Jörg Matthes: Framing

Einzelrezension
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Rezensiert von Matthias Potthoff

FramingEinzelrezension
Der Framing-Ansatz thematisiert, verkürzt gesagt, selektive und bestimmte Aspekte betonende Darstellungen von Themen der öffentlichen Diskussion sowie deren Wirkungen auf Individuum und Gesellschaft. Der Frame als zentrales Konstrukt dieses Ansatzes stellt dementsprechend eine auf bestimmte Aspekte zugespitzte Darstellung eines Themas bzw. eine entsprechende Vorstellung davon dar. Das von Jörg Matthes verfasste und in der KONZEPTE-Reihe von Patrick Rössler und Hans-Bernd Brosius erschienene Buch Framing ist nun das erste eindeutig als Lehrmaterial konzipierte Werk zu diesem Thema, welches vom Umfang her über ein Buchkapitel oder einen Aufsatz hinausgeht. Besprochen werden darin alle wesentlichen Aspekte des Ansatzes, so unter anderem die konkurrierenden Definitionen von ‘Frame’ bzw. die verschiedenen Typen von Frames, Frame-Entstehungs- und Wirkungsprozesse, die Geschichte des Framing-Ansatzes sowie Methoden zur Erfassung textueller Frames und zum Nachweis von Framing-Effekten. Darüber hinaus gibt der Autor einen Überblick über bedeutende empirische Arbeiten, grenzt den Framing-Ansatz von verwandten Konzepten ab, zeigt Weiterentwicklungen auf und widmet sich anschließend noch der Kritik am Ansatz.

All dies handelt der Autor auf doch nur 83 Textseiten ab, weswegen die Ausführungen – für den Einsatz in der Grundlagenlehre aber durchaus passend – nicht zu sehr in die Tiefe gehen. Vollständig neu ist der Buchtext nicht, sondern teilweise aus früheren Veröffentlichungen von Matthes zusammengestellt (10). Diese stießen bislang nicht ohne Grund auf eine hohe Aufmerksamkeit, da sie sowohl im theoretischen wie auch im methodischen Bereich überaus instruktiv sowie auch gut verständlich geschrieben sind. Letzteres zeichnet auch das hier besprochene Lehrbuch aus: In verständlicher Sprache und mit vielen Beispielen erklärt Matthes die Grundzüge des Framing-Ansatzes so, dass sie selbst kommunikationswissenschaftlich kaum vorgebildeten Personen zugänglich sein werden.

Grundsätzlich stellt das Buch also ein gut gestaltetes Lehrmittel dar, wobei aber doch eine Einschränkung zu treffen ist: Bei Lehrbüchern geht es nicht darum, Lehrmeinungen zu erzeugen, sondern bestehende Lehrmeinungen gemeinsam mit Minderheitenmeinungen angemessen abzubilden. Beim Framing-Ansatz ist dies besonders schwierig, da er an sich kein klar umrissenes Konzept darstellt; vielmehr sind hier viele – auch konzeptuelle – Fragen stark umstritten. Vor diesem Hintergrund hat es gewisse Nachteile, wenn sich ein Lehrbuch eng an Texte eines einzelnen Autors anlehnt, mit denen er auf dem entsprechenden Forschungsgebiet einige Pflöcke eingeschlagen hat. Zum Beispiel argumentiert der Autor in dem Kapitel zur Kritik und dem Potenzial des Framing-Ansatzes recht vehement und entgegen anderslautenden Klassifikationen (z. B. Dahinden 2006), für die es ebenfalls vertretbare Gründe gibt, “dass wir es mitnichten mit einer Framing-Theorie zu tun haben” (84), sondern dass es sich bei dem Ansatz eher um ein “flexibles theoretisches Tool” (87) handele. Die Sinnhaftigkeit der Bezeichnung eines theoretischen Konzepts als “Tool“ einmal außen vorgelassen: An vereinzelten Stellen wie dieser wäre es angesichts dessen, dass es sich um ein Lehrbuch handelt, angemessener gewesen, wenn der Autor seine Auffassung nur als eine von mehreren möglichen präsentiert hätte.

An anderen Stellen gelingt ihm dies durchaus: So äußert er beim Thema Methoden sogar, alle existierenden seien grundsätzlich geeignet, Frames zu erfassen, wobei er sich zuvor gegenüber vielen von ihnen kritisch geäußert und eine eigene vorgeschlagen hat (Matthes/Kohring 2004). Hier passt sich der Autor dem Duktus eines Lehrbuches somit durchaus an – allerdings wiederum mit dem Nachteil, dass er dabei fast schon in Konflikt mit seinen früheren Aussagen gerät. Trotz dieser Detailkritik ist aber kein Zweifel daran zu hegen, dass das Buch im Lehrbetrieb gute Dienste tun wird.

Literatur:

  • Dahinden, U.: Framing. Eine integrative Theorie der Massenkommunikation. Konstanz [UVK] 2006.
  • Matthes, J. & Kohring, M.: Die empirische Erfassung von Medien-Frames. In: Medien- und Kommunikationswissenschaft, 52, 2004, S. 56-75.

Links:

 

Über das BuchJörg Matthes: Framing. Baden-Baden [Nomos] 2014, 105 Seiten, 19,90 Euro.Empfohlene ZitierweiseJörg Matthes: Framing. von Potthoff, Matthias in rezensionen:kommunikation:medien, 5. August 2014, abrufbar unter http://www.rkm-journal.de/archives/16786
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Rezensent/in
Dr Matthias Potthoff by Studioline Hamburg Dr. Matthias Potthoff ist Akademischer Mitarbeiter am Institut für Medien- & Kommunikationswissenschaft der Universität Mannheim. Seine Forschungsgebiete sind die Medieninhalts- und die Medienwirkungsforschung. 2012 veröffentlichte er eine Monographie über Medien-Frames und ihre Entstehung.