Felix Reer, Klaus Sachs-Hombach, Schamma Shahadat (Hrsg.): Krieg und Konflikt in den Medien

Einzelrezension, Rezensionen
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Rezensiert von Franziska Oehmer

Krieg und Konflikt in den MedienEinzelrezension
Kriege, Krisen und Konflikte sind “Medienereignisse“ (Löffelholz 1993, 2004). Sie zeichnen sich aufgrund solcher Merkmale wie Schaden, Negativität, Konflikt, Emotionalisierung sowie Relevanz durch einen besonders hohen Nachrichtenwert aus und sind daher zentraler Gegenstand der (massen)medialen Berichterstattung (Eilders/Hagen 2005: 205).

Folgerichtig ist die Kriegs- und Krisenkommunikation auch Themenschwerpunkt zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen (u.a. Eilders/Hagen 2005; Löffelholz et al. 2007; Becker 2016) und Konferenzen. So beispielsweise auch aktuell in dem von den Medienwissenschaftlern Felix Reer und Klaus Sachs-Hombach sowie der Literatur- und Kulturwissenschaftlerin für Slavistik Schamma Schahadat herausgegebenen Band Krieg und Konflikt in den Medien, der auf einem im Februar 2013 an der Universität Tübingen veranstalteten interdisziplinären Workshop basiert. Die Forschungsarbeiten der Teilnehmenden sowie “weitere[r] einschlägige[r] Forscherinnen und Forscher“ (10) der “Kommunikations- und Medienwissenschaft, der Rhetorik, der Literatur- und Kulturwissenschaft oder auch der Psychologie“ (ebd.) werden darin gebündelt.

Im Fokus des dreiteiligen Bandes steht die Darstellung und Wirkung von Kriegen und Konflikten in Fotografie und Print (Teil I), in Film und Fernsehen (Teil II) sowie in den neuen Medien (Teil III). Diese dreiteilige Gliederung, die nach Angaben der Herausgeber “unabhängig von der jeweiligen disziplinären Herkunft des Verfassers anhand des betrachteten Mediums“ (10) erfolgte, erscheint jedoch nicht immer als vollständig inhaltlich-konzeptionell schlüssiger Ordnungsrahmen. So wird bspw. nicht expliziert, weshalb Analysen zur privat, teil-öffentlich oder massenmedial verbreiteten Kriegsfotografie ebenso wie redaktionell erstellte Inhalte in Printmedien (Teil I) oder fiktionale Filme und nicht-fiktionale Nachrichten (Teil II) oder Computerspiele und redaktionell sowie individuell erstellte Online-Inhalte (Teil III) jeweils gemeinsam in einem Teil dargestellt werden. Diese Medienformen unterscheiden sich jeweils deutlich mit Blick auf ihre Entstehungsbedingungen, Darstellungslogiken und Rezeptionsmodi und machen daher auch je unterschiedliche theoretische und methodische Zugänge notwendig. Hier wäre eine Diskussion und Problematisierung in der Einleitung wünschenswert gewesen.

Die ersten Beiträge des Teils I widmen sich der exemplarischen (Ulrich Hägele; Bernd Stiegler) und empirisch-sozialwissenschaftlichen (Sebastian Gerth) Analyse von Kriegsfotografien als “Mittel visueller Kommunikation und symbolischer Repräsentation“ (48). Im Anschluss folgen zwei Beiträge zur Printmedienberichterstattung: Der Beitrag von Romy Fröhlich analysiert auf der Basis eines repräsentativen, jedoch bereits im Jahr 2000 endenden Datensatzes die Darstellung von Frauen in Kriegsberichten. Daniel Hornuff untersucht die Berichterstattung zu den Anschlägen in Norwegen 2011.

Teil II umfasst Beiträge, die sich der filmischen fiktionalen (Thomas Elsaesser; Hans J. Wulff) und non-fiktionalen – journalistischen – (Anne Ulrich; Thomas Knieper/Ibrahim Saleh) Repräsentation von Krieg und Konflikt widmen.

