Bertram Scheufele, Ines Engelmann: Empirische Kommunikationsforschung

Einzelrezension
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Rezensiert von Torsten Maurer

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Seit Einführung der Bachelor-Studiengänge ist in der Kommunikations- wissenschaft ein rasanter Zuwachs an neuen Lehrbüchern zu verzeichnen, die es sich explizit zum Ziel gesetzt haben, auf die veränderten Anforderungen der Studienanfänger einzugehen. Das Lehrbuch von Bertram Scheufele und Ines Engelmann liefert für Studierende ohne Vorkenntnisse einen ersten Überblick über die empirische Kommunikationsforschung, der nach Aussage der Autoren verständlich das Basiswissen vermitteln soll, ohne den wissenschaftlichen Anspruch zu vernachlässigen. Das Buch weist den klassischen, am Forschungsprozess orientierten Aufbau von Lehrbüchern in diesem Feld auf. Zunächst wird dabei in Kapitel 1 auf die wissenschaftstheoretischen Grundlagen, den Forschungsprozess (bei dem die theoretische Anbindung der empirischen Untersuchung etwas zu kurz kommt), wissenschaftliche Begriffsarbeit und das Messen eingegangen. Kapitel 2 widmet sich der Stichprobenbildung, wobei einleitend ausführlicher auf das Schätzen und Testen eingegangen wird. Die Ausführungen sind an dieser Stelle natürlich richtig verortet, jedoch hätte in Anbetracht der avisierten Zielgruppe noch verständlicher vermittelt werden können, warum dem Schätzen und Testen im Zusammenhang mit der Stichprobenbildung zentrale Bedeutung zukommt.

Das dritte Kapitel vermittelt zunächst Grundlagen im Zusammenhang mit Untersuchungsanlagen (wie z. B. den Kausalitätsbegriff) und wendet sich dann den nicht-experimentellen und experimentellen Untersuchungsanlagen zu. Die verschiedenen Methoden der Datenerhebung stehen dann im Mittelpunkt des umfangreichen Kapitels 4. Hier wird nach einer kurzen Einführung auf die Befragung, die Inhaltsanalyse und die Beobachtung eingegangen, wobei der Aufbau der Teilkapitel jeweils gleich ist: nach den Grundlagen werden Varianten der Methode, das Untersuchungsinstrument und spezifische Probleme angesprochen. Das Hauptaugenmerk gilt dabei den quantitativen Verfahren, qualitative Varianten werden nicht ausgespart, kommen aber nur am Rande vor.

Das fünfte Kapitel beinhaltet schließlich einen Überblick über statistische Auswertungsverfahren, klassisch unterschieden nach Uni-/Bivariaten Verfahren, multivariat strukturprüfenden und strukturentdeckenden Verfahren. Die Berücksichtigung der Auswertungsverfahren ist für Methoden-Lehrbücher ungewöhnlich und bietet nicht mehr als einen äußerst kurzen Überblick. Er ist nichtsdestotrotz auch in dieser Form sinnvoll damit Studierende sich einen groben Eindruck darüber verschaffen können, was nach der Datenerhebung folgt bzw. weitaus wichtiger, was schon bei der Konzeption der empirischen Studie im Hinblick auf die Auswertung zu beachten ist.

Insgesamt wird das eingangs formulierte Ziel, einen verständlichen Überblick ohne Vernachlässigung des wissenschaftlichen Anspruchs zu liefern, voll und ganz erfüllt. Vertiefende Ausführungen bleiben, wie angekündigt, weitestgehend ausgespart, jedoch liefern die Autoren an den jeweiligen Stellen vielfältige Hinweise auf vertiefende Literatur. In einigen wenigen Bereichen, wie z. B. bei den Reliabilitätskoeffizienten oder beim Schätzen, könnten solche Hinweise auf geeignete Vertiefungswerke umfangreicher ausfallen, aber dies ist eine Marginalie, die in der nächsten Auflage verbessert werden könnte. Zur besseren Verständlichkeit wird mit zahlreichen Querverweisen innerhalb des Lehrbuchs gearbeitet und es werden viele konkrete Beispielstudien aus der Kommunikationswissenschaft kurz erläutert, um den Studierenden einen Einblick in die praktische Forschung zu liefern. Es finden sich zudem immer wieder herausgehobene Definitionen sowie Merksätze und die Leser werden durch – zum Teil bewusst allgemein gehaltene – Übungsaufgaben angeregt, sich nicht nur auf das Auswendiglernen zu beschränken. Für Studierende der Kommunikations- und Medienwissenschaft ist dieses Lehrbuch im Bereich der Grundlagenveranstaltungen uneingeschränkt zu empfehlen.

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Über das BuchBertram Scheufele; Ines Engelmann: Empirische Kommunikationsforschung. Reihe: UTB basics. Konstanz [UVK] 2009, 254 Seiten, 19,90 Euro.Empfohlene ZitierweiseBertram Scheufele, Ines Engelmann: Empirische Kommunikationsforschung. von Maurer, Torsten in rezensionen:kommunikation:medien, 1. März 2011, abrufbar unter http://www.rkm-journal.de/archives/1432
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Rezensent/in
Dr. Torsten Maurer ist Geschäftsführender Rat am Institut für Medienwissenschaft der Universität Tübingen. Die Forschungs- und Interessenschwerpunkte von Torsten Maurer liegen in den Bereichen der Medieninhalts-, Mediennutzungs- und Medienwirkungsforschung, vor allem im Zusammenhang mit politischer Kommunikation. Zentrales Augenmerk gilt dabei den empirischen Methoden – und hierbei insbesondere der Inhaltsanalyse – sowie den Verfahren der statistischen Datenanalyse., Dr. Torsten Maurer ist Geschäftsführender Rat am Institut für Medienwissenschaft der Universität Tübingen. Die Forschungs- und Interessenschwerpunkte von Torsten Maurer liegen in den Bereichen der Medieninhalts-, Mediennutzungs- und Medienwirkungsforschung, vor allem im Zusammenhang mit politischer Kommunikation. Zentrales Augenmerk gilt dabei den empirischen Methoden – und hierbei insbesondere der Inhaltsanalyse – sowie den Verfahren der statistischen Datenanalyse.