Gottfried Boehm; Horst Bredekamp (Hrsg.): Ikonologie der Gegenwart
Gottfried Boehm; Horst Bredekamp (Hrsg.): Ikonologie der Gegenwart. München [Wilhelm Fink Verlag] 2009, 179 Seiten, 24,90 Euro.
Rezensiert von Silvia Seja
Der von Gottfried Boehm und Horst Bredekamp herausgegebene Band Ikonologie der Gegenwart basiert auf einer Vorlesungsreihe, die zwischen 2002 und 2007 an der Humboldt-Universität zu Berlin abgehalten wurde. Die Umschlagseite des Buches zeigt ein verlassenes Freilichtkino, dessen leere Kinoleinwand darauf zu warten scheint, durch ein Kaleidoskop von bunten Bildern belebt zu werden – etwa durch die einzelnen Beiträge des Buches. Die acht Aufsätze verfolgen das Ziel, aus jeweils unterschiedlicher Perspektive den Gedanken zu beleuchten, dass der bereits vor einigen Jahren ausgerufene iconic turn dazu geführt hat, dass Bilder nicht mehr nur als Abbildungsinstrumente fungieren, sondern ‘aktiv’ in vielfältigen Zusammenhängen verwendet werden. Im Geiste der auf Panofsky zurückgehenden Methode der Ikonologie werden Alltagsbilder, Kinobilder, Videobilder, Kunstbilder, Sprachbilder oder Gedankenbilder hinsichtlich ihrer kulturellen Bedeutung diskutiert. Die Beiträge befinden sich somit “auf der Grenze zwischen Gegenwartsbezug und Archiv”, also auf der Schwelle zwischen aktueller Lebenspraxis und Vergangenheit. [Mehr]
Michael Grisko (Hrsg.): Texte zur Theorie und Geschichte des Fernsehens
Michael Grisko (Hrsg.): Texte zur Theorie und Geschichte des Fernsehens. Reihe: Universal Bibliothek, Band 18674. Stuttgart [Philipp Reclam jun.] 2009, 343 Seiten, 9,80 Euro.
Rezensiert von Herbert Schwaab
Angesichts der gerade zu beobachtenden Veränderungen des Fernsehens durch das Internet und der Neukonfiguration seines Publikums ist die von Michael Grisko angebotene Sammlung von Texten, die sich mit der Theorie und Geschichte des Fernsehens beschäftigen, besonders hilfreich. Der Band konzentriert sich vorwiegend auf die Wiedergabe einer in Deutschland geführten ästhetischen und gesellschaftlichen Diskussion des Fernsehens. Aus diesem Grund erklärt sich die Abwesenheit wichtiger fernsehwissenschaftlicher Beiträge, die aus dem Umfeld der Cultural Studies stammen. Diese Konzentration lässt zwar befürchten, dass die in diesem Band dokumentierte Kritik von Theodor W. Adorno oder Günther Anders am Fernsehen keine Kontrastierung findet. Aber in der Lektüre zeigt sich, dass diese Konzentration auch die Möglichkeit bietet, der Genese bestimmter fernsehwissenschaftlicher und -kritischer Positionen beizuwohnen. Vor allem die Texte aus den Jahren, in denen sich das Medium zu formieren beginnt, liefern interessante Erkenntnisse über das ‘Wesen’ des Fernsehens. [Mehr]
Petra Grimm; Rafael Capurro (Hrsg.): Informations- und Kommunikationsutopien
Petra Grimm; Rafael Capurro (Hrsg.): Informations- und Kommunikationsutopien. Reihe: Medienethik, Band 7. Stuttgart [Franz Steiner Verlag] 2008, 161 Seiten, 23,– Euro.
Rezensiert von Barbara Thomaß
Utopien können eine träumerisch-eskapistische Tendenz haben – dann stellen sie entrückte Gegenentwürfe zu zeitgenössischen Lebenserfahrungen dar; oder eine vorwärtsstrebende – dann suchen sie nach Möglichkeiten, Unbilden des Gegenwärtigen durch Alternativen zu überwinden, die erst unter zu erwartenden oder zu erhoffenden zukünftigen Bedingungen zu verwirklichen sind. Ebenso verhält es sich mit Kommunikationsutopien, die an den jeweils gegenwärtigen kommunikativen Bedingungen und Erfahrungen anknüpfen und dann über sie hinaus reichen. Insofern sind Kommunikationsutopien zeitabhängig. Sie verweisen auf Defizite, die Menschen in ihrer aktuellen kommunikativen Vernetzung erfahren. So können Kommunikationsutopien ein Schlüssel zum Verständnis von empfundenen Mängeln aktueller Verständigungsprozesse sein. [Mehr]
Ursula Amrein (Hrsg.): Das Authentische
Ursula Amrein (Hrsg.): Das Authentische. Referenzen und Repräsentationen. Zürich [Chronos Verlag] 2009, 360 Seiten, 31,– Euro.
