Regel nämlich allein darauf ausgelegt, spezifische kognitive (oder motivationale) Vermögen in einem jeweiligen Experimentaldesign nachzuweisen. Hierzu wird in der Regel ein einfaches Kategoriensystem erzeugt, dem bestimmte Verhaltensweisen zugeordnet werden. Die Verteilung der Verhaltensweisen auf die angelegten Kategorien soll letztlich aufzeigen, ob die infrage stehenden Kompetenzen den getesteten Individuen zugeschrieben werden können oder nicht. Kognitive Kompetenzen als Resultat von Verhaltensabstimmung und Handlungskoordination werden so von vornherein ausgeschlossen.

Auf theoretischer Ebene sticht in Die kulturelle Entwicklung des menschlichen Denkens vor allem Tomasellos Inanspruchnahme der Werke von Piaget, Bruner, Vygotsky und Mead ins Auge. Die hier gewählte Reihenfolge entspricht einem Kontinuum, beginnend bei einem kognitivistisch fundierten Ansatz (Piaget) über interaktionistische, aber doch von einem Individuum in sozialer Umwelt ausgehende Erklärungsmodelle (Bruner und Vygotsky, wobei Bruner dem kognitivistischen Flügel deutlich näher steht) hin zu einer sozialen Ausgangskonstellation, die Geist und Identität zu Produkten sozialer Praxis erklärt (Mead). Und obgleich in der Rezeption Tomasellos allen vier Theoretikern großer Einfluss auf Tomasellos Werk zugesprochen wird (vgl. z. B. Nungesser 2011), ist bei genauerem Hinsehen (und unter zusätzlicher Berücksichtigung früherer und aktuellerer Werke) doch relativ schnell ersichtlich, dass Tomasello gerade die Thesen der stärker kognitivistisch argumentierenden Theoretiker verstärkt in seinen Ansatz aufnimmt. So beruft er sich in zahlreichen Punkten auf Überlegungen Piagets und stützt sich auch im Hinblick auf das für seinen eigenen Ansatz fundamentale Verstehen anderer Akteure entscheidend auf dessen Thesen. Piaget (1974, 1992) habe aufgezeigt, dass Kinder in ihren ersten Lebensmonaten zwar verstehen, dass ihr Handeln Resultate in der äußeren Umwelt hervorruft, dass sie aber noch nicht verstehen, wie und warum dies geschehe. Erst um den neunten Lebensmonat herum verwendeten Kinder verschiedene Verhaltensmittel für denselben Zweck und setzten verhaltensmäßige Zwischenglieder ein. Hieraus zieht Tomasello (2002: 89ff.) den Schluss eines neuen Niveaus intentionaler Tätigkeiten. Mit Piaget nimmt er außerdem an, dass Kinder die Wirkungsfähigkeit der Handlungen anderer Akteure anlog zu ihren eigenen Handlungen bestimmen (vgl. Tomasello 2002: 91).

Tomasello übernimmt demnach weitgehend sowohl Piagets Überlegungen zum Verstehen der eigenen Handlungen bei unter und über acht bis neun Monate alten Kindern als auch dessen Idee einer Identifikation mit anderen, wenngleich die nach Tomasello aus der Identifikation mit anderen resultierenden und das Verstehen anderer Personen betreffenden Korrelate des Verstehens der eigenen Handlungen – ein Verstehen anderer als Quelle von Kraft und Selbstbewegung gegenüber einem Verstehen anderer als intentionale Akteure – nicht auf Piaget zurückgehen. Dem großen Einfluss Piagets steht indes eine nur oberflächliche Inanspruchnahme Meads gegenüber. Da Tomasello entgegen Mead (1973) ein Verstehen der eigenen Intentionen voraussetzt[3], um zu einem Verstehen der Intentionen anderer Akteure zu gelangen, merkt er lediglich an, dass bereits Mead die Bedeutung einer Analogie mit dem Selbst für das Verstehen anderer Akteure erkannt habe. Passend dazu entfällt der Verweis auf Mead in Tomasellos stärker kommunikationstheoretisch bewegten Werken gänzlich, obwohl Tomasello gerade hier von Meads antimentalistischem Programm profitiert hätte.

