J. David Johnson, Donald O. Case: Health Information Seeking

Einzelrezension
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Rezensiert von Silje Kristiansen

Health Information SeekingEinzelrezension
Viele Menschen suchen Informationen zur Gesundheit. Die Gründe hierfür sind vielfältig: Gesundheit, Wellness, Fitness und verwandte Themen sind nicht nur trendy geworden, auch die Kostenhürde bei Gesundheitseinrichtungen sowie ein mancherorts nicht optimal funktionierendes Gesundheitssystem führen zu erhöhtem Interesse an Informationen und zur Informationssuche selbst. Die Suche nach Gesundheitsinformationen wird durch das Internet viel einfacher und vielleicht sogar intensiviert (3-5). Der Zugang zu Gesundheitsinformationen emanzipiert die Suchenden zwar, stellt sie aber gleichzeitig vor die Herausforderungen einer nicht einfach zu meisternden Informationsfülle und der schwierigen Einschätzung der Informationsqualität (5). Medienkompetenz und die Kompetenz mit Gesundheitsinformationen umzugehen − Health Literacy − sind Stichwörter, auf die man in diesem Zusammenhang stößt. Wer diese Kompetenzen mitbringt, kann die Informationsfülle zur Gesundheit effizienter nutzen (3-10). Wer sich aus einer kommunikationswissenschaftlichen Perspektive für den Prozess der Informationssuche im Allgemeinen und im Speziellen für die Suche nach Gesundheitsinformationen interessiert, erhält im Buch Health Information Seeking von Johnson und Case einen ansprechenden und gründlichen Überblick über Motive, Modelle und Strategien.

Das Buch gliedert sich übersichtlich in drei Teile. Der erste führt allgemein in die Thematik der Informationssuche zu Gesundheitsthemen ein, bevor es im zweiten Teil um Modelle der Informationssuche geht. Der dritte Teil behandelt Strategien, die bei der Informationssuche verfolgt werden. Den beiden Autoren zufolge soll das Buch ein möglichst breites Publikum ansprechen, und so tritt vor allem der Lehrbuchcharakter deutlich hervor. Jedes Kapitel schließt mit Hinweisen auf weiterführende Literatur und hilfreichen Kurzzusammenfassungen ab. Die Autoren liefern einen soliden Literaturüberblick, dementsprechnd liefert das Buch einen hohen Nutzwert besonders für Personen, die in diesem Gebiet tätig werden wollen oder dies bereits sind. Was das Buch aufgrund von Sprachbarrieren nicht aufgreift, ist die deutschsprachige Forschung. Der Verweis der Autoren auf Institutionen der Gesundheitsinformationsforschung (U.S., U.K., Australien und Nordeuropa) lässt den deutschsprachigen Raum außen vor (220). Dieser Hinweis sollte eine Einladung an deutsche WissenschaftlerInnen in diesem Feld sein, mehr auf Englisch zu publizieren.

Die Relevanz des Themas wird im ersten Teil deutlich. Hier erklären Johnson und Case, was Information bzw. Informationssuche allgemein beinhaltet (25ff.) und geben zugleich einen Überblick darüber, welche Bedeutung der spezifischeren Gesundheitsinformationssuche beigemessen wird. Zentrale Begriffe wie Health (6ff.) und Health Literacy (9ff.) werden verständlich definiert.

Im zweiten Teil diskutieren die Autoren verschiedene Modelle, mit denen der Prozess der Informationssuche beschrieben werden kann. Dabei legen sie den Fokus auf das Modell “Comprehensive Model of Information Seeking” (CMIS). Das CMIS versucht, die genutzten Kommunikationskanäle mittels Einbeziehung von Charakteristika der Informationssuchenden wie Demographie, persönliche Erfahrungen, Salienz der Informationssuche (i.e. die Informationssuche besitzt für jemanden, der Krebs hat, eine andere Bedeutung als für jemanden, der nur ein generelles Interesse an dem Thema hat) und Glauben an verschiedene medizinische Behandlungsmethoden zu erklären. Diese Faktoren in Kombination mit Merkmalen von Informationsträgern führen zur konkreten Informationssuche (40; 58; 63). Zwar wird an diesem Modell kritisiert, dass es keine Feedbackloops vorsieht, zum Beispiel von der Informationssuche als Handlung zurück zum Informationssuchenden. Die Autoren nehmen CMIS jedoch als eine vereinfachte Sichtweise auf den Prozess wahr (117).