In Teil III werden Darstellungen von kriegerischen Auseinandersetzungen in den neuen Medien besprochen. Darunter werden eine theoretische Erörterung der Spezifika und Bedingungen der Auslandsberichterstattung in verschiedenen Medienformen (Stephan Weichert) sowie eine Analyse von Blogs militärischer Akteure während des Kriegseinsatzes (Johanna Roering) gefasst. Zudem beinhaltet der dritte Teil auch Beiträge über die Inhalte, Nutzung und Wirkungen von interaktiven Computerspielen in einem Kriegssetting aus einer First-Person-Perspektive (Georg Valtin/Peter Ohler; Felix Reer/Nicole C. Krämer).

Der Band besticht insgesamt durch eine disziplinäre Vielfalt, die verschiedene fachspezifische theoretische Perspektiven und methodische Ansätze vereint, und der damit einen Grundstein für einen verstärkten interdisziplinären Austausch zu legen vermag. Zudem behandelt der Sammelband mit Beiträgen zur Fotografie, zum Film, zu Print- und TV-Berichterstattung, über Blogs und Computerspiele ein breites Spektrum verschiedener sowohl journalistischer als auch nicht-journalistischer Medienformen. Der Fokus der mehrheitlich exemplarischen Fallstudien liegt dabei auf den Inhalten und den Wirkungen von Kriegs- und Krisenkommunikation. Motive, Interessen und Inhalte der Kommunikation von Kriegsakteuren und damit das Themenfeld der Propaganda und des militärischen Informationsmanagements bleiben daher weitgehend – und mit Blick auf den Umfang des Bandes sicherlich notwendigerweise – ausgeklammert. Bedauerlich sind jedoch die teilweise auf älteren Datenmaterial basierenden Beiträge.

Der Band ist in einem sehr ansprechenden Layout gestaltet. Lediglich das Format und die Qualität der Abbildungen sind nicht immer optimal (bspw. Seite 50, 60).

Literatur:

  • Becker, J. (2016): Medien im Krieg – Krieg in den Medien. Heidelberg.
  • Eilders, C. / L. M. Hagen (2005): Kriegsberichterstattung als Thema kommunikationswissenschaftlicher Forschung. In: Diess. (Hrsg.): “Medialisierte Kriege und Kriegsberichterstattung”, Sonderheft Medien & Kommunikationswissenschhaft 53, S. 205-221.
  • Löffelholz, M. (2004): Krieg als Medienereignis. Grundlagen und Perspektiven der Krisenkommunikation. Opladen.
  • Löffelholz, M. (2004): Krieg als Medienereignis II: Krisenkommunikation im 21. Jahrhundert. Wiesbaden.
  • Löffelholz, M.; C. F. Trippe; A.C. Hoffmann (2007): Kriegs- und Krisenberichterstattung: Ein Handbuch. Konstanz.

Links:

Über das BuchFelix Reer, Klaus Sachs-Hombach, Schamma Shahadat (Hrsg.): Krieg und Konflikt in den Medien. Multidisziplinäre Perspektiven auf mediale Kriegsdarstellungen und deren Wirkungen. Köln [Herbert von Halem] 2015, 352 Seiten, 32,- Euro.Empfohlene ZitierweiseFelix Reer, Klaus Sachs-Hombach, Schamma Shahadat (Hrsg.): Krieg und Konflikt in den Medien. von Oehmer, Franziska in rezensionen:kommunikation:medien, 29. Februar 2016, abrufbar unter http://www.rkm-journal.de/archives/18988
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Rezensent/in
F_OehmerFranziska Oehmer, Dr.phil., ist wissenschaftliche Oberassistentin und Dozentin an der Universität Freiburg (CH). Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der politischen Kommunikation, Kriegs- und Krisenkommunikation und Medialisierungsforschung (v. a. Medialisierung des Rechts). Zuletzt erschien der Sammelband "Politische Interessenvermittlung und Medien. Funktionen, Formen und Folgen medialer Kommunikation von Parteien, Verbänden und sozialen Bewegungen“ (2014).