In Die kulturelle Entwicklung des menschlichen Denkens werden soziale und kulturelle Phänomene zweifellos angesprochen und mit Bedeutung für die ontogenetische und historische Genese humanen Denkens belegt, allerdings erwächst diese Dimension stets individuellen kognitiven (in späteren Arbeiten auch motivationalen) Vermögen, die damit primären Charakter erlangen. In der Folge kommt es zu einem (mehrfach) zirkulären Erklärungsmodell, das kognitive Vermögen zur Voraussetzung von Sozialität und Kultur erhebt und in dem einmal etablierte sozio-kulturelle Praktiken zurückwirken auf die Kognition, die in ihrer neuen Ausformung wiederum eine gesteigerte Qualität kultureller Tätigkeiten erlauben soll. Dem Prozess der Handlungskoordination widmet Tomasello sich (schon) in seiner damaligen Forschung kaum. Seine gattungsgeschichtliche Erklärung humaner Kognition basiert auf der Annahme eines Wechselspiels von (a) der Kognition eines generalisierten Individuums mit (b) einem kulturellen Umfeld, das selbst ein Produkt kognitiver Aktivitäten darstellen soll. Der Akteur bringt seine Kognition ein in ein soziales Umfeld, dessen Einflüsse er erfährt, Prozesse der gegenseitigen Verhaltensabstimmung werden aber nie näher beschrieben. Demgemäß ist die von Tomasello getroffene Unterscheidung zwischen ‚kognitiv‘ und ‚sozial-kognitiv‘ auch keine Differenzierung hinsichtlich der Fundamente, sondern eine Unterscheidung der Ausrichtung kognitiver Aktivitäten: Kognitive Fertigkeiten betreffen die dingliche Umwelt, während sozial-kognitive Fertigkeiten auf den Umgang mit einem sozialen Umfeld zielen.

Das soziale Umfeld, auf das sich Michael Tomasello zur Jahrtausendwende bezog, konzentriert sich heute immer stärker auf soziale Medien. Foto: geralt/pixabay.com

Eng verknüpft mit Tomasellos Einnahme einer naturwissenschaftlichen Perspektive bei gleichzeitiger Bearbeitung geisteswissenschaftlicher Themenfelder (s. oben) scheint im Übrigen auch die Vermischung hermeneutischer und naturalistischer Vokabulare, auf deren Problematik bereits Loenhoff (2014: 40) hinweist:

„Im Lichte der Frage nach der Koreferenz naturalistischer und hermeneutischer Schlüsselbegriffe (also Reaktion auf Verhalten hier, Auslegung des Handelns dort; Spiegelneurone auf der einen, implizite Normativität der Handlungskoordination auf der anderen Seite) wird nämlich schnell deutlich, dass solche verschiedenen Vokabulare zu einer unterschiedlichen Individuierung von Bezugsgegenständen führen müssen.“

Letztlich ist es auch in Tomasellos Die kulturelle Entwicklung des menschlichen Denkens gerade der durch naturalistische Schlüsselbegriffe und entsprechend konstituierte Bezugsgegenstände bewegte Einbau einer evolutionsbiologischen Explikation spezifisch menschlicher Formen (Fähigkeiten) der Perspektivenübernahme, der zirkuläre Argumentationsgänge nach sich zieht.

Tomasellos ‚Kommunikationstheorie‘
Weitreichende Konsequenzen hat Tomasellos mentalistische Theorieanlage, wie sie in Die kulturelle Entwicklung des menschlichen Denkens besonders deutlich zum Vorschein kommt, auch und vor allem für Tomasellos jüngeren Versuch, eine ‚Prototheorie der Handlungskoordination‘ bereitzustellen (vgl. auch Loenhoff/Mollenhauer 2016; Mollenhauer 2015). Getragen werden Tomasellos diesbezügliche Ausführungen in Die Ursprünge der menschlichen Kommunikation (2009) von einem Kooperationsmodell, das eng verknüpft ist mit der Zeigegeste und einer psychischen Infrastruktur geteilter Intentionalität. Im Zuge dieses Kooperationsmodells nimmt Tomasello an, dass Menschen auf einzigartige Weise miteinander kooperieren, und zwar in Prozessen geteilter Intentionalität. Statt sich aber der sozialen Praxis zuzuwenden, steht die Fähigkeit im Vordergrund, an Akten geteilter Intentionalität teilnehmen zu können (vgl. Tomasello 2009: 83ff.).