Rezensiert von Susanne Knaller
Der von der Zürcher Germanistin Ursula Amrein herausgegebene Sammelband Das Authentische. Referenzen und Repräsentationen geht zurück auf eine im April 2006 im Centro Stefano Franscini auf dem Monte Verità bei Ascona veranstaltete Tagung unter dem Titel “Das Authentische. Zur Konstruktion von Wahrheit in der säkularen Welt”. Der Tagungsband bietet einen neuen Untertitel. Mit den Begriffen “Referenz” und “Repräsentation” ist dem ontologisch aufgeladenen Haupttitel ein semiotisches Moment an die Seite gestellt, das die dem Problemfeld “authentisch/Authentizität” inhärente Ambivalenz zwischen Konstruktivität und Transzendenz betont. Die einzelnen Artikel aus den Bereichen Philosophie, Kunst, Literaturwissenschaft, Medienwissenschaft, Soziologie, Theologie, Psychoanalyse, Neurologie, Übersetzungs- und Editionswissenschaft sind unterschiedlich positioniert. Dabei fällt auf, dass der titelgebende Begriff “das Authentische” in der Regel durch “Authentizität” ersetzt wird. [Mehr]
Anja Johanning: Kompetenzentwicklung im Internet
Anja Johanning: Kompetenzentwicklung im Internet. Fallstudie über eine Community of Practice. Reihe: Internet Research, Band 35. Baden-Baden [Nomos/Edition Reinhard Fischer] 2009, 289 Seiten, 29,– Euro.
Rezensiert von Matthias Berg
Mit Kompetenzentwicklung im Internet präsentiert Anja Johanning die Ergebnisse ihres Dissertationsprojektes, in dem sie sich mit organisationsübergreifenden Online-Communities of Practice auseinandergesetzt hat. Diese werden definiert als “informelle, berufsbezogene Personengruppen, die ein gemeinsames Anliegen in Form von ähnlichen Problemstellungen oder einer gemeinsamen Leidenschaft für spezifische Themen aus dem Arbeitsalltag teilen” und sich darüber im Internet austauschen (83). Ziel der Studie ist die Klärung der übergeordneten Forschungsfrage nach der Rolle, die eben jene internetbasierten Praxisgemeinschaften bei der Entwicklung individueller Kompetenzen ihrer Mitglieder einnehmen. Dieser Zielsetzung geht Johanning mittels einer im Mehrmethodendesign angelegten Fallstudie zu sekretaria.de, einem Internetforum (überwiegend) für Sekretärinnen, nach. Dabei nimmt sie eine kommunikationswissenschaftliche Perspektive ein, die sie um Ansätze aus den Bereichen der Tätigkeitspsychologie und (Berufs-)Pädagogik erweitert. [Mehr]
Christian Papsdorf: Wie Surfen zu Arbeit wird
Christian Papsdorf: Wie Surfen zu Arbeit wird. Crowdsourcing im Web 2.0. Mit einer Einleitung von Günter G. Voß. Frankfurt am Main, New York [Campus Verlag] 2009, 201 Seiten, 24,90 Euro.
Rezensiert von Christian Pentzold
Will man sich einen Überblick über die internetbasierten Beziehungen zwischen Unternehmen und Kunden machen, so trifft man auf eine Reihe von Ausdrücken wie etwa “mass collaboration”, “open innovation” oder “mass customization”, deren konzeptionelle Tragfähigkeit und empirische Relevanz zunächst fraglich ist. Eine diesbezügliche Klärung verspricht die 2009 veröffentlichte Diplomarbeit von Christian Papsdorf. Der Fokus des Buches liegt dabei auf dem Phänomen des Crowdsourcing. Die Arbeit gliedert sich im Groben in zwei Teile entsprechend der beiden verfolgten Fragestellungen. Der erste Teil hat zum Ziel, eine Definition von Crowdsourcing zu entwickeln (Kap. 2) und es dementsprechend theoretisch zu verorten (Kap. 3). Hierzu unternimmt der Autor zuerst eine qualitativ-explorative Untersuchung von exemplarischen Fällen, welche anschließend zu fünf Modi kategorisiert werden. [Mehr]
Annette Siemes: Zahlen in Medienangeboten
Annette Siemes: Zahlen in Medienangeboten. Eine Studie zur Konstitution und Funktion medialer Zahlenwirklichkeiten. Reihe: Beiträge zur Kulturwissenschaft, Band 17. Oberhausen [ATHENA-Verlag] 2009, 356 Seiten, 29,50 Euro.