Anschließend werden Informationsträger, wie Massenmedien, persönliche Gespräche mit Gesundheitspersonal oder das Internet, sowie deren jeweilige Vor- und Nachteile für den Rezipienten diskutiert. Vorgestellt wird auch die Einteilung von Informationssuchenden in unterschiedliche Typen. Dabei handelt es sich um empirisch bestätigte Typeneinteilungen wie diejenige nach Miller (1987) (103), welche Menschen in ‘Monitors’ (etwa aktiv nach Information Suchende) und ‘Blunters’ (vermeiden Informationen) einordnen. Nach diesem Überblick wird in die Diskussion weiterer Modelle der Gesundheitsinformationssuche übergeleitet. In zwei Tabellen (105-106) werden sehr übersichtlich vier dieser Modelle einander gegenübergestellt. Dabei handelt es sich um das Health Information Acquisitions Model (107ff.), das Expanded Conceptual Model of Information Seeking Behaviours (109ff.), das Risk Information Seeking and Processing Model (111ff.) und das Comprehensive Model of Information Seeking (112ff.). Zu jedem Modell werden einschlägige empirische Studien erwähnt, welche auf den jeweiligen Modellen basieren.

Im letzten Teil des Buches werden Strategien der Informationssuche vorgestellt. Dabei gehen die Autoren auf drei grundsätzliche Schwierigkeiten für den Suchenden ein: die vielen Suchmöglichkeiten, die große Auswahl an Quellen und die fehlende Neutralität vieler Informationsgeber (159 ff.). Zusätzlich werden auch Strategien aufgeführt, wie das Gesundheitspersonal Suchende möglichst optimal unterstützen kann (184 ff.). Dies verdeutlicht noch einmal, wie breit das Zielpublikum des Buches tatsächlich ist.

Das Buch ist gespickt mit Hinweisen zur aktuellen Forschung und deren empirischen Ergebnissen. Den Autoren gelingt ein ausführlicher Überblick und eine intensive Diskussion verschiedener Modelle der Informationssuche. Das Buch ist lesefreundlich geschrieben, sehr informativ und gibt interessante Einblicke in jene Sparte der Kommunikationswissenschaft, die sich mit Gesundheitsthemen beschäftigt.

Links:

Über das BuchJ. David Johnson, David O. Case: Health Information Seeking. Reihe: Health Communication, Band 4. New York u.a. [Peter Lang] 2012, 274 Seiten, 33,70 Euro.Empfohlene ZitierweiseJ. David Johnson, Donald O. Case: Health Information Seeking. von Kristiansen, Silje in rezensionen:kommunikation:medien, 17. März 2015, abrufbar unter http://www.rkm-journal.de/archives/17441
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Rezensent/in
Silje KristiansenSilje Kristiansen, geb. 1982, studierte Publizistikwissenschaft, neuere nordische Philologie und englische Sprachwissenschaft an der Universität Zürich. Seit 2011 ist sie Assistentin bei Prof. Heinz Bonfadelli und seit 2013 bei Prof. Mike S. Schäfer an der Universität Zürich. In ihrer Dissertation befasst sie sich mit der Darstellung von der Atomkraft in der Schweizer Presse vor und nach dem Atomkraftwerkunfall in Fukushima; unter anderem auch in Bezug auf die Risikoberichterstattung und deren Wirkung auf die Bevölkerung. Sie ist Mitbegründerin und Sprecherin der Ad-hoc-Gruppe Wissenschaftskommunikation der DGPuK. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Risikokommunikation, Gesundheitskommunikation, Europäische Öffentlichkeit und Technikkommunikation.