Demgemäß wird das Kooperationsmodell geteilter Intentionalität, das zunächst eine Hinwendung zum interaktiven Prozessgeschehen zumindest offen lässt, gleichgesetzt mit einem Verstehen anderer als kooperative Akteure, das unschwer Ähnlichkeiten zum Argumentationsstrang in Die kulturelle Entwicklung des menschlichen Denkens erkennen lässt. Das Verstehen anderer als kooperative Akteure (und damit Tomasellos Konzept geteilter Intentionalität) stellt sich letztlich als eine Art Aufwertung des Verstehens anderer als intentionale Akteure dar, die notwendig wurde, weil nichtmenschliche Primaten in zwischenzeitlich durchgeführten experimentellen Studien (vgl. z. B. Warneken/Chen/Tomasello 2006) den Nachweis eines Verstehens der Intentionen anderer Akteure erbracht haben, sodass (aus mentalistisch-naturalistischer Perspektive) ein neues Alleinstellungsmerkmal des Menschen erforderlich wurde.

Bestandteile der nun propagierten psychischen Infrastruktur geteilter Intentionalität sind neben spezifisch menschlichen Motivationen des Helfens und Teilens auch (ebenfalls humanspezifische) kognitive Fertigkeiten zur Erzeugung gemeinsamer Aufmerksamkeit, gemeinsamer Intentionen und weiterer Formen eines gemeinsamen begrifflichen Hintergrunds (vgl. Tomasello 2009: 84). Dass gemeinsame Aufmerksamkeit, die bereits signalartig konstituiert werden kann, hier gleichgesetzt wird mit einem nur symbolisch begründbaren gemeinsamen begrifflichen Hintergrund, zeigt, wie sehr Tomasellos mentalistischer Reduktionismus ihn (vor allem, aber nicht nur) im Kontext kommunikationstheoretischer bzw. ganz allgemein sozialtheoretischer Fragestellungen vor Erklärungsschwierigkeiten stellt. Der gemeinsame begriffliche Hintergrund wird hier in der vorsprachlichen Kognition verankert, obwohl diese Ressource gar nicht verfügbar ist, wenn nicht zuvor sprachlich oder auf andere Weise symbolisch miteinander kommuniziert wurde. Demgemäß heißt es auch im Rahmen des Kooperationsmodells:

„Die elementare psychologische Grundlage der Fähigkeit, mit anderen an Akten geteilter Intentionalität mitzuwirken, auch der Fähigkeit, mit ihnen auf typisch menschliche Weise zu kommunizieren, besteht darin, mit anderen auf typisch menschliche Weise zu kooperieren“ (Tomasello 2009: 84).

Hier wird nicht nur ersichtlich, dass allein die Fähigkeit zur Teilnahme an Akten geteilter Intentionalität infrage steht, die psychologische (besser psychische) Grundlage dieser Fähigkeit wird auch noch in Kooperation gesehen. Ein Prozess, den Tomasello eigentlich zu erklären beansprucht, mutiert demnach zu einer bloßen kognitiven Voraussetzung seiner selbst. Letztlich sollen humane Akteure in Tomasellos Ansatz also eine Sozialität hervorbringen, durch die sie ihrerseits konstituiert werden (vgl. auch Loenhoff 2014). Zur Folge hat dies auch, dass die spezifische Semantizität der menschlichen Sprache keine Berücksichtigung findet und die Zeigegeste in qualitativer Hinsicht weitgehend gleichgesetzt wird mit der symbolischen Verständigungspraxis. Da Tomasello die semiotischen Mittel nicht im Kontext gegenseitiger Verhaltensabstimmung betrachtet, kann er auch ihre Qualität nicht angemessen beurteilen. Dass gerade die Darstellungsebene der Sprache charakterisiert ist durch die Ablösbarkeit sprachlicher Mittel vom Hier und Jetzt sowie ihre Entstofflichung, gerät kaum in den Blick, wenn alle semiotischen Mittel einen bloßen Ausdruck individueller Kognition darstellen sollen (vgl. hierzu Mollenhauer 2015: 193ff.).

Tomasellos in Die kulturelle Entwicklung des menschlichen Denkens methodologisch, theoretisch und argumentatorisch bereits angelegte und in Die Ursprünge der menschlichen Kommunikation dann weiter entfaltete ‚Prototheorie der Handlungskoordination‘ bleibt weitgehend beschränkt auf die Kommunikationsmittel sowie (angeblich) dahinterstehende kognitive Vermögen, die gegenüber dem interaktiven Prozessgeschehen primären Charakter erlangen, obwohl sie der sozialen Praxis eigentlich erst erwachsen. Tomasellos Ansatz generiert demnach kaum verlässliche Aussagen zum Kommunikationsprozess sowie der Rolle der Kommunikationsmittel und kognitiven Vermögen innerhalb dieses Prozesses. Zusätzlich werden Aussagen zur Genese der Kommunikationsmittel und kognitiven Vermögen erschwert, insofern jene Genese sich nur im Rahmen von Interaktionen vollzieht.

Zur Relevanz des Werkes
In einer stetig voranschreitenden entwicklungspsychologischen Forschung ist Die kulturelle Entwicklung des menschlichen Denkens freilich nicht mehr up to date. Tomasello selbst spricht in seiner aktuellen Monographie Eine Naturgeschichte des menschlichen Denkens (2014) im Rückblick auf seinen Klassiker daher von einem prequel zu seinem thematisch vergleichbar aufgestellten neuen Werk. Die Geschichte der Entstehung humanspezifischer Kognition sei angesichts neuerer empirischer Befunde sehr viel komplexer und komplizierter als man damals habe annehmen können. Nichtsdestoweniger ist auch Die kulturelle Entwicklung des menschlichen Denkens – trotz aller Kritik – zu Recht ein Klassiker und damit auch heute noch lesenswert. Es markiert die endgültige Zusammenführung der vormals separat bearbeiteten Forschungsfelder und stellt sich somit als Tomasellos erster umfassender Versuch einer Erklärung der evolutionären Genese menschlichen Denkens dar; es offenbart Tomasellos methodologisch-theoretischen Hintergrund sowie die entsprechenden Vorentscheidungen und enthält bereits die Unternehmung, auch die Entstehung humanspezifischer Kommunikationsformen im Zusammenhang mit der Genese der Kognition zu erklären. Erst vor dem Hintergrund seiner Lektüre ist vollends nachvollziehbar, wie stark auch die Ausführungen in Die Ursprünge der menschlichen Kommunikation noch an kognitionstheoretischen Konzepten hängen.

Um Die kulturelle Entwicklung des menschlichen Denkens als idealen Einstieg in Tomasellos Gesamtwerk ausweisen zu können (denn genau das ist es), muss bei aller Kritik am mentalistischen Erklärungsmodell fraglos auch auf die Vorzüge dieses Werkes (und des Gesamtwerkes) hingewiesen werden. So hat erst Tomasello lange ausgeblendete Fragen nach der Genese humaner Kognition und Kommunikation und nach den Ursprüngen der Sprache wieder salonfähig gemacht. Sein zweifelsohne kreativer Forschungsansatz bietet dabei durchaus Anknüpfungspunkte auch für sozial- und kommunikationstheoretische Forschungen.

Wer überlegt, ist überlegen: Auch Schimpansen berücksichtigen die Maxime „Erst denken, dann handeln“.
Foto: Public Domain Pictures/pixabay.com

Gerade die im hier fokussierten Werk besonders ausgiebig thematisierte gemeinsame Aufmerksamkeit (joint attention), die später dem Konzept geteilter Intentionalität subsumiert wird, gilt im Sinne einer Orientierung an der Orientierung anderer (vgl. Knobloch 1997) als Quellpunkt symbolischer Kommunikation. Zwar wird Tomasellos weitgehende Beschränkung auf Fähigkeiten gemeinsamer Aufmerksamkeit kaum ausreichen, den Übergang zu humanspezifischen Interaktionsformen zu entschlüsseln, doch zeigt sein sozial-kognitiver Ansatz, dass kognitive Kompetenzen in den Blick genommen werden müssen, um nähere Aussagen zum diesbezüglichen Prozess treffen zu können. Triadische Interaktionen sind (was in der Regel nicht berücksichtigt wird) durchaus schon im Tierreich anzutreffen, wie z. B. die gemeinsame Jagd der Schimpansen, bei der sie sich nicht nur gegenseitig, sondern auch im Hinblick auf einen weiteren Richtpunkt (das Beutetier) steuern, zeigt. In der Ontogenese scheinen der Einbringung in symbolische Akte aber solche Steuerungen unmittelbar vorauszugehen, bei der bestimmte kognitive Vermögen im Spiel sind, die dem Tierreich verborgen bleiben – demgemäß nimmt auch Tomasello an, dass Schimpansen bei ihrer Jagd nur die für sie jeweils günstigste Position einnehmen (ohne allerdings zu berücksichtigen, dass rein funktional ein triadischer Steuerungsprozess bereits vorliegt).

Es besteht also durchaus Anlass, die von Tomasello generierten Ergebnisse mit einer Interaktionsforschung zu kombinieren, die aufbauend auf einer Beschreibung des tatsächlichen Interaktionsgeschehens erst aufzeigen könnte, wie kognitive und motivationale Vermögen in soziale Praxis eingebracht werden, wie sie auch zum Gegenstand der gegenseitigen Verhaltensabstimmung werden können. Die von Tomasello zur Diskussion gestellten kognitiven Größen dürfen und sollen (auf einem sozialen Fundament) also durchaus zu Orientierungspunkten werden, doch sollte stets bedacht werden, dass die Identifikation eines speziesspezifischen oder in einem bestimmten ontogenetischen Zeitfenster auftretenden kognitiven Vermögens allein keine verlässlichen Aussagen zum Prozess der Handlungskoordination zulässt und dass auch die Genese der betreffenden Fähigkeiten sich in solch eindimensionaler Betrachtung nicht erfassen lässt. Tomasellos Modell bleibt (im Übrigen auch in aktuelleren Versionen) immer ein Wechselspiel von (a) individuellen kognitiv-motivationalen Vermögen, die als voraussetzungslose Ausgangspunkte agieren, und (b) sozio-kultureller Praxis, die durch Kognition entsteht und auf sie zurückwirkt – eine Zirkularität nach dem Schema: Von der Kognition zur Kultur und zurück.

Literatur:

  • Baron-Cohen, Simon: The Eye Direction Detector (EED) and the Shared Attention Mechanism (SAM): Two Cases for Evolutionary Psychology. In: Moore, Chris; Philip J. Dunham (Hrsg.): Joint Attention. Its Origins and Role in Development. Hillsdale [Lawrence Erlbaum Associates] 1995, S. 41-59.
  • Knobloch, Clemens: Rezension von Boris M. Velichkovsky & Duane M. Rumbaugh (Hrsg.): Communicating Meaning: The Evolution and Development of Language. In: Sprache und Kognition 16(2), 1997, S. 127-132.
  • Loenhoff, Jens: Kommentar zu Frithjof Nungesser: Kognitionswissenschaftliche Sozial- und Kulturtheorien. In: Fischer, Joachim; Stephan Moebius (Hrsg.): Kultursoziologie im 21. Jahrhundert. Wiesbaden [Springer VS] 2014, S. 38-41.
  • Loenhoff, Jens; Rafael Mollenhauer: Zwischen Kooperation und methodologischem Individualismus. Zu den kognitionstheoretischen Hintergründen von Tomasellos Kommunikationsbegriff. In: Albert, Gert; Jens Greve; Rainer Schützeichel (Hrsg.): Kooperation, Sozialität und Kultur. Michael Tomasellos Arbeiten in der soziologischen Diskussion. 3. Sonderband der Zeitschrift für Theoretische Soziologie. Weinheim [Beltz Juventa] 2016, S. 102-127.
  • Mead, George Herbert: Geist, Identität und Gesellschaft aus der Sicht des Sozialbehaviorismus. Frankfurt/M. [Suhrkamp] 1973.
  • Meltzoff, Andrew; Alison Gopnik: The Role of Imitation in Understanding Persons and Developing a Theory of Mind. In: Baron-Cohen, Simon; Helen Tager-Flusberg; Donald J. Cohen (Hrsg.): Understanding Other Minds: Perspectives from Autism. Oxford [Oxford University Press] 1993, S. 335-366.
  • Mollenhauer, Rafael: Tomasello: Kultur- oder Kognitionstheorie? Zu den kognitionstheoretischen Grundlagen der Forschung Michael Tomasellos. In: Kodikas/Code. Ars semeiotica 36(3/4), 2013, S. 339-361.
  • Mollenhauer, Rafael: Tomasellos Kooperationsmodell. Michael Tomasellos Forschung im Kontext kommunikationstheoretischer Fragestellungen. Konstanz/München [UVK] 2015.
  • Nungesser, Frithjof: Michael Tomasello: Auf experimentalpsychologischem Wege zu einer kognitiven Kulturtheorie. In: Moebius, Stephan; Dirk Quadflieg (Hrsg.): Kultur. Theorien der Gegenwart. 2., erweiterte und überarbeitete Auflage. Wiesbaden [VS Verlag für Sozialwissenschaften] 2011, S. 671-682.
  • Piaget, Jean: Der Aufbau der Wirklichkeit beim Kinde. Stuttgart [Klett-Cotta] 1974.
  • Piaget, Jean: Das Erwachen der Intelligenz beim Kinde. München [dtv] 1992.
  • Pléh, Csaba: Language Evolved in Two Stages. A Review of Michael Tomasello, A Natural History of Human Thinking. In: Evolutionary Psychology 12(5), 2014, S. 979-982.
  • Tomasello, Michael: Joint Attention as Social Cognition. In: Moore, Chris; Philip J. Dunham (Hrsg.): Joint Attention. Its Origins and Role in Development. Hillsdale [Lawrence Erlbaum Associates] 1995, S. 103-130.
  • Tomasello, Michael: Cognitive Linguistics. In: Bechtel, William; George Graham (Hrsg.): A Companion to Cognitive Science. Malden [Basil Blackwell] 1998, S. 477-487.
  • Tomasello, Michael: The Return of Constructions. In: Journal of Child Language, 25, 1998a, S. 431-442.
  • Tomasello, Michael (Hrsg.): The New Psychology of Language: Cognitive and Functional Approaches to Language Structure. Mahwah [Lawrence Erlbaum] 1998b.
  • Tomasello, Michael: The Cultural Origins of Human Cognition. Cambridge/London [Harvard University Press] 1999.
  • Tomasello, Michael: Die Ursprünge der menschlichen Kommunikation. Frankfurt/M. [Suhrkamp] 2009.
  • Tomasello, Michael: Warum wir kooperieren. Berlin [Suhrkamp] 2010.
  • Tomasello, Michael: Eine Naturgeschichte des menschlichen Denkens. Berlin [Suhrkamp] 2014.
  • Tomasello, Michael; Josep Call: Primate Cognition. New York/Oxford [Oxford University Press] 1997.
  • Tomasello, Michael; Ann Cale Kruger; Hilary Horn Ratner: Cultural Learning. In: Lloyd, Peter; Charles Fernyhough (Hrsg.): Ley Vygotsky: Critical Assessments: Future Directions, Vol. IV. Florence [Routledge] 1999, S. 101-141.
  • Warneken, Felix; Frances Chen; Michael Tomasello: Cooperative Activities in Young Children and Chimpanzees. In: Child Development, 77, 2006, S. 640-663.

 

[1] Das im Original unter dem Titel The Origins of Human Cognition (1999) erschienene Werk mag noch immer recht jung sein, darf angesichts seiner Rezeptionsgeschichte (und der Übersetzung in zahlreiche Sprachen) aber schon als Klassiker gelten (vgl. auch Pléh 2014: 979).

[2] Für eine umfassende Einordnung des Werkes sei verwiesen auf Tomasellos Kooperationsmodell. Michael Tomasellos Forschung im Kontext kommunikationstheoretischer Fragestellungen (Mollenhauer 2015).

[3] In früheren Arbeiten nahm Tomasello noch an, das Individuum gelange über ein Verstehen der Intentionen anderer zu einem Verstehen der eigenen Intentionen (vgl. z. B. Tomasello/Kruger/Ratner 1999: 132). Eine Ausgangskonstellation sozialer Art liegt jedoch auch in diesen Arbeiten nicht vor; vielmehr bildet hier das individuelle Vermögen zum Verstehen der Intentionen anderer den Ausgang der Argumentation, sodass der reflexive Prozess eine Manifestation primärer kognitiver Kompetenzen darstellt.

Links:

Über das BuchMichael Tomasello: Die kulturelle Entwicklung des menschlichen Denkens. Zur Evolution der Kognition. Frankfurt/M. [Suhrkamp] 2002, 307 Seiten, 15;- Euro.Empfohlene ZitierweiseVon der Kognition zur Kultur und zurück: Auf den Spuren von Tomasellos Die kulturelle Entwicklung des menschlichen Denkens. von Mollenhauer, Rafael in rezensionen:kommunikation:medien, 15. Mai 2017, abrufbar unter http://www.rkm-journal.de/archives/20079
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Rezensent/in
Dr. Rafael Mollenhauer ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kommunikationswissenschaft der Universität Duisburg-Essen. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören: Interaktion und Ontogenese, Interaktion und Phylogenese, Kommunikationstheorie, Sozial- und Handlungstheorie, Semiotik.