Rezensiert von Wiebke Loosen
Zahlen in Medienangeboten sind aus der journalistischen Berichterstattung nicht wegzudenken und spielen unter anderem eine zentrale Rolle bei der Darstellung von Umfrageergebnissen, Wirtschaftsdaten und Grafiken. Auf derart anwendungsorientierte Beispiele zielt die Arbeit von Annette Siemes, die 2008 an der TU Chemnitz als Dissertation angenommen wurde, allerdings nicht unmittelbar ab. Ihr geht es sehr viel grundlegender und in theoretischer und empirischer Hinsicht um die Funktion von Zahlen bei der Konstruktion von Wirklichkeit sowie um die Muster des Umgangs mit Zahlen in Kommunikationen, welche sie anhand von Medienangeboten analysiert. Bei diesem Vorhaben geht die Autorin in allen Teilen ihrer über 350 Seiten umfassenden Arbeit sehr genau, fast schon akribisch zu Werke. [Mehr]
“Nur dem, der das Glück verachtet, wird Erkenntnis”
Claude E. Shannon; Warren Weaver: The Mathematical Theory of Communication. Urbana [University of Illinois Press] 1949, 144 Seiten.
Wiedergelesen von Jens Loenhoff
Was von Georg Trakl ernst gemeint aufs Leben bezogen, schien für Kommunikations- und Sprachwissenschaft lange nicht zu gelten, leistete diese sich doch das Glück der Entlastung vom Komplexen. Dazu verhalf ein Buch, das wie kaum ein anderes in den zuständigen Disziplinen Geschichte machte: The Mathematical Theory of Communication von Claude E. Shannon und Warren Weaver. An keiner naturwissenschaftlichen Theorie haben sich die Sozialwissenschaften nach dem zweiten Weltkrieg so stark orientiert, keine Theorie ist so sehr auf beliebige Gegenstände verallgemeinert und so ausgiebig popularisiert worden. Noch in einem 1956 erschienenen Artikel bekräftigt Claude E. Shannon seine Warnung, den Informationsbegriff nicht auf interpersonelle Kommunikation zu übertragen, doch diese Mahnung verhallte, wie wir heute wissen, ungehört – auch und gerade dort, wo man es hätte besser wissen können. [Mehr]
Cass R. Sunstein: Infotopia
Cass R. Sunstein: Infotopia. Wie viele Köpfe Wissen produzieren. Aus dem Englischen von Robin Celikates und Eva Engels. Frankfurt am Main [Suhrkamp Verlag] 2009, 285 Seiten, 24,80 Euro.
Rezensiert von Rainer Kuhlen
Von den richtigen Leuten zitiert zu werden, ist eine Freude für Autoren. Dass James Boyle in seinem Buch The Public Domain das Kapitel 8 zur “verteilten Kreativität” mit dem Hinweis auf Yochai Benklers The Wealth of Networks beginnt, ist recht und und billig. Benklers Grundzüge einer “commons-based economy”, in der sich über “peer production” neuen Formen verteilter Kreativität entfalten können, ist in der Tat das Standardwerk zu diesem Thema. Aber gleich im nächsten Absatz heißt es: “Benkler’s work is hardly the only resource however. Other fine works covering some of the same themes include: Cass R. Sunstein, Infotopia: How Many Minds Produce Knowledge (New York: Oxford University Press, 2006)”. Das hat Cass R. Sunstein bestimmt gefreut. Sein Buch liegt jetzt mit dem gleichen Titel und dem Untertitel “Wie viele Köpfe Wissen produzieren” im Suhrkamp-Verlag vor, aus dem Amerikanischen flüssig und ohne erkennbare Einbuße übersetzt von Robin Celikates und Eva Engels. [Mehr]
Michael Meyen; Claudia Riesmeyer: Diktatur des Publikums
Michael Meyen; Claudia Riesmeyer: Diktatur des Publikums. Journalisten in Deutschland. Konstanz [UVK] 2009, 270 Seiten, 29,90 Euro.
Rezensiert von Johannes Raabe
Michael Meyen, in der Vergangenheit vor allem mit Studien zu den DDR-Medien, zur Mediennutzung und mit Veröffentlichungen zur Geschichte der Disziplin an die Fachöffentlichkeit getreten, hat sich in den letzten Jahren dem Feld der Journalismusforschung zugewandt und 2009 zwei Journalistenstudien vorgelegt: gemeinsam mit Nina Springer eine Untersuchung über freie Journalisten in Deutschland (siehe r:k:m-Rezension von Siegfried Weischenberg vom September 2009) und kurz darauf mit seiner Mitarbeiterin Claudia Riesmeyer die hier angezeigte Veröffentlichung einer Untersuchung über Journalisten in Deutschland. Ausgangspunkt der Studie ist eine knappe, pauschalkritische Auseinandersetzung mit klassischen Arbeiten der Journalismusforschung von Kepplinger, Köcher und Donsbach einerseits, Weischenberg und Mitarbeitern andererseits. Sie dient der Legitimation des eigenen Vorhabens und der Begründung für ein alternatives methodisches Vorgehen. [Mehr